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Welche Maske trägst du zum Date?

Maske und Erotik - Judah und Tamar als orientalisches Paar
Heute habe ich fein die Ohren gespitzt, als eine Expertin über Masken sprach. Also – zu einer wirklich gepflegten Dame gehört keine Einmal-Maske, grün, es sei denn, du würdest einen Fetischisten treffen, der auf OP-Masken steht. Passt aber wirklich nur zum Krankenschwesternkostüm.

Spaße weg – ernst herbei – welche Maske, die zugleich schützt und anregt, solltest du tragen?

Das wichtigste: Unter der Maske atmen können

Natürlich sollte sie schützen – aber das reicht nicht, um dein Gegenüber zu bezaubern. Dann solltest du – wirklich – durch sie atmen können. Am Markt waren (und sind) zahnlose Masken, durch die du kaum Luft bekommst und deren Stoff stinkt. Bist du Brillenträgerin? Dann achte darauf, dass deine Brille nicht jedes Mal beschlägt, wenn du ausatmest – du solltest dein Gegenüber ja in jedem Fall ansehen können, oder?

Farben oder Symbole?

Ich habe gestern beobachtet, dass eine Dame eine kanarienvogelgelbe Maske trug – passen zum überwiegend gelben Outfit. Ton-in-Ton geht immer, die Komplementärfarbe auch, ansonsten könnt ihr euch an Haarfarbe und Hauttyp orientieren – erlaubt ist, was gefällt. In einer Zeitschrift sah ich eine Maske aus „Schottenstoff“ – passte zum Schottenrock, der zwar gerade nicht „in“ ist, erotisch aber durchaus interessant. Auch Super und unheimlich erotisch: ein Kussmund auf der Maske.

Die Sache mit „hier nicht küssen“ hatten wir hier ja schon mal – Wagemut ist nötig, um so etwas zu tragen – und du brauchst jemanden, der die so etwas herstellt. Ist immer gut, Leute zu kennen, die eine Nähmaschine bedienen können.

Verlockende Augen

Wenn eine Maske nicht für sich selbst spricht, gibt es nur eines: die Augen nachschminken, und vor dem Spiegel üben, wie die mit den Augen verführen kannst, während du die Maske trägst. Das hängt mit der Mimik zusammen, die nicht vollständig „rüberkommt“, wenn du eine Maske trägst. Flirts mit Maske gehen also „über die Augen“.

Nichts als eine Maske? Für die Verführung zu Hause gar nicht schlecht, aber dann musst du ja den „Mindestabstand“ einhalten – außer, du wohnts mit deinem Liebsten zusammen.

Verschleiert zum Date?

Oh, Maske – Verschleierung, Vermummung? Fällt euch da eventuell der Orient ein? Eine der erotischsten Szenen des „Alten Testaments“ hat der Maler Horace Vernet 1840 festgehalten, ganz auf „orientalisch“ interpretiert und dabei gezeigt, dass eine Maske nicht davor schützt, erotisch anziehend zu sein – sondern eher im Gegenteil. Es handelt sich um einen relativ kleinen Ausschnitt. Das Originalbild ist in London in der Wallace Gallery zu besichtigen.

Lust und Schmerz – ein Monat der Recherche

Lust und Schmerz – oder sagen wir besser: miteinander angeblich unvereinbare Gefühle – liegen enger zusammen als wir dachten. Das ist nicht nur beweisbar, sondern auch durchaus nachfühlbar. Und dabei werden wir erst einmal über etwas anderes als über Sexualität reden. Wechseln wir einfach mal von der Fleischeslust zur Esslust.

Beginnen wir mit einer scharfen Speise

Wart ihr schon einmal Indisch essen? Ich habe die „richtigen“ indischen Speisen im Vereinigten Königreich kennengelernt. Irgendwann war in Glasgow, in einem kleinen indischen Lokal – vier Tische, alles wurde frisch gekocht, ein Pfund Sterling pro Nase für die Bereitstellung der Weingläser. „Wollen Sie es wirklich Indisch?“ fragte die Bedienung – und klar wollte ich das. Denn am Tag zuvor war ich in einem dieser Massenabfertigungs-Lokale, bei denen draußen „Indisch“ draufsteht und innen ein vorgekochter Fraß serviert wird.

