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Was erlaubst du dir, was ist für dich Tabu?

Dämonen, Tanz, Tabus ... was ist für dich "tabu"
Es gab Zeiten, in denen für wenige fast alles erlaubt war und für die meisten fast nichts. Es stand in geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen, und mochten sich auch das Recht wandeln, so bildeten sich doch neue Vorschriften in Form des Wohlanstands. Selbst wenn etwas nicht völlig undenkbar war, so war es oftmals dennoch unantastbar.

Der ausgeblendete Unterleib

Der Unterleib war – verbal wie auch optisch und taktil – so gut wie unerreichbar. Man sprach nicht drüber, man sah ihn nicht an, man berührte ihn nicht. Jedenfalls offiziell, denn obgleich auf die Einhaltung der Sittsamkeit der größte Wert gelegt wurde, fanden Frauen und Männer in jüngeren Jahren immer wieder Auswege. Vor allem die genaue Betrachtung der Genitalien des anderen Geschlechts und die Masturbation waren semi-tabu: Man wusste oder ahnte, dass alles früher oder später „irgendwie“ stattfand, aber man fürchtete die Folgen der Entdeckung.

Einschränken oder Ausschöpfen?

Heute bist du selbst gefordert, deine Möglichkeiten einzuschränken oder zu erweitern. Du bis einerseits nicht gezwungen, alles an Möglichkeiten auszuschöpfen, was dir Menschen oder Magazine vorschlagen. Andererseits aber kannst du auch aus dem Gefängnis der selbst gewählten Einschränkungen ausbrechen.

Ziemlich sicher ist, dass du nicht alles erproben wirst, was möglich ist – und schon gar nicht mit jedem. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass du irgendwann einmal ein Pseudo-Tabu brechen wirst, sei es aus Liebe oder aus Neugier. Mach dir darüber keine Sorgen – all das tun Menschen täglich.

Listen im Kopf - was erlaube ich mir eigentlich?

Die meisten Frauen und Männer, die sexuell aktiv sind und dabei bewusst sexuelle Beziehungen eingehen, haben unterschiedliche „Listen“ im Kopf.

1. All das, was sie mit jedem und jeder tun würden, ohne darüber lange nachzudenken.
2. Die Praktiken, die sie als „Geschenk“ an andere Frauen/Männer auffassen, obwohl sie ihnen selbst nicht viel Freude machen.
3. Einige Praktiken, die sie „mit Augen zu und durch“ ausführen, obgleich es sie Überwindung kostet.
4. Einige Wünsche, über die sie sich noch unsicher sind und bei denn sie darauf warten, dass der Partner sie vorschlägt.
5. Etliche noch niemals ausgeübte Praktiken, die sie zwar interessieren, die sie aber dennoch aus Angst verweigern würden.
6. Träume und Vorstellungen, die sie zwar erregen, die sie aber niemals zur Ausführung bringen würden.
7. Solche Praktiken, die sie anekeln und die sie unter gar keinen Umständen durchleben wollen.


Wer nicht so stark differenziert, kann auch sagen, dass es für in drei Kategorien gibt:

- Geht immer.
- Geht, wenn ich ihn/sie sehr begehre.
- Geht nie.


Streng mit sich selbst sein?

Innere Hürden - überwinden oder bestehen lassen?

Die meisten Menschen haben innere Hürden, die sie hindern, etwas in ihrem Leben zu verändern. Veränderungen mögen für die einen Chancen sein, für die anderen aber bilden sie Gefahren. Manche Menschen fürchten sich erstaunlicherweise nicht davor, etwas „Schmutziges“ oder „Ungewöhnliches“ zu erproben, sondern Gefallen daran zu finden und deshalb geächtet zu werden. Andere ängstigt sehr, dabei zu versagen, die Praktik nicht zu ertragen, oder etwas abzubrechen und damit den Partner zu verlieren. Manche Frauen weigern sich innerlich, auf keinen Fall „Hurenpraktiken“ auszuüben, während Männer sich vor allem vor ihrem weichen, sinnlichen Kern fürchten.

Jeder muss wissen, was er sich zumuten will, und jeder setzt seine Grenzen selbst – und auch die Durchgänge, die er öffnet, wenn er wirklich intensiv liebt.

