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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Von Masken, Augen, Voyeuren und betont verhüllender Kleidung

Im Harem - eines der seltenen Bilder einer vollständig verschleierten Frau
Masken-Fetische gab es schon immer, aber seit wir alle Masken tragen, mussten wir lernen, dass man uns mit Maske „anders“ erkennt als ohne. Mein Handy erkannte mich gar nicht, die Vietnamesin im China-Takeaway erst nachdem ich lächelte. Doch etwas ahnte ich nicht: Offenbar entstand as dem massenhaften Tragen der Masken auch einer neue Fetisch. Es soll sich um eine Art Verschleierungs-Fetisch sein. Dazu gehört blickabweisende Formalkleidung und eine Maske, die ein bisschen schicker ist als eine „Mund-Nasen-Bedeckung“.

Warum trugen wir eigentlich früher Masken?

Wenn wir uns im Vorfeld fragen, warum wir überhaupt Masken trage, fallen uns zumeist zwei Gründe ein. Der eine ist der Reiz, nicht als „wir selbst“ erkannt zu werden. Unter dieser Maske können wir also tun, was wir wollen, ohne erkannt zu werden - jedenfalls bis zur Demaskierung.

Die Augen sprechen auch dann, wenn die Mimik weitgehend verhindert wird
Der zweite Reiz liegt darin, dass unsere Emotionen weniger sichtbar sind, weil sie oder unter der Maske schwächer wirken oder sogar ganz unterdrückt werden, weil die Mimik fehlt und damit ein Teil der Körpersprache.

In beiden Situationen gilt: Solange die Augen sichtbar bleiben, können die Emotionen nicht völlig unterdrückt werden. Das heißt, in beiden Fällen „sprechen die Augen“ weiterhin.

Was ist einheitlich ein "Maskenfetisch"?

Maskenfetisch - hier mit Gasmaske
Reden wir nun von Maskenfetischisten. Zunächst einmal: Was ist denn eigentlich ein(e) Maskenfetischist(in)?

Dafür gibt es zwei Erklärungen: Die eine ist, dass ein Maskenfetischist eine erhöhte sexuelle Erregung verspürt, wenn jemand anders eine Maske aufsetzt oder auch entfernt. Normalerweise können dies alle Arten von Masken sein, also sowohl Karnevalsmasken, Vollmasken, Gasmasken oder irgend eine andere Bedeckung des Gesichts - also beispielsweise auch ein Schleier. Wir können unterstellen, dass die etwas mit Voyeurismus im weitesten Sinne zu tun hat, möglicherweise auch mit sexueller Dominanz.

Die andere Erklärung scheint der ersten zu widersprechen: Demnach läge auch dann ein Maskenfetisch vor, wenn sich jemand gerne selbst eine dieser Masken anlegt oder spielerisch „gezwungen“ wird, dies zu tun. Ist dies der Fall, so erregt ihn sexuell, mehr oder weniger hilflos in der Maske zu sein, zumal, wenn er sie aus eigener Kraft nicht mehr entfernen kann. Wir finden dieses Verhalten hauptsächlich unter Menschen, die eine unterwürfige Rolle spielen.

Die Maske der Pandemie - eine Art Verschleierung der Mimik

Maskenfetisch während der Pandemie
In der Pandemie haben wir allerlei Masken gesehen - zunächst ebenso schicke wie behelfsmäßige Masken, aber auch schon erotisch motivierte mit aufgemalten Kussmündern. Die Erotik-Shops zeigten schon bald schwarze Masken, die den Harems- oder Verschleierungseffekt unterstützten: Die dunklen Augen der Trägerin sprechen zu uns, die Mimik wird ansonsten nahezu unterdrückt.

Vereinzelt konnte man auch beobachten, wie das Interesse an Klinikerotik zunahm. Schöne Frauen in grünen OP-Masken auf der Straße zu sehen, versetzte manche männliche Masochisten in Entzücken. Aber der Kreis der Männer, die von Klinikerotik und Prostata-Untersuchungen durch „Krankenschwestern“ fasziniert sind, ist begrenzt.

