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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Gefühle - käuflich, tauschfähig oder verhandelbar?

Handel mit Illusionen - sinnlich, berechnend und gefährlich
Gehen wir die Frage nüchtern an, wie wir Gefühle austauschen. Der Standard, seit Urzeiten unter Primaten üblich, besteht im Tausch. Das heißt: Wir tauschen angenehmen Gefühle gegen ähnlich angenehme Gefühle.

Gefühle gegen Gefühle

Ob wir einander lausen oder streicheln oder in den Arm nehmen - wir tauschen Gefühle aus. Der freie Austausch ist so üblich, dass wir ihn schon gar nicht mehr bemerken - er gehört zum Menschsein. Manchmal ist eine ausgesprochen geringfügige Vereinbarung (Verhandlung) nötig („Darf ich dich mal drücken, du Ärmste?“). Normalerweise wird aber nicht einmal im Ansatz verhandelt.

Sex gegen Sex

Der Ansatz ist relativ neu. „Sex gegen Sex“ wird allgemein als skandinavischer Brauch angesehen, und dies bedeutet: Andere Gefühle als die Lust auf Sex sind kaum beteiligt. Seit Frauen mehr Macht haben und die emanzipatorische Bewegung große Erfolge feiert, ist „Verhandeln über Sex“ neben „spontanem Sex“ und „gewohnheitsmäßigem Sex“ üblich geworden. Paare, die so etwas praktizieren, sprechen also vorher darüber, was „geht“ und was „gar nicht geht“. Meist müssen die Frauen derartige Gespräche eröffnen. Männer glauben, „so etwas ergäbe sich schon“.

Mix und Mix

Nach einer älteren kulturellen Definition sind Liebe und Sex untrennbar miteinander verbunden. Das heißt: Gibt es Verliebtheit oder Zuneigung, dann gibt es irgendwann auch Sex. Anders herum passen diese Schuhe auch: Gibt es Sex, so entstehen auch andere Gefühle wie Verliebtheit und Zuneigung. Falls nun aber „über Sex zu verhandeln“ wäre, über Gefühle aber nicht, entstehen Widersprüche und Unklarheiten. Ein Beispiel wäre: „Ich schenke ihm Fellatio aus Liebe, obwohl ich mich körperlich davor ekle und ihn nicht als ‚Sex‘ empfinde.“


Sex gegen Gefühle

Beim Tausch von Sex gegen Gefühle entstehen „Unwägbarkeiten“. Denn wenn einer die „großen Gefühle“ für den anderen empfindet und ihm deshalb bedingungslosen Sex schenkt, wird gegeneinander getauscht, was unwägbar ist. Normalerweise verliert der „gefühlsbetonte“ Partner, weil er sich in seine Gefühle hineinsteigert.

Sex gegen „etwas anders“

Sex lässt sich außer gegen Gefühle auch noch gegen alle irdischen Güter tauschen. Wer sich nun empört, möge daran denken, dass dieser Handel normalerweise nicht einmal auffällt. Auffällig wird er nur, wenn etwas sehr Konkretes mit dem Sex verbunden wird: „Ich schenke dir (etwas Dingliches) und erwarte, dass du dich dafür mit Sex bedankst.“ Wieder umgekehrt: „Er ist zugänglicher für meine Wünsche, wenn ich häufiger mit ihm schlafe - warum also nicht?“

Sex gegen Geld

Sobald von „Sex gegen Geld“ die Rede ist, öffnet sich der Giftschrank, und das Wort „Prostitution“ steht im Raum. Die Diskussion darüber ist bisweilen so heftig, dass dieses Thema nur noch mit der Kohlenzange angefasst wird. Sofern die „lupenreine“ Prostitution betroffen ist, bei der Geld gegen gewöhnlichen Geschlechtsverkehr getaucht wird, sind die Verhältnisse eindeutig. Also: minimale Verhandlungen, weitgehend emotionsloser Vollzug.

