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Warum sehen junge Frauen Pornos?

Begierden am Bildschirm - sehen, was frau sich selbst nicht zutraut?
Du bekommst viele Antworten, wenn du die Frage stellst. Manche von euch fühlen sich schon in ihren Intimitäten verletzt, wenn du sie fragst. Andere bestreiten vehement, jemals den seltsamen Lüsten nachgegangen zu sein, die für die Pornografie „typisch“ sind.

Wir hörten viele Meinungen, aber diese fanden wir immer wieder: Frauen sehen mit Inbrunst lustvolle Begegnungen zwischen Frauen. Das betrifft sowohl diejenigen, die Beziehungen zu Männern unterhalten wie auch jene, die ausschließlich Frauen lieben. Die Gruppe der Frauen, die sich auch „real“ nicht festlegen wollen, scheint ebenfalls immer größer zu werden.

Wollten wir ein Fazit ziehen, so könnten wir sagen: Ob heterosexuell, bisexuell oder lesbisch: Frauen wollen lustvolle Verführungen von Frau zu Frau sehen. Unklar bleibt, ob sie sich in die Rolle der Verführerin oder der Verführten wiederfinden konnten.

Das scheint auch für die wenigen, explizit für Frauen erzeugten Filme mit S/M-Themen zu gelten. Der Grund könnte sehr einfach sein: Die Beschauerin dieser Art von Pornografie kann wählen, in welcher Rolle sie sich am besten wiederfindet. Ist es die harte, fordernden und strenge, bisweilen gar unnachgiebige Rolle? Oder ist es die Rolle der lustvoll Leidenden, die sehnlich auf die nächste heftige Berührung wartet?

Wir wissen es nicht – besonders im pornografischen S/M-Bereich wagen sich Frauen kaum aus der Deckung. Möglicherweise gilt es als „doppelt unanständig“, heimlich Frauen lieben zu wollen und sich von ihnen schlagen zu lassen.

Welche Hetero-Frau würde schon öffentlich zugeben, sowohl von gleichgeschlechtlichen Begegnungen wie auch von entsprechenden SM-Lüsten zu träumen?

Die Frage bleibt hier offen. Dürfen wir sie sie an euch stellen?

Und falls ihr etwas dazu sagen wollt – wie ist eure Meinung?

Kein Schwein schreibt Erotik

Erotik ist kein Thema für Schweine
„Ich könnt‘ Erotik schreiben … ein ganzes Buch.“

So ähnlich hat es einmal eine für ihre Leserschaft zunächst anonym gebliebene Frau ausgedrückt, und dann hat sie ein „Skandalwerk“ geschrieben. Über dieses Buch rümpfen die Literaturpäpste bis heute die Nase. Es hieß: Histoire d’O. Die Geschichte der O. Die Autorin verwendete das Pseudonym Pauline Réage, und sie schrieb es für ihren Liebhaber.

Das Buch wurde 1954 bei Jean-Jacques Pauvert verlegt – und über 40 Jahre wurde das Werk nicht nur ignoriert, diffamiert und indiziert. Vielmehr wurde auch vehement bezweifelt, dass „so etwas“ eine Frau schreiben könne. Schließlich bekannte sich kurz vor ihrem Tode Anne Cécile Desclos zu dem Buch, die besser unter einem anderen Pseudonym, nämlich Dominique Aury, bekannt wurde.

Ein Beitrag zur Emanzipation - keine Pornografie

Dieser Roman zeigt, wie man ein erotisches, skandalöses Buch schreiben kann, ohne „obszön“ zu sein. Und es nahm die Tendenz der vollständigen sexuellen Emanzipation der Frauen vorweg. Ich zitiere den Verleger Jean Paulhan, der im Vorwort schrieb(1):

Es gibt wenige Männer, die nie davon träumten, eine Justine zu besitzen. Doch keine einzige Frau hat bisher, soviel ich weiß, davon geträumt, eine Justine zu sein. Jedenfalls nicht laut davon geträumt …


Erotik mit Anstand

Wenn ich jemals noch meine Finger in das Senftöpfchen der erotischen Literatur stecken würde, dann würde ich gerne unverdorbene Erotik lesen. Denn, wie Jean Paulhan sagte, wenn er an die „O“ denke, dann falle im spontan ein Wort an, nämlich „Anstand“ (1).

