Skip to content
 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Hilft uns „künstliche Intelligenz“ bei der Partnersuche?

„Künstliche Intelligenz“ beruht darauf, Sachverhalte und Situationen zu erfassen, in technisch verarbeitbare Formeln umzusetzen und daraus Schlüsse zu ziehen oder Aktionen auszuführen. Manche Systeme sind in der Lage, zu lernen und sich selbst zu optimieren – aber schon das ist nicht ganz einfach. Gegenwärtig liegt die Intelligenz vor allem in den Formeln – der Rest, der oft verblüfft, beruht auf der ungeheuren Datenmenge, die sich Daten verarbeitende Systeme aus unterschiedlichsten Informationsquellen holen können. (Eine allgemeinere, neutrale Definition findet ihr in "Computer Weekly (deutsch)".

Die Schwierigkeiten, ein zutreffendes Programm zu erstellen

Damit sind auch die Schwierigkeiten bereits definiert, nämlich:

- Was sind, auf das jeweilige Thema bezogen, überhaupt „relevante Sachverhalte?“
- Welche und wie viele Informationen benötigt man daraus, um ein Programm zu erstellen?
- Wie müssen die Formeln aufgebaut sein, um Schlüsse ziehen zu können?
- Aufgrund welcher Kriterien können (oder sollen) überhaupt Schlüsse gezogen werden?
- Welche der möglichen Schlüsse werden ausgegeben udn mit welcher Toleranz?

Zweifel am Wert der künstlichen Intelligenz bei der Partnersuche

Sieht man die Sache weniger logisch, so wird ein Mysterium daraus. Niemand sagt uns, was „relevante Sachverhalte“ sind, die als Input unbedingt benötigt werden. Ganz einfach, weil niemand genau weiß, unter welchen Gesichtspunkten Paare tatsächlich zusammenkommen werden. Insofern weiß man eben auch nicht, welche Informationen über eine Person relevant sind. Was der Programmierer dann tun kann, ist wenig: Er mischt die Daten ab, die er bekommt, bastelt die Wahrscheinlichkeiten zusammen und kontrolliert, ob es möglichst viele „gute Matches“ gibt. Sonst werden die „Suchenden“ sauer. Dafür, was ein gutes Mach ist, gibt es immerhin Stellschrauben in einem Computerprogramm, die sich auch nachträglich lockern lassen. Nun kommt der „Output“ – er muss zwangsläufig reichlich und positiv sein, sonst motzen die Kunden.

Das kling natürlich alles sehr aufregend. Aber ein Algorithmus ist noch keine künstliche Intelligenz, und so lese ich schmunzelnd:

So verwendet (ein Unternehmen der Branche) einen Algorithmus, um kompatible Myers-Briggs-Persönlichkeitstypen zu identifizieren und zuzuordnen – Benutzer füllen einfach einen Fragebogen aus.

Das bedeutet, auf einer stark angejahrten Persönlichkeitstheorie von Carl Gustav Jung aufzubauen, die 1944 für Fragebogen aufgearbeitet und später kommerzialisiert wurde. Niemand hat nachgefragt, was passiert, wenn eine über 75 Jahre alte Methode auf den Menschen des 21. Jahrhunderts angewendet wird. Aber weil der Konsument ohnehin nicht unterscheiden kann, was „künstliche Intelligenz“ ist, was Algorithmen bedeuten und wie die Ergebnisse zustande kommen, staunt er eben. Darauf baut die ganze Chose auf.

Ethik kann in Formeln gefasst werden - aber halten die Formeln stand?

Ob Computer irgendeine Ethik begreifen können? Ja, können sie, falls die Ethik-Regeln für alle gleich sind und es keine individuellen Abweichungen gibt. Bei Liebe, Lust, Leidenschaft, Begierden und ähnlichen Themen gibt es aber durchaus Unterschiede in der Sichtweise. Und es gibt eine eindeutige Stellungnahme: Menschen denken situativ durchaus unterschiedlich über das, was jetzt für sie wichtig ist. Es muss nicht das Gleiche sein, was sie beim Ausfüllen von Fragebogen dachten oder das, was sie bei einem Date vor drei Wochen gedacht haben.

