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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Future Faking oder Selbstbetrug?

Illusion aus dem 19. Jahrhundert
Aha, da wird mir ein neuer „Dating-Trend“ serviert: Future Faking. Wie immer, wäge ich gründlich ab, bevor ich über sogenannte „Trends“ schreibe. Denn erstens ist noch lange kein Trend, was „dann und wann“ passiert. Und zweitens ist ausgesprochen populär, irgendetwas aufzuschnappen und dem dann einen Namen (ein Etikett) zu verpassen.

Dieser Tage las ich in „Esquire“, es handele sich um einen Anti-Trend, der „ebenso mies“ sei wie ein paar andere, etwa Orbiting oder Ghosting.

Alles Narzissmus oder was?

Wenn wir mal genau hingucken, dann wird der neue „Trend“ oder „Anti-Trend“ mit einem anderen, ständig verwendeten Etikett verwendet: Dem Narzissmus, und der wird nun allerdings relativiert (1):

Die pathologische narzisstische Persönlichkeitsstörung betrifft nach Studien etwa 0,4 bis 0,8 Prozent der Bevölkerung.

Das allerdings scheint nicht ganz zu stimmen, denn laut anderen Quellen sind es immerhin sechs Prozent, wobei auch psychiatrische Diagnosen nicht ganz frei von Subjektivität sind. Dennoch (2):

Männer erhalten die Diagnose mit 7,7 Prozent etwas häufiger als Frauen mit 4,8 Prozent.

Bleiben wir mal bei sechs Prozent, so heißt das, dass du etwa 17 Kandidatinnen oder Kandidaten treffen musst, um auf einen Narzissten oder eine Narzisstin zu treffen. Wobei Frauen erfahrungsgemäß übrigens eher ein „gutes Recht“ für sich in Anspruch nehmen, „übertrieben eitel“ oder gar „anspruchsvoll“ gegenüber anderen sein zu müssen. Das ist dann zwar kein „pathologischer Narzissmus“, aber diese Lebenshaltungen erden ebenfalls als wenig positiv angesehen. Der Trick beim „gewöhnlichen Narzissmus“ ist ja, sich selbst als „zu hoch zu bewerten“ und andere davon zu überzeugen, dass es stimmt. Man sagt abseits der Psychologie auch „Fake It Before You Make It“, was übersetzt etwas so viel heißt: Wenn du andere davon überzeugen kannst, dass du ein besonderer Mensch bist, obwohl es nicht stimmt, dann wirst du auch einer.

Dates, Ansprüche, Betrug und Selbstbetrug

Nachdem dies gesagt und geschrieben wurde, will ich noch einmal auf „erste Dates“ zurückkommen. Unter den Menschen, die darin nicht erfahren sind, gibt es den Trend, die Zukunft gleich bei den ersten Dates (möglicherweise nicht beim allerersten) auszurollen. Das leistet nicht nur dem Selbstbetrug Vorschub, sondern zwingt auch den Partner/die Partnerin, zu weit nach vorne zu denken. Und ist man erst einmal in einer zwar rosigen, aber völlig unscharfen Zukunft, dann gehen die Illusionen eben weiter.

Anspruchshaltung, Selbstbetrug und Illusionen gehen Hand-in-Hand. Das ist leicht beweisbar, denn der „Anspruch“ trifft bestenfalls auf einen von fünf Dating-Partnern zu. Die Spanne schwankt je nach Anspruchshaltung natürlich erheblich. Nun sind wir aber nicht an der Losbude: Nicht jedes fünfte Los gewinnt, sondern dahinter steht wieder ein Mensch, der seinerseits Ansprüche und Lebensentwürfe hat. Die Erfolgsaussichten sinken damit auf wenige Prozent – sogar gegen null.

Und die eigene Verantwortung?

Und auf diese Weise geraten Menschen an Betrüger(innen) und Faker(innen). Und sie betrügen sich selbst, indem sie die Illusionen weiterhin nähren.

Gegenseitige Illusionen verhelfen vielen Menschen immerhin zu einer kurzen, schönen Zeit – aber dann müssen sich beide darüber klar sein, dass ihre Beziehung nicht ewig fortgeführt werden kann.


Quellen: (1) Esquire.
(2) Quarks.

