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Der Slip, das Date, der Mut und die Schamhaftigkeit

Den Slip während des Dates ausziehen - hat das Sinn?
Jetzt wird es ja schon Herbst – aber eigentlich passt es in jede Jahreszeit: Gehst du zu einem Date mit bequemen Bauwollslips, mit Reizwäsche (Spitzen, Strapse und so) oder – völlig ohne?

Zwei Anzeigen-Anekdoten über den Slip

Also, dazu muss ich zwei Anekdoten erzählen:

Als die ersten Webseiten aufkamen, die kostenlos Partner vermittelt haben, da gab es manchmal eine Frage, die ein bisschen anzüglich war. Bei einem Anbieter war’s so, dass du sagen solltest, was du Besonderes in deinem Schlafzimmer hast (außer dir, versteht sich). Bei einem anderen konntest du die Frage beantworten, was das Aufregendste wäre, wenn du mit deinem Date am Tisch sitzt.

Vor allem die Frauen wussten eine Menge über das zu sagen, was ein Mann in ihrem Schlafzimmer finden würde: von einem Leguan (ja, wirklich) über Negligés bis hin zu Kondomen (ungebrauchte!) und lässig auf den Boden geworfene (getragene!) Slips. Es handelte sich überwiegend um intellektuelle New Yorkerinnen, die alle sehr unabhängig und freizügig wirkten.

Die zweite Webseite erlaubte die Frage nach nach dem Aufregendsten beim Date, und ein Mann schrieb: „Wenn sie ihren Slip ausziehen und ihn deutlich sichtbar auf den Caféhaustisch legen würde.“ Die Webseite erschien in der Schweiz, wo dergleichen völlig „unangebracht“ war. Kurz: Es gab einen Protest gegen ein „derartiges Ansinnen“ – auch wenn es gar kein Ansinnen war.
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Zehn Jahre Liebeszeitung

10 Jahre Liebeszeitung
Unsere Liebeszeitung erblickte mit leichtem Flattern und zunächst in einem recht konservativen Kleidchen am 1. September 2019 das Licht der Welt.

Sie hat harte Zeiten gesehen, Anfeindungen überstanden und das Blogsterben überlebt. Nicht zuletzt, weil ich bis an die Grenzen meiner freien Kapazitäten gegangen bin, um sie 10 Jahre lang „durchzufüttern“. Wer in seiner Schulzeit mühevoll den Griffel über die Schiefertafel führte, um ein paar Zeilen zu schreiben, wird ermessen können, was er bedeutet, 300, 600 oder gar 1.200 Wörter zu schreiben – und dies möglichst täglich. Falls ihr Zahlen-Freaks seid: der längste Artikel umfasste 16.468 Zeichen (2.450 Wörter). Apropos täglich: Ganz ist es nicht gelungen: Ich veröffentlichte (Stand heute) 3.137 Artikel – 0,85 Artikel pro Tag.

Qualität zählt leider kaum

Schon bald musste ich erfahren, dass Qualität und Informationsbedürfnis bei unserer Leserschaft nicht im Vordergrund standen, sondern spektakuläre Themen, die mir von überall zugespielt wurden. Damit muss man als Redakteur leben. Viele meiner Leser suchen schöne Illusionen, vor allem über „heikle“ Themen wie Feminisierung, Dreier, Unterwerfung und Ähnliches. Aber auch im Bereich der Partnersuche wollen die meisten Leser ihre Wünsche bestätigt sehen, die oft meilenweit von der Realität entfernt waren. Ein Artikel über eine winzige Randgruppe, die „Sugar Babys“, wurde über eine viertel Million mal gelesen. Immerhin wurde ein sinnreicher, aktueller Artikel über die Presse und die Liebe am besten bewertet. Im Gegensatz dazu erhielt der historisch korrekte Artikel über die „englische Erziehung“ die schlechteste Bewertung.

Zeitweilig verging mir die Freude

Manchmal – und ich muss sagen: Mehrfach wollte ich die „Liebeszeitung“ aufgeben. Heute bin ich bin ich sehr froh darüber, dass ich sie nicht verhungern ließ. Und heute erreiche ich mit dem neuen Design sogar noch die notorischen Handy-Benutzer.