Der KI-Experte David Tuffley drückte es so aus:

Die Realität ist, dass wir Menschen in Ethik nicht so sicher sind, weil wir uns nicht völlig klar sind, welche moralischen Anforderungen an erster Stelle stehen.

Das heißt kaum mehr, als dass die künstliche Intelligenz auch nichts verbessern kann, wenn sich die Menschen, die den Computer „füttern“ ungenaue Vorgaben verwenden.

Noch weiter geht Adrian David Cheok, ein Professor aus Tokio. Er sieht eine gefährliche Rückkoppelung im Verhältnis von Menschen zu KI:

Benutzer sollten sich des enormen Einflusses bewusst sein, den KI unwissentlich auf sie haben kann, und drauf achten, wer KI benutzt, denn

wenn Unternehmen die Macht dazu haben, können sie die Menschen definitiv dazu bringen, jemanden zu lieben. Also ist es wichtig, wer die KI kontrolliert.

Das ist nicht neu – nur ging die Faszination in früheren Zeiten von Kartenschlägerinnen, Astrologen und populistisch agierenden Psychologen aus, die alle eine gewisse Faszination auf das Volk ausübten. Auch das Wort „Algorithmus“ fehlt nirgendwo, wo die Passungen ausgebrütet werden, weil es so herrlich wissenschaftlich klingt.

Und nun? Nun heißt der neue Star „Künstliche Intelligenz“. Wer da in Ehrfurcht erstarrt, sollte schnell aufwachen.

Die Zitate entnahmen wir dieser Publikation.

Der Autor war 20 Jahre lang IT-Mitarbeiter, reisender Schulungsreferent und IT-Organisator.

Die Partnersuche läuft jetzt ... ja, wie denn bitte?

Über den Sinn von Artikel über die Partnersuche kann man streiten - über diesen kaum. Er erschien bei Heise und betrachtet die Dating-Apps, die in den letzten Monaten oftmals verflucht wurden.

Doch die Alternativen belieben nebulös: Eine alternative Partnervermittlung in New York City? Und noch eine Lebensberaterin und Heiratsvermittlerin aus den USA, mit ebenfalls nur dürftig belegten Fakten?

Wäre da nicht die vollmundige Überschrift, hätte ich den Artikel gar nicht gelesen: Vergesst Tinder: Die Partnersuche im Netz läuft jetzt anders.

Ja, anders - da sollte mal jemand was finden, was da „anders laufen“ könnte, denn viele haben die Nase voll von den Tinderellas.

Nur - zwei Namen hinzuwerfen, die wenig Popularität genießen und zwei Konzepte, die eher nebulös geschildert werden - das ist eben nicht die Zukunft.

Das geheime Wirken bei der Partnersuche

Vorstellungen stehen oft in Bildern, viel seltener in Worten
Das verworrene, geheime Wirken bei der Partnersuche ist ein Artikel darüber, das wir nicht nur sind, was wir in Worte fassen können, sondern wirklich viel mehr. Und leider auch, dass wir "im Hintergrund" viel mehr wollen, als wir "stemmen" können

Wenn ihr mit Partnersuchenden redet, werden ihr oftmals finden, dass sie „eigentlich“ keine besonderen Eigenschaften an ihren Wunschpartnern suchen. Wenn genau diese Menschen dann auf „mögliche“ Partner treffen, tauchen plötzlich Vorstellungen auf, die uns überraschen: Da waren viel mehr Vorstellungen, die in „Bildern“ in ihren Köpfen standen. Plötzlich kam heraus, dass sie sich diese oder jene Situation nicht vorstellen konnten, auf bestimmte Verhaltensweisen Wert legten oder gar genaue Vorstellungen für die Gestaltung der Partnerschaft hatten. Also beispielsweise, wie und wo sie leben wollen, welchen Wunschträumen sie nachhängen oder - und vor allem - was „gar nicht geht“.

Wir sehen dann: Viel zu viele Menschen setzen als „selbstverständlich“ voraus, was sie selber denken und wie sei selber handeln. Humor? Ja, wenn es der Eigene ist. Spontanität? Na klar, wenn sie so ist, wie ich sie verstehe. Flexibilität? Ja, aber bitte nur bis zur nächsten Kreisstadt.

