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Das lästige Gendern und die "Romance Gender Gap"

Das lästige Gendern und die „Romance Gender Gap“ beschäftigt sich nicht allein mit dem „Vergendern“ der Sprache, sondern auch damit, gewisse Ideologien nachhaltig in die Sprache einzubauen. Neuerdings gib es noch einen PR-Trick: Man nutzt den Begriff „Gender Gap“ , um die PR für seine Dating-App zu verbessern. Offenbar mit Erfolg.

Was ist eigentlich eine "Gap"?

„Mind the Gap“ kennst ihr wahrscheinlich, wenn ihr in London mal U-Bahn gefahren seid. Denn zwischen der letzten Trittstufe (beim Aussteigen) und dem Bahnsteig befindet sich auf vielen U-Bahnhöfen eine Lücke.

So weit, so gut. Das Wort „Gap“ wird auch benutzt, wenn es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, dann heiß es „Gender Gap“. Leider hat auch der gender-ideologisch begründete Unterstrich den gleichen Namen bekommen.

Ein Unterstrich als Transportmittel für eine Ideologie

Gehen wir zunächst mal dem Strich nach: Wer schreibt „Lehrerinnen und Lehrer“ ist ein gebildeter Mensch, der allerdings viel Mühe auf Geschlechtergerechtigkeit verwendet. Wer hingegen schreibt „Lehrer_innen“, der will entweder zeigen, dass es eine sprachliche Gleichstellung zwischen Lehrerinnen und Lehrern gibt oder auch das Gegenteil beweisen. Das bedeutet: Beide lehren zwar, aber es gibt zwischen ihnen Unterschiede. Das ist zwar ein Teil der ideologischen Verblendung, die derzeit von Soziologen und Soziologinnen ausgeht, steht aber tatsächlich so im Internet. (Zitat, 1)

Der Gender-Gap ist ein Unterstrich, der zwischen Wortstamm und weibliche Endung gesetzt wird. Er schafft eine Lücke zwischen Männern und Frauen und damit Raum für die Vielfalt der Geschlechter.

Und als ob dies die Ideologie nicht schon genügend unterstreichen würde,, fährt der Autor (oder die Autorin) der Webseite fort:

Der Gender-Gap hat eine politische Bedeutung: Er soll stören, irritieren und zum Nachdenken anregen über die Binarität von Mann und Frau.

Nun gut, ich könnte das ja mal ignorieren: Ideologen sind zwar lästig, richten mit ihrer Selbstherrlichkeit oder Selbstfraulichkeit auch nicht allzu viel Schaden an.

Und was hat mich bewegt, diesen Artikel dennoch zu schreiben?

Die Gender-Gap mal ohne Unterstrich - was heißt denn das Wort?

Die Gender-Gap in einer neuen Variante – und nun müssen wir mal weg vom Strich und hin zu den Unterschieden. Da sind wir beim Duden ganz gut aufgehoben, der schreibt (Zitat, 2):

Signifikanter Unterschied zwischen den sozialen Geschlechtern im Hinblick auf Lebensbedingungen, Einkommen, Verhalten, Fähigkeiten, Interessen u.Ä.

Die Definition stammt, wie unschwer zu erkennen ist, ebenfalls aus der Soziologie. Ich bin gespannt, wie der Duden-Benutzer mit dem Satz „Signifikante Unterschiede zwischen den biologischen Geschlechtern“ umgehen würde.

Die APP und die "Gender Romance Gap"

Das alles war nur der Anfang, denn nun hat sich eine „App“ des Begriffs bemächtigt, noch das Wort „romantisch“ hinzugefügt und es für die eigene PR benutzt.

Das heißt dann: „Gender Romance Gap“ oder auch ohne „Gender“ nur „Romance Gap“. Die Frauenzeitschriften, die immer auf alles fliegen, was als „Dating Phänomen“ vermarktet werden kann, erklären es anhand der Unterlagen, die sie von den Betreibern der App bekommen haben. Im Prinzip ist dies sogar ein Akt der Aufklärung, denn die App-Betreiber beschreiben die „Romance Gap“ als (Zitat,3, Übersetzung):

Die Diskrepanz im Verhalten, das von männlichen … Personen und weiblichen Personen beim Dating und in Beziehungen erwartet wird, oder von Personen, die sich als „männlich“ oder „weiblich“ darstellen. Dieses Phänomen könnte Liebessuchende davon abhalten, beim Dating oder in Beziehungen ihr authentisches Selbst zu sein.

Das ist nun wirklich ein Satz, über den wir mal nachdenken könnten – und sollten. Wir kennen Oberkellner, denen man ansieht, dass sie sehr bewusst das Schauspiel aufführen, Oberkellner zu sein. Oder Sparkassenfilialleiter, die aussehen und sprechen, als sein sie ein Klischee eines „Bankbeamten“. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Mann dem Klischee entsprechen will, von dem er glaubt, dass Frauen dementsprechende Männer lieben. Und für Frauen gilt, dass sie beim Dating in der Jugend ganz bewusst eine Rolle spielen sollten, die dem Mann gefällt (nicht nur in den USA).

Falscher Begriff oder unsinnige Erläuterungen?

Und, hallo liebe Frauenzeitschriften: Nein, es handelt sich nicht um einen Dating-Trend, sondern um ein Verhalten, um jemandem gefallen zu wollen. Deswegen eine Rolle zu spielen, ist für viele Menschen ein Teil ihres Lebens – und kein Trend. Ich denke, Bewerber (mal ohne _innen) werden ein Lied davon singen können – und Personalleiter(innen) auch.

Wenn heute jemand sagt: „Die Romance Gap muss unbedingt abgeschafft werden“, dann ist er (sie?) einem Irrtum zum Opfer gefallen. Erstens ist diese Lücke kein Trend, sondern war schon immer eine Form der Selbstdarstellung, und zweitens kann man so etwas nicht „abschaffen“, sondern bestenfalls für sich selbst ändern.

Übrigens steht beim sogenannten „Dating“ nur die Person für sich selbst ein – sie kann also so viel oder so wenig schauspielern wie sie will und sich „anpassen“ oder auch nicht.

Und bevor ich es vergesse: Wer nach wie vor nach „Gentlemen“ sucht, wie so viele Frauen, der ist mitten drin im Rollenklischee – oder in der Märchenwelt.

Zitat (1) Genderleicht
(2) Duden
(3) Bumble.


Hinweis zur Rechtschreibung: Der Duden empfiehlt eine andere Schreibweise für "Gender-Gap", nämlich "Gendergap" und sieht "Gap" als männlich an. Ich hatte mich mal für weiblich entschieden (die Lücke), was laut Duden aber falsch ist.

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