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  Eigenwerbung

Die andere Öffnung - was bedeutet "anal" für die Beziehung?

Was du nicht siehst, ist das, worauf es ankommt
Schreiben wir zu wenig über anale Lüste? Oder ändern sich die Lüste so schnell, dass wir gar nicht genug darüber schreiben können?

Der Mann - aktiv und passiv

Reden wir zunächst mal von Tatsachen: Der Mann kann auf zwei Arten anal verkehren: Aktiv und passiv. Konkret: Er kann also penetrieren oder penetriert werden. Aus mancherlei Gründen haben heterosexuelle Männer ein großes Vergnügen daran, obwohl sie dies meist abstreiten. Denn rein körperlich können Männer beim passiven Analverkehr sensationelle Gefühle haben, auch wenn sie manchem Mann zu intensiv sind. Und psychisch schämen sie sich zumeist, weil sie glauben, für "homosexuell" gehalten zu werden.

Die Frau - passiv aber durchaus auch mit aktiver Dominanz

Die Frau kann es ebenfalls passiv, fühlt dabei aber aus anatomischen Gründen nicht die enorme Lust, die der passive Analverkehr Männern breitet. Sie kann es in der Tat auch aktiv – freilich mit einem Hilfsmittel, dem Dildo zum Umschnallen. Dabei fühlt sie allerdings so gut wie gar nichts.

Kein Gewinn aus dem Analverkehr?

Nachdem dies klar sein sollte, fragt sich, worin eigentlich der Gewinn liegen soll, wenn das Gebiet des analen Geschlechtsverkehrs doch so trüb, schmutzig und letztlich unbefriedigend für die Frau ist.

Geschlechterrollen - und die Lusterwartungen

Die Sache stellt sich schnell anders dar, wenn du „Sex“ völlig von „Liebe“ trennst. Beim Sex ist immer klar, wer wenn gibt. Wenn du ein junger oder aufdringlicher Mann bist, hältst du möglicherweise für selbstverständlich, dass eine Frau im Prinzip alles im Angebot hat. Sie kann ja oral, vaginal und anal. Was sie damit verbindet und wie schmerzhaft oder peinlich das alles ist, fragt der junge Mann nicht. Das geht aber nur, wenn du annimmst, dass Frauen alles aus Liebe tun. Der Mann seinerseits hat meist nur den Penis im Angebot und erwartet, dass die Frau etwas „damit macht“.

Die gleiche Prozedur für Gans und Ganter?

Wenn es um „anal“ geht, wird aber alles anders. „Zur Gans gibt es die gleiche Soße wie zum Ganter“ sagt man im Vereinigten Königreich. Und genauso so ist es. Aber – das merkst du erst, wenn du die Rolle wechselst.

In einem Beitrag zum Thema lasen wir (1):

Nach dem Rollenwechsel im Schlafzimmer wird dein Partner verstehen, wie es sich anfühlt, der Empfänger beim Sex zu sein – zum Beispiel, warum er Vertrauen in doch braucht und offen zu dir sein sollte.


Dein Partner beim Sex bekommt nicht nur eine neue Rolle - auch sein Selbstverständnis dürfte sich ändern. Er bekommt nicht nur ein völlig neues Gefühl für den Sex, sondern erlebt auch, wie es ist, unterwürfig zu sein. Nun befriedigt er sich nicht an dir, sondern hofft darauf, dass er selbst „irgendwie“ befriedigt wird. Und er lernt dadurch nicht nur, sich zu gedulden, sondern auch etwas zu erdulden, bevor es wirklich „schön wird“.

Erfahrungen für sie und ihn - ziemlich nützlich

Da ist das wirklich Entscheidende: Auch wenn du alles noch so genau abgesprochen hast, wirst du als Geberin erfahren, dass du „herausfordernd“ bist. Und so viel Mühe du dir auch gibst: Du weißt nicht wirklich, ob dein Partner auf dem Weg zu enormen Lustschüben ist oder ob er gerade mal erträgt, was du ihm bietest.

Und ebenso wird „er“ feststellen: Er muss da wohl erst mal durch, bevor er überhaupt irgendeine Lust spürt. Und er wird vielleicht zum ersten Mal erfahren, dass „Stöße“ erhebliche Herausforderungen sein können. Ähnliche „Stöße“ wir die, die er selbst jahrelang als „selbstverständlich“ angesehen und vollzogen hat.