Gespielte Gefühle und Sex im Mix gegen Geld

Tatsächlich ist der Bereich "gefühlsbetonte sexuelle oder erotische Dienstleistungen gegen Geld“ derjenige, in denen am meisten verhandelt wird. Ob es sich um eine teure Escort-Frau handelt, um eine langfristig unterstütze Geliebte oder um eine Domina: Für sie alle gehören Verhandlung über das, was „geboten und erwartet wird“ zum Alltag. Die Verhandlung „Sex gegen Sex“ ist für die meisten „gewöhnlichen“ Frauen und Männer hingegen völlig neu - und teils mit erheblichen Hemmungen besetzt.

Ist es zulässig, über den Handel mit Gefühlen zu sprechen?

Machen wir uns nichts vor: Der Handel mit Gefühlen ist weit verbreitet. Wer es nicht wahrhaben will, mag sich an den Satz erinnern „ich habe so viel Gefühle investiert ...“. Wenn Gefühle „Investitionen“ sind, dann können sie auch als die Währung angesehen werden, für die etwas eingekauft wird.

Bild: nach dem Cover eines Pulp-Magazins ca. 1950, Autor unbekannt.

Warum die Lust an Schlägen doch etwas mit Sex zu tun hat

Fantasie oder Realität?
Eine Frage an euch vorab: Wie viele Menschen stehen wirklich auf „Schmerzlust“, die durch Schläge hervorgerufen wird? Bíst du dabei?

Nur wenige Menschen gestehen, erotische Schläge zu mögen


Um es vorwegzunehmen: eine ziemlich große Anzahl, aber wenige, die es dir zugeben würden. Die meisten von ihnen konnten irgendwann einmal ihren Partner oder ihre Partnerin für das Spiel begeistern, während der Rest sich den Schmerz „aushäusig“ holt. Es mag euch erstaunen, aber Frauen, die solche Lüste verspüren, sind oft verheiratet, und sie wollen diesen Teil ihrer Neigungen auf keinen Fall mit dem Ehemann ausleben. Männer bekommen außer Haus alles, wenn sie dafür genügend Geld hinlegen - Frauen nicht immer.

Die Bereitschaft, erotische Schläge auszuteilen, ist deutlich begrenzt

Das Problem ist eigentlich bekannt: Kaum eine „gewöhnliche“ Frau ist bereit, einen Mann aus reiner Lust zu schlagen, es sei denn, sie sei wirklich sadistisch. Und außerhalb der „professionellen Dominaszene“ rühmt sich keine Frau, besondere Fähigkeiten dabei zu entwickeln, einen Mann sinnlich zu schlagen.

Auch der „ganz gewöhnliche Mann“ schlägt keine Frau aus der Lust daran, sie leiden zu sehen - es sei denn, er wäre sadistisch veranlagt. Tatsächlich gibt es nur wenige Könner unter den Männern, denen es ausschließlich darum geht, die „perfekte amouröse Züchtigung“ auszuführen. Für sie ist es kein Problem, geeignete Elevinnen zu finden. Woran das liegt, ist schwer zu ergründen, und auch ich will dieses Wagnis hier nicht eingehen.

Die Verabredung zum Besonderen beginnt oft mit dem Gewöhnlichen

Jemand hat jüngst erklärt, woran das liegt. Seiner Meinung nach verabreden sich Frauen, die an „so etwas“ interessiert sind, auf ganz gewöhnliche Art mit Männern. Das gilt auch „umgekehrt“. Doch was passiert dann?

Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Person, die nach Schlägen lechzt, normalerweise keine Worte findet, um diese Bitte auszusprechen. Deshalb ist eine besondere Art der Kommunikation erforderlich. Sie wird auch anderwärts angewandt und lässt sich in etwas so beschreiben:

Der Suchende will etwas, mag es aber nicht aussprechen. Er ist sich zugleich unsicher darüber, ob er seinen Wunsch hier und jetzt überhaupt äußern darf. Und er fürchtet negative Konsequenzen für den Fall, dass er es tut. Er/sie sagt also nicht: „Bitte schlag mich, ich warte darauf.“