Bild: Aus einer Lose-Blatt-Sammlung, Ton des braunen Untergrunds entfernt, angeblich von einem afrikanischen Künstler Asa "Ace" Moore, offenbar aber ein Pseudonym eines/einer Unbekannten.

Neugierde, Geilheit und Realität in der Erotik

Liebe in ... Addis Abeba?
Herr Jepsen hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Das von ihm verlegte Buch „Glück und Liebe einer Geisha“ sollte seinen Leser eigentlich die „Augen darüber öffnen, „was eine Geisha in Wirklichkeit ist.“ Das meinte jedenfalls der Autor in einem getürkten Vorwort. (1)

Sehnsucht nach Erotik mit Exotik

Die „wirkliche Wirklichkeit“ wollte aber 1952 niemand lesen. Das Motto hieß „Erotik und Exotik“, zumindest in Anklängen. Und so entstanden innerhalb der erotisch frisierten Amigo-Reihe bei Titel wie „Mädchen in Afrika“, „Die Insel der starken Frauen“ oder der „Rausch der Südsee“ und viele andere.

Auch die anderen „Sittenromane“ jener Zeit nutzten die Sehnsucht nach Frivolität und Ferne: „Liebe in Addis Abeba(2)“ oder „Liebe im Kosakenpelz“, die in der Reihe „Liebesabenteuer aus aller Welt“ erschienen. In ihnen wurden auch die lesbische Liebe und die „Liebestollheit“ der Frau beschieben – jedenfalls auf dem jeweiligen Titel. Beides war dem Bundesbürger jener Tage fremd oder jedenfalls suspekt. Geil wurde er trotzdem davon.

Realität kontra Erotik?

Mit der Realität hatte all dies nichts zu tun, und so mag sich auch die Frage für heutige Autorinnen/Autoren stellen. Lüge ich liebe die Lust aus der Hölle herauf, die Liebe vom Himmel herunter, oder bleibe ich bei der schnöden Wirklichkeit?

Schon viele Autoren haben darauf hingewiesen, wie banal manche Pseudo-Erotik-Romane waren, wie zum Beispiel zuletzt die „Shades of Grey“ und die dutzendfachen Beinahe-Plagiate, die daraus erwuchsen. Weil aber die Auflagen astronomisch waren, verbot sich nach Meinung vieler die Kritik von selbst: Wenn alle großen Hund auf denselben Platz kacken, kann das nicht falsch sein. Zudem kam die Kritik von einer ungeliebten Seite: Die SM-Anhänger bemängelten, die Sache könne so gar nicht stattgefunden haben – aber das war den nach Geilheit lechzenden Damen des Mittelstands völlig schnuppe.

Aufgeheizte Liebe plus Hiebe gegen 1900

Die Tradition des eher aufgeilenden als realistischen Sittenromans ist allerdings älter: Die Damen im viktorianischen England lasen mit Vorliebe Romane, in denen alles geschildert wurde, was zwischen Menschen sexuell und flagellantisch möglich ist. Dabei ging es um die lustvolle Erforschung der weiblichen und männlichen Anatomie, von der wir annehmen dürfen, dass sie weder vor der Ehe noch in der Ehe detailliert besehen werden dufte. Ferner ging es um jede Art, in der man/frau sich Zugang dazu verschaffen konnte, inklusive der oralen Möglichkeiten. Keinesfalls aber ging es dabei ausschließlich um heterosexuelle Kontakte. Die Sinne der Leserinnen waren unglaublich empfänglich für alle Beziehungen zwischen Frauen, und bisweilen kamen wenigstens Anklänge an Zärtlichkeiten zwischen Männern vor. Was heute als „SM-Literatur“ gilt, wurde gleich mitbedient: In der Regel lösten die Schläge „ein Anschwellen“ bei Männern und „Feuchtigkeit“ bei Frauen aus.

