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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Wie viel Wahrheit steckt in erotischen Geschichten?

Teilhaben an den Lüsten anderer
Ich habe gewisse Zweifel, dass jemand erotische Geschichten lesen würde, die unzweifelhaft wahr sind. Und ich weiß, dass kaum eine professionelle Autorin oder ein professioneller Autor über ein so reichhaltiges, differenzierte und stets positives Sexualleben verfügt, dass alle Geschichten wahr sein können.

Ob etwas „wahr“ ist oder „glaubwürdig“ ist ein großer Unterschied. Die meisten Menschen versuchen, glaubwürdige erotische Schilderungen in ihre Werke einzubringen. Erstaunlicherweise ist die aber nicht nötig – denn die wildesten Werke der Weltliteratur wie auch der moderne erotische Bestseller „Shades of Gray“ sind weder glaubwürdig noch nachvollziehbar.

Was machen sie dann mit uns? Sie sprechen Instinkte, Begierden und Wünsche in uns an, die wir üblicherweise unterdrücken. Aber wie andere damit umgehen, das würden wir als Leser(innen) eben doch gerne wissen, weil wir heimlich davon träumen. Und genau aus diesem Grund trennen auch Autorinnen und Autoren einen Teil ihre eigenen geheimen Wünsche ab, um ihre Figuren als Stellvertreter vorzuschicken.

Wir schreiben nicht über uns, auch wenn dies viele glauben

Ich habe gelesen, dass wir uns, bevor wir Erotik schreiben, in uns gehen sollten, was sich so liest:

Wir dürfen niemals außer Acht lassen, dass der sexuelle Tenor der Zeit, des Ortes und der Familie, in der wir aufgewachsen sind, unauslöschlich mit unserer Psyche verbunden sind.

Das mag richtig sein, aber es ist kein gutes Konzept. Erotisches Schreiben bedingt zwar, dass wir unser „Selbst“ ein wenig kennengelernt haben. Aber wir schreiben nicht über unser „Selbst“, sondern über einen dünnen Faden, der möglicherweise auch dazu gehört, der aber erst einmal isoliert werden muss, um zu voller Blüte zu kommen.

Das eigene Erleben - meist ungeeignet für Erotik-Geschichten

Mithin schreiben Autorinnen und Autoren ihre erotischen Geschichten nicht nach dem Muster des eigenen, vergangenen Erlebens. Eine Figur muss in die Zeit passen, in die sie gestellt wurde, an den Ort, an dem sie agiert. Und dazu wird sie mit Eigenschaften, Fähigkeiten und Gefühlen ausgestattet, über die sie im Rahmen ihrer sexuellen Wünsche verfügen muss. Und - die Figur darf sie sogar weiterentwickeln, und das überrascht bisweilen sogar ihre Schöpferin.

Dies bringt mich dazu, einer gerade populären Behauptung entgegenzutreten, dies ich ungefähr so liest (Zitat einer Bloggerin):

Wenn du als Cis-Frau schreibst, aber eigentlich ein heterosexueller Cis-Mann bist, dann projizierst du deine eigenen Fantasien über Frauen in deine Figur. In Wirklichkeit sind Frauen (aber) keine eindimensionalen Charaktere, die genau zu deinen Fantasien passen, (sondern) vielseitige Menschen mit (eigenen) Gedanken, Überzeugungen und Wünschen, die oft überraschend sind.

Frauen sind in der Tat vielseitige Menschen – und erstaunlicherweise sind Männer ebenso vielseitig und überraschend. Der Effekt erotischer Geschichten besteht ja gerade darin, dass die Handlung nicht „voraussehbar“ verläuft, sondern Überraschungsmomente enthält. Und schon deshalb versuchen Autorinnen wie auch Autoren, genau diese Momente herauszuarbeiten – bei Frauen und Männern, sogenannten „Heterosexuellen“ und allen anderen Ausrichtungen.

