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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Die Woche – Frauen, Gewinner, Dominas und Kurven

Interessante Themen gesucht? Die findet ihr diese Woche in der Liebeszeitung. Es geht um Frauen und Männer, Winner und Loser, Singles und Paare, Ehebruch und Eheversprechen, moderne Männer und Lustgreise. Und um mich. Doch davon später.

Die Gewinner und Verlierer um Partner(innen) - 2022

Montag hatten wir gleich zwei Themen, die Singles interessieren: Das Erste: wir haben die Gewinner und Verlierer bei der Partnersuche gefunden. Es war nichts schwer, weil jeder Experte inzwischen weiß, woran es liegt, aber es muss auch mal in die Köpfe der Singles herein.

Das Ende der Pandemie, wenn es denn kommt

Wenn 2022 urplötzlich die Pandemie zum Stillstand käme, was wäre dann anders? Moralisten, Geschäftemacher und Kirchgänger, auch manche rechtsgerichteten Parteien, wünschen sich den „Normalzustand“ anno 1900, 1946 oder zu anderen Jahreszahlen zurück, die ich besser gar nicht nenne. Es ist ein einziges Gebilde von Schönrednerei. Menschen haben und hatten Bedürfnisse, und sie zu haben, ist ihr Naturrecht. Also wird es 2022 Schwierigkeiten damit geben, sie durchzusetzen oder auch abzuwehren.

Männer suchen kaum Intellekt bei Frauen - aber viel mehr

Frauen wird überraschen, was Männer in ihnen suchen – und es ist nicht Intellekt. Wohl aber Selbstvertrauen, Unabhängigkeit und Gelassenheit. Schon gewusst? Übrigens war „Klugheit und Gelassenheit“ immer schon gefragter als „Intellekt und Aufregung“ - nicht nur bei Frauen. Die gegenwärtige Idee, Ehen vom „Bildungsgrad“ abhängig zu machen, ist also – Bullshit.

Frauen und „etwas sein wollen“

Und wir machen geradezu weiter bei Frauen, die etwas „sein“ oder „nicht sein“ wollen, und wenn sie weder etwas sind, noch etwas nicht sind? Dann beklagen sie sich manchmal, auf andere wie etwas zu wirken, das sie sind oder nicht sind. Wir dröseln das Problem auf. So viel vorab: Eine Dame wirst du nie, wenn du … eine sein willst. Wir reden sogar über Göttinnen udn Königinnen.

Ist es Ehebruch, sich „Fremd-Dominieren“ zu lassen?

Ein Thema, das mir zugeworfen wurde: Ist es Ehebruch, zu einer Frau (oder einem Mann) zu gehen, die/der dominant ist? Und ist es vom „Eintrittsgeld“ abhängig, ob Untreue vorliegt oder nicht? Ein harter Brocken? Lest selbst.

Frau zum Anfassen

Wir haben Kollege Gramse überlassen, etwas über „kurvige“ Frauen zu schreiben. Sogar dem alternden Genießer war zu viel, was dieser Tage über „Kurven zum Anfassen“ geschrieben wurde.

Und am Schluss

Neue Grafiken, neue Quellen, neue Sichtweisen – die Liebeszeitung kommt euch 2022 zwar nicht neu – aber mit mehr Informationen und mehr Tacheles. Und genauso das ist auch nötig, wenn Werbung nervt, Fake News aussehen wie echte Informationen und Interessengruppen versuchen, auf unsere Gefühlswelt Einfluss zu nehmen. Und nicht nur deswegen schreibe ich auch wieder persönlich für dich, euch und Sie. Anfragen sind willkommen.

Ein wundervolles Wochenende für alle – bitte gesund bleiben, den Humor nicht verlieren und Päckchen packen für die Zukunft. Denn die kommt ganz sicher.

Ist es Ehebruch, eine Domina zu besuchen?

Ob real, in Fotografierpose oder als Comic: die Domina fasziniert
Eine Frage, die dieser Tag im Internet gestellt wurde, hat mich auf das Thema gebracht. Wenn wir es noch ein wenig ausweiten, dann wäre die Frage: Ist es ein Akt der Untreue, wenn sich jemand bestimmte Bedürfnisse „anderwärts“ befriedigen lässt?

Ob Domina oder Dominus, ob gegen Bargeld oder aus Neigung: Es ist weitgehend üblich, bestimmte Neigungen „auszusourcen“, also ihre Befriedigung „jemand anderem“ zu überlassen - und der Partner oder die Partnerin ahnt oft nicht einmal etwas davon.