Eine Sache heftiger Emotionen

Ob es mit den Lüsten „weit her“ ist? Diejenigen, die wir fragen konnten, wollten lieber von Erfahrungen reden. „Es sind nicht die sexuellen Lüste“, sagen viele Leute, die sich auskennen, „es ist die Herausforderung, der du sich stellst.“

Das sagt sinngemäß auch Ian Kerner (2,3):

Die psychische Befriedigung rivalisiert dabei mit der körperlichen, und möglicherweise durchdrungen sie einander. Es mag der Wechsel zur unterwürfigen Geschlechterrolle sein, das Spiel mit der Macht oder auch die Faszination einer Frau, die einen Penis trägt. Das kann einen Mann enorm anmachen.

Es geht also für den Mann nicht nur darum, etwas Neues, möglicherweise Sensationelles zu erleben. Vielmehr werden durch den Rollentausch auch sexuelle Stereotypen aufgeweicht (Dr. Gayle Brewer 2,3):

Es kann befreiend sein, sie (die Stereotypen) fallen zu lassen. Traditionell haben wir die Idee, dass es die Rolle des Mannes ist, sexuell die Kontrolle zu übernehmen, und dass Frauen im Schlafzimmer unterwürfig sind.

Wenn das gut funktioniert, darüber sind sie nahezu alle Berater einig, dann können vorgefasste Meinungen verschwinden. Und zusätzlich können Paare offener über ihre Lüste kommunizieren.

Nochmals Dr. Brewer (2,3):

Männern geben wir damit die Möglichkeit, uns zu sagen, dass sie nicht die ganze Zeit die Kontrolle haben wollen. Oder dass sie es mögen, wenn ihre Partnerin sexuelle Aktivitäten initiiert. Und Frauen können damit das Gefühl vermitteln, dass es gut für sie ist, die Kontrolle zu übernehmen. Das ist wichtig, denn dadurch erfahren sie, dass Sex nicht etwas ist, das ihnen passiert, sondern etwas, das sie lenken können.

Manches von dem Gesagten wird euch befremden – aber ebenso sicher werden euch manche Sätze auch nachdenklich stimmen.

Es wäre schön, wenn andere Leser von euren Erfahrungen profitieren könnten – habt ihr etwas zu sagen?

Zitat (1) aus einem Blogbeitrag.
Zitat (2) Marie Claire.
(3) Übersetzung stark gekürzt, teils sinngemäße Begriffe verwendet, um den Zusammenhang transparent zu halten.
Bild: © 2021 by liebesverlag.de
Hinweis: An diesem Beitrag haben mehrere Autoren mitgewirkt.

Warum wir den Vereinfachern auf den Leim gehen

Das Leben im 21. Jahrhundert beinhaltet eine ständige Suche nach dem richtigen Weg. Für Frauen ist dies oft beschrieben worden, für Männer eher selten. Dabei ist es im Grunde gleich, ob wir auf „Blau“ oder auf Rosa“ getrimmt wurden. Denn die Frage: „Tu es oder tu es nicht“ verfolgt uns lange Zeit.

Wenn du nie neugierig bist, erlebst du nichts Neues - nicht einmal das, was deine Freundinnen oder Freunde längst kennen. Wenn du neugierig und leichtsinnig bist, fällst du dabei vielleicht rein. Also lernst du, neugierig und selbstbewusst zu sein. Bei der Lust heißt das: Sich wissentlich verführen lassen, aber nicht von jeder oder jedem.

Ich habe die Vereinfacher noch gar nicht erwähnt, nicht wahr?

Die Angst, sich selber zu entscheiden und die Vereinfacher

Die sagen: „Du musst nur“. Oder: „Ich kenne den Weg, folge mir.“ Wie beruhigend. Endlich jemand, der den Weg kennt. Ein Erleuchteter (m), eine Expertin (f).

Weißt du, warum Menschen den Vereinfacher folgen? Weil sie sich dafür fürchten, selbst zu denken oder ihre eigenen Entscheidungen zu fällen. Denn ohne eigenes Denken und ohne eigene Entscheidungen sind immer die anderen schuld. Ob es bequemer ist? Jedenfalls ist es nicht gerade lustvoll.

