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Welchen Kick gibt dir dein Schamgefühl?

Manchmal reicht es, Strapse zu tragen, um sich zu schämen
Wenn ich die Sache mal ganz einfach sehe: Es ist der Kick, Lust daran zu empfinden, wofür die wir uns eigentlich schämen. Ich denke, wenn du nie masturbiert hast, wirst du das nicht begeifern – aber das betrifft ja nur ein paar Prozent von euch (seid ehrlich und schämt euch nicht …).

Erinnerst du dich an Lust mit Scham?

Erinnerst du dich? Der Kick dabei war, dass du erwischt werden konntest – entweder dabei oder weil man es dir angesehen hat – im Gesicht, und manchmal auch an der Kleidung. Und du hast es trotzdem getan, weil die Gefühle so toll waren.

Wie war es, als du einem Mann zum ersten Mal erlaubt hast, an deinen Brustwarzen zu saugen? Ach, hast du noch nicht? Weil du dich, schämst oder wegen was anderem?

Ich habe gehört, dass die Lust daran, auf den Po geschlagen zu werden, vor allem daher kommt, weil wir uns schämen, „so etwas“ überhaupt auszuprobieren. Weil wir unseren „inneren Schweinehund“ besiegen müssen oder das Mäuschen, das in dein Ohr pfeift: „Eine anständige Frau gibt sich nicht für so etwas her.“

Einen Knacks im Hirn oder ein Mäuschen im Ohr?

Klar kann’s auch sein, dass wir glauben, einen Defekt im Hirn zu haben: zu viel Lust auf Lust oder so. Oder das wir uns Zuneigung kaufen, wenn wir was „Unanständiges“ mit jemandem tun.

Aber der Kick? Da reicht schon mal, einen kurzen Rock und Strapse zu tragen und auszuprobieren, ob das jemanden interessiert. Und wenn du dich dabei schämst? Dann versuch mal, das Gefühl zu genießen, statt davor wegzulaufen.

Der Wolf und das wehrhafte Rotkäppchen

Der große böse Wolf und die wehrhafte Jägerin
1952 gab es zahllose sogenannte Girly-Magazine. Manche sind unvergessen, andere sind kaum noch bekannt. „Wolf Bait“ gehört zu den weniger bekannten. Das Wort bedeutet „Köder für den Wolf“ – und auf diesem Titelblatt sieht der Wolf „alt“ aus – das „Rotkäppchen“ trägt Waffen, um ihn zu erlegen.

Wolfsköder - vom "sexy" Mädchen als Lockvogel zur Wolfsjägerin

Englischsprachige Quellen bezeichnen „Wolfsköder“ als sexuell attraktive Frauen, aber auch als solche Frauen, denen (sinngemäß) „Wölfe“ nachpfiffen oder sie nach Art des Rotkäppchen-Wolfs ansprachen. In der ursprünglichen Wortbedeutung meinte man wohl, dass die „sexy Frauen“ derartige Komplimente „anzogen“, während man später die „Rotkäppchen“ als Köder für „Wölfe“ auslegte, um sie einzufangen.

Die feministische Autorin Pat Califia beschreibt in der Kurzgeschichte „Little Red Riding Hood“ (Rotkäppchen) später eine ähnliche Szene, in der eine mit den Waffen einer Domina ausgestattete Frau einen Werwolf jagt. Es wurde kürzlich unter dem Titel “No Mercy“ (keine Gnade) in eine Sammlung von Kurzgeschichten aufgenommen.

Im Original handelt "Rotkäppchen" von einem klugen, wehrhaften Mädchen

Die Umkehrung der Rollen „Rotkäppchen – Werwolf“ ist weitaus älteren Ursprungs, und ich benutze dabei eigene Quellen:

Der Ursprung des Rotkäppchen-Märchens, ja, möglicherweise sogar das Original des berühmten Dialogs, findet sich in dem italienischen Märchen „Die falsche Großmutter“, das offenbar von beiden „Nachahmern“ (1) (Charles Perrault und den Gebrüdern Grimm) genutzt wurde, befreit sich das Rotkäppchen durch seine eigene Schlauheit.

