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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Weibliche Dominanz – oder was ist „Femdom?“

Zu allen Zeiten, in allen Nationen - die erotisch dominierende Frau
Wer „Femdom“ oder weibliche Dominanz für eine Entdeckung des 21. Jahrhunderts hält, liegt falsch. Die dominante Frau lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Die „Herrschaft der Frauen“ hat dabei zwei Komponenten: Die eine baut daraus auf, dass Frauen in der Ehe die Herrschaft an sich reißen.

Die harte Tour - wenn Frauen die Macht an sich reißen

Die Motive des Mannes, dies auszuhalten, heißen bürgerlicher Anstand und nachhaltige Treue. Der Ehemann will weder die Frau verlieren noch sein Ansehen nach außen eine „harmonische“ Ehe vorgetäuscht. Im Internet und in manchen Formen taucht noch der Begriff der „FLR“ auf – der „weiblich geführten Beziehung“. Sie wird auch als „weibliche Überlegenheit“ oder „weibliche Herrschaft“ bezeichnet und gilt als Szenenausdruck.

Die Beherrschung durch Schmerz und Lust

Die erotisch gefärbten Beziehungen dieser Art kamen eindeutig häufiger unter gebildeten Frauen und Männern vor. Im Vereinigten Königreich wurde das 19. Jahrhundert gar als das „Goldene Zeitalter der Gouvernanten“ bezeichnet. Gemeint waren dabei durchaus nicht die „anständigen“ Hausangestellten, die diesen Beruf ausübten. Vielmehr waren es jene, die ihre eigenen, einschlägigen Etablissements führten oder dort anderen kräftigen Frauen die Gelegenheit gaben, die Gentleman in jeder Hinsicht zu beglücken – auch durch Ruten- und Stockschläge.

Die erste deutsche Ausgabe, 1909
Die britische Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts ist voll von Geschichten über Dominanz und Unterwerfung, und zumeist wird damit eine Art „erweitertes Rollenspiel“ verstanden. Das heißt, der junge Mann oder der Ehemann unterwirft sich aus erotischen Gründen einer herrisch veranlagten Frau. Die Klassiker heißen „Venus im Pelz“ (1870 in Deutsch erschienen), sowie „Gynecocracy“ deutsch „Die Herrschaft der Frauen“ oder „Weiberherrschaft“. (Originalausgabe von 1893). Während die „Venus im Pelz“ der Literatur zugerechnet wurde, galt die „Gynecocracy“ allerdings als Schmutzliteratur, die in vielen Ländern nicht vertrieben werden dufte.

Das auf und ab der Lüste

Nachdem die Sehnsucht der Männer, sich erotisch zu unterwerfen, kurzzeitig nachließ, setzte in den 1930er-Jahren eine Renaissance der erotisch motivierten Literatur ein. Nun wurden unterschiedliche Frauen, Damenzirkel oder Institutionen beschrieben, die sich mit Erotik, Schlägen und emotionalen Manipulationen Macht verschafften. Seither ist „Femdom“ mal angesehener und mal weniger angesehen – aber die Nachfrage ist ungebrochen.

Seither gib es ein ständiges „auf und ab“ in der emotionalen Begierde der Männer, unterworfen zu werden und in der Bereitschaft der Frauen, Männer zu unterwerfen. Was die Literatur und insbesondere die Pornografie betrifft, so werden Frauen meist dominiert. Seit den 1990er-Jahren allerdings immer weniger von Männern, sondern vielfach von Frauen. Seither zielt „weibliche Dominanz“ sowohl auf Männer wie auf Frauen ab und vor allem junge Frauen werden so dargestellt, dass sie sich gerne dem gleichen Geschlecht unterwerfen.

Mitten in der Gesellschaft: die dominante Frau

Weibliche Dominanz hat es durchaus auch „mitten hinein in die Gesellschaft“ geschafft. Das zeigt sich in Spielfilmen und Serie, wie etwa „Sherlock“ (UK) „Inspector Barnaby“ (UK) oder „Professor T“ (Deutschland).

