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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Je öller, je döller?

Zuerst übersetze ich den Spruch mal aus dem Niederdeutschen: Werden die Männer immer liebestoller und begieriger nach Lust oder sogar nach Schmerzen, wenn sie älter werden?

Warum ausschließlich Männer gemeint sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings ist sicher zutreffend, dass die Reize, die auf „ältere“ Menschen einwirken, oftmals deutlich heftiger sein müssen, als dies in der Jugend der Fall war.

Sprechen wir stattdessen mal über das Verlangen.

Das Verlangen speist sich einerseits aus der Entbehrung, andererseits aber auch aus der Erinnerung. Wer entbehrt, ist schneller bereit, eine dargeboten Brust zu küssen, wer sich nur erinnert, mag diesen Versuch der Verführung belächeln. Oder mit anderen Worten: Sinnliche Frauen und Männer streben mit dem Alter Qualität an, während Bedürftige vor allem ihr Verlangen stillen wollen.

Das Dilemma der Dates: Wohlanstand und Begierde

Viel Licht fällt in diesem Zusammenhang auf die Menschen, die sich zu Dates verabreden, aber mehr als fünf Jahre keinerlei sexuellen Kontakte mehr hatten. Der Theorie nach müssten sie bedürftig sein und zugleich vertuschen, dass sie es sind. Das halte ich, mit Verlaub, für so gut wie aussichtslos. Mag sein, dass deswegen so viele Frauen und Männer behaupten, „der Funke sie nicht übergesprungen.“ Wie soll sich den ein Funke entzünden, wenn die Begierde im Hintergrund lauert, aber vordergründig über gemeinsame Hobbys geplauscht wird? Oder gar über eine Familienplanung, die niemals stattfinden wird?

Zurück zu den Älteren. Ich bin überzeugt, dass es nicht zutrifft, mit dem Alter immer „geiler“ zu werden, wohl aber, dass man dann eher dem Genuss zugetan ist.

Und was meint ihr?

Haben wir zwei Seelen in der Brust?

Die Lust wird eingemischt ...
Ein „deutscher Mann“ hat sie – behauptet jedenfalls Dr. Faustus durch Goethes Feder, nicht ohne ein „ach“ einzufügen. Doch auch vergangene Kulturen haben schon gewusst, dass mehr als eine „Seele“ in der Brust „wohnt“. Der griechische Gott Janus zeigte sie sogar, indem ihm ein Januskopf gegeben war.

Der Zwiespalt ist menschlich

Der Zwiespalt war einst durchaus bekannt, schien sogar echt menschlich zu sein und wurde besonders im Bereich der Künstler, Dichter und Denker verortet. In der Blüte des Bürgertums verschwand jeder Zwiespalt hinter der Fassade des Wohlanstands. Hinter den Mauern der Bürgerhäuser allerdings trieb er dann heftige exotische Blüten. Fast alle von uns haben irgendwann einmal die Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ gelesen. In ihm wird die Persönlichkeit noch durch eine Droge gespalten. Man schrieb das Jahr 1886 – lange, bevor der Begriff „Schizophrenie“ entstand. Erst seit 1908 wurde dieses Wort verwendet, und es dauert noch etliche Jahre, bevor man diese Diagnose bei „Patienten“ verwendete.

Ist der Zwiespalt eine Frage für die Psychiatrie?

Indessen ist der Zwiespalt nicht etwa in den Bereich der Psychiatrie abgewandert. In den eigenen Gefühlen ein „sowohl als auch“ festzustellen, hat schon nahezu jeden Menschen getroffen. Das gilt besonders für unsere Lüste und Begierden.

Werfen wir einen kurzen Blick darauf: Wir können über unsere sexuellen Lüste nicht ausschließlich „willentlich“ entscheiden. Es gibt keinen grünen Knopf für „loslassen“ und einen roten für „stoppen“. Wenn unser biochemisches „System“ anfängt, Lustdrogen zu produzieren, dann will es etwas damit erreichen. Und um dies auch durchzusetzen, versucht es, unser Denken vorübergehend auszuschalten. Nun können wir eine Weile „dagegenhalten“ und uns sagen: „Tu es nicht, das könnte Folgen haben.“

