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Das Patriarchat

Heute las sich einen sehr langen Artikel darüber, was das Patriarchat alles angerichtet hat. Im Westen und heute, also im „Hier und Jetzt“.

Na schön – nur, liebe Frauen: Lasst euch mal etwas neues Einfallen für eure Argumentation. Und denkt mal darüber nach, wie oft ihr einen Seitenblick darauf werft, wie ein Mann zu sein hat: Ganz Mann, zupackend und selbstbewusst, selbstverständlich ganz Gentleman, total ritterlich und jederzeit bereit, euch vor aller Unbill zu schützen.

Wie ich es sehe? Ihr nehmt die Vorteile aus drei Jahrhunderten, mischt sie euch schön auf – und haut uns Männern, wann immer ihr Lust verspürt, dann das Negative aus der Vergangenheit um die Ohren. Und eines weiß ich sicher: Keine von euch will leben wie vor 50 oder 100 Jahren. Nur müsste man dazu natürlich (hallo, klingelt’s?) wissen, wie Frauen vor 100 Jahren gelebt haben, nicht wahr?

Unser Machogehabe? Haben wir eigentlich gar nicht mehr – haben einige Frauen aber ganz gerne. Unsere patriarchalische Herrschsucht? Ja, wo gibt es denn die Möglichkeit dazu? Und sonst? Ihr überschätzt die Möglichkeiten, die Männern „als solche“ offenstehen.

Wir Männer sind – manchmal dankenswerterweise, manchmal leider – von eurer Gunst abhängig. Und zwar umso mehr, seit ihr uns eigentlich kaum noch benötigt, um reich und berühmt zu werden.

Also: bitte mal Gehirn einschalten, bevor ihr vom „Patriarchat“ redet.

Die Lust an der Hingabe

Hingabe - wenn, dann ganz und gar ...
Mag sein, dass du nie passiv warst. Bist du eine Frau? Und du warst nie passiv? Hast dich nie hingegeben, weil du verliebt oder notgeil oder betrunken warst? Und du lügst wirklich nicht? Und … hättest du es dir gewünscht? Niemals?

Ein Mann ist nie passiv, oder warst du es doch schon einmal? Nicht einmal, weil dich jemand bedrängt hat, weil du neugierig warst oder so betrunken, dass du leicht zu überzeugen warst, dich einfach hinzugeben?

Will es dir Natur so?

Die Klischees sind tief verankert. Man sagt, die Natur wolle es so. Frauen seien auf lustvolle Hingabe ausgerichtet, Männer hingegen auf sinnliches Drängen. Wer dem Klischee entspricht, wird entweder akzeptiert oder aber abgelehnt. Wer es allerdings übertreibt, wird verachtet oder gar geächtet. Darüber erdte dann möglicherweise "die ganze Welt".

Wer Klischees erfüllt, lebt unbeachtet, kann sich rühmen, ein gestandener Bürger oder eine brave Bürgerin zu sein.

Weiblich - hingebungsvoll oder fordernd?

Ach, wie war das? Du bist weiblich und hast keine Lust, dich einfach hinzugeben? Du willst Männer reizen, verführen, sie sexuell erschöpfen, solange, bis die Prostata sich nicht mehr füllt und die Hoden schmerzen? Oder sagen wir mal: Du willst selbst verführt werden, um dabei auf Lustwolken zu schweben und dich dabei völlig und erschöpfend hinzugeben? Das kannst du. Aber rede bitte nicht öffentlich darüber. Man wird sich alles nennen, was das Repertoire an Beleidigungen hergibt.

Das Klischee männlicher Sexualität - Hingabe, oder sexuelle Ekstase?

Nimm mal an, du seist männlich. Oder bist du es gar? Und nun denk mal, du hättest keine Lust, dauernd Affentänzchen auszuführen, um eventuell in einem Bett zu landen, das schon etliche Männer mit der umworbenen Frau geteilt haben. Nein, du willst verführt werden. Ob die Frau zunächst dafür sorgen soll, dass sich dein Penis regt oder ob du es liebst, wenn sie deine Rosette bespielt? Willst du, dass du dich gegen ihre Zärtlichkeiten nicht wehren kannst? Weil du dich einfach restlos hingeben möchtest? Oder willst du verführen, dich selbst an einer Frau erschöpfen, deiner animalischen Lust freien Lauf lassen – mit einer Frau, die sich ebenfalls die völlige, erschöpfende Hingabe wünscht? Manchmal wirst du es so haben können – die Lust an der Hingabe. Aber sprich niemals öffentlich darüber. Die Menschen werden sich das Maul über dich zerreißen. Mal wirst du ein brutaler Macho sein, mal ein verachtungswürdiges Weichei.

