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Beziehungen ohne Kompromisse?

Den Trick der Springer-Presse, spektakuläre Nachrichten oder Meinungsbeiträge vor der Internet-Leserschaft zu verschleiern, um durch die Hintertür Abonnenten zu werben, mag jeder beurteilen, wie er will.

Nun lesen wir also in der WELT, dass „Mario und Veronika“ keine Kompromisse machen wollten in ihrer Beziehung - was zunächst nicht weiter interessiert - ist ja ihre Sache, so etwas zu behaupten. Problematischer ist es schon, wenn der Name der Agentur, über die sich sie kennengelernt haben, auch in der verschleierten Online-Ausgabe deutlich zu lesen ist.

Und ich werde also weder verlinken noch zitieren, was die WELT-Redakteurin Anna Kröning darüber schrieb.

Die Botschaft des Artikels allerdings ist reine Ideologie: "Eine Beziehung funktioniert besser, wenn Paare keine Kompromisse machen". Ich erinnere mich noch deutlich an die Abwertung des Wortes „Kompromiss“ in Deutschland. Das Wort wurde allenthalben Verunglimpfung, nach dem Motto: „Kompromisse sind von vorn herein schlecht.“

Sollte es etwa immer noch so sein? Oder gilt es jetzt für Paarbeziehungen?

Ich sage es neutral wie möglich: Veronika und Mario sind frei, zu denken, was sie wollen. Aber es gibt auf Dauer keine Beziehungen ohne Vereinbarungen zum Nutzen beider Partner. Das nämlich bedeutet „Kompromiss“.

Verabredungen für Vornehmtuer

Es gibt wirklich Leute, die eine Verabredung (vulgär: ein Date) mit einer Verlobung verwechseln. So las ich dieser Tage in „GQ“:

Reservieren Sie einen Tisch in einem teuren Restaurant. Und zwar eines mit Tischdecken, Stoffservietten und Kerzen.
Wer so etwas tut, signalisiert damit, dass er mehr will, als die Dame kennenzulernen. Klar kann man eine Edel-Einladung aussprechen - aber nur dann, wenn man die Dame vorher schon etwas beobachtet hat und weiß, dass schon gewisse Sympathien vorhanden sind und sie solche Einladungen liebt. Stellt euch mal vor, ihr müsst mit einer schrecklich geschwätzigen oder völlig geistlosen Frau (oder einem Mann) zwei bis drei Stunden „Konversation“ machen und dafür am Ende noch über 150 Euro auf den Tisch legen. Zudem setzt ihr euch selbst unter Druck - udn euren Partner sowieso, Also: Daumen nach unten für solche Tipps.

Beim „Look“ (also den Klamotten) bin ich einverstanden. Allerdings sollte die Kleidung zum Anlass passen, und der Anlass ist eben nicht immer ein Romantik-Dinner, wie von GQ vorgeschlagen.

Geschenke sind entbehrlich, vor allem, wenn man nicht viel von der Dame weiß, die man trifft.

Sich erst vor der Haustür zu entscheiden, ob es „oben“ einen feuchten Nachschlag zum Dinner gibt, ist dermaßen Old School, dass ich es gar nicht glauben konnte.

Gut hingegen: Am nächste Tag unbedingt anrufen, wenn die Verabredung in irgend einer Weise positiv war.

Und mein bester Tipp?

Die Person ernst nehmen, mit der man sich trifft, aber keine hohen Erwartungen erwecken. Das riecht völlig aus.

Warum „Dating“ häufig nutzlos ist

Ich habe mich nun seit etwa 40 Jahren theoretisch mit der Partnersuche beschäftigt, und bis vor etwa 20 Jahren sogar noch praktisch. Und aus dieser Erfahrung kann ich mit Sicherheit sagen, dass „Dating“ nicht existiert. Jedenfalls nicht in Mitteleuropa. Und falls wir die Partnersuche als „Dating“ bezeichnen“, dann irren wir uns.

