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Wenn du es auf deine Art willst ...

Spiel mit der Schamhaftigkeit


Mister, take advice from me
The more you look is the less you'll see
But if you just must have your way
Double the price you'll have to pay.


Aus: "Don't Touch Me Tomato", 1949 von Sam Manning geschrieben - die bekannteste Version stammt von Josephine Baker.

Nur 80 Prozent verlieben – und dann?

In der Zeitschrift EMOTION, so wird mir gerade berichtet, würde demnächst die Psychotherapeutin Alexandra Widmer über das Verlieben schreiben. Und der einzige Kernsatz, den man in die Welt hinausgepustet (1) hat, lautet:

Lieber 80 Prozent verliebt sein und mal schauen, wie es bei den nächsten Dates so läuft.
Nun frage ich mich, wie das gehen soll. Also, ich geh heute zum Date, bin 80 Prozent verliebt (schon eine „Verliebtometer-App auf deinem Handy?) und gehe nächste Woche zum nächsten Date, um zu gucken, ob der neue Typ mich nun zu 85 Prozent mauschig macht oder nur zu 69 Prozent? Und muss ich da jedes Mal hinterher zur Magnetresonanztomografie oder reicht ein Dopamin-Bluttest?

Ach so, ja … also die Frau Widmer meint wohl, „das Verliebtsein auf den zweiten Blick" wäre besser als auf den ersten Blick … und das heißt, ich soll den Typen lieber noch mal treffen, damit der Tank dann auf 100 Prozent aufgefüllt wird – oder der Liebestreibstoff schon aufgebraucht ist.

Wobei mir immer noch nicht klar ist, wie das so laufen kann. Ich meine, Verliebtheit in Prozent zu messen. Vielleicht erfahre ich das ja noch in der EMOTION – am Kiosk.

(1) Zu lesen in mehreren Artikeln des RND.

Liebestätigkeiten

Lebe ich in einer anderen Welt? Schreibt Frau Internetbewohnerin jetzt in Blogs oder auf sozialen Medien, wem sie gestern einen gepustet hat?

Oh, mir schwant Böses, seit ich heute den „Tagesanzeiger“ las. Jedenfalls erfuhr ich dort (Zitat):

Anders als noch vor ein paar Jahrzehnten, als man (beziehungsweise vor allem Frau) seine Liebestätigkeiten möglichst im Geheimen auslebte, um keinen schädlichen Ruf abzubekommen, kehren wir uns heute ganz freiwillig nach außen.
Ob ich das glauben soll? Ich ziehe mal vor, es nicht zu glauben. Und mal ganz nebenbei .. in dem Artikel geht es darum, sich einzumischen, auch in der Liebe. Oder vielleicht doch nicht einzumischen?

Also ich stelle mir mal vor, wie ich wohl reagieren würde, wenn meine Kollegin mich fragen würde: „Du, ich hab ihm gestern einen gepustet und dann alles aufgenommen ... hältst du das für richtig?

Besser, mich fragt niemand. Sonst bekomme ich noch einen "schädlichen Ruf" ab.

Zitat: Schweizer Tagesanzeiger vom 7. September 2019

Die totale vermarktete Frau und die Partnersuche

Richtig ist: Die Partnersuche geschieht auf einem Markt. Falsch ist: Du bist eine leidenschaftliche Anbieterin von Beziehungen, Freuden, Lüsten, Zärtlichkeiten. Wenn du es wärest, dann würde man dich vermutlich als „Escort-Girl“ qualifizieren. Oder bist du etwa selbst Kundin auf dem Männermarkt und suchst Herren, bei denen die Haartracht zur Schuhgröße passt und die keine Feinripp-Unterhosen tragen?

Nein, das alles bist du nicht. Du hast deine Vorzüge und Schwächen, und dein potenzieller Partner hat sie auch. Du „kaufst“ nicht seine guten Seiten und schickst die schlechten nicht zurück an seine Mama. Das tun nur Leute, die im Versandhandel Klamotten kaufen. Die Parallelen sind an den Haaren hereingezogen? Exakt, so wie hier:

Ist die Entscheidung für einen Wein gefallen, steht die Auswahl des Essens an. Zum kräftigen Rotwein ist das Steak die perfekte Wahl. Im Webshop werden der Nutzerin genauso passende Oberteile zum gewählten Rock angezeigt, vielleicht sogar noch farblich passende Strumpfhosen oder Schuhe.


Werbefritzen - da wäre noch eine Marktlücke

Oh, eine Marktlücke: Typ und Alter eingeben, dann Zeitpunkt und Zweck des Dates: Schon werden der passende Rock, der entsprechende Tanga (Ouvert?) und die Strapse angeboten. Noch Vorschläge für den Small Talk oder besonders gefühlsechte Kondome? Und noch eine CD, um die passenden Fragen und Antworten auswendig zu lernen? Aber sicher doch.

Und dann? Ich lese weiter …

Was ist das Geheimnis einer langjährigen, glücklichen Beziehung? Jeden Tag aufs Neue den Partner begeistern, keine Langeweile aufkommen lassen und auch mit den Veränderungen im Leben umgehen.

Und das heißt: Dessous kaufen kaufen, Düfte kaufen … und was noch?

Zwischen temporären und langfristigen Interessen zu unterscheiden.

Mhhh … da könnte ich mir dies und das vorstellen. Was, wenn sie heute alle drei Bände der „Shades of Grey“ bestellt? Wäre es dann nicht angebracht, sie auf das wundervolle Angebot an Gerten und Peitschen hinzuweisen, temporär, versteht sich – und damit keine Langeweile aufkommt? Und eine Wundsalbe, falls du zu heftig zugeschlagen hast?

Also, falls ich auch mal etwas dazu sagen darf: Die Werbefritzen glauben offensichtlich das, was sie schreiben. Und du? Bist du wirklich eine doofe Verbraucherin, die kein anderes Interesse hat, als „online“ Waren zu bestellen? Oder Männer in den Einkaufskorb zu legen?

Tipp: Auch Männer kannst du zurückgeben, wenn sie in der ersten Nacht nicht gefallen haben. Sogar offline.

Alle Zitate aus: "Onlinemarketing"

Findelsatire – das Leben findet auf Instagram statt

An sich ein sehr positiver Artikel, den wir fanden. Es geht um Feminismus, und zwar um die helle, lustvolle Seite und die dunkle, doktrinäre Seite. Und wir finden natürlich gut, dass darüber gesprochen und geschrieben wird. Musste mal sein, und ist absolut OK.

Nur … äh … werden da nicht „soziale Medien“ und die Realität miteinander vermischt? Da zitiere ich doch mal:

Offen über Wünsche zu sprechen zeugt von einem neuen, weiblichen Selbstbewusstsein, das auf Instagram unter Hashtags wie #orgasmsmatter und #sexmatters stattfindet.


Oh ... und wo findet all dies in der Realität statt?