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Frauen gebrauchen – der ewige Männertraum?

mann und weib - 1890 und 2010?


„Wir verbrauchen viele Frauen und tun Leute beklauen“ – das war sozusagen das Motto, auf dem „Rollo der Wikinger“ segelte. Frauen gebrauchen, Frauen verbrauchen, Frauen benutzen … man könnte diese Liste beliebig fortsetzen. Männer wollten Frauen in Regale einordnen, sie dort bewundern, herausnehmen und konsumieren. Die patriarchalische Gesellschaft konnte beschließen, mit ihnen zu tun, was sie wollte: Mal wurden sie an reiche Freier verschachert, mal musste der Vater jede Menge Kohle auf den Tisch legen, um sie loszuwerden. Mal müssen sie ganze Familien ernähren, mal müssen sie zu Hause bleiben und dürfen nicht arbeiten. Die Definitionsmacht der Männer darüber, was eine Frau ist, wie viel Wert sie hat und wozu die Natur sie vorgesehen hat, bestimmte über Jahrtausende ihre Rolle – von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.


Auch heute noch versuchen Männer, das Rad der Geschichte zurückzudrehen: Gerade schrieb ein Autor, die „Art der Arbeitsaufteilung“ in der Ehe ergäbe sich „unmittelbar aus den unterschiedlichen Körperfunktionen der beiden Geschlechter“. Demnach seien Frauen für die „Fortpflanzungsarbeiten optimiert“, während der männliche Körper für produktive Tätigkeiten optimiert sei.

Das habe ich schon einmal gelesen – und zwar in einem Buch aus dem Jahre 1890 – und damit wird auch wohl klar, woher der Autor schöpft: aus dem Quellen des verlogen Bürgertums der 1900er Jahrhundertwende. Ein gewisser „Dr jur. et phil. Friedrich Jahn zu Düsseldorf schreibt, „das weibliche Geschlecht“ könne nun seine ganze Kraft auf das „Natürliches, durch die Konstitution und die Aufgaben der Mutterschaft im zugewiesenen Arbeitsgebiet“ verwenden. Einige Zeilen später wird vom „Natürlichen Beruf, dem Eheberuf und Mutterberuf“ geschrieben.

Schon damals wehrte sich das Bürgertum übrigens gegen alle Tendenzen der weiblichen Selbstständigkeit: Zwar äußerte der Autor Verständnis dafür, dass auch Mädchen nach besserer Bildung, nach Sicherung der Zukunft und nach eigenem Erwerb strebten, aber:

"… das Wohl des Allgemeinen ist volkswirtschaftlich mehr wert als die Tätigkeit selbst der tüchtigsten Ärztin, der besten Lehrerin, Buchhalterin oder Verkäuferin“.


Offenbar hat sich also bei manchen Männern nicht viel geändert an der Argumentation von vor über 100 Jahren.

Warum könnte dies so sein? Ich denke, es ist der ewige Männertraum, den Stiefel auf Körper, Geist und Seele der Frau zu setzen. Solange die Frauen brav in dem Gehege herumtrabten, in denen die Männer ihre Freiräume bestimmten, was alles gut – als sie sich diese Freiräume dann allerdings selber schufen, reagierten sie allergisch – und zwar durchaus bis in die 1950er Jahre hinein, ja, wie man sieht, sogar bis weit ins neue Jahrtausend.

Was wir heute als „Frauenemanzipation“ bezeichnen, ist nicht die Befreiung aus den Fesseln des Patriarchats und auch kein „Individualisierungsprozess“. Es ist vielmehr der Versuch der Frauen, in Selbstbestimmung, Freiheit und Würde dem Manne ebenbürtig zu sein und dabei doch immer „ganz Frau“ zu bleiben. Das bedeutet für beide Partner, sich auch in Liebe, Sex und Partnerschaft auf ein neues Spiel einzulassen: Man kann sich nicht mehr mit einer Frau treffen, um sie in dieser oder jener Weise zu „benutzen“. Frauen zeigen Männern immer mehr, wer denn die Wahl hat: Unter 40 in jedem Fall die Frau, erst über 40 kommen Männer wieder zum Zuge. Männer unter vierzig müssten eigentlich nichts anders tun, als zu lernen, auf Augenhöhe mit Frauen zu kommunizieren und dabei „ganz Mann“ zu bleiben mehr nicht.

Es könnte sein, dass manche Männer sauer sind: Weil sie jetzt eine Frau als vorgesetzten Abteilungsleiter haben, weil die Frauen nicht mehr auf plumpe Anmachversuche reagieren oder weil sie allein bleiben, wenn sie nichts als Saufen und Fußball im Kopf haben. Es könnte allerdings auch sein, dass diese Männer ihren Zorn herausbringen, weil sie Frauen zuvor als verfügbare Subjekte für ihren Machtraum angesehen habe: Frauen lassen sie nun einmal nicht mehr vorschreiben, für welche Verwendung sie geeignet sind und für welche nicht. Man kann es auch so ausdrücken: Der Männertraum, Frauen zu gebrauchen, wie es ihnen gerade gefällt, ist ausgeträumt.

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