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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Schwarzseher und das baldige Ende vom Dating

Glaskugel-Wahrheiten über die Folgen der Pandemie
In einem meiner vorausgegangenen Artikel habe ich geschrieben, dass Dating in den USA eine ganz andere Bedeutung hatte als in Europa. Schon vor einigen Jahren änderte sich allerdings auch in den USA die Grundsituation: Dating folgte nicht mehr den üblichen Schemata.

Das Schema der Liebe – in den USA und bei uns

Ich las gerade, wie tief dieses Schema in die Psyche der US-Amerikaner eingeprägt ist, selbst wenn die Praxis etwas „modernisiert“ dargestellt wird. Ich zitiere dazu einen Beitrag aus „Medium“:

Seit Jahrzehnten hat sich am Drehbuch nicht viel geändert:

Du begegnest einem (einer) Fremden unter bestimmten Umständen - je ungewöhnlicher, desto besser. (Du) gehst eine Reihe von immer intimeren werdenden Verabredungen ein, bis einer von euch den anderen anschließend in „seine Wohnung“ einlädt. Dann sitzt ihr auf dem Sofa und wartet darauf, ob es funkt. Dann küsst du sie oder ihn und arbeitest dich weiter vor, bis du beim „richtigen“ Geschlechtsverkehr ankommst.

Der Ernst der Deutschen und seine Vor- und Nachteile

Nun wird auch euch das Schema nicht völlig fremd sein, aber dennoch können wir in Europa nicht behaupten, wir würden identisch handeln. Besonders die mittlere Generation sieht die Partnersuche als etwas enorm Wichtiges an, das nicht nach dem Schema Zufall-Küssen-Sex ablaufen sollte. Wahrscheinlich nehmen es manche von uns zu ernst. Dann besteht die Gefahr, dass die Begegnungen vor purer Ernsthaftigkeit zu blutleeren Bewerbungsgesprächen verkommen.

Gibt es „Folgen der Pandemie“ für die Beziehungssuche?

Die Frage, die sich US-Amerikaner wie Deutsche stellen, ist heute eher: Wie wird die Pandemie die Partnersuche beeinflussen?

Manche malen die Szenerie Schwarz-in-Schwarz: Verabredungen einzugehen und dann zu sehen, wie die Sache für beide ausgeht, sei „vorbei“. Der Grund: Es sei zu teuer und zeitaufwendig. Wir wissen, dass für die ernsthafte Partnersuche durchaus Verabredungen mit mehreren Personen erforderlich sind. Bei sorgfältiger Vorauswahl und einer großen Bandbreite können solche Verabredungen möglicherweise auf drei bis fünf mit unterschiedlichen reduziert werden – ansonsten sind mehr Treffen nötig. Und um mal Tacheles zu reden: Wer diese Zeit als „verloren“ ansieht, muss schon reichlich verblendet sein. Denn Verabredungen, um feste Beziehungen einzugehen, sind Elemente der Orientierung oder Re-Orientierung. Und die ist wirklich nötig, bevor man eine Beziehung eingeht.

Die Deutschen und das „nachhaltige Kennenlernen“

In Deutschland gibt es ähnliche konservative Behauptungen wie in den USA, die unter dem Stichwort „nachhaltiges Kennenlernen“ zusammengefasst werden können. Allerdings stehen sie unter dem Verdacht, tendenziös zu sein. Die Online-Partnervermittlungen stimmen in den Chor aus kommerziellen Gründen ein, die Psychologen, um sie im Gespräch zu halten, und die Moralisten aus Wunschdenken.

Auch die Prognose, dass die Pandemie alle Möglichkeiten der Begegnungen hinweggefegt hat, beispielsweise durch die Schließung von Bars. „Die Welt nach der Pandemie wird nicht wiederzuerkennen sein“ wird von den Schwarzsehern behauptet. Ich beobachte eher das Gegenteil. Gründer stehen in den Startlöchern, um neue Orte der Begegnungen zu errichten, und die Inhaber vorhandener Örtlichkeiten haben die Pandemie genutzt, um ihre Plätze zu renovieren.

Niemand hat Fakten – jeder hat Sprüche

Tatsächlich beruhen alle Ansichten darüber, dass sich „alles ändern wird“ auf Blicke in die Glaskugeln. Niemand hat Fakten – alle reden wirr durcheinander, um die eigene Meinung günstig zu platzieren. Das ist nicht besonders aufrichtig – aber es ist mittlerweile zu einer hässlichen Gewohnheit geworden.