Jekyll und Hyde - vereint sind sie menschlich

Jedes Mal, wenn wir das tun, bringen wir „Jekyll und Hyde“ in uns wieder in Einklang, aber sie verschwinden deshalb nicht aus unserem Potenzial an Gefühlen. Denn wir bleiben ja ein Teil der Natur und die sagt uns: „Wenn du deine Lust erfüllen willst, musst du auch ein Risiko eingehen.“

Der „Zwiespalt“ zwischen dem drängenden Trieb, der heut oft als „Notgeilheit“ bezeichnet wird, und der Tugend es Verzichts, wurde von Jahren noch ausschließlich Männer zu geschrieben. Inzwischen „deckeln“ auch Frauen ihre Sexualität nicht mehr und bekennen sich dazu, ihre Lüste ausleben zu wollen.

Die Natur hat meist die stärkeren "Argumente"

Wie die Konflikte „Natur gegen Vernunft“ in unserer Psyche ausgehen? In Wahrheit wissen wir das nicht. Die Natur hat normalerweise die stärkeren „Argumente“, weil sie nicht einfach mal aus Jux damit beginnt, sexuell erregende Botenstoffe ins Blut zu pumpen. Bekanntermaßen sind diese sehr wirksam, und deshalb benötigt der Geist viele gute Argumente, um diesen Ansturm jetzt nicht zuzulassen.

Und weil dies so ist … werden wir uns mal dazu entschließen, uns von den Wogen der Natur mitreißen zu lassen. Und ein anderes Mal werden wir abrupt und verwirrt auf die Bremse treten.

Wie immer alles ausgeht – mal strahlen unsere Augen vor Glück, „es“ getan zu haben, mal bilden sich danach Sorgenfalten. Und wenn wir „es“ nicht taten? Dann fragen sich einige, was sie wohl versäumt haben und andere rühmen sich, standhaft geblieben zu sein.

Menschen haben eben innere Konflikte. Stellen wir uns den Konflikten, Zwiespälten, Lüsten und Ängsten. Einen besseren Rat weiß ich nicht.

Bild: Henri Caruchet, Auschnitt, Illustration von 1904.

Ach, die sexuelle Ausrichtung …

Was du siehst, ist manchmal nicht das, was es ist ...
Wie leicht kann die sexuelle Ausrichtung heterosexueller Menschen beeinflusst werden?

Die Frage klingt plausibel, enthält aber bereits des Teufels Pferdefuß – und das gleich mehrfach.

Zunächst enthält die Frage den Begriff „Ausrichtung“, und genau der ist zweifelhaft, denn die Vorstellung, sinnliche Kontakte mit einem Menschen aufzunehmen, beinhaltet nicht zwangsläufig eine Ausrichtung. Dies wieder hängt eng mit dem Begriff „heterosexuell“ zusammen. Per Definition ist jeder Mensch heterosexuell, der sich nicht ausdrücklich zur „anderen Seite“ bekennt, also sich bewusst als homosexuell, bisexuell, transsexuell oder „Queer“ bezeichnet. Also werden sozusagen alle „gewöhnlich sexuellen“ Menschen als „hetero“ eingestuft.

Womit wir den ersten Irrtum eingekreist haben. Aus welchen Gründen auch immer sich jemand zu einer „anderen“ Sexualität bekennt – er muss akzeptieren, dabei etikettiert zu werden. Mittlerweile sind die Etiketten vielfältig: Die Ex-LGBT-Gemeinschaft erweitert ständig ihre Endungen, und heute schreibt sie diese als „LGBTQIA*“, wobei jeder Buchstabe für eine Ausrichtung steht, und der Stern heißt: „Wir haben noch mehr Etiketten zu vergeben.“

Die abgestempelte Sexualität

Die Klassifizierung bedeutet, sich zu einer Gruppe zu bekennen und dies klar nach außen zu zeigen. Aber sie bedeutet auch Abgrenzung von all den anderen, die sich nicht etikettieren, weil es nichts zu etikettieren gibt. Insofern ist die Bezeichnung „heterosexuell“ unverschämt, denn sie entspricht dem Grundgedanken: „Zu Homosexuellen muss es sein Gegenteil geben.“ Diese Methode wird neuerdings auch bei der Bezeichnung „Cis“, die einen ähnlichen Übergriff darstellt: Gibt es „Queer“, dann muss es auch „Cis“ geben. Solchen Unfug glauben in der Tat viele sogenannte „Wissenschaftler“, die über Spracheingriffe versuchen, Realitäten zu schaffen.