Ich erzähle euch das, weil das Essen eine unglaubliche Lust auslöste. Alles frisch gekocht, alles mit scharfem Unterton – nun, ungefähr bis zur Hälfte der Mahlzeit. Dann begann ich zu schwitzen, so sehr, dass ich an meinem Gesundheitszustand zweifelte, und trank in wenigen Minuten eine ganze Flasche Wasser aus. Die Bedienung grinste: „Sie wollten es doch richtig indisch, oder?“ Am Ende stellte sich dann das wohlige Gefühl wieder ein, außerordentlich gut gegessen zu haben, und endlich kam auch der Wein dran. Main Fazit: ich würde es jederzeit wieder versuchen.

Wechselbäder der Lust und des Schmerzes?

Die Parallele zu Lust und Schmerz? Es kann sein, dass Lust und Schmerz im schnellen Wechsel als sinnlich empfunden werden. Aber ebenso gut kann es sein, dass zuerst die Lust kommt, dann der Schmerz, wie die Wissenschaft festgestellt haben will. Oder erst der Schmerz, dann die Lust, so, wie viele Menschen die erste heftige körperliche Liebe empfunden haben mögen. Die Frage: „Willst du es wirklich so scharf, intensiv oder hart“ ist eher rhetorisch, wenn wir nicht wissen, was wir hinterher serviert bekommen.

Die besonderen Probleme bei erotischen Züchtigungen

Auf der andere Seite haben wir festgestellt, dass über die erotische Züchtigung, den Schmerz, die Unterwerfung oder die Entwürdigung viel Unfug erzählt wird – und zumeist resultiert er aus der Lektüre zweitklassiger E-Books oder pornografischer Filme, die sich mit dem Thema beschäftigen, und letztlich gibt es auch „Szenen“, die sich an Ideologien orientieren. Da können wir es ganz kurzmachen:

Eine Show ist nichts als eine Show

Ein Rollenspiel, das als „Show“ vollzogen wird, kann uns niemals Einblick in die wirklichen Gefühle der Beteiligten geben. Und die „Beichten“, oder „Erfahrungsberichte“, die man gelegentlich im Internet lesen kann, sind – milde ausgedrückt – geschönte Darstellungen des tatsächlichen Geschehens. Das gilt für die „passiven“ Teilnehmer, also Schmerzliebhaber, Büßer oder Menschen, die Erniedrigung lieben, aber besonders für die „aktiven“ Teilnehmer, namentlich für die Damen, die damit ihre Dienste vermarkten wollen.

Die Schwierigkeiten, sich Züchtigungen zu nähern

Und: nein, uns ist nicht gelungen, eine Art Psychogramm der „Tops“ oder „Bottoms“ zu erstellen, so, wie es allen zuvor nicht gelang, die es versucht haben. In beiden Gruppen gibt es Menschen, die ganz offenkundig nicht alle Tassen im Schrank haben und solche, die ein lustvolles Spiel in ihrem Tun sehen – und bei den „Dominae“ ist es der blanke Gelderwerb, der mit etwas Zirkusglitter umkränzt wird.

Es gibt nur wenige Journalistinnen (oder Journalisten), die selbst in die eine oder die andere Rolle abgetaucht sind. Wir haben ein Beispiel gefunden, warum das nicht gut funktioniert: Die Journalistin, die sich dem erotischen Schmerz auf einem Seminar unterwerfen wollte, empfand nichts, weil sie ständig beobachtete, was geschah. Das heißt, sie konnte ziemlich alles beschreiben, was um sie herum vorging, aber nicht, was sie selbst dabei fühlte.

Welche Tatsachen bleiben?

Soweit also ein kleiner Teil dessen, was wir erfahren konnten. Die größte Schwierigkeit haben wir aber -wie wir meinen – gemeistert. Sie besteht darin, den vielen Unsinn aus der Fach- und Trivialliteratur sowie aus den Gefälligkeitsaussagen von Betroffenen herauszufiltern und uns auf Tatsachen zu konzentrieren.

Was dann noch bleibt? Eigentlich nur eines: Die Geschwindigkeit, mit der eine Hand, ein Pantoffel oder ein Rohrstock auf einem Gesäß auftrifft, lässt sich messen – die Empfindungen dabei wissen aber nur die Beteiligten selbst. Hoffen wir, dass wenigstens die Erotik-Autorinnen schaffen, uns einen Hauch von glaubwürdigen Empfindungen zu vermitteln. Nach „50 Shades of Grey“ habe ich kaum noch Hoffnung.