Was dabei Fiktion und was Realität ist, spielt kaum eine Rolle. Nach wie vor ist die Faszination der strengen, strafenden Frau ungebrochen, und die Rolle beginnt inzwischen auch „bürgerliche“ Frauen zu faszinieren.

Wie diese Dominanz im Alltag (und insbesondere außerhalb der sogenannten „Szene“) aussieht, wird dabei immer mehr verschleiert. Es scheint, dass die „Gentlemen“ sich inzwischen in privaten Beziehungen schmerzlich oder unterwürfig vergnügen. Wer dabei als Lady fungiert und welches Vergnügen die Damen dabei empfinden, bleibt heute ebenso ein Rätsel wie in den Zeiten der Königin Viktoria.

Nur selten wird die Fassade transparent: zum Beispiel, wenn man sich ansieht, welche „Toys“, Bekleidungsstücke, Möbel oder Instrumente zur Züchtigung in Erotik-Geschäften über die Theke gehen.

Eine Liste von Spielfilmen/Fernsehserien zum Thema findet ihr hier (englisch)
Bild: Herkunft Japan 1950er Jahre, bearbeitet und koloriert.

Willst du ein zweites Date?

Wird es ein zweites Date geben?
Viele Male haben Menschen einander gefragt, ob sie ein zweites Treffen wollten. Am häufigsten in der Realität - und bis zum Abwinken auch in einschlägigen Fernsehserien.

Das zweite Date - der Schlüssel zur Beziehung

Was das zweite Date bedeutet, dürfte (jedenfalls im Alltag) hinreichen bekannt sein: Für die Zaghaften ist es eine weitere Gelegenheit, sich einmal gründlich zu beschnüffeln – diesmal ohne den Stress der ersten Begegnung. Für die Mutigen ist es der Schritt zur körperlichen Näherung, von Küssen bis hin zu dem ersehnten Moment, indem die Realität verschwindet und die Lust die Oberhand gewinnt. Nein, es muss nicht alles beim zweiten Date stattfinden. Aber bei jedem Date sollte es eine Erweiterung oder Vertiefung der Erfahrungen miteinander geben.

Der Fluch des ersten Dates - Oberflächlichkeiten und falscher Rat

Ganz sicher kann es auch anders kommen: Beim ersten Date fällt ja öfter der Begriff „Gentleman“ und „er soll mich zum Lachen bringen.“ Das geht regelmäßig schief. Jemand, der den „höflichen Herrn“ heraushängen lässt, verstellt sich in der Regel – und ein Clown bringt zwar Menschen zum Lachen, geht aber keine Beziehungen mit ihnen ein.

Manche Ratschläge wie „sei ein Gentleman“ oder „bringe sie zum Lachen“ kommen aus den USA, wo es nach wie vor „ritualisierte“ Dates gibt. Man sagt einander also eher nicht, wie man denkt und fühlt, sondern macht eine Show daraus, wie man gerne sein würde.

Falsche Ratschläge für Frauen

Das gilt übrigens nicht nur für Männer - sondern auch für Frauen. Die wenigsten Dating-Partnerinnen sind wirklich geheimnisvoll und unterschwellig vielversprechend. Es mag ja Spaß machen, diese Rolle zu spielen, aber wenn nichts dahintersteckt, merkt der Mann doch beim zweiten oder dritten Date, dass er seine Zeit an ein Püppchen verschenkt hat. Ebenso fragwürdig ist, sich erotisch geheimnisvoll zu geben und zu suggerieren: „Wenn wir zusammenkommen, dann wirst du dich wundern, was du alles zu sehen bekommst und genießen kannst.“

Fünf Gründe, warum zweite Dates schrecklich sein können

Das alles hat keinen Sinn. Das zweite Date leitet den Übergang dazu ein, wie sich jemand verhält, wenn er nicht unter Spannung steht und keine Rolle zelebriert. Zweite Dates können aus diesen Gründen schrecklich frustrierend sein:

1. Wenn der/die andere versucht, seine „aufgesetzte“ Rolle weiter zu spielen.
2. Wenn der/die andere plötzlich die Maske fallen lässt und du erkennst, dass die Person, die vor dir sitzt, nicht die ist, die du kennengelernt hast.
3. Wenn er/sie (und auch du) nichts „herauslässt“ und die Fassade erhalten bleibt.
4. Wenn der/die andere nicht erkennen lässt, worauf er/sie hinauswill.
5. Wenn es zu gar keinen körperlichen Kontakten kommt.


