Skip to content
Werbung Email:

Der Sex – das Hauptcharakteristikum unserer Zeit

Darstellung einer Halbjungfrau gegen 1885 zwischen Begierde und Jungfräulichkeit
Alle, die sich heute das Maul wund reden über die „Frühreife“, die „Frühsexualisierung“ oder die Überbetonung des Sexuellen sei ein Beitrag empfohlen, den ich hier zunächst ohne Jahrgang wiedergebe:

Das moderne junge Mädchen ist fast durch die Bank demi-vierge, wenn es die Schule verlässt. Es ist auch kaum anders möglich bei der starken Betonung des Sexuellen – wie Laura Marholm sagt: des «zentralen Gebietes», die das Hauptcharakteristikum unserer Zeit ist. In Schule und Pension wird die Neugier geweckt und gesteigert, und dann bekommt man irgendwie einmal ein sogenanntes schlechtes Buch in die Hand, das auf dem Schreibtisch des Vaters entdeckt oder von einem Bruder eingeschleppt wird.


Ich habe versprochen, das Rätsel zunächst auszulösen: der Text stammt aus dem Jahr 1898, wurde also vor etwa 120 Jahren verfasst.

Ich will aber noch auf einen weiteren Punkt eingehen: welche Bedeutung hatte die Sexualität der Frau für die Beurteilung des Mannes?

Der erfolgreiche Weg, mit Männern umzugehen (1898)

Indessen suchte die Autorin auch nach dem „Weiblichen“, und aus ihren Worten klingt auch die Bewunderung nach, die sie für Frauen mit „normalem, unverkümmerten, unentwegten Geschlechtsinstinkt“ verspürt. Sie schreibt darüber in seltener Offenheit:

In der Kokotte, dem «Mädel» und der Lebedame aus Fin de siecle-Kreisen, da vielleicht noch am ehesten ist «das Weib» zu finden, das absolute Weib, das den Mann am besten kennt und am richtigsten zu beurteilen und zu nehmen weiß. Das «lasterhafte» Weib hat oft mehr richtiges, ja sogar mehr Feingefühl auf dem Geschlechtsgebiet wie die beste Gattin und das keuscheste Gretchen, denn grade kraft seiner Lasterhaftigkeit, das ist: vielseitigen Kenntnis der Männer, sieht es in ihm weder den Übermenschen noch den Schurken, sondern einfach «den Mann», nicht als X, sondern als feststehende, gegebene Größe, ohne welche das Exempel nicht aufzulösen ist.


Was ist heute anders?

Heute würde man nicht mehr „das Weib“ sagen, und doch ist das Thema weiterhin aktuell: Eine erfahrene, sinnlich versierte Frau wird die Männer immer von der pragmatischen Seite betrachten – ungeachtet ihrer Einstellung zur Emanzipation. Die große Masse wird das Thema ignorieren und sich „irgendwie am Thema vorbeimogeln“. Doch, was ist mit den Kritikerinnen der Männer?

Sinnloses Verhalten gegenüber Männern – damals wie heute

Die „anderen“ Frauen, die Männer damals als „komisch“ einstuften und glaubten, die besseren Menschen zu sein, sind inzwischen ebenfalls emanzipiert und weit entfernt von „Gretchen“, „Halbjungfrauen“ und „Gattinnen“. Aber sie glauben nach wie vor, dass sie die Männer besser beurteilen, können als diese sich selbst sehen. Vielleicht können sie es wirklich: Aber das Vorhaben ist nicht sinnvoll. Es führt dazu, recht haben zu wollen und dennoch nichts zu erreichen: Wer andere beurteilt, muss ich selbst der Kritik stellen – und dies bei größter persönlicher Nähe. Man kann sagen, dass dies zwangsläufig zu ständigen Streit führt. Der Beurteilte wird sich kaum ändern, und die Beurteilende wird aufgefordert, die eigenen Mängel zu beseitigen, bevor sie sich weiter äußert. Und manche Frauen werden sich einfach dadurch aus der Affäre ziehen, dass sie Männer generell verurteilen.