Kontakte aufnehmen, Kontakte zulassen, entscheiden

Wer einen Partner kennenlernen will, ist gezwungen, Kontakte aufzunehmen oder jedenfalls zuzulassen, dass jemand zu ihm Kontakt aufnimmt. Er muss also seine private Komfortzone verlassen und sich damit befreunden, einen fremden Menschen in sein Leben einzubinden - zunächst probeweise, dann auf Dauer.

Nun behaupten manche Leute, dafür gäbe es feste Regeln. Andere sagen, dass verborgene Regeln wirksam würden. Letztlich gibt es aber nur eine Regel: Entweder das Treffen hat gefallen, dann versucht man, das Kennenlernen zu vertiefen. Oder es gefiel nicht, dann trifft man einander nicht wieder.

Warum es mit jedem Tag schwieriger wird, einen Partner zu finden

Seit Jahren gibt es die Unsitte, „lecker“ oder „anspruchsvoll“ zu sein bei der Partnersuche. Das bedeutet, viele mögliche Partner zu treffen und den größten Teil davon in die Wüste zu schicken. Das ist anstrengend, auf Dauer absolut enttäuschend und selten erfolgreich. Abgesehen davon ist es nicht empfehlenswert, weil die Besten unter den Möglichen schnell vom Partnermarkt verschwinden. Die Formel ist einfach: Alle Partner(innen), die akzeptabel sind, werden irgendwann von anderen Frauen oder Männern „weggefangen“, und also bleiben immer nur die übrig, die für andere „zweite Wahl“ waren.

Dadurch entsteht eine negative Spirale: Man ist gezwungen, aus immer weniger möglichen Partnern noch diejenigen herauszufischen, die „halbwegs“ passend sind. Konkret heißt es, dass gerade der „anspruchsvolle“ Mensch nun noch mehr Dates benötigt, die immer frustrierender werden.

Eigentlich kann das niemand wollen, aber viele Menschen glauben, die Gesetze des Marktes würden für sie aufgehoben. Ich fürchte, ihnen kann nicht geholfen werden.

Pheromone - Fake News oder unterschätzter Lockstoff?

Alle Jahre wieder, wenn’s mal gerade nichts zu Schreiben gibt, kommen die Pheromone um die Ecke.

Zunächst: Es gibt sie. Zweitens: Einige von ihnen sind sexuell Lockstoffe. Drittens: Sie sind wirksam. Viertens: aber nicht beim erwachsenen Menschen.

Warum sie beim erwachsenen Menschen nicht oder jedenfalls nicht erkennbar genug wirken, ist hinlänglich bekannt: Seit wir die Nase vom Boden genommen haben und daher auch nicht mehr auf Vagina- oder Penishöhe riechen, sollen sich die entsprechenden Sensoren zurückgebildet haben. Es gibt einige gegenteilige Meinungen, doch konnte niemals schlüssig bewiesen werden, dass erwachsene Primaten in nennenswerter Weise von Pheromonen beeinflusst werden.

Zudem werden die möglichen Duftstoffe, die von der Haut abgegeben werden, in der modernen Lebensumgebung stark von anderen Düften überlagert. Hinzu kommt, dass der Mensch auf diese Duftstoffe bei der Partnersuche und Partnerwahl nicht auf Pheromone angewiesen ist, sondern sich weitgehend auf optische Reize sowie auf Berührungsreize konzentriert.

Wenn ihr also etwas über den „Lockstoff“ lest, der angeblich Wunder wirken soll, dann beliebt kritisch. Ich sage immer: Geht im Frühling einmal in ein Straßencafé, schließt die Augen und versucht, paarungsbereite Frauen zu ermitteln.

Etikettierung - der Sündenfall von Psychologie und Soziologie

Der Weg zum Etikett geht über das Substantiv, und falls es ein Wort ist, dass aus griechischen, lateinischen und englischen Wörter zusammengeschustert wurde, denkt das Volk: Oh, das muss etwas Richtiges und Wichtiges sein.