Worte bedeuten nicht viel - Hintergrund-Bilder entscheiden

Hinzu kommt noch etwas durchaus Eigenartiges: Eigenschaften, die man sich selbst zuschreibt oder von anderen fordert, stehen in Worten. Doch hinter den Worten stehen Bilder, die erheblich mächtiger sind als die Worte selbst. Ein typisches (und von mir oft zitiertes) Beispiel ist der „Familienmensch“. Was dahintersteht, bedeutet: Ich sehe mich in einer Familie, so, wie ich sie als Kind erlebt habe. Nur war man damals noch ohne eigene Verantwortung. Nun geht es dabei aber nicht nur um „fromme Wünsche“, sondern um geeignete Wohnungen, Mieten, Hypotheken, den Freuden und Leiden der Mutterschaft. Ja, es geht letztlich um Einschränkungen und Verzicht. Da reichen eben solche Flosklen nicht: „Ich bin ein Familienmensch und du auch“. Da muss her: Wer bin ich, wer bist du, und wie können wir unseren gemeinsamen Traum verwirklichen?

Tatsächlich lauern bei uns allen irgendwelche Bilder im Hintergrund: Idealvorstellungen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Es gibt nur zwei „Wege hinaus“: Entweder wir erforschen unsere Persönlichkeit besser oder aber wir nehmen die Dinge hin, wie sie kommen. Mit Kompromissen und viel Toleranz kann man sich auch ein hübsches Leben zu zweit einrichten.

Bild: Liebesverlag-Archiv, © 2021 by Gebhard Roese

Zeit der sinnlichen Unsicherheit

Was passiert eigentlich, wenn das „normale Leben“ erneut beginnt? Wenn wir wieder hinausgehen, uns den anderen Menschen maskenlos präsentieren? Und wenn noch dazu kommt, dass sie uns nun sommerlicher und textilarm gegenübertreten?

Vielleicht erinnert ihr euch noch, was euer „normales“ Leben zuvor war. Oder eben das „unnormale“ Leben, das für euch gerade entdeckt wurde, als die Pandemie jede Hoffnung zerstörte, es zu realisieren? Werdet ihr dort erneut ansetzen? Oder alles „ganz anders“ machen, wie es die Glaskugelgucker prophezeien?

Ihr hatten Fantasien, nicht wahr? Und was jetzt?

Auch, wenn ihr es nicht gegenüber euch selbst zugeben könnt: Ihr habt euch in leeren Singlebetten gewälzt und euch Partner erträumt. Solche, mit denen ihr ins Konzert und ins Bett gehen könnt. Solche, die ihr zu nichts anderem kennenlernen wolltet, als einen neuen, erregenden Körper zu spüren. Und solche, die eines Tages wirklich die verschwiegenen Lüste erfüllen werden, die ihr über ein Jahr unterdrückt habt.

Und nun? Ich lese viel von sinnlicher Unsicherheit, eine gewisse Angst, die gepaart mit überbordender Geilheit zu Fehlhandlungen führen kann. Ja, das kann passieren. Niemand bezweifelt es.

Was wollt ihr alle nun tun? Wie wollt ihr euch zeigen? Wem wollt ihr euch zeigen? Was von euch wollt ihr zeigen? Welche Bedürfnisse sollen sofort erfüllt werden, welch können warten?

Sind Psychologen wirklich so blauäugig?

Manche Psychologen geben sich derzeit ausgesprochen „blauäugig“, um nicht zu sagen: entsetzlich naiv. Sie bereiten Singles auf eine wundervolle Zeit konservativer, edler Begegnungen vor. Ich las dazu:

(Singles, die Partner suchen, werden …) sich zum Beispiel klarer darüber sein, was sie von sich selbst und anderen erwarten. Sie werden jede Verabredung wertschätzen und sich wirklich mental darauf vorbereiten.

Diese Meinung unterstützt das Wunschdenken konservativer Kreise, dass nach der Pandemie eine Zeit der „Läuterung“ eintritt. Viele erwarten die Rückkehr zu konservativ-ethischen Wertvorstellungen.

