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  Eigenwerbung

Liebe nach Büroschluss

Eine Affäre zischen fünf und sieben Uhr am Nachmittag
Heute wurde ich eigenartigerweise auf einen etwas veralteten, in der englischen Sprache aber offenbar noch gebräuchlichen Begriff gestoßen, „Cinq à sept.“

Wie auch in Deutschland, wurden den Franzosen allerlei sexuelle Aktivitäten zugeschrieben, die eher im frivolen Bereich lagen.

In diesem Fall ist es eine verschleiernde Bezeichnung der ehelichen Untreue. Gemeint ist ursprünglich ein Besuch bei einer Frau, die besondere sexuelle Künste beherrschte. Man ging nach fünf Uhr zu ihr, verabschiedete sich vor sieben Uhr, und ging dann nach Hause zum Abendessen. So jedenfalls erzählen es sich die Engländer. Die Zeitangaben beziehen sich natürlich auf den späten Nachmittag, also immer „PM“.

Es ist also eine Metonymie, landläufig ausgedrückt eine „Verschleierung“ des wirklich Gemeinten.

In Quebec, so hörte ich aus anderen Quellen, sei es die „Happy Hour“, also der Besuch einer Bar nach Dienstschluss.

Die Affäre zwischen Büroschluss und Ankunft am heimischen Herd ist eines der beliebtesten Themen der erotischen Literatur. Ursprünglich war es eine Verhaltensweise der Männer, die sich von der Geliebten einen sinnlicheren Empfang erwarteten als von der Ehefrau. Inzwischen, so vermute ich, haben auch Frauen erkannt, wie wenig die zeitliche Lücke zwischen Büroschluss und Ankunft im Hause auffällt.

Bild: Illustration aus einem französischen Magazin. ca. 1916