Im berühmten Dialog „Ei Großmutter“ …“ wird das Mädchen misstrauisch: Großmutter mag ja noch erzählen, dass ihre Brust so haarig ist, weil sie zu viele Halsketten getragen hat, und ihre Hüften, weil sie zu enge Korsetts getragen hat. Doch das italienische Rotkäppchen ist nicht so blöd wie ihre Nachfolgerinnen. Als es bemerkt, dass die Großmutter einen Schwanz hat, erkennt das Mädchen seinen Fehler und beschließt, das Ungeheuer zu überlisten: Es verschwindet unter dem Vorwand, zunächst noch urinieren zu müssen.

Zwar bemerkt das Ungeheuer schnell, das ihm das Mädchen entwischt ist, doch kann es sich retten. Die Tauschgeschäfte, die es mit Nahrungsmitteln auf dem Hinweg betrieben hat, erweisen sich auch beim Rückweg als tragfähig und alle Bemühungen des Ungeheuers, dem Mädchen diesen Weg zu verstellen, scheitern.

Auf diese Weise ist gar nicht so abwegig, was das Magazin „Wolf Bait“ 1952 im Titel hatte.

Wer den italienischen Ursprung bezweifelt, liest besser im englischen Wikipedia nach:

„Rotkäppchen" ist ein europäisches Märchen über ein junges Mädchen und einen großen bösen Wolf. Seine Ursprünge reichen bis in das 10. Jahrhundert und gehen auf mehrere europäische Volksmärchen zurück, darunter das italienische Märchen "Die falsche Großmutter" (italienisch: La finta nonna), das später unter anderem von Italo Calvino in der Sammlung "Italienische Volksmärchen" verfasst wurde.


Die Moral der Rotkäppchen

Perrault: Wenn du dich vom Wolf verführen lässt, verwirkst du dein Leben. (2)
Grimm: Wenn du nicht gehorchst und vom Weg abkommst, frisst dich der Wolf.
Volksmund Italien: Statte dich gut aus, und mach ehrliche Geschäfte, dann meisterst du alle Situationen.

(1) Ob es sich bei Perrault um ein Plagiat handelt, ist unsicher, während es bei den gebildeten und belesenen Grimms nahezu sicher ist, bei Perrault abgeschrieben zu haben oder jedenfalls die Ähnlichkeit bewusst "übersehen" zu haben.
(2) Der Tod des Rotkäppchens bei Perrault ist warnend-sinnbildlich: Gibst du dich einem Verführer hin, bist du den Ruf der Unschuld los.

Tipps und Tricks, wenn du dich "für ihn" ausziehst

So stellten sich die Männer ein "sexy" Mädchen gegen 1950 vor
Männer, die besonders viel Wert darauf legen „auf schön“ verführt zu werden, lieben sinnliche Wäsche über alles. Darüber haben wir schon mal "über das Ausziehen" geschrieben, nämlich dies:

Die anderen wollen deinen Körper durch deine Kleidung hindurch entdecken. Wo scheint etwas durch, wo verbirgt sanfte Spitze die Brustansätze? Sie wollen, dass du im Kleid oder Rock erscheinst, und sie wünschen sich, dass du darunter noch fantasievolle Spitzen und kontrastreiche Strapse trägst. Irgendwie setzen sie das Optische in Geilheit um.


Nicht makellos schön und keine Kleidergröße 36?

Manche von euch glauben, das geht nur, wenn du jung bist, Kleidergröße 36 hast und dein Körper absolut makellos ist. Was für ein Unsinn! Dein Ehemann oder dein Freund will vor allem eine lustvolle, sinnliche und äußert intime Vorführung, bei der nur deine erotische Ausstrahlung zählt, also nicht deine „Extra-Pfunde“ und auch nicht dein Alter. Und ich muss noch mal sagen: Mit „Strippen“ hat das gar nichts zu tun. Wenn du strippen willst, musst du gut in Leichtathletik gewesen sein und ein bisschen tanzen können, und dein möglichst makelloser Körper muss vor „großem Publikum“ präsentiert werden. Das erfordert ganz andere Fähigkeiten und Künste, als du sie benötigst.

