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Lüste – bringt mehr Einsatz auch mehr Erfolg?

Was ich euch hier verrate, hat mit Partnersuche oder gar Erotik zunächst gar nichts zu tun. Es ist ein Regelwerk, das in der Natur, der Technik und der Wirtschaft Verwendung findet.

Der Einsatz von Energien

Dahinter steht das Prinzip, dass mehr Energie nicht automatisch zu mehr Erfolg führt. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: die Energie fließt dann nicht mehr, sonder staut sich vor jedem Hindernis, ja, sie bildet sogar neue Hindernisse aus.

Das heißt nicht, es wäre grundsätzlich schlecht, mehr Energie oder mehr Aufwand zu betreiben, um ein Projekt vorzutreiben. Aber wenn der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zum Erfolg steht, oder wenn der Aufwand gar den Erfolg gefährdet, ist Umdenken angesagt.

Was bedeutet das für die Partnersuche?

Wenn du nach einer Partnerin (einem Partner) suchst und dabei einen vertretbaren ökonomischen, psychischen und körperlichen Einsatz leistest, dann hast du ein paar Misserfolge und dann und wann einen Treffer. Die Trefferquote wird nun aber nicht größer, wenn du Konto, Psyche und Körper enorm strapazierst. Im Gegenteil: Dann zählt jeder Misserfolg für dich doppelt und dreifach, und die Misserfolge wertest du dann um viele Punkte mehr als die wenigen Erfolge, die dir verbleiben.

Partner(in) kann dabei jede Frau und jeder Mann sein, von dem ich die Erfüllung von Wünschen erwarte, also nicht nur ein Mensch, den ich „für immer“ suche.

Zum Misserfolg trägt auch bei, dass man den „bedürftigen“ Menschen ihren Drang ansieht, endlich ihre Lüste zu erfüllen. Sie schrecken andere damit ab, zum Beispiel, wenn sie ihren Wunsch nach der Ehe, nach Kindern oder anderen engen Bindungen zu deutlich in den Vordergrund stellen. Auf der anderen Seite schreckt ebenso ab, wenn sogleich die Frage nach Oralsex, offenen Beziehungen, Swinger-Aktivitäten, BDSM oder Fetischen aufgeworfen wird.

Mehr Einsatz bringt also kaum mehr Erfolg, sondern zumeist nur mehr Mühe – und sogar mehr Frust.

Wusstest du das?

Die Zukunft der bittersüßen Lüste

Sinnliche Furcht erregen, sinnliche Furcht genießen?
Die Zukunft der bittersüßen Lüste oder; was kommt eigentlich nach den „Shades of Grey“?

Eine kurze Antwort zuerst: Die Schilderungen schmerzvoller Lüste werden weiblich dominiert werden, und die aktiven Figuren werden Frauen sein. Möglicherweise werden die Handlungen (soweit erträglich und soweit die Zensur es erlaubt) heftiger werden, aber dafür zugleich auch sinnlicher. Die Gezüchtigten werden deutlich älter sein und nicht so naiv wie zuvor, und mehr und mehr wird die sexuelle Lust zum dominanten Faktor der streng-erotischen Schläge werden.

Das Ende von "Mann schlägt Frau"- auch erotisch

Die äußeren Gründe liegen auf der Hand: „Mann schlägt Frau“ gilt als sozial inkorrekt. Doch wenn die Frau selber sinnlich dominiert, leuchten die Augen nach wie vor. Das Erlebnis, dominiert zu werden, wird mehr und mehr „unisexuell“, das heißt, solange die Frau als dominante Person auftritt, darf die geschlagene Person sowohl weiblich wie auch männlich sein. Und wenn „alles nur ein Spiel ist“, dann kann auch der Zensor lächeln.

Keine überflüssigen Psycho-Erklärungen mehr

Vermutlich wird in Zukunft nicht mehr nötig sein, pubertäre Erlebnisse der Männer als Auslöser (und Entschuldigung) für ihre Submission oder Dominanz herbeizureden – das war ein typischer Rückfall in das 20. Jahrhundert. Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr nötig, sexuelle Rollenspiele als „Perversionen“ zu bezeichnen – und deshalb muss man auch nicht mehr nach den Ursachen forschen. Die „bittersüßen Lüste“ werden auch nicht mehr an überkommene Rollenklischees andocken. Das heißt: Der dominante Part kann heute von ihm, morgen von ihr gespielt werden. Ebenso ist das Ziel nicht mehr einfach die „perverse Lust am Leid“, die es noch vor 20 Jahren zu sein schien. Vielmehr treten Lüste in den Vordergrund, sie es die willkürliche oder unwillkürliche Ejakulation, der heimliche oder offene Orgasmus während der lustvollen Strafe oder die Masturbation danach.

