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  Eigenwerbung

Schmerzliches Lechzen nach Liebe und Lust?

Begierde, Hoffnung, Verweigerung
Liebe im weitesten Sinne kann man voraussetzen oder man kann sie sich durch Wohlverhalten erwerben.

Wer sie voraussetzt, wird manchmal enttäuscht, und er sollte damit leben können. Wer sie sich hingegen durch Wohlverhalten erwirbt, muss sich zumeist erniedrigen.

Wenn es zum Spiel gehört, und beide wissen, dass es ein Spiel ist – warum nicht?

Was hilft gegen emotionale Blutsauger?

Wenn es aber zu einer Herausforderung wird, die unsere Substanz angreift, sollten wir nachdenken.

Und möglicherweise sollten wir uns von Menschen fernhalten, die sich unsere emotionale, soziale, geistige und körperliche Energie einverleiben wie Vampire.

Überlegen wir also, ob wir jene brauchen, die einen Tauschhandel vorschlagen: „Wenn du ganz, ganz lieb, brav und nett bist, dann bekommst du von mir auch…“

Ist es wirklich sinnvoll? Ist es nötig? Ist es menschlich?

Oder sollten wir jene in die Wüste schicken, die ihre Vampirzähne in unsere Psyche versenken?

Der Grund, warum ich frage, ist einfach: Bevor wir nächste Woche mit dem Thema „Lust und Frust der emotionalen, sinnlichen und sexuellen Bedürftigkeit“ beginnen, sollte jeder wissen, wo er steht. Einfach mal darüber nachdenken.

Bild: Reproduktion eines historischen Fotos, Datum unbekannt.

Die Liebe als Konsumgut

Herz günstig abzugeben ...
Je plakativer die Dinge „rund um die Liebe“ ausgedrückt werden, umso mehr erfreut dies Menschen, die von Vorurteilen leben. Wir wissen dies seit langer Zeit, und die Liste der Autorinnen/Autoren ist lang, die darüber Bücher geschrieben oder Filme produziert haben.

Nun also sah ich „37 Grad“ mit der Folge „Wisch und Weg – wie man sich heute findet und verpasst“.

Kurz: Es war eine Mischung aus Dokumentation, Einseitigkeit, eingesammelten Vorurteilen und schwachen Belegen. Was sollte es auch anders sein, wenn schon aus der Arbeitshypothese die Ideologie trieft?

Ich zitiere:

Die Liebe ist ein Konsumgut geworden, das man wegwirft, wenn es unbrauchbar geworden ist. Gefällt einer nicht, storniert man seine Leidenschaft.

Was war noch mal "Liebe"?

Ja klar, ich erinnere mich noch an eines dieser Werke, in dem eine ähnliche These für „die Liebe“ vertreten wurde. Damit war zwar eine andere Art der Liebe gemeint, aber man muss es ja nicht immer so genau nehmen. („Das Ende der Liebe“).

Gesellschaftskritik und Behauptungen

Die Sichtweise beruht, man kann es aus der Formulierung erkennen, auf Gesellschaftskritik. Wer behauptet, „Liebe sei ein Konsumgut“ unterstellt, dass Liebe käuflich, aber nicht bepreist ist. Sie wird sozusagen aus dem Regal genommen und wieder zurückgestellt, ohne dass jemand den Preis entrichtet. Jedenfalls nicht der „Käufer“, der die Ware entnimmt und zurückstellt.
Die Frage, wer denn da Käufer und wer „Zurverfügungsteller“ ist, wird zwar gelegentlich angesprochen, aber nicht zu Ende gedacht. Die Autorin versucht, uns einzureden, als ob der gedankenlose Mann die zerbrechliche Frau „mitnimmt“ - so, als ob dies für einen Mann so einfach wäre.

Wer sich finden lässt, verliert in der Regel

Die Formel „Männer shoppen Frauen“, indem sie über einen Bildschirm wischen, ist völliger Unsinn. Frauen sind dieser Tage nicht leicht zu überzeugen, eine Beziehung einzugehen. Und immer nach glauben Frauen, nicht selbst suchen zu dürfen/sollen/können. Aus dieser Sicht ist es kein Wunder, wenn sie stolz darauf sind, „gefunden zu werden“.