Fantasien rund um Masken und sinnliche Verschleierungen

Wie kommt es nun, dass die Pandemie den Maskenfetisch beflügelt hat? Vermutlich ist es der spielerische Voyeurismus. Wer eine Gesichtsmaske unterhalb der Augen trägt, hat eine ähnliche Wirkung wie jemand, der einen Schleier trägt. Kombiniert mit fester Kleidung, die den Körperformen nicht folgt, ist der Schleier eine Art Fetisch. Und der Voyeur, der gewohnt ist, Frauen mit den Augen abzutasten, entdeckt unter dem Schleier den Mund, und unter der festen Kleidung die Dessous oder die Körperformen.
Eigentlich eine biblische Darstellung - Verschleierung und Nacktheit
Solche Fantasien waren zu Zeiten unserer Urgroßväter in Massen verbreitet. Es war der Orient, der die Fantasie anregte, und mit ihm die Verschleierung und Entschleierung orientalischer Frauen. Einige Maler der damaligen Zeit, sogenannte „Orientalisten“, schufen Bilder von opulenten Harems, in denen Frauen aller Hautfarben ihre sinnlichen Reize darboten, meist unverschleiert, teils aber auch in Verschleierungen.

Je undurchdringlicher die Kleidung, umso mehr bemüht sich der Voyeur

Von Kopf bis Fuß verhüllt: Junge Damen beim Ausgang 1904
Mit der Realität hatte dies alles wenig zu tun, aber die „schwelgerische, fremdländische Erotik“, war in jener Zeit mächtig „en vogue“. Zudem gab es an den heimischen Frauen in der Öffentlichkeit nur selten ein Fetzchen Haut zu sehen. Die jungen Frauen verhüllten sich von der Halskrause bis zu den Zehenspitzen in engen körpernahen Kleidern, die aber die natürliche Erscheinung eher zerstörten als unterstützten.

Erstaunlich dabei ist, dass der männliche Voyeur zu jeder Zeit versucht hat, die formale, feste Kleidung in seiner Fantasie zu durchdringen. Die „strenge Erzieherin“, die es auch zu Zeiten der Ur-Urgroßväter schon gab, posierte keinesfalls in Dessous, sondern in streng konservativer Kleidung oder Fantasieuniformen.

Mit den Augen ausziehen

Echte Voyeure sind unter Frauen unbeliebt, obgleich viele Frauen behaupten, alle Männer seien „mehr oder weniger Voyeure“. Die schlimmsten unter den Männern werden bezichtigt, „Frauen mit den Augen auszuziehen“. Und obgleich Männer nicht wirklich unter die Maske, durch das Kleid oder gar unter die Uniform schauen können, fühlen sich viele Frauen unwohl, wenn der männliche Blick durch ihre Kleidung wandert.

Der gewöhnliche männliche Pseudo-Voyeuer schämt sich nicht

Zum Erstaunen der meisten Frauen schämen sich die „ganz gewöhnlichen Voyeure“ kaum. Eine schöne Frau in der Bewegung zu sehen, scheint einen Impuls in ihnen auszulösen, der auf „Paarung“ ausgerichtet ist - und das reicht auch, um manchen frivolen Gedanken hervorzurufen. Solange er ihnen nicht aus dem Mund fällt, können alle beruhigt sein.

Ignorieren statt ärgern - Passanten vorbeiziehen lassen

Und heute? Offenbar tun sie es heute noch, wenn ein nach ihrer Meinung „schöner“ Körper stark verhüllt an ihnen vorbeirauscht. Ob sie die Frau als Person darin sehen? Vermutlich nicht. Ist das beschämend? Nur, wenn man es so sehen will. Denn was wir, ob Frau oder Mann, in Passanten sehen, wissen diejenigen nicht, die an uns vorbeiziehen. Und oftmals denke ich: glücklicherweise nicht.

Titelbild: Jan-Baptist Huysmans, flämischer Maler, Orientalist, Auszug aus "Im Harem".
Bild "Maskenfetisch" - anonym, aus unserem Archiv.
Bild: "Maske verdeckt die Augen nicht", anonym, aus unserem Archiv.
Bild "Augen über Maske": Werbung für erotische Masken während der Corona-Pandemie.
Bild biblisch: Émile Jean-Horace Vernet (1789-1863), Orientmaler, Ausschnitt.
Bild unten: Modebeilage von 1904.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mehrfach überarbeitet und am 14.07.2021 neu veröffentlicht

Die Woche: Mythen, Wahrheiten und Lüste

Dieser Artikel verdient Feedback, oder etwa nicht?
Kampftage für die Liebe – das scheint mir derzeit plausibler als „Kampftag der Arbeit“. Was wir so alles mit uns herumschleppen – „Tag der Arbeit“, „Christi Himmelfahrt“ aka „Vatertag“, „Frauentag“, „Muttertag“ … ich kann es wirklich nicht mehr hören.