Bild: Joseph Apoux zugeschrieben, der von 1846-1910 lebte. Das Bild wurde retuschiert, weil es im Original zu "offensiv" gewesen wäre.

Hilft uns „künstliche Intelligenz“ bei der Partnersuche?

„Künstliche Intelligenz“ beruht darauf, Sachverhalte und Situationen zu erfassen, in technisch verarbeitbare Formeln umzusetzen und daraus Schlüsse zu ziehen oder Aktionen auszuführen. Manche Systeme sind in der Lage, zu lernen und sich selbst zu optimieren – aber schon das ist nicht ganz einfach. Gegenwärtig liegt die Intelligenz vor allem in den Formeln – der Rest, der oft verblüfft, beruht auf der ungeheuren Datenmenge, die sich Daten verarbeitende Systeme aus unterschiedlichsten Informationsquellen holen können. (Eine allgemeinere, neutrale Definition findet ihr in "Computer Weekly (deutsch)".

Die Schwierigkeiten, ein zutreffendes Programm zu erstellen

Damit sind auch die Schwierigkeiten bereits definiert, nämlich:

- Was sind, auf das jeweilige Thema bezogen, überhaupt „relevante Sachverhalte?“
- Welche und wie viele Informationen benötigt man daraus, um ein Programm zu erstellen?
- Wie müssen die Formeln aufgebaut sein, um Schlüsse ziehen zu können?
- Aufgrund welcher Kriterien können (oder sollen) überhaupt Schlüsse gezogen werden?
- Welche der möglichen Schlüsse werden ausgegeben udn mit welcher Toleranz?

Zweifel am Wert der künstlichen Intelligenz bei der Partnersuche

Sieht man die Sache weniger logisch, so wird ein Mysterium daraus. Niemand sagt uns, was „relevante Sachverhalte“ sind, die als Input unbedingt benötigt werden. Ganz einfach, weil niemand genau weiß, unter welchen Gesichtspunkten Paare tatsächlich zusammenkommen werden. Insofern weiß man eben auch nicht, welche Informationen über eine Person relevant sind. Was der Programmierer dann tun kann, ist wenig: Er mischt die Daten ab, die er bekommt, bastelt die Wahrscheinlichkeiten zusammen und kontrolliert, ob es möglichst viele „gute Matches“ gibt. Sonst werden die „Suchenden“ sauer. Dafür, was ein gutes Mach ist, gibt es immerhin Stellschrauben in einem Computerprogramm, die sich auch nachträglich lockern lassen. Nun kommt der „Output“ – er muss zwangsläufig reichlich und positiv sein, sonst motzen die Kunden.

Das kling natürlich alles sehr aufregend. Aber ein Algorithmus ist noch keine künstliche Intelligenz, und so lese ich schmunzelnd:

So verwendet (ein Unternehmen der Branche) einen Algorithmus, um kompatible Myers-Briggs-Persönlichkeitstypen zu identifizieren und zuzuordnen – Benutzer füllen einfach einen Fragebogen aus.

Das bedeutet, auf einer stark angejahrten Persönlichkeitstheorie von Carl Gustav Jung aufzubauen, die 1944 für Fragebogen aufgearbeitet und später kommerzialisiert wurde. Niemand hat nachgefragt, was passiert, wenn eine über 75 Jahre alte Methode auf den Menschen des 21. Jahrhunderts angewendet wird. Aber weil der Konsument ohnehin nicht unterscheiden kann, was „künstliche Intelligenz“ ist, was Algorithmen bedeuten und wie die Ergebnisse zustande kommen, staunt er eben. Darauf baut die ganze Chose auf.

Ethik kann in Formeln gefasst werden - aber halten die Formeln stand?

Ob Computer irgendeine Ethik begreifen können? Ja, können sie, falls die Ethik-Regeln für alle gleich sind und es keine individuellen Abweichungen gibt. Bei Liebe, Lust, Leidenschaft, Begierden und ähnlichen Themen gibt es aber durchaus Unterschiede in der Sichtweise. Und es gibt eine eindeutige Stellungnahme: Menschen denken situativ durchaus unterschiedlich über das, was jetzt für sie wichtig ist. Es muss nicht das Gleiche sein, was sie beim Ausfüllen von Fragebogen dachten oder das, was sie bei einem Date vor drei Wochen gedacht haben.

