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Nur sechs mögliche Plots? Und wie geht das auf „erotisch“?

Im Bett mit dem Prinzen - Aufstieg oder Fall?
Wissenschaftler der Universität von Vermont haben untersucht, wie viele Basis-Plots, also grundlegende Handlungsabläufe, in Romanen und Erzählungen möglich sind. Die Überraschung - sie kamen auf genau sechs, die ich ich hier einmal auf Deutsch darstelle:

Zielerfüllung: aus der Misere zu Wohlstand und Ansehen.
Zielversagen: aus einer guten Ausgangslage in die Misere.
Ikarus: Hoch hinaus wollen und dabei abstürzen.
Ödipus: aus dem Tief auf die Höhen, dann ein neues Tief.
Aschenbrödel: Aufsteigen, wieder absteigen und erneut aufsteigen.
Gefangen: Tief fallen (oder am Boden sein), dann mühevoll aufsteigen.

Fragen Sie sich auch, wie das „erotisch“ gehen soll? Dann folgen Sie mir in meinen Betrachtungen.

Erotische Märchen aller Art arbeiten mit Aufstiegs-Plots

Das erotische Märchen, gleich welcher Art, folgt meist dem Prinzip, aus einer misslichen Lage herauszukommen und mit einem gewissen Anstand, aber durchaus auch durch Schönheit und erotischer Kunst Fertigkeiten in die besten Kreise der Gesellschaft aufzusteigen. Die Aschenbrödel-Variante ist ähnlich gestaltet, nur ist der Aufstieg nicht linear. Jeder Romantik- und Kitschautor hat diese Varianten schon verwendet. Relativ typisch für diese Märchen: Die Heldin erreicht ihre Ziele nicht aus eigener Kraft, sondern sie benötigt Hilfe aller Art – von Magie bis zu ritterlichen Herren und fürsorglichen Damen, die sie fördern. Insofern besteht kaum ein Unterschied zwischen dem Zielerfüllungs-Plot und dem Aschenbrödel-Plot. In der Theorie gibt es zwar beim Cinderella-Plot eine Hürde mehr, in der Praxis muss aber auch bei der „Zielerfüllung“ der eine oder andere Rückschlag eingeplant werden, damit Ihr Roman nicht in Zuckerlösung ertrinkt.

Die erotische Misere – Abstieg in die Gosse

Aus einer ursprünglich guten Ausgangslage in die Gosse abzugleiten, ist sicher ein Extrem – doch der Abstieg von der offenherzigen Frau zur verachteten Schlampe kann sehr schnell gehen – durchaus auch in der Realität. Ein jäher Abstieg ist ungewöhnlich und auch literarisch schwer zu realisieren, aber ein stufenweiser Abstieg hat durchaus das Potenzial zum lesenswerten Roman. Ihre Leserinnen hoffen bis zum Schluss auf einen Glückswandel, der zum „Happy End“ führen könnte – aber wenn Sie konsequent sein wollen, muss am Ende die Misere stehen.

Die Ikarine – der schreckliche Fall nach dem ungeheuren Aufstieg

Das Milieu solcher Romane ist stets gleich: die Glimmer- und Gloria-Welt des Sternchenrummels. Es ist nahezu jeden Tag irgendwo im Fernsehen zu besichtigen. Und die Klatschspalten verfolgen genüsslich Aufstieg und Fall der psychisch labilen Frauen, die schnell aufsteigen wollen und die irgendwann mit Getöse auf die Schnauze fallen. Romane dieser Art können sehr unterhaltsam sein und Sie könne beliebig viele erotische Szenen einbauen, auch äußert erniedrigende. Die Leserinnen? Oh, oh … sie mögen nicht sonderlich, wenn Ihre Figur am Ende am Boden liegt, alkohol- oder drogenabhängig ist und sich jedem Kerl hingibt, der ihre eine neue, falsche Versprechung macht.

Die Ödipussine - aus der Höhe in die Tiefe ohne Happy End

Anders als die weibliche Figur, die dem Ikarus nachgebildet ist, handelt und lebt die Frau, die dem Ödipus nachgebildet wurde, eine Weile in Saus und Braus, also auch sexuellem Genuss, weil sie nach ihrer Meinung dazu bestimmt ist. Doch ihr Leben ist von einer bitteren, noch geheimen Wahrheit, einer Krankheit oder einem psychischen Leid überschattet. Als sie dies erkennt, verzichtet sie auf alles und lebt ein bescheidenes Leben. Romane dieser Art können ebenso erotisch wie auch moralisch sein – und der moralische Ansatz gegen Schluss gibt Ihnen die Rechfertigung für ekstatische Sex-Szenen.