Der mögliche Ausführende, Frau oder Mann, kann zunächst nicht davon ausgehen, dass er den Wunsch kennt. Deshalb wird er kaum sagen: „Du bist also hier, weil du geschlagen werden willst, nicht wahr?“

Die Entscheidung - am Ende eines zurückhaltenden Dialogs

Derselbe Dialog kann am Ende jedes Dates stehen, wenn es darum geht, ob, wo und wie man nun Sex „miteinander haben“ kann. Wie bekannt, wird er meist hinter der Floskel verborgen: „Gehen wir jetzt noch zu mir oder zu dir?“

Nahezu alle Frauen und Männer haben besondere Worte und Vorschläge dafür, jemanden „über den Zaun zu heben.“ Was dabei besonders wirksam ist, soll hier nicht diskutiert werden, aber zumeist näher sich beide einander vorsichtig mit Fragen oder „harmlosen“ Anmerkungen, etwa: „Mich reizt das Besondere, wie ist es eigentlich bei dir?“

Was Schläge, Lust und Sex vereint

Eine der Fragen, die am Ende aufgeworfen werden. Ist stets: Wenn jemand wirkliche Schmerzlust verspürt, dann ergibt sich automatisch die Frage, was passiert, wenn dieser jemand wirklich sexuell erregt aus dem Spiel mit dem Schmerz hervorgeht.

Es ist nicht einfach. Die Sache, über die wir reden, ist ja immer körperlich und meist mit wenigstens partieller Nacktheit verbunden. Die Erregung ist also klar zu erkennen. Das, was dabei vor sich geht, hat also etwas mit sexueller Erregung zu tun, soll aber nicht zum Sex führen.

Ein erfahrener Mann schrieb dazu:

Das Spiel um die Schmerzlust ist immer sexuell, sogar, wenn gar nicht von Lust die Rede ist, sondern nur von sinnlichen Schlägen. Und niemand gibt zu, dass er nach sexueller Befriedigung sucht.

Nun ist bekannt, dass Männer gerne masturbieren, nachdem sie gezüchtigt wurden - darüber gibt es zahllose Beschreibungen. Frauen würden es ebenso tun, doch die meisten wünschen sich einen „kompletten sinnlichen Abend“, zu dem auch die Befriedigung gehört.

Es ist also nicht „nichts Sexuelles“ was bei erotischen Züchtigungen stattfindet, sondern tatsächlich in erheblichem Maße sexuell, nur ohne die üblichen Formen des Geschlechtsverkehrs.

Wenn wir uns nun vergegenwärtigen, dass all dies oftmals „aushäusig“ abläuft, also nicht in einer Ehe oder Beziehung, dann haben wir das Phänomen vor Augen, dass hier etwas stattfindet, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Ob es doch passiert? In einem Weihnachtsgedicht heißt es: „Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack - meint ihr, er wäre offen, der Sack?“ Nein, er ist verschlossen, wie die Münder derer, die zu den „Ausführenden“ gehören. Oder, wie in einer unserer Quellen gesagt wird:

Ein Gentleman wird einer Dame in jedem Fall einen Gefallen erweisen, wenn sie ihm darum bittet.

Indem ich dies schreibe, stoße ich einen Seufzer aus. Es geht eben nicht „nur um Sex“, wenn es um Sex geht. Und wenn es um etwas anderes geht, was uns einander nahebringt, dann geht es manchmal eben auch um Sex.

Hinweis: Dieser Artikel beruht auf Eigenangaben von Betroffenen, Recherchen und Gesprächen, die teils schon etwas zurückliegen.

Die Woche: erotische Züchtigungen, Maskenausklang und Etiketten

Zucht und Züchtigung ist nicht nur ein Wortspiel, sondern auch der Titel eines Artikels über erotische Züchtigungen im 21. Jahrhundert. Er soll ein wenig darüber informieren, wie der Begriff der „Züchtigung“ entstanden ist, und warum vor einigen Jahren eine Renaissance der lustvollen Züchtigung einsetzte. Wir haben, wie fast immer, unsere Archive bemühen müssen, um die Sache korrekt zu beschreiben.