Das Thema „Liebe und Hiebe“ gehörte mit so großer Selbstverständlichkeit dazu, dass zahllose Szenen in die Geschichten eingebaut wurden, in die das Eine zum Anderen führte. War der Autor (damals schrieben Frauen noch sehr selten solche Romane) sprachlich bewandert und ein wahrer Enthusiast der viktorianischen Flagellationskultur, so waren sogar die Details glaubwürdig und äußert anregend. In anderen Texten kommen Passagen vor, deren Durchführung schon technisch äußert fragwürdig war. Etwa, wenn der Jüngling von einer ebenfalls jungen Bediensteten mit einer Birkenrute „übers Knie gelegt wird“ und diese dann auf seinem Gesäß zerschlagen wird, bis nur noch ein Stumpf vorhanden ist.

Realität kontra Lustgewinn - muss das sein?

Selbstverständlich muss ein erotischer Roman nicht die Realität widerspiegeln – er lädt ja geradezu dazu ein, die Realität mit den süßen Wolken der Romantik zu verhüllen. Und die Realität selber? Selbst die ganz gewöhnliche Realität des Blümchensex geht mit halbsteifen Penissen, trockenen Vaginen und dilettantischen Versuchen einher, die Lust auszuweiten. Männer gehen zwar oftmals mit einer entleerten Prostata heim, aber dennoch ohne das Gefühl, wirklich geliebt worden zu sein – und Frauen vermissen ihre Orgasmen, wenn der Lover bereits erschöpft ist.

Ein wenig Realismus oder: "Ist der Tisch hoch genug?"

Aber ein klein wenig Realismus schadet eben auch nicht. Der Stuhl, der Tisch, die Bank, das Bett, die Sofalehne – wie passt der Mensch dorthin? Wie viel Raum braucht er dort, um komfortabel zu lieben oder chic zu leiden? Wie geht das mit dem Entkleiden, Umkleiden oder Ankleiden? Wie realistisch sind Liebespositionen, die nicht nur von Schlangenmenschen ausgeübt werden können? Ich denke, ein Zollstock neben der Schreibmaschine könnte gelegentlich Wunder wirken.

Echte Erotik ist feucht, schwül und - einfach sinnlich

Und ja – Liebe ist feucht und hat viele wechselnde Gerüche. Und deshalb: Der Schweiß und das teure Abendparfüm dürfen in die Laken eindringen und sich sich mit dem Sperma und der Scheidenflüssigkeit zu einem merkwürdigen, morbiden Duft vermischen. Und "sie" darf sich am nächsten Tag mitten in einer Vorlesung plötzlich an den Duft erinnern und erröten.

(1) Diese Information aus "DER SPIEGEL"
(2) Addis Abeba gehörte damals zum Kaiserreich Abessinien, Regent war Haile Selassie. Bild angeblich von Rolf Kelling, Illustrator. Lebensdaten unbekannt, Texte des Buches von Hans Ichgut (Pseudonym).

Sugar Babys, Wahrheiten und Grauzonen im Dating-Bereich

Sugar Baby sein: Ein Traum? Eine Illusion? Oder einfach eine Geldsache?
Heute will ich euch ein bisschen Interna der Liebeszeitung verraten, nämlich, wie wir unsere Artikel finden. Und wie wir – trotz aller Sorgfalt, eben auch mal in die Honigtöpfchen verdeckter, oft gutgläubiger Beeinflusser (Influencer) fallen konnten.

Dabei will ich ich euch auch die beiden Artikel nennen, die am meisten Leser (oder Begucker) brachten.

Die Dating-Branche entdeckt „edle“ Sexkontakte

Der erste Artikel beschäftigte sich mit einem seit etwa 2010 aufkommendem Phänomen in der Dating-Branche: Sugar Babys und Sugar Daddys. Das Thema wurde damals von der Presse zu Anfang noch bewusst „flach gehalten“. Ausgangspunkt waren die hohen Kredite, die viele Studenten aufnehmen mussten, um ihre Studiengebühren zu zahlen. Um diese Schulden abzutragen oder überhaupt erst einmal zu vermeiden, stellten sich einige Studentinnen tatsächlich die Frage: Als Bedienung im Pub jobben, Strippen, Escort-Service oder Spendierhose? In einer Betrachtung kam dabei heraus, dass die „Spendierhose“, also der Sugar-Daddy, die bei Weitem bequemste und einträglichste Lösung sei. Ich schrieb damals darüber, ohne zu bemerken, wie fragwürdig die Quellen waren, sowohl in der Sache als auch in der „Höhe der Unterstützung“ die ein Sugar Baby zu erwarten hat.

