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  Eigenwerbung

Die Furcht der Männer vor der Urologin

Schwer begehbares Terrain
Dieser Artikel ist wirklich ernst gemeint. Er handelt von falscher Scham und einigen Irrtümern, sowie merkwürdigen Befürchtungen von Männern und Frauen, die sich nicht "unter sich" fühlen. Falls du ein Mann bist: Geh in jedem Fall zur Prostata-Vorsorgeuntersuchung. Egal, ob du da einer Frau oder einem Mann begegnest.

Vor Jahren genoss ich eine Auszeit in einer Einrichtung, die im Allgemeinen „Reha“ genannt wird. Normalerweise wurden Männer im dritten Stock behandelt, Frauen im zweiten. Die medizinischen Bäder mit lindernden Substanzen hatte man allerdings in den zweiten Stock verlegt.

Da saß ich also in der Abteilung für Damen und wurde kritisch beäugt. Nach einiger Zeit fasste sich eine feine Dame mittleren Alters das berühmte Herz und fragte ich in ungewohnt direktem Ton: „Sie sie sicher, dass sie hier richtig sind?“ Ich antwortete „absolut sicher, meine Dame.“ Daraufhin versuchte die Dame, an mir vorbei zu blicken, aber der Zweifel und die Verwirrung blieben weiterhin wie Zwillinge in ihrem Gesicht stehen.

Es ist merkwürdig, dass sich manche Orte als „weiblich besetzt“ gelten, andere als männlich. Etwas typisch „männliches“ ist, da sind sich viele sicher, eine Urologenpraxis, auch „Männerarzt-Praxis“ genannt. Was an diesem geheimnisumwitterten Ort geschieht, dringt so gut wie nie an die Öffentlichkeit – nicht einmal an das Ohr mancher Männer. Und Frauen wollen schon gar nicht wissen, was da mit den Männern geschieht.

Einmal bin ich in der urologischen Praxis einem weitläufigen Bekannten begegnet, der sich sofort für seinen Besuch dort entschuldigte. Man geht nicht zum Urologen, es sei denn, gar nichts geht mehr. Und sollte das so sein, dann meint der Mann nicht, dass er unter „Harnverhaltung“ leidet, sondern unter einer Störung … na ja, eben diese Störung. Und dies ist ihm peinlicher, als wenn’s mal in die Hose geht.

Und weil alles so schrecklich peinlich ist, was den „richtigen Mann“ bewegt, geht er oft erste gar nicht zur Vorsorgeuntersuchung. Und wenn er sich dann tatsächlich schamvoll dorthin quält, dann hofft er, dass ihn der „Männerarzt“ beruhigt – schließlich redet man dort ja von „Mann zu Mann“.

Nun gibt es tatsächlich Frauen, die den Beruf des Urologen ausüben: Urologinnen. Und dazu las ich: „Welcher Mann geht denn freiwillig zu einer Urologin?“ Oder „haben niedergelassene Urologinnen nicht (einmal) so viel Kundschaft wie ein Schneeräumdienst im Sommer?“ (Zitat: „Der Spiegel“)

Nur, er schon einmal in einer Institution des Gesundheitswesens Kontakte mit einer Urologin hatte (und dies bemerkte, weil er bei Bewusstsein war) weiß es. Und es ist wirklich genau wie bei den männlichen Urologen.

Allerdings frage ich mich, wie die liebenswerten Mit-Patientinnen in den Wartezimmern der Urologinnen reagieren werden, wenn dort plötzlich ein Mann auftauchen würde. Ob sie ihn irgendwann einmal fragen würden, ob er sich nicht in der Praxis geirrt hat?

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