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Sollten Frauen wirklich ehrlich über Sex schreiben?

Der erotische Text - eine Falle für Frauen?
Wenn Frau über Sex schreibt … ist sie eine Schlampe. Warum eigentlich? Und was ist ein Mann, der über Sex schreibt?

Die Zeiten, in denen viele attraktive, gesunde und überaus kluge Frauen über Sex schreiben, sollte eigentlichen gerade erst angebrochen sein. Denn sie (und nur sie) bilden ein Gegengewicht gegen die Bevormundung der Wissenschaftler einerseits und der Verblödung durch Frauenzeitschriften anderseits.

Viele „offizielle“ Frauen verachten und bewundern die Autorinnen, die sich nicht scheuen, das Blatt vom Mund zu nehmen und von Masturbation, Penissen und anderen Ereignissen zu schreiben, die ihr Leben kreuzen.

Die Wahrheit muss verachtet werden – oder?

Aber offiziell – muss man sie als Frau offenbar verachten. „Das tut man nicht, und wenn man es tut, dann redet man nicht darüber.“ Als ich vor einiger Zeit mal eine junge Frau fragte, ob sie bereit sei, für mein damalige Magazin „LiebePur“ zu schreiben, war sie zunächst ganz angetan. Doch als sie hörte, dass ich dort recht freizügig mit dem Thema Sex umging (damals noch etwas mehr als heute), zog sie ihr Angebot sofort zurück.

Neue Verblödungen und Fakes durch Alternativmagazine

Und ich merke hier mal an: Das ist erst der Anfang. Wer „über die Lust“ schreibt, schriebt noch lange nicht „von seiner eigenen Lust“. Genau das wollen aber all diese neuen Alternativmagazine. Sehr schnell kommt ihren Redakteurinnen das Unwort „authentisch“ über die Lippen. Das heißt letztlich: Frau soll über jede Masturbation, jeden aufgenommenen Penis und noch viel mehr schreiben, und zwar „auf Positiv“. Eigentlich müssten die Herausgeberinnen wissen, dass sie damit Fakes und krankhafte psychische Exhibitionisten anziehen – und vielleicht sogar eine Kombination von beiden.

Von der Schwierigkeit, allzeit authentisch zu sein

Gerade dies macht es ehrlichen Menschen (nicht ausschließlich Frauen) noch schwerer, den feuchten Wahrheiten die Ehre zu geben. Denn „echt authentisch“, also aus dem eigenen Erleben zu schreiben, ist unglaublich schwierig. Es kostet Selbstüberwindung, erfordert sprachliche Verrenkungen und – nun ja, was schreibt eigentlich jemand über „seinen“ Sex, wenn wirklich gerade Flaute herrscht?

Wie auch immer - ob frau unter dem eigenen Namen schreibt oder unter einem Pseudonym, ob sie etwas dazudichtet oder nicht, ob sie zu viel Zuckerguss dazu tut oder eine übergroße Menge Spermaflüssigkeit – sie wird immer beargwöhnt werden. Von Frauen sowieso und von Männern auch, wenngleich in anderer Weise.

Sind Autorinnen Schlampen, weil sie über Sex schreiben?

Dazu darf ich mal eine Dame zitieren, die – wie ich glaube – authentisch schreibt, und dazu in einer namhaften Wochenzeitung.

Ich wundere mich trotzdem. …Darüber, dass mich die einen als verabscheuungswürdig und die anderen als sexuell verfügbar betrachten. Für beide Seiten bin ich eine Schlampe – nur mit unterschiedlicher Konnotation.

Frauen sind Schlampen, Männer Pornografen

So, und nun frage ich mich: Was sagen „die Leute“ eigentlich über Männer, die über Erotik schreiben, teils anband von Fakten, teils anhand pointierter Meinungen?

Sie sagen dasselbe. Nur, dass diese Männer nicht als „Schlampen“, sondern schlicht und einfach als Pornografen gelten. Übrigens auch dann, wenn sie nur darüber schreiben, was (fast) jede(r) tut. Und ganz schlimm werden sie beäugt, wenn sie dazu Tacheles reden – nicht nur über Frauen, sondern auch über sich selbst.

Na schön, manche Männer machen sich nichts draus, aber andere werden eben verunglimpft. Das ist nicht schön, und es ist ähnlich wie bei Frauen: Man hat beste Chancen, sein Renommee als Schriftsteller oder Fachautor zu verlieren. Man fasst einfach keine Themen an, bei denen man etwas anfasst, was so pfuiteuflisch ist wie ein Penis.

Dieser Artikel erschien zuerst in "Mehrhaut.de".