So weit, so schlecht – für Frauen wie für Männer. Lösungen sind rar, und wer die Einzelfälle nicht kennt, kann sich ohnehin kein Urteil bilden.

Die Sache mit dem Ghosting

Den Aussagen des Films folgend, werden die Damen symbolisch nach „einiger Zeit“ aber „ins Regal zurückgestellt“. Wer das auf besonders herzlose Weise tut, betreibt „Ghosting“. Von diesen verpixelten Geistererscheinungen macht der Film dann auch reichlich Gebrauch. Der Hintergrund: Der als Partner angesehene Mensch schweigt urplötzlich und „löst sich in Luft auf“, so, als ob er gar nicht existiere. Natürlich existiert er weiter, nur nicht für die Person, die nunmehr „abgehängt“ wurde.

Wir wissen nicht, warum. Vielleicht, weil er den erheblichen emotionalen Aufwand einer „offiziellen“ Trennung scheute? Oder weil er „noch andere Eisen im Feuer“ hatte, die er nun interessanter fand? Oder gar, weil er an seinem Wohnort „irgendwie emotional gebunden“ war?

Klar, wir finden so etwas fies. Aber es kommt vor, auch wenn es unschön ist. Und da für den Erhalt und die Pflege von Beziehungen, wenn sie denn „echt“ sind, immer beide sorgen müssen … sagt uns so etwas auch, dass keine echte Beziehung vorlag.

Frau als Opfer?

Na schön. Also Schluss?

Nein, noch ein Hinweis. Derjenige, der sich finden, fangen und verführen lässt, hat immer die schlechteren Karten. Das gilt von Frau zu Mann, von Mann zu Frau, von Frau zu Frau und von Mann zu Mann.

Ach, die Sendung? Ich hatte mir nicht viel davon versprochen, und die Sendung entsprach voll und ganz dieser Erwartung. Und ich habe keine Ahnung, wem sie wirklich Aufschlüsse ermöglichte.

(Bild: Aus dem Museum für moderne Kunst Helsinki, 2000)

Keine Kompromisse beim Kennenlernen?

Bauerntochter und Bauernsohn ... anno 1900
Wer an Artikeln über Kompromisse beim „Dating“, also bei der Partnersuche interessiert ist, landet – ob er will oder nicht – früher oder später bei Webseiten von Singlebörsen. Und sind es nicht die Singlebörsen selbst, so sind es Presseerzeugnisse, die sehr gerne das Nützliche mit dem Einträglichen verbinden. Dabei wird ein journalistisch durchaus akzeptabler Artikel von vornherein mit der Werbung für eine Singlebörse verknüpft. Nur sehr wenige Artikel wirken unvoreingenommen.

Entsprechen gibt es drei Ausrichtungen, die alle ihre Leser finden:

1. Pro Kompromiss

Meist von älteren, erfahrenen Redakteurinnen und Redakteuren, die ihre Ohren an die Graswurzeln halten. Tenor: „Kompromisse sind unersetzlich.“ Obgleich nun noch die Frage bleibt, was denn ein Kompromiss ist und was nicht mehr, ist diese Einstellung am erfolgreichsten, solange DU weißt, womit du leben kannst und womit nicht.

2. Kontra Kompromiss

Die Autorinnen und Autoren, die diese Meinung vertreten, sind entweder Idealisten oder aber Ideologen – möglicherweise vertreten sie auch psychologisch gefärbte wirtschaftliche Interessen. Sollte man sie überhaupt ernst nehmen? Nur, wenn sie präzis argumentieren und ihre Argumente auch untermauern können.

3. Abwägend bei Kompromissen

Richtig ist: Kompromisse liegen stets auf einer breiten Skala. Oder überspitzt: Ob der Müllwerker die Psychologieprofessorin aushält, ist unsicher. Doch ob einer von beiden Jazz liebt und der anderen Klassik, ist möglicherweise völlig unerheblich. Die eigentlichen „Knackpunkte“ liegen in ganz anderen Bereichen: „Klebt“ der andere an Vorstellungen, Gewohnheiten oder Orten, so ist und bleibt man eingeschränkt.