Sollen die erotischen Fantasien an die Öffentlichkeit?

Zweifellos gehören Züchtigungen auch zu den verbreiteten erotischen Fantasien. Das wissen wir aus einem umfassenden Zahlenwerk, aus dem wir uns dann und wann bedienen. Wir erfuhren von einer Bloggerin, dass sie dazu rät, erotische Fantasien nicht öffentlich zu machen. Ihrem Partner eröffne sie hingegen nahezu alle Fantasien – bis auf einen kleinen Rest. Wir konnten uns dieser Meinung anschließen, glauben aber, dass die meisten Menschen nicht einmal ein Viertel der verborgenen Lüste des anderen kennen.

Was ist an Masken so sexy?

Wie man guten willens einen Artikel angehen kann und ihn dann doch vermasseln, habe ich diese Woche leidvoll erfahren müssen. Es ging darum die Folgen des Maskentragens in erotischer Hinsicht zu verfolgen. Dazu gab es einen Hinweis einer Bloggerin. Zugleich wurden wir darauf hingewiesen, dass weibliches Selbstbewusstsein in verschiedene Richtungen gehen kann. Einmal ist es die strenge, am Intellekt langführende Richtung – dann aber auch wieder die selbstbewusste Darstellung der äußeren Schönheit. Beide Themen in einen Topf und dann mal schnell umgerührt – ging leider nicht. Der Artikel war bereits online, wofür ich nachträglich um Entschuldigung bitte. Also haben wir die Verschleierung und die Masken isoliert und dabei einen Blick auf den „Voyeur im Manne“ geworfen. Ich hoffe, dass nun alles verständlich ist.

Wenn die Stube voller Bauernmädchen sitzt

Für bestimmte Themen eignet sich die Suchmaschine „Google“ so gut wie überhaupt nicht mehr, vor allem nicht in deutscher Sprache. Wie haben die Bauernmädchen in der Vergangenheit ihre Partner gefunden? Stimmt die Vermutung, dass sie (mindestens seit Beginn des 19. Jahrhunderts) sich an die Kerle herabgeschmissen haben, um überhaupt „genommen“ zu werden? Wir wissen es nicht. Hinzu kommt freilich, dass heutige Forscher solche Themen meiden - sie könnte ja mit der feministischen Bewegung in Konflikt kommen. Denn so viel habe ich neulich gelesen: An der heutigen (angeblichen) Sexualisierung der jungen Frauen ist das Patriarchat schuld. Und der Kapitalismus sowieso - Hauptsache, die links-feministische Ideologie wird nicht beschädigt.

Die Unsitte, sich Etiketten zu geben und aufpappen zu lassen

Apropos Sexualisierung – die Gesellschaft, wie ich sie kenne, ist nicht im Geringsten „sexualisiert“. Menschen, die man kaum wahrnimmt, in einer inzwischen wieder geschäftigen Pflastersteinumgebung, ein paar Farbtupfer, die selten von Einheimischen ausgehen, aber nicht unbedingt erotisch wirken – kurz: Wo ist sie denn, die Sexualisierung? Die sexuellen Etiketten sind hingegen bundesweit allgegenwärtig. Die Geschlechteridentität ist ein bei den Spießern nach wie vor ein Reizthema, daran ändert auch die Regenbogenfahnen-Bewegung nicht viel. Alle anderen, hetero oder homo oder sonst etwas, könnten fast zur Tagesordnung übergehen. Wenn da nicht die Etiketten wären – am schlimmsten zurzeit „CIS“ kontra „Queer“. Und auch sonst sind Etiketten wohlfeil, zum Beispiel bei der „Schlampe“ oder dem voreilig vergebenen Begriff „Perversion“. Das Problem: Wer einmal ein Etikett verpasst bekommen hat, wird es nicht wieder los. Er ist eben nicht mehr Mensch, Bürger, Lokführer oder Moderator. (Geht alles mit „-in“) sondern plötzlich nur noch das, was man auf seine/ihre Stirn geschrieben hat. Wir erhielten den Hinweis von einer Bloggerin, der Artikel ist komplett neu recherchiert. Mein Fazit: Etiketten sind gefährlich - alle und immer. Sie verdecken den Blick auf die Person, auf den es ankommt.