Der KI-Experte David Tuffley drückte es so aus:

Die Realität ist, dass wir Menschen in Ethik nicht so sicher sind, weil wir uns nicht völlig klar sind, welche moralischen Anforderungen an erster Stelle stehen.

Das heißt kaum mehr, als dass die künstliche Intelligenz auch nichts verbessern kann, wenn sich die Menschen, die den Computer „füttern“ ungenaue Vorgaben verwenden.

Noch weiter geht Adrian David Cheok, ein Professor aus Tokio. Er sieht eine gefährliche Rückkoppelung im Verhältnis von Menschen zu KI:

Benutzer sollten sich des enormen Einflusses bewusst sein, den KI unwissentlich auf sie haben kann, und drauf achten, wer KI benutzt, denn

wenn Unternehmen die Macht dazu haben, können sie die Menschen definitiv dazu bringen, jemanden zu lieben. Also ist es wichtig, wer die KI kontrolliert.

Das ist nicht neu – nur ging die Faszination in früheren Zeiten von Kartenschlägerinnen, Astrologen und populistisch agierenden Psychologen aus, die alle eine gewisse Faszination auf das Volk ausübten. Auch das Wort „Algorithmus“ fehlt nirgendwo, wo die Passungen ausgebrütet werden, weil es so herrlich wissenschaftlich klingt.

Und nun? Nun heißt der neue Star „Künstliche Intelligenz“. Wer da in Ehrfurcht erstarrt, sollte schnell aufwachen.

Die Zitate entnahmen wir dieser Publikation.

Der Autor war 20 Jahre lang IT-Mitarbeiter, reisender Schulungsreferent und IT-Organisator.

Die Woche: Mieser Sex, das Animalische und die Psychologie

Überall wünschen mir die Menschen jetzt ein frohes Adventswochenende, und natürlich habe auch ich die üblichen Schwippbögen im Fenster stehen, die auf eine alte Bergmannsfamilien-Tradition zurückgehen sollen. Ich muss wahrscheinlich nicht sagen, dass ich dieser Tage nicht die Geburt des Heilands feiere, sondern die baldige Wiederkehr des Lichts. Wer glaubt, ich hätte dabei etwas mit den alten Germanen am Hut, der irrt. Ich denke, was ich will - udn das ist gut so.

Soweit also zum Advent. Ein Lichtlein brennt sowieso für alle, und übermorgen sind es gar schon zwei. Übrigens hier noch einmal: „2G“ heißt nicht „gesund und geil“ sondern geimpft und genesen.

Miese Sex-Geschichten: Hauptsache geil

Über die miese Qualität von Sex-Geschichten habe ich hier schon viel gemotzt, aber hinter dem üblichen, schlechten Stil steckt ein Prinzip. Wenn Autoren überhaupt gelesen werden wollen, müssen sie … (da denke ich mir was) aber ich sage: Etwas Einfaches schreiben, wobei die Hüften heftige Hubbewegungen vollziehen und auch sonst die üblichen Klischees bedient werden. Und wie? Lesezeit ca. 6 Minuten, inklusive Orgasmus als Happy End. Länger brauchen Leser(innen) nicht, um „erregt“ zu werden. (Protestieren jetzt einige Frauen?)

Übrigens finde ich solche Gedanken auch im Netz: Man würde schon interessanter, aufschlussreicher und vor allem realistischer schreiben, aber man (und frau auch) traut sich nicht. Vor allem nicht, wenn jemand keinen „fantastischen“ Orgasmus hat.

Partnersuche - bitte mit Körper, Geist und Gefühl ...

Partnersuche ist eines der Themen, bei dem das Animalische so wichtig ist wie das Menschliche und der Einsatz des Gefühls so wichtig ist wie der des Geistes. Und nun hört mal, Frauen und Männer: Dazu braucht ihr die Bereitschaft, auf euch Körper, Geist und Gefühl einzulassen. Nicht unbedingt in der Reihenfolge, aber auch nicht isoliert voneinander. Apropos: Höre ich mal etwas von euch? Lese ich mal etwas? Wäre schön.