Die Suche nach Gelegenheitssex und Geld-Beziehungen

Kurz zuvor war auch das „Casual Dating“ bekannt geworden, dass trotz des verschleiernden Namens eigentlich eine Bezeichnung für „Suche nach Gelegenheitssex“ ist. Meine Warnung wurde allerdings eher überlesen:

Tatsache ist, dass sich Frauen auf mehreren deutschen und internationalen Dating-Seiten gegen Bezahlung anbieten, die sich nicht als „Prostituierte“ kenntlich machen. Die Betreiber gehen manchmal mit der größtmöglichen Nonchalance darüber hinweg: ob Seitenspringerin, Goldgräberin, Gelegenheitshure oder Abzockerin: Eine Frau ist eine Frau, und Frauen braucht man, um das Geschäft aufrechterhalten zu können.

Ich würde diesen Satz heute ohne Änderungen noch einmal schreiben.

2015 waren wir kritischer mit Sugar Babys

Der zweite Beitrag ist von 2015, und er wurde anhand von etwas seriöseren Zeitungsberichten, Verlautbarungen und eigenen Recherchen sowie Insiderkenntnissen von Branchenkennern sorgfältig und kritisch gefasst. Als es darum ging, den Artikel in der Urform zu veröffentlichen, dachte ich: Nun ja, wir wollen die Sache der „Unterstützung“ nicht als völlig negativ darstellen – sie mag ja auch ihr Gutes haben.“ Wenn ein „Schürzenstipendium“ oder ein „Bratkartoffelverhältnis“ nicht allzu anrüchig war, warum sollte es dann die Finanzierung durch einen „Sugar Daddy“ sein? Also habe ich als verantwortlicher Redakteur relativiert:

Beide können zumindest behaupten, ein „ganz gewöhnliches Paar“ zu sein. So sehen das auch die Agenturen, die solche „schrägen“ Beziehungen vermitteln. Für sie ist alles eben nur „Dating“.


Also doch Prostitution? Niemand legt sich wirklich fest

Hier zeigt sich eine der Schwierigkeiten: Uns allen, Branchenkennern wie Branchenfremden, Bloggern und investigativen Journalisten, ist nicht möglich, den Graubereich der Prostitution in „Schwarz“ und „Weiß“ oder gar in ein Farbenspektrum aufzuteilen, ohne dass wir den Wahrheitsgehalt abwägen und bewerten. Selbst die Giganten der Presse, also große Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehstationen tun sich damit schwer. Wenn es um die Kernfrage geht, nämlich „Wann und wie wird geldliche Unterstützung von Personen zur Prostitution?“, dann müssen wir letztendlich passen. Zwar kann man die Frage nach den Gesetzen unterschiedlicher Länder in der einen oder anderen Weise beantworten, aber diese Methode schließt eine ethische Bewertung aus. (1)

Das heißt: Weder die Frage nach der Legalität noch nach der ethischen Perspektive kann uns Aufschluss darüber geben, ob es sich lediglich um ein „Dating besonderer Art“ oder um eine besondere Form der Prostitution handelt, wenn von Sugar Babys und ihren Unterstützern die Rede ist.

Selbst bedeutende Medien scheiterten bei der Wahrheitssuche

Wo hätten wir also damals (wie auch heute) „die Wahrheit“ gefunden? Wir hätten sie gar nicht gefunden, denn das haben längst andere versucht – mit größeren Möglichkeiten und sogar unter Einsatz von Undercover-Girls. Und obgleich dabei herauskam, dass dieses „Geschäft“ sehr mühevoll ist und der Einsatz oftmals höher als erwartet oder befürchtet war: So recht wollte niemand mit einer Beurteilung heraus. Es hieß nur, dass die „Sugar Babys“ ihre „Höhen und Tiefen“ durchlebten – die sie nach diesem Bericht offenbar daraus ableiten, ob sie einem einzigen Lover bequem 3000 GBP pro Woche aus der Tasche ziehen konnten oder um die „Belohnung“ geneppt wurden. Da ich keinen Zugriff auf die Dokumentation der BBC bekam, las ich einen Artikel darüber in der „SUN“. Er strotze nur so von Lob über die Verdienstmöglichkeiten und der leichten und lockeren Lebensart, die man bei dieser Art Tätigkeit hat (Zitat SUN):

Natürlich will ich mit ihm schlafen … ich genieße es und es macht mir Spaß“ Trotz des Sex und der Geldgeschenke glaubt Valentina, dass sie in einer Beziehung wie jeder anderen lebt. Sie besteht darauf, dass es nicht dasselbe ist, wie ein Escort-Girl oder eine Prostituierte zu sein.