Marginalien und Ansichten

Wir hatten vor einigen Monaten einmal einen Artikel darüber, warum sogenannte „Dominas“ gelegentlich auf Fotos so leblos wirken. Wie wirken sie auch euch? Und was sagt ihr dazu, dass die Bilder bisweilen nicht animieren, sondern eher abstoßen? Und was ist überhaupt aus der „erotischen Fotografie“ geworden? Hat wirklich niemand etwas dazu zu sagen?

Als ich über „Masken“ recherchierte, fiel mir eine Zeichnung aus dem Japan der 1950er-Jahre auf. Weil das Thema „Masken“ nun wirklich erschöpft zu sein scheint, habe ich sie jetzt veröffentlicht.

Heikles über erotische Fantasien

Manche Fantasien sollten Fantasien bleiben
Wurdest du schon einmal nach deinen geheimen erotischen Fantasien gefragt? Oder hast du sie deinem/deiner Liebsten offenbart?

Was hast du geantwortet oder offenbart? Die Wahrheit, eine fromme Lüge? Oder hast du ihn beschimpft, weil er dir „solch eine“ Frage gestellt hat? Wurdest du etwa gar deswegen selbst beschimpft?

Wenn dein Partner oder deine Partnerin negativ reagiert, dann weißt du, dass er/sie ein Problem damit hat. Ein Grund dafür kann sein, dass die andere Person sexuelle Fantasien grundsätzlich für pervers hält. Doch oftmals ist jemand schon deshalb entsetzt, weil „so etwas“ überhaupt in deinen Kopf eingedrungen ist.

Keine Vorurteile - außer beim eigenen Partner?

Nein, dein Gegenüber, Partner oder Liebhaber hätte keine Vorurteile, wenn jemand anders so etwas sagen würde. Aber nicht jemand, den er/sie kennt. Und vor allem: nicht du. Schließlich – und nun wird es noch heikler, könnte dein „Geständnis“ so aufgefasst werden, dass er in Panik gerät. „Das muss dann wohl irgendwann verwirklicht werden“ oder – fast noch schlimmer – „ich muss dies jetzt an ihm/ihr vollziehen“.

Jeder Mensch, der so reagiert, hat ein Problem – und du bist nicht das Problem. Du warst ehrlich, und das ehrt dich in jedem Fall.

Vom Liebespartner abgestempelt werden?

Du kannst überlegen, ob du mit dem Menschen zusammenbleiben willst, der dich wegen deiner Fantasien verachtet oder sich allein davon verletzt fühlt, dass du sie hast. Überleg mal: Du hast sie offenbart, weil du Vertrauen hattest, dass dein Gegenüber damit umgehen kann. Und das hat nicht geklappt. Du musst also damit rechnen, dass jede deiner sinnlichen Empfindungen abgestempelt und damit entwertet werden kann.

Besser alles geheim halten?

So manche Frau und so mancher Mann wird niemals über geheime Fantasien sprechen – oder jedenfalls niemals mit dem regulären Partner. Auch das kann funktionieren, solange Fantasien auch wirklich Fantasien bleiben sollen – und das scheint für mindestens zwei Drittel (wenn nicht viel mehr) der Fantasien zuzutreffen.

Grafik: Japanische Grafik, undatiert, koloriert.

Von Masken, Augen, Voyeuren und betont verhüllender Kleidung

Im Harem - eines der seltenen Bilder einer vollständig verschleierten Frau
Masken-Fetische gab es schon immer, aber seit wir alle Masken tragen, mussten wir lernen, dass man uns mit Maske „anders“ erkennt als ohne. Mein Handy erkannte mich gar nicht, die Vietnamesin im China-Takeaway erst nachdem ich lächelte. Doch etwas ahnte ich nicht: Offenbar entstand as dem massenhaften Tragen der Masken auch einer neue Fetisch. Es soll sich um eine Art Verschleierungs-Fetisch sein. Dazu gehört blickabweisende Formalkleidung und eine Maske, die ein bisschen schicker ist als eine „Mund-Nasen-Bedeckung“.