Hinweise: Dieser Artikel wurde hier veröffentlicht, weil wir glauben, dass erotische Literatur für euch interessant sein könnte. Das Zitat der Bloggerin würde auf eine Seite hinweisen, auf die wir nicht verlinken können und wollen. Das andere Zitat entstammt dem Standardwerk "Erotik Schreiben" von Elisabeth Benedict.

Die Woche: die Sinnlichkeit des Hinterns und die Lust an der Unterwerfung

Der Monat August war für mich turbulent – und dies, obgleich ich „eigentlich“ in Urlaub fahren wollte. Den habe ich dann Tag um Tag verschoben und bin am Ende tatsächlich auf einer Insel gelandet, auf der die Luft deutlich besser ist und auf der man keine Masken tragen muss.

Und nun?

Mehr lustvolle Sinnlichkeit

Nun geht es weiter wie gewohnt – na, nicht ganz wie gewohnt. Denn die Liebeszeitung wird sich in Zukunft mehr der Liebe widmen: Das, was sie ist – und das, was viele von euch dafür halten. Schon immer waren wir hart an den Schnittstellen zwischen Pornografie und Erotik, Erotik und Sinnlichkeit, Sinnlichkeit und emotionaler Erregung. Nennt es, wie ihr wollt – ich gebe die Namen nicht vor.

Weniger „Dating-Quatsch“

Ich habe schon oft geschrieben: Mehr als 90 Prozent von dem, was ihr von sogenannten „Fachleuten“, Autorinnen/Autoren Journalisten jeglicher Art und von Betroffenen hört, ist in der Substanz Unsinn. Das liegt schlicht und einfach daran, dass Du entweder dein eigener Experte bist – oder keine Ahnung hast, was du wirklich willst. Das ist definitiv alles.

Nachdem dies gesagt und geschrieben wurde, will ich kurz auf die Beiträge der vergangenen Wochen eingehen. Sie zeigen zweierlei: erstens den Konflikt zwischen einem moderaten Standpunkt und dem Versuch, die Lüste deutlich und möglichst plastisch zu beschreiben.

Neue Quellen und Inspirationen

Zudem habe ich einige Quellen abgewählt, denn seit sich immer mehr schreibende Amateure als typische Wiederkäuer erweisen, sind auch Bloggergemeinschaften kaum noch erträglich. Ehrliche erotische Gefühle gegen durch die Haut, erzeugen heftige Emotionen aller Art und beinhalten Ekstase, Schmerz, Schweiß, Speichel und Sperma. Doch was steht am Anfang? Ein Hauch, ein Duft, ein Augenaufschlag, eine sanfte Berührung, etwas intimer als es üblich ist. Lasst uns darüber reden.

Wenn sich der Mann unterwirft …

Die pornografische Literatur und deren „bewegte Bilder“ sind voll von Frauen, die sich Männer unterwerfen. Wer sie gelesen oder gesehen hat, muss zu der Meinung kommen, Männer seien brutal, sadistisch oder bestenfalls krankhaft dominante Machos. Die gegenteilige Situation kommt kaum vor – und wenn, dann sind die Schilderungen noch brutaler. Dann erscheint die unerbittliche Herrin, die den Mann bis aufs Blut quält – auch keine hübsche Vorstellung für die meisten von uns. Die Realität ist deutlich einfacher: Für viele Männer ist es ausgesprochen verlockend, sich Frauen zu unterwerfen, weil sie dann nur eine Regel befolgen müssen: sinnliches Erdulden möglicherweise andere Emotionen. Aber in jedem Fall: Als unterwürfiger Mann musst du dir nicht überlegen, was gut, richtig oder gerade angebracht ist.

Den Po nahebringen

Im Stil hat sich auch bei uns etwas geändert: Isidora, die Vielseitige, versucht, uns den „Po“ verbal nahezubringen. Ihre These: Wenn du den Po nur zum Sitzen benutzt, entgeht dir die Lust daran.