Merkwürdig ist nur, wie schnell sich dieses Wunschdenken verbreitet – von der Forschung über die seriösen Medien bis in die Szene der Abschreiber.

Vorbereitet sein ist immer gut - aber bitte auf alles

Nein, ich habe nichts dagegen, sich auf sogenannte „Dates“ gründlich mental vorzubereiten. Und ich befürworte selbstverständlich, sich über sich selbst klar zu sein und die Motive der Partner abschätzen zu können.

So hübsch da auch alles angedacht (oder ausgedacht?) sein mag … wirkliche Verabredungen im echten Leben haben einen ungewissen Ausgang. Da mögen sie nun „mental“ bestens vorbereitet oder auch nicht. Da sollte sich sogar in der Wissenschaft herumgesprochen haben.

Zitat: Logan Ury gegenüber der BBC.

Bist du bereit?

Der Zweifel an der Suche ist so alt wie die Suche selbst
In diesem Artikel wende ich mich an die Suchenden. An alle Suchenden. Solche, die schon „seit Jahren single sind“ und jene, die durch die Pandemie über ein Jahr lang an der Partnersuche gehindert wurden.

„Bist du bereit?“, ist unser Motto für Juni. Und dahinter verbirgt sich ja auch die Frage: „Wozu bist du bereit?“

Bereit für Veränderungen - der Schlüssel zur Partnerschaft

Um die Sache etwas zu verkürzen, noch mal präziser gefragt:

„Wozu bis du jetzt bereit, wenn du eine feste Beziehung suchst?“

Falls du antwortest: „In jedem Fall erwarte ich dadurch eine Veränderung“, dann ist schon gewonnen. Für eine Veränderung bereit zu sein ist die wichtigste Voraussetzung für eine Partnerschaft. Würdest du dich bei einer Firma bewerben, wenn du nicht bereit wärst, einen neuen Arbeitsplatz zu finden? Vermutlich nicht.

Der Weg zur Zweisamkeit - mit nur zwei Fragen

Die beiden anderen Fragen, die sich nun allerdings ergeben, sind:

Bist du bereit, nun deinen Horizont erheblich zu erweitern?
Oder bist du gar bereit, auf etwas zu verzichten?

Wenn ich euch etwas verraten darf: Die Antworten auf diese Fragen weisen den Weg zur Zweisamkeit. Und sie sind zugleich der Nährboden des Erfolgs.

Die erste Frage, also die Erweiterung, wird von vielen Menschen auf Nachfragen mit „Nein“ beantwortet. Gleiche Stadt, gleiches Land, gleicher (örtlicher) Arbeitgeber, gleicher Freundeskreis, gleiche Interessen - das ist die Haupthürde für die Masse der Partnersuchenden.

Nun ist die zweite Frage zwar auch wichtig (ich habe oft darauf hingewiesen), aber der Gewinn ist oft zugleich der Verzicht. Also beispielsweise: Im Ausland ein interessanteres, erfüllteres Leben zu finden, ist ein Gewinn – daheim den gewohnten Freundes- und Kulturkreis zu verlieren, ein Verlust.

Warum du immer ein Risiko eingehst und das auch gut ist

Das alles lässt sich auf eine neue Frage reduzieren: Bist du überhaupt bereit, das Risiko der Partnersuche einzugehen? Risiken sind bekanntlich mit Chancen und Misserfolgen belegt. Was überwiegt, ist zwar nicht immer absehbar, und viele von euch werde schnell ungeduldig, wenn es mal nicht sofort „funkt“. Aber es ist kalkulierbar. Je kleiner das Risiko, umso geringer die Chancen auf Gewinn. Das ist absolut gesichert, denn „null Risiko“ bedeutet: „Keine Begegnungen“ Wie groß das Risiko sein darf, musst du schon selbst entscheiden – denn nur du kannst es tragen.

Und nun frage ich dich noch einmal: Bist du bereit?

Bild: Nach einer Zeichnung aus dem Jahr 1908. Die Künstlerin ist unbekannt, es könnte sich aber um Jeanette Smth handeln, die das Original entwarf. Diese Version ist eine Rekonstruktion des Originals.