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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Was ist Pornografie wirklich?

Viele Maler nahmen sich orientalische Harems als Vorbild, um Frauen sinnlich darzustellen
Die Definitionen von Pornografie sind vielfältig. Was jeweils Pornografie ist, wird von der Kultur und ihrem Zeitgeist beeinflusst, aber auch nach ethischen und legalen Gesichtspunkten beurteilt. Je „lüsterner“ eine Schilderung ist, und je mehr sie bloße sexuelle Handlungen aneinanderreiht, umso eher wird eine Schrift als „pornografisch“ angesehen.

Pornografie kontra Erotik?

Allgemein wird die Beschreibung des sexuellen Verhaltens als „Pornografie“ bezeichnet, wenn sie ausschließlich der sexuellen Erregung dient. Nicht nur Schriften werden als „Pornografie“ bezeichnet, sondern auch Bilder, Filme und sogar Statuen, bei denen die Geschlechtsmerkmale deutlich hervortreten.

Als „erotisch“ bezeichnet man hingegen jegliches Material, in dem die Lust zwischen Personen mit ihren Gefühlen in Verbindung bleibt. Allerdings sind die Grenzen sehr subjektiv und sie spiegeln die jeweilige Kultur wieder, unter der die Darstellungen entstanden.

Das Handeln der Huren - die ursprüngliche Bedeutung

Im Grunde kann man das Wort „Pornografie“ durchaus einschränken. In diesem Sinne wäre „reine Pornografie“ das, was eine Hure ihrem Kunden anbietet. Diese Handlungen werden emotionslos oder mit gespielten Emotionen vollzogen, was im Grunde genommen auch in der Pornografie geschieht.

Erotische Darstellungen in Kunst und Wissenschaft

Allerdings nutzte andere Kulturen sexuelle Darstellungen durchaus als „Lehrmaterial“ für angehende Ärzte, zukünftige Ehefrauen und Kurtisanen. Ein Teil dieser Darstellungen war (und ist nach wie vor) künstlerisch wertvoll und zugleich sehr detailliert beschrieben.

Die Briten und die "Viktorianische Epoche"

Als erste Blütezeit der „Pornografie“ galt die „Viktorianische Epoche“. Aus dieser Zeit ist viel Material erhalten geblieben, besonders das monströse Werk „My Secret Life“, das als weitgehend autobiografisch und beispielhaft gilt. Die Zeitschrift, „The Pearl“, die zum Ende des 19. Jahrhunderts erschien, brachte beispielsweise erotische Fortsetzungsromane. Zugleich erschienen Werke, die auf Besonderheiten der „Erziehung“ hinwiesen, wie etwa „Gynecocracy“ oder das schaurig-schöne und aus heutiger Sicht „unsägliche“ anonyme Machwerk „Birch in The Boudoir“, das teilweise im Orient spielte.

Was an Problemen weiter existiert - das "Offizielle" bleibt prüde

Danach gab es ein ständiges Auf und Ab im Verständnis dessen, was pornografisch ist und was nicht. Jede Epoche sucht sich Themen, die darauf beruhen, dass ein bis dato unerwünschter Aspekt der Sexualität in den Vordergrund gedrängt wurde – das ist bis heute so. (Als Beispiele mögen Homosexualität oder BDSM dienen).

In der Gegenwart wird teilweise für, dann aber auch gegen freizügige Darstellung sexueller Szenen gekämpft. Auch die Frage, wie realistisch das Material im Sexualkundeunterricht sein darf, wird immer noch diskutiert. Man kann daran erkennen, dass es noch lange keine einheitliche Meinung darüber gibt, wie weit man auf welcher Ebene bei „sexuellen Darstellungen“ gehen darf. Nach wie vor gibt es heftige Diskussionen darüber, welche Kunstwerke man öffentlich zeigen darf und welche nicht.

Bonmots - alles eine Frage der Lichtführung?

Zur Unterscheidung von Pornografie und Erotik gibt es zahllose Bonmots. Eine der liebsten ist mir der eines Autors, dessen Name ich vergessen habe: „Pornografie ist das, was man sieht, Erotik das, was man sich darunter vorstellt.“ Ähnlich äußerte sich auch die Darstellerin Gloria Leonard, die sagte: „Der Unterschied zwischen Pornografie und Erotik liegt in der Lichtführung“. Ein anderes Bonmot sagt: „Bevor du den Unterschied zwischen Pornografie und Erotik suchst, solltest du den Unterschied zwischen Nacktheit und Entblößung kennen“.

Und schließlich weiß die Autorin Elisabeth Benedict noch etwas sehr Simples: „Erotische Literatur handelt immer von Sex und noch etwas anderem.“ Dem stimmen wahrscheinlich viele Menschen zu.

Zu erwähnen wäre noch, dass auch die Rechtsprechung regelt, was „pornografisch“ ist und was nicht.

Dieser Artikel wird demnächst auch im „Lexikon der Lust“ erscheinen. Wer Anmerkungen dazu hat, möge sie an die Redaktion schicken. Bild oben: Odaliske, von Georges Antoine Rochegrosse (Datum unbekannt).

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