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Die Forschung kennt in Wahrheit kein „Matching“

Wahrsagerei und Okkultismus - oder Eigenverantwortung?
Seit Jahren ist bekannt, dass ein zuverlässiges „Matching“ nicht existiert. „Matching“ nennt man den Vorgang, den „passende Partner“ zu finden oder ihn von Vermittlern finden zu lassen.

Im 21. Jahrhundert hat sich nach und nach durchgesetzt, die kühnen Behauptungen vom „passenden“ Partner zu relativieren. Der bekannte Arzt, Psychologe und Paartherapeut Arnold Retzer setzt schon bei den Grundlagen an: dem weitgehend frei erfundenen Begriff des „richtigen Partners“ an, indem er schreibt (1):

Voraussetzung für die Vorstellung, man könne den richtigen Partner finden, ist die Überzeugung, es gibt ihn, den richtigen Partner.

Wenn es den richtigen Partner nicht gibt - warum suchen wir dann danach? Und wer hilft uns dabei? Die Wissenschaft? Jeder ernsthafte Wissenschaftler würde entsetzt sein, wenn er die löchrigen Kriterien sehen würde, mit denen Matching-Algorithmen arbeiten. Der IT-Organisator, der ich einmal war, sagt dazu knapp: Shit in - shit out“ und meint, dass die Ergebnisse miserabler Grundlagen nur zu ebenso miserablen Ergebnissen führen können. Und auch rein formal sind diese Tests Unsinn: Es gibt Kriterien dafür, welche Menschen möglicherweise „gleich“ sein könnten, aber es gibt keinen Kriterien dafür, dass diese Menschen auch zusammenpassen.

Noch schärfer geht der Schweizer Professor Guy Bodenmann gegen die angeblichen Kriterien vor, die es für „glückliche Partnerschaften“ gibt. Er schreibt:

Die Forschung der letzten 25 Jahre zeigt mit großer Übereinstimmung, dass es nicht Attraktivität, Persönlichkeitsmerkmale, Status und das Ausmaß der ursprünglichen Liebe zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft sind, welche eine glückliche Partnerschaft über Jahre gewährleisten. Eine zufriedenstellende Partnerschaft zu führen, braucht Kompetenzen.

„Kompetenzen“ sind „Zuständigkeiten“ - das heißt, wir müssen uns für die Beziehung „zuständig“ fühlen und sie gestalten, um sie zu Glück und Erfolg zu führen.

Welche Kompetenzen brauchst du für eine glückliche Ehe?

Die wichtigsten Kompetenzen für eine erfolgreiche Partnerschaft sind schnell genannt:

Angemessen und sinnvoll miteinander zu kommunizieren (also die Art, in der man miteinander redet und umgeht).
Im Alltag auftretende Probleme miteinander wirkungsvoll lösen zu können.
Auftretende Sondersituationen (Alltagsstress) sinnvoll auflösen zu können.
Humor zu haben und auch in Krisen beizubehalten.
Kompromisse und Vereinbarungen eingehen zu können und sich daran zu halten.


Weg mit den Orakeln über die Zukunft

Der Wunsch, das Glück in der Partnerschaft zuvor „feststellen“ zu können, mag verständlich sein. Um nichts „falsch zu machen“ oder gar dabei „zu versagen“, klammert man sich an die letzten Krücken, die der Menschheit zur Verfügung stehen: Okkultismus und Psychologie. Hat man das getan, und ist das Ergebnis positiv, so fühlt man sich entlastet: „An mir kann es ja wohl nicht liegen, wenn etwas schief geht.“

Ich gebe gerne zu, dass ich soziale und ökonomische Faktoren persönlich für wichtige Kriterien bei der Partnersuche halte, aber sie sorgen nicht für „glückliche“ Ehen, sondern für wirtschaftliche erfolgreiche und „vernünftige“ Ehen, was eben auch zum Vorteil für das Paar sein kann.

Das Fazit - nur DU bis für dein Glück zuständig

Was sagt uns das?

- Verlasse dich nicht auf Matching-Algorithmen, psychologische Tests, angebliche Übereinstimmungen und dergleichen.
- Frage keine Kartenschläger, Pendler oder Astrologen über deine Zukunft aus - es ist deine Zukunft, und nur du kannst sie beeinflussen.