Die Grauzonen werden nicht farbiger

Ich schreibe diesen Zusatz (der Beitrag der BBC datiert von von 2019), um zu zeigen, dass auch wesentlich mächtigere Medien etwa fünf Jahre später nicht zum Kern des Phänomens „Sugar Baby-Beziehungen“ vordringen konnten.

Und was sich daraus noch ergibt: Es gibt Grauzonen, die niemand der Beteiligten, also Dating-Seiten-Anbieter, Unterstützer oder „Unterstützung Suchende“, um es neutral zu formulieren, jemals einem Journalisten vorbehalt- und schnörkellos offenbaren würden.

(1) Der entsprechende Pressebericht war nicht wirklich eindeutig, weil nicht klar wurde, was eigentlich vom Gericht gerügt wurde. Es heiß nur, dass der Anbieter wegen "Anstiftung zur Prostitution" angeklagt wurde.
Bild: Teil einer Illustration von Becat

Die Überhöhung

Die Illusion ist oft mehr als die Realität hergibt - und eine Falle für Gutgläubige
Während sich die Erniedrigung offenbar erst im Erwachsenenalter zu einer sinnlichen Lust entwickelt, gilt die Überhöhung der geliebten Person als eine Untugend der Jugend. Sie beginnt mit der sinnlichen Schwärmerei, die möglicherweise in einer Glorifizierung oder Vergötterung endet.

Gelingt es dem jugendlichen und manchmal auch bereits erwachsenen Menschen nicht, diesem Zwang zu entfliehen, so gerät die Person möglicherweise in die Falle jener Frauen und Männer, die nur darauf warten, sie in die Abhängigkeit zu zwingen.

Ich tue alles für ihn ... oder für sie

Ein typischer Satz für eine gefährdete Person wäre: „Ich würde alles für sie (ihn) tun.“ Nun weiß man, dass kein vernünftiger Mensch „alles“ für einen Fremden tun würde, schon gar nicht für einen emotionalen Ausbeuter, aber die Betroffenen glauben es tatsächlich. Sie würden lügen, betrügen und stehlen und sich selbst in jeder Form erniedrigen, nur um den Personen zu gefallen, die sich selbst als „Herrinnen/Herren“ über andere verstehen.

Fragen - aber niemals konkrete Antworten über die Motive

Zumeist wird nicht ganz deutlich, welchen Vorteil oder Nutzen der Konterpart wirklich davon hat. Eine allzeit verfügbare, unproblematische Gespielin (oder einen entsprechenden Gespielen)? Eine Geldquelle, die sich anzapfen lässt, solange das Vermögen nicht aufgebraucht ist? Eine sadistische Veranlagung? Oder einfach der Wunsch, für einige schwache Persönlichkeiten tatsächlich die Herrscherin oder den Herrscher spielen zu können?

Machthunger oder Geldgier als Motiv?

Wer Antworten darauf sucht, wird sie nirgendwo finden. Ob jemand sich 24 Katzen hält oder per E-Mail 24 Männer in emotionalen Stress versetzt, immer ist es das Gefühl, wenigstens über irgendjemanden Macht ausüben zu können. Noch besser läuft es für Damen im Internet, denen es überwiegend um Geld und erst dann um die Macht über Menschen geht: elende Abzockerinnen, die sich schwache und bedürftige Männer aussuchen, die keine Chance auf Beziehungen haben. Das Prinzip ist so abartig, dass man es kaum für möglich hält: Sie versprechen nichts, sagen aber, dass es günstig wäre, ihnen Geschenke zu geben – Geld oder Sachwerte. Der Tick: Es ist nie genug, aber der „Kunde“ bekommt niemals, was er sich erhofft.