Jetzt: Gefühle genießen - im Glauben an sich selbst

Dazu passt unser Motto für Dezember: Glaube an dich selbst und genieße deine Gefühle.“ Wer wirklich glaubt, einen Partner mit irgendeinem Gelaber über die Zukunft zu imponieren, sollte nicht vergessen, dass wir noch die Gegenwart haben, in der alles stattfindet. Und ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Zukunftsplanung ist gut – aber nicht beim ersten Date. Da zählen Körper, Geist und Emotionen. Und die Zukunft findet wahrhaftig auch ohne „durchgestylte“ Planung statt.

Männer mit Akkus in der Hose

Oh, auch diese Woche las sich viel über die verwerflichen Charaktereigenschaften der Männer, versprechen die immer nur das eine wollen und mit Frauen umgehen wie mit Fußabtretern. Und da habe ich den schlimmsten aller Männer gefragt, wie er damit umgeht. Und siehe da: Die Hoden sind Akkumulatoren, die Damen die Trigger - und wenn das Relais im Kopf mal umschaltet, dann schießt das Blut unweigerlich in den Penis. Es ist eine Satire, was sonst. Aber wie die meisten unserer Satiren, hat sie einen nachdenklichen Beigeschmack.

Die Psychologie wird für die Partnersuche immer unwichtiger

Mit jedem Tag, an dem ich an meiner Schrift über menschliche Gefühle arbeite, komme ich etwas mehr zu dem Schluss, wie wenig die Psychologie mit der Liebe (und dem Verlieben) zu tun hat. Das „Unterbewusstsein“ ist längst weggebrochen, die Eisbergtheorie nur noch eine Art Bonmot. Und nun lese ich gar, dass man sich außerhalb des engen Kreises der Adepten von Herrn Jung nicht einmal mehr auf introvertierte und extravertierte Persönlichkeitsgrundlagen verlassen will. Ich weine diesen Theorien ohnehin keine Träne nach.

Ihr müsst das alles nicht unbedingt wissen, wenn ihr eine Partnerin oder einen Partner sucht. Aber es ist sinnvoll, zu wissen, dass unser Gehirn anders funktioniert, als von den meisten Psychologen noch vor 20 Jahren angenommen wurde. Und es wirft viel Licht auf alle Matching-Versuche, die sich psychologisch weitgehend auf Carl Gustav Jung beziehen.

Aus Nikolaus wird oft Nicola, und aus dem Crampus entspringt die "Crampa"

Ei, ei. Nach dem zweiten Advent folgt – nein, nicht der Dritte. Denn am 6. Dezember gibt es wieder die Gelegenheit, Nikolaus, Knecht Ruprecht oder Krampus in Aktion zu bringen. Und weil sich die Rollen inzwischen locker umkehren lassen: Auch Nicola, Magd Roberta oder die böse Krampa führen die Rute mit Schwung und Elan. Jedenfalls hörte ich aus Österreich, der Krampus würde „immer weiblicher“. Wem etwas dazu einfällt, der möge es zelebrieren. Wen das kalt lässt: Auch Äpfel, Nüss‘ und Mandelkern haben ihre genussreiche Seite.

Und insofern kann ich nur ein bewegtes Wochenende und einen sinnlichen Nikolaustag wünschen. Wenn ihr geimpft seid, ist es allemal besser als ohne. Und ich verspreche, dass ihr nächste Woche etwas von unseren übrigen Autoren lesen werdet. Irgendwelche Vorschläge?

Liebe und Psychologie - keine guten Partner?

Was steckt wirklich hinter der Maske?
Keine Frage – rein wissenschaftlich betrachtet, ist die Psychologie mit ihrem Latein (und ihrem Deutsch) am Ende, wenn von der Liebe die Rede ist. Sie hatte einst zugegriffen, als Liebe noch als „seelisches Phänomen“ betrachtet wurde. Inzwischen sind wir weit davon entfernt, an solchen „Phänomenen“ festzuhalten.

Den Lehren der "alten" Psychologie wachsen lange Bärte

Ich erinnere mich, wie vor kurzer Zeit, bei jeder Betrachtung über Liebe, Partnersuche „Matching“ und ähnlichen Themen mit den Namen „Sigmund Freud“ oder „C. G. Jung“ herumgeworfen wurde. Freud eignete sich von vornherein so gut wie gar nicht, aber den Namen zu erwähnen, sollte offenbar Kunden bei Online-Dating-Firmen anlocken. Carl Gustav Jung hingegen hinterließ eine Art „psychischer Klassifizierung“ der Menschen, und mit ihrer Hilfe glaubten (und glauben bis heute) einige Psychologen, Klarheit über „passende Partner“ zu gewinnen.