Kaum jemand überlegt sich, dass es sich um ein Hohlwort handeln könnte. Das ist ein Wort, das an sich keine wissenschaftlichen Inhalte hat, aber von Wissenschaftlern gerne gebraucht wird. Sodann wird es von Journalisten und Bildungsbürgern vom Himmel gefischt, um sich selbst mit diesem Wort zu schmücken.

Ich will es euch an einem Beispiel erläutern, und zwar zunächst mal so, dass es jeder versteht:

Eine Frau (1) könnte sagen:

- Mich ziehen auch Frauen sinnlich an, aber sexuell bevorzuge ich Männer.
- Ich fühle mich in jeder Hinsicht nur zu Männern hingezogen.
- Für mich ist der sexuelle Kontakt mit Frauen bisweilen erregend, doch wenn ich mich rundum glücklich fühlen will, muss es ein Mann sein.
- Ich habe früher viel mit meiner Sexualität experimentiert, und ich schäme mich nicht. Inzwischen will ich aber einen Mann und eine Familie.


All diese Aussagen sind glaubwürdig und in jeder Hinsicht angemessen.

Der Etikettenschwindel mit "Heterosexualität"

Und nun stellt euch vor, dass diese Frau morgen mit dem Etikett „Heterosexuell“ belegt würde, weil sie sich von homosexuellen Frauen („Lesben“) abgrenzen soll. Jede wirklich selbstbewusste Frau würde diese als Übergriff auf ihre Persönlichkeitsrechte abweisen, denn das Definitionsrecht steht der Person zu, nicht der Wissenschaft.(2)

Hinzu kommt, dass „Heterosexuell“ zuerst bereits übergriffig von „Wissenschaftlern“ als „Gegenteil“ von Homosexualität definiert wurde. Sie haben das sozusagen „am Schreibtisch“ und aus einer Laune heraus getan. Der Beweis ist leicht zu erbringen: Es gibt keine exakte wissenschaftliche (schon gar keine naturwissenschaftliche) Definition dessen was „Heterosexualität“ sein soll. Wie kann man ein Wort, das keinerlei konkrete Inhalte hat, als Etikett für die Mehrheit verwenden, die an sich gar nicht gemeint war?

Sind diese Leute wirklich Wissenschaftler? Oder sind sie Falschmünzer, die ihre Überheblichkeit und ihr Nichtwissen hinter einer Maske der Wissenschaftlichkeit verbergen?

Wer das für einen extremen Standpunkt hält, darf sich gerne bei Nicht-Psychologen und Nicht-Soziologen informieren. Und vorläufig kann ich euch nur raten, euch nicht von aufgeblasenen Phrasen täuschen zu lassen, die von den „Elfenbeintürmen“ auf uns herabregnen.

Korrigiert eure Lexika

Was wir vor allem tun sollten: Wir sollten unsere Lexika(3) korrigieren, denn Heterosexualität ist nicht das „Gegenteil“ von Homosexualität. Wenn überhaupt, bezeichnet das Wort die Masse der Alltagsmenschen. Sie lassen sich zwar überwiegend auf Kontakte zum jeweils anderen Geschlecht ein, aber sie lassen sich nicht darauf reduzieren. Denn nur sie alleine wissen von ihren übrigen Lüsten und Gelüste, Träume und Vorstellungen, Realitäten und Wünschen.

(1) Im Beispiel habe ich bewusst eine Frau gewählt, weil derartige offene Aussagen von Frauen wahrscheinlicher sind als von Männern.
(2) Hanne Blank hat dies in einem Kapitel über den wissenschaftlichen Gehalt von "Heterosexuell" im Rahmen ihres Buches "Straight" eindeutig bewiesen.
(3) Ich selbst hab an einigen Lexika mitgearbeitet, die nun ebenfalls überarbeitet werden sollten. Es geht mich also etwas an.