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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Flagge zeigen: Grün, Rot und Gelb - ohne Politik und nur für Beziehungen

Wer in der Fahrschule aufgepasst hat, weiß, wohin die Ampel wechselt ...
Flagge zeigen – das ist ein deutscher Ausdruck für: „Zeig, wer du wirklich bist“. Ich beschäftige mich hier mit einem neuen Phänomen – farbige Flaggen, die angeblich zu guten oder schlechten Beziehungen führen sollen. Im ersten Teil ging es noch darum, wie „ganz gewöhnliche Menschen“ denken, wie der Stand der Wissenschaft ist und was uns davon tatsächlich betrifft. Und ohne Umschweife vorab: Die Sache mit den Flaggen ist für mich ein Akt der Volksverdummung.

Flaggen als Zeichen für sinnvolle Partnerschaften?

Grün ist nicht nur die Farbe der Hoffnung, sondern auch ein neues Symbol bei der Partnersuche. Nur mit einem Geburtsfehler, denn eigentlich handelt es sich gar nicht um Flaggen, sondern um die Farben der Ampel.

Demnach heißt „Grün“: Ich rausche durch, ohne zu zögern oder anzuhalten. Das bedeutet in erster Linie, durch die Beziehung zu rauschen wie in der Limousine eines privilegierten Herrschers: Die Ampeln stehen immer auf Grün. Doch ist das die Wahrheit?

Nein, sie ist es nicht. Die Ampeln stehen nun mal nicht immer und überall auf Grün. Und der Traum vom sanften Hineingleiten in eine erfüllte Beziehung hat auch ein anderes Gesicht, nämlich möglichst viel emotionalen Profit aus einer Beziehung herauszuholen.

Grüne Flaggen für Egoistinnen (und Egoisten)

Von den 27 Einzelpunkten für das „Grün“ auf dem Weg zur Beziehung, die ich in einem Beitrag fand, war die Mehrheit auf persönlichen Gewinn ausgerichtet oder darauf, was der Partner alles mitbringen muss, um selbst zufrieden zu sein. Nahezu alle Punkte hatten einen Hauch von: „Bereite mir eine Welt, in der du für mein Wohl sorgst.“

Das bedeutet: Wenn du zu viel grüne Ampeln voraussetzt, könnte es sein, dass du konfliktscheu bist oder insgeheim „auf Händen getragen“ werden willst. Dies wieder führt dazu, sich leicht täuschen zu lassen, denn heute wird dazu kaum noch jemand bereit sein. Und das könnte dann heißen: Wer behauptet, dich auf Händen tragen zu wollen, lässt dich bei Konflikten möglicherweise fallen.

Tust du anderen gut?

Dabei ist es nie falsch, zu fragen: Tut mir der/die andere gut? Es ist sozusagen die Kernfrage aller Beziehungen, vor allem aber der engen emotionalen Beziehung. Doch die Gegenfrage muss erlaubt sein: was kann ich eigentlich dazu beitragen, dass es uns beiden gut geht? Bin ich die Person, „die grünen Flaggen“ setzt? Oder kann ich es jedenfalls sein, wenn etwas Unvorhergesehenes auf uns zukommt?

Rote Flaggen mit Widersprüchen

Wechseln wir von Grün zu Rot. Die roten Flaggen oder roten Ampeln sind Bremser, die dich einerseits schützen und andererseits behindern. In einer Darstellung von „Roten Flaggen“ fand ich solche Widersprüche: Wenn die Partnerin / der Partner etwas zu schnell will, solltest du sie/ihn stoppen oder die rote Flagge zeigen. Ist er/sie aber zu zögerlich, dann ist dies für die Erfinder der „roten Flaggen“ offenbar auch nicht gut. Kurz: Es wird eine „Normalität“ im Beziehungsablauf unterstellt, die es gar nicht gibt.

Was die roten Flaggen wirklich sind

Um es einfach zu sagen: „Red Flags“ werden oft mit „das geht gar nicht“ gleichgesetzt. Dazu gehören alle Übergriffe und versuchten Eingriffe in die Persönlichkeit. Dazu zählt etwa, ständig „Elternteil“ für die andere erwachsene Person spielen zu wollen. Und selbstverständlich auch Zweifel an der Treue, Zuverlässigkeit und dem Wohlergehen. Wer sich nicht wohl mit einer Person fühlt, sollte nicht weiter mit ihr Kontakt halten. Ich gebe zu bedenken, dass die Zukunft nichts als die Fortsetzung der Gegenwart ist – nur mit dem Unterschied, eine Beziehung in der Gegenwart noch leicht beenden zu können. Mit jedem Tag der Abhängigkeit voneinander wird es schwieriger.

Gelb zeigt Änderungen an

Reden wir kurz über andere Farben. Die Ampel bietet uns noch „Gelb“ als Zeichen für den Wandel. Sie wechselt also von „Rot“ auf „Grün“ (oder umgekehrt) und gibt dazu eine Vorwarnung. Das Gelb bedeutet also, das sich eine Beziehung im Wandel befindet – und dies ist in beiden Richtungen möglich. Manche Autoren haben es als „zögern“ bezeichnet – aber „zu zögern“ ist normal, wenn es um die eigene Existenz geht. Solche Phasen des Zweifels an der Ampel erfordert die Entscheidung, nun abzubremsen oder Gas zu geben.

Flaggen mit Farben ohne Sinn: Orange, pink und grau

Inzwischen sind noch orange Flaggen hinzugekommen – da sollen die Unsicheren sein, die zwar eigentlich bei „geht gar nicht“ einsortiert werden müssten, aber sich noch entwickeln könnten. Ich habe gelesen, dass sie manchmal auch Pink genannt werden (ein etwas dunkleres Rosa). Diese Darstellungen sind selbstgefälliger Unsinn, wie auch das Wort „Dunkelorange“ bei einer wirklichen Ampelschaltung.

Von etwas infantil behauchten Bloggerinnen stammen die „grauen Flaggen“ für die „Langweiler“, die sie offensichtlich nicht genügend bespaßen oder ihren speziellen Humor nicht teilen.

Mein Rat: Nimm deine Fahnen runter – alle

Ich bin nun „durch“ mit den Flaggen. Mein Tipp: Nimm deine Fahnen vom Mast und roll sie ein. Gib anderen keine und steck dir selbst keine ans Revers. Die „Tipps“ mit den Flaggen, rot, grün oder andersfarbig, sind Pseudowissen. Und um den Satz endlich loszuwerden: Es könnte sein, dass die Autorinnen und Autoren von „Flaggenartikeln“ dich für zu blöd halten, um deine freien Entscheidungen zu treffen.

Hinweis: Auf welche Farbe die Ampel gleich wechselt und was die Farben wirklich bedeuten, wissen Fahrlehrer - jedenfalls bei richtigen Ampeln.

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