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Der ideale unterwürfige Mann?

Wer ist der ideale unterwürfige Mann? Manchmal muss ich lachen: und immer öfter dann, wenn mehr oder weniger professionelle Ladys, die keine sind, ihren Beruf loben, der eigentlich keiner ist: die Dominatrix.

Und ja, diese Dame hat Ansprüche an den Mann, der sich bitte zur Unterwerfung anbieten soll. Zum Beispiel diese. Er sollte …:

- ... einen guten, festen Job haben.
- … ausgezeichnet auftreten, sei es bei einer Anfrage oder persönlich.
- … einwandfreie Rechtschreibung beherrschen.
- … Bezahlung anbieten, ohne dass die Dame danach fragt.
- … auf keinen Fall notgeil sein.
- … gut gekleidet sein.
- … Ein gutes Benehmen an den Tag legen.
- … weder Ehefrauen noch Kinder haben.

Das Bild dieser Dame zeigt eine eher scheue, unsichere Person, die aber nach Eigenangaben schon manches in der Erotik-Unterhaltungsbranche versucht hatte.

Der „Forderungskatalog“ sieht in meinen Augen ähnlich aus wie beim Online-Dating, wenn ich mal von „Bezahlung anbieten“ absehe.

Ist das wirklich der ideale unterwürfige Mann? Ich habe Gründe, es nicht anzunehmen. Er ist vielleicht ein nützlicher, unterwürfiger Idiot.

Lifestyle-Blogs – konstruierte Gefühlswelten?

Enthüllungen als konstruierte "Wahrheiten" - die Emotionen in Lifestyle-Blogs. Der zweite Teil zum Hauptartikel

Wirklich peinlich wird die Sache im Grunde erst, wenn der Grundsatz „hier schreiben echte Frauen für dich über ihr … Liebesleben“. Das fehlende Wort kann „schönes“, „peinliches“, „aufregendes“ oder „frustrierendes“ heißen. Im Prinzip ist es wurscht. Das Problem dabei: Diese Artikel sind pseudo-authentisch, und um veröffentlicht zu werden, müssen sie genau auf die Erwartungen oder Befürchtungen der Leserinnen passen.

Ich habe neulich dazu eine merkwürdige Erfahrung gemacht: Authentizität wird immer dann angenommen, wenn sich eine Autorin meldet, die im gleichen Alter ist wie die Leserinnen und vorgibt, dem gleichen Lifestyle zu frönen – der Wahrheitsgehalt wird dann nicht einmal in Frage gestellt. Fakten oder Wahrscheinlichkeiten spielen so gut wie keine Rolle, und Recherchen sind umständlich und viel zu mühevoll. Stattdessen wird eine Wahrheit konstruiert, die der Leserschaft „angemessen“ erscheint. Dazu gehört eine Kultur, in der die Neuzeit in eigenartiger Weise mit der Romantik vermischt wird, und nicht nur dies: da wird zwar Selbstbewusstsein gepredigt, aber Eigenverantwortung infrage gestellt. Die „schwache Frau“ wird in der „starken Frau“ verortet, weil dies der Seele gut tut, und die Eigenverantwortung wird betont, wenn alles (zum Beispiel im Job) gut geht, während sie infrage gestellt wird, wenn in der Beziehungssuche etwas schiefgeht.

Gut – das alles mag „gut tun“. Tut es vielleicht auch. Lifestyle-Blogs als Likörchen für die Seele? Ein neues Kleid, ein neues paar Schuhe, ein neuer Vibrator oder ein Erotik-Fummel, um sich äußerlich und innerlich aufzuhübschen?

Manchmal, so denke ich jedenfalls, wäre Geist nicht nur hübscher, sondern auch erotischer.

Lifestyle-Blogs – mit und ohne Erotik – haben sie Sinn?

Dies Blog ist nicht (un)moralischer als andere - aber dennoch meint unser Autor, dass Lifestyle-Blogs möglicherweise mehr schaden als nützen.