Internate, Schläge, Erzieherinnen und Jünglinge

Eine bescheidene Warnung an empfindsame Leser(innen) zum zweiten Teil.

Diese kleine Artikelserie behandelt ein Thema, das vielen Menschen befremdlich erscheint. Ersten betrifft er einen Umstand, den man in der guten Gesellschaft geflissentlich ignoriert, nämlich die Züchtigung. Und zweitens geht es hier unter anderem um ein Thema, das gemeinhin hin als „schmutzig“ angesehen wird.. Zum Dritten sind die vermeintlichen Opfer der Schläge oftmals junge Frauen, die sich in Zwickmühlen befinden. Aufgrund dieser Brisanz sollten den Artikel nur Menschen lesen, die entsprechend geläutert sind. Den ersten Teil findet ihr hier.

Bis in die 1930er Jahren wurde das "Pferd" als Strafbock genutzt und die Strafende als Sportlehrerin interpretiert.

Ein Ausflug zur Züchtigung der jungen Männer

Bei den jungen Männern finden wir ein Phänomen vor: Ausgesprochen viele kamen in der Blütezeit der Internate ebenfalls mit der aufgeheizten erotischen Atmosphäre in Berührung, und sie durchlebten ebenso intensive Züchtigungen. Und ganz selbstverständlich kam es zwischen den Schülern oftmals zu sexuellen Handlungen, die man als „Episoden“ verniedlichte. Was aber tat man in der damals begehrten Literatur, wenn man schildern wollte, wie junge Männer gezüchtigt wurden? Man verlegte die Episoden an andere Plätze, also die Wohnungen privater Erzieherinnen, Erziehungsanstalten mit weiblichem Personal oder delegierte die „Erziehungsarbeit“ an strenge Tanten, die mit solchen Züchtigungen beauftragt wurden Die Erotik trat dabei durch die Hintertür ein, denn obgleich die jungen Gentleman noch recht naiv in ihren Bemühungen waren, drängte sie die Natur doch dazu, ihre Erzieherinnen als erotisch attraktiv anzusehen. Man kann sich leicht vorstellen, welche Konfliktstoffe sich daraus ergab, den man nunmehr vorzüglich in Romane wandeln konnte.

Wer waren die Leserinnen und Leser?

Die Frage, ob es mehr Männer gab, die nach derartiger Literatur lechzten oder mehr Frauen, ist umstritten. Behauptet wird oftmals, je „schmutziger“ oder „abwertender“ die Geschichten der Züchtigungen von jungen Frauen waren und sind, umso mehr werden sie von Männern verschlugen. Je subtiler die Schläge hingegen vollzogen wurden, umso mehr seien Frauen davon begeistert. Diese Frage durchzieht im Übrigen alle Epochen, und sie wurde schon anhand er viktorianischen Literatur diskutiert. In den 1990er Jahren (1) kam sie erneut auf, als zahllose Taschenbücher über Züchtigungen in Internaten und Erziehungsanstalten erschienen - dabei waren sowohl die Strafenden wie auch die Bestraften nahezu ausschließlich Frauen.

Die Rolle der Leserinnen

Da sich diese Literatur auch fast ausschließlich an Frauen wandte (2), konnten sich die Leserinnen wahlweise in die eine oder die andere Rolle hineinfinden. Nach dem Kenntnisstand des Autors wurde niemals geklärt, ob sich erwachsene Frauen eher an den Schilderungen der Entblößung und Bestrafung junger Frauen ergötzten, oder ob sie sich selbst auf einem Pult liegend sahen, den Rock hochgeschlagen und mit entblößten Schenkeln.

Doch wo bleiben die Männer? Zunächst erscheinen sie als Randfiguren in den erotischen Romanen, es sei denn, sie würden genüsslich von Frauen gezüchtigt. Doch dann brach eine wahre Welle von Flagellationspornografie herein - und zwar im Vereinigten Königreich. Die Strafenden waren nun ausschließlich relativ hässliche Männer, wenn man die Bebilderung ansieht, und die Gestraften „natürlich“ und naiv wirkende junge Frauen. Von der Blütezeit dieser Literatur lest ihr im dritten Teil dieses vierteiligen Artikels.