Bild: Historische Illustration, anonym, vermutlich Frankreich

Der einzig richtige Mann – ein Dauerthema

Auf der Suche ... oder "mal begucken"?
Ich lese oft bei anderen Autorinnen und Autoren, wobei „Autoren“ durchaus in der Minderheit sind. Denn wer über die Liebe schreibt, ist meist weiblich, deutlich unter 40 und enorm mitteilsam.

"Gute" Frauen bekommen Eherat

Jeden Morgen bekomme eine kleine Sammlung vorgelegt. Die meisten Artikel beschäftigen sich damit, wie frau „den richtigen“ findet, was frau dabei beachten muss und wie frau erkennt, was „gutes Ehematerial“ ist. Das ist der Teil für die „guten“ Frauen, die nichts wollen als den besten Mann abzufischen, den das Universum für sie bereithält. Oder höflicher ausgerückt: Die das meiste wollen, ohne irgendein Risiko einzugehen. Fehlen noch die üblichen Beiträge für die andere Gruppe. Ihre Autorinnen heben darauf ab, wie du dein Äußeres, seltener dein Inneres, so weit optimieren kannst, dass jeder mit dir ins Bett hüpfen wollte, wenn er dürfte.

Reden wir mal nur von denen, die von den Autorinnen als brav identifiziert werden und die auch so angesprochen werden. Keine Frage: Ihr Standpunkt ist konservativ, und dahinter scheint diese Aussage zu stehen:

Du hast nur einmal die Chance, den einzig richtigen Mann zu finde, und falls du die vergeigst, ist dein Leben verpfuscht.

Misserfolge gelten ja als tödliches Gift der Neuzeit. Sie kommen dem Versagen bereits recht nahe und wir wissen ja: Westliche Länder haben kaum noch eine Versagenskultur.

Berater, Psychologen, Wahrsager - alle wissen es besser als du?

Nun lese ich nicht nur die dümmlich-dreisten Artikel, wie man den besten Mann aus all den Männern da draußen heraussiebt. Ich weiß auch, dass vermeintliche Psychologinnen/Psychologen und selbst ernannte Wahrsager(innen) behaupten, kompetent voraussagen zu können, ob eine Beziehung passt. Und ich kann die Bücher (geschweige denn, die darin vorkommenden Kandidaten) kaum noch zählen, in denen erlogene und halbwahre Berichte über die männlichen Partnersuchenden verfasst wurden.

Am Ende des Tages bleibt nur eines: Warum machen angeblich emanzipierte und vermeintlich selbstbewusste Frauen so ein Buhei um den „einzig richtigen“ Partner?

Und nein – ich meine nicht jene, die noch den einen oder anderen Mitmenschen fragen: „Meinst du, er ist wirklich der Richtige für mich?“ Das tun fast alle. Ich meine jene, die zögern, zaudern und zagen und am Ende behaupten: Keiner taugt wirklich etwas.

Hast du etwas dazu zu sagen? Dann schreib es.

Was wichtig ist … beim Date

In diesem Beitrag frage ich euch: Warum bleibt ihr beim Date nicht im "Hier und Jetzt", sondern redet vom "Dort und Dann"?

Partnersuche ist kein Wunschkonzert. Wir mögen viele Wünsche an das Leben haben – das ist absolut legitim. Und es ist auch ganz normal, einige Wünsche an den zukünftigen Partner zu haben.

Das Leben erfüllt uns allerdings nicht alle Wünsche – das wissen wir, das nehmen wir hin, und manchmal ärgern wir uns darüber.

Wunscherfüller Partner?

Und nun – bitte: Warum sollte unser zukünftiger Partner / unsere zukünftige Partnerin alle Wünsche erfüllen?

Und wie war das mit sofort erfüllbar, kurzfristig möglich und nur langfristig realisierbar? Es gibt doch durchaus Wünsche, die nicht sofort in Erfüllung gehen müssen, nicht wahr?

Ein Beispiel für eine Frage, die im JETZT nichts zu suchen hat

Fragt eine Frau einen Mann, beim ersten Date, ob er einen Kinderwunsch hat, und er sagt ihr spontan: „Ja, in jedem Fall, und schon bald“ – was dann? In derselben Nacht im Hotelbett? Zwei Wochen später? Muss nicht jeder erst einmal gucken, ob die Beziehung standhält?