Eine der wichtigsten (und wirklich häufigen) Entscheidungen liegt darin, sich entweder anzupassen oder zu verändern. Anpassen gilt als negativ, verändern als positiv - leider. Denn diese Meinung hält keiner Überprüfung stand. Anpassungen sind Veränderungen, und sie können durchaus sinnvoll sein. Bewusste Veränderungen mögen Mut erfordern, aber sie sind auch nichts als Anpassungen an „etwas anderes“. Und beide Methoden, mit dem Leben umzugehen, können erfolgreich sein oder die Situation verschlechtern. Und schließlich können sie auch noch gar nichts bewirken.

Und die Vereinfacher? Sie raten uns, etwas genau so zu machen, wie sie es vorgeben. Der Rattenfänger von Hameln lässt grüßen.

Ich fand einen Satz, der mich aufhorchen ließ (Zitat).

Ideen sollten wir ... nicht mit uns selbst verwechseln. Aus Suchbewegungen in Widersprüchen zu sich selbst hin scheint das halbe Leben zu bestehen.
Ob es nun so scheint, oder auch wirklich so ist? Das Grundrezept heißt: sich Herausforderungen zu stellen und mit dem Ergebnis leben zu können. Wer sich gar keinen Herausforderungen stellen will, wird eben „mitgenommen“ - ins Bett, in die Ehe ... wohin auch immer.

Erotische Tagebücher – Lustvolles für die Nachwelt

Die Gelegenheit ist günstig ...
Was geschah wirklich in den Betten des 18., 19., und 20. Jahrhunderts, vor allem, wenn es sich nicht um Ehebetten handelte? Und wie lebt der Don Juan oder die Donna Juana heute? Wer verführt wen und bei welcher Gelegenheit?

Das alles finden wir in intimen Tagebüchern, Briefwechseln, manchmal in Biografien, auch wohl in machen Autobiografien.

Wenn ihr welche führt: Es könnet eine Quelle für zukünftige Autorinnen oder Autoren werden.

Die Verführerin Anna Lister - notorisch, herzlos und selbstverliebt

Ich rede im Moment von Anne Lister, einer Serienverführerin des frühen 19. Jahrhunderts – und die „Verführten“ waren Damen. Wer da sinnliche Gartenlauben-Romantik erwartet, wird enttäuscht. Ihre Biografin sagte dazu gegenüber dem Deutschlandfunk:

Anne Lister beginnt jeden Tagebucheintrag habituell (1) damit, ob und mit wem und wie oft sie … am Vorabend … (Sex hatte). Dann, ob sie in der Nacht noch mal aufgewacht sind und abermals Sex hatten. Und ob sie das Gleiche am Morgen wiederholt hatte.

Solche Schilderungen korrigieren nicht nur die „offizielle“ Geschichtsschreibung, sie werfen auch ein Licht darauf, dass Frauen sehr wohl „kaltherzige“ Verführerinnen sein können. Und die „Moral“ sank im 19. Jahrhundert mit zunehmender Bildung. Manche „höhere Tochter“ dieser Zeit, die gezwungen wurden, eine Konvenienzehe (2) einzugehen, holte sich vor der Ehe noch schnell eine Einführung in die Wollust. Manchmal von einer Freundin, manche von einem Freud. Ein berühmtes Beispiel ist das „Nixchen“ (3).

Also: Bewahrt sie auf, eure intimen Erlebnisse. Zukünftige Generationen werden mit offenen Mündern lesen, was ihr im neuen Millennium erlebt habt.

Buch: Angela Steidele: „Anne Lister. Eine erotische Biografie“
Matthes & Seitz, Berlin 2017. 327 Seiten, 28 Euro
Kauft es möglichst beim örtlichen Buchhändler - er freut sich.
(1) "Habituell" - " = "Üblicherweise"
(2) Konveniezehe - Ehe, die dem sozialen Stand der Eltern des neuen Paares entsprach.
(3) Antiquarisch möglicherweise über ZVAB Das Buch ist von Helene Keßler, die sich "Hans von Kahlenberg" nannte.
Bild: Nach einer Zeichnung von Édouard Bernard, gegen 1930, genaue Datierung unbekannt

Verführungen - ach, wie schrecklich?

Die Ursache: Verführung durch die Schlange?
In den letzten Tagen haben wir gestaunt, gestutzt und versucht, uns ein bisschen schlauzumachen. Es ging um die Frage, warum das Wort „Verführung“ im Deutschen so schrecklich abfällig gebraucht wird.

