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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Hesi-Dating

In die Zukunft schon - aber wie, wohin und mit wem?
Ei, ei, da gibt es doch einen „neuen“ Dating-Trend, und selbst ich habe erst einmal gestutzt, als in den Namen las: Hesi-Dating. Wer sich nun fragt, wo das Hasi im Wort herkommt – es ist kein Hase und kein Kaninchen, und wie müssen auch nicht „hinunter ins Kaninchenloch“, um das Wort auszubuddeln.

Woher das Wort "Hesidating" wirklich kommt

Also klären wir die Unwissenden mal auf, bevor noch mehr Redakteurinnen von Frauenzeitschriften damit herumspritzen. Denn das Wort ist längst bekannt (mindestens seit 2006) und es leitet sich von der Lautähnlichkeit von „to hesistate“ und „Hesidate“ her. Das Wort „hesistate“ (zögern) ist einer der vornehmeren Ausdrücke im Englischen – das merkt man daran, dass es der französischen Sprache entsprungen ist. Auch in der deutschen Sprache wird „zögerliches Verhalten“ außerhalb der Literatur nur selten verwendet.

Die angebliche Quelle der Behauptungen ist eine Dating-App

Der Begriff wurde nach einschlägigen Presseberichten von der Singlebörse „Plenty Of Fish“ geprägt – das ist zwar falsch, aber hören wir erst einmal, was man dazu sagte:

Sich nicht eindeutig klar über ihr Dating-Verhalten zu sein, und unsicher darüber, ob sie ernsthaft oder zwanglos suchen.

Als Begründung wir dabei angeblich festgestellt:

(… sie tun dies, weil das Leben im Allgemeinen im Moment so ungewiss ist.)

Womit man geschickt eine Brücke gebaut hat zur Pandemie. Und Pandemie bedeutet jetzt eben „Dating“ wird zu „Hesidating“. Was Hesidating wirklich ist? Sich treffen, ohne sich sicher über den Ausgang zu sein, oder das Ziel des Dates offen zu halten. Das gilt teils als normal, teils als ethisch verwerflich.

Was ist Partnersuche eigentlich?

Nun mag es ja sein, dass ein Teil der Jugend, an die sich solche Worte reichten, inzwischen „anders Daten“. In Wahrheit aber ist jedes Treffen, das allzu engstirnig auf eine „dauerhafte Partnerschaft“ ausgerichtet ist, ein krampfhafter Versuch, sich „jemanden zu fangen“. Bei wirklich sinnvollen Verabredungen entwickelt sich Sympathie, aber durchaus auch Begierde, während des ersten Zusammenseins. Wie schon erwähnt ist die Partnersuche immer ein Risiko: Deshalb ist es unsinnig, sich von vornherein festzulegen. Mich graut es jedes Mal, wenn ich einschlägige Sendungen sehe, in der die Familienplanung und Wohnungsfrage bereits theoretisch vollzogen ist, bevor das Dessert serviert wird.

Damit du nicht ins Hesidating verfällst - fragwürdige Vorschläge

Und was eine „richtige“ Frauenzeitschrift ist, die sagt uns nun, was „du dagegen tun kannst“. Und das ist die übliche Leier (interpretiert):

1. Sich bewusster werden („wer bist du, was suchst du, wen willst du“).
2. Wieder (oder erstmals) zu lernen, wie man ein Date gestalten kann. („Was macht man da eigentlich, wie zieht man sich an, über was redet man, wie flirtet man“).
3. Gut auswählen oder im Jargon: „Grenzen ziehen“, also sich nicht mit jedem oder jeder zu verabreden.

Widersprüchliche Aussagen von "Experten"

Übrigens ist die gesamte Berichterstattung über das Thema voller Überraschungen – denn auch die selbst ernannten „Experten“ und Expertinnen“ sind sich nicht einig, wo die „goldene Schranke“ zwischen „ernst“ oder „locker“ verläuft. So wird beispielsweise Ehe- und Familientherapeutin Vienna Pharaon zitiert:

Es ist wichtig, zu wissen, was man braucht, um sich bei einem Date wirklich wohlzufühlen. Dabei ist es ganz gleich, ob man nach etwas Ernstem oder nur nach einem lockeren Treffen sucht.

Ist als Hybriddating oder „Hesidating“ doch gut? Die angebliche Datingexpertin Jasmine Diaz schlägt jedenfalls den gleichen Ton an:

Vieles von dem, was wir über unsere Wünsche an eine Beziehung zu wissen glaubten, hat sich möglicherweise geändert. Vielleicht ist das, was du zuvor bevorzugt hast, für dich keine Priorität mehr. Was du vorher hochgeschätzt hast, ist jetzt nicht mehr so wertvoll.

Das Gegenteil dieser Aussagen kommt – wie könnte es anders sein – von der Seite einer „seriösen“ App. Darüber heißt es:

Ein Forschungsteam der Dating-App "Hinge" hat herausgefunden, dass viele Singles sich während der Pandemie tatsächlich Zeit genommen haben, um über ihre bisherigen Dating-Gewohnheiten nachzudenken. Das hat vor allem zu mehr Achtsamkeit bei der Auswahl geführt.

Kein Wunder, denn „Hinge“ behauptet von sich, in jedem Fall für „langfristige Beziehungen“ zu stehen.

Das Fazit - unnützes Geplapper um gar nichts

Am Ende des Tages – was bleibt? Ein sinnloses Geplapper, das niemandem nützt. Partnersuche ist immer und überall ein Spiel mit den Möglichkeiten, und die Spontanität gehört ebenso dazu wie das Zögern. Wer das bestreitet, hatte entweder nie Verabredungen oder er versucht, uns alternative Wahrheiten auf die Nase zu binden.

Zitate: Deutsche Ausgabe von Glamour , Originalausgabe (englisch, UK) von Glamour. Originaldefinition von 2006: Urban Dictionary
Auch rudimentär in in "Miss AT".

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