Die Allzeit-Verlockung: Strapse

Ausziehen ist nicht "Strippen"

Deshalb solltest du auch den Redakteurinnen von Frauenzeitschriften kein Wort glauben, , die dir raten, wie du deinen Freund mit „Striptease-Künsten“ verführen kannst. Sie tun’s ja nicht. Sie schreiben es ab, und das merkt man auch. Denk mal dran, dass du dich ziemlich selten (oder nie?) auf einen „Strip“ vorbereiten wirst – aber vielleicht wirst du dich in deinen „Dating-Phasen“ öfter mal spontan vor einem neuen Lover ausziehen. Auch deinen Freund oder Ehemann wirst du eher mal „aus der Lamäng“ erotisch verführen als mit Musik, Tanz und Bühnenklamotten.

Die kleine Show für einen neuen Lover

Wenn dein Lover „neu“ ist oder „sowieso nicht für immer“ kannst du alles so einrichten, dass er seine private Show bekommt. Verführ ihn mit einer Komposition aus deiner lustvollen Erscheinung, einer Umgebung, in der die Lust aus allen Winkeln lacht. Und setzt alles ein, was die Illusion perfekt macht: neben den Dessous und deiner Ausstrahlung vor vor allem, Licht, Make-up, Düfte und ein Verhalten, das ihm den Atem raubt. Das klingt nicht sehr „emanzipiert“, aber wenn du so etwas tust, wirst du deine Gründe haben.

Das bist nicht du? Na klar, das bist nicht du, wenn du am Bankschalter stehst oder Personal einstellst, programmierst oder Wurst verkaufst. Aber das bist du, wenn du deinen Typen wild machen willst.

Anders als die Frauen, die sich auf der Bühne ausziehen und dabei tänzerisch bewegen, solltest du Wege finden, dich im Stehen, Sitzen und Liegen auszuziehen und dabei immer eine gute Figur zu machen. Die Kunst der erotischen, privaten Verführung liegt dabei im „Nähern und Entfernen“, im „Reizen und Verweigern“ und im „Zeigen und Verhüllen“.

Ein paar Kleinigkeiten, wenn du nicht "überall" schön bist

Für den „schönen“ Körper sorgt immer weiches, rötliches Licht. Blaues Licht und Leuchtstoffröhren zeigen jede Hautunreinheit. Leiste dir eine altmodische Leuchte mit rötlichem Lampenschirm und verwende gedimmtes, weiches, gestreutes Licht, wann immer es geht.

Wenn du besonders große, vielleicht gar schon etwas schlaffe Brüste hast – zieh dir den BH erst aus, wenn du liegst, dann wirken deine Brüste wundervoll weich und schön.

Sexy oder nicht - eure Großmütter trugen Nachtgewänder zum Verführen (ca. 1940/1950)
Und noch ein letzter Tipp: „Alles“ auszuziehen, ist oft gar nicht nötig. Manche Männer lieben es, wenn du die Strapse, Strümpfe oder sogar die Schuhe anbehältst. Und letztendlich hilft manchmal auch ein Trick, den schon deine Großmutter gekannt haben könnte: Für den Sex umziehen, zum Beispiel ein schickes Nachthemd aus Seide, das deinen Körper betont und das sich einfach himmlisch weich anfasst.

Wie du dich als junge Frau sexy ausziehen kannst, ohne besondere Klamotten zu kaufen, kannst du hier lesen. Da steht auch, wie du einen Kerl ausziehen kannst – und er dich.

Bild oben: Historisch, nachkoloriert. In SW gegen 1950 veröffentlicht
Mitte: Herkunft unbekannt, möglicherweise ein privates "Wäschefoto"
Unten: Werbung.