(1) Zum Beispiel Black Lace, Nexus und Chimera.
(2) Bei Nexus wurde dies bezweifelt, doch dürften die meisten Titel eher Frauen ansprechen, die eigene Erfahrungen aus Internaten hatten.
Bild: nach einer Zeichnung, undatiert, vermutlich von "Soulier", der viele ähnliche Zeichnungen anfertigte. Man beachte die High-Heels.

Internate, Frauen, Schläge und schmutzige weiße Männer

Eine bescheidene Warnung an empfindsame Leser(innen)

Diese kleine Artikelserie behandelt ein Thema, das vielen Menschen befremdlich erscheint. Ersten betrifft er einen Umstand, den man in der guten Gesellschaft geflissentlich ignoriert, nämlich die Züchtigung. Und zweitens geht es hier unter anderem um ein Thema, das gemeinhin hin als „schmutzig“ angesehen wird.. Zum Dritten sind die vermeintlichen Opfer der Schläge oftmals junge Frauen, die sich in Zwickmühlen befinden. Aufgrund dieser Brisanz sollten den Artikel nur Menschen lesen, die entsprechend geläutert sind. Diese Artikelserie behandelt das Thema ausschließlich historisch (zwischen ca. 1890 und 1990) und reicht nicht in die Jetztzeit hinein.

Buchillustration gegen 1920 - Dame des Hauses und Dienstmagd

Erster Teil: Am Anfang stehen die Frau - in beiden Rollen

Historisch betrachtet besteht die deutliche Mehrheit der Strafenden in der klassischen erotischen Literatur aus Frauen, und ebenso handelt es sich bei den Gestraften zumeist um Frauen. Ist dies nicht der Fall, so wird zumindest versucht, die Geschichte aus der Perspektive einer Frau zu erzählen, die Züchtigungen gutheißt. Die Autorinnen und Autoren bemühen sich dabei zumeist, die erotisierende Stimmung der Züchtigung erotisch zu verdichten, was deutlich besser gelingt, wenn eine spannende, lustvoll-sinnliche Atmosphäre erschaffen wird. Mit Männern als strafende Personen ist die ungleich schwerer, da von ihnen keine Sinnlichkeit erwartet wird, sondern eher die als pervers empfundene Lust des Sadisten. Also nutzen professionelle Autoren wie auch Groschenheft-Schreiber gerne eine feminisierte Perspektive (1). Die Aussage, erotische Literatur sei Frauensache (2), gilt heute wie gestern, mögen die Gründe heute auch völlig andere sein als zur Viktorianischen Zeit.

Dies alles gilt auch für jene englischsprachigen Romane, in denen Frauen die Erziehungsgewalt über junge Männer durch Körperstrafen unterstreichen. Dabei wird die Frau in der Doppelrolle der lustvollen Verlockung und der strafenden Gouvernante gezeigt. Das Vorbild ergibt sich aus der „Petticoat Discipline“, bei der sich junge Männer, sich ganz und gar „dem Rock unterwerfen“ müssen. (3)

Die Erotik der „höheren Töchter“ und die Internate

Für beide Tendenzen gibt es gute Gründe. Einer ist sicherlich, dass es zahllose wahre oder jedenfalls klug nachempfundene Schilderungen der erotischen Überhitzung unter den „Höheren Töchtern“ gab, die eine Internatserziehung „genossen“. Sie beruht einerseits auf wirklichen Strafen, dann aber auch auf die romantisierte Liebe zu den Erzieherinnen. Diese wurden oft mit „Mademoiselle“ tituliert oder gleich als Französinnen bezeichnet. Ihre körperliche Nähe ließ sich auf verschiedene Art erschleichen - und am intimsten dadurch, dass sich die Internatsschülerinnen auf Strafen einließen. Die Intimität begann bereits mit der Prozedur der Entblößung, wobei die Schilderungen danach variieren, welche Kleidungsstücke gerade in Mode waren - oder ob die Damen einfach ihre Schuluniformen trugen.