Erotische Literatur, die Anstand hat, so führt er weiter aus, wird weder „Seufzer noch Gräuel“, weder „Ekstase noch Ekel“ beinhalten. Und wir wissen es selbst am besten: Die eigentlichen Schweine sind diejenigen, die in der Erotik nach Dreck suchen.

Man könnt es auch anders sagen (3):

Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber … ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und ihr Gewissen.

Wer (wie ich) den zitierten Paulus nicht schätzt – den Satz haben auch andere in den Mund genommen, zu Beispiel Nietzsche(4):

„Dem Reinen ist Alles rein“ — so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein! Darum predigen die Schwärmer und Kopfhänger, denen auch das Herz niederhängt: „die Welt selber ist ein kothiges Ungeheuer“.

Die fordernde Natur, die innere Begierde, die „Lust an sich“ ist, weder schlecht noch obszön – sie gehört einfach zu uns Menschen.

Ich habe dieen Beitrag bereits in einem inzwischen recht "verkommenen" Magazin "Sinnlich schreiben" veröffentlicht, das demnächst aufgegeben werden soll. Ich hoffe, dass er zum Nachdenken anregt.

Quellen:
(1) Originalausgabe, Vorwort
(2) Justine oder vom Missgeschick der Tugend ist ein Roman des Schriftstellers Marquis de Sade.
(3) Paulus an Titus, Bibel, NT
(4) Deutsches Textarchiv
Bild: historisch, Illustration zu einem Buch.

Geilheit, Sexunlust und Pornografie

Dysfunktion aufgrund von Pornografie?
Es gibt ein neues Wort, das seit langer Zeit die Runde macht. Es heißt PIED uns bedeutet „Durch Pornografie verursachte erektile Dysfunktion“.

Das Thema wird vor allem von jenen Kreisen befeuert, die Pornografie ohnehin für Teufelswerk halten, aber es wird durchaus auch ernsthaft behandelt. Erstaunlicherweise stehen dabei ausschließlich Männer im Fokus. Das mag sicherlich daran liegen, dass Männer mehr Pornografie konsumieren als Frauen. Aber es liegt eben auch daran, dass „erektile Dysfunktion“ sehr gelehrt klingt. Würden wir einfach sagen: „Hey, durch den Konsum von Pornografie haben Menschen weniger Lust auf echten Sex“, dann wäre die Sache viel schneller geklärt.

Pornografie kann die Lust schnell aufheizen

Pornografie - geschriebene, aber vor allem gefilmte - kann die Lust wesentlich schneller anheizen als die Realität es vermag. Und sicherlich erfüllt Pornografie auch die sinnlichen Bedürfnisse jener, die keine Chance haben, ihre sexuellen Wünsche in der Realität erfüllt zu bekommen. Absolut klar, dass die Pornografie „ein völlig falsches Bild“ in den Köpfen erzeugt. Denn niemand will dort die Art von Sex sehen, die in „innigen, erfüllten Beziehungen“ üblich ist. Doch wen wundert das eigentlich?

Nur - ist Sex überhaupt das, was eine Beziehung erfüllt? Und ist es völlig abwegig, die Befriedigung, die durch penetrativen Sex nicht erreicht werden kann, auf andere Art zu suchen?

Ist "gewöhnlicher" Sex wirklich so erfüllend?