Und Dank ...

Bedanken kann ich mich bei den Unterstützern, bei den häufig anonym schreibenden Autorinnen und Autoren, die keine Honorare verlangen. Natürlich auch bei meinem Provider, der mich nicht hängen ließ, als Datenbanken krachten, und letztlich auch bei Serendipity, der Software, auf der alles stabil läuft.

Mehr Feedback wäre schön gewesen ...

Etwas mehr „Feedback“ hätte ich mir schon gewünscht in all den Jahren … aber meine Devise lautete von Anfang an: Falls ich im Laufe der Lebenszeit der „Liebeszeitung“ auch nur 100 Menschen begeistere, dann habe ich 100 Menschen etwas glücklicher gemacht. Peanuts für einen Herausgeber und Redakteur?

Ach was … und überhaupt: The Show must go on. Und fragt niemals, warum. Falls das eine Botschaft ist – dann ist es eben meine Botschaft zum etwas verspätet angesetzten 10-jährigen Jubiläum für heute. Ich trinke ein Glas auf euch – trinkt auch ein Glas auf mich. Dann sind wir quitt.

Bild oben: nach einer Champagner-Werbung, 19 JH

Eins, zwei, viele … die Anzahl der Sexpartner im Leben

Der wievielte du bist - das willst du nicht wirklich wissen, oder?
Männer können sehr eigenartig sein, wenn es darum geht, wie viele „eindringliche Ereignisse“ du als Frau schon gehabt hast.

Kann eine Frau noch keine oder nur eher „unverfängliche“ sexuelle Aktivitäten vorweisen, so ist sie für die einen ein weißer Fleck auf der Landkarte, der dringend erforscht werden muss. Für die anderen hingegen ist sie ein langweiliges Buch, das besser ungelesen bleibt.

Ist sie hingegen für ein emsiges und vielfältiges Sexualleben bekannt, so treten viele Männer eher zurück, weil sie fürchten, der Wollust solcher Frauen nicht gewachsen zu sein, während andere ganz bewusst von ihren Erfahrungen profitieren wollen.

Frag besser keine Frau ...

Und da Qualität nicht messbar ist, versuchen es beide Gruppen mit der „Exploration der Quantität“. Direkt zu fragen könnte mit dem Rausschmiss aus dem schon nahen Bett enden, also behelfen sich Männer mit Indizien. Zum Beispiel, ob sie Kondome besitzt und wenn ja, welche Packungsgrößen sie kauft.

Männer belügen dich sowieso

Und Frauen? Wollen die wissen, wie viele Vorgängerinnen schon Bekanntschaft mit seinem Penis geschlossen haben? Es heißt ja, Männer lügen sich gegenseitig die Hucke voll, wenn es um die Anzahl ihrer Sexpartnerinnen geht. Zehn? Fünfzehn? Dreißig? Na ja – wenn du sie fragst, dann sagen sie wahrscheinlich „na ja, zwei oder drei“.

Mal ehrlich, es ist blöd, jemanden zu fragen – pass lieber auf, wie er oder sie dich küsst, ob „er“ weiß, wie er dich ausziehen soll oder „sie“, wie sie sich vor dir auszieht. Und berührt … und küsst … und so weiter.

Aber … irgendwie fragt ja immer mal wieder eine oder einer. Und da hätten wir dann die Statistik, die uns sagt, wie oft Durchschnittsfrauen und Durchschnittsmänner schon das Vergnügen hatten.

Egal, wie viele du hattest: "eins bis zwei" ist nicht gelogen

Das Gute: Du lügst nicht, wenn du sagst, dass du im „letzten Jahr“ schon mal einen oder eine hattest – weil das der Durschnitt ist. Das geht eigentlich in jedem Alter, und es ist ja auch noch glaubwürdig, dass du dich erinnerst.

Also: Lösung gefunden? Auf einen im letzten Jahr oder zwei in den letzten fünf Jahren (das geht doch, oder?) folgen dann sieben in deinem gesamten Lebenszyklus (bei Männern angeblich 14).

Klasse, oder? Du musst einfach nur sagen: Oh, du bist der Dritte seit „langer Zeit“ – denn fünf Jahre sind ja eine verflixt lange Zeit. Und die Frauen, die zwischen acht und 48 Liebhaber hatten, sind immer die anderen.