Heißt im Klartext: Das zweite Date und jedes weitere sollte einen gewissen Fortschritt in die Zweisamkeit und möglichst auch in die Intimität bringen. Und das klappt überhaupt nur dann, wenn sich beide darüber einig sind, bei diesen Treffen etwas gewonnen zu haben, was sie wirklich wollen.

Sind jetzt alle jungen Menschen „Bi“?

„Bisexualität liegt im Trend“ heißt es auf einer Internet-Seite, und der „Tagesspiegel“ titelte gar: „Auf einmal sind alle bisexuell“.

Sieht man sich dies genau an, dann wird hier ein Begriff verwendet, der ausgesprochen fragwürdig ist: die Bisexualität. Solange wir ihn benutzen, sind wir gezwungen, Menschen als etwas „abzustempeln“, was sie sein könnten oder auch nicht. Statt den Menschen freizustellen, ihre Sexualität zu benennen, wie sie wollen, werden seit langer Zeit Begriffe geschaffen, nach denen sie sich einzuordnen haben – und sicher auch solche, unter die sie sich unterordnen sollen.

Die Macht der Forscher, uns abzustempeln

Sie musste in eine Lücke zwischen zwei Begriffe passen: ursprünglich zwischen die „Urninge“ und Dioninge“. Dann aber, mit steigender „Verwissenschaftlichung“ auch zwischen die „Homosexuellen“ und Heterosexuellen. In beiden Fällen wurde zuerst die männliche Minderheit etikettiert (Urninge und Homosexuelle), dann erst wurde die Mehrheit als „Heterosexuell“ klassifiziert. Die liegt an den krampfhaften Versuchen einiger Wissenschaften, Pol und Gegenpol“ zu schaffen. Zuletzt haben wir es bei dem neu geschaffenen Etikett „Queer“ gesehen, dem „auf die Schnelle“ ein „Cis“ als „Gegenteil“ hinzugefügt wurde.

Man kann den Schöpfern der Begriffe nicht anhängen, sie seien unredlich. Die Forschung an der „reinen“ homosexuellen Ausrichtung musste zwangsläufig von betroffenen Männern ausgehen, weil sich manche Wissenschaftler gerade bemühten, der „mannmännlichen Liebe“ den Charakter einer Krankheit aufzustempeln. Der Definitionsfehler, dass ein Begriff grundsätzlich mit einem „Gegenpol“ versehen werden müsse, ist auf die Arroganz der Forschung zurückzuführen.

Sieht man die „Lust auf intime Kontakte“ mit einer Person neutral, so reichen die Wünsche von der Anwesenheit der Person über körperliche Berührungen bis zu geschlechtlichen Handlungen. Üblicherweise entsteht die Lust aneinander aus dem Wunsch, der Möglichkeit und dem Fortfall einer Hemmung. Das gilt für die üblichen M/F-Beziehungen wie auch für M/M und F/F-Kontakte, für Triolen und Gruppen. Es hat weder etwas mit Bisexualität noch mit Heterosexualität oder Homosexualität zu tun, sondern ausschließlich mit lustvoller, enthemmter Begierde.

Die Ausgangsbasis für Sex ist bei allen gleich

Es ist kein Zufall, dass die Lust aufeinander oftmals in einer Situation beginnt, die ohnehin einen sehr vertraulichen Charakter hat. Werden dann „Enthemmer“ geistiger, emotionaler, physischer oder stofflicher Art genutzt, wird wahrscheinlicher, dass die Zärtlichkeiten in sexuelle Handlungen übergehen. Solche „Enthemmer“ können „sinnliche Gespräche“, lustvolle Musikstücke, heftige innere Gefühlsregungen, das Freilegen und Anbieten von Körperteilen oder Alkohol und andere Drogen sein.
Im Grunde ist die Vorgehensweise bei allen sexuellen Handlungen gleich, nur liegen die Hürden unterschiedlich hoch, um sie auszuführen.