Die Bibel und Goethe

Bedeutet es wirklich, „jemanden zum Geschlechtsverkehr verleiten“ weil das im „Faust“ so geschrieben steht? Oder ist die Verführung generell eine Schande, weil dereinst Adams Frau von der Schlange verführt wurde, die in Wahrheit den Satan repräsentierte? Gar nicht zu reden von Adam und in der Folge alle seine Nachfahren, die ebenfalls von der Ursünde (Erbsünde) befallen waren?

Huch - wie erschreckend. Wenn etwas so böse, sozusagen so „urböse“ ist, wie kann es dann gut sein? Oder wenigstens amüsant? Und was hat der Geschlechtsverkehr mit dem Biss in den saftigen Apfel zu tun?

Der negative Kern im Deutschen - die "böse" Verführung

Überlassen wir das gerne den Religionswissenschaftler. Doch was uns das gesamte Geschehen erbracht hat, ist: Verführungen sind immer ganz mies. Wer es nicht glaubt und „Wikipedia“ vertraut, kann lesen:

Verführen bedeutet, jemanden gewaltlos so zu „manipulieren“, dass er etwas tut, was er eigentlich nicht wollte oder sollte (zum Beispiel, sich sexuellen Handlungen hinzugeben).
Die Definition enthält einen negativen Kern. Denn „jemand zu manipulieren“ gilt im Deutschen bereits als „undurchschaubares Vorgehen, „um sich einen Vorteil zu verschaffen.“ Da ehrenhafte Menschen so etwas angeblich nicht tun, ist das Böse schon ausgemacht. Die Grenzüberschreitung wird auch gleich mitgeliefert. Der Manipulator bewirkt, dass der andere etwas tun, was er „eigentlich nicht tun sollte oder wollte“. Wie Eva. Oder Gretchen.
Adam strahlt und fühlt sich "nicht schuldig"

Der spontane Geschlechtsverkehr - eine planlose Affäre

Gehen wir mal ins Allgemeine: Der unkommerzielle Geschlechtsverkehr wird kaum jemals detailliert geplant. Oder einfacher: Wenn Sex nicht gegen Geld verkauft wird, läuft der größte Teil spontan ab. Sie begehrt ihn, er begehrt sie, und beide wissen, wie sie den anderen dazu bringen, das „richtige“ zu tun.

Was ist nun aber eine Verführung?

Bei ihr läuft die Chose etwas anders ab. Da gibt es eine entschlossene Person („E“) und eine Unentschlossene („U“). Die unentschlossene Person bringt ein gewisses Potenzial an Lust mit, ist sich aber unsicher, ob und wie sie es umsetzen soll. Der Prozess läuft nun so ab, dass „E“ versucht, die „U“ in ein erotisches Manöver einzubinden. Trifft „E“ dabei das, was „U“ sich wünscht, so gelingt die Verführung. Wenn nicht, bricht „U“ ab und erwartet, das „E“ dies akzeptiert.

Manchmal gibt es eine Rollenumkehr: Dann glaubt „E“, dass es sich bei der anderen Person um eine „U“ handelt. In Wahrheit aber manipuliert die vorgebliche „U“ den „E“, die heimlichen Ziele der „U“ zu vollziehen. In jedem dieser Fälle existiert zu Anfang klein voller Konsens - er entwickelt sich situativ.

Das Unglaubliche daran ist: Wir unterstellen Verführerinnen und Verführern böse Absichten, während wir glauben, dass die verführten immer naive Evas oder Gretchen sind.

Verführungen ohne sexuellen Hintergrund

Im Grunde bräuchten wir keine sexuellen Beziehungen, um über Verführungen zu reden. Viele Verkaufsvorgänge laufen so ab, dass ein unentschlossener Kunde ein Ladengeschäft betritt, um eine schicke Krawatte zu kaufen, und mit einem passenden Hemd und einem Hosengürtel den Laden verlässt. (Ich habe in diesem Fall bewusst einen Mann gewählt). In diesem Fall nehmen wir an, dass der Mann erst beim Kauf der Krawatte entdeckt hat, dass er dazu ein neues Oberhemd tragen sollte und der Verkäufer ihm dazu noch einen neuen, passenden Gürtel empfahl.