Fluide Sexualität und Irrtümer

Ein kleiner Aufreger war unser Artikel darüber, was Homosexualität im Gegensatz zu fluider Sexualität ist. Um es klar zu sagen: Wer von fluider Sexualität redet, sollte wissen, wovon er eigentlich spricht. Nämlich vom Wechsel sexueller Präferenzen in Eigenverantwortung. Es bedeutet nicht, das Ufer zu wechseln und die Brücken hinter sich zu sprengen.

Unser alter Freund Gramse hat virtuell auf St. Pauli geschnüffelt und dort entdeckt, wie ein Mann sicher und effektiv Mund und Nase bedecken kann. Zur Satire wird es demnächst eine Sachinformation geben, in der wir die Tatsachen aufdröseln. So viel schon mal vorab: Bei dieser Form von Lust ist eine Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich.

Ich wünsche euch allen, dass ihr gesund und fröhlich seid und alles tut, was möglich ist und euch zugleich glücklich macht. Und zunächst mal – ein schickes Wochenende.

Hey du, ich bieg mal den Rohrstock - die Domina in der Werbung

Stilisierte Domina in einer typischen Fotografierpose
Besuchst du ab und an eine Domina?

Natürlich nicht – welcher „anständige“ Herr oder welche sanftmütige Dame würde es tun? Dann weißt du auch nicht, wie sie aussieht, nicht wahr? Falls du vermutest, dass sie in Spitzen-BH und passendem Höschen auftritt, hast du zu viel Pornos gesehen.

Nun ist es aber so: Männer, also der (der Hauptteil ihrer Kunden) sind ja nun mal Voyeure, und wenn sie sich so eine Dame vorstellen, dann denken sie manchmal auch an Haut. Oder an Dessous. Und manchmal denken sie an die Wonne, sich „übers Knie legen“ zu lassen. Rein praktisch gesehen ist die einzige Züchtigung mit Körperkontakt. Sie ist vor allem bei amerikanischen Männern sehr beliebt. Und damit in den Männergehirnen möglichst viele Flammen lodern, posieren diese Damen in dieser Stellung für Fotos. Da sitzen sie nun, auf einem recht unbequemen Stuhl, die Oberschenkel möglichst vollständig freigelegt, mit mütterlich-liebevollem Blick und warten, bis der Fotograf die Illusion perfekt im Kasten hat. Als „Waffe der Wahl“ wird entweder die Hand gehoben oder die Haarbürste gezeigt, deren Rückseiten manchen Mann in Verzückung versetzt.
Comic aus einer OTK-Pose - immer auf "liebevoll" gemacht

Übers Knie legen – das Kind im Manne frohlockt

So weit also „OTK“, „Over the Knee” oder auf Deutsch: Sie wird dich übers Knie legen, du böser Bub. Wie ich so höre, genießen es die Herren über 40, noch einmal in diese Lage zu kommen. Allein der Kontakt von Haut zu Haut … das schlägt das Herz der geneigten Herren höher. Wie schon gesagt, ist dies die Fotografierposition ohne 150-Kilo-Mann auf den zarten Oberschenkeln – diese Darstellung könnte potenzielle Klienten eher abschrecken.

Die hart gesottenen Herren und der Rohrstock

Fotografierpose mit BH und Rohrstock

Die andere Variante für die hart gesottenen Kunden und Kundinnen ist - ihr ahnt es - der Rohrstock, auch „gelber Onkel“ genannt. Im haftet der besondere Ruf peinlicher, schmerzhafter Bestrafungen an. Die darin enthaltene Erotik, oft Schmerzgeilheit genannt, öffnet sich nur dem Connaisseur. Zudem hinterlässt eine heftige Züchtigung mit jenem Instrument, die voller Ernst und kraft ausgeführt wird, besorgniserregende Spuren.