Diese „Verfahren“ und die damit verbundenen „Wissenschaften“ haben lange Bärte. Jung wird lediglich deswegen so oft erwähnt, wie er „griffige“ psychologische Typen gefunden hatte. Und sie konnten recht gut vermarktet werden. In den USA ist eine Abart der Jungschen Typenlehre bis heute sehr populär, das MBTI aus dem Jahr 1944, also vor mehr als 75 Jahren. Inzwischen stellt selbst das recht zurückhaltende Lexikon Wikipedia fest:

In der modernen Psychologie und Forschung spielen Jungs psychologische Typen jedoch keine Rolle mehr; sie werden als veraltet angesehen. Lediglich die Begriffe introvertiert und extravertiert werden heute noch als Fachbegriffe und in der Alltagssprache genutzt.

Wem es da die Sprache verschlägt, dem muss ich sagen: Das alles ist seit Langem bekannt. Und dennoch tut man oftmals so, als habe sich die Psychologie nicht erneuert .

Steht alles fest oder konstruiert das Gehirn oft etwas Neues?

Selbst die psychologisch bedeutsamen „Traits“ (Persönlichkeitsmerkmale) werden nicht mehr als „unveränderbar“ angesehen. Das „Unbewusste“ wird infrage gestellt und sogar die angeblich unverrückbare Instanz des „Selbst“ wird angezweifelt.

Warum das Gehirn unsere Empfindungen "umkonstruiert"

Letztlich gilt, dass unser Gehirn in jedem Moment, in dem wir etwas Neues oder Unbekanntes erfahren, den bisherigen Erfahrungsschatz „umkonstruieren“ muss. Jedenfalls dann, wenn das Neue von Bedeutung ist.

Nun ergibt sich ein Problem: Das „Neue“, „die neue Erfahrung“, „das neue Gefühl“ oder eine „neue Person in deinem Leben“ kann dein Bewusstsein verändern – und vermutlich auch einen Teil deiner Persönlichkeit. Das merkst du, weil das Gehirn dich daran erinnert, dass es (noch) keine Lösungen für diesen Konflikt kennt. Lässt du die Änderungen zu, gehst du ein gewisses Risiko ein. Wenn du es eingehst, hast du eine Chance auf eine Beziehung, läufst aber Gefahr, dass du am Ende nicht zufrieden bist. Lässt du es nicht zu, dann vergeht die Chance.

Ob es dich betrifft? Das kannst nur du entscheiden – niemand sonst.

Zu C.G.Jungs Typenlehre siehe Wikipedia.
Zur Anwendung beim internet-Dating (sehr ausführlich, doch positiver als hier) Zum Verständnis des Unterbewusstseins - hier. Bei "sehpferd" auch zum "Selbst". Bild: Liebesverlag.de

Und dann wirst du übers Knie gelegt …

Die 1960er - als der Po sichtbar wurde ...
Was manchem wie eine Drohung vorkommt, weil er oder sie dies als quälende Erfahrung der Jugend schmerzhaft durchlitten hat, lockt andere Erwachsen an wie der Honig den Bären.

„Du wirst jetzt übers Knie gelegt …“ - was bedeutete es für die Menschen, die davon erregt werden?

Die visuelle Erregung von "OTK"

Überall ähnliche Darstellungen, mal mit, mal ohne Haarbürste

Zunächst einmal: Klar ist, dass viele erwachsene Männer und Frauen davon träumen. Ob es in den USA und dem Vereinigten Königreich mehr sind als in Deutschland, ist schwer abzuschätzen. Das Einzige, woran wir es messen könnten, wäre die Flut „einschlägiger“ Bildern. Sie zeigen Frauen, die ganz offensichtlich bereit sind, Männer übers Knie zu legen. Dazu haben sie einen betont kurzen Rock angelegt, sich dann gesetzt, den Rock noch etwas weiter hochgeschoben, um die Oberschenkel bis an die Grenzen der „Züchtigkeit“ zu präsentieren und – gewinnend zu lächeln. Die Sessel, Stühle, Sofas und Bettkanten sind nicht immer ideal für eine tatsächliche schmerzlich-lustvolle Lektion, aber es kommt auf die Optik an – die Präsentation der Oberschenkel spielt offenbar die entscheidende Rolle. Dann und wann gibt ihnen der Fotograf die Anweisung, die Schlaghand zu erheben, was aber nicht unbedingt nötig ist. Der Gourmet sieht auf die Beine und erträumt sich dort seinen Platz. In manchen Fällen werden den Fotomodellen noch passende wie auch unpassende Gegenstände in die Hand oder ins Bett gegeben. Lustvolle Herren in englischsprachigen Ländern scheinen die Haarbürste (Holz, Verwendung der Rückseite) auf dem nackten Po zu bevorzugen, während kontinentale Kunden offenbar lieber längere Zeit mit der Hand geschlagen werden wollen.