Die Domina der Vergangenheit und ihre Annoncen

Foto ohne Datum - französische Dominatrice
Eine heutige Domina, Domintarix oder Dominatrice wäre zu Anfang des 20. Jahrhunderts entweder eine „Krankenschwester“, eine „Erzieherin“, eine „Lehrerin“ oder eine Gouvernante gewesen. Im Unterschied zu den echten Angehörigen solcher Berufe pflegten sie jedoch das Wort „streng“ oder „energisch“ hinzuzufügen.

Mehrere Autoren erwähnen, dass sich Damen in Zeitungsanzeigen erboten, „schwer zu behandelnde Kranke zu pflegen“. Damit war gemeint, an ihnen sadistisch-erotische Handlungen vorzunehmen. In einem anderen Kostüm, aber mit ähnlicher Behandlung, warben Frauen als „Gouvernanten, die auch schwierige Knaben erziehen“ würden. Aus der gleichen Richtung kamen jene Frauen, die sich als „strenge Erzieherinnen“, „energische Lehrerinnen“ oder „konsequente Englischlehrerinnen“ verdingen wollten. (1)

Erstaunlich ist allerdings, dass solche Anzeigen, jedenfalls, soweit es seriöse Zeitungen betrifft, in den Archiven nicht vorkommen. Im beginnenden 20. Jahrhundert wurde, soweit überhaupt Erotik vorkam, bestenfalls für Vibratoren und Unterwäsche sowie für Brustvergrößerungen geworben – die großen, knalligen Anzeigen waren für fragwürdige Pülverchen reserviert, die Gesundheit schenken sollten – aber auch für Produkte, die „brave Hausfrauen“ interessieren konnten.

Machte damals Furore: Dr. Leo Perry
War es gar nicht so, wie Lehnerdt behauptete? Die Antwort finden wir bei einem Freigeist namens Dr. Leo Perry, dem es gelang, in Wien im Jahr 1927 einige Annoncen mit frivolem Inhalt zu lancieren. Das war möglicherweise recht leicht für ihn, denn es soll sich um den Journalisten und Redakteur Leo Prerovsky gehandelt haben, der diese Anzeigen aufgab:

Aus dem Buch ...

Routinierte Lehrerin für englischen Sprachunterricht gesucht. Energie ist Bedingung, da es sich um einen sehr zerstreuten und unaufmerksamen Jungen handelt. Offerte unter „Strenge Disziplin“ an …“

Das Beispiel mag zeigen, dass entsprechende Berichte nicht völlig aus der Luft gegriffen waren – wer wollte, zahlte und eine Zeitung fand, die solche Annonce annahm, konnte also sexuelle Sonderwünsche durchaus veröffentlichen. Allerdings nur, solange er oder sie die Form wahrte und die wahren Absichten gründlich verschleierte.

London Tart Girl, ca. 1960
Eine mögliche Ursache dafür, dass wir entsprechende „Angebote“ und „Gesuche“ in alten Zeitungen nicht finden können, mag auch darin liegen, dass diese Annoncen nicht in Zeitungen, sondern teils legal, teil illegal, in Schaukästen und Laternenpfählen angebracht wurden. Man sagt, dass diese Mode erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufkam, aber es ist durchaus möglich, dass Handzettel und dergleichen während des frühen 20. Jahrhunderts in Umlauf waren. Dies wird jedenfalls von Berlin, London, Paris und New Orleans behauptet.

Später (gegen 1960) wurden die Damen als „Anzeigen-Girls“ bekannt, deren „Tart-Cards“ berühmt und berüchtigt wurden.

(1) (Gotthold Lehnerdt „Die Prostitution“, 1926)
(2) "Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege ...", Wien 1927

Text-Bild: Anno Archiv.
Das Foto der Dominatrice könnte nach dem Stil aus de 1930er Jahren stammen - Detail sind unbekannt.