Das hält „harte Kerle“ (und manche Frauen) aber nicht davon ab, sich den „Küssen“ des Rohrstocks auszusetzen. Wenn ein Mann Frauen für zarte Wesen hält, deren Schlagkraft gering ist, will er überzeugt werden. Das wird auf Fotos mit mehreren Mitteln dargestellt: Einmal mit einem strengen oder gar ausdruckslosen Gesicht, und dann mit der Darstellung des Schlagens. Weil auf einem Foto nun aber die Dynamik des Schlagens fehlt, nutzt man einen Trick: Der Rohrstock wird kraftvoll gebogen. Mal nach oben, mal nach unten. Wem das nicht ausreicht, der wird mit dem weiträumigen Ausholen auf dem Foto angelockt. Und beide Positionen zeigen dem Mann: „Sieh mal da steckt Kraft dahinter“. Wer solche Fotos ansieht und weiß, was die Darstellung für sein entblößtes Gesäß bedeuten könnet, der zuckt sofort zusammen.

Sollen Herren mit ins Bild?

Meist werden die Damen im Studio fotografiert (nicht in ihrem, sondern in dem des Fotografen). Lediglich, wenn die Umgebung eine Rolle spielt, was bei vielen Herren der Fall ist, werden auch Instrumente und Einrichtungen gezeigt. Die sogenannten „Erziehungsflächen“ der Herren werden normalerweise nicht gezeigt. Man erzählt sich, dass vor allem die behaarten Gesäße älterer Herren eher als abstoßend empfunden werden, sodass sie nicht gezeigt werden – zudem wirken die Fotos dann eben auch pornografisch.

Die Kleidung spielt eine entscheidende Rolle

Kraftvolle, uniformierte Domina im Rollenspiel

Eine weitere Frage für die Wirkung einer Domina auf Fotos ist ohne Zweifel das „Outfit“. Ist es die liebevoll strafende Mama, die strenge Gouvernante oder gar eine Frau in Uniform? Muss es unbedingt Leder sein? Oder ist es tatsächlich so, dass die Männer von strafenden Frauen im Spitzen-BH begeistert sind? Gibt es nicht sogar Fotos von Dominas, die „nackt mit Peitsche“ fotografiert wurden?

Das Foto und die Realität der Domina

Neben Formalkleidung und Uniformen, so konnte ich erfahren, tragen professionelle Dominä vor allem Lederkleidung oder Korsetts. Und obgleich Korsetts sich bestens zum Fotografieren eignen würden, vor allem mit Strapsen und Stümpfen, könne man sie „währen der Arbeit“ nicht länger als maximal eine Stunde tragen. Auch Latex hat seine Tücken: in Wirklichkeit stört der Schweiß schrecklich bei der (oft sehr anstrengenden) Arbeit.

Zwischen Schein und Sein, Komfort und Aussehen liegen also auch in der Welt der Domina gewisse Gräben. Und die Fotos? Nun, sie dienten dazu, Männer „scharfzumachen“, die noch wenig Erfahrung haben.

Was meint ihr? Spielt ihr manchmal die Domina für euren Partner? Mag er das? Und welche Kleidung will er an euch sehen, falls ihr es tut?

Wir lasen unter anderen: Fashionista und Reddit. Wer etwas mehr dazu sagen will, der möge einen Kommentar hinterlassen.

Hinweis: Für keines der Fotos konnte ein Copyright ermittelt werden. Sie stammen aus Sammlungen im Internet, und sie wurden teils bearbeitet.

Von Masken, Augen, Voyeuren und betont verhüllender Kleidung

Im Harem - eines der seltenen Bilder einer vollständig verschleierten Frau
Masken-Fetische gab es schon immer, aber seit wir alle Masken tragen, mussten wir lernen, dass man uns mit Maske „anders“ erkennt als ohne. Mein Handy erkannte mich gar nicht, die Vietnamesin im China-Takeaway erst nachdem ich lächelte. Doch etwas ahnte ich nicht: Offenbar entstand as dem massenhaften Tragen der Masken auch einer neue Fetisch. Es soll sich um eine Art Verschleierungs-Fetisch sein. Dazu gehört blickabweisende Formalkleidung und eine Maske, die ein bisschen schicker ist als eine „Mund-Nasen-Bedeckung“.