Der Mai ist gekommen ... oder doch noch nicht?

Nachdem das gesagt ist … kommen wir mal zum Mai. Vom Wonnemonat kann wahrlich nicht die Rede sein. Noch stehen wir unter Lockdown und Corona-Furcht, und das Wetter verleitet nicht gerade dazu, auf der Parkbank das Höschen herunterzulassen. Doch weil sich alles ändert, müssen wir von der Zeit nach der Pandemie reden.

Nach der Pandemie - so weiter wie vorher?

Miss Y hat mal nachgelesen, wie Frauen vorgehen wollen, wenn sie wieder in die Welt hinausschwirren können wir die Kolibris. Es gibt immer zwei Möglichkeiten und eine Dritte – mehr desselben, etwas anderes oder lieber gar nichts dergleichen. (Ist ein Leitsatz der Problemlösungstheorie, wirklich).

Beziehungsfrauen, Escort-Frauen und "würdevolle Behandlung"

In den letzten Wochen blasen „die üblichen Verdächtigen“ uns Sätze ins Ohr wie „Dating mit mehr Respekt und Würde“ anzugehen. Ich habe genau hingeschaut - außer Psychologen, Paarberatern und den üblichen Moralaposteln fordern vor allem teure „Escort-Frauen“ an, „respektvoll“ behandelt zu werden.

Die Psyche - immer wieder als Thema beliebt

Die Psyche wird auch immer wieder strapaziert – wir lernen sie als Träger der Freude und des Schmerzes kennen, und zumeist wird sie – nach Sigmund Freud – als eine Art „ewiger Kondensator“ für Gefühle betrachtet. Wie verhält es sich nun aber mit „Körper und Psyche“? Ubi forscht … und weiß nun so viel wie du auch: Bei jedem Menschen verhält sich die „Sache mit Körper und Psyche“ unterschiedlich. Sogar beim Einfluss der sexuellen Aktivitäten nach dem ersten Date.

Nein, Frauen sind keine begeisterten Masochistinnen

Apropos Psyche: Die Lust am Schmerz, häufig Masochismus genannt, ist höchst real und die Wirkung auf die Psyche ist nicht wirklich erforschbar. Stattdessen wird der Mythos gepflegt, Frauen seien von Natur aus devot und würden sich jederzeit dem Masochismus zuneigen. Nein, tun sie nicht. Es ist ein wahrhaftig ein Mythos.

Bleibt beim Date im "Hier und Jetzt"

Von mir gab es einen Tipp: Versuche immer, im Hier und Jetzt zu leben - auch beim Date. Nicht im Dort und Damals und recht wenig im „Irgendwann und Dann“. Zwar willst du mit deiner Verabredung in der Zukunft leben – aber es gibt keine Zukunft ohne Klarheit über die Gegenwart.

Sehpferds Jubiläum, eine Bitte und Humor

Das Gute zuerst: Das „bloggende sehpferd“, mit dem alles begann, ist nun über 20 Jahre alt geworden – Zeit für mehrere Rückblicke. Ich verzichte auf Berichte über all die Neider, aufbrausende Akademiker(innen) und andere böswillige Gestalten, die versucht haben, mir das Wasser abzugraben. Und Hallo – eine Webseite über die Liebe darf nicht dort haltmachen, wo Peinlichkeiten und Schamgefühle die Lippen üblicherweise verschließen.

Zum Humor: Küsse, Pandemien und Wissenschaften – anno 1920. Man küsse einander durch Siebe, sagen angebliche Wissenschaftler – aber der Unterton verrät, dass es nicht ernst gemeint ist.

Ja, da wäre noch etwas. Die größten Expertinnen und Experten für die Lust sind meine Leserinnen und Leser … aber leider verstecken sie sich in ihren Kaninchenlöchern. Könnt ihr das bitte ändern?

In diesem Sinne wünsche ich euch, dass ihr bald den Mai bei linden Lüftchen auf Parkbänken genießen könnt - oder wo sonst eure Liebe erwachen mag.

Über den Mythos vom Mythos des Masochismus

Eine Dame schlägt ihren Liebhaber mit einem Pantoffel
Im April sollte bei der Liebeszeitung eigentlich viel von den „Wechselbädern der Gefühle“ die Rede sein. Die scheiterte daran, dass wir keine „Insider mit Abstand zur Szene“ finden konnten.

Denn während vielen Sektierern der „alterativen“ Lustbewegungen alles „heilig“ ist, was darin vorkommt, muss die Redaktion der „Liebeszeitung“ auf Verhältnismäßigkeit achten. Und das sowohl im Ausdruck wie in der Sache.