Die erste Frage: Warum tut es die Partnerin / der Partner nicht?

Wer so fragt, sticht in ein Wespennest: Da fühlen sich die Partner(innen) so richtig aufgescheucht. Einmal, weil sie es ekelhaft finden, dann weil sie als „unethisch“ ansehen und schließlich, weil sie es eben schon als Untreue auffassen, allein „solche“ Bedürfnisse zu haben - auch ohne Ausführung.

Wer jetzt von Toleranz getrieben ist, der sagt vielleicht: „Na, seine Fußpflegerin (ihr Fußpfleger) massiert ja auch die Füße - wie krank ist denn das?“ Aber in Wahrheit zählt das nicht. Fremde Füße zu küssen ist nicht das Gleiche wie die eignen Füße massiert zu bekommen, nicht wahr? Und allein vor einem fremden Menschen Hose oder Höschen herunterzulassen - ei, ei - das ist nicht fein.

Der Weg zur "außerhäusigen Erfüllung" ist oft einfacher als der Konflikt mir dem Partner

Der einfachere Weg für den nach Lüsten lechzenden Partner ist fast immer, die schöne und bequemen Lust in der Beziehung auszuleben und die heftigen Lüste außer Haus zu verwirklichen. Wie bekannt, ist dies nicht immer ganz risikolos, zumal bei den „temporär sichtbaren Folgen“ solcher Aktivitäten.

Wo beginnt Untreue?

Die Fragen tauchen immer wieder auf, und sie treffen auf einen Begriff er „Untreue“, der nicht wirklich scharf definiert ist. Bekanntlich ist die Ehe ein Vertrag, der traditionell auch beinhaltet, den Geschlechtsverkehr mit Dritten nicht willentlich zu suchen. Doch geht es bei Dominas, Servas und ihren männlichen Äquivalenten wirklich um „Geschlechtsverkehr“? Vielfach wird der Begriff der „Therapie“ verwendet, der aber als unseriös gilt. In Wahrheit erfüllen diejenigen Frauen und Männer in ihren Rollenspielen Träume, die sich als professionelle, dominante Partner(innen) anbieten. Die Motive der Anbieter mögen allein finanzieller Natur sein, doch ist es eben auch ein großes Kasperletheater für Erwachsene, was dort geschieht.

Untreue beginnt bereits beim Träumen - oder?

Das ist die eine Ansicht. Die andere wäre, dass jeder Körperkontakt zwischen Frau und Mann, der nicht aufgrund einer Notwendigkeit stattfindet, Betrug am Partner (der Partnerin) ist. Mit anderen Worten: Wenn ein Mann mit einer anderen Frau, seine Träume oder Emotionen erfüllt, körperlich in Kontakt kommt, dann ist er bereits ein Ehebrecher.

Partner(innen) erfüllen selten alle Wünsche und Bedürfnisse

Nun ist allerdings die Frage, ob ein Mensch alle offenen und verborgenen Bedürfnisse erfüllen kann, die eine Frau oder ein Mann hat - unabhängig vom „Status“. Hier dürfte die Antwort „selten“ zutreffen - aber es gilt eben auch, dass nirgendwo geschrieben steht, der Partner oder die Partnerin müssen alle Bedürfnisse erfüllen.

Wenn der Partner (die Partnerin) mitwirken soll

Die Frage eines oder einer Dritten in der Zweierbeziehung ist ohnehin umstritten. Manche Paar holen sich einen Dritten oder eben eine Dritte an Bord, um den „Ehebruch“ gemeinsam zu vollziehen - dann ist es offenbar keiner. Und in zahllosen modernen Kurzgeschichten wird eine Freundin ins Boot geholt, um den Ehemann gemeinsam heftig zu „behandeln“.

Doch die Frage bleibt: Ist das Vertrauensverhältnis zwischen Paaren bereits gestört, wenn einer von beiden sich auf ein Rollenspiel mit einer anderen Person einlässt? Fallen SM-Spiele unter die Kategorie „Sex“, nur wie einer der Partner üblicherweise den Slip auszieht? Und falls alles wirklich so schrecklich sein sollte: Gibt es überhaupt eine Lösung?