Quelle und Begriffe:

Franziska Gräfin zu Reventlow – „Das Männerphantom der Frau“ von 1898. Daher stammen die Zitate.
demi-vierge – Halbjungfrau – eine Frau, die erotische Kontakte pflegt, aber keine sexuellen.
Gretchen - Sinnbild der Jungfrau in bürgerlichen Kreisen.
Kokotte - elegant angezogene Halbwelt-Dame im 19. Jahrhundert - eine Art "Luxusprostituierte"
"Mädel" - eine junge Frau, die zum Geschlechtsverkehr bereit war.
Pension - Internat
Lebedame - Frau, die dem (sexuellen) Genuss nachging, wann es ihr gefiel.
Laura Marholm – Frauenrechtlerin, Schriftstellerin. Schrieb überwiegend in deutscher Sprache.


Die Geheimformeln der erfolgreichen Partnersuche

Wer an Geheimwissen glaubt, hat einst auch an Liebeszauber geglaubt
Hast du sie schon gefunden, die „Geheimformel“ für die erfolgreiche Partnersuche?

Ich habe festgestellt, dass Küchen- und sonstige Psychologen das Wort „Geheimformel“ inzwischen vermeiden. Das ist eigentlich klar: Wenn die Formel im Internet stünde, wäre sie ja nicht mehr geheim. Also versucht man, das Wort „geheim“ zu vermeiden und andere „Formeln“ oder „Methoden“ zu propagieren.

Tipps sind völlig nutzlos - der Rest ist oft fragwürdig

Die meisten „Tipps“ sind angejahrte und ohnehin abgedroschene Kataloge von Verhaltensweisen, manche beinhalten Manipulationen und wieder andere nähren die Hoffnung, ein Seminar würde den Erfolg herbeirufen.

Wenn du alles gelesen hast, weißt du so viel wie zuvor. Entweder du hast gelesen, wie du dich „verstellen“ musst, oder dir wird gesagt, was du „vermeiden“ solltest. Der „harte Weg“ einer Veränderung wird selten beschrieben – der würde ja Zeit kosten – und das Eingeständnis, nicht perfekt zu sein. Und dieser ganz andere Weg, einfach auf Menschen zuzugehen und Gespräche zu beginnen, die zunächst nichts mit der „Suche nach dem richtigen Partner“ zu tun haben?

Warum der einfache Weg zum Erfolg führen kann

Dieser Weg erscheint vielen Partnersuchenden zu unwahrscheinlich. So etwas soll gehen? Und ist es etwa die gesuchte „Geheimformel“?

Was bedeutet eigentlich "Suchen"?

Ich kann euch versichern: Es ist eine ausgezeichnete Methode. Zur Suche (nicht nur zur Partnersuche) gehört dreierlei:

1. Die Absicht, etwas (oder jemanden) zu finden.
2. Dort zu suchen, wo auch etwas (jemand) zu finden ist.
3. Die Möglichkeit zu haben, es (jemanden) zu besichtigen.


Das alles ist schon mehr, als viele Partnersuchenden verwirklichen:

- Ihre Absicht ist oft, zu suchen, aber nicht zu finden. Ein Teil will weder suchen noch finden, sondern gesucht oder gefunden werden.
- Sie suchen an Orten, die leer gefegt oder aus anderen Gründen unattraktiv sind.
- Sie schauen, schreiben Menschen an, lassen sich hinhalten oder halten andere hin, aber sie treffen niemanden.

Die emotionale und pragmatische Erfolgsformel

Die Formel, um erfolgreich zu sein, ist hingegen einfach:

1. Sei dir sicher, dass du finden willst.
2. Gehe dort hin, wo es möglich ist.
3. Falls du virtuell (online) suchst – treffe die Menschen so schnell wie möglich.


Mag sein, dass die noch nicht „alles“ ist. Eine positive Grundeinstellung zu andren Menschen hilft, und sexueller Drang ist eher schlecht für die Partnersuche. Sich selbst selbst zu motivieren, ist sinnvoll – niemand sollte mit dem Gefühl, ohnehin zu versagen, auf ein Date gehen. Hohe „Ansprüche“ sind immer schlecht – Menschen entsprechen niemals den Ansprüchen anderer, sondern bestenfalls ihren eigenen.

