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Nimm zwei – Modell für die Zukunft?

gebunden? frei? und wie war das eigentlich mit der liebe zu dritt?


Die Männerwelt durchzieht seit der Antike ein Hauch von Ruchlosigkeit: Man nehme eine Frau für den Alltag, die Hausfrau und Mutter, Verwalterin und Chefin des Personals ist – und dann noch eine Geliebte für die erotischen Freuden des Lebens.

Diese geteilte Zweisamkeit lebt in den Köpfen fort. Zur Blütezeit des deutschen Bürgertums behaupteten die Wissenschaftler, in Deutschland habe man einen moralischen Standard erreicht, der solche Thesen endgültig auf den Müllhaufen der Geschichte warf – und da hatte man einen Grund. All das Verwerfliche schrieb man damals den Franzosen zu, und daheim ertrug man, hin und wieder ein Bankert großzuziehen, weil es ja keine weiblichen Seitensprünge geben dufte. Die nach Lust lechzenden Männer hatten gegen Ende des 19. Jahrhunderts ohnehin die freie Auswahl zwischen Damen der Gesellschaft, Halbweltdamen, „Freundinnen“, Dienstpersonal, Handwerkerinnen mit Nebenerwerb und „richtigen“ Huren – nur die Preise unterschieden sich.

Der mitwirkende Seitensprung: Dreier, Vierer und noch mehr

Ein Jahrhundert später sahen wir uns zuerst mit dem „mitwirkenden Seitensprung (auch Partnertausch oder im Männer-Jargon Frauentausch genannt), der bald in die Swinger-Bewegung abdriftete und dessen neuste frivole Varianten die Cuckold-Manie ist. Doch all dies wird immer wieder in die „bildungsfernen Schichten“ abgedrängt: Die Frau von Welt und der Gentleman ziehen vor, sich dem „organisierten Seitensprung“ hinzugeben: Daheim führt man eine tadelsfreie Ehe, und nebenbei vergnügt man sich mit Ehefrauen und Ehemännern, die eigentlich anderwärts gebunden sind. Dabei wird nicht einfach die Heimlichkeit von Stundenhotels gesucht, sondern man vergnügt sich offenbar deutlich erkennbar in rustikalen Landhotels.

Frauen als Beschleuniger der Seitensprung-Idee

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Frauen behaupten konnten, Männer würden sich mit „jungen Flittchen“ vergnügen – denn die Damen sind ebenso verheiratet wie die Männer, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Wie eine Studie zeigt, wollen viele Seitenspringerinnen nicht eine Einmalaffäre, sondern durchaus auch Kontinuität: Die Langzeitbeziehung als Mätresse schient wieder in Mode zu kommen – man sieht sich also zwar wenig, dafür aber immer wieder mit voller Begeisterung – ähnlich wie in den vielen Fernbeziehungen, in denen jedes Wochenende zu einem lustvollen Liebesfest werden kann, wenn man will.

Sollte der Mann also zwei Frauen haben, die Frau zwei Männer? Jeweils ein Exemplar für den Alltag, eines für die Lust?

Man könnte denken, dass es so sei. Nicht nur die neuen Seitensprung-Partneragenturen wie Ashley-Madison werben damit, mehr Ehen gerettet als zerstört zu haben. Auch die „jungen Wilden“ der 1970er Jahre dachten so, nur nicht in der Form des Seitensprungs. Sie experimentierten damit, ihre Ehen „offen“ zu halten und wollten dabei sogar Synergie n für das Paar erkennen – denn mit jeder emotionalen Außenerfahrung würde man schließlich bereichert. Ähnliches sagen heute die sogenannten „Polyamoristen“, eine andere Randsiedlergruppe, die glaubt, dass „mehr“ in der Liebe „besser“ ist.

Untreue hat vielleicht Chancen - aber bestimmt mehr Risiken

Ob nun der Partnertausch, der „Dritte im Bunde“ oder die Multipartneridee: Alle haben ihre Probleme, weil immer etwas von dem, was drinnen geschieht, auch nach außen dringen kann. Das mag den Künstler oder den entwurzelten Eigenbrötler nicht stören, aber es kann anderwärts das Ansehen kosten. Doch damit nicht genug: Dreier- und Viererbeziehungen sowie Orgien und andere erotische Vergnügungen unter mehreren Anwesenden können Menschen auch den inneren Halt rauben, die eine konservative Partnerschaft bietet: Vom heimlichen Seelenschmerz vieler Partner, die in solche Dinge hineingelockt wurden, einmal ganz abgesehen.

Wenn der Mann untreu wird, wird oft geschieden

Ist also der heimliche Seitensprung doch die besser Alternative? Sicher ist, dass Seitensprünge Ehen und Beziehungen zerstören können – und eigenartigerweise ist es oft der Seitensprung des Mannes, der Frauen zur Einreichung der Scheidung veranlasst – auch dann, wenn sie selbst alle andere als „treue Ehefrauen“ waren.

Das einzig sichere scheint zu sein, den organisierten Seitensprung so wenig zu suchen wie die Alternative des gemeinschaftlichen Ehebruchs. Die Liebe „zur Seite“ wird sich dadurch nicht vermeiden lassen – sie kann uns jeden Tag wie der Blitz treffen. Aber den Ehebruch mit Vorsatz – der ist eigentlich nicht akzeptabel. Also bitte: Nimm nicht zwei – und wenn du schon zwei nimmst, dann bitte selten und sehr, sehr diskret.

Literatur: 1972 erschien das Buch von Nena und George O'Neill "Die offene Ehe" - fast jedes neugierige Ehepaar der damaligen Zeit hatte es gelesen.

Titelbild: © 2006 by Ina Slutsky

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