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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Nach Lust und Schlägen lechzen - wie geht das zusammen?

Die literarische Mär: Reife Dame in sinnlicher Bekleidung züchtigt jungen Mann
Die Ära der „häuslichen Disziplin“ liegt schon lange zurück. Wer in seiner Kindheit noch einen „Hinternvoll“ auf den „Blanken“ bekommen hat, bezieht inzwischen wahrscheinlich Rente. Selbst im Vereinigten Königreich, wo Schülerinnen und Schüler noch damit rechnen mussten, dass im Rahmen der Schuldisziplin eine „körperliche Züchtigung“ vollzogen wurde, war damit 1987 endlich Schluss (1). Und seither wurden auch notorische „Wiederholungstäter“ nicht mehr mit den gefürchtete „Six oft the best“ (2) bestraft, die mit dem Rohrstock vollzogen wurden.

Die Suche nach den Ursachen - ungelöst

Jahrzehntelang hatte man befürchtet, dass körperliche Schläge zu einer erheblichen Störung der Psyche führen würde, und in der Tat konnte man dies unschwer an verhaltensgestörten Jugendlichen nachweisen. Doch eine Frage blieb unbeantwortet: Warum erregten manche jungen Frauen und Männer die Schläge auf das Gesäß sexuell? Wie kam es zustande, dass sie begierig auf Schläge wurden, so sehr, dass sie sich förmlich danach drängten, jemandem das Gesäß zu präsentieren, um lustvoll geschlagen zu werden?

Um es vorwegzunehmen: Eine glaubwürdige Antwort darauf steht noch aus. Von dem Begriff „passive Algolagnie“ bis zum modernen Wort „Masochismus“ ist die Literatur zwar voller Erklärungen. Doch eine eindeutige Ursache konnte aus der Sicht der Psychologie und der Psychiatrie nicht gefunden werden. (3)

Die Freudianer verweisen auf die Kindheit

Aus der Psychotherapie hören wir, dass diese Frauen und Männer in ihren frühen Jahren körperlich geschlagen oder psychisch gedemütigt wurden. Obgleich diese These auch heute noch recht häufig vertreten wird, gilt sie als widerlegt, denn es erwies sich als unmöglich, dafür den Beweis anzutreten. Verdächtigt wurden aus psychiatrischer wie auch aus psychologischer Sicht einerseits „negative Einstellungen gegenüber der Mutter“ und Störungen in der „analen Phase“, die eine Verbindung von Lust und Schmerz ermöglichten. Körperliche Züchtigungen wurden seltener erwähnt, gelten aber, gelten aber in populärwissenschaftlichen Berichten weiterhin als Ursache für die Schmerzlust.

Die Pubertät – Doppelbindungen im Strudel der Sinne?

Den sadomasochistischen Helden und Antihelden in der Literatur wird oft unterstellt, dass ihre Prägung durch Erlebnisse im Jugendalter entstand. (3) Beschrieben wird oftmals, dass die Jünglinge oder auch die jungen Frauen weit nach Eintritt der Pubertät gezüchtigt wurden. Wenn es sich um junge Männer handelte, so würden sie sich während des Körperkontakts zur strafenden (weiblichen) Person erregen – und gegebenenfalls gar ejakulieren. Als Verursacher kommen Gouvernanten oder entfernte weibliche Verwandte infrage, vorzugsweise Tanten oder Cousinen. Angenommen wird, dass die jungen Männer dabei eine Doppelbindung an die Sinnlichkeit und an den Schmerz entwickeln, ähnlich wie bei den pawlowschen Hunden. Für junge Frauen mag dies in gleicher Weise zutreffen, doch fehlen Beweise aus der Literatur und der Realität.

Gedankliche Schmerzlust im Erwachsenenalter

Im Widerspruch zu beiden Theorien steht vor allem, dass viele junge Menschen weder das eine noch das andere erlebt haben. Und dennoch kreisen ihre Fantasien darum, in der Lust den Schmerz zu erleben und im Schmerz die Lust. Wer sich darauf einlässt, benötigt allerdings einen Menschen, der ähnlichen oder gegenteiligen Begierden hingibt. Es scheint sich herauszukristallisieren, dass heterosexuelle Frauen dabei oft gleichgeschlechtliche Begegnungen vorziehen, weil sie Männer für zu brutal und unüberlegt halten. Heterosexuelle Männer hingegen wollen sich ganz bewusst vor Frauen erniedrigen und dabei die Schläge genießen, die sie dabei empfangen.