Blogs haben eine lange Geschichte. Begonnen haben sie aus zweierlei Gründen: als Protest gegen die Massenmedien und als öffentliche Tagebücher. Das Konzept war (und ist) so einfach, dass es jeder benutzen konnte – man brauchte nicht notwendigerweise Programmierkenntnisse, obgleich sie sehr nützlich sein können.

Der Mainstream hat Blogs vereinnahmt - und kommerzialisiert

Seither sind viele Jahre vergangen. Der Mainstream hat sie schlicht und einfach vereinnahmt, die Blogs. Was nicht im offiziellen Teil der Gazetten steht, wird als Meinungsbeiträge gerne in Blogs ausgewiesen. Online-Zeitungen werden gerne in Blog-Form herausgebracht, und oft nicht nur bescheidene kleine Nischenmagazine, sondern auch weltbekannte Zeitungen und Online-Magazine, die auf Blog-Technologie basieren.

Seit einigen Jahren haben sich die Dinge noch einmal total umgekehrt. Dabei spielten zwei Ereignisse unabhängig voneinander eine Rolle: die Lust der Menschen am „tollen Unwesentlichen“ und die Orientierung am „Lifestyle“. Besonders die „Lifestyle“-Magazine sprechen Frauen an, und unter ihnen sind jene besonders erfolgreich, die das unterschwellige Motto verfolgen: „Sieh her, hier schreiben richtige Frauen wie du mit echten Erlebnissen für dich. Und die verstehen total, was dich bewegt.“

Aufstieg und Fall der unabhängigen Blogs

Auf dieser Basis arbeiten seit Jahren Jugend-, Männer und insbesondere Frauenzeitschriften. Doch Zeitschriften gelten inzwischen als „Old School“, während Blogs als unheimlich „cool“ gelten. Das liegt wiederum an zwei Dingen: Einmal daran, dass vom Lifestyle-Blog blitzartig zum Produkt verlinkt werden kann – das eröffnet PR- und Werbemöglichkeiten ohne Ende. Und dann, dass „eigentlich“ kaum noch jemand am PC sitzt und „Blogs guckt“ – jedenfalls nicht die Frauen und Mädchen, die lifestyleaffin sind. Sie „gucken Smartphone“, und dort haben Lifestyle-Blogs mittlerweile ihr Lieblingspublikum gefunden.

Willkürliche Anteilnahme als Lockmittel

Interessant ist, dass die journalistische Tugend, sich selbst möglichst aus der Liebe zum Produkt oder aus der Lust am Produkt herauszuhalten, im Lifestyle-Blog bewusst durchbrochen wird. Soweit Erotik nicht betroffen ist, wird der eine Satz hochgehalten: „Schau, ich bin eine Frau wie du, die auch Interesse an diesen tollen Sachen hat.“ Ist hingegen Erotik im Spiel, wird die Sache kniffliger: „Ich habe dieses tolle Produkt für dich ausprobiert und hier kannst du es kaufen“ erfordert etwas Mut – aha, sie hat es sich selber in die Vagina eingeführt. Und was ihrer Vagina gut tut, könnte auch mir Lust machen.“ Da muss frau sich schon ziemlich „outen“, wenn sie zugibt, regelmäßig mechanisch forcierte Orgasmen zu bekommen.

Rotieren um sich selbst - kommerzielle Frauenblogs mit Sex- und Erotikberatung

Ein weiterer Baustein für „authentische“ Frauen-Blogs sind Empfehlungen zur Körpermodifikation, zur emotionalen Bereicherung oder zur Verbesserung sexueller Genüsse. Das dieses Thema bald ausgeschöpft ist, wird es immer wieder aufgewärmt – und im Umfeld der Lifestyle-Blogs findnen wir dann auch jede Menge langweilige oder auch mal fragwürdige Beraterinnen, die Wohlgefühle verkaufen oder schon einmal ein Buch geschrieben haben – Werbung für Berater-Webseiten oder Bücher fällt nicht so auf wie die redaktionelle Direktverlinkung zu Mode- oder Erotikfirmen.