Klar sind Kinderwünsche wichtig. Aber wichtiger ist, ob ihr es miteinander aushaltet. Oder gar sehr viel Freude aneinander habt. Und bevor das nicht klar ist – warum fragt ihr beim Date eigentlich etwas, das im Hier und jetzt gar nicht entschieden werden kann?

Ihr könnt anderer Meinung sein - dann sagt es.

Wem nützen "Würde und Respekt" beim Date?

Höfliche Ansprache - ist das schon "Würdevoll"?
Dieser Tage habe ich zwei Begriffe im Zusammenhang mit „Kennenlernen“ gelesen: würdevoll und respektvoll.

Beide Begriffe kommen aus Quellen, in denen gerne ein lehrhafter Ton angeschlagen wird. Wenn wir sagen „wir sollten die Würde des anderen respektieren“, dann könnten wir etwas damit anfangen - mit „würdevollem Dating“ nicht. Es erinnert an „würdevolles Auftreten“, also sich der eignen Würde bewusst zu sein. Mit „Respektvoll“ geht es mir ähnlich.

„Würdevoll“, (1) so lehrt uns „Der Grimm“, ist ein Wort, das in den „90er-Jahre des 18. Jahrhunderts entstand - also zu einer Zeit, als sich der Bürgerstand etablieren konnte. Sehen wir genau hin, dann war die Würde einstmals als Gegensatz zur Anmut verwendet. Meyers Lexikon erklärt uns, was es für die bürgerliche Gesellschaft war: (2) das Gegenteil von Anmut.

Und die Würde? Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, was wir ja mindestens bei Dates erhoffen dürfen, dann sollten wir den potenziellen Partner (die Partnerin) nicht „entwürdigen“oder „seiner /ihrer Würde berauben“. Doch er geht schon mit dieser Absicht zu einer Verabredung? Das neue Zauberwort heiß: „Sei, wie du bist, aber mit Würde“ (3) . Da wird sich jeder fragen: Ja, was denn? Geht der Autor davon aus, dass wir uns sonst „würdelos“ präsentieren? Vor allem, wenn wir uns „geben, wie wir sind“?

Die Idee der „bürgerlichen Sexualität“ ist auch die Realität vieler „Dates“ unter all jenen, die unbedingt „Anstand“ beweisen wollen. Eine bürgerliche Erziehung“ ist heute nicht mehr abhängig vom „Bürgerstand“ - nahezu einjeder (einjede) bekommt sie. Das heißt aber auch, dass alle daran hängen (4):

Zurückhaltend, ehrenhaft und respektvoll sei die Sexualität in gebildeten Schichten ...

Man erwartet, frau erwartet ... ich habe noch nie so viele einfältige und dummdreiste Sprüche darüber gehört, was „gentlemanlike“ ist. Gespielte Gefälligkeit? Eingeübtes Wohlverhalten? Respekt gegenüber Frauen? Nein - die Rechnung zu bezahlen. Aber auch sonst wird allerlei „erwartet“. Während der Verabredungen werden sozusagen „Erwartungen gegeneinander ausgespielt“, während die Gemeinsamkeiten in Marginalien gesucht werden. Bürgerliches Wohlverhalten eben.

Würdevoll und respektvoll - guter Rat für ein Date?

Was wird es uns bringen, einander „würdevoll“ oder „respektvoll“ zu begegnen? Wer darauf mit dem nackten Knöchel pocht, wird sich eher verletzen. Denn es geht weder um „Würde“ noch um „Respekt“, sondern um eine aufgesetzte Verhaltensnorm, an die sich die Schwachen und Unentschlossenen klammern.

Wer stark ist und weiß, was er /sie zu bieten hat und welche Risiken er/sie beim Date eingeht, kann grundsätzlich alles tun, was er will und jede Regel über den Haufen werfen. Also gelten die Regeln für jene, die sich „aufsetzen“ oder „aneignen“.

Was bringt uns die "neue Masche mit der Würde?"

Ist das günstig für uns? Nützt es uns, um längere Beziehungen einzugehen?