Die Verdrehung der Realität

Nur wenige Forscher versuchen, diese Verdrehung der Realität aufzudecken – aber sie werden kaum gehört.
Tatsache ist: Ein sogenannter „heterosexueller“ ist jemand, der die Wahl hat, sexuelle Aktivitäten nach eigenem Geschmack aufzunehmen oder abzulehnen. Mit sich selbst, mit einem Angehörigen des gleichen Geschlechts oder mit einem des anderen Geschlechts, mit Paaren oder Gruppen … und vor allem auch: mit niemandem. Zudem kann jeder Mensch selbst bestimmen, welche Kontakte er für sinnlich, erotisch oder sexuell hält – solange ein anderer Erwachsener bereit und willens ist, diese mit ihm oder ihr zu teilen.

Skalen der Gefühle

Nun gibt es seit langer Zeit Skalierungen, mit denen sich nachweisen lässt, wie wenig eindeutig die sexuellen Begierden sind. Denn sogenannte „Heterosexuelle“ haben üblicherweise maskuline wie feminine Eigenschaften, die sich im Denken und Fühlen unterschiedlich niederschlagen. Zudem wächst die Erkenntnis, dass sexuelle „Praktiken“ nicht unbedingt bestimmten „Orientierungen“ zugewiesen werden können. Zungenküsse, Berührungen der Genitalien, anale und orale Lüste, ja sogar Bisse, Kratzer und Schläge können beiden Geschlechtern Freude bereiten oder auch nicht.

Sollten wir uns angesichts dieser Tatsachen nicht einfach davon verabschieden, von „Heterosexualität“ zu sprechen?

Wie ein Studie zur Verdummung genutzt wird

In der Presse kursiert derzeit eine Studie, die „beweisen“ soll, dass sich die sexuelle Orientierung „leicht“ beeinflussen lässt. Das ist – auch aus der Sicht der Forscher, die daran beteiligt waren – völliger Unsinn. Wahr ist, dass sich sogenannte „Heterosexuelle“ selbst in durchaus unterschiedlicher Weise definieren können, wenn sie ihren Wissenshorizont erweitern. Wenn man auch nur für einen Moment an Konrad Lorenz denkt und das, was er über eine „Verhaltensänderung“ schrieb, dann ist diese Erkenntnis kaum mehr als eine zeitweilige Veränderung der Sichtweise auf sich selbst – mehr nicht. Die Forscher selber sagen dies deutlich:

Wir sollten betonen, dass die vorliegenden Ergebnisse nicht die Behauptung stützen, dass die sexuelle Orientierung (der zugrunde liegende Kompass, der unsere sexuellen/romantischen Gefühle lenkt) geändert werden kann.
Was sich änderte, war also die Selbstsicht der Betroffenen, also die Art und Weise, in der sie die eigenen Gefühle und Erfahrungen benennen und bewerten.

Die zutreffenden Details kannst du hier nachlesen: Nature.

Keine Worte für die sexuelle Lust

Der genüssliche Biss in den Apfel
Einst verloren junge Damen ihre Unschuld, wenn sie sich vor der Ehe „in biblischer Weise“ mit einem Mann einließen. Manchmal folgte diesem Satz noch ein „an“, dann wurde der Name genannt, an den sie die Unschuld verlor.

Die Unschuld und die Unbescholtenheit

Was die Damen eigentlich verloren hatten, war keine Unschuld. Durch Geschlechtsverkehr in den Zustand der „Schuld“ zu geraten, ist eine Interpretation der Genesis. Konkret: Vor dieser Sache mit der Schlange lebten Frau und Mann in Unschuld, doch dann machte sich Eva wegen dieser Obstaffäre schuldig, und später dann auch Adam. Die Sache flog auf, und im Ergebnis „erkannten sie, dass sie nackt waren.“ Und das, so folgerten die Gelehrten, hätte nun die Erbsünde komplett gemacht. Und weil sie sehr spitzfindig waren, verknoteten sie eben die Erbsünde mit dem Geschlechtsverkehr - und so wurde festgelegt, dass eine Dame nach dem ersten Geschlechtsverkehr ihre Unschuld verloren habe, während sie zuvor eben „unbescholten“ war. Die „unbescholtene Verlobte“ lebte noch lange in den Gesetzbüchern, und falls sie dem zukünftigen Gatten vorzeitig die „Beiwohnung“ gestattet hatte, konnte sie eine Entschädigung in Geld verlangen, falls der Mann auf den Gedanken käme, das Verlöbnis zu lösen.