Warum trugen wir eigentlich früher Masken?

Wenn wir uns im Vorfeld fragen, warum wir überhaupt Masken trage, fallen uns zumeist zwei Gründe ein. Der eine ist der Reiz, nicht als „wir selbst“ erkannt zu werden. Unter dieser Maske können wir also tun, was wir wollen, ohne erkannt zu werden - jedenfalls bis zur Demaskierung.

Die Augen sprechen auch dann, wenn die Mimik weitgehend verhindert wird
Der zweite Reiz liegt darin, dass unsere Emotionen weniger sichtbar sind, weil sie oder unter der Maske schwächer wirken oder sogar ganz unterdrückt werden, weil die Mimik fehlt und damit ein Teil der Körpersprache.

In beiden Situationen gilt: Solange die Augen sichtbar bleiben, können die Emotionen nicht völlig unterdrückt werden. Das heißt, in beiden Fällen „sprechen die Augen“ weiterhin.

Was ist einheitlich ein "Maskenfetisch"?

Maskenfetisch - hier mit Gasmaske
Reden wir nun von Maskenfetischisten. Zunächst einmal: Was ist denn eigentlich ein(e) Maskenfetischist(in)?

Dafür gibt es zwei Erklärungen: Die eine ist, dass ein Maskenfetischist eine erhöhte sexuelle Erregung verspürt, wenn jemand anders eine Maske aufsetzt oder auch entfernt. Normalerweise können dies alle Arten von Masken sein, also sowohl Karnevalsmasken, Vollmasken, Gasmasken oder irgend eine andere Bedeckung des Gesichts - also beispielsweise auch ein Schleier. Wir können unterstellen, dass die etwas mit Voyeurismus im weitesten Sinne zu tun hat, möglicherweise auch mit sexueller Dominanz.

Die andere Erklärung scheint der ersten zu widersprechen: Demnach läge auch dann ein Maskenfetisch vor, wenn sich jemand gerne selbst eine dieser Masken anlegt oder spielerisch „gezwungen“ wird, dies zu tun. Ist dies der Fall, so erregt ihn sexuell, mehr oder weniger hilflos in der Maske zu sein, zumal, wenn er sie aus eigener Kraft nicht mehr entfernen kann. Wir finden dieses Verhalten hauptsächlich unter Menschen, die eine unterwürfige Rolle spielen.

Die Maske der Pandemie - eine Art Verschleierung der Mimik

Maskenfetisch während der Pandemie
In der Pandemie haben wir allerlei Masken gesehen - zunächst ebenso schicke wie behelfsmäßige Masken, aber auch schon erotisch motivierte mit aufgemalten Kussmündern. Die Erotik-Shops zeigten schon bald schwarze Masken, die den Harems- oder Verschleierungseffekt unterstützten: Die dunklen Augen der Trägerin sprechen zu uns, die Mimik wird ansonsten nahezu unterdrückt.

Vereinzelt konnte man auch beobachten, wie das Interesse an Klinikerotik zunahm. Schöne Frauen in grünen OP-Masken auf der Straße zu sehen, versetzte manche männliche Masochisten in Entzücken. Aber der Kreis der Männer, die von Klinikerotik und Prostata-Untersuchungen durch „Krankenschwestern“ fasziniert sind, ist begrenzt.