Ich lasse euch mit dieser Frage allein. Beantwortet sie für euch selbst, aber denkt daran: Mehr als die Hälfte aller Frauen und Männer haben die Fantasie, entweder zu dominieren oder dominiert zu werden.

Weibliche Dominanz – oder was ist „Femdom?“

Zu allen Zeiten, in allen Nationen - die erotisch dominierende Frau
Wer „Femdom“ oder weibliche Dominanz für eine Entdeckung des 21. Jahrhunderts hält, liegt falsch. Die dominante Frau lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Die „Herrschaft der Frauen“ hat dabei zwei Komponenten: Die eine baut daraus auf, dass Frauen in der Ehe die Herrschaft an sich reißen.

Die harte Tour - wenn Frauen die Macht an sich reißen

Die Motive des Mannes, dies auszuhalten, heißen bürgerlicher Anstand und nachhaltige Treue. Der Ehemann will weder die Frau verlieren noch sein Ansehen nach außen eine „harmonische“ Ehe vorgetäuscht. Im Internet und in manchen Formen taucht noch der Begriff der „FLR“ auf – der „weiblich geführten Beziehung“. Sie wird auch als „weibliche Überlegenheit“ oder „weibliche Herrschaft“ bezeichnet und gilt als Szenenausdruck.

Die Beherrschung durch Schmerz und Lust

Die erotisch gefärbten Beziehungen dieser Art kamen eindeutig häufiger unter gebildeten Frauen und Männern vor. Im Vereinigten Königreich wurde das 19. Jahrhundert gar als das „Goldene Zeitalter der Gouvernanten“ bezeichnet. Gemeint waren dabei durchaus nicht die „anständigen“ Hausangestellten, die diesen Beruf ausübten. Vielmehr waren es jene, die ihre eigenen, einschlägigen Etablissements führten oder dort anderen kräftigen Frauen die Gelegenheit gaben, die Gentleman in jeder Hinsicht zu beglücken – auch durch Ruten- und Stockschläge.

Die erste deutsche Ausgabe, 1909
Die britische Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts ist voll von Geschichten über Dominanz und Unterwerfung, und zumeist wird damit eine Art „erweitertes Rollenspiel“ verstanden. Das heißt, der junge Mann oder der Ehemann unterwirft sich aus erotischen Gründen einer herrisch veranlagten Frau. Die Klassiker heißen „Venus im Pelz“ (1870 in Deutsch erschienen), sowie „Gynecocracy“ deutsch „Die Herrschaft der Frauen“ oder „Weiberherrschaft“. (Originalausgabe von 1893). Während die „Venus im Pelz“ der Literatur zugerechnet wurde, galt die „Gynecocracy“ allerdings als Schmutzliteratur, die in vielen Ländern nicht vertrieben werden dufte.

Das auf und ab der Lüste

Nachdem die Sehnsucht der Männer, sich erotisch zu unterwerfen, kurzzeitig nachließ, setzte in den 1930er-Jahren eine Renaissance der erotisch motivierten Literatur ein. Nun wurden unterschiedliche Frauen, Damenzirkel oder Institutionen beschrieben, die sich mit Erotik, Schlägen und emotionalen Manipulationen Macht verschafften. Seither ist „Femdom“ mal angesehener und mal weniger angesehen – aber die Nachfrage ist ungebrochen.

Seither gib es ein ständiges „auf und ab“ in der emotionalen Begierde der Männer, unterworfen zu werden und in der Bereitschaft der Frauen, Männer zu unterwerfen. Was die Literatur und insbesondere die Pornografie betrifft, so werden Frauen meist dominiert. Seit den 1990er-Jahren allerdings immer weniger von Männern, sondern vielfach von Frauen. Seither zielt „weibliche Dominanz“ sowohl auf Männer wie auf Frauen ab und vor allem junge Frauen werden so dargestellt, dass sie sich gerne dem gleichen Geschlecht unterwerfen.

Mitten in der Gesellschaft: die dominante Frau

Weibliche Dominanz hat es durchaus auch „mitten hinein in die Gesellschaft“ geschafft. Das zeigt sich in Spielfilmen und Serie, wie etwa „Sherlock“ (UK) „Inspector Barnaby“ (UK) oder „Professor T“ (Deutschland).

Was dabei Fiktion und was Realität ist, spielt kaum eine Rolle. Nach wie vor ist die Faszination der strengen, strafenden Frau ungebrochen, und die Rolle beginnt inzwischen auch „bürgerliche“ Frauen zu faszinieren.

