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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Aus der Küchenpsychologie: Beziehungsunfähigkeit

Psychologischer Deckmantel für Geschlechterklischees des 19. Jahrhunderts?
Urteile sind schnell gefällt – Tatsachen oder Beweise sind deutlich schwerer zu finden. Oh nein, ich bewege mich nicht im Umfeld der Kriminalromane. Ich wurde mit der Nase auf die Küchenpsychologie gestoßen.

„Beziehungsunfähigkeit“ existiert nicht als exakter, für alle verbindlicher Begriff. Er ist eine Zuweisung und zugleich eine Abwertung. Ein Mensch, der keine Beziehungen eingehen kann? Das kann nur einer (oder eine) sein, der (die) nicht „alle Tassen im Schrank hat“.

Die Frauenpresse und die Verbreitung von Klischees

Schon früher ein Thema?
Die Frauen-Presse ist voll davon, die Behauptung fortzutragen, jemand sei „beziehungsunfähig“ – das Internet quillt davon über. Ich las sogar weitere Zuweisungen, die ebenso abenteuerlich sind: Oftmals wird der „geringe Selbstwert“ angeführt, der nach und nach zum psychologischen Fetisch wird, dann wieder ist die Welt voller Narzissten, und meist sind sie „männlich“. Und immer wieder werden „Experten“ genannt, die solche Thesen bestätigen. Die „Brigitte“ wusste sogar „Elf Sätze“(1), mit denen sich „beziehungsunfähige Männer verraten“. Männer, wer sonst? Frauen sind offenbar vom Naturell her beziehungsfähig. Dies ist nur eines der vielen Beispiele, mit der Frauenzeitschriften Geschlechterklischees verfestigen, um ihre Leserinnen bei der Stange halten. Und weil das so ist, werden „Zuweisungen“ von weiblich orientierten Medien an Männer nie aufhören.

Unabhängig davon gibt es nicht den geringsten Beweis für „generelle“ Beziehungsunfähigkeit. Sich noch nicht binden zu wollen, vorläufig weder heiraten zu wollen noch Kinder zu haben sind keine glaubwürdigen Argumente für einen psychischen Defekt. Es ist vielmehr ein legitimer Ausdruck der persönlichen Freiheit, den durchaus auch Frauen für sich in Anspruch nehmen.

Ich kann wenig dazu tun, dass die Küchenpsychologie mit den anderen Küchendämpfen verschwindet. Und diejenigen, die es könnten, denken gar nicht daran, es zu tun. Unabhängig davon taucht jeden Tag ein neuer „Experte“ auf, der (oder die) „weiß“, woran es liegt, dass „wir“ heute so gut wie beziehungsunfähig sind.

(1) Frauenzeitschrift Brigitte (lediglich ein Beispiel von vielen Frauenmedien)
Bild: Illustration für das Buch "Mann und Weib". Anzeige aus etwas der gleichen Zeit.

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