Warum trugen wir eigentlich früher Masken?

Wenn wir uns im Vorfeld fragen, warum wir überhaupt Masken trage, fallen uns zumeist zwei Gründe ein. Der eine ist der Reiz, nicht als „wir selbst“ erkannt zu werden. Unter dieser Maske können wir also tun, was wir wollen, ohne erkannt zu werden - jedenfalls bis zur Demaskierung.

Die Augen sprechen auch dann, wenn die Mimik weitgehend verhindert wird
Der zweite Reiz liegt darin, dass unsere Emotionen weniger sichtbar sind, weil sie oder unter der Maske schwächer wirken oder sogar ganz unterdrückt werden, weil die Mimik fehlt und damit ein Teil der Körpersprache.

In beiden Situationen gilt: Solange die Augen sichtbar bleiben, können die Emotionen nicht völlig unterdrückt werden. Das heißt, in beiden Fällen „sprechen die Augen“ weiterhin.

Was ist einheitlich ein "Maskenfetisch"?

Maskenfetisch - hier mit Gasmaske
Reden wir nun von Maskenfetischisten. Zunächst einmal: Was ist denn eigentlich ein(e) Maskenfetischist(in)?

Dafür gibt es zwei Erklärungen: Die eine ist, dass ein Maskenfetischist eine erhöhte sexuelle Erregung verspürt, wenn jemand anders eine Maske aufsetzt oder auch entfernt. Normalerweise können dies alle Arten von Masken sein, also sowohl Karnevalsmasken, Vollmasken, Gasmasken oder irgend eine andere Bedeckung des Gesichts - also beispielsweise auch ein Schleier. Wir können unterstellen, dass die etwas mit Voyeurismus im weitesten Sinne zu tun hat, möglicherweise auch mit sexueller Dominanz.

Die andere Erklärung scheint der ersten zu widersprechen: Demnach läge auch dann ein Maskenfetisch vor, wenn sich jemand gerne selbst eine dieser Masken anlegt oder spielerisch „gezwungen“ wird, dies zu tun. Ist dies der Fall, so erregt ihn sexuell, mehr oder weniger hilflos in der Maske zu sein, zumal, wenn er sie aus eigener Kraft nicht mehr entfernen kann. Wir finden dieses Verhalten hauptsächlich unter Menschen, die eine unterwürfige Rolle spielen.

Die Maske der Pandemie - eine Art Verschleierung der Mimik

Maskenfetisch während der Pandemie
In der Pandemie haben wir allerlei Masken gesehen - zunächst ebenso schicke wie behelfsmäßige Masken, aber auch schon erotisch motivierte mit aufgemalten Kussmündern. Die Erotik-Shops zeigten schon bald schwarze Masken, die den Harems- oder Verschleierungseffekt unterstützten: Die dunklen Augen der Trägerin sprechen zu uns, die Mimik wird ansonsten nahezu unterdrückt.

Vereinzelt konnte man auch beobachten, wie das Interesse an Klinikerotik zunahm. Schöne Frauen in grünen OP-Masken auf der Straße zu sehen, versetzte manche männliche Masochisten in Entzücken. Aber der Kreis der Männer, die von Klinikerotik und Prostata-Untersuchungen durch „Krankenschwestern“ fasziniert sind, ist begrenzt.