Wie diese Dominanz im Alltag (und insbesondere außerhalb der sogenannten „Szene“) aussieht, wird dabei immer mehr verschleiert. Es scheint, dass die „Gentlemen“ sich inzwischen in privaten Beziehungen schmerzlich oder unterwürfig vergnügen. Wer dabei als Lady fungiert und welches Vergnügen die Damen dabei empfinden, bleibt heute ebenso ein Rätsel wie in den Zeiten der Königin Viktoria.

Nur selten wird die Fassade transparent: zum Beispiel, wenn man sich ansieht, welche „Toys“, Bekleidungsstücke, Möbel oder Instrumente zur Züchtigung in Erotik-Geschäften über die Theke gehen.

Eine Liste von Spielfilmen/Fernsehserien zum Thema findet ihr hier (englisch)
Bild: Herkunft Japan 1950er Jahre, bearbeitet und koloriert.

Was unterscheidet eine Domina von dir?

Die Faszination der Domina - in dieser historischen Zeichnung besser zu erkennen als in jedem Foto
Um es gleich vorwegzusagen: Dieser Artikel wendet sich an liebende Paare, sie ist also keine „Anleitung zur Ausübung“, sondern ein Vorschlag, wie das Liebesleben durch Dominanz bereichert werden kann. Die „harten Methoden“ werden dabei zunächst ausgeblendet, weil sie Risiken beinhalten, die du möglicherweise nicht abschätzen kannst. Nimm dir also keine Pornografie als Vorbild, sondern vertraue auf deine eigenen Möglichkeiten und Grenzen.

Hast du schon einmal darüber fantasiert, als Domina vor deinem (oder deiner) Geliebten zu stehen? Oder vermutest du, dass er/sie dich gerne in einer solchen Rolle sehen würde? Dann ist es Zeit, die Frage zu beantworten, was eine Domina im Moment von dir unterscheidet.

Beherrscht du die Kunst, nicht „du selbst“ zu sein?

Selbst auf die Gefahr hin, alles ein bisschen zu verallgemeiner, kann ich dies sagen: Eine Domina ist eine Frau, die für eine andere Person eine dominante Rolle spielt. Sie geht in dieser Rolle für die gebuchte Zeit vollends auf und vergisst dabei, wer sie ist, wie sie ist und wie sie sich ansonsten verhält. Ein Teil davon ist Veranlagung, doch den größten Teil hat sie erlernt. Sie weiß, welche Gefühle von ihr erwartet werden, wie sie diese einsetzt und was sie mit ihrem Handeln bewirkt.

Und du? Kannst du Gefühle auf die Bühne des Lebens bringen, die dir nicht in die Wiege gelegt wurden? Bist du in der Lage, deine Persönlichkeit sozusagen „auszuwechseln“ und später wieder zu deiner natürlichen Persönlichkeit zurückzukehren? Und hast du Mut und Kraft, dabei Dinge zu tun, die du weder deiner Mutter noch deiner Tochter erzählen kannst?

Wenn du dazu „ja“ sagts, bist du natürlich keine Domina. Aber du kannst versuchen, eine Domina zu spielen - und vielleicht findest du so viel Freude daran, dass es zu deinem Lusterleben dazugehört.

Deine Grenzen, die Grenzen der anderen

Lass uns ein paar Worte darüber verlieren, was du vorab klären kannst:

Es gibt zwei Grenzen, wenn du eine Domina spielen willst:

1. Deine Grenzen.
2. Die Grenzen deines Partners / deiner Partnerin.

Schauspielerei ist ein harter Job

Finde zuerst heraus, was für dich geht und was nicht. Dominieren kann ganz schön „an die Nieren gehen“, denn du hast wahrscheinlich Gefühle wie jede andere Frau auch. Das heißt, du kennst dich meistens besser aus mit der Fürsorge, dem Kümmern, dem Heilen, dem Trösten und dergleichen als damit, was eine Domina tut. Aber ich vermute, du hast auch eine andere Seite, sonst würdest du dies wahrscheinlich nicht lesen. Wenn du beide Seiten kennst, und sie auch miteinander vereinbaren kannst, bist du die ideale Besetzung.

Überlege vor allem, wie du damit umgehst, Befehle zu erteilen und durchzusetzen, jemanden abzuwerten und zu schlagen. Der zweite Schritt wäre dann, welche Mittel du dazu einsetzen würdest.

