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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Brauchen wir eine „neue“ Sexualmoral?

Liest man einige „neue“ Artikel über das „Wunsch-Dasein der Frau im 21.Jahrhundert“, so könnte man (und „frau“ auch) glauben, wir seien bei der Ethik irgendwo im 18. oder 19. Jahrhundert stecken geblieben. Mich erinnert dies an die 1950-er-Jahre, in denen es noch die „Rückbesinnung“ auf die „bürgerliche Moral“ gab. Die konservativen Kräfte um die CDU/CSU versuchten dies mithilfe der beiden großen Kirchen, zunächst mit großem Erfolg. „Damals“ war dies nur zu verständlich. Die Nazis hatten die deutsche Kultur in eine Sackgasse geführt und waren damit auf die Nase gefallen. Und die neue Regierung wagte nicht, an die „Libertinage“ anzuknüpfen, die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzte.

Heute: konservative Moral durch die Hintertür

Die „Neue Moral“ ist allgegenwärtig, und sie geht teilweise von klerikalen Kräften, teils von Rechtsextremisten aus – in der Hauptsache aber von schreibenden Frauen. Ihr müsst nicht lange suchen, um entsprechende Artikel oder gar Bücher zu finden.

Warum erst jetzt, 60 Jahre nach der sexuellen Emanzipation?

Die Frage „warum ausgerechnet jetzt?“, ist schnell beantwortet. Denn die vielen vehementen Ansätze zum Aufbau „neuer“ ethischer Grundsätze zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind gescheitert, die Diskussion darüber ist verebbt. Der „große Dialog“ in der Gesellschaft hat nicht stattgefunden – er ist gar nicht erst angekommen. Die gesamte Diskussion wurde unter Feministinnen und Akademikerinnen (und vereinzelten Akademikern) aus dem Bereich der Geisteswissenschaften geführt. Und sie war von vornherein auf selbst ernannte „Eliten“ beschränkt. Und nein, ich rede nicht von #meetoo, sondern von daraus abgewandelten Ideologien.

Derweil führen Menschen im „ganz normalen“ Lebensalltag ihr eigenes soziales Leben – das Sexleben durchaus darin eingebettet. Ich hätte auch schreiben können: Jeder interessiert sich für das Leben, das er führt, ob er nun Frau oder Mann ist. Aber außer einigen Extremisten/Extremistinnen) schert sich kein Mensch um Dogmen, Ideologien oder andere „aufgesetzte“ Konstruktionen.

Die Würde des Menschen und die konservativen Kräfte

Die neue Sexualmoral, die von den Extremisten gefordert wird, beruht auf künstlichen, recht komplizierten Wertesystemen. Um dies zu verschleiern, werden sie unzulässig vereinfacht. Es sind eben nicht nur „Würde, Tugend und Zurückhaltung“, die das Leben prägen, sondern es ist vor allem der Wunsch, unser „Selbst“ mit der größtmöglichen Konsequenz in Freiheit zu verwirklichen. Und wenn ich das sage, dann bleibe ich noch immer auf dem Boden traditioneller und anerkannter Werte.

Natur für die einen, Schöpfung für die anderen

Was ich noch nicht erwähnte: Neben dem Edelwesen, das manche von uns herauskehren, sind wir im Sinne der Religion Geschöpfe – und im Sinne der Naturwissenschaften eben Säugetiere. Die Natur hat uns mit wenigen Trieben ausgestattet, die absolut notwendig sind: uns selbst zu erhalten, soziale Bindungen einzugehen und uns fortzupflanzen. Sie sind nicht „frei beeinflussbar“ und sie unterliegen nicht ausschließlich unserem Willen. Selbst die Psychoanalyse sagt dies, und der Biologe kann es genauer definieren, auch wenn wir die genauen Wege, Umweg und Irrwege eines Triebes nicht entschlüsseln können.

Ganz klar: Wir brauchen Regeln und Vereinbarungen, wie wir im sozialen Verkehr miteinander umgehen – und sicher nicht nur beim Sex.

Aber wir brauchen keine zweifelhaften Prophetinnen und Propheten, die ständig Appelle in die Welt morsen, eine neue Moral sei hier und jetzt notwendig.

Fazit: Tugenden aus der Vergangenheit - nein, danke!

Reden wir mal Tacheles? Die „neue Moral“ ist eine Wiederauflage der Moral des 18. Und 19. Jahrhunderts. Lediglich die Elemente des Patriarchats und die „christlich“ gebundene Sexualmoral fehlen darin. Stattdessen werden „Tugenden“ gesucht, die keine erkennbaren Wurzeln haben.

Tugenden, die aus radikalen Ideologien entstehen sollen? Pfui Teufel!

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