Einfachere Erklärungen für die Schmerzlust

Die einfachste Erklärung für die Schmerzlust besteht allerdings darin, dass Schläge, die eine flächige Rötung der Haut verursachen, sich auch auf die Durchblutung der Genitalien auswirken. (6) Es scheint zumindest so, als ob dieser Grund im Dschungel der komplizierten Denkweisen untergegangen ist.

Ebenso naheliegend erklärt die Gehirnforschung die Nähe von Lust und Schmerz. (7) Demnach ist ein gemeinsames Zentrum im Gehirn für Lust und Schmerz verantwortlich, und angenommen wird nun, dass sich beide ergänzen.
Eine weitere Erklärung, die zwar psychologisch motiviert ist, aber sehr leicht nachvollzogen werden kann, kommt aus den Kreisen jener Welt, in der „Entspannung durch Schläge“ angeboten wird. Das liest sich textlich so (noch 4):

Viele Männer aus der Mittelschicht … wurden in dem Glauben erzogen, dass Erfolg alles ist. Wir sind dann ständig bemüht, uns diesen Erfolg zusichern – und wir empfinden es daher als Erleichterung, unsere Macht vorübergehend abzugeben.

Für nichts verantwortlich zu sein, nicht ständig „seinen Mann stehen zu müssen“. Die Kontrolle völlig abzugeben und sich nur der strafenden Hand der Partnerin hinzugeben – das scheint die neue Wonne für viele Männer zu sein. Es heißt, dass vor allem solche, mit Macht und Einfluss ausgestattete Männer, die exklusiven Studios dominanter Frauen besuchen.

Die aufkommende Macht der Frauen

Wo wir gerade bei machtvollen Männern sind – unsere Gesellschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Frauen drängen an die Macht und beginnen, diese nach gleichen Regeln auszuüben wie Männer. Und sie erfahren bald, welche Anstrengung damit verbunden ist, Macht auszuüben und Macht zu erhalten. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann auch sie nach Möglichkeiten suchen, sich ganz in die Hände einer dominanten Person zu begeben – zeitweilig und ohne Verbindlichkeit.

(1) Informationen im britischen Schulmuseum.
(2) Gemeint sind sechs heftige Schläge auf das Gesäß mit dem gefürchteten "Cane" (Rohrstock).
(3) Auf "Psychotherapeuten"
(4) In zahllosen viktorianischen Schriften, auch in "gehobener Literatur".
(5) Aus der "Spectatorworld" - weitgehend eine sinnreiche Spekulation.
(6) Den Schilderungen von Personen entnommen, die als glaubwürdig gelten.
(7) Aus "wissenschaft.de"

Illustration: Aus "Painful Pleasures", erschienen 1931.

Schämst du dich deiner Lüste?

Was ist es? Scham? Furcht? Anspannung?
Sexualität ist voller Widersprüche und Paradoxien. Genau das macht sie so faszinierend und gibt ihr den Reiz.

Die Sexualtherapeutin Diane Gleim

Das Erste, was ich dir sagen will, wenn du dich schämst: Du bist nicht allein. Eine Sexualberaterin schrieb vor Kurzem:

Niemand ist vor sexueller Scham gefeit, nicht einmal Mediziner und Psychologen. Manchmal ist die sexuelle Scham einer Person so tief verwurzelt, dass sie sich nicht vorstellen kann, jemals ohne Schamgefühle zu sein.

Auf der anderen Seite fallen Menschen auf, die offenbar kein Schamgefühl kennen und sich erotischen Themen unbefangen nähern. Wir sind dann schnell bei der Hand, jemanden abzuwerten, zu verurteilen oder zu katalogisieren. Wenn du eine Frau bist, wird man dich vielleicht „Schlampe“ nennen, während der Mann häufig als „sexsüchtig“ angesehen wird.

Scham ohne Ideologie - Nutzen und Schaden

Das alles bringt uns nicht weiter. Ein kühler Kopf hilft uns, der Sache auf den Grund zu gehen. Welchen Nutzen haben wir von unserer Schamhaftigkeit?

Zunächst bewahrt sie uns davor, etwas zu tun, worauf wie nicht vorbereitet sind. Sich zum ersten Mal ausziehen vor einem Menschen, dem wir zugeneigt sind? Oder uns plötzlich schon halb entkleidet, zu erinnern, dass wir nicht wissen, wie und ob wir auf die Wünsche unserer Sexpartner reagieren sollen?