Die Quellen – eine Annäherung an das Petting der Jugend in den 1960er Jahren

Es ist unglaublich schwierig, noch Zeitdokumente oder persönliche Erfahrungsberichte über das „Petting“ der 1950er/1960er Jahre zu finden. Die Menschen, die es betraf, schrieben in ihrer Jugend nicht einmal ins Tagebuch, was sie gegebenenfalls taten oder verweigerten. Heute sind sie im Alter von etwa 65 bis 85 Jahren – ein Lebensabschnitt., in dem man gerne vergisst oder verherrlicht, was „damals“ geschah. Allerdings hört man gelegentlich von Frauen, die nach einer Scheidung versuchten, neue sexuelle Kontakte mit den Methoden aufzunehmen, die sich als Teenager bewährt hatten. Das alles reicht jedoch nicht, um die „wahren Gefühle“ zu beschreiben.

Was waren also die „wahren Gefühle“? Man kann sie in drei Gruppen einteilen:

1. Wirklich selbstbewusste Frauen, die es schon in den 1960er Jahren gab, hielten Petting-Erfahrungen sowie (nach einiger Zeit) auch Koitus-Erfahrungen für unerlässlich. Sie galten als Vorbereitung auf den Koitus.
2. Die Masse der Frauen erlebte Petting als „Beiwerk“ in Beziehungen zu jungen Männern, das sie vor Schwangerschaften schützte und mal mehr, mal weniger Freude bereitete.
3. Ein kleiner Teil folgte den Ermahnungen, auf keinen Fall „Petting“ zuzulassen oder sich auf „sanfte, kosende“ Berührungen zu beschränken.

Unzulässige Quellen – Jugendamt, Kirchenvertreter und Moralisten

Völlig ungeeignet sind die Erfahrungen, die reisende Kirchenvertreter, Pädagogen, Psychagogen und Fürsorger in Vorträgen verbreiteten. Muchow (1) bedient sich sogar bei der Kriminalstatistik, um seine These von der Sexualisierung der Jugend zu untermauern, während die meisten reisenden Moralisten andere spektakuläre Fälle von Jugendlichen auftischten, die dem Jugendamt „bekannt“ geworden waren. Dabei war beispielsweise die Rede davon, dass Mädchen aus Schulklassen herausgezogen wurden, weil sie in Verdacht standen, Geschlechtskrankheiten zu verbreiten.

In den 1950 Jahren erschienen (auch in Westdeutschland) zahllose Schriften, in denen der Wert der „Keuschheit“ betont wurde. Den Mädchen wurde geraten:

Das Mädchen muss sich seiner Aufgabe …) bewusst sein und wissen, dass der Mann, und je geistig hochstehender er ist, umsomehr, im Grund seines Herzens hofft, dass das Mädchen nicht nachgibt, dass es (stand) hält. (Deshalb gehe es darum) ihn in seine Schranken zu weisen (und) sich keine körperlichen Zärtlichkeiten gefallen zu lassen.

(Zitat aus verschiedenen Traktaten nach H. Schwenger, (2)

Anderwärts (aus den USA) heißt es: „Es wird immer noch wert darauf gelegt, … die Jungfernschaft zu erhalten, und es wird häufig in Zeitschriftenartikeln und Handbüchern für junge Damen betont.

Dabei wird betont, dass Verabredungen mit Jungen „sehr leicht aus dem Ruder“ laufen könnten. Zitat (2):

Im tiefsten Herzen wusste ich, dass es falsch war, aber ich hatte nicht den Mut, die Beziehung zu beenden (…) aber es würde immer eine tiefe Wunde hinterlassen.