Eine der größten Hürden besteht darin, dass der Partner/die Partnerin dem gleichen Geschlecht angehört und beide eben nicht „eindeutig gepolt“ sind, sondern lediglich ein sinnliches Erlebnis haben möchten.

Sowohl das Leben selbst wie auch die Literatur ist voll von solchen Ereignissen, und immer finden wir, dass Wünsche und Neigungen auf Gelegenheiten und Enthemmungen treffen. Ob es nun merkwürdig ist oder auch nicht: Frauen scheint es leichter zu fallen, sich den Lüsten anderer Frauen hinzugeben wie auch selber Lüste in Geschlechtsgenossinnen zu erwecken.

Über Männer und der Furcht, „schwul“ zu sein.

Männer sind erheblich zurückhaltender. Sie wollen in ihren Gruppen nicht als „schwul“ gelten, was sie daran hindert, sich auf gleichgeschlechtliche Kontakte einzulassen. Natürlich sind sie nicht „schwul“, ebenso wenig, wie Frauen „lesbisch“ sind, die sich von anderen Frauen befriedigen lassen.

Ein Libertin schrieb Ende des 19. Jahrhunderts (1):

Ich kam zu dem Schluss, dass ein Mann ebenso ein recht dazu hat, seinen Anus nach Belieben einzusetzen, wie er seinen Penis einsetzen kann. Macht es Männern mehr Vergnügen, als auf gewöhnliche Art mit einer Frau zu vögeln?

Heute wissen wir, dass viele Männer völlig unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Freude an analen Vergnügungen und Herausforderungen haben. Und wie der Held der zitierten Lebensbeichte, so erleben viele Männer solche Vergnügungen her mithilfe einer Frau als mithilfe eines Mannes.

Zurück zum „Bi“ – gibt es überhaupt „Bisexualität?

Kommen wir zurück auf „Bi“. Tatsächlich hat die Etikettierungswut diesen Begriff hervorgebracht. Wenn jemand „ambivalent“ ist, dann muss er „Bi“ sein. Und plötzlich wird nicht mehr gefragt, wo denn der Gegenpol ist. Man kann sagen: Die bisexuelle Person ist jemand, der willkürlich zwischen „Homo“ und „Hetero“ gequetscht wurde, um ein weiteres Etikett vergeben zu können. Das bedeutet nun keinesfalls, dass er niemanden gäbe, der/die sich tatsächlich ambivalent fühlt und dadurch auch Konflikte haben könnte.

Gewinn aus etwas ziehen beflügelt Menschen, etwas zu tun

Was es wirklich bedeutet ist: Jemand der seine Lust mit beiden Geschlechtern befriedigen kann und einen Gewinn daraus zieht. Und damit der Satz mal gesagt ist: Wie können es alle, aber nicht jeder hat einen Gewinn daraus.

Und was ist mit den „jungen Leuten“?

Sie fühlen sich gar nicht als „Bi“ – sie weichen einfach ab vom Schema des Abstempelns und Entwertens. Und sie beweisen, dass jeder Stempel, jedes Etikett und jede Bewertung ab ihnen vorbeigeht. Sexualität kann inszeniert werden, und das Spiel mit den Möglichkeiten sorgt auch für mehr Freizügigkeit. Warum auch nicht?

(1) Erotische Lebenserinnerungen viktorianischen Ursprungs.

Die Woche: viktorianische Lüste, Liebe über Kreuz, Unterwerfungen und Adventszeit

Die Informationen, die üblicherweise über Paarbeziehungen, Sexualität, erotische Sonderwünsche oder das Kennenlernen an sich verbreitet werden, versiegen während der neuen Corona-Well erneut. Die Autorinnen und Autoren versuchen, die alten Brötchen wieder neu aufzubacken. Diese Woche habe ich versucht, einmal ganz andere Themen zu behandeln.