Beziehungen sind eigentlich nicht nötig, um Lüste zu schildern

Es wäre möglich, dass in Zukunft gar keine Beziehungen mehr geschildert werden, in denen Lust und Strafe eine eigenartige und manchmal befremdliche Melange bilden. An ihre Stelle könnten Vereinbarungen treten, die kurz zuvor getroffen werden und die von den Beteiligten als Skript für ihre Handlungen benutzt würden.

Nun gut – vielleicht ist dies eine Utopie. Aber eines ist sicher: Das alte Rollenbild des strengen Prinzipals, der nach Gutsherrenart mit Frauen umgeht, um sich an ihrem Schmerz zu laben, ist gestorben. Jedenfalls für die Literatur. Und hoffentlich auch, soweit es die Realität betrifft.

Sexuelle Abweichungen – komplett in Frauenhand?

Führung oder Unterwerfung?
Vor einigen Jahren gab es eine Internet-Bewegung, die sich „FLR“ nannte. Sie war – und ist – eine Art Mikrokosmos, der selbst von Feministinnen nicht ernst genommen wird. Aber allein die Tatsache, dass es diese Bewegung überhaupt gab, zeigt uns, wie stark Frauen sich in die „Beherrschung des Mannes durch Sex“ eingebracht haben.

Das Leben verbessern durch "frauenbeherrschte Beziehungen"?

Behauptet wird, dass eine frauengeführte Beziehung das Liebesleben deutlich verbessert, wenn die Frau beginnt, ihren Mann sexuell zu beherrschen. Zudem könnten die Paare einander besser verstehen, weil die Frau den Gesprächsverlauf bestimmt. Ebenso könnten sie ihre Unabhängigkeit in nie gekannter Weise ausleben. Durch die dabei ausgeübte Kontrolle würden auch Zweifel an der Treue ausgeräumt.

Dabei wird – mehr oder minder verblümt – die weibliche Überlegenheit gepriesen, insbesondere, alle Emotionen, vor allem aber die Sexualität, unter ihre Herrschaft zu bringen (1):

Zu dieser Art von Beziehung gehört eine dominante Frau - eine ausgewiesene Entscheidungsträgerin. Wenn ein Mann ihr genügend vertraut, kann er eine liebevolle Beziehung erleben, in der er für nichts verantwortlich sein muss. Die meisten Frauen werden nicht einmal ahnen, wie viele Männer begeistert davon sind, unterwürfig zu sein. In einer weiblich geführten Beziehung gibt es keinen Machtkampf. Und es gibt keine ständigen Auseinandersetzungen darüber, welche von beiden Personen bedeutender ist.

Von dieser Art der Beziehung ist es nicht weit bis zu der Überlegung, wie die traditionell maskuline SM-Szene besetzt werden kann. Waren in den 1960/1970er Jahren noch alberne Themen wie die „Keuschhaltung der Frau“ typisch, so wurde in den 1980er/1990er Jahren die „Keuschhaltung des Mannes“ propagiert, für die völlig neue Produkte entwickelt und vermarktet wurden. Zudem hörte man von „Hot Wifes“, also Frauen, die ihren Männern „Hörner aufsetzten“ – dieser Zweig der Swinger/SM-Szene wurde bekannt als „Cuckolding“. Den kommerziellen Teil der extrem-erotischen Beherrschung hatten Frauen schon vorher besetzt, weil es tatsächlich Männer gibt, die gerne dominiert werden – freilich nicht im sozialen Umfeld, sondern in den Händen von darauf spezialisierten Huren, die sich selber gerne „Domina“ nennen. Auch außerhalb des Kommerzes und des Keuschheitsthemas wurden Frauen immer häufiger zu Initiatoren von Rollenspielen, sowohl in Dominanz wie auch in Unterwerfung. Beweisbar ist dies anhand bestimmter Produkte, die ausschließlich von Frauen benutzt werden, um zu dominieren.