Sexuelle Lust ist nicht ungewöhnlich im Alltag

Wie schon gesagt, ist ein zunächst verborgener Wunsch nach Geschlechtsverkehr nichts Besonderes im Alltag der Menschen - und schon gar nicht bei sogenannten „Dates“. Gefallen beide einander, wird entschieden, den Abend „bei dir“ oder „bei mir“ oder in dem nämlichen Hotel, in dem einer von beiden wohnt, zu verlängern. Eine Verhandlung über den Ablauf des Abends oder gar des Geschlechtsverkehrs findet nicht statt. Jede und jeder mag sich ausmalen, wie skurril ein solcher „Vertrag“ im Moment der Verliebtheit sein mag.

Warum es keinen "sozial völlig korrekten" Spontansex gibt

Sei es auch skurril - es wäre „sozial korrekt“, wenn es eine eindeutige Übereinkunft gäbe. Doch in der Praxis würde die Dame, die eingeladen hat, nach dem Essen vielleicht sagen: „Bleib doch noch eine Stunde ... ich fühle mich so wohl mit dir.“

Und die Verführung? Wie konnte sie geschehen? Wie kam es dazu? Es gibt einige Tausend Geschichten zum Thema, und eine klingt so unglaubwürdig wie die andere. Dabei gäbe es eine ganz einfache Erklärung.

Eine Verführung gelingt, wenn seitens der zweiten Person eine latente Bereitschaft vorhanden ist und die Situation es beiden erlaubt.
Dazu ist weder böse noch gute Absicht nötig, denn zumeist folgen beide dem Willen der Natur, die Menschen zusammenbringen möchte, wenn Nähe, Gelegenheit und Lust vorhanden sind.

Manchmal stellen wir als Menschen fest: „Das hätten wir besser nicht getan.“ Aber legt mal die Hand aufs Herz: Wie oft habt ihr gedacht: „Ach hätte ich doch nur?“ Und wie oft „Wie konnte ich nur?“

Ich kann es nicht wissen - du weißt es für dich selbst. Und damit gebe ich die Frage an euch zurück: Was ist für euch eigentlich eine Verführung? Und habt ihr sie genossen oder schämt ihr euch dafür?

Was meint ihr?


P.S: Unsere Redaktion wäre wirklich interessiert an euren Antworten ...
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Als junge Gentleman zu Ladys erzogen wurden

Zwei Sichtweisen - ein Jüngling
Als junge Gentleman zu Ladys erzogen wurden ... jedenfalls in der Literatur. Wir untersuchen, woher der Trend kam, wie er via Frankreich in die Geschichte einging und wie er als "Englische Erziehung" weiterhin existiert.

Über die Lust an Schlägen, dem Anlegen von Frauenkleidern und anderen Phänomenen, die Briten zugeschrieben wurden.

Es gibt kaum einen Zweifel, dass ein talentierter britischer Rechtsanwalt die Wurzel allen „Übels“ war. Denn wann immer von der „Englischen Erziehung“ die Rede ist, wird sein Werk „Gynecocracy“ genannt. Die heutigen Ausgaben besehen aus drei Teilen, und es scheint zumindest so, als würde wenigsten der erste Teil aus der Feder von Stanislas Matthew de Rhodèes stammen, der es 1893 anonym veröffentlichen ließ.

Ein Jüngling wird in eine junge Frau verwandelt

Die Trilogie basiert darauf, einen jungen Gentleman optisch in eine junge Lady zu verwandeln. Dafür existiert in der englischsprachigen Literatur der Begriff „Petticoat Discipline“. Neben der optischen Wandlung des jungen Mannes zur jungen Frau wird eine weitreichende emotionale Wandlung versucht. Sie wird teilweise durch eine Art „Gehirnwäsche“ versucht, andererseits aber auch durch „Zuckerbrot und Peitsche“. Letztlich schenken die an der Erziehung beteiligten Damen ihm bei Wohlverhalten minimale erotische Lüste. Fehlverhalten wird hingegen durch ganz außerordentlich heftige Schläge geahndet.

Viktorianischen Erotik beinhaltet oft Schläge und homoerotische Begegnungen

Selbstverständlich hat der Held Zweifel an der Wandlung, doch bis zum guten Ende, ein devoter Ehemann zu werden, muss er allerlei Zweifel an sich und anderen überwinden. Anklänge an Homosexualität werden - wie auch sonst in der er sogenannten „viktorianischen“ erotischen Literatur, keinesfalls ausgelassen. Dabei wird der Kunstgriff des Changierbeutels verwendet - es scheint so, als sei eine Handlung homosexuell, in Wahrheit ist der Verführer eine Frau, die den Verführten durchaus als Mann erkennt.

