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Slutwalk – oder Sex ist etwas, das man gemeinsam tut

Frauen und Männer realisieren oft gar nicht mehr, wie gut sie es im 21. Jahrhundert haben - ein Rückblick, ein Ausblick und die Bedeutung des "Slut Walk" vom Herausgeber Gebhard Roese. Dieser Artikel unterliegt dem strikten © 2011 by Gebhard Roese, Altenburg, Thüringen.

Der Männer-Spruch „eine Frau flachlegen“ ist ein Relikt aus der Zeit der 1950er und 1960er Jahre,, als Frauen und Männer noch nach einem einfachen Muster vorgingen:

1. Keine Frau tat es, es sei denn, sie tat es dennoch. Das bedeutete: Jede Frau sagte, sie habe kein Interesse an „so etwas“ wie Sex, und in der Tat hatten nur wenige (meist über 30-Jährige) Interesse daran. Falls jedoch wirklich ein Bedürfnis bestand, musste die Frau vorgeben, uninteressiert zu sein – das wollte die Etikette so.
2. Aus eigenem Antrieb sagte keine Frau: „Schlaf mit mir“, auch wenn sie es wirklich gerne gewollt hätte. Der Mann musste also nach der Trial-and-Error-Methode vorgehen. Frauen wussten dies und entwickelten Strategien, die Männer entweder abzuweisen oder interessiert hinzuhalten. Erfolge waren selten, zumal in der bürgerlichen Mittelschicht, in der erwartet wurde, dass die jungen Mädchen mindestens so lange Jungfrau blieben, bis sie verlobt waren. Nur von wenigen Frauen war klar, dass sie sich „herumkriegen“ ließen – sie galten bald als „Schlampen“ oder „Matratzen“.
3. Weil es so schwer war, eine aufrichtige sexuelle Beziehung zu einer Frau einzugehen, versuchten die Männer jede Art von Tricks, „Frauen zu knacken“, die nicht im Ruf standen, „Schlampen“ zu sein. Alkoholreiche Partys, zweifelhafte Einladungen, süße Worte, Heiratsversprechen und vor allem das ständige „Bedrängen“ sollten sie „weichmachen“. Worte wie „einvernehmlicher Sex“ wären damals gar nicht verstanden worden.

Ärgernis Flachleger-Literatur: Frauen als Objekte

Es scheint so, als ob Reste davon bei vielen Männern vorhanden sind, obgleich es nie einfacher war, sich gemeinsam erotischen Abenteuern und sexuellen Lüsten hinzugeben. Insbesondere eine ziemlich ekelhafte Literatur bemüht sich darum, Frauen weiterhin als Objekte zu zeigen, die man nur genügend „betrommeln“ muss, um sie dann letztendlich „flachzulegen“. Diese Bücher und Schriften wenden sich an junge Männer oder ältere Loser, aber auch an Männer, die glauben, dass Frauen leichter „herumzukriegen“ sein könnten, wenn man nur über besondere Techniken verfüge.

Die neue Schlampenbewegung sagt "a Dress is Not a Yes

sich kleiden, wie man will - hier nur als showeffekt
Derweil herrscht auch bei manchen „guten Bürgern“ noch das alte Muster. Beispielsweise dann, wenn Frauen sich erotisch attraktiv anziehen. Der ekelhafte Spruch „Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen“ stammt von einem kanadischen Pfarrer, und der hätte kaum damit gerechnet, dass er damit eine Bewegung auslösen würde: Die Schlampenbewegung, die jeder Frau das Recht zubilligt, sich erotisch attraktiv zu kleiden. Sie lädt zu Schlampenmärschen und anderen Veranstaltungen ein – inzwischen hat sich der 13. August dafür eingebürgert. „Sex ist etwas, das man gemeinsam tut und nichts, das man jemandem antut“ steht auf einem Plakat, aber das Motto ist „A dress is not a Yes“, ins Deutsche kaum zu übersetzen bedeutet es: „Ein sexy Kleid heißt nicht, dass ich Sex will“.

Die Bewegung ist witzig-aggressiv, und genau das missfällt traditionellen Salon-Feministinnen. Sie tun so, als sei Feminismus eine Antiquität, die man am besten in Museen ausstellt und der Weiterentwicklung nur privilegierten Lichtgestalten unter den Frauen vorbehalten ist. Barsch fährt die Kolumnistin des Guardian den jungen Frauen über den Mund und sagt, welchen Weg sie gefälligst zu nehmen hätten, so, wie es die Feministinnen der 1970er Jahre bereits taten: Doch damals wie heute suchen junge Frauen ihren eigenen Weg und scheren sich nicht um die Belehrungen der Gralshüterinnen des Feminismus.

Nein, diese jungen Frauen haben absolut recht – es geht darum, in Freiheit und Gleichheit sexuelle Kontakte aufnehmen oder sie ablehnen zu können, aber auch darum, sich nicht vorschreiben zu lassen, wann man eine „Schlampe“ ist und wann nicht.

Im Grunde tun diese jungen Frauen genau das, was die Guardian-Kolumnistinnen eigentlich fordern: Sie sollen etwas Neues und Kreatives erproben – und dass sie das Wort “Schlampe“ dafür verwenden, zeigt nur, dass sie die Botschaft verstanden haben, in der heutigen Welt prägnante Begriffe verwenden zu müssen, um viele Menschen zu erreichen.

Mehr Informationen im schweizerischen Tagesanzeiger.
Bild © 2011 by Liebesverlag.de

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