Stattdessen

- Überprüfe deine Kommunikations- und Problemlösungskompetenz.
- Versuche, einen Partner zu finden, der dies auch für wichtig hält.
- Gestalte deine Zukunft mutig mit deinem Partner gemeinsam.
- Gestatte dir selbst und deinem Partner Freiräume.
- Leben mit Humor, Zuversicht und Toleranz und animiere deinen Partner, das auch zu tun.

(1) Lob der Vernunftehe, Frankfurt 2009
(2)Stress und Partnerschaft, Zürich 2011
Dazu empfehle ich diesen Artikel im "Familienhandbuch"
Bildquelle: Nach einer historischen Werbung

Eine persönliche Nachricht an meine Leser zur Partnersuche

Der Herausgeber
Ich habe hier längere Zeit keine Beiträge zum Dating mehr geschrieben, weil ich mit anderen Tätigkeiten beschäftigt war. Zugleich habe ich das Konzept für die Frage „wie finde ich einen Partner“ etwas verändert. Unter anderem habe ich aus meiner langjährigen Erfahrung mehrere Wege zusammengestellt, wie ihre euren Partner (oder eure Partnerin) finden könnt.

Um nicht missverstanden zu werden: Alles, was ich zuvor schrieb, ist weiterhin gültig. Allerdings haben sich die Möglichkeiten und Bedingungen der Partnersuche in den letzten Jahren verändert. Teilweise suchen die jungen Leute ihre Partner so, wie man es vor 50 Jahren tat: halb zufällig, halb gezielt - und zwar wo immer man ihnen begegnete. Andererseits suchen viele ihre Partner heute über Apps, und das gleicht eher einem Spiel. Schließlich gibt es weiterhin Online-Dating traditioneller Art, für die sich der Markenname „PARSHIP“ durchgesetzt hat. Immerhin spricht man neuerdings von „parshippen“ - wenngleich das Wort nicht im „DUDEN“ erscheint. Hingegen ist „tindern“ (Per App „Tinder“ einen Partner zu suchen) inzwischen ein Wort, das du im Duden findest. Auch die Partnervermittler und die Privat-Zeitungsanzeigen sind nicht ganz verschwunden, doch trifft man dort eher „gesetztere“ Menschen an.

Daraus ergibt sich folgendes Bild unterschiedlicher Möglichkeiten:

Nah oder Fern

- Die traditionelle „Nahsuche“, also das Suchen in unmittelbarer Nähe, existiert weiterhin - vom Sandkasten über die Schule und den Bekanntenkreis der Verwandten bis hin zu Studium und Arbeitsumgebung.

- Die „Fernsuche“ ist nicht wirklich neu, war aber früher nur dem Adel und reisenden Kaufleuten oder Handwerkern vorbehalten. Heute umfasst die „Suche in der Ferne“ sowohl Nachbarstädte wie auch ferne Gemeinden oder Bundesländer - und sie geht sogar über die Landesgrenzen und Kontinente hinaus.

Gezielt oder „Schrotschussmethode“?

- Wenn sich jemand wirklich entschließt, einen Partner(eine Partnerin) zu finden, ist die gezielte Suche das Mittel der Wahl. „Gezielt“ zu suchen heißt nicht, eine Menge Kriterien zu haben und zu schauen, dass alle zutreffen. Vielmehr legst du zwei oder drei Hauptkriterien fest, die du unbedingt von deinem Partner erwartest, und nach denen wählst du aus. Du kannst Nebenkriterien festlegen, aber ich empfehle es dir nicht. Sieh dir die Menschen an, die den Hauptkriterien entsprechen, und entscheide dann, ob du die übrigen Merkmale der Person schätzt.

- Die Schrotschussmethode - auch Dynamitfischen genannt - ist dann angebracht, wenn du viel Zeit hast oder unsicher bist, wen du wirklich treffen willst. Bei dieser Methode schreibst du einfach alle Frauen (Männer) an, die dir „irgendwie“ gefallen, triffst dich mit ihnen, falls sie mit dir in Kontakt treten und siehst sie dir dann an, ob sie dir gefallen.