Illusionen aus Bildern – wie aber sind die Realitäten?

Die hübsche Illusion wird gelegentlich getrübt: Die Belastbarkeit zarter Oberschenkel steht oft in einem gewissen Widerspruch zum Gewicht der (meist männlichen) Partner. Wie auch immer – der oder die zu schlagende Person blickt nach unten, seine oder ihre Genitalien drücken sich auf die Oberschenkel oder das Kleid, und der Po ragt heraus. Es ist nicht die beste Position für denjenigen, der die lustvolle Strafe ausführen soll, weil die Kraft weitgehend aus dem Unterarm gewonnen werden muss. Da es sich weitgehend um Handschläge handelt, beginnt die Hand der/des Schlagenden zumeist nach wenigen Schlägen heftig zu schmerzen. Das ist der Grund, warum der „heftige Teil“ mit einem Instrument ausgetragen wird. Zum Beispiel mit der Haarbürste, aber durchaus auch mit den bekannten kurzen Schlegeln aus dem Erotik-Shop. Im Notfall eignen sich auch die Pantoffeln oder die beliebten Pfannenwender.

Der eigenartige, intime Umgang

Diese Art des Umgangs miteinander wird als ausgesprochen „intim“ empfunden. Woran das liegen mag, darüber sind sich die Autoren allerdings nicht einig. Für viele mag überraschen sein, dass es häufig Männer sind, die sich gerade nach dieser, etwas infantil wirkenden Lust sehnen. Auf Deutsch sagt man ja nicht nur „übers Knie legen“, sondern auch noch „einen Popovoll“ bekommen. Eine Therapeutin glaubt zu wissen, dass es keiner Jugenderinnerung bedarf, um den Wunsch nach einer sanften, erotischen Züchtigung zu verspüren. Sie meint, die Natur unsere Gefühle riefe nach deinem Ausgleich, denn wenn sie …

Quer auf dem Schoß der schlagenden Person liegen, dann geben sie für kurze Zeit die Kontrolle ab, machen einen kleinen Urlaub vom Alltagsstress und der Verantwortung (…) und tief in ihren geheimen erotischen Vorstellungen, sehnen sich viele Leistungsträger danach, sich hinzugeben, für ihre Mängel geschlagen zu werden – ganz zu schweigen von ihren Sünden.

Im Mittelpunkt lustvoller Aufmerksamkeit stehen ...

Eine Vermutung kommt hinzu: Wer sinnlich, liebevoll und erotisierend geschlagen wird, genießt das seltene Vergnügen, über länger Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Natürlich könnte es auch die Lust sein, der anderen Person hilflos ausgeliefert zu sein. Und sicher wäre es auch möglich, dass es die Durchblutung der Genitalien ist, die bei jedem Schlag aufs Neue angeregt wird. Schließlich hätte ich noch den „Rausch der Gefühle anzubieten, der sowohl vom Schmerz als auch von der Lust erzeugt und verstärkt wird.

Ich bin gespannt, was ihr dazu sagen habt, wenn ihr etwas sagen möchtet … und wenn nicht, dann wünsche ich wenigstens viel Vergnügen beim Lesen.

Titelbild: Eine typische Darstellung der 1960er Jahre. Mitte: Einige Beispiele von Frauen, die sich in OTK-Posen fotografieren ließen, im Original farbig. Zitat: Susan Block, Ph.D., a.k.a. “Dr. Suzy" in Counterpuch org, Die Psychologie des Spankings. Die Original-Quellen der Bilder sind unbekannt.