Fantasien rund um Masken und sinnliche Verschleierungen

Wie kommt es nun, dass die Pandemie den Maskenfetisch beflügelt hat? Vermutlich ist es der spielerische Voyeurismus. Wer eine Gesichtsmaske unterhalb der Augen trägt, hat eine ähnliche Wirkung wie jemand, der einen Schleier trägt. Kombiniert mit fester Kleidung, die den Körperformen nicht folgt, ist der Schleier eine Art Fetisch. Und der Voyeur, der gewohnt ist, Frauen mit den Augen abzutasten, entdeckt unter dem Schleier den Mund, und unter der festen Kleidung die Dessous oder die Körperformen.
Eigentlich eine biblische Darstellung - Verschleierung und Nacktheit
Solche Fantasien waren zu Zeiten unserer Urgroßväter in Massen verbreitet. Es war der Orient, der die Fantasie anregte, und mit ihm die Verschleierung und Entschleierung orientalischer Frauen. Einige Maler der damaligen Zeit, sogenannte „Orientalisten“, schufen Bilder von opulenten Harems, in denen Frauen aller Hautfarben ihre sinnlichen Reize darboten, meist unverschleiert, teils aber auch in Verschleierungen.

Je undurchdringlicher die Kleidung, umso mehr bemüht sich der Voyeur

Von Kopf bis Fuß verhüllt: Junge Damen beim Ausgang 1904
Mit der Realität hatte dies alles wenig zu tun, aber die „schwelgerische, fremdländische Erotik“, war in jener Zeit mächtig „en vogue“. Zudem gab es an den heimischen Frauen in der Öffentlichkeit nur selten ein Fetzchen Haut zu sehen. Die jungen Frauen verhüllten sich von der Halskrause bis zu den Zehenspitzen in engen körpernahen Kleidern, die aber die natürliche Erscheinung eher zerstörten als unterstützten.

Erstaunlich dabei ist, dass der männliche Voyeur zu jeder Zeit versucht hat, die formale, feste Kleidung in seiner Fantasie zu durchdringen. Die „strenge Erzieherin“, die es auch zu Zeiten der Ur-Urgroßväter schon gab, posierte keinesfalls in Dessous, sondern in streng konservativer Kleidung oder Fantasieuniformen.

Mit den Augen ausziehen

Echte Voyeure sind unter Frauen unbeliebt, obgleich viele Frauen behaupten, alle Männer seien „mehr oder weniger Voyeure“. Die schlimmsten unter den Männern werden bezichtigt, „Frauen mit den Augen auszuziehen“. Und obgleich Männer nicht wirklich unter die Maske, durch das Kleid oder gar unter die Uniform schauen können, fühlen sich viele Frauen unwohl, wenn der männliche Blick durch ihre Kleidung wandert.

Der gewöhnliche männliche Pseudo-Voyeuer schämt sich nicht

Zum Erstaunen der meisten Frauen schämen sich die „ganz gewöhnlichen Voyeure“ kaum. Eine schöne Frau in der Bewegung zu sehen, scheint einen Impuls in ihnen auszulösen, der auf „Paarung“ ausgerichtet ist - und das reicht auch, um manchen frivolen Gedanken hervorzurufen. Solange er ihnen nicht aus dem Mund fällt, können alle beruhigt sein.

Ignorieren statt ärgern - Passanten vorbeiziehen lassen

Und heute? Offenbar tun sie es heute noch, wenn ein nach ihrer Meinung „schöner“ Körper stark verhüllt an ihnen vorbeirauscht. Ob sie die Frau als Person darin sehen? Vermutlich nicht. Ist das beschämend? Nur, wenn man es so sehen will. Denn was wir, ob Frau oder Mann, in Passanten sehen, wissen diejenigen nicht, die an uns vorbeiziehen. Und oftmals denke ich: glücklicherweise nicht.