Was dein Partner / deine Partnerin möchte, ist das Konzept für das strenge Theaterspiels, das du aufführst. Überlege, für welche Wünsche du offen bist und welchen du dich verschließen wirst. Du hast einige Variationsmöglichkeiten, die vom Verlauf des Spiels abhängen. Das heißt, außer „Schauspielerin zu sein“ solltest auch die Kunst der Improvisation beherrschen. Im Bereich der Dominanz werden Improvisationen meist nötig, wenn sich die Wünsche während des Spiels verändern.

Die Rolle überzeugend spielen und wieder zurückfinden

Die beste Domina ist jene, die ihre Rolle am überzeugendsten spielt. Das gilt für den Profi-Bereich, aber besonders für dich, wenn du die Rolle ausschließlich für deinen Liebsten oder deine Liebste spielst. Zur Rolle gehören meist ein Minimum an Verkleidung und ein Wechsel im Tonfall. Der Rest ist optional und kann in einer aufwendigeren Vermummung (Uniform, Leder- oder Latexkleidung) einem besonderen Bühnenbild oder besonderen Gegenständen bestehen, die zur Rolle passen. Nachdem du deine Rolle beendet hast, ist es angebracht, dir einige Minuten zu gönnen, um wieder „du selbst“ zu werden.

So weit alles in Ordnung?

Nun, falls du etwas verabreichen willst, was als „körperliche Züchtigung“ gilt, ist besondere Vorsicht angebracht. Das gilt auch für alle anderen körperliche Maßnahmen ungewöhnlicher Art“. Dafür ist nahezu unerlässlich, etwas über die Anatomie des Menschen zu wissen. Das gilt nicht nur für Spiele mit dem Schmerz, sondern auch für alle Beigaben zu analen Spielen, Fesselungen und ähnlichen „heftigeren“ Spielarten.

Eine Faustregel sagt: Die Kleidung (Verkleidung) spielt eine bedeutende Rolle für den ersten Eindruck, sodann die Stimme und dein „Auftreten“. Letztlich ist aber die Frage, wie glaubwürdig du in der Rolle wirkst, die du spielst.

Einen Versuch ist es Wert - vor allem, wenn dein Partner oder deine Partnerin schon lange darauf wartet.

Bild: Nach einer Zeichnung aus "Dressage" von Bernard Montorgueil - etwas retuschiert.
Die Fakten haben wir aus mehreren Internet-Dokumentationen, Blogs und Büchern einschlägiger Autorinnen zusammengefasst, die wir hier nicht einzeln aufzählen können.

Der Wandel beim „Aua“ oder war da gar keiner?

Frauen übernehmen oft die dominante Rolle
Gerüchteweise verlautete jüngst, die BDSM-Szene hätte sich von dem, was einst darunter verstanden wurde, völlig entkoppelt. Heute sei „ein bisschen Aua“ oder eine andere Form der sexuellen Dominanz/Submission eine Sache für „Normalos“ und dazu las sich dann so (gekürzt).

Sex ist … eine Mischung aus verschiedenen Trieben, und auch der Aggressionstrieb spielt immer - auch bei Frauen - eine Rolle. (…) Die patriarchalische Kultur mag die Frau nicht als aggressiven Part; und die moderne Powerfrau fürchtet den Kontrollverlust, wenn sie ihrem Wunsch nach Hingabe nachkommt. Das heißt: Frauen, die aktiv sein möchten, müssen in Kauf nehmen, als zu dominant abgelehnt zu werden. Frauen, die sich gerne hingeben möchten, als schwache Weibchen, die die klassischen Rollenklischees zementieren.

Ob da nun stimmt oder nicht – vieles, was man früher als „BDSM“ oder S/M bezeichnete, ist Teil der allgemeinen Sex- und Liebeskultur geworden. Nicht mehr die Gurus der Szene, ja, nicht einmal die Redakteurinnen von Lifestyle-Magazinen beeinflussen „unser täglich Aua“, sondern die Paare finden selbst heraus, was gut für sie ist.

Ebenfalls gerüchteweise hörte ich, dass der „professionelle Bereich“ der Dominanz nicht mehr so gefragt ist. Manche Studios mussten schließen, einige verkauften ihr Interieur, andere hielten sich nur durch „Sonderangebote“ über Wasser. Das Schema war hier klar: Frau malträtierte gegen Bargeld Mann, der die Rolle des Dieners, Slaven oder dergleichen spielte.