Gefangen sein und sich mühevoll selbst befreien

Der letzte Plot dieser sechs erotischen Handlungsabläufe ist zugleich der mondernste. Ihre Figur befindet sich dabei zu Anfang in einer schwierigen Lage, aber keiner typischen Misere. Das heißt: Sie weiß, dass sie Türen zu ihrer Psyche und ihrem Körper öffnen muss, dass sie aber nicht ohne einen inneren Kampf abgeht. Dieser emanzipatorische Ansatz ist neu, ziemlich unromantisch, und nicht nur erotisch, sondern auch ganz konkret sexuell. Man kann sagen: Sie versucht, Selbstbewusstsein zu erlangen und sich nicht mit den Verhältnissen abzufinden, die sie zu Anfang vorfindet. Die Leserinnen? Sie werden diesen Ansatz goutieren, wenn sie jung oder noch auf der Suche sind.

Bild: Teilansicht einer Illustration von Becat.

Wer liest (denn schon) erotische Literatur?

Erotik - manchmal als Eheliteratur getarnt
Eine der interessantesten Fragen zu Romanen, Novellen und Kurzgeschichten besteht darin, warum es sie überhaupt gibt. Wenn man einmal alle historischen, sozialen und kulturellen Aspekte weglässt, dann ist es die Neugierde auf das Leben anderer, aber auch auf das, was andere Menschen stellvertretend erlebt oder erdacht haben.

Die Schilderung der sexuellen Lust - Stiefkind der Literatur

Literatur kann dreierlei: reduzieren, schildern oder überhöhen. Die erotische Literatur wäre eine Meisterin darin, mehr noch als jede andere Literaturgattung – aber der Konjunktiv ist berechtigt, denn sie ist es nicht. Sie leidet vielmehr unter ihren vielen Dilettanten, die nicht in der Lage sind, alle Aspekte des erotischen Handelns und Fühlens zu schildern. Ja, sie zwingt sogar bekannte Schriftsteller zu einer Verflachung und Verfälschung des Ausdrucks, sobald von Sexualität die Rede ist.

Vorauseilende Furcht vor der Zensur

Zudem muss der Schriftsteller die Zensur fürchten, wenn er die Vorgänge realistisch aus der Sicht des Voyeurs oder gar des Betroffenen schildert. In der Erotik ist nichts so brutal und ehrlich wie die Wahrheit, und sie schreckt bisweilen ab. Tendenzen, wie etwa die Bigotterie, die Wohlanständigkeit, das Gutmenschentum oder der Feminismus, wirken mit, um Schriftsteller(innen) in die Ecke der „Schmutzfinken“ und „Menschenverächter“ zu stellen.

Erotik - schlecht weil sie erregend ist?

Erotische Literatur wir – daran kann kein Zweifel bestehen – einerseits zur Information, andererseits zur Erregung geschrieben. Wir vergessen oft, dass insbesondere junge Leute, neugierige Menschen mittleren Alters und solche, die ihre Lust bereichern wollen, tatsächlich an authentischen oder quasi-authentischen Informationen interessiert sind. Das heißt, sie wollen genau wissen, wie sich Menschen in ungewöhnlichen erotischen Situationen fühlen, vom ersten Eindringen eines Penis in die Vagina bis zur Fesselung an ein Andreaskreuz. Frauen wollen wissen, mit welchen Mitteln Verführerinnen arbeiten, Männer suchen nach Möglichkeiten, Frauen ins Bett zu bekommen und Grenzgänger(innen) suchen nach Informationen über die Lust am anderen Ufer.

Nahezu jeder Autor versteht sich darauf, Erotik zu reduzieren, und eine beträchtliche Anzahl von Schundschreiber (inne)n und Autoren (Autorinnen) mit Millionenauflagen tut nichts anderes als dies. Nur eine Minderheit schreibt realistisch, inklusive Verletzungen und Grenzüberschreitungen, und ebenfalls sehr wenige überhöhen die Lust, wie es einst Salomon tat.

Was wir nicht lesen - die realistische Schilderung der Lust

Überzeugende Sprache? Handwerkliches Können? Eine realistische, teils sinnliche, teils brutale Darstellung dessen, was in Körper, Geist und Psyche beim Sex abläuft? Nein, das lesen wir nur selten.

Dabei wäre es durchaus eine literarische Aufgabe. Wenn es wahr ist, dass Schriftsteller Welten vermitteln wollen, dann sollten sie das, was im Kosmos der Lust geschieht, so intensiv und realistisch schildern, wie es sich tatsächlich darstellt.