Nüchterne Betrachtung

Wer die Sache sehr nüchtern sieht, der könnte sich noch eine andere Vorstellung zu eigen machen: Zwei Menschen passen nie „in allem“ zusammen. Jemand hat mal gesagt: Wenn ein Bauernsohn, der nie etwas anders als die Landwirtschaft und die Botschaften des Pfarrers kannte, eine Bauerntochter heiratet, die genau auf dieser „Augenhöhe“ liegt, dann nehmen beide an, dass sie zueinander passen. Sie wissen es ja nicht anders und nehmen deshalb an, dass sie in allem „gleich“ sind.

Nun wir klar, warum es einerseits „unendlich viele“, andererseits aber wieder „recht wenige“ Menschen gibt, die zu uns passen. Und die Antwort ist: Weil es auf unsere Toleranzen ankommt, auf das, was wir für „passend“ halten. Und erst dann kommen wir zur Frage: „Ja, welche Kompromisse müsste ich denn eingehen, wenn …“

Kompromisse sind in Beziehungen nötig

Fall ihr schon einmal etwas über Kompromisse gehört habt, was so schrecklich negativ klingt – vergesst es. Es ist eine verbreitete deutsche Unsitte, den Kompromiss für „faul“ zu halten. In Wahrheit ist ein Kompromiss ein Ausgleich von Interessen – und wenn er nicht zu Anfang auftritt, dann wir er unter Garantie während der Laufzeit einer Beziehung nötig. Und allein aus diesem Grund ist „Kompromissfähigkeit“ eine ausgezeichnete Voraussetzung für – das Leben.

Bild: Titelseite von "Mann und Weib", ca. 1900

Das erfolgreiche Gespräch beim Date

Das erfolgreiche Gespräch beim Date folgt einfachen Regeln. Es gib mehrere Ansichten darüber, und ich verrate sie euch ohne „Wenn und Aber“. (1)

Heute: die Stufenmethode

1. Beginne mit ein wenig Small Talk.
2. Wechsle zur Person – wer bist du, wer der/die andere?
3. Gehe tiefer zu dem, wie du bist (und das Gleiche gilt für den/die andere(n).
4. Wechsle in den Bedeutungsbereich: was willst du von deinem Gegenüber? Was will er/sie von dir?

Außer dem Geplänkel („Small Talk“) entspricht dies der Methode dem Grundsatz:

Was ist es? – Wie ist es? – Und was bedeutet das für mich (den anderen)?

Phase eins – Small Talk

Strahle aus, dass du interessiert bist. Zeig dem anderen, dass du Interesse an ihm hast. Erkenne, ob er Interesse an dir hat. Dann verlass das Eingangsgeplänkel so schnell wie möglich.

Phase zwei – wer und was?

In dieser Phase geht es darum, einander Einblick in den Alltag zu geben, ohne gleich „alles“ zu offenbaren.
Konkrete Fragen und Antworten dazu habe ich kaum. Sie sind immer sehr abhängig vom Bildungsgrad der Beteiligten. Aber ich höre oft sehr unscharfe Klischee-Fragen, die uns nur bedingt weiterbringen. Auch zu präzis formulierten Fragen sollten nicht gestellt werden oder solche, die den Partner zwingen, sich zu offenbaren.

Klischeehaft: „Was machst du in der Freizeit?“
Zu präzis: „Nenne spontan drei Eigenschaften, die dich auszeichnen.“
Neutral: „Was machst du an einem typischen Wochentag?“


Phase drei – wie läuft bei dir (dem anderen) alles ab?

In dieser Phase stellst du Fragen, um dir eine Vorstellung der aktuellen Lebensumstände des anderen zu machen - und um deinem Gegenüber deine Lebensumstände oder dein Denken und Handeln zu vermitteln.