Neulich las ich einen lustigen Satz:

Wenn weiblicher Masochismus ein Mythos ist, dann ist der Mythos dazu, dass er nicht existiert.

Genauso so ist es zweifellos mit Frauen und Sadismus, sowie mit Männern und Masochismus wie auch Sadismus. Die „Zahlen“ mögen statistisch ein wenig abweichen, und nicht jede(r) ist ehrlich mit sich selbst. Aber das ist auch alles.

Der Masochismus der reinen Lust

Bei der Art von Masochismus, den wir in der Liebe vorfinden, handelt es sich eigentlich nur um die Bereitschaft, sich dem/der anderen vorbehaltlos hinzugeben und dabei ihre/seine Neigungen erfüllt zu bekommen. Deswegen wird er auch in Szenen oder Rollenspielen ausgelebt und nicht in der Alltagsrealität. Wenn das doch so sein sollte, sind wie auf einem Grenzgebiet angekommen, für das in Spezialmagazinen Platz sein mag, aber nicht hier.

Drei sehr plausible Gründe für angeblichen Masochismus

Wenn wir einmal nur die Lust an Schlägen betrachten, dann bekommen wir drei Antworten, die allgemeingültig sind:

1. Sie können emotional bereichernd sein, weil die Erfahrung der absoluten Hingabe an den Partner so ungewöhnlich ist.
2. Sie regen die entsprechenden Körperpartien direkt und unmittelbar an, bereichern als die sexuelle Erregung.
3. Sie werden als Herausforderung angesehen, ähnlich wie Extremsport. Möglicherweise geht es dabei um die Ausschüttung von Botenstoffen.


Diese Antworten sind durchaus verständlich und klingen auch logisch. Sie haben nicht einmal den Anschein einer „Perversion“ – es sei denn, man würde extremen Leistungssport auch für eine Perversion halten.

Das Heftige und der erotische Roman

Nun ist mir aber bewusst, dass es noch mehr und abweichende Antworten auf die Frage gibt, zum Beispiel die „therapeutischen Schläge“, die eigentlich eher Strafen sind. Dabei ergibt sich nun die Frage, wo die Grenze zwischen Therapien, Strafen und anderen Beweggründen liegt.

Letztlich ist auch die Frage, ob wir Romane aller Art, in denen die Flagellation verherrlicht wird, wirklich ernst nehmen sollten oder sie als „spielerischen Umgang“ mit der Realität ansehen sollten. Und dieser Satz mag für viele Werke aus alter und neuer Zeit gelten, die Frauen und Männer eher dürftige bekleidet im abgedunkelten Raum und einer Leselampe konsumieren. Wohlwissend, dass es sich nicht um die Realität handelt, erregt sie das geschriebene Wort dennoch.

Falls jemand fragt, warum das so ist: Weil die Inhalte erst in Bilder umgesetzt werden müssen, die Bilder in Gefühle und die Gefühle in körperliche Reaktionen.

Weißt DU mehr? Dann schreibe darüber!

Fällt dir etwas ein? Dann sag es!

Und eure Erfahrungen? Schreibt darüber und bringt eure Erfahrungen ein … ich bin sehr gespannt, ob ich davon jemals etwas lesen werde. Wenn du Lust hast, etwas mitzuteilen ... dann mach es hier:

Bild: Anonym, 1906. "Sie saß rittlings auf ihm und mit ihrem Pantoffel ..."

Fünfzig Jahre sexuelle Befreiung

Das Wort "Teenager" und das verwendete Bild - typisch für konservatives Denken
Ein genaues Datum für den Start der sexuellen Befreiungsbewegung steht nicht fest. Wir können sie aber auf die frühen 1970er-Jahre datieren – und deshalb schreibe ich: „Fünfzig Jahre sexuelle Befreiung“. In Deutschland lässt sich die Zeit insoweit gut einkreisen, als 1970 die „rororo sexologie“ erschien.

Befreiungsbewegungen aller Art gegen die konservativen Betonköpfe

Getragen wurde sie von einer globalen Befreiungsbewegung, die die von den USA ausging. Sie entstand aus vielen Einzelbewegungen, die sich alle als „jugendlich“, „progressiv“ und „emanzipatorisch“ verstanden. Dazu gehörte die Schwulenbewegung, die Frauenbewegung sowie der Ruf nach „Freiheit Jetzt“ unter den Afroamerikanern. Ich persönlich kannte viele Menschen in der „Patientenbewegung“, die mehr Aufklärung von Ärzten forderte. Die letzte der Gruppen, die sich zaghaft hervorwagten, waren sogenannte Masochisten, die ihre Befreiung mithilfe der Eulenspiegel-Society erkämpften.