Unterwerfung per Korrespondenz

Kaum jemand weiß, warum Männer ständig wieder auf diese Masche hereinfallen. In den Vor-Internet-Zeiten waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen lüsterne, leicht sonderbar angehauchte Männer sich im Rahmen einer Korrespondenz unterwarfen.

Es handelte sich dabei um Männer, die ganz offensichtlich kaum sexuelle Kontakte zu Frauen hatten, aber deutlich machten, dass sie diese gerne hätten. Die Frauen, oftmals gebildete, schreibkundige Damen, verschickten Briefe an Männer, die sie „im Vorübergehen“ oder in einer besonderen nicht-erotischen Situation kennengelernt hatten.

Von drei eng beschriebenen handschriftlichen Seiten“ die voller „versteckter sexueller Andeutungen“ waren, berichtet ein Zeitzeuge in dem Buch "Hörigkeit" von Karin Dietel-Wichmann. (1)

Die Vorstellung, dass der Mann masturbiert, reicht mancher Frau

Die Frau manipuliert den Mann extrem – und sucht die virtuelle Rückkoppelung. Er soll ihr gehören, aber nicht physisch. Ob er antwortet oder nicht, ist ihr gleichgültig. Sie vermutet, der Mann würde über den erotischen Inhalt ihrer Briefe und in Gedanken an ihre erotische Erscheinung masturbieren. Und obgleich der Mann ihr nie zurückschreibt, hält sie ihn Woche für Woche mit ähnlichen, anonymen Briefen in Atem.

Erotisch faszinierend zu sein, aber auf keinen Fall Intimitäten zuzulassen, war lange Zeit eine Methode der „Halbjungfrauen“, die sich einladen ließen, Geschenke annahmen und kokettierten, aber streng darauf achteten, dass es niemals intime Berührungen gab, werde aktiv noch passiv. Doch sie gingen dabei das Risiko der Nähe ein – davor hüteten sich die Briefschreiberinnen ebenso, wie es heute die Abzockerinnen im Internet tun.

Reizen und nicht erfüllen - das Spiel hört nie auf

Die Methode „Anreizen und nicht erfüllen“, scheint nach wie vor eine beliebte Methode zu sein, sich zu überhöhen und als göttliches Wesen verehren zu lassen. Was nur als logisch erscheint: Göttinnen haben nun mal keinen Geschlechtsverkehr mit kriecherischen Erdenwürmern.

(1) Karin Dietel-Wichmann: Hörigkeit. Die Sehnsucht nach der Unterwerfung.
Bild: Nach einem bekannten historischen Foto.

Gute Männer wollen auch Sex, aber …

Sex - ach, ist so etwas wirklich nötig?
Wenn du einmal in einen Kreis von selbstgefälligen Frauen hineinhören konntest, dann weißt du, dass es für Männer „grundsätzlich“ nur eine einzige Motivation gibt: Sex. Frauen hingegen fürchten sich .davor ... irgendwie jedenfalls.

Angeblich wollen Wissenschaftler, namentlich Evolutionspsychologen, das ganz genau wissen, und ihre Argumente zerfallen in zwei Hälften: erstens, weil Männer Samenschleudern sind und zweitens, weil Frauen nicht all diese Samen aufnehmen wollen, sondern wählerisch sind - sie könnten ja schwanger werden. Anderer Ansatz: Die Evolution erfordert, dass die Alpha-Kerle sich „gutes Zuchtmaterial“ besorgen, indem sie es den übrigen wegschnappen. Die Menschen-Weibchen ihrerseits wollen sowieso nur Alpha-Männchen, weil die Evolution ihnen sagt: „Hör, du musst herhalten, weil die Nachwelt starke Kerle braucht.“ Und die konnten eben nur von Frauen hervorgebracht werden, die stark waren und eine absolut blühende Gesundheit aufwiesen.

Die Evolution und der blöde Affe, der blöd blieb

Das ist nicht nur Blödsinn – es funktioniert auch nicht. Genau genommen funktionierte es niemals. Bist du ein Mann? Stell dich einmal vor den Spiegel: Bist du stark, aber hirnlos? War dein Vater schon stark, aber hirnlos? Und dein Großvater? Und … so kannst du die Evolution zurückverfolgen. Hätte jede Frau Alpha-Männer, also muskelbepackte und bissstarke Oberaffen genommen, dann würden wir noch immer durch die Savanne zuckeln.