Verloren gegangene Quellen der „Anti-Petting-Propaganda“

Um nicht in Versuchung zu kommen, wurden zahlreiche Vorschläge in Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht. (Diese Dokumente muss ich aus der Erinnerung von Zeitzeugen schöpfen, Schriftstücke darüber habe ich in meinem Archiv nicht gefunden). Alle Ratschläge richteten sich an Mädchen:

- Feste Unterkleidung, vor allem feste Miederhöschen zu tragen, um Genitalkontakte zu erschweren.
- Sich nicht unterhalb des Halses streicheln zu lassen, gleich, ob über oder unter der Kleidung.
- Möglichst nicht allein mit einem Jungen zu bleiben.
- Keinen Alkohol zu trinken.
- Keine Zungenküsse zuzulassen und sie an der „Zahnbarriere“ scheitern zu lassen.
- Berührungen des Körpers zu erschweren, zum Beispiel, ständig etwas in der Hand zu halten (ein Trinkglas, Erdnüsse, Konfekt) unmöglich zu machen. Alternativ wurden sogar Zigaretten erwähnt, obgleich das Rauchen als „unweiblich“ galt.
- Keinen Jazzkeller, Kellerlokale oder Keller-Partys aufzusuchen.
- Keine Tanzlokale zu besuchen, in denen es üblich war, „eng“ zu tanzen.

Hielten sich die Mädchen jener Zeit daran?

Feste Unterwäsche
Die meisten jungen Menschen der damaligen Zeit hatten einen ausgesprochenen „Lebenshunger“, das heißt, sie wollten nach eigenen Vorstellungen leben. Genau dies wurde ihnen aber verwehrt, weil sie nach überkommenen Leitbildern erzogen wurden, die sie innerlich längst abgewählt hatten. Im Resultat führte dieser Umstand dazu, dass sie sich den Erwachsenen auch dann widersetzten, wenn es angeblich „zu ihrem Besten“ war.

Um unter solchen Umständen dennoch erwachsen zu werden, wählten viel den „Status quo“: Ein geheimes Leben mit Jazz, Schlagern, Partys, Jugendcliquen und heterosexuellen Kontakten – und ein offizielles, um bei Eltern, Erziehern, Lehrern und anderen Beeinflussern als „gesittet“ zu gelten. Um ein Beispiel zu nennen: Bereits Mitte 1965 galt „Jungfräulichkeit“ unter Jugendlichen nicht mehr als absolut erstrebenswertes Ziel, und ab den 1970er Jahren waren die „alten Zeiten“ mit „züchtig lebenden Töchtern“ endgültig Geschichtsmüll. Dennoch wurden derartige "Werte" unter Erwachsenen immer noch hochgehalten.

Was die Forschung sagt

Aus Forschungen wissen wir, dass junge Frauen zumeist zuließen, ja, sogar forcierten, was ihnen Genuss bereitete, vor allem Zungenküsse, enge, lustvolle Umarmungen und entsprechende Berührungen oberhalb der Kleidung sowie (mit zunehmendem Alter) auch die Bruststimulation. Verpönt war lange Zeit das Berühren des männlichen Genitals, vor allem, wenn der Mann dabei sichtbar ejakulierte. Und ganz und gar verpönt waren Oralkontakte – sie traten seltener auf als der Koitus.

Mädchen: Selber entscheidenden, was für mich gut und richtig ist

Sehr selten wird auf eine erstaunliche Tatsache hingewiesen: Bei der Erforschung des Sexualverhaltens junger Menschen (4) kam heraus, dass 84 Prozent der Mädchen angaben, „jeder sollte für sich selbst entscheiden, was für ihn richtig oder gut“ ist. Diese Zahl belegt schon für sich genommen, was die jungen Frauen von der Meinung der Eltern, Erzieher und Moralisten hielten.

Hinweis zu Männern/Jünglingen: Obgleich Petting von jungen Männern gewünscht oder gar eingefordert wurde, gibt es so gut wie keine Erfahrungsberichte oder was dergleichen nahekommt. Auch die Appelle zur Vermeidung richteten sich hauptsächlich an Mädchen.

(1) Mucho: Jugend, Reinbek 1959.
(2) Schwenger, H.: Antisexuelle Propaganda, Reinbek 1969.
(3) Plosin, Internet
(4) Schofield, M. "Das sexuelle verhalten junger Leute", deutsch Reinbek 1969, Original von 1965.