Frauen interessieren sich plötzlich stark für Triolen

Sind Cuckold-Dreier eine besonders krasse Form von sexuellen Sonderwünschen, so haben Frauen inzwischen auch die Domäne gewöhnlicher Triolen und bisexuell orientierten Dreiern entdeckt. Der Ante von Frauen, die sich im Namen eines Paares oder als „Dritte“ für eine Triole anboten, wuchs innerhalb von 40 Jahren sprunghaft von einem Prozent auf gut 20 Prozent, gemessen an einschlägigen Anzeigen.

Seitensprünge vorn Frauen werden "ganz normal"

Innerhalb des gleichen Zeitraums holten Frauen die Männer bei der Frequenz der zugegebenen Seitensprünge ein, und es entwickelte sich parallel dazu eine Art „Naturrecht auf Seitensprung“ ohne unmittelbaren Anlass. Dabei wurde auch gelegentlich als selbstverständlich genommen, bisexuelle außereheliche Beziehungen zu entwickeln und zu genießen.

Keine Feministinnen - sondern merkwürdige Abweichler

Sinnigerweise legen FLR-Autorinnen und andere Hetero-Frauen, die „Männer führen“ wollen, den größten Wert daraus, nicht emanzipiert zu sein. Sie behaupten hingegen, dass ihr Sinnlichkeit, ihre Weiblichkeit und ihre sexuelle Lust mit der Ausübung ihrer Dominanz wächst.

Manche dieser Tendenzen können mit Zahlen untermauert werden, andere nicht. Und wesentlich stärker als die FLR-Bewegung ist die „innere Bewegung“ derjenigen Frauen, denen es gar nicht darum geht, über Männer zu bestimmen, sondern die ihr Leben (und eben auch ihr Sexualleben) nach eigenen Vorstellungen gestalten wollen.

(1) Ich behalte mir das Recht vor, Zitat von ideologisch motivierten Gruppen nicht zu verlinken.

Wie der Mann heute sexuell dasteht

Rollenwechsel - Realität oder Fiktion?
Wie steht der Mann heute da? Wir glauben nicht, dass uns uns Soziologen oder Psychologen die richtigen Antworten geben können. Und wir wollen es eigentlich auch nur für die Liebe, die Lust und die Sexualität ergründen.

Kürzlich brachte es ein Mann auf den Punkt:

Was gestern noch als männlich galt, ist heute verpönt - und auch wieder nicht.

Das kling ziemlich plakativ, gilt aber auch für Frauen:

Was gestern noch als feminin galt, wird heute von Frauen heute verachtet – und auch wieder nicht.


Wir erwarten Eigenschaften und deren Gegenteil

Was letztlich heiß: Wir befinden uns nicht mehr in einer Zeit, in der wir vom jeweils anderen Geschlecht „etwas Bestimmtes“ erwarten, sondern wir erwarten zugleich auch eine andere, eher gegenteilige Eigenschaft.

Das stört die Partnersuche über alle Maßen, aber auf diesem Gebiet erreichen wir gegenwärtig gar nichts: Die Frau, die den hodenstarken, furchtlosen und über alle Maßen dominanten Mann sucht, der zugleich sinnlich, liebevoll und zärtlich ist, hat auf dem Beziehungsmarkt keinerlei Chancen. Und der Mann, der eine schmollmündige, feminine, sexuell „tabulose“ oder gar über alle Maßen devote Frau sucht, die zugleich lebensklug, selbstbewusst und gebildet ist, kann ebenfalls einpacken. Noch haben dies weder alle Frauen noch alle Männer begriffen – aber das, – so prognostiziere ich mal, werden fast alle noch bereuen.

Wer die Tabuzonen ausleuchtet, entdeckt die Knackpunkte

Wenn wir wirklich wissen wollen, was mit dem heutigen Mann (und der heutigen Frau) andres ist, dann müssen wir uns in die Tabuzonen begeben: dem Verhältnis zur eigenen Sexualität und dem Anspruch, sie auch durchzusetzen.