Echte Hingabe - da muss manches Klischee überwunden werden

Klischees zu folgen, ist einfach und nicht sehr aufregend. Sie zu überwinden, erfordert hingegen Mut. Sinnliches Drängen? Das kann jeder Mann, und fast jeder versucht es auch. Und gespielte Hingabe? Es gibt kaum eine Frau, die es nicht schon versucht hat.

Und echte Hingabe? Sie erfordert ein starkes Selbstbewusstsein. Was dachtest du?

Wie solltest du sein, wenn du ein lustvoller Masochist sein willst?

Frei sein für die besondere Lust?
Wenn du ein Masochist sein willst, musst du stark und selbstbewusst sein. Nur dann kannst du guten Gewissens deine Maske ablegen, das Stahlkorsett deiner männlichen Rolle. Du wirst finden, dass du dann endlich frei bist, dich deinen Wünschen, Lüsten und Fantasien hinzugeben.

Was tust du im normalen Leben? Du trägst stolz deine Rüstung, hältst deine Gefühle und Sehnsüchte zurück. Zu Frauen hältst du „smarte Distanz“. Du denkst nicht einmal daran, all das auszuschöpfen, was deine Psyche quält. Alles ist Fassade. Die brauchst du jeden Tag, aber willst du sie wirklich auch jeden Abend und jede Nacht beibehalten?

Wenn du ein erotischer Masochist sein willst, musst du Frauen treffen, die anders sind als diese Wesen, die ihren Körper mal verschämt, mal unverschämt zur Schau stellen. Und auch nicht jene, die mit deiner Männlichkeit konkurrieren wollen und ebenfalls eiserne Masken tragen.

Du benötigst dazu eine Partnerin, die Freude daran hat, sinnlich und heftig den Part der Dominanz auszuspielen. Zu dieser Frau, die du triffst, um dir Erfüllung zu schenken, musst du Vertrauen haben. Das Vertrauen ist wichtig, und es ersetzt nicht das „geschäftsmäßige Verhältnis“, das bei sogenannten SM-Begegnugen zur Regel gemacht wurde.

Nur bei gegenseitigem Vertrauen ist es möglich, die Lust an der Unterwerfung vollständig auszukosten. Und die dominante Spielerin sollte Freude daran haben, ihren Part zu spielen, sonst gerät das Ganze zur Farce.

Frag nicht, wo du diese Frau findest. Sprich mit Frauen, die du schon kennst, aber fall nicht mit der Tür ins Haus. Manchmal öffnen sich Jalousien, wo du nicht einmal Fenster vermutest.

Bild: Illustration eines Groschenhefts, Teilansicht

Warum denken Frauen über die Liebe „romantisch“?

Im Ursprung war die Liebe alles andere als romantisch. Sie ergriff die Menschen einfach, so, wie sie Orang-Utans, Gorillas oder Schimpansen ergreift - Primaten wie wir also.

Das angeblich "edle und gute" in der Liebe des Mittelalters

Erste Ansätze der „romantischen“ Liebe wollen Kulturforscher im frühen Mittelalter entdeckt haben. Entgegen aller Vernunft und vor allem völlig gegen die menschliche Natur wurden plötzlich „edle Sänger“ ausgemacht, die schmachtend vor den Toren den Burgen sangen, um dem edlen Fräulein nahe zu sein. Später wurde deren Tugend, vor allem von Deutschlehrern, veredelt und die „Hohe Minne“ wie ein Heiligtum verehrt.

So edel waren die Sänger allerdings kaum, denn die lustvollen Troubadoure wussten sehr wohl, wann die Dame des Hauses ohne viel Federlesens zu „vögelen“ war: wenn die Luft rein war. Das ist wortwörtlich zu nehmen, denn wenn der Käfig des Singvogels, den sich die Dame hielt, im Freien aufgehängt wurde.

Kitsch-Literatur für Bürgerfrauen, hier um 1912
Die Romantik-Lüge des 18. Jahrhunderts - für Frauen erzeugt

So richtig „romantisch“ wurde es freilich erst, als es überhaupt nicht romantisch war: Im 18. Jahrhundert entledigte sich das Bürgertum der wirtschaftlich nutzlosen Töchter, indem der Vater Geld auslobte. Vater und Interessent einigten sich über die Höhe der Mitgift, was romantisierend als „er hielt um die Hand der Tochter an“ beschrieben wurde. Und damit die Tochter ein bisschen was zum Träumen hatte, wurde der Handel hinter einem Wust von Kitschliteratur versteckt: Schriften über die romantische Liebe.

Ich zitiere mal:

Das Konzept der romantischen Liebe entstand in Romanen des 18. Jahrhunderts, lange bevor es gelebt wurde, und hängt eng mit der Entwicklung des Individualismus zusammen, … seit dem Zweiten Weltkrieg setzt sich dieses Ideal in großen Bevölkerungsteilen durch.


Wie aber kam es dazu, die bewusste Täuschung der Frauen im 18. Jahrhundert in eine verklärt-romantische Täuschung des 21. Jahrhunderts hinüberzuretten?

