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Einsam sein: das Liebes-Risiko

einsam? das kann gefährlich sein


Sie sind unter uns, haben mal Triefaugen und mal hungrige Blicke, und sie sind für sich selbst und andere eine Gefahr: einsame Menschen, die mit Scheuklappen ausgestattet nach Liebe suchen.

Die meisten von ihnen sind mit ihrem Leben hochgradig unzufrieden, und ein Teil von ihnen gilt als "ausgesprochene schwierig im Umgang". Als ich jung war, wusste ich, wie schwer der Umgang mit einem „Hagestolz“ oder einer „alten Jungfer“ sein kann. Doch heute nivelliert sich auf den Begriff des „Singles“, der inzwischen als Gattungsbegriff herhalten muss. So unterscheiden wir einfach nicht mehr zwischen dem „schwierigen Mitmenschen“ mit Beziehungsängsten, dem durch sexuelle Fantasien verwirrten Fetischisten, dem verborgenen Homosexuellen, der ein Heteroleben führen will und all den anderen, die ihre kleinen und großen Päckchen tragen müssen.

Wir gaukeln uns vor, es gäbe keine Probleme

Die Welt, in der wir heute leben, gaukelt uns vor, dass alles „OK“ wäre. Wenn in den 1970er Jahren jemand im Gespräch nicht einverstanden war, bezweifelte er die Sätze des Sprechers mit klugen Argumenten. Heute bestätigen die Menschen dieselbe Rede grinsend mit „OK“ nach jedem zweiten Satz, was auch bedeuten könnte, das Götzzitat zu verwenden. Es gab Zeiten, in denen es wirklich in Ordnung war, Probleme zu bewältigen, bis uns ein paar junge Schnösel weismachen wollten, dass es „uncool“ sei, Probleme zu haben. Die Schnösel haben zwar gesiegt, doch sind die Probleme damit nicht verschwunden: Vor allem bei den Einsamen nicht, die sich nicht einmal mehr trauen, sich als emotional verwahrlost zu „outen“ und professionelle Hilfe zu suchen.

Wir verschleiern die Tatsachen und geben uns "cool"

Statt die Dinge beim Namen zu nennen, relativiert man sie: Der Einsame hat kein befriedigendes Sozialleben und kein schönes Sexleben, von menschlicher Nähe und Geborgenheit einmal ganz zu schweigen. Man versucht, die Probleme zu verdrängen. Man ist „oversexed und underfucked“, das kling „cool“ – man ist aber nicht „sexuell unter Druck und dabei kontaktarm“, denn das würde ja auf Probleme hindeuten.

Keine Chance, wirklich etwas zu ändern: der Einsame

Der Einsame selber hat im Übrigen auch kaum eine Chance, aus seinem Gefängnis herauszukommen: Er ist den Umgang mit der Freiheit gar nicht gewohnt. Viele einsame Menschen gehen dennoch auf Partnersuche, und da ergibt sich immer das gleiche Bild: Sie lüstern nach einem Gefährten, stehen unter sexuellem Druck, und versuchen deshalb, sich emotional von den Abfällen zu bedienen, die man ihnen gelegentlich zuwirft. Ist jemand vom anderen Geschlecht „nett zu ihnen“, so wittern sie sofort eine Beziehung und versuchen, ihre Krallen in die Seele des anderen eindringen zu lassen. In ihrer Fantasie sind alle, die sie auf diese Weise treffen, mögliche Lebensgefährten.

Welche Frauen krallt sich ein Zuhälter? Die Labilen, die nach Führung lechzen. Wer fällt auf einen Heiratsschwindler herein? Die Einsamen, die dringend nach einem Partner suchen. Welche Frauen sind die bevorzugten Opfer der schleimigen Flachleger? Solche, die sich einsam fühlen und glauben, dass Sex sie der Beziehung näher bringt.

Sollten wir da nicht Mitleid mit diesen armen Menschen haben?

Einsame sind nicht nur Opfer, sondern auch Täter

Nein, das sollten wir nicht. Denn so, wie viele von ihnen Opfer werden, werden andere zu Tätern: Jeder Mensch, der über eine entsprechende Energie verfügt und seine Emotionen nicht zu beherrschen versteht, kann den Menschen schaden, die nichts als eine gute Beziehung wollen. Man mag vielleicht noch verstehen, dass Menschen auf der Suche nach Liebe seltene Wege gehen – aber wenn diese Menschen versuchen, anderen die Lebensgrundlagen abzugraben, dann hört der Spaß auf. Oftmals sind die Einsamen sozusagen „emotionale Fässer ohne Boden“, die alle Menschen emotional ausbeuten, die sich nicht dagegen wehren – und gerade Partnersuchende sind nicht sehr wehrhaft gegenüber emotionaler Ausbeutung.

Man kennt sie, die weiblichen und männlichen Kletten, die sich an uns heften und sich kaum jemals wieder abweisen lassen. Heute nennt man einen Teil von ihnen „Stalker“, aber das ist nur die Spitze eines Eisbergs von Menschen, die andere Partnersuchende emotional belästigen. Das Hauptproblem ist dabei, dass sie nicht einmal einsehen können, neurotisch zu sein – im Gegenteil: Sie bezichtigen andre, Neurosen, Perversionen und Lügen zu entwicklen und zu verbreiten.

Besonders gefährdet durch Einsame: Helferpersönlichkeiten

Einsamkeit ist ein Liebes-Risiko – für denjenigen, der es ist, und für denjenigen, der eine(n) Einsame(n) kennenlernt. Besonders schwer haben es die Helferpersönlichkeiten: Bei ihnen lassen sich Gefühle im Mengen schmarotzen. Bevor man sich als Helferpersönlichkeit versieht, hat der gezielte Vampirbiss des Einsamen schon Wirkung gezeigt: Statt den anderen auf dem Rücken zum Licht zu tragen, wird der Helfer selbst ins Dunkel hinabgezogen. Selbst professionelle Helfer sind von diesem Risiko nicht frei – und der gewöhnliche Partnersuchende? Wenn er um diese Dinge nicht weiß, ist es dem Sog hilflos ausgeliefert.

Titelbild © 2007 by "the italian voice"


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Kommentare

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Cassy am :

Kompliment! Ein sehr beeindruckender Artikel! Und leider nur zu wahr.

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