Das Lustige: Manche Männer glauben, dass Frauen ihre Sexerlebnisse immer stark „nach unten korrigieren“, um am Schlampenverdacht vorbeizukommen.

Dauer-Daterinnen kommen auf höhere Frequenzen

Wenn du mal so ins Grübeln kommen solltest: Meine Freundin Eva-Maria hat mal drei Jahre lang Männer getroffen „zwecks späterer Heirat“, wie so etwas vor den Internet-Zeiten hieß. In drei Jahren kannst du, ohne zu verzweifeln, rund 150 Männer treffen … und den Rest kannst du dir denken, oder? Am Ende hat sie übrigens wirklich jemanden geheiratet.

Ach so, ja, ich kenne wirklich keine Frau, die ein Spreadsheet führt, auf dem sie ihre „Fälle“ einträgt.

Die Daten entstammen einer britischen Studie aus dem Jahr 2018.

Dating - das Dilemma mit oder ohne Facebook

Wieder rauscht der Blätterwald: Jetzt macht Facebook offenbar ernst mit seiner Dating-App oder Dating-Integration oder was sonst noch Schlimmes auf uns zukommen mag.

Ich sag mal: Der Zug mit den Dating-Apps fährt längst in Richtung Prellbock. Das Prinzip dieser Apps ist innen hohl, und alle wissen es. Nun versuchen viele (nicht nur Facebook) noch die letzten Fruchtfasern auszuquetschen, die Saft geben könnten – sollen sie ruhig. Die Welt der Erwachsenen sehnt sich nach einer Dating-Lösung, die langsamer, sinnreicher und verlässlicher ist und trotzdem keinen halben Tausender kostet.

Innovationen sind allerdings derzeit – mal wieder – die reine Utopie. Die Dinosaurier (ja, die Namen, die man so kennt) werden immer trauriger … und niemand liebt sie wirklich, auch wenn ihr Umsatz steigt. Die „persönlichen Partnervermittler“ konnten ihren Ruf auch nicht verbessern, und die Apps waren immer eine Spielerei, bei der es hin und wieder mal einen Glückstreffer gab. Ungefähr so wie bei der Lostrommel auf dem Jahrmarkt. Irgendjemand gewinnt den großen, gelben Teddybären.

Ja, und wie lernen wir dann unseren zweiten oder dritten Lebenspartner kennen? Wahrscheinlich wieder bei den Dinosauriern – da ist es nicht billig, aber die Chancen liegen immerhin (geschätzt) zwischen 1:7 und 1:3. Keine schlechte Quote für eine Lotterie.

Nur 80 Prozent verlieben – und dann?

In der Zeitschrift EMOTION, so wird mir gerade berichtet, würde demnächst die Psychotherapeutin Alexandra Widmer über das Verlieben schreiben. Und der einzige Kernsatz, den man in die Welt hinausgepustet (1) hat, lautet:

Lieber 80 Prozent verliebt sein und mal schauen, wie es bei den nächsten Dates so läuft.
Nun frage ich mich, wie das gehen soll. Also, ich geh heute zum Date, bin 80 Prozent verliebt (schon eine „Verliebtometer-App auf deinem Handy?) und gehe nächste Woche zum nächsten Date, um zu gucken, ob der neue Typ mich nun zu 85 Prozent mauschig macht oder nur zu 69 Prozent? Und muss ich da jedes Mal hinterher zur Magnetresonanztomografie oder reicht ein Dopamin-Bluttest?

Ach so, ja … also die Frau Widmer meint wohl, „das Verliebtsein auf den zweiten Blick" wäre besser als auf den ersten Blick … und das heißt, ich soll den Typen lieber noch mal treffen, damit der Tank dann auf 100 Prozent aufgefüllt wird – oder der Liebestreibstoff schon aufgebraucht ist.

Wobei mir immer noch nicht klar ist, wie das so laufen kann. Ich meine, Verliebtheit in Prozent zu messen. Vielleicht erfahre ich das ja noch in der EMOTION – am Kiosk.

(1) Zu lesen in mehreren Artikeln des RND.