Der Kitsch wurde über die Zeiten hinweggerettet
Erotisch-Romantische Werbung gegen 1917 - es ging um Seife


Es sind literarische Werke, Kitschromane und Groschenhefte, die am Anfang stehen, gefolgt von Spielfilmen, Fernsehfilmen und Fernsehserien. Geht man zurück in die „Nachkriegszeit“, so war es die Hoffnung, ein wirklich zufriedenes, freies und romantisches Leben mit dem Partner der eignen Wahl zu führen. Wahr davon war gar nichts. Frauen führten ein karges Leben in meist ärmlichen Behausungen, am Rand des Existenzminimums, mit Kohleöfen und Wachküche, aber ohne Bad ohne und Kühlschrank, und Männer mussten wirklich hart arbeiten. Das heutige Leben ist dagegen der reinste Luxus.

Das alles wurde überwunden, die Groschenhefte und Fernsehserien, die 400-Seiten-Romane und das große Kino allerdings nicht: sie produzierten weiterhin romantischen Liebeskitsch am laufenden Band. Und so gut wie die einzigen Konsumenten dieser Machwerke sind und waren Frauen.

Das harte Leben, der Kampf um die eigene Existenz und die Lust an der Romantik

Doch nun liest und sieht eine andere Gruppe dieses unselige Zeug: die Frauen, die jetzt selbst die Herausforderungen des Berufs spüren und erkennen, dass Beziehung und Beruf oft eher doppelter Stress ist als die ein Wechselspiel von Stress und Entspannung.

Klar – ein Teil dieser Frauen fügt ihrem Bücherregal heute auch mal ein Buch hinzu, in dem die Lust aus dem „Aua“ kommt. Und ebenso klar – ein Teil der Frauen sieht sich auch wilde Pornos an.
Selbst-Aufklärung gegen 1929 - nicht durch Pornos, aber dennoch als höchst frivol angesehen
Was Romantik-Literatur und Pornos vereint: Illusionen um jedem Preis

Und nun schließt sich der Kreis; für viele Frauen ist Romantik-Literatur eine schöne Illusion, für manche sind es Erotik-Romane und harte Pornografie. Und beides lässt sich heute auch für Frauen stundenweise als „Realillusion“ kaufen.

Was romantische Illusionen betrifft: Ich will sie niemandem rauben, der weiß, dass es sich um Illusionen handelt, aber ich will und kann davor warnen, dass diese Machwerke für die Realität gehalten werden. Und bei der Pornografie ist es ganz ähnlich. Auch sie erzählt Märchen – meist für Männer. Und die sollten natürlich auch wissen, dass sie sich in Illusionen vertiefen, die mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun haben.

Die Sichtweise ändern: Ihr Körper und Sie

Die übliche Sichtweise in der Liebe, soweit psychologisch angehaucht, lautet: das Ich handelt aus sozialer und kultureller Verantwortung. Das Es bringt das Spielerische in die Liebe und das Über-Ich sorgt dafür, dass alles schön im Rahmen bleibt.

Das Leben ohne Lust in Sittlichkeit - immer noch das Ziel?

Alles, was wir über die Liebe und ihre Auswüchse, über die Lüste und Versuchungen, Wege und Abwege lernen, folgt im Wesentlichen einem Gedanken. Die Krone der Schöpfung, der Mensch, sollte ein sittliches, verantwortungsbewusstes Leben führen und gute Werke tun – auch wenn es um die Liebe geht. Nicht nur aus der Sicht der „Gläubigen“. Wir alle haben uns einmal dem Wohlanstand verschrieben, nicht wahr?

Natürlich war da noch der Körper. Oh, darf man darüber überhaupt reden?

Der Körper kann "pure Lust"

Stellen wir uns den Körper nun vor als einen mit mit Sensoren ausgestatteten Organismus, der danach lechzt, sinnliche Lüste zu erfahren. Die biochemisch aufgebaute Leitstelle des Nervensystems unterstützt dieses Verlangen und produziert bei Berührungen oder visuellen Kontakten Botenstoffe, die entweder die Geilheit steigern oder den Schmerz reduzieren. Beides (und noch viel mehr) kann den Körper befriedigen, kann ihn für einen Moment von allen Lasten befreien, und die pure Lust kann von ihm empfunden werden.

Die Sittsamkeit als Zensor der Lust

Und nun greift das Kontrollzentrum der Sittsamkeit. Es schüttet Scham über uns aus, erzeugt Schuldgefühle, konfrontiert uns mit unserem sozialen und kulturellen Versagen. Wir haben gesündigt. Vielleicht müssen wir uns schämen, und rechtfertigen oder gar diese Sünde beichten.

Sagen Sie selbst – lohnt es sich wirklich, einen Kulturmenschen darzustellen?