Rückgriff auf die Vergangenheit – Voyeure und Voyeurinnen

Wir haben uns ein bisschen in die Vergangenheit gestürzt. Über sie wird oftmals mehr gelogen als über die Gegenwart. Also sind wir in die viktorianische und vorviktorianische Welt eingestiegen und haben mal geschaut, wer bei Liebe und Hiebe Voyeurinnen und Voyeure als „Joker“ eingesetzt hat. Sie sollten nämlich dazu dienen, um die Aufmerksamkeit zögernder Damen zu gewinnen.

Viktorianische Lüste und Grausamkeiten

An Material über die viktorianische Zeit mangelt es wirklich nicht. Allerdings als ich kürzliche eine Rezension, aus der hervorging, dass alles zwar sehr erregend, aber auch unglaublich frauenfeindlich war. The Pleasure’s all Mine?“ Nicht so ganz – aber das sollte ausführlicher betrachtet werden, denn die Erotik-Autoren der damaligen Zeit hatten lebendige Vorbilder. Die Grausamkeiten jener Zeit wurden hingenommen, solange niemand dauerhaft körperlich geschädigt wurde.

Liebe über Kreuz in jeder Richtung – die 1920er

Kreuzweise Liebe? In den 1920er-Jahren erlebte sie eine Blütezeit, und nicht nur die Herren waren dabei „treibende Kräfte“, sondern die Damen hatten einen erheblichen Anteil daran. Auslöser war eine Postkarte vom „Krampus“, die uns in die Hände fiel.

Kann man (frau) sich selbstbewusst unterwerfen?

Äußerst heikel ist das Thema, dass jeder – also Frau und Mann - die Fähigkeit besitzt, einerseits selbstbewusst zu sein und andererseits unterwürfig. Meist nicht zur gleichen Zeit – aber auch das kommt vor. Seit Frauen wie Männer sich gerne dem Vergnügen lustvoller Schläge und bewusster Erniedrigungen hingeben, muss die Frage „Who ist the Master (Mistress)?“ neu gestellt werden.

Zwei Annahmen über die Partnersuche, die Pressemüll sind

Was das Kennenlernen begrifft, so finden wir zwei völlig absurde Meinungen, die immer wieder in der Presse auftauchen. Die eine ist die „Nachhaltigkeit“, die Paare angeblich „jetzt“ suchen. Die Wahrheit ist: Diejenigen, die langfristige, liebevolle oder auf Familie ausgerichtete Beziehungen suchen, ändern sich nicht. Anders bei jenen, die kurzfristig ihre Lust befriedigen wollen: Sie werden einfach vorsichtiger, weil die Infektionsgefahr real ist.

Wendet sich die erste Theorie noch an diejenigen, die jetzt für neue Apps oder altbekannte Partneragenturen geworben werden sollen, so wendet sich die andere Schimäre an leichtgläubige Menschen, die ein neues Phänomen begeistert: KI. Ein Teil davon ist ausgesprochen wichtig und nützlich, ein anderer Teil dient dazu, uns als Konsumenten rückhaltlos zu beeinflussen. Und der letzte Teil? Der arbeitet mit Verblüffung – dem Mittel der Zauberkünstler, Kartenschläger(innen) und Glaskugelleser(innen) – nur „elektronisch“.

Allerlei merkwürdiges Volk im Advent

Eine Satire über den Weihnachtsmann darf nicht fehlen – Weihnachten ist ja öfter. Was nun den Klaus und die Claudine, der Niko und die Nicola betrifft, so ist wirklich genug geschrieben worden – meinte jedenfalls Freund Gramse. Fehlt eigentlich nur noch der Krampine und die Rupina als Magd und die schwarze Petra. Über sie hat Gramse zu wenig gefunden. Und überhaupt – manche Großmutter spielte schon den Weihnachtsmann. Warum auch nicht?

