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Online-Dating führt nicht zu "schlechten Ehen"

Einige Zeitungen berichteten, dass Paare, die sich über Online-Dating (zumeist über Apps) kennengelernt hatten, später schlechtere Ehen führten als Paare, die sich in „Realumgebung“ kennengelernt hatten. Ich las dies heute auch auf RTL.

Die Studie bietet andere Erkenntnisse

Zunächst einmal ist die Studie, anhand der dies angeblich festgestellt wurde, sehr klug angelegt. Denn man versuchte zu ermitteln, wie das soziale und psychische Umfeld sich auf die Ehe auswirkte. Mit anderen Worten könnte man auch fragen:

„Haben Online-Date andere Eigenschaften als Menschen, die sich anderwärts kennenlernten?“

Oder beispielsweise auch:

„Welche Rolle spielt eigentlich die Dating-Erfahrung?“

Dies alles sind Fragen, die zuvor selten gestellt wurden.

Wie die Meldung über "schlechtere Ehen" entstand

Wie entstand nun die Meinung, dass Ehen schlechter funktionierten, die durch Online-Kontakte zustande kamen?

Wenn man nur das Fazit der Studie liest, erfährt man …

… dass Teilnehmer, die beim Online-Dating ihren Ehepartner kennengelernt hatten, weniger zufriedenstellende und stabile Ehen führten als diejenigen, die ihnen Partner offline kennenlernten. … Zurück zu unserer Ausgangsfrage: Erzielen Menschen mit Online-Dating langfristigen Erfolg? Unseren Erkenntnissen zufolge lautet die Antwort „Ja“ und „Nein“. Denn Teilnehmer, die sich beim Online-Dating kennengelernt hatten, berichteten von einer etwas schlechteren Ehe.

Was das bedeutet, bleibt dennoch unklar.

Was wissen wir über die letzten 20 Jahre Online-Dating?

Aus der Erfahrung wissen wir, dass Online-Dating zunächst eine Minderheit anzog, die abenteuerlustig, aber durchaus selbstbewusst und kritisch waren. Und nach Lage der Dinge waren sie eher gegen 40 als gegen 20 – was auch bedeutet, dass sie nicht immer nach einer „ersten“ Ehe suchten.

Heute versuchen sich „alle“ in Online-Dating, also auch Menschen, die sich des Risikos solcher Begegnungen nicht bewusst sind. Offenkundig ist, dass viel von ihnen schon daran scheitern, dass sie überhaupt keine Dates bekamen oder jedenfalls keine Beziehungen eingehen konnten. Die Frauenzeitschriften sind ja voll von „Dating Trends“, die eigentlich keine sind. Meist handeln sie von Selbsttäuschungen und Enttäuschungen. Hinzu kommt noch die Schwierigkeit, die jeweiligen Online-Partner(innen) richtig einzuschätzen.

Wen wundert da noch, dass einige Ehen offenbar etwas schlechter laufen?

Das Fazit: Wer sich selbst gut kennt, kann Online-Dating wagen

Jedenfalls: Es kann keine Rede davon sein, dass Paare, die sich „online trafen“ unglücklicher sind als Paare, die sich „einfach so“ kennengelernt haben. Denn wenn ihr selbstbewusst genug seid, und wisst, wie es um eure Chancen, eure Risiken und euren Erfolgswillen bestellt ist, dann ist Online-Dating immer noch die beste Lösung.

Zitat hier: Science Direct.
Hinweis: Ähnliche Meldungen geistern immer wieder durch die Presse - diese ist von 2014 (Brigitte). die gegenteiligen Behauptungen übrigens auch. Und warum das so ist? Auch einfach: Weil Forscher nach Popularität gieren und und Journalisten allzeit bereit sind, solche Nachrichten zu verbreiten.

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