Natürlich nicht. Die Persönlichkeitseigenschaften kommen ohnehin heraus. Und dann heißt es „Beim zweiten Date stellte er/sie aber fest, dass ...“ Als Grund wird oft „zu schnelles Verlieben, zu früher Sex, oberflächliches Kennenlernen“ oder etwas in der Art angeben.

Könnte es nicht sein, dass es das „Kennenlernen in Würde und Respekt“ war, welches eben doch mit dem „wahren Wesen“ kollidierte?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es so ist.

Anderer Meinung? Bitte schön - ihr habt das Wort.

(1) Grimm (Stichwort bitte aufrufen).
(2) Meyers, Retro.
(3) Aus Österreich, Regionalpresse
(4) Aus der Krone".
Bild (Illustration), möglicherweise von Léon Lebègue (historisch)

Über Falschinformationen

Um Himmels Willen! Eine Fehlinformation? Fake News? Dabei handelt es sich um notorische Betrüger, nicht wahr? Nein, es handelt sich überwiegend um notorische Besserwisser oder Falschmünzer.

Kürzlich las ich bei „Corrective“:

Richtige „Fake News“, also „gefälschte Nachrichten“, sehen wir als Faktencheckerinnen selten. Meistens überprüfen wir eine Mischung aus unbelegten Spekulationen, (böswilligen) Fehlinterpretationen und irreführenden Verkürzungen.
Die schwachen Wahrheiten und die Liebe

In der „Liebeszeitung“ haben wir jeden Tag mit dem Phänomen der „schwachen Wahrheiten“ zu kämpfen. Das liegt daran, dass wir uns bei der Liebe auf einem Schwellengebiet befinden. Es gibt geschätzte 100 populäre Interpretationen von Liebe, Lust und Zweisamkeit und nur wenige davon sind „unzweifelhaft richtig“. Und bevor jemand etwas einwendet: Sie stammen alle von „Wissenschaftlern“, weshalb der Satz „folgt der Wissenschaft“ zumindest bei der Liebe ein absoluter Blödsinn ist.

Es ist so, dass es in der Liebe persönliche oder „fachliche“ Meinungen gibt, die auf „schwachen Beinen“ stehen. Im Prinzip ist passt diese Information dazu gut:

Stelle beim Lesen von Nachrichten sicher, dass du erkennst, wie vertrauenswürdig die Quelle ist. (…) Überprüfe Artikel aus anderen Quellen, die nicht so einseitig argumentieren, auf sich eher auf Fakten verlassen. So kannst du herauszufinden, wem (und welchen Aussagen) du tatsächlich Vertrauen kannst. So lernst du, nicht auf dein Bauchgefühl zu hören.
Die Grenzen der Überprüfbarkeit

Das alles würde ich jederzeit unterschreiben – weil es meiner Methode entspricht. Und doch zweifele ich auch an dieser Aussage, weil der „Normalbürger“ gar keine Möglichkeiten hat, zu beurteilen, was „wissenschaftlich“ ist und was ein pseudowissenschaftliches Gewäsch. Und dies zumal dann, wenn beides von „Wissenschaftlern“ kommt.

Akademische Titel sind keine Garantie für Zuverlässigkeit

Bedenken wir, dass es viele Menschen mit Doktor- und Professorentiteln gibt, die recht einseitig denken. Dennoch wird verbreitet, was sie in sozialen Medien von sich geben, weil ihre Titel dazu führen, dass die Informationen unzweifelhaft für „wahr“ gehalten werden.

Die Wahrheit zu finden, ist also schwierig. Auch die „Liebeszeitung“ hat schon Quellen benutzt, die fragwürdig waren. Damals habe ich noch nicht daran gedacht, dass viele Quellen aus den Bereichen der Partnersuche (nicht nur online) mehr oder weniger absichtlich verfälscht wurden.

Heute lasse ich keine Artikel mehr zu, die auf solchen Grundlagen beruhen. Es mag ja sein, dass mancher Artikel dadurch etwas „nüchtern“ wirkt. Aber was nützt es, wenn ein Artikel den Wunschvorstellungen meiner Leser(innen) entspricht, aber vom ersten bis zum letzten Satz aus „frisierten“ Informationen besteht?

(1) Aus einer Mitteilung des Netzwerks Corrective, das Falschinformationen aufspürt.
(2) Wie man mit Fehlinformations-Supersprühern umgeht