Ein Wort noch zu Illusionen: Ich schätze, dass sich heute mehr als drei Viertel der partnersuchenden Illusionen über ihre Attraktivität, ihre Aussichten und Möglichkeiten machen.

Abgesang zum dritten Advent

Na denn – einen schönen und gesunden dritten Advent allerseits. Und vergesst nicht, dass die Herzen möglicherweise über die Weihnachts- und Adventszeit eher weich werden als sonst.

Die restlos enttäuschte Frau und die Beziehung

Wie du aussiehst, wer du bist ... und was du willst ...
Was denkt eine Frau, die „nicht gewollt wird“?

Die Antwort ist einfach: Sie denkt darüber nach, warum sie abgelehnt wird. Das ist zunächst positiv, doch wohin führen diese Gedanken?

Nachdem die Frage nach dem Körpergewicht abgehakt ist („es ist nicht immer eine Frage der Diät“), folgt schnell die gefundene pauschale Begründung: Ich habe das „Es“ einfach nicht.

Fragt mich bitte gar nicht erst, was das „Es“ ist. Ich vermute, es ist nicht mehr als ein Trugbild, das aus Frauenzeitschriften stammt.

Ich habe aus dem verlinkten Artikel einige Fragen entnommen, die ich hier so beantworten will:

„Wie kannst du verhindern, dass dir so etwas passiert?“

Wenn du keine Frau bist, kann es ebenso für dich zutreffen. Also ist es auch für Männer lohnend, hier weiterzulesen.

1. Wie kann ich dafür sorgen, dass man mich mag?

Die erste Frage, die sich viele Personen mit Schwierigkeiten stellen, scheint zunächst „plausibel“ zu sein. „Wie kann ich bewirken, dass mich jemand mag?“

Diese Frage ist heikel, weil die voraussichtlich niemand eine zutreffende Antwort geben wird. Jeder, der gefragt wird, geht von sich selbst aus. Falls du dich fragst, stelle ich dir eine Gegenfrage:

Welche liebenswerten Eigenschaften besitzt du im Moment? In der Ökonomie sagt man auch: „Nenne doch mal deine Alleinstellungsmerkmale.“ Das sind die Eigenschaften, die nur DU in dieser Kombination anbieten kannst.

2. Der Körper als Köder – nur gut für einen ONS

Die nächste Frage betrifft deutlich häufiger Frauen als Männer: „Was muss ich mit meinem Körper tun, damit ich attraktiv werde?“ Bei Männern wird sie sich schnell erschöpfen: Abnehmen nur bei extrem Übergewicht, Sport treiben nur bei deutlich unsportlicher Erscheinung, etwas vorteilhafter kleiden. Bei Frauen kommen etliche Versuche dazu, mit den Eigenschaften des Körpers zu experimentieren, sich verschiedene Rollen zu zulegen und Haut und Haar zu verändern. Im Endeffekt kommt wenig dabei heraus. Frauen reden selten darüber – aber das „enorme Aufmachen“ und das Spiel mit verschiedenen Rollen führt eher dazu, einen ONS zu haben als eine Beziehung. Das liegt eindeutig an der Oberflächlichkeit – Männer, sie auf Sex aus sind, haben Traumbilder. Und wenn du denen entsprichst, dann werden sie versuchen, dich zu vögeln. Wenn ein Mann „nicht gewollt“ wird, wird er sich dennoch kaum Gedanken darüber machen, wie er „sich verändern“ kann.

Frage dich, warum du dir Frage stellst: „Was muss ich mit meinem Körper tun, damit ich attraktiv werde?“ Denn die Wahrscheinlichkeit, dass etwas mit deinem Körper „nicht stimmt“, ist bei „ganz normalen“ Menschen gering. Das heißt: Dein Körper stimmt, etwas anderes stimmt eher nicht. Deine Aufgabe: Finde heraus, was bei dir „stimmt“. Wenn du das herausgefunden hast, kannst du dich in extremen Fällen fragen: „Was ist mit mir nicht in Ordnung“?