Klischeehaft: „Hattest du eine glückliche Kindheit?“
Zu präzis: „Kannst du dir vorstellen, (demnächst, wieder) zu heiraten?“
Neutral: „Wie wohnst du im Moment?“
Bei großer örtlicher Distanz ganz wichtig:
„Was bindet dich an deinen Wohn- oder Arbeitsort?“


Phase vier: Bedeutung und Intimität für euch

In den vorausgegangenen Dialogen sind wahrscheinlich in euren Köpfen Fragen entstanden: „Wenn wir jetzt zusammen wären, könnte ich mir das auch für mich vorstellen, was ich gehört habe?“ Die „Was-wäre-wenn-Frage“ hilft tatsächlich. Zudem kann es nun um Bereiche des Wohnens, der Freizeit- und Genussaktivitäten gehen, die schon erkannt wurden. Oftmals wird erkennbar, wo das größte Defizit des Partners liegt (ich hoffe, ihr kennt eure eignen). Ist es „schützen und beschützt werden?“ Oder Lust schenken und Lust empfangen?“ Ist es „Gemeinsam leben und haushalten“ oder „Getrennt leben und die gemeinsamen Momente genießen?“

Schließlich entscheidet sich in dieser Phase auch die Frage, die es angeblich gar nicht gibt, die aber stets mitschwingt (2).

Sie lautet:

„Willst du die Gelegenheit ergreifen, deine Lüste mit ihm/ihr zu befriedigen, egal, ob eine Beziehung daraus wird oder nicht?“

Ein wichtiger Hinweis: Die Phasen sind ein Gedankenmodell. Es kann immer sein, dass ihr vor- und zurückgeht. Aber vergesst nicht: Beim Auseinandergehen steht eine Entscheidung an – und sie sollte wirklich drauf basieren, ob ihr einander mögt.

(1) Wenn euch diese Methode nicht gefällt, schreibe ich euch gerne mehr, welche anderen Modell es gibt, und warum sie ebenfalls zum erwünschten Ziel führen -oder eben auch nicht.
(2) Die Annahme, dass nur Männer daran denken, ist populär, aber kaum noch haltbar.

Mach jetzt deine Pläne für den Neustart

Zeit für neue Erfahrungen ...
Nein, die Pandemie ist noch nicht vorbei. Aber wenn ihr Verschwinden deutlicher wird, ist es zu spät, Pläne zu machen.

Also beginne jetzt. Vielleicht hast du in der Pandemie gelernt, dich auf „das Wesentliche“ zu konzentrieren. Nun kannst du bald wieder hinausgehen und „das Wesentliche“ verwirklichen.

Weißt du schon, was „das Wesentliche“ für dich ist? Ist es Glück? Freude? Bewegung? Lust?

Mach einen Plan - JETZT

Wenn du es nicht weißt, dann beginne damit, dir eine Art „Masterplan“auszudenken. Es gibt durchaus Aktivitäten, die keine oder nur sehr wenige Kontakte mit anderen Menschen erfordern. Je weiter die Pandemie vergeht, umso mehr kannst du deine Aktivitäten auf „das Menschliche“ erweitern, zum Beispiel auf Kuschel- oder Sexbeziehungen.

Über 30? Zeit für eine Beziehung!

Falls du über 30 bist: Versuche, eine Beziehung zu beginnen. Mir fällt so oft auf, dass manche Frauen ein Drama daraus machen, wenn eine Beziehung misslingt. Es ist ein „Drama“ - es ist eine Erfahrung. Die meisten von uns haben solche Dramen als Jugendliche erlebt. Das gehört „irgendwie dazu“. Falls du diese Erfahrungen versäumt hast, kannst du sie nicht dadurch verhindern, dass du „überstreng“ mit deinen möglichen Partnerinnen oder Partnern bist. Versuch, die Dinge locker anzugehen und wirf deinen emotionalen Ballast ab.

Mal ehrlich, ihr da draußen: Was kann euch denn schlimmstenfalls passieren? Ein leichter Seelenschmerz? Eine erwachsene Person, so denke ich, sollte darauf vorbereitet sein, dass es passieren könnte.