(Wird mit einem zweiten Teil fortgesetzt)

Das erotische Knistern und die langjährige Beziehung

Das sexuelle Verlangen, die knistere Erotik und sicher auch die Wollust haben Schriftsteller, Künstler und Therapeuten inspiriert, sich mit dem Aufkeimen und vergehen dieser Lüste zu beschäftigen. Eine Besonderheit liegt dabei – durchaus kulturbedingt – darin, dabei langjährige Beziehungen zu betrachten, also beispielsweise Ehepartner. Sinkt bei diesen mit den Jahren die Begierde, so muss etwas falsch sein mit er Beziehung – so jedenfalls eine häufig vertretene Meinung.

Sind Sex und Erotik wirklich beherrschend für die Ehe?

Das führt zu der Überzeugung, Sex oder Erotik seien das beherrschende System in Ehen, und falls sich dieses System nicht bewährt, sei etwas schief gelaufen mit den Partnern. An diesem Punkt setzen Psychotherapeuten, Paarberater und Sachbuchautoren ebenso an wie Journalisten.

Es ist eine sehr moderne Frage, die sich unsere Vorfahren vor 100 Jahren noch nicht gestellt haben. Erst die moderne Zeit, in der beide Partner vielfältige sexuelle Bedürfnisse offen zeigen, führt überhaupt zu der Frage, wie beide Partner ihre Lust aufeinander über viele, viele Jahre erhalten können.

Doch ist dies wirklich die Frage? Wird eine Langzeitbeziehung wirklich nur von der Lust geprägt, einander „schönen Sex“ zu schenken? Und ist diese Form des Verlangens und Erfüllens wirklich die einzige Form, die den Zusammenhalt der Paare gewährleistet?

Wie der Hase läuft? Ach, da hoppelt doch das bekannte Kaninchen ...

Angeblich wollen Forscher jetzt wissen, wie der Hase läuft. Dazu haben Sie ein Verfahren angewendet, das in den letzten Jahren sehr populär geworden ist: Sie haben 64 wissenschaftliche Artikel über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren ausgewertet und ihr Fazit – dies seivorweggenommen lautet etwa.

Das sexuelle Verlangen muss nicht zwangsläufig abnehmen, aber es schadet möglicherweise auch nicht, wenn dies der Fall ist.


Auffällig daran ist, dass die Zeitspanne wirklich kurz ist: Die meisten der verwendeten Artikel stammen aus dem 21. Jahrhundert – damit ist meine ursprüngliche Annahme gerechtfertigt. Denn erst seit das sexuelle Verlangen beider Geschlechter mit Vehemenz als wesentlicher Faktor für das Gelingen von Beziehungen angenommen wird, wird auch in dieser Art und Weise geforscht.

Die Ergebnisse sind wenig beeindruckend

Die Ergebnisse sind – gemessen am Aufwand – extrem dürftig. Was bindet, ist die Verantwortung füreinander, die „Augenhöhe“, die Möglichkeit, sich Freiräume zu schaffen, das Selbstbewusstsein, eine Person zu sein und nicht sein/ihr Haustier. Ein bisschen Widerspruch bleibt auch: Zu viel Harmonie ist ein Sex-Killer, aber Harmonie ist sonst nicht schlecht. Sich häufig zu streiten, ist sexfeindlich, aber sich nicht zu streiten, bringt auch nichts. Und allgegenwärtig ist das Schwierigste: Miteiannder reden - über die eigenen Lüste.

Am Ende? Ja, am Ende, wenn sonst nichts mehr hilft. Da kann frau/man den Sex aufpeppen, indem er „schärfer“ wird aber auch, indem er intimer oder genüsslicher wird.