Die Liebeszeitung wird ein klein wenig anders

In der Vergangenheit haben wir uns relativ häufig an erotischen Themen orientiert, die ursprünglich von Bloggerinnen aus England und den USA veröffentlicht wurden. Diese Quellen sind zwar nicht völlig versiegt, werden aber immer seltener. Zudem wiederholen sich die Themen der anderen ständig, und die kommerziellen Aspekte überwiegen inzwischen bei Weitem. Fast jede der Ex-Erotik-Bloggerinnen versucht, das Geschäft mit „gesponserten Artikeln“ zu retten, und zumeist wir dabei heute etwas über „Sexspielzeuge“ veröffentlicht.

Und nach der Aufregung um die „Shades of Grey“ hat auch das Interesse an allem, was „Aua“ macht, deutlich abgenommen. Hinzu kam noch die #MeToo Bewegung, verbundenen mit der Angst davor, den dort vertretenen Meinungen nicht sklavisch zu folgen, sondern weiterhin für Gedankenfreiheit zu kämpfen.

Nun sind und waren wir niemals von diesen Medien abhängig, sondern haben zahllose Beiträge veröffentlicht, die auf Daten, Fakten, Erhebungen und Internet-Recherchen beruhten. Wobei sich natürlich stets die Frage ergibt: Zählen Fakten und Recherchen in der Erotik überhaupt? Oder wollen Leser(innen) vor allem in ihren Meinungen bestätigt werden?

Nein, nicht mit uns. Das große Lamento angeblich verratener, betrogener und verlassener Frauen, die emotionale Schäden davongetragen haben, ist nicht unser Ding. Wir versuchen, die Hintergründe abzufragen.

Es ist nicht einfach, Lust, Liebe, Humor und Fakten so abzumischen, dass wir unsere bisherigen Leser behalten und neue hinzugewinnen. Ob es gelingt oder nicht, werden die nächsten Monate erweisen.

Ich hoffe sehr, dass Sie uns treu bleiben, auch wenn wir manche Themen nun kritischer betrachten werden. Die Liebeszeitung ist keine Kitschpostille und keine Frauenzeitschrift, die den Damen nach dem Munde reden muss, damit sie am Kiosk zuschnappen.

Komm, zeig uns alles

Zeigt euch ... leert euer Schubladen
Du schreibst über über die Liebe, die Lust oder die Erotik? Und alles für die Schublade? Das muss nicht sein! Wir sehen uns an, was du schreibst, schlagen dir Änderungen und Ergänzungen vor und lesen für dich ein paar Seiten Korrektur, wenn du magst. Es kostet – gar nix, jedenfalls nicht bis zu 900 Wörtern. Wir lieben Worte – das ist alles.

Wir saugen Worte auf, wechseln Worte, schreiben etwas um, wenn du magst – und wir sind auch sonst unheimlich nett zu Autorinnen und Autoren.

Versuch es mal mit uns … du kannst dabei nichts falsch machen. Und wenn du wirklich noch einmal fragst, warum wir das tun – wir lieben Worte so sehr, dass sie uns am Herzen liegen.


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Wer liest (denn schon) erotische Literatur?

Erotik - manchmal als Eheliteratur getarnt
Eine der interessantesten Fragen zu Romanen, Novellen und Kurzgeschichten besteht darin, warum es sie überhaupt gibt. Wenn man einmal alle historischen, sozialen und kulturellen Aspekte weglässt, dann ist es die Neugierde auf das Leben anderer, aber auch auf das, was andere Menschen stellvertretend erlebt oder erdacht haben.

Die Schilderung der sexuellen Lust - Stiefkind der Literatur

Literatur kann dreierlei: reduzieren, schildern oder überhöhen. Die erotische Literatur wäre eine Meisterin darin, mehr noch als jede andere Literaturgattung – aber der Konjunktiv ist berechtigt, denn sie ist es nicht. Sie leidet vielmehr unter ihren vielen Dilettanten, die nicht in der Lage sind, alle Aspekte des erotischen Handelns und Fühlens zu schildern. Ja, sie zwingt sogar bekannte Schriftsteller zu einer Verflachung und Verfälschung des Ausdrucks, sobald von Sexualität die Rede ist.

Vorauseilende Furcht vor der Zensur

Zudem muss der Schriftsteller die Zensur fürchten, wenn er die Vorgänge realistisch aus der Sicht des Voyeurs oder gar des Betroffenen schildert. In der Erotik ist nichts so brutal und ehrlich wie die Wahrheit, und sie schreckt bisweilen ab. Tendenzen, wie etwa die Bigotterie, die Wohlanständigkeit, das Gutmenschentum oder der Feminismus, wirken mit, um Schriftsteller(innen) in die Ecke der „Schmutzfinken“ und „Menschenverächter“ zu stellen.

Erotik - schlecht weil sie erregend ist?