Fantasien rund um Masken und sinnliche Verschleierungen

Wie kommt es nun, dass die Pandemie den Maskenfetisch beflügelt hat? Vermutlich ist es der spielerische Voyeurismus. Wer eine Gesichtsmaske unterhalb der Augen trägt, hat eine ähnliche Wirkung wie jemand, der einen Schleier trägt. Kombiniert mit fester Kleidung, die den Körperformen nicht folgt, ist der Schleier eine Art Fetisch. Und der Voyeur, der gewohnt ist, Frauen mit den Augen abzutasten, entdeckt unter dem Schleier den Mund, und unter der festen Kleidung die Dessous oder die Körperformen.
Eigentlich eine biblische Darstellung - Verschleierung und Nacktheit
Solche Fantasien waren zu Zeiten unserer Urgroßväter in Massen verbreitet. Es war der Orient, der die Fantasie anregte, und mit ihm die Verschleierung und Entschleierung orientalischer Frauen. Einige Maler der damaligen Zeit, sogenannte „Orientalisten“, schufen Bilder von opulenten Harems, in denen Frauen aller Hautfarben ihre sinnlichen Reize darboten, meist unverschleiert, teils aber auch in Verschleierungen.

Je undurchdringlicher die Kleidung, umso mehr bemüht sich der Voyeur

Von Kopf bis Fuß verhüllt: Junge Damen beim Ausgang 1904
Mit der Realität hatte dies alles wenig zu tun, aber die „schwelgerische, fremdländische Erotik“, war in jener Zeit mächtig „en vogue“. Zudem gab es an den heimischen Frauen in der Öffentlichkeit nur selten ein Fetzchen Haut zu sehen. Die jungen Frauen verhüllten sich von der Halskrause bis zu den Zehenspitzen in engen körpernahen Kleidern, die aber die natürliche Erscheinung eher zerstörten als unterstützten.

Erstaunlich dabei ist, dass der männliche Voyeur zu jeder Zeit versucht hat, die formale, feste Kleidung in seiner Fantasie zu durchdringen. Die „strenge Erzieherin“, die es auch zu Zeiten der Ur-Urgroßväter schon gab, posierte keinesfalls in Dessous, sondern in streng konservativer Kleidung oder Fantasieuniformen.

Mit den Augen ausziehen

Echte Voyeure sind unter Frauen unbeliebt, obgleich viele Frauen behaupten, alle Männer seien „mehr oder weniger Voyeure“. Die schlimmsten unter den Männern werden bezichtigt, „Frauen mit den Augen auszuziehen“. Und obgleich Männer nicht wirklich unter die Maske, durch das Kleid oder gar unter die Uniform schauen können, fühlen sich viele Frauen unwohl, wenn der männliche Blick durch ihre Kleidung wandert.

Der gewöhnliche männliche Pseudo-Voyeuer schämt sich nicht

Zum Erstaunen der meisten Frauen schämen sich die „ganz gewöhnlichen Voyeure“ kaum. Eine schöne Frau in der Bewegung zu sehen, scheint einen Impuls in ihnen auszulösen, der auf „Paarung“ ausgerichtet ist - und das reicht auch, um manchen frivolen Gedanken hervorzurufen. Solange er ihnen nicht aus dem Mund fällt, können alle beruhigt sein.

Ignorieren statt ärgern - Passanten vorbeiziehen lassen

Und heute? Offenbar tun sie es heute noch, wenn ein nach ihrer Meinung „schöner“ Körper stark verhüllt an ihnen vorbeirauscht. Ob sie die Frau als Person darin sehen? Vermutlich nicht. Ist das beschämend? Nur, wenn man es so sehen will. Denn was wir, ob Frau oder Mann, in Passanten sehen, wissen diejenigen nicht, die an uns vorbeiziehen. Und oftmals denke ich: glücklicherweise nicht.

Titelbild: Jan-Baptist Huysmans, flämischer Maler, Orientalist, Auszug aus "Im Harem".
Bild "Maskenfetisch" - anonym, aus unserem Archiv.
Bild: "Maske verdeckt die Augen nicht", anonym, aus unserem Archiv.
Bild "Augen über Maske": Werbung für erotische Masken während der Corona-Pandemie.
Bild biblisch: Émile Jean-Horace Vernet (1789-1863), Orientmaler, Ausschnitt.
Bild unten: Modebeilage von 1904.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mehrfach überarbeitet und am 14.07.2021 neu veröffentlicht