Gefühle beschreiben, um sie nachvollziehbar zu machen?

Wer erotische Literatur liest – gleich, ob aus dem 19. Jahrhundert oder dem 21. Jahrhundert - findet dergleichen nur selten. Nähe zu den geschilderten Personen ist dabei so wichtig wie der nötige Abstand zu ihnen. Ein junger Mann kann die Gefühle während seines ersten vollständigen Geschlechtsakt noch gar nicht schildern – er bracht Abstand und das Vermögen, sich später noch einmal gedanklich und emotional auf den Prozess einzulassen. Ebenso vermessen ist es, nur „Betroffene“ zu Wort kommen zu lassen, wenn es um homoerotische Begegnungen, Partnertausch oder SM-Aktivitäten geht. Immer und überall ist nötig, sich in die Person einzufühlen und somit eine Vorstellungskraft für fremde Gefühle zu entwickeln. Denn nur, wer selbst Gefühle „nachempfinden“ kann und über sprachliche Macht verfügt, kann sie auch vermitteln.

Nun gut – fast schon zu viel gesagt. Wer lüstet und dabei lernen will, sollte ja keine Pornografie sehen, sondern lesen. Fragt sich nur: was denn eigentlich?

Dieser Artikel erscheint auch in "Mehrhaut"

Wenn FACEBOOK ins Dating-Geschäft einsteigt

Im Online-Dating Geschäft geht es – egal wie und egal wo – auf Biegen oder Brechen nur noch darum, schnell seine Schäfchen ins Trockene zu bringen – das heißt, ordentlich abzusahnen, solange es noch möglich ist.

Das war auch schon so, bevor Herr Zuckerberg ankündigte, demnächst ins Geschäft mit dem Online-Dating einzusteigen. Die Branche war schon eine ganze Weile nervös, sie ist jetzt extrem nervös und sie wird auch in Zukunft nervös bleiben.

Doch etwas ist auch klar: Online-Dating in der bisherigen Form hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Der Erfolg von TINDER war (und ist) nicht alleine auf das Bedürfnis nach Liebe und Sex zurückzuführen, sondern auch darauf, dass Partnersuche als Spiel ausgeführt werden kann: „Mal gucken, wie attraktiv ich bin.“

Was FACEBOOK beim Online-Dating eigentlich will (oder leisten kann) ist noch längst nicht klar. Bisher gibt es kein neues Geschäftsmodell für Online-Dating und keine neuen Verfahren, um Menschen zusammenzubringen. Das Einzige, was lockt, ist das Geld, das sich aus Partnersuchenden heraussaugen lässt.

Lesen Sie, was das Manager-Magazin zum gesamten Thema weiß. Im Wirtschaftsteil dieser Welt ist „Online-Dating“ inzwischen besser aufgehoben als irgendwo sonst. Denn es geht längst nicht mehr um den erfolgreichsten Weg der Partnersuche. Es geht nur noch um den Gewinn – oder um den Verlust.

Wie gefährlich ist eigentlich die Liebe?

Gefahr durch die Liebe im Altertum: die Sirenen
Im Rahmen meiner schriftstellerischen Tätigkeit beschäftige ich mich gelegentlich mit der Frage: Wie gefährlich sind eigentlich Abweichungen von der „stinknormalen Liebe“? Drauf gibt es tatsächlich Antworten, die ich größtenteils im Rahmen der ehrenamtlichen Selbsthilfe-Beratung erlernt habe.

Und da ist es auch wirklich einfach: Wenn Sie abhängig von einem Stoff oder einem Verhalten werden, erkennen Sie dies daran, dass diese Sucht immer mehr ihre Gedanken bewegt, und dass Sie darüber andere, teils lebenswichtige Tätigkeiten oder Emotionen vernachlässigen.

Liebe und sexuelle Abweichungen - was ist Lust, was Sucht?

Diese Sätze kann man auch auf die sogenannte Paraphilie anwenden, muss aber dabei berücksichtigen, dass es leider vereinzelt „Partner“ gibt, die erotische Abweichungen und sexuelle Besonderheiten zum eigenen Vorteil ausnutzen. Das heißt: Jemand anders versucht, den an sich schon süchtig lüsternen Menschen aus niederen Motiven noch weiter in die Abhängigkeit hineinstoßen.

Das Kennzeichen einer Lust (im Gegensatz zur Sucht) ist, nach Belieben darin eintauchen und wieder auftauchen zu können. Bei den weitaus meisten Menschen funktioniert die Barriere zwischen Lust und Sucht problemlos, während ein kleiner Teil gefährdet ist.

Und wie passt das alles auf die Liebe?