Der Ausdruck „Unschuld“ ist nahezu völlig verschwunden, und das ist gut so.

Indessen wäre die Frage: Wie drücken wir uns heute aus?

Das erste Mal - was ist denn das nun wieder?

Eva scheint nicht glücklich zu sein über ihre Entscheidung

Was einst als Verlust der Unschuld dramatisiert wurde, heißt heute „das erste Mal“. Die Aussagekraft ist mager, denn unter den vielen Formen sexueller Begegnungen wird dabei nach „Volkes Meinung“ nur eine abgedeckt: Wenn ein Penis in eine Vagina eingeführt wird und dabei eine Ejakulation stattfindet.

Adam voller Lust und Wonne
Im Grunde reden wie immer noch „um den heißen Brei herum“, besonders, wenn es um das Schreiben geht. Intimkontakte, Intimpartner und Intimverkehr - alles Wörter, die alles und nichts bedeuten können. Nutzen wir andere Ausdrücke, so wird uns vorgeworfen, wie würden „unter die Gürtellinie“ gehen.

Sprachlos und verschämt, vor allem, wenn es "heikel" wird

Und so stehen wir da - sprachlos. Das gilt schon, wenn jemand das tut, was allgemein als „Vögeln“ bezeichnet wird. Der älteste aller Ausdrücke für die Begegnung, die neuerdings als „PiV“ abgekürzt wird. Wer sich weiter vorwagt, und beispielsweise „Queening“, „Spitroasting“ oder „Facesitting“ zu erklären versucht, kommt in Bedrängnis. Klar ist das etwas, das die feine Dame als „degoutant“ bezeichnen würde. Aber auch manche feine Dame will wissen, was in den Köpfen der anderen vor sich geht - oftmals, weil sie diesen Teil der Sexualität lieber delegiert als praktiziert. Ach - schon wieder eine Umschreibung. Gemeint ist, dass sie ihre „schmutzigen Gedanken“ lieber anderen zuweist, um sich dann über sie zu empören.

Es bliebt also beim „Stammeln“, Verhüllen und Verschleiern. Jedenfalls in der Öffentlichkeit.

Hinweis: Die Bilder zeigen die entsprechenden Szenen aus der Genesis aus der Sicht eines afrikanischen Künstlers.

Gedanken zur Wahrheit erotischer Schilderungen

Erotische Texte - Chance für die Toleranz oder Pornografie?
Die meisten Menschen fragen sich, warum etwas „so ist“. Leider tun sie dies, bevor sie sich jemals damit beschäftigen, wie es ist. Und sie verzichten ebenso darauf, danach zu fragen, wie es sich auswirkt, was da geschieht.

Vom Ekel zur Lust - der Weg zum sinnlichen Vergnügen

Dieser Satz lässt sich auf fast alle Absichten und Gefühle anwenden. Auch auf die Sinneslüste. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ihr einen Zungenkuss für „eklig“ gehalten habt, bevor ihr festgestellt hat, welche Wonnen ihr dabei genießen konntet. Mancher von uns spürte die Abscheu vor einem sinnlichen Oralkontakt, bevor er/sie ihn selbst erleben oder seine Wirkung auf andere beobachten konnte. Sogar so etwas Natürliches und Wundervolles wie eine Penetration, eine Ejakulation oder ein Orgasmus werden oft nur verbal abgehakt, obwohl unser Körper darüber in ekstatische Zuckungen verfällt. Der Fluss der Gefühle, der stetig durch den Körper rauscht, bleibt weitgehend unerwähnt. Es gilt nicht als „fein“, darüber zu sprechen.

