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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Wie viel Wahrheit steckt in erotischen Geschichten?

Teilhaben an den Lüsten anderer
Ich habe gewisse Zweifel, dass jemand erotische Geschichten lesen würde, die unzweifelhaft wahr sind. Und ich weiß, dass kaum eine professionelle Autorin oder ein professioneller Autor über ein so reichhaltiges, differenzierte und stets positives Sexualleben verfügt, dass alle Geschichten wahr sein können.

Ob etwas „wahr“ ist oder „glaubwürdig“ ist ein großer Unterschied. Die meisten Menschen versuchen, glaubwürdige erotische Schilderungen in ihre Werke einzubringen. Erstaunlicherweise ist die aber nicht nötig – denn die wildesten Werke der Weltliteratur wie auch der moderne erotische Bestseller „Shades of Gray“ sind weder glaubwürdig noch nachvollziehbar.

Was machen sie dann mit uns? Sie sprechen Instinkte, Begierden und Wünsche in uns an, die wir üblicherweise unterdrücken. Aber wie andere damit umgehen, das würden wir als Leser(innen) eben doch gerne wissen, weil wir heimlich davon träumen. Und genau aus diesem Grund trennen auch Autorinnen und Autoren einen Teil ihre eigenen geheimen Wünsche ab, um ihre Figuren als Stellvertreter vorzuschicken.

Wir schreiben nicht über uns, auch wenn dies viele glauben

Ich habe gelesen, dass wir uns, bevor wir Erotik schreiben, in uns gehen sollten, was sich so liest:

Wir dürfen niemals außer Acht lassen, dass der sexuelle Tenor der Zeit, des Ortes und der Familie, in der wir aufgewachsen sind, unauslöschlich mit unserer Psyche verbunden sind.

Das mag richtig sein, aber es ist kein gutes Konzept. Erotisches Schreiben bedingt zwar, dass wir unser „Selbst“ ein wenig kennengelernt haben. Aber wir schreiben nicht über unser „Selbst“, sondern über einen dünnen Faden, der möglicherweise auch dazu gehört, der aber erst einmal isoliert werden muss, um zu voller Blüte zu kommen.

Das eigene Erleben - meist ungeeignet für Erotik-Geschichten

Mithin schreiben Autorinnen und Autoren ihre erotischen Geschichten nicht nach dem Muster des eigenen, vergangenen Erlebens. Eine Figur muss in die Zeit passen, in die sie gestellt wurde, an den Ort, an dem sie agiert. Und dazu wird sie mit Eigenschaften, Fähigkeiten und Gefühlen ausgestattet, über die sie im Rahmen ihrer sexuellen Wünsche verfügen muss. Und - die Figur darf sie sogar weiterentwickeln, und das überrascht bisweilen sogar ihre Schöpferin.

Dies bringt mich dazu, einer gerade populären Behauptung entgegenzutreten, dies ich ungefähr so liest (Zitat einer Bloggerin):

Wenn du als Cis-Frau schreibst, aber eigentlich ein heterosexueller Cis-Mann bist, dann projizierst du deine eigenen Fantasien über Frauen in deine Figur. In Wirklichkeit sind Frauen (aber) keine eindimensionalen Charaktere, die genau zu deinen Fantasien passen, (sondern) vielseitige Menschen mit (eigenen) Gedanken, Überzeugungen und Wünschen, die oft überraschend sind.

Frauen sind in der Tat vielseitige Menschen – und erstaunlicherweise sind Männer ebenso vielseitig und überraschend. Der Effekt erotischer Geschichten besteht ja gerade darin, dass die Handlung nicht „voraussehbar“ verläuft, sondern Überraschungsmomente enthält. Und schon deshalb versuchen Autorinnen wie auch Autoren, genau diese Momente herauszuarbeiten – bei Frauen und Männern, sogenannten „Heterosexuellen“ und allen anderen Ausrichtungen.

Hinweise: Dieser Artikel wurde hier veröffentlicht, weil wir glauben, dass erotische Literatur für euch interessant sein könnte. Das Zitat der Bloggerin würde auf eine Seite hinweisen, auf die wir nicht verlinken können und wollen. Das andere Zitat entstammt dem Standardwerk "Erotik Schreiben" von Elisabeth Benedict.

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