Um dies herauszufinden, müssen wir uns klar machen, was Frauen und Männer einstmals für selbstverständlich heilten – und was sieh dabei inzwischen verändert hat. Typische Gebiete im Bereich der Sexualität sind die „Verfügbarkeit“, die Männer von Frauen noch vor 100 Jahren als „selbstverständlich“ voraussetzten. Genau genommen wurde alles, was im beim Sex geschehen dufte und was nicht, vom Mann bestimmt. Zugleich wurde immer wieder darauf geachtet, dass es keinerlei Abweichungen von den Nomen der Ehe gab. Fremdgehen existierte nicht, selbst wenn es üblich war. Erotische Rollenspiele verwies man in den Puff. Orgien, Dreier und Partnertausch gab es nur bei den „anderen“, von denen man mal gehört hatte. Und vor allem achtete man scharf, dass niemand etwas Eigenes dürfen durfte. Kam es heraus, war die Hölle los.

Der Mann konnte manches wollen - und vieles durchsetzen

Das wäre mal die Grundsituation. Befahl der „Herr und Gebieter“ jedoch, dass all das, was man niemals wollen würde dennoch geschah, dann beugte sich die Frau seinem Willen. Frei nach dem Kalkül: Wenn er es nicht mit mir macht, dann macht er es vielleicht mit einer anderen.

Darüber hinaus wachte „die Gesellschaft“ einerseits über den Wohlanstand der Mittelschicht, andererseits aber auch darüber, dass die Eliten herumhuren konnten, wie es ihnen gefiel. Der doppelte Standard durfte nur niemals herauskommen – dann kochte die Volksseele.

Die Situation heute - Männer können nicht mehr herrschen, wie sie wollen

Ein bisschen ist davon noch da. Die Reizthemen sind weiterhin „außereheliche Beziehungen“, SM-Aktivitäten oder der Blick über den Zaun in den Lustgarten des eigenen Geschlechts. Darüber wachen immer noch zahllose inzwischen selbst ernannte Moralwächter.

Und der Mann? Er muss zwangsläufig “herrschen und teilen“ – und er muss sich immer mehr damit konfrontiere lassen, dass Frauen höchst eigenartige Gelüste haben, die er erfüllen sollte, sonst … nun ja, sonst riskiert er eben, verachtet oder verlassen zu werden.

Bild: Nach einer Zeichnung von 1913 - die Frau und der Hampelmann

Willkommen im vorigen Jahrhundert

Gestern las ich, wie ein Redakteur (oder eine Redakteurin) das vorige und vorvorige Jahrhundert in unser Jahrhundert transportieren wollte. Erst beabsichtigte ich (ja, wirklich) mehr dazu schreiben. Doch was davon übrig blieb, war ein Faktencheck:

Geredet wurde von einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“. Gemeint war unverbesserlicher Pessimismus bei der Partnersuche. Später heißt es allerdings, das sei nicht gut, denn: „Pessimisten küsst man nicht gerne“. Gefolgt wird dies von einer erneuten Behauptung, man gerate häufig in negative kybernetische Spiralen hinein: „Je mehr Trennungen erlebt werden, umso mehr Vermeidungsstrategien probiert man aus.“ Da merke ich mal an: Wenn das so ist, dann sollte man sein Oberstübchen durchchecken lassen, bevor es zu spät ist.

Dann folgt: Die Liebesheirat hat „in der Geschichte der Menschheit keine Tradition“. Wie schön, wenn man sich in der „Geschichte der Menschheit“ auskennt – aber seit etwa 100 Jahren ist sie der Standard in der westlichen Welt.

Schließlich holt man die „serielle Monogamie“ aus der Mottenkiste – eine Soziologen-Frechheit aus den 1970ern, hier als häufige „Übergangswahl bis zum Nächsten“, bezeichnet.

Am Ende haben wir dann die Lösung. Habe ich die nicht schon mal irgendwo gelesen? Hier im Wortlaut:

Man sollte … die Gelegenheiten nutzen, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten – dann wird man nicht suchen, sondern gefunden.

Was ich dazu sage? Ich habe es schon mal gehört: Von alten Tanten aus dem vorigen Jahrhundert – oder waren sie gar aus dem vorvorigen?

Wie auch immer: Viel Glück und Spaß beim „aufgefunden werden“.

Zitatenquelle: MoPo