In Deutschland wurde von ultra-konservativen klerikalen und politischen Kräften behauptet, die ganze Bewegung sei eine Folge der sogenannten „1968er-Revolution“. (1) Es war nicht nur eine Fehleinschätzung, sondern diente – und dient weiterhin – der Falschinformation.

Ruhm und Graswurzelarbeit

Die sexuelle Revolution wurde von vielen Namen getragen – solche, die Bücher schrieben und damit berühmt wurden und vielen anderen. Der Grundsatz war für alle gleich: Lieben zu können, wie es einem gefiel. Dazu sagte der Underground-Autor Jim Haynes in „Hello, I Love You!” (2):

Liebe heißt für mich: „Ich respektiere dich, ich mag dich, ich würde gerne meinen Körper, meine Energie, meine Zeit, mein Leben mit dir teilen.
(Jim Haynes in „Hello, I Love You!”)

Probleme mit Gruppen- und Einzelinteressen

Wie in allen Reformbewegungen, so gab es auch in dieser nicht eine einzige Richtung. Die Befreiung von lustvollem Sex aus der Schmuddelecke war zwar das übergeordnete Ziel, aber viele der Beteiligten verfolgten auch Gruppen- und Einzelinteressen. Aus vielerlei Gründen vermeide ich, hier die Namen zu nennen.

Der falsche Guru - aber die richtigen Konzepte

Als problematisch erwies sich von Anfang an, dass man sich auf einen fragwürdigen, aber sehr eingängigen Guru berief: Wilhelm Reich. Jener hatte 1927 „Die Funktion des Orgasmus“ verfasst (3). Das Prinzip, das er dabei angeblich „entdeckt“ hatte, war eher eine Art wissenschaftliche Utopie, denn die Energie, die Reich „nachweisen“ wollte, (Orgon-Energie) existiert nicht. (4) Gleichwohl hat die befreite, sinnliche erfüllte Sexualität einen beachtlichen Einfluss auf das gesamte Wohlbefinden.

Und ... was wurde daraus?

Was waren die Ziele? Und wurden sie erreicht? Was hat sich bewährt, was ist „Mainstream“ geworden? Und wo musste man zurückstecken?

Dies alles will ich im April mit euch diskutieren – sofern ihr zur Diskussion bereit seid. Denn manche kühne Theorie der 1920er und 1970er-Jahre musste später verworfen werden. Und heute wie damals werden Theorien missbraucht, um sich selbst oder ein Gruppenanliegen in den Vordergrund zu rücken. Ob Neurosenschwemme, die Syndrom-Welle, die Psychologisierung des Lebens – das Monster „Sucht nach Ruhm“ findet immer Nahrung. Doch all dies hat nun so gar nichts mit der Freiheit zu tun, nichts mit der Liebe und nichts mit den lustvollen Begierden.

Menschen aller Lebensalter - wie habt ihr diese 50 Jahre erlebt?

Die Protagonisten der Bewegung – egal, auf welcher Seite und für wessen Rechte sie kämpften - sind heute zwischen 70 und 90 Jahre alt – und manche sind inzwischen verstorben. Es wird Zeit, das verbliebene Wissen zu retten.

Doch nicht nur sie sind gefragt. Diejenigen, die auskosten konnte, was „über den Daumen gepeilt“ 1970 begann, waren vor allem die Frauen und Männer, die zwischen 1980 und 1990 ihre Lust ausleben konnten, wie sie wollten. Und doch gab es auch im neuen Jahrtausend Widerstände gegen Menschen, die sich als „anders“ herausstellten.

(1) Die Gleichsetzung von "1968-ern" und der "Sexuellen Revolution" wird selbst in wohlmeinenden Artikeln immer wieder hervorgehoben.
(2) Zitat aus dem gleichnamigen Buch, 1974 (englisch, 1975 (französisch) und 1979 deutsch.
(3) Die "Funktion des Orgasmus" erschien als Reprint des Buches von 1942 in einer Neuauflage (deutsch) 1969 bei K & W.
(4) Die meist verwendete Formulierung "fand keine Anerkennung" ist eine höfliche Umschreibung dafür, dass sie niemals bewiesen werden konnte.