Spiele mit Züchtigungen und lesbischer Liebe

Die Schwüle des Internats - ein beliebtes Thema in den 1930ern
Je nach der Epoche, in der die Geschichten spielten, mussten also Röcke, Unterröcke sowie andere Teile der Unterbekleidung entfernt werden, bevor die Prozedur beginnen konnte. Da die Züchtigungen meist mit einem „Anwärmen“ durch Handschläge verbunden waren, begannen die Züchtigungen oftmals mit körperlichen Kontakten, die das Gefühlsleben besonders beflügelten. Da wir die Details solcher intimen Züchtigungen nahezu ausschließlich der erotischen Literatur entnehmen können, ist niemals sicher, wo die Grenzen zwischen echten Strafen, gewillkürten Strafen oder intimen Begegnungen unter dem Vorwand der Bestrafung verliefen.

Es ist auch nicht sicher, ob es sich immer um „lesbische Liebe“ handelte, die all dies beflügelte, oder eher um die „Lust als solche“, die sich in allerlei skurrilen Formen äußerte. Die Sinneslust befriedigten die jungen Frauen jedenfalls oftmals, indem sie sich gegenseitig verführten oder sich den Erziehungsspielen untereinander hingaben, wobei ein Teil dieser Praktiken in der Fantasie noch deutlich erregender war als in der Praxis.

Die meisten Schilderungen von als erotisch empfundenen Züchtigungen an jungen Frauen wurde in Internate verlegt, einige in Erziehungsanstalten oder Zuchthäuser, später auch in militärische Einrichtungen. Dazu kam die häusliche Züchtigung, die ebenfalls rituell vollzogen wurden, wobei nun auch die Gouvernanten ins Spiel kommen, denn in den vornehmen Familien wurden die Töchter oder Söhne nicht von den Eltern geschlagen.

(wird fortgesetzt, lest jetzt über die begehrten Hefte für "ältere Gentlemen". )

(1) Beispielsweise im äußerst frivolen Roman "Beauty and The Birch", erschienen 1905.
(2) Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens, Berlin 2014
(3) Exemplarisch in "Weiberherrschaft (Gynecocracy, 1883)
Bild oben ca.1920 (Oberteil) möglicherweise von Étienne Le Rallic

Bild Mitte ca. 1930 (Oberteil) von "Daisy Lennox" (Fontana).

Wie entsteht die Lust an Züchtigungen?

Flagellation
Wie entsteht die Lust an Züchtigungen? Wenn du endgültige Antworten erwartest, muss ich dich enttäuschen. Aber vielleicht erhellt dieser Artikel dein Leben oder in dir erwächst das Verständnis für andere.

Wer von „gemischten Gefühlen“ bei Schmerz und Lust schreibt, wird zuerst über die Geißler fallen. Was genau sie antrieb, wissen wir nicht. Aber was wir wissen ist die Erregung, die ihre Flagellationen auslösten (1):

Die simple Praktik …. (begegnet uns) … als eigentliches Ritual gleichzeitig in pornografischen, auf erotische Erregung abzielenden, und spirituellen, als diätische und therapeutische Praktik selbst in medizinischen Texten.“


Ob Strafgeißelungen, Selbstgeißelungen oder selbst veranlasste Geißelungen – dies alles gibt es seit Jahrhunderten. Strafe, Beschämung, Reue und Buße gingen nahezu nahtlos ineinander über. Am Ende stand eine Art „innere Reinigung“ durch fremde oder eigene Hand.

Erstaunlicherweise wissen wir wenig über die Gefühle, die ihnen die das Geißeln verschaffte. Es schien eine Manie, eine Art Sucht oder ein religiöser Wahn gewesen zu sein, der von Zeremonien begleitet war.

Eine Züchtigung ist mehr als eine Strafe

Wie auch immer – was wir mit Sicherheit wissen, ist dies: Die Geißelungen hatten nicht nur körperliche Auswirkungen, sondern sie erzeugten auch suchtartige emotionale Zustände.

Wir können den Sinn der Geißelung, der Flagellation oder der Züchtigung also durchaus rational erklären, wenn wir den Büßern, Geißlern oder Flagellanten folgen und sagen:

1. Die Flagellation erzeugt eine Art Wahn, den wir heute als Folge körpereigener Botenstoffe einschätzen.
2. Die während der Geißelung hervorgerufene Demut führt den Geschlagenen zurück zu seiner „nackten“ Existenz.
3. Die Schuld, die man sich aufgeladen hatte, wurde durch die Schläge emotional getilgt.