Verschwende deine Zeit nicht in Warteschlangen

Der letzte Punkt einer „Geheimformel“ liegt (und das hättest du wahrscheinlich nicht erwartet) in der folgenden ökonomischen Betrachtung:

Suche das Beste, was du dir leisten kannst auf einem Partnermarkt, der nicht überlaufen ist. Versuche, in Nischen zu gehen, in denen die Männer (Frauen) nicht „Schlange stehen“. Vergeude deine Zeit nicht mit Selbstdarstellern und Blendern (männlich oder weiblich) sondern mit Menschen, die in Geist und Psyche noch Platz für andere haben.

Wenn dir diese Formel nicht als „geheim“ gilt, so hast du recht. Das Geheime daran ist, dass sie kaum jemand anwendet.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg mit der Essenz dieses Artikels.

Gute Männer wollen auch Sex, aber …

Sex - ach, ist so etwas wirklich nötig?
Wenn du einmal in einen Kreis von selbstgefälligen Frauen hineinhören konntest, dann weißt du, dass es für Männer „grundsätzlich“ nur eine einzige Motivation gibt: Sex. Frauen hingegen fürchten sich .davor ... irgendwie jedenfalls.

Angeblich wollen Wissenschaftler, namentlich Evolutionspsychologen, das ganz genau wissen, und ihre Argumente zerfallen in zwei Hälften: erstens, weil Männer Samenschleudern sind und zweitens, weil Frauen nicht all diese Samen aufnehmen wollen, sondern wählerisch sind - sie könnten ja schwanger werden. Anderer Ansatz: Die Evolution erfordert, dass die Alpha-Kerle sich „gutes Zuchtmaterial“ besorgen, indem sie es den übrigen wegschnappen. Die Menschen-Weibchen ihrerseits wollen sowieso nur Alpha-Männchen, weil die Evolution ihnen sagt: „Hör, du musst herhalten, weil die Nachwelt starke Kerle braucht.“ Und die konnten eben nur von Frauen hervorgebracht werden, die stark waren und eine absolut blühende Gesundheit aufwiesen.

Die Evolution und der blöde Affe, der blöd blieb

Das ist nicht nur Blödsinn – es funktioniert auch nicht. Genau genommen funktionierte es niemals. Bist du ein Mann? Stell dich einmal vor den Spiegel: Bist du stark, aber hirnlos? War dein Vater schon stark, aber hirnlos? Und dein Großvater? Und … so kannst du die Evolution zurückverfolgen. Hätte jede Frau Alpha-Männer, also muskelbepackte und bissstarke Oberaffen genommen, dann würden wir noch immer durch die Savanne zuckeln.

Nur Sex als Motivation taugt nicht viel

Nun ist Sex sicher eine Motivation für Männer, und sie ist ohne Zweifel so stark, dass sie manchmal die Vernunft übertrumpft. Was dann passiert, ist aber meist nicht der Weg ins Ehebett zum Zweck der Fortpflanzung. Es ist vielmehr die Befriedigung des momentanen Drucks. Männer sind sich zumeist klar, dass sie auf diese Weise eigentlich verlieren, denn außer der obligatorischen Entleerung der Prostata in die Lümmeltüte kommt dabei nicht viel heraus.

Die Angst normaler Männer, abgewiesen zu werden

Männer – und nun haltet euch fest – haben entweder eine schreckliche Angst davor, abgewiesen zu werden oder sie sind so gefühlskalt und berechnend, dass sie das überhaupt nicht juckt. Die Formel dafür heißt: Jede fünfte Frau steht sowieso auf Vögeln, dem Rest macht der gelernte Macho Hoffnungen auf eine Beziehung. Abhängig von seinem Auftreten, der Umgebung und dem Grad von Alkoholisierung der Frau hat er damit dann auch gelegentlich Erfolg.