Erotische Literatur zwischen Pornografie und gefühlten Fakten

Wie im Alltag, so ist es auch in der Literatur. Nur selten wird beschrieben, wie der Atem, die Berührung mit den Fingerspitzen, den Brustwarzen oder der Zunge auf die Haut wirkt. Ebenso wenig wird deutlich, was saugende Lippen, sanft zubeißende Zähne und scharfe Fingernägel bewirken, obgleich die Nervenenden dabei zu tanzen beginnen. Wir lesen viel zu wenig davon, wie sich Furcht mit Lust vermischt und dabei diese wundersame Erregung erzeugen, die unsere Psyche in einen Zwiespalt drängt. Und dabei sind wir noch nicht einmal bei dem Punkt angekommen an dem wir uns einfach der Lust hinzugeben, ohne noch irgendetwas zu denken.

Die Sorgen der Autorinnen und Autoren

In den meisten Fällen ist es die Furcht der Schreibenden, die sie davon abhält, die sinnlichen Vorgänge plastisch zu schildern. Wenn wir minutiös beschreiben würden, wie der Penis des Liebhabers beschaffen ist und wie die Geliebte sein Eindringen empfindet, würden wir verdächtigt, Pornografie zu schreiben. Tun wir es hingegen nicht, dann werden wir gerügt, weil wie „nichts als sexuelle Handlungen“ aneinanderreihen: Fellatio, Penetration, Ejakulation. Wir könnten uns im Grunde sparen, solche Dinge überhaupt zu erwähnen. Weiß nicht jede Frau, wie ein Penis in sie eindringt? Und ist nicht von vornherein klar, dass die Sache nur ein paar Minuten dauert? Was gäbe es da wohl zu beschreiben? Nun, ich denke, dass viel von euch recht dankbar wären, wenn die Autoren erotischer Schriften sich die Mühe machen würden, diesen „wenigen Minuten“ wenigstens drei oder vier Seiten zu widmen.

Die Grenzgebiet der Lust - nein, wir leben nicht dort

Eine andere Erfahrung, die jeder Autor einmal macht, ist sich auf Grenzgebiete zu begeben, von denen er nichts viel weiß. Einerseits fürchtet er, die Gefühle jener zu missachten, die in diesen Gebieten zu Hause sind. Andererseits bleibt kaum jemandem die gegenteilige Erfahrung erspart. Denn weil wir etwas über das Grenzland schreiben, wird angenommen, dass wir darin leben.

Typische Themen dieser Art sind harsche Flagellationen, heftige Schmerzerlebnisse, sexuelle Unterwerfungen und homoerotische Szenen. Es gibt durchaus Menschen, die bezweifeln, dass heterosexuelle Frauen glaubwürdige Geschichten über schwule Männer schreiben können und umgekehrt. Und nicht nur das: Behauptet wird, Männer könnten überhaupt nicht glaubwürdig beschreiben, was irgendeine Frau empfindet, gleich, ob hetero- oder homosexuell.

Wir lernen, uns in unsere Figuren hineinzuversetzen

Es ist eine völlig absurde Welt, in der all dies behauptet wird. Schreibende Menschen versuchen, sich in Körper, Geist und Psyche ihrer Figuren hineinzuversetzen. Es sind nicht einfach „ihre Geschöpfe“, die wie Marionetten an ihren Fingern kleben. Vielmehr führen die Figuren ein Eigenleben, das sich von Satz zu Satz immer deutlicher zeigt.

Ich will dies noch etwas verdeutlichen: Ein Mann muss weder ein Kleid noch Strapse getragen haben, um zu beschreiben, wie eine Person feminisiert wird. Es reicht völlig, wenn er sich in die Situation hineinversetzt. Entsprechendes gilt für männliche wie weibliche Autoren, die niemals Fellatio ausgeübt hat – auch dabei reicht es wirklich, sich vorzustellen, wie es sich anfühlen und schmecken würde.

Befremdet euch das, was ich hier schildere?

Bei alldem, was ich hier schreibe, spüre ich, wie Einige von euch reagieren könnten. Befremdet und schockiert lest ihr, wie das Unsägliche in Worte gefasst werden könnte. Ihr fürchtet, dass sich Fantasien entfesseln könnten und wie widerwärtig es für euch wäre, wenn ihr es lesen müsstet.

Oh – ihr müsst es nicht lesen. Nur solltet ihr wirklich wissen, wie etwas Sexuelles vor sich geht, bevor ihr es ablehnt oder gar verurteilt.