Das Gegenüber der Büßer - der Strafende

Ähnlich, wie die Beichte nicht allein vollzogen werden kann, suchen sich auch die Büßer ein Gegenüber – in diesem Fall jemanden, der die erotische Beichte erzwingt und die Schläge verabreicht, die zur Buße gehören. Dies belegt nachdrücklich, warum es innerhalb der Erotik weitaus mehr sogenannte „Masochisten“ als „Sadisten“ gibt.

Reinigung und Tilgung der Schuld

Wir erkennen nun auch, dass alle Strafen, auch die erotischen Strafen, nicht alle unter dem Aspekt der „Erziehung“ gesehen werden können. Die Züchtigung eines Erwachsenen erzeugt offenbar neben dem Schmerz auch Euphorie. Und soweit die Schläge vom Gezüchtigten selbst angeregt wurden, tragen sie auch zur Tilgung der nagenden Schuld bei und führen zu einer inneren Reinigung.

Das erotische Kribbeln durch Züchtigungen

Die erotische Komponente entsteht durch das Umfeld, in dem Menschen Züchtigungen gesehen, erlebt oder selbst erlitten haben. Jedenfalls wenn man einmal davon absieht, dass erotische Züchtigungen auch zur Durchblutung der Genitalien genutzt werden.

Was hat die Psychologie damit zu tun?

Ob es sich dabei bei den Ursachen für die Schmerzlust wirkliche um die bekannten Theorien von Sigmund Freud und seinen Nachfolgern handelt, ist hochgradig umstritten. Wahrscheinlicher ist, dass die Schmerzlust aus den Komponenten entsteht, die Pawlow entdeckt hat: Sobald der erotische Reiz und der Schmerz von ein und derselben Person ausgehen, kann der Schmerz auch Lust auslösen. Das Gleiche geschieht, wenn einen offenkundigen Zusammenhang zwischen erotischem Verlangen und Schlägen besteht. (Pawlow machte dieses Experiment mit Hunden, Futter und Glocken, aber das Ergebnis ist ähnlich). Wir müssen nicht lange nachdenken, um uns darüber klar zu werden, dass dies zumeist nach Eintreten der Pubertät stattfindet, denn zuvor existieren die heftigen erotischen Empfindungen auf keinen Fall. In manchen Ländern (England und Wales) dürfte dies auf sehr viele Frauen und Männer zugetroffen haben, denn das Grenzalter für körperliche Züchtigungen war die Vollendung das 15. Lebensjahrs.

Die Entstehung der Schmerzlust in der Pubertät

Auf dieser Idee basieren so viele erotische Romane und Erzählungen, dass man sie kaum zählen kann. Mal sind es die Beine, mal der offene Morgenmantel, mal die hervorquellenden Brüste der Erzieherinnen, dann sind es Erektionen, die von den jungen Männern empfunden wurden, als sie von Frauen „übers Knie gelegt“ wurden. Die jungen Frauen sprechen häufig davon, wie sie sich vor den Schlägen schamlos enthüllen oder hernach „in der Ecke stehen“ mussten, um dort in voller oder partieller Nacktheit zu verweilen. In vielen Romanen wird der Reiz der Flagellation noch dadurch erhöht, dass sie vor Zuschauern stattfindet.

Das alles mögen literarische Überhöhungen sein, die dazu dienen, die Schilderungen aufzuheizen, aber sie haben ihren Ursprung in tatsächlichen Situationen, insbesondere, wenn die Züchtigungen durch Gouvernanten, Erzieherinnen, Tanten, Cousinen oder Stiefmütter durchgeführt wurden. Im Grunde mussten all jene damit rechnen, dass der Jüngling (oder das junge Mädchen) in diesem Alter erotische Gelüste auf die Strafende bekommen könnte.

Freude an der Züchtigung?

Am Ende finden wir also eine Reihe von Spekulationen, woher die Lust daran rührt, nach Schlägen zu verlangen, sie zu genießen oder zu erdulden. Dabei haben wir noch nicht berücksichtigt, dass eine große Zahl von Menschen erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter Freude an Züchtigungen findet. Etwas Genaues können wir nicht sagen – nicht einmal, dass die Lust an Schlägen dem Einzelnen und der Gesellschaft zwangsläufig Schaden zufügt.

(1) Lob der Peitsche, München 2001