Die französische Sicht

So mit Fakten ausgestattet, wenden wir uns nach Frankreich, etwa um 1908.

Hier entsteht ein Werk, das eine sehr ähnliche Konstellation verwendet und dem man einen Titel gibt, der keinen Zweifel an der Herkunft des Genres lässt: „Éducation Anglais“ - „Englische Erziehung“. In dieses Werk wurden auch Zeichnungen aufgenommen, die recht drastisch die Brutalität dieser Erziehung demonstrieren sollten. Neben Schlägen werden dabei zur Disziplinierung betont enge Schnürungen verwendet, wie sie zu dieser Zeit noch allgemein üblich waren.

Es ist keine Frage, dass man sich im „schönen Frankreich“ moralisch distanzieren wollte. Und dies, obgleich man genau dieselben Kreise als Leserschaft ansprach, die auch „Gynecocracy“ verschlangen. Nämlich junge Männer, die von erotischen Schlägen schöner, dominanter Ladys träumten – und möglicherweise sogar davon, sich ihnen rückhaltlos zu unterwerfen.


Oh, seht ... diese unmoralischen Engländer ...

In „Éducation Anglais“ wird kapitelweise vorausgeschickt, wie unverschämt die Engländer sind, bevor die Erzählung überhaupt begonnen wird:

Und jetzt wollen wir denjenigen das Wort erteilen, die diese schmerzhaften und deprimierenden Phasen durchlaufen haben, und zwar durch jene Erziehung, durch die der Engländer seine erhebliche Neigung zu Heuchelei und Sadismus erhöht.
Die Inhalte dieser französischen Bücher haben nicht die Qualität des englischen Vorbilds, sind aber dennoch sehr ähnlich. Hier ein Textbeispiel:

Ungeachtet ihrer Handschuhe öffnete sie mit ihren flinken Fingern blitzschnell die Knöpfe meiner Hose, die sie bis zu den Fersen herunterzog. Anschließend zog sie ein Hemd hoch, legte mich über ihre Knie und schlug mich so heftig, dass ich mehrfach aufschrie. Doch sie ließ nicht von mir ab, und die Schläge wurden härter und heftiger. Dann sagte sie zu mir: „Schreien Sie nur, junger Herr. Schreien Sie, solange Sie wollen. Niemand wir kommen, um Sie zu retten. Und ich verspreche Ihnen: In Zukunft werden sie noch besser Gründe bekommen, um heftig zu schreien.

Später haben sich manche Autoren gefragt, warum den Engländern die Eigenschaft zugeschrieben wurde, heuchlerisch und sadistisch zu sein. Denn inzwischen wurde das „Englische Laster“, das auch „Englische Erziehung“ genannt wurde, über Frankreich in ganz Europa verbreitet.

Ein britischer Autor (1) meint:

Mit den Franzosen wurde noch nie eine … Übereinkunft … erreicht, um festzustellen, was genau „The English Vice“ tatsächlich ist. Je nachdem, welche Autorität darüber schreibt, könnte es sich historisch gesehen um Heuchelei oder Geißelung handeln, obwohl keiner der Zeitvertreibe mehr eine einzigartige englische Beschäftigung zu sein scheint, und ich bezweifle, dass dies jemals der Fall war.
Er fährt fort, dass die wahrscheinlichste Erklärung der britische Liberalismus sein könnte, der auch schon im Vorwort von „Éducation Anglais“ erwähnt wird. Dort allerdings mit dem diffamierenden Hinweis, dass der Engländer andere unterdrücken muss, um sich selbst frei zu fühlen. Oder sollte es doch die angelsächsische Eigenart sein, Autobiografien und Pseudo-Autobiografien zu lieben? Verstanden die Franzosen damals einfach alles falsch?

Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass den Briten seither die Erfindung einer Erziehung mit Zuckerbrot und Peitsche nachgesagt wird, die wundersame Auswirkungen auf das Gemüt hat. Und dann und wann auch auf die sexuelle Ausrichtung.

Zitate: Aus „Gynecocracy“ (Britische Originalausgabe, Nachdruck), aus „Éducation Anglais“ (verschieden Ausgaben mit unterschiedlichen Zeichnungen) und einem Beitrag der „Indipendent (1)“. Bilder: Rechts extrem enge Schnürung nach der Zeichnung von M. Del Giglio (Pseudonym), Links nach der Zeichnung von Gaston Smit (aka Georges Topfer).