Frauen werden dominanter, Männer unterwürfiger
Die alte Rolle nach britischer Art

Wer nach dem Wandel sucht, wird früher oder später eine gewisse Aufhebung festgelegter Rollen verspüren. Die als „Opfer“ fungierenden Fotomodelle und Schauspielerinnen waren bis in die 1980er-Jahre gut aussehende junge Frauen, die mit gespielter Scheu auf eine Abstrafung als Domestiken warteten. Die Strafenden hingegen waren meist hässliche, dickbäuchige, glatzköpfige Schmuddel-Männer. Besonders im Vereinigten Königreich war die Vorstellung, mit einer Bediensteten noch „nach Gutsherrenart“ zu verfahren, sehr beliebt.
Die neue Rolle - jung, streng, dominant

Heute finden wir in Literatur und Film mehr und mehr den scheuen, lüsternen jungen Mann, der sich einer Dame mit starkem „Schlagarm“ und erheblichen Machtgelüsten unterwirft.

Die Realität ist weiterhin ein „Buch mit sieben Siegeln“

Dazu müssen wir noch einmal zurück in die Welt der „bezahlten Dominanz“, udn ich muss nochmals zitieren:

Das Klischee, dass gerade Männer in mächtigen Positionen gerne mal zur Domina gehen, um einen Persönlichkeitsanteil auszuleben, der in ihrer Alltagswelt zu kurz kommt, gilt im Zeitalter der Emanzipation auch für die "Powerfrau". Schätzungen schwanken, gehen aber immer davon aus, dass es unter beiden Geschlechtern mehr devote und masochistische als dominante und sadistische Menschen in der SM-Szene gibt.

Ökonomie zerstört Klischees - vom Mythos der Geschlechter

Wo ökonomische Prinzipien gelten, werden Klischees zu Pappmaschee. Es geht offenbar gar nicht um „mächtige Männer und unterwürfige Frauen“. Und auch nicht um gefühllos-dominante Frauen und schmerzgeile Männer. Es geht darum, dass jene darben und lechzen, die in der Mehrheit sind, während die Minderheiten (die „Sadisten“ und „Sadistinnen“) die Wahl unter diversen devoten Bittstellern haben. Manche aus Neigung, manche gegen Bargeld.

Wandel in der Rollenverteilung

Freche Schülerin und strenger Lehrer? Das Rollenspiel „frecher Schüler und strenge Lehrerin“ ist auch nicht schlecht, nicht wahr? Und selbst die Zimmermädchen und Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sind aus dem Schneider. Letztere zeigen den widerborstigen Patienten durchaus, wer die Macht und die Instrumente hat, Qualen zu erzeugen. Die meisten wären sehr peinlich für die Herren, wenn sie an die Öffentlichkeit kämen – soweit also zur Frage der Macht. Und wie sieht es mit gleichgeschlechtlichen Aktivitäten in diesem Bereich aus?

Die meisten Quellen sagen uns zweierlei: Erstens, dass ein verantwortungsvoller, heterosexueller „Sadist“ schwer zu finden ist. Daher wenden sich viele Frauen eher an dieselben Damen, die auch Herren traktieren -und bezahlen dafür. Und zweitens, dass gleichgeschlechtliche S/M-Beziehungen bei Frauen recht häufig auftreten - bei Männern aber nur unter „geouteten“ Homosexuellen.

Bewusstseinserweiterung oder einfach ein körpereigener Drogencocktail?

Wir wissen nicht, was wirklich „wahr“ ist. Kann der „Aua-Prozess“ ein „therapeutischer Segen“ sein, wie es in einer der Quellen heißt? Oder ist er ein Weg der Erweiterung des sexuellen Bewusstseins?

In jedem Fall ist es mehr als Sex, und mehr als „Aua“. Es ist ein Zustand, zu dem vieles zusammenkommt: Mensch A, Mensch B, eine Einstellung, eine Gelegenheit, eine Kunstfertigkeit … und die ganz besondere Erfahrung, dass ein körpereigener Drogencocktail ausgeschüttet wird, der unsere Gefühle durcheinander rüttelt.

Bitte: Wenn du mehr weißt, es anders oder besser weißt, dann schreib uns an unsere E-Mail-Adresse.
Zitate von Gigi Halder aus "Wienerin".Bilder aus dem Liebsverlag-Archiv, anonyme Autorinnen/Autoren