Die Folgen für dein Leben

Wie immer und überall gibt es täglich Veränderungen in unserem Leben, und manchmal gibt es auch Trends, denen wir folgen. Aber es gibt eben auch natürliche Phänomene, die wir nicht wirklich „Im Griff“ haben, und Vorstellungen, die sehr langlebig sind, ohne dass sie wirklich einen Sinn haben.

Partnersuche: Gefunden werden wollen

Jüngst wurde ich gebeten, eine Frage zum Online-Dating zu beantworten. Es war nicht DIE FRAGE, aber ich habe dennoch DIE ANTWORT nachgeschoben:

Suchen ist seliger als gefunden werden wollen.


Irgendwie habe ich von den Meinungen anderer gelernt, dass auch „Jungs“ (Männer jeden Alters, wer sonst) sich vorstellen, „irgendwie gefunden“ zu werden. Was dazu führen kann, mit jedem beliebigen Schrott geködert zu werden. Von „schicke erst mal Mäuse rüber“ bis „wir hätten da noch so einen Klub, in man man sich treffen kann.“

Frauen saßen lange Zeit auf den gleichen Bahnhöfen. Sie erwarteten, dass ein ICE sie auf einem Provinzbahnhof abholen würde. Ihr wisst sicher, dass sie in der Provinz (hoffentlich) nicht halten. Stattdessen haben findige Jungs (ja, wieder jeglichen Alters) sie in ihre Kuschelabteile gelockt und am Ende der Reise wieder rausgeschmissen.

Und all das ist so gewesen, weil sie bitteschön „gefunden“ werden wollten.

Also - bitte merken: Suchen heißt nicht, auf Provinzbahnhöfen zu warten, bis ein ICE hält.

Alter und Partnersuche

In jeder Altersstufe haben die Menschen andere Vorstellungen von ihren Partnern. Wie sollte es auch anders sein? Zu Anfang hat man viel mehr Zukunft als Vergangenheit, zuletzt viel mehr Vergangenheit als Zukunft.

Die junge Frau wünscht sich einerseits einen etwas älteren, sportlichen, hübschen Jüngling mit Hirn, andererseits schielt sie nach der Erfahrung der „gehobenen mittleren Jahre“. Der junge Mann wünscht sich eine wunderschöne, kluge und sexaktive „gleichaltrige“ Freundin, doch vermutet er, dass eine erfahrene Frau ihm wesentlich mehr barrierefreie Befriedigung bieten kann.

Betrachten wir nun Menschen über 50, so wünscht sich die Frau einen etwa gleichaltrigen, möglichst aber etwas älteren Mann. Sie hält es für unangemessen, sich einen jüngeren Mann zu suchen und befürchtet, im Alter von ihm verlassen zu werden. Der Mann hingegen glaubt, dass ihm die Welt aller Frauen von 25 bis 55 offensteht, und er strebt nach der erotischen Frische der jüngeren Frau.

Soweit die Klischees, die leider allzu oft auch zutreffen.

Dieser Tage las ich (Zitat):

Vermutlich ist … (meine Präferenz) … dadurch begründet, dass ich mir einen Partner wünsche, der sich in einer Lebenssituation befindet, die meiner sehr ähnelt und durch die Gemeinsamkeiten hergestellt werden könnten. Zu nennen wären hier Dinge wie Karriereziele, gefestigte Hobbys, oder dass man sich zumindest schon einmal Gedanken um Familiengründung gemacht hat.


Ich sehe das etwas „runder“. Statt „Karrierezeile“ würde ich „berufliche Zufriedenheit“ einsetzen, statt „gefestigter Hobbys“ eher „passende Interessen“ – und sicher – die Familiengründung interessiert Frauen zumeist etwas mehr als Männer - erwarten sollten Frauen es besser nicht.

Alter ist ein Kriterium - aber es gibt wichtigere

Die Kernfrage des Zusammenlebens ist eigentlich: „Was wäre, wenn …“, und das heißt: Wie würden WIR zusammen wohnen, wie und wo würde SIE/ER und ICH dann arbeiten? WAS würden wir zusammen tun können, was nur getrennt? Und vor allem: Was bin ICH bereit, für den anderen aufzugeben?