Es heißt immer wieder, ein Mann würde penetrativen vaginalen Sex mit einer Frau als Erfüllung der Liebe empfinden. Doch stimmt das wirklich? Hat die körperliche Lust überhaupt etwas mit der Liebe zu tun? Ist Oralverkehr – rein vom Lustgewinn her gesehen nicht wesentlich erfüllender?

An dieser Stelle wird es Zeit, Frauen zu erwähnen. Auch wenn Frauen normalerweise weniger Pornografie sehen oder lesen, so hilft sie ihnen doch, sich Fantasien zu erfüllen. Denn neben der Schwelgerei in heftigen romantischen Abenteuern ist es insbesondere der passive Oralverkehr, der ihre Fantasie beflügelt. Dicht gefolgt von all dem, was Frauen so gut wie niemals aussprechen – und dazu gehört auch die Lust an Spielen mit der Unterwerfung.

Frauen und Lüste

Wie kann ein schwitzender Mann, der auf der Frau die gängigen Übungen absolviert, die Lüste erfüllen, von denen Frauen heimlich träumen? Kann er sie überhaupt wirklich zu erfüllenden Orgasmen bringen? Die meisten Frauen schweigend dazu, und dennoch wissen wir aus vielen Schilderungen: Eher nein. Es mag Orgasmen geben, die allein auf penetrativen Sex zurückzuführen sind – aber es gibt wesentlich mehr Orgasmen, die als Folge klitoraler Stimulation erlebt werden.

Sexualität ist ein Urinstinkt. Sie bringt das Animalische in uns zurück, das wir so gerne verleugnen. Und da wir Menschen über ein abstraktes Vorstellungsvermögen verfügen, können wir uns Szenen vorstellen, die im „wirklichen“ Leben nicht vorkommen. Das ist sozusagen die „innere Pornografie“. Sie kann – wie die reale Pornografie – darin bestehen, dass wir sexuell von Szenen erregt werden, die zugleich faszinierend und befremdend sind, aber nicht der Realität entsprechen.

Die meisten Menschen sind sich darüber klar, dass alle die schwülstigen Liebesromane, die grausamen Kriminal- und Horrorfilme und die heftigsten Pornos „Märchen für Erwachsene“ sind.

Lustvolle Märchen für Erwachsene

Gerade bei pornografischen Filmen (und viel weniger bei Schriften) wird behauptet, dass es einen feuchten Dschungel gäbe, der mit allerlei Befremden durchsetzt sei. Das ist richtig, denn wir befinden uns im Reich der wildesten Fantasien. Im Grunde werden alle Themen bedient, auch solche, die Einige von uns überfordern, manche erregen, andere aber wieder durchaus kalt lassen. Ich vergleiche das immer mit den Kriminalfilmen: Manche Zuschauer lieben die betont brutalen Szenen, andere halten sich die Hand vor die Augen, wenn sie auf dem Bildschirm erscheinen.

Die Unlust im Wandel der Zeiten

Sexunlust - bei Männern aufgrund der unvollständigen Versteifung des Penis als „erektile Dysfunktion“ bezeichnet, ist ein Phänomen, das in aller Munde ist. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass sich viele Männer sich über die Unlust oder Verweigerung ihrer Ehefrauen beklagten. Lange Zeit galt es als „stille Übereinkunft“ unter Männern, dass Ehefrauen wenig Lust zum Beischlaf hätten und dass es auch kein wirkliches Vergnügen sei, sie zu beschlafen.

Und heute? Theoretisch kann sich jede und jeder „gönnen“, was Lust bereitet – allein, zu zweit oder in Gruppen. Und nun könnten wir uns doch einmal fragen, warum es ausgerechnet an der Pornografie liegen soll, dass Frauen und Männer ihre Lüste „neu sortieren“. Könnte es nicht auch daran liegen, dass wir andere Wahnvorstellung davon haben, was Lust für uns bedeutet?

Oh, das Thema ist damit nicht erschöpft, auf keinen Fall. Aber bevor wir von „durch Pornografie verursachte erektile Dysfunktion“ reden, sollten wir über Lust und Unlust nachdenken.