Erotische Literatur wir – daran kann kein Zweifel bestehen – einerseits zur Information, andererseits zur Erregung geschrieben. Wir vergessen oft, dass insbesondere junge Leute, neugierige Menschen mittleren Alters und solche, die ihre Lust bereichern wollen, tatsächlich an authentischen oder quasi-authentischen Informationen interessiert sind. Das heißt, sie wollen genau wissen, wie sich Menschen in ungewöhnlichen erotischen Situationen fühlen, vom ersten Eindringen eines Penis in die Vagina bis zur Fesselung an ein Andreaskreuz. Frauen wollen wissen, mit welchen Mitteln Verführerinnen arbeiten, Männer suchen nach Möglichkeiten, Frauen ins Bett zu bekommen und Grenzgänger(innen) suchen nach Informationen über die Lust am anderen Ufer.

Nahezu jeder Autor versteht sich darauf, Erotik zu reduzieren, und eine beträchtliche Anzahl von Schundschreiber (inne)n und Autoren (Autorinnen) mit Millionenauflagen tut nichts anderes als dies. Nur eine Minderheit schreibt realistisch, inklusive Verletzungen und Grenzüberschreitungen, und ebenfalls sehr wenige überhöhen die Lust, wie es einst Salomon tat.

Was wir nicht lesen - die realistische Schilderung der Lust

Überzeugende Sprache? Handwerkliches Können? Eine realistische, teils sinnliche, teils brutale Darstellung dessen, was in Körper, Geist und Psyche beim Sex abläuft? Nein, das lesen wir nur selten.

Dabei wäre es durchaus eine literarische Aufgabe. Wenn es wahr ist, dass Schriftsteller Welten vermitteln wollen, dann sollten sie das, was im Kosmos der Lust geschieht, so intensiv und realistisch schildern, wie es sich tatsächlich darstellt.

Gefühle beschreiben, um sie nachvollziehbar zu machen?

Wer erotische Literatur liest – gleich, ob aus dem 19. Jahrhundert oder dem 21. Jahrhundert - findet dergleichen nur selten. Nähe zu den geschilderten Personen ist dabei so wichtig wie der nötige Abstand zu ihnen. Ein junger Mann kann die Gefühle während seines ersten vollständigen Geschlechtsakt noch gar nicht schildern – er bracht Abstand und das Vermögen, sich später noch einmal gedanklich und emotional auf den Prozess einzulassen. Ebenso vermessen ist es, nur „Betroffene“ zu Wort kommen zu lassen, wenn es um homoerotische Begegnungen, Partnertausch oder SM-Aktivitäten geht. Immer und überall ist nötig, sich in die Person einzufühlen und somit eine Vorstellungskraft für fremde Gefühle zu entwickeln. Denn nur, wer selbst Gefühle „nachempfinden“ kann und über sprachliche Macht verfügt, kann sie auch vermitteln.

Nun gut – fast schon zu viel gesagt. Wer lüstet und dabei lernen will, sollte ja keine Pornografie sehen, sondern lesen. Fragt sich nur: was denn eigentlich?

Dieser Artikel erscheint auch in "Mehrhaut"

Wollen Sie die Liebeszeitung übernehmen?

Normalerweise rede ich nicht darüber, älter zu werden. Ich habe dieses Magazin in meinen jugendlichen 60ern gegründet. Und trotz mancher Verluste an Lesern (Webalizer behauptet immer noch, ich hätte über 100.000 Besucher im Monat, 1) habe ich doch geschafft, mich im harten Geschäft der Blogs zu halten. Unter anderem, will ich 45 Prozent Smartphone-Betrachter habe, also der Jugend stets nahe bin.

Ein Problem dabei ist: Ich habe mich stets geweigert, dieses Projekt durchgängig zu kommerzialisieren. Das Zweite: Hier wird nichts schön geredet, sondern alles mit Chancen und Risiken objektiv dargestellt, soweit dies möglich ist.

Jüngere, ideenreiche Inhaber(innen) gesucht

Sehen Sie, und nun bin ich gestern 72 Jahre alt geworden, und ich denke: Das wäre doch eher ein Projekt für zwei 36-Jährige. Oder für drei 24-Jährige. Denn eines ist sicher: Ich verstehe zwar, was 24-jährige Frauen wollen, und ich erinnere mich noch sehr deutlich, was 36-jährige Frauen sich wünschen. Aber ich bin nicht in dem entsprechenden Alter, höre nicht, was auf ihren Partys und „Mädchenabenden“ gesprochen wird und warum „frau“ sich in diese oder jene Männer verguckt.

Wenn Sie interessiert sind, machen Sie ein Gebot. Wir haben über 3000 Artikel veröffentlicht – so etwas kostet netto ungefähr 15.000 Euro. Klar – mit dem gegenwärtigen Konzept lässt sich das nicht in drei Jahren amortisieren. Aber Sie müssen ja nicht das „gegenwärtige Konzept“ weiterverfolgen. Falls Sie Lust darauf haben, dass der "alte Knochen" noch eine Weile für sie über Wissenschaften, Rentner-Erotik oder etwas dergleichen schreibt, dann zwinkere ich mal mit dem rechten Auge.

(1) das glaube ich zwar selber nicht, aber etwa 10.000 sind wohl realistisch.