Nur Sex als Motivation taugt nicht viel

Nun ist Sex sicher eine Motivation für Männer, und sie ist ohne Zweifel so stark, dass sie manchmal die Vernunft übertrumpft. Was dann passiert, ist aber meist nicht der Weg ins Ehebett zum Zweck der Fortpflanzung. Es ist vielmehr die Befriedigung des momentanen Drucks. Männer sind sich zumeist klar, dass sie auf diese Weise eigentlich verlieren, denn außer der obligatorischen Entleerung der Prostata in die Lümmeltüte kommt dabei nicht viel heraus.

Die Angst normaler Männer, abgewiesen zu werden

Männer – und nun haltet euch fest – haben entweder eine schreckliche Angst davor, abgewiesen zu werden oder sie sind so gefühlskalt und berechnend, dass sie das überhaupt nicht juckt. Die Formel dafür heißt: Jede fünfte Frau steht sowieso auf Vögeln, dem Rest macht der gelernte Macho Hoffnungen auf eine Beziehung. Abhängig von seinem Auftreten, der Umgebung und dem Grad von Alkoholisierung der Frau hat er damit dann auch gelegentlich Erfolg.

Der Rest der Männer schämt sich, wenn er einen Korb bekommt. Er empfindet als Demütigung, abgewiesen zu werden, zumal, wenn er öfter negative Erfahrungen gemacht hat: falscher Job, falsches Auto, falsche Klamotten. Beim ersten Mal steckt er’s weg, beim zweiten Mal wird er vorsichtig, und beim dritten Mal sagt er sich: „Ich versuche es lieber gar nicht mehr.“

Macho sein bring es nicht – und aufgeben auch nicht

Nehmen wir mal an, du bist so: Versuch, sensibel zu bleiben und an verschiedenen (tatsächlichen und virtuellen) Orten Kontakte zu knüpfen. Wenn es stimmt, dass jeder fünften Singlefrau um Sex geht, und nur jeder Siebte eine „passende Beziehung“ sucht, dann könnte auf fünf bis sieben Versuche immerhin ein Treffer kommen. Mal das Eine, mal das Andere. Das kann sinnvoll sein, wenn du wirklich offen für Beziehungen bist und dich „reine ONS“ nicht so interessieren.

Warum Frauen auf Männer zugehen sollten

Nun nehmen wir an, du wärest eine Frau. Dann ist ziemlich klar, dass eines nicht funktioniert: Hinsetzen und warten, bis dich jemand anquatscht. Dann bist du immer die „Fünfte“: die, von der er Sex erwartet.

Besser ist, du versuchst irgendwie, die anderen Kerle abzugrasen – diejenigen, die dich nicht anquatschen. Die freuen sich, wenn du mit ihnen sprichst, und klar – auch die wollen Sex. Aber nicht unbedingt jetzt und sofort. Und sie planen vor allem nicht, dich gleich danach wieder abzuservieren.

Neulich sagte mir eine Frau, sie würde „niemals von sich aus einen Mann ansprechen“. Da frage ich mich allerdings: wieso denn nicht? Sie geht ja nicht auf Männer zu und sagt: „Hey, gefällt dir, was du siehst? Davon kannst du noch mehr haben!“

Einen Mann anzusprechen ist problemlos

Der Mann, der angesprochen wird, mag zunächst überrascht sein. Doch wenn ihm klar wird, dass du weder deinen Körper noch eine Versicherung verkaufen willst, wird er sich für dich interessieren – wirklich für Dich. Zumindest weiß er: Er ist in einem sicheren Gewässer. Du wirst ihn nicht demütigen. Wenn du nun noch geschickt darin bist, die Kommunikation zu führen, dann wirst du mehr über ihn erfahren, als du jemals zuvor von einem Mann erfahren hast. Und dann? Dann kannst du immer noch entscheiden, ob er bis zum Frühstück bleiben darf, ob du noch ein bisschen nachdenken willst, bevor du ihn ins Bett lässt oder bevor du ihm sagst, "es war nett mit dir geplaudert zu haben."

Bild: historische Fotografie, koloriert