Bild: Archiv "Museum für Verhütung"

Die Woche: Fort mit den Ideologien - allein die Liebe zählt

Viele Menschen sagen mir, die Gesellschaft sei schon gespalten. Mal sind es Arme und Reiche, mal Deutsche und Ausländer, dann wieder „CIS-Menschen“ und „Queer-Menschen“ - und besonders häufig Frauen und Männer, die angeblich unvereinbar sind.

Die Spaltung der Gesellschaft verhindern

In Wahrheit sitzen hinter diesen Meinungen ideologie-getrieben Spalter, die Gräben aufreißen und aufbaggern. Und am Ende rühmen sie sich noch, etwas Gutes für die Menschheit getan zu haben. Es sind keinesfalls ausschließlich „Dummbacken“, die so reden, sondern auch angebliche Eliten. Es wird Zeit, dass wir ihnen sagen: Ihr seid nicht die Herrscher(innen) unseres Landes. Wir wissen sehr gut selbst, was zu tun ist. Wenn ihr sie seht, wie die angeblichen „Eliten“ graben, unterwandern, ausschachten und aushöhlen: Grabt ihnen das Wasser ab.

Frauentag der Geschwätzigkeit?

Nachdem dies gesagt ist und der Frauentag mit den damit verbundenen lachhaften Stellungnahmen nun endlich vorbei ist, gehe ich mal wieder zur Tagesordnung über: Liebe, Lust und Leidenschaft sind unsere Themen.

Verführungen sind das Salz in der Suppe der Lust

Ich kämpfe seit Jahren dafür, dass etwas mit den richtigen Worten bekannt wird und dass wir uns nicht auf „Neusprech“ einlassen. Zum Beispiel „Verführungen“. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwelche Spinner das Wort abwerten. Einmal, weil sie damit „sexuelle Übergriffe“ meinen, andererseits, weil sie immer noch glauben, es sei eine Sünde. Deshalb also der Artikel über Verführungen. Sie sind das Salz in der Suppe der Lust.

Erotische Tagebücher? Ja, warum nicht?

Wenn ihr ein reichhaltiges Liebesleben haben solltet: Führt ein erotisches Tagebuch. Ob ihr es posthum veröffentlichen lasst oder dann, wenn euch niemand mehr am Zeug flicken kann, ist egal. Es ist ein Zeitzeugnis. Und selbst, wenn du es niemals veröffentlichst - dann ist es eben eine tolle Erinnerung.

Die Sinnlichkeit des geröteten Hinterns

Reden wir zu viel über Masochisten? Möglich. Es kann aber auch sein, dass viele der sogenannten Masochisten gar keine sind, sondern nur Liebhaber eines stark geröteten Hinterns. Es steht uns nicht an, zu beurteilen, was sinnlicher ist - Sex oder Schläge auf den Po. Oder vielleicht beides in Folge?

im Vereinigten Königreich schwelgen die Herren offenbar nach wie vor in Erinnerungen an die Zeit der Internate, und die dort vollzogene Körperstrafen. Jedenfalls hörten wir von einer bloggenden Serva, sie sei „für 121 Tage“ ausgebucht. (Nein, dahin gibt es keinen Link)

Mehr Dates? nein - sinnvollere Dates

Von der Wollust zu den Fakten: Alle Singles lechzen nach Verabredungen. Aber sogenannte „Dates“ alleine nützen nichts - das wissen viele von euch aus bitterer Erfahrung. Also wäre es an der Zeit, etwas anders zu machen. Wir sagen, dass es möglich ist - und wie es gehen könnte.

Hinzugefügt und weggenommen

Ich freue mich immer, wenn ein neues Erotik-Unternehmen am Markt ist. Diesmal ist es der neu erstandene Beate-Uhse-Versandhandel. Good Luck.

Diese Woche habe ich einen etwas einseitigen Link von der Seitenspalte entfernt, und auch der Link zu einem (anderen) Erotik-Versandhaus fehlt. Beide hatten - aus unterschiedlichen Gründen - keinen Sinn mehr.

Ich lade euch zur Zusammenarbeit ein

Ja - und nun ... zu euch. Die Redaktion will ja nicht gerade auf Knien betteln ... aber etwas mehr Resonanz hätte ich mir von euch da draußen schon gewünscht. Ich biete nicht jeden Tag Kooperationen an.

Und übrigens: Ich betreibe die Liebeszeitung nicht, um Kohle zu scheffeln.

in diesem Sinne ein schönes, entspanntes Wochenende für euch. Und denkt einmal über erotische Tagebücher nach.