Ja, Alter spielt eine Rolle. Aber die Frage ist eben auch, welche Art von Leben man führen möchte. Ich habe (einige) „mitreisende Ehefrauen“ und (wenige) „mitreisende Lebenspartner“ kennengelernt. Sie haben sich für ein Leben entschieden, in dem der Eine dem Anderen folgt. Das mag die Ausnahme sein. Aber es ist eben spannend und voller Abenteuer. Und deshalb zählen manche Dinge, die euch als „wichtig“ erscheinen, im Grunde nicht so viel.

Die Entscheidung, mit über 50 eine deutlich jüngere Frau zu heiraten und mit ihr nochmals eine Familie zu gründen, ist zwar gerade so ein „Promi-Ding“ – doch es ist ziemlich selbstsüchtig. Kinder mögen junge Eltern. Wenn die Tochter gerade ihr Abi macht, während der greise Vater seinen 75. Geburtstag feiert, dann scheint mir irgendetwas in Schieflage zu sein.

Scheuklappen schaden dir bei der Partnersuche

Es gibt viele Gründe, warum Partnersuche so schwer ist. Eine von ihnen ist die „Scheuklappen-Theorie“.

Bekanntlich legt man Pferden Scheuklappen an, damit sie nicht vom Geschehen recht oder links vom Weg irritiert werden. Das gilt auch für viele Partnersuchende. Wenn sie „Scheuklappen“ tragen, , dann laufen sie „stracks“ auf ihr Ziel los. Das heißt, sie treffen Verabredungen („Dates“) ausschließlich zu dem Zweck, den (nach ihrer Auffassung) „wirklich passenden Lebenspartner“ kennenzulernen. Die Chancen dafür liegen – je nach Anforderungen und Vorauswahl – zwischen 1:5 und 1:25. (1)

Das heißt letztlich auch: sie sehen weder die andere Person noch deren Interessen, sondern lediglich ihre eigene Person und ihre eigenen Interessen, die sie „erfüllt“ haben möchten.

Online-Dating als "Scheuklappen-Verstärker" - und wie man dies umgeht

Insbesondere im Online-Dating sind die Menschen unglaublich fixiert auf etwas „ganz Bestimmtes“. Dafür sorgt auch die Werbung der Anbieter, denn sie behaupten ja, mit „wissenschaftlichen“ Methoden Übereinstimmungen feststellen zu können.

Einige Kunden dieser Anbieter glauben an solche Prinzipien, andere wenden sich bewusst davon ab und nehmen nie die „Hauptvorschlagspersonen“, sondern eher solche aus der zweiten Reihe.

Die Person ist nicht die Summe der abgefragten Merkmale

Ich nehme an, dass jene, die niemals die „großen Lose“ nehmen, psychisch aufgeklärter und logisch gebildeter sind. Sie wünschen sich gar nicht so viel „Pseudo-Übereinstimmung“, sondern suchen Menschen, die „als Person“ für sie interessant sind. Denn ob die „Tests“ wirklich Persönlichkeitsmerkmale abbilden, die für Beziehungen wichtig sind, ist äußerst umstritten. In der Praxis sind es eher Humor und Toleranz, physische Anziehungskraft und die Fähigkeit, zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen.

Vermutlich sind die Kunden von Online-Partervermittlern wesentlich pragmatischer als es die Damen und Herren Programmentwickler dort vermuten. Nach meiner Meinung setzen sie her auf das Auswahlverfahren der Partybesucher(innen): Bekanntermaßen hat es wenig Sinn, sich auf die Schönsten oder Reichsten zu stürzen. Wer klug ist, sucht sich eher einen Partybesucher, den er als Person interessant oder körperlich anziehend findet.

Weder Scheuklappen noch mit jedem ausgehen

Das Spektrum zwischen „Scheuklappensuche“ und „unqualifizierter Suche“ ist breit. Wie so oft liegen die größten Chancen in der Mitte: weder zu eingeschränkt zu suchen noch den Horizont zu weit zu öffnen.

Dazu musst du allerdings selbst einen Teppich ausbreiten, welche Eigenschaften du an einem anderen Menschen unbedingt benötigst, welche ganz hübsch wären und auf welche du verzichten kannst.

Und wenn du nicht unter „Hochdruck“ suchst, kannst du es auch einfach mal mit einer Person versuchen, die zu Anfang nicht völlig in dein Raster passt.

(1) Nach der Anzahl der Dates, die nötig waren, um einen Partner zu finden.