Na schön. Und wie war es mit dem Satz „ich bin einfach gerne mit dir zusammen?“ Ich bin der festen Überzeugung, es kommt in der Wissenschaft gar nicht vor. Liebe auch so gut wie nie.

Und noch etwas: Eine langjährige Beziehung dauert idealerweise 40 oder gar 50 Jahre – und sie kann noch wesentlich länger dauern. Und nun stellen Sie sich bitte vor, welche Herausforderung es für Sie wäre, etwa 18.000 Mal das „erotische Knistern“ zu erzeugen, wenn es denn täglich knattern soll.

Sie können ein wenig zur Studie hier in Deutsch lesen (leider protected). In Englisch dann ganz gut hier: BUSTLE, und die original-Studie dann hier.

Sollten sich Männer bei Frauen Grenzen setzen?

Frauen sind perfekt – haben wir oft genug gehört. Sie kennen ihre Grenzen und sie halten diese ein. Na klar. In Grimms Märchen vielleicht und nicht einmal da. Wie war das noch mit der Krötenküsserin?

Ach, ist das alles verlogen. Menschen haben Grenzen, und die erfolgreichen unter uns überschreiten diese Grenzen hin und wieder. Ohne Grenzüberschreitungen gibt es keinen Fortschritt, sondern ein verharren im Althergebrachten.

Frauen setzen sich auch Grenzen in Liebe, Lust und Leidenschaft. Nur schreiben sie dies nicht auf gelbe Zettel, die sie sich auf die Stirn kleben. Im Gegenteil. Sie denken sich sinngemäß: „Mal sehen, wie er vorgeht, und wenn ich dann mehr oder etwas anderes will, kann ich immer noch aktiv werden.“

Männer – das wird Sie erstaunen – setzen sich ebenfalls Grenzen. Und wie Frauen auch, wissen sie, dass sie diese Grenzen gelegentlich überschreiten müssen. Es gehört einfach dazu. Den richtigen Ton auf der Klaviatur treffen, heißt nicht immer, lieb und nett zu sein. Im Gegenteil. Jeder Mann, der höflich, nett, zuvorkommend und zurückhaltend war, hat schon mal erlebt, dass er damit nicht weiterkommt. Zu Recht. Denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Und nun zitiere ich mal:

Das Ausloten von Grenzen der Sexualität ist in der Erotik nahezu systemimmanent. Grenzüberschreitungen sind manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Wer nicht wagt, gewinnt nie.


Und weil das alles so ist, und auf gar keinen Fall anders, können mir manche Diskussionen gestohlen bleiben. Zum Beispiel die, dass „wir Männer“ uns nun endlich mal ändern sollten. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Wir wissen, dass Frauen so viel erotische erotische Bedürfnisse haben wie wir selbst und wir wissen auch, dass nicht jeder Mann vom Honigtöpfchen naschen darf, auch nicht, wenn es weit offen ist.

Aber jemand darf es möglicherweise. Und er muss es herausfinden, sonst langweilt sich die Frau – jedenfalls bei einem Date oder auf einer einschlägigen Party. Denn die Frau kommt nicht als Neutrum, sondern als lustvoller Mensch, der sich von der Begegnung etwas verspricht.

Oh ja, ich gebe zu – es gibt da Begegnungen, die immer noch so ablaufen wie im 19. Jahrhundert. Vorsichtiges Betasten, sorgfältiges Abwägen, die Erotik ganz hinten in die Ecke stellen und das Symphatie-Karrussell drehen, bis sich im Hirn etwas lockert. Das alles hat etwas von Kommerz. „Ach ich wertvolles Wesen, ich muss mich so teuer wie möglich verkaufen.“

Na schön. Falls Sie so denken, sollten Sie mal überlegen, was Sie da wirklich tun: Sie bieten sich bewusst teuer an. Sie erwarten, dass der Mann den Preis bezahlt, den Sie einfordern. Und das halten Sie für eine ethisch korrekte Einstellung?

Zitat aus: Tichy