Titelbild: Jan-Baptist Huysmans, flämischer Maler, Orientalist, Auszug aus "Im Harem".
Bild "Maskenfetisch" - anonym, aus unserem Archiv.
Bild: "Maske verdeckt die Augen nicht", anonym, aus unserem Archiv.
Bild "Augen über Maske": Werbung für erotische Masken während der Corona-Pandemie.
Bild biblisch: Émile Jean-Horace Vernet (1789-1863), Orientmaler, Ausschnitt.
Bild unten: Modebeilage von 1904.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mehrfach überarbeitet und am 14.07.2021 neu veröffentlicht

Erotik und Internet – schlechter Stil für schnellen Konsum?

Immer dasselbe - nur mit anderen Worten ...
Erotik im Internet – das bedeutet: Du brauchst ein Etikett. „Erotik“ an sich reicht nicht. Ja, es geht so weit, dass alles vorhersehbar ist, was in der Story passieren wird. Das ist bitter, aber offenbar eine Tatsache. Ich zitiere eine Autorin:

Wenn du mir das Etikett nennst, kann ich dir vorhersagen, was du in der Geschichte finden wirst …

Keine Überraschungen mehr? Alle Möglichkeiten der schriftstellerischen Kunst für den Müll? Suchen die Menschen nur noch nach „Etiketten“ und „Keywords?“ Offenbar ja, denn es kommt noch viel schlimmer:

Erotik ist berechenbar, fest in Themen unterteilt und kaum mehr unterscheidbar. Die heutige Instant-Kultur markiert Online-Geschichten mit Phrasen wie „10 Minuten Lesezeit“ sowie den unvermeidlichen Schlüsselwörtern. Erotik ist heute etwas zum Konsumieren, wie Klatsch oder Popcorn. Und Orgasmen sind absolut erforderlich. Eine Geschichte, in der die Charaktere einige sexuelle Interaktionen haben, aber keinen Höhepunkt erreichen, verstößt gegen die Anforderungen der heutigen Leserschaft.

Vorbereitung, Orgasmen udn Entspannung innerhalb von 10 Minuten?

Zehn Minuten lesen, wenn du ohnehin weißt, was passieren wird? Die Mini-Plots, die dahinterstehen, sind ohnehin immer gleich. Also musst du nur noch das Etikett suchen, dann weißt du, was am Anfang passiert. Sie oder er schlägt einen Dreier vor, der oder die Dritte wir blitzartig gefunden, und einige Orgasmen weiter trinkt man noch ein Gläschen und beglückwünscht einander zu der Entscheidung. Der einzige Unterschied liegt dann darin, wer mit wem was wie intensiv getrieben hat.

Wer trägt die Verantwortung für die erotische Verwahrlosung?

Was ist los mit den Leserinnen und Lesern? Was mit den Autorinnen und Autoren? Ist Erotik durch die Leser(innen) in Verruf gekommen oder durch die Autoren/Autorinnen? Wollen alle nur noch „aufgeilen“ oder „aufgegeilt werden“?

Um erneut die Frau zu zitieren, von der auch schon die ersten Zitate stammten: Sie bedauert die Entwicklung und schreibt:

Es scheint, dass thematische Komplexität, erzählerische Raffinesse und sexuelle Kreativität aus der Mode gekommen sind. Ich trauere um ihren Verlust. Ich vermisse die Geschichten, die mich dazu inspiriert haben, meine eigenen zu erzählen, voller Sehnsucht, triefend vor Verlangen.

Muss Erotik so lustlos sein?

Sicher, man kann erotische Geschichten erzählen, ohne dass irgendein anderes Gefühl daran beteiligt ist als die Wollust. Allerdings haben sie einen Nachteil: Eine sexuelle Handlung folgt der nächsten, und die meisten sind schon restlos bekannt – vom ersten Lecken bis zum letzten Hieb. Und da, was die Menschen sonst noch sind oder darüber hinaus fühlen, bleibt draußen. Und gerade das wäre doch interessant, wenn du als Leserin oder Leser wirklich wissen wolltest, was mit dir geschehen könnte, falls du ... oder etwa nicht?

Zitate aus einem Fachblog für Schriftsteller(innen) von Lisabet Sarai
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