Das Verliebtsein ist ein Ausnahmezustand. Wir tun Dinge, die wir zuvor nicht für möglich gehalten haben, und dies nicht nur emotional oder sexuell, sondern durchaus in jeder Hinsicht. In den Augen mancher Menschen ist sicherlich meschugge, wer jeden zweiten Freitag in ein Flugzeug nach Budapest steigt, um am Sonntagabend zurückzufliegen. In den Augen anderer ist sicherlich eine Frau meschugge, die plötzlich schicke Dessous trägt, was sie noch kurz zuvor ablehnte.

Aber all dies ist keine Sucht und keine Abhängigkeit, und es ist absolut ungefährlich. Indessen hat die „Liebe“ aber durchaus das Potenzial, „verrückt zu machen“. Ich denke, fast jeder hat diesen Zustand schon einmal erlebt. Klar sind Verliebte ver-rückt, und das müssen sie auch sein, denn sie sollen sich ja wandeln. Und doch gilt, dass sie selten „Meschugge“ werden, das heißt, dass sie wissen, wer sie sind und was sie vom Leben wollen. Sie stellen sich also nicht völlig neu auf, weil es der andere so will, sondern weil sie Vergnügen daran haben, diese Herausforderungen einzugehen.

Die Natur hat einen kleinen Fehler gemacht

Die Natur hat bei der Liebe allerdings einen kleinen Fehler eingebaut: Die Drogen, die der Körper berechtigterweise bei Verliebten produziert, nützen den meisten Menschen, aber einigen schaden sie auch. Aus völlig ungeklärten Gründen verändern sich manche Personen dauerhaft, das heißt, sie werden unfähig, in eine gewisse Normalität zurückzufallen.

Die gute Nachricht: Vielen gelingt es auch, sich wieder „zu fangen“ – ohne Hilfe von außen, mit Hilfe von Gruppen oder von Therapeuten. Das gelingt aber nur, wenn sie niemand in ihrer Sucht gefangen hält und mit ihren Emotionen spielt.

Liebe kann ein Risiko sein - aber sie ist auch eine Chance

Ist die Liebe also gefährlich? Nein, normalerweise nicht. Wir spüren unsere Natur, wenn wir uns verlieben, und dies verwirrt besonders Menschen, die gar nicht mehr wissen, dass sie naturhafte Wesen sind. Und: Die Veränderungen, die das Verliebtsein mit sich bringt, dürfen wir durchaus als Chancen sehen und nicht als Risiken.

Bild: "The Five Sirens" - Evelyn de Morgan

Warum die unperfekte Frau perfekt ist

Da geht sie die Straße lang, die unperfekte Frau. Sie hat keine Frauenzeitschrift abonniert. Das ist schon mal ganz wichtig. Denn dann ist sie nicht ständig unsicher über das, was sie tut. „Soll ich Dates eingehen oder lieber nicht?“ „Was darf ich das sagen, und was sag ich lieber nicht?“ „Muss ich vorher zum Friseur oder zu Kosmetikerin?“ Sie geht einfach die Straße entlang. Sie hat gehen gelernt, aufrecht und selbstbewusst.

Sie kennt das Wort „Selbstoptimierung“ nicht. War nie bei einer Stilberatung, nicht einmal auf einen Make-up-Kurs. Manchmal kauft sie Klamotten im Second Hand, manchmal im Warenhaus und dann und wann im ersten Haus am Platze. Aber sie geht weder in ein Fitness- noch in ein Beauty-Studio, macht kein Yoga und kein Tai-Chi. Sie isst, was sie mag, auch wenn es schrecklich ungesund ist, und sie trinkt, was ihr schmeckt.

Sie lacht darüber, was Frauen tun oder lassen sollten, was sie denken dürfen und was nicht. Sie meint aber von sich, sie sei feminin und sie wisse besser als andere, was ihr gut täte. Zum Beispiel, wann sie Lust auf Sex hat. Dafür hat sie Strategien. Sie holt sich, was ihr gut tut, wenn es gibt, was sie mag. Wenn nicht, sucht sie ein bisschen – sie weiß, wo sie hingehen muss. Und wenn es mal nicht klappt, hat sie ihre kleine Sammlung von Instrumenten – nicht ganz dasselbe, aber dafür ziemlich zuverlässig.

Sie besitzt schöne Augen, kann hübsch lächeln und hat eine unwiderstehliche Stimme. „Mein Kapital“, sagt sie, manchmal, „kleiner Einsatz – große Wirkung.“

Sie ist in jeder Hinsicht unperfekt. Und sie findet das perfekt. Vermutlich gehört sie zu den bedrohten Arten. Oder doch nicht?