Der Rest der Männer schämt sich, wenn er einen Korb bekommt. Er empfindet als Demütigung, abgewiesen zu werden, zumal, wenn er öfter negative Erfahrungen gemacht hat: falscher Job, falsches Auto, falsche Klamotten. Beim ersten Mal steckt er’s weg, beim zweiten Mal wird er vorsichtig, und beim dritten Mal sagt er sich: „Ich versuche es lieber gar nicht mehr.“

Macho sein bring es nicht – und aufgeben auch nicht

Nehmen wir mal an, du bist so: Versuch, sensibel zu bleiben und an verschiedenen (tatsächlichen und virtuellen) Orten Kontakte zu knüpfen. Wenn es stimmt, dass jeder fünften Singlefrau um Sex geht, und nur jeder Siebte eine „passende Beziehung“ sucht, dann könnte auf fünf bis sieben Versuche immerhin ein Treffer kommen. Mal das Eine, mal das Andere. Das kann sinnvoll sein, wenn du wirklich offen für Beziehungen bist und dich „reine ONS“ nicht so interessieren.

Warum Frauen auf Männer zugehen sollten

Nun nehmen wir an, du wärest eine Frau. Dann ist ziemlich klar, dass eines nicht funktioniert: Hinsetzen und warten, bis dich jemand anquatscht. Dann bist du immer die „Fünfte“: die, von der er Sex erwartet.

Besser ist, du versuchst irgendwie, die anderen Kerle abzugrasen – diejenigen, die dich nicht anquatschen. Die freuen sich, wenn du mit ihnen sprichst, und klar – auch die wollen Sex. Aber nicht unbedingt jetzt und sofort. Und sie planen vor allem nicht, dich gleich danach wieder abzuservieren.

Neulich sagte mir eine Frau, sie würde „niemals von sich aus einen Mann ansprechen“. Da frage ich mich allerdings: wieso denn nicht? Sie geht ja nicht auf Männer zu und sagt: „Hey, gefällt dir, was du siehst? Davon kannst du noch mehr haben!“

Einen Mann anzusprechen ist problemlos

Der Mann, der angesprochen wird, mag zunächst überrascht sein. Doch wenn ihm klar wird, dass du weder deinen Körper noch eine Versicherung verkaufen willst, wird er sich für dich interessieren – wirklich für Dich. Zumindest weiß er: Er ist in einem sicheren Gewässer. Du wirst ihn nicht demütigen. Wenn du nun noch geschickt darin bist, die Kommunikation zu führen, dann wirst du mehr über ihn erfahren, als du jemals zuvor von einem Mann erfahren hast. Und dann? Dann kannst du immer noch entscheiden, ob er bis zum Frühstück bleiben darf, ob du noch ein bisschen nachdenken willst, bevor du ihn ins Bett lässt oder bevor du ihm sagst, "es war nett mit dir geplaudert zu haben."

Bild: historische Fotografie, koloriert

Sind Nicht-Beziehungen ein Trend?

Trends sind immer das, was in der Presse verbreitet wird – meist ohne genaues Hintergrundwissen. Die „Generation beziehungsunfähig“ oder „Generation Nichtbeziehung“ wird nach allen Regeln der journalistischen „Kunst“ ausgeschlachtet, wobei man sich kaum um Kollateralschäden kümmert.

Das Erstaunliche: Alle machen mit, und deshalb soll aus zett zitiert werde, einem Partner von ZEIT Online:


Das Problem dabei ist natürlich, dass sich eine Nicht-Beziehung gar nicht wirklich erklären lässt. Denn genau darum geht es ja bei Nicht-Beziehungen: Man will es nicht definieren. Aber es lohnt sich trotzdem, dieses Phänomen mal ein bisschen aufzuschlüsseln. Denn Nicht-Beziehungen sind typisch für unsere Generation und sagen daher einiges über uns aus.

Sind WIR Beziehungsunfähig?

Das „Uns“ bezieht sich auf junge Leute, und zwar überwiegend solche, die im Wohlstand aufgewachsen sind und selber wirtschaftlich ausgesprochen gut dastehen. Es scheint, als ob die „Wohlhabenden und Schönen“, mögen sie nun Redakteure oder Psychotherapeuten sein, ihre Beobachtungen, die sie im Kreis der „gut Situierten“ machen konnten, auf alle übertragen – oder auf „uns“, womit dann allerdings eher die saturierte Jugend gemeint ist.