3. Enttäuschung und falscher Schluss: Es liegt an den anderen

Eine weitere Frage beruht bereits auf Enttäuschungen:

"Warum kann ich keine normale Beziehung eingehen?" Oder „Warum will mit mir niemand eine normale Beziehung eingehen?“ Und wie bei so vielen allen Enttäuschungen, glauben die Menschen, es läge nicht an ihnen, sondern an den anderen. Das liest sich dann als Zitat so:

Männer scheinen im Allgemeinen nicht zu einer Beziehung beitragen zu wollen und scheinen damit einverstanden zu sein, Frauen zu verletzen, wenn es ihnen nützt.

In diesem Fall wäre es wirklich gut, nun die Ursachen zu finden, die nicht bei den „anderen“ liegen, sondern bei dir. Denn so viel ist sicher: Nur, wenn du die Verantwortung für dein Tun und Unterlassen übernimmst, kannst du etwas verändern.

4. Wut und Verzweiflung

In der nächsten Stufe wirst du sauer auf die anderen. Du entwickelst eine Wut auf Frauen oder Männer: Warum ignorieren sie mich, warum nutzen sie mich aus? Aber in Wahrheit fragst du gar nicht: Warum tun sie es? In Wahrheit fragst du dich: „Warum passiert alle dies dauernd MIR?“ Sobald du die Frage so stellst, gibt es vielleicht langfristig eine Lösung. Und bevor du je nach dem „Warum“ fragst, wäre es schön, wenn du sagen könntest, wann, wo und in welchen Situationen hast du deine Eindrücke gewonnen?

Ab diesem Zeitpunkt wäre es auch gut, an Hilfe von außen zu denken.

5. Selbstaufgabe

Die schreckliche nächste Konsequenz wäre die Selbstaufgabe. Dazu wieder rein Zitat:

Irgendwann geben die meisten auf und versuchen gar nicht mehr, eine Beziehung aufzubauen.

Wer diese Menschen schon einmal erlebt hat, weiß, dass sie Gruppen bilden, um sich gegenseitig Gründe dafür zu geben, keine Beziehungen mehr zu wollen. Das tun Männer ebenso wie Frauen. Manche rettet das vor der endgültigen Selbstaufgabe, andere werden dadurch ideologisiert und hassen das jeweils andere Geschlecht. Dann ist es auch oft zu spät, die Kernfrage zu stellen:

„Was willst du aus einer Beziehung gewinnen, und was würdest du dafür aufgeben?“

Was das alles (für dich?) bedeutet

Aus der Schilderung ist zu erkennen, wie eine „negative kybernetische Spirale“ entsteht. Die Situation wird von Maßnahme zu Maßnahme hoffnungsloser, weil die jeweilige Rückkoppelung in einen „Teufelskreis“ führt, dessen Ende oft zu einer inneren wie auch äußeren Verzweiflung führt. Es wäre zu einfach zu sagen, man müsse nun „nur“ dafür sorgen, dass dieses System eine „positive Rückkoppelung“ bekommt.

Ein Wechsel der Fragestellung hilft bereits

Das „Positive“ entsteht nicht, wenn „mehr vom Gleichen“ versucht wird, während schon klar ist, dass dieses „Mehr“ zu noch größerem Frust führt. In diesem Fall muss „etwas anderes“ versucht werden - zum Beispiel eine völlig andere Fragestellung.

Dabei wird viel Licht auf das Ziel fallen: „Eine Beziehung“ ist etwas, das gestaltet werden will – der Begriff muss also mit Inhalten gefüllt werden. Schon die Frage: „Wer will ich in einer Beziehung sein und was will ich darin bewirken?“, kann völlig überraschende Antworten ergeben.

Eine Lösung ist dies nicht, aber ein Ansatz zum Nachdenken in jedem Fall.

In diesem Artikel werden Zitate von Ossiana Tepfenhart verwendet und widerlegt, die sich bei "Medium" nachlesen lassen. Grafik: Archiv von liebesverlag.de