Wie du siehst, stehen wir immer wieder vor dem Zwiespalt, etwas zu tun, was uns möglicherweise schaden könnte, das uns aber andererseits ein großes Vergnügen bereiten könnte. Irgendwann können wir uns nicht herausreden, unvorbereitet zu sein. Wir müssen zugeben, einfach zu fürchten, dass uns der Geschlechtsverkehr also solcher verändert – oder eine neue Praxis, die wir erproben wollen.

Gewöhnlicher Sex und lustvolle Wünsche

Wenn du – wie ich hoffe – keine Furcht mehr vor dem „gewöhnlichen Sex“ hast, wirst du meist dennoch Vorbehalte gegen das „ungewöhnliche“ hegen. Typisch für nahezu alle „konservativ“ erzogenen Frauen und Männer ist, zu behaupten, sie genössen ausschließlich den „ganz gewöhnlichen Sex“. Doch fast alle fragen sich, ob das wirklich „alles“ war und träumen von mehr Sinnlichkeit oder mehr Ekstase.

Wenngleich wir also erlernt haben, dass sogenannter „penetrativer“ Sex (PiV) etwas Gutes ist, sind wir im Zweifel, ob die intensiveren und sinnlicheren Lüste „gut für uns“ sind.

Alles, was unsere Sinne reizt, kann „gut“ sein. Lange, ausgiebige Vorspiele, heftige Hautreizungen, Oralsex oder Analsex. Es ist immer dann schlecht, wenn wir uns schämen, ekeln oder dergleichen aus religiösen oder normativen Gründen ablehnen.

Wenn Schamgefühle die Sinnlichkeit verhindern

Die meisten Schamgefühle haben Menschen, die religiös, moralisch oder ideologisch vorgeprägt sind. Wenn sie sich darüber hinaus krampfhaft kontrollieren und sich ihren Ängsten unterwerfen, sind sie meist dagegen, sich einem Vergnügen hinzugeben. Diese Personen glauben, dass sie Dämonen verfallen könnten, wenn sie sich dem Vergnügen hingeben würden – also tun sie es nicht.

Die drei Schwellen, die dem „ganz gewöhnlichen“ Menschen am schwersten Fallen, sind nahezu immer ähnlich:

1. Alle sinnlichen Körperteile des Körpers zu erkunden und zu stimulieren, also nicht nur Genitalien.
2. Sich davon zu befreien, typisch feminin oder typisch maskulin zu handeln, sondern der Lust den Vorrang zu geben.
3. Die Kontrolle über das Geschehen zeitweilig dem Partner zu überlassen, also die Rolle zu wechseln.

Allen Menschen, die glauben, sie seien besonders schamvoll, sollten sich überlegen, ob sie nicht einfach besonders ängstlich sind. Und da hilft dieser Satz, den du sicher schon einmal gehört hast: „Was kann den schlimmstenfalls passieren?“

Was ab er sagt uns die Wissenschaft? Ist Scham nützlich?

Ist Scham naturgegeben, nützlich oder schädlich?

Das Schamgefühl entstammt der Evolution und es ist eng verbunden mit der Anpassung an unsere soziale Umgebung. Aus diesem Grund ist es nicht bedeutungslos. Andererseits ist der Nutzen umstritten, vor allem, wenn die Sexualität betroffen ist. Denn solange es nur um das geht, was zwei erwachsene Menschen in Freiheit und Gleichheit sexuell miteinander tun, verliert das Schamgefühl seine Bedeutung. Dominiert es uns dennoch im Erwachsenenalter, so wird es Zeit für uns, darüber nachzudenken.

Hinweise: Unser Autor hat ausführliche und verlässliche Quellen genutzt. unter anderen die Zitatenquelle: Psychology Today und als ergänzende Information Quarks.

Partnersuche – gleich oder ungleich?

Wer nach präzisen Regeln für die Partnersuche fahndet, trifft bald auf ein Gewölle von Ungenauigkeiten. Die meisten psychologisch argumentierenden Autoren meinen, die homogame Theorie sei am wahrscheinlichsten. Nach ihr finden sich Partner(innen) nach dem Gleichheitsprinzip.

Die Ähnlichkeitsthese - historisch

Diese Theorie sagt aus, dass zukünftige Partner in erster Linie gleich sein müssten. Die Theorie wird