Siehe auch: Beitrag in "Medium"
Wissenschaftlich, ausführlich, auf Männer bezogen

Adventszeit – Zeit der Wachsspiele

Wenn der erste Tropfen fällt ...
Versucht haben es fast alle – irgendwann einmal. Da war eine Kerze, und wenn du sie leicht schräg gehalten hast, dann tropfte sie. Nein, nicht auf den Teppich, sondern auf die Haut.

Irgendwie macht das „Au“, aber irgendwie … macht es auch ein bisschen Freude. Die Klugen unter euch haben wahrscheinlich an physikalische Experimente gedacht: Wie schnell erkaltet das heiße Wachs auf seinem von der Schwerkraft getriebenen Weg auf die Haut? Das erhitzte Wachs, so lernen wir, habe je nach Beschaffenheit eine Temperatur von etwa 45 – 60 Grad. Das ist „ganz schön heiß“, aber bis die Tropfen auf der Haut sind … bist du gut in Physik?

Das Wachs fällt tröpfchenweise ...

Nun, diejenigen, die nicht so gut in Physik waren und lieber damit gespielt haben, aus welcher Entfernung die Tropfen fallen müssen, um nur noch milde Reize zu erzeugen, wurden voraussichtlich von ihrer Neugierde angefacht. Ein Teil von euch erwies sich als empfindlich, ein anderer Teil als relativ resistent. Und unter den Empfindlichen gab es einige, die Lust daran fanden, wenn die Tropfen auf ihre Haut auftrafen. Wobei der erste Tropfen besonders köstlich war … falls ihr es mochtet.

Die meisten Artikel über Wachsspiele sind mit einem umfassenden Katalog an „Was-könnte-schiefgehen-Szenarien“ ausgestattet. Das ist gut und richtig, denn im Grunde erzeugen die heißen Wachstropfen leichte Verbrennungen. So etwas, wie Kratzer auf der Haut nicht zu vermeiden sind, wenn eure Liebste die Krallen ausfährt. (Falls ihr eine echte Katze habt, kennt ihr das ja auch jenseits der SM-Freuden).

Es ist also wieder soweit. Die Zeit der Wachsspiele. Ich habe zumindest gehört, dass die Haarentfernung mit Wachs deutlich stärkere Schmerzen verursacht als S/M-Spiele. Und wenn es Prozeduren gibt, die kräftig schmerzen, aber keinerlei Vergnügen erzeugen – dann könntest du ja mal überlegen, ob Spiele, die viel Spaß machen und dabei deutlich weniger Schmerzen erzeugen … also gut, ich will keine Werbung für Wachsspiele machen.

Die wundersamen Lüste der Vorweihnachtszeit

Es ist eben wieder die Zeit, in der allerlei wunderliche Lüste entdeckt werden. Düfte, Genüsse, Schmerzen … eventuell sogar Wachsspiele und sinnliche Schläge mit „echten“ Ruten. Die allerdings werden immer seltener. Nicht wegen der fehlenden Lust – wegen der schwer zu beschaffenden Ruten.

Gönnen wir uns Sinnlichkeit

Die Lage war noch nie so ernst? Aber träumen darf man doch noch, oder?
Manche Zeitungen beschreiben unsere gegenwärtige Situation so, als wären wir im Krieg: Ausgangssperren, Versammlungsverbote ... und manche Dame wird dieser Tage sagen: „Ich kann es nicht mehr hören“ und träumt von besseren Zeiten.

Diese träumte 1915 - und falls ihr es vergessen habt - damals war wirklich Krieg.

Haben wir es heute nicht wesentlich leichter, uns in die Sinnlichkeit hineinträumen?

Bild: Von Ernst Heilemann 1870 - 1936, zu seiner Zeit ein gefragter Illustrator. Das Bild heißt „Balkan Salon“, und wir zeigen einen Abschnitt daraus.