Frauen damals und heute

Es gab sie immer, diese eigenartige Form des wenig zielsicheren Suchens, der vorschnellen Liebesschwüre und der Beziehungen „auf Zeit“. Der Unterschied ist allerdings, dass die Frauen früherer Jahre darauf angewiesen waren, irgendwann „bemannt“ durch die Welt zu ziehen. Das hatte moralische, soziale, vor allem aber wirtschaftliche Gründe. Wenn eine Frau mit über 25 Jahren noch ledig war, dann wurde sie nach vor 50 Jahren „schräg“ angesehen – sie war auf dem besten Wege, eine „alte Jungfer“ zu werden und bis ans Lebensende irgendwo als „Kontoristin“ zu vermiefen.

Das alles ist längst vorbei – zwei Generationen später sind Frauen erfolgreich berufstätig, verdienen viel Geld und können sich selber eine sichere Existenz bürgenden. Und sie können etwas tun, was ihre Großmüttern nicht konnten: „Unverbindliche Formen des Zusammenseins“ wählen. Beziehungen, die zwischen einigen Stunden, ein paar Wochen und wenige Monate reichten.

Das gilt nicht nur für Frauen – auch der Mann sieht keine Notwendigkeit mehr, vom ersten Lohn oder Gehalt etwas zurückzulegen, um einmal „heiraten zu können“. Warum sollte er? Frauen gibt es zwar nicht mehr für jeden Mann – aber wer halbwegs aussieht und genügend verdient, kann sich seine Beziehungen aussuchen, kann sie beenden und wechseln – wie die entsprechenden Frauen auch.

Beste ökonomische Bedingungen führen in die Unverbindlichkeit

Klug ist das sicher nicht – weder für Frauen noch für Männer. Nur die Argumente, die jetzt an den Haaren herbeigezogen werden, beruhen auf Fantasien: Niemandem wird „Unverbindlichkeit in die Wiege gelegt“, wie ich neulich lesen musste.

Ich will das begründen: Wenn Wohnraum für sie wirklich knapp wäre, dann müsste vor allem die Singles zusammenziehen, um noch eine Wohnung zu ergattern. Wenn die Altersversorgung wirklich als unsicher empfunden würde, dann müsste Menschen sich darauf vorbereiten, im Alter „zusammenzulegen“. Wenn Jobs so unheimlich befristet wären, dann würden Paare zusammenleben, damit wenigstens einer einen Job hat. Der „Imperativ der Flexibilität?“ Da kann ich nur lachen. Die meisten Menschen mit mittlerer oder schwacher Bildung hängen an ihrer „Heimat“ und wollen weder für Jobs noch für Beziehungen fortziehen.

Für mich ist klar: Nur die deutlich verbesserte ökonomische Lage der Jugend ermöglicht das Leben in sogenannten Nicht-Beziehungen. Es ist eben möglich, Beziehungen auf Zeit einzugehen und sie zu genießen – und dabei wirklich niemandem einen Schaden zuzufügen.

Aber – es ist nicht klug. Nicht emotional, nicht sozial, nicht körperlich und schon gar nicht wirtschaftlich. Die meisten Menschen merken es ab 40, manche erst später. Auch dann ist immer noch Zeit, den Schaden zu begrenzen, aber es wird deutlich schwieriger.

Nicht-Beziehungen - kein Trend - aber nicht besonders schlau

Um eine Antwort auf die Eingangsfrage zu geben: Nicht-Beziehungen sind kein Trend, sondern eine unsäglich dumme Erfindung – von wem auch immer. Beziehungen sind Beziehungen, auch wenn sie „auf Zeit“ angelegt sind. Die Partner gehen aufeinander ein, sie stützen einander, und sie erleben berauschenden Sex miteinander. Das bedeutet nun auf keinen Fall, dass die Aneinanderreihung von Beziehungen sozial und wirtschaftlich sinnvoll ist – aber jeder ist seines Glückes Schmied, und wer sein Glück in der Unverbindlichkeit vermutet, der hat auch ein Recht, es zu erproben.

Die Liebe – Selbstliebe

Sich selbst zu lieben heißt nicht, sich zu bespiegeln ...
Wer immer das Alte Testament geschrieben hat, muss ein kluger Kopf gewesen sein. Er setzte in Levitikus bei der menschlichen Eigenschaft an, sich selbst zu lieben – und versuchte von daher sein Volk für die Liebe an anderen zu motivieren – sowohl zu den „eigenen Leuten“ wie auch zu Fremden. Wir lernen es in der Schule:

Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.

(Levitikus [3. Mose] 19,18).

Es gibt Hunderte von Interpretationen dieses Satzes, und viele „Heiler“ oder Psychotherapeuten bieten „Kurse zum Erlernen der Selbstliebe“ an.

Wenn die Liebe im Überfluss genossen wurde

Indessen ist die Liebe zu sich selbst längst vorgeprägt: Wer reichlich selbstlose und bedingungsfreie Liebe empfangen hat, kann sie auch geben. Das heißt aber nicht unbedingt, dass er auch dazu bereit ist – man muss ihn daran erinnern, ihn auffordern. Ist dies der Fall, wird er so viel Liebe schenken, wie er im Überfluss hat und entbehren kann. Das heißt, er wird keinen Handel mit Liebe beginnen, aber auch dafür sorgen, dass sich seine Quelle der Liebe nicht erschöpft.

Wenn die Liebe schon immer einen Preis hatte

Was ist mit einem Menschen, der weder selbstlose noch bedingungslose Liebe empfangen hat, also jemand, der sich die Liebe schon als Kind erkaufen musste? Nun, er kann durchaus bereit sein, Liebe zu schenken. Nur sind die Bedingungen bei ihm anders: Entweder er weiß, dass seine Quelle schnell versiegt, weil sein Vorrat an Liebe knapp ist. Oder er versucht, das zu tun, was ihm antat: Liebe zu verkaufen, das heißt, sich zu fragen, was er denn dafür bekommt, jemanden zu lieben (oder was er zahlen muss).

Ökonomisches Verhalten ist nicht falsch

Unabhängig davon, wie wir Liebe erlernt haben (oder eben auch nicht) versuchen Menschen stets, sich ökonomisch zu verhalten, weil sie ihr eigenes psychisches Überleben gerne absichern würden, bevor sie die emotionale Existenz anderer sichern.

Liebe im Überfluss oder bis zur Neige?

Das aber bedeutet: Solange ein Mensch Liebe im Überfluss „auf Vorrat“ hat, die ihn selbst nichts gekostet hat und unter dessen Verlust er auch nicht leidet, solange gibt er. Wir nehmen einfach an, dass er sich selbst sehr lieben muss, um diesen Vorrat anzusammeln. Aber er muss auch wissen, wie viel er davon abgeben kann, bevor sein Vorrate erschöpft ist. Und zusätzlich muss er wissen, wie er seinen „Tank“ wieder auffüllen kann, falls sein Vorrat doch zur Neige gehen sollte.

Sieht nun dieser Mensch, dass andere die Liebe bei ihm „abzocken“ wollen, so wird er misstrauisch. Und ab diesem Zeitpunkt versucht auch der liebevollste Mensch, seine „Haut zu retten“. Er wird in Zukunft entweder „den Hahn zudrehen“ oder eben auch damit beginne, der Liebe ein Preisetikett zu verpassen – womit die Liebe zum „Deal“ wird. Das ist nicht zwangsläufig negativ zu sehen – ein Großteil der Beziehungen läuft über „Deals“. Aber es hat ursächlich nichts mehr mit der eigentlichen Liebe als Gefühl zu tun, sondern nur noch mit der Ökonomie der Liebe.

Selbstliebe - die beste Quelle für psychisches Überleben

Die Selbstliebe ist eine Garantie dafür, dass wir psychisch überleben - sie setzt uns in die Lage, selbstzufrieden zu leben, auch wenn andere uns nicht lieben. Und sie ist eine Quelle, um andere mit Liebe zu beglücken – ohne Liebesbeweise oder Liebes-Deals. Insoweit ist die Selbstliebe unerlässlich, ob sie nun dazu führt, dass wir auf andere zugehen und unser Füllhorn ausschütten oder ob wir sie dafür verwenden, mit einem einzigen Menschen ein liebevolles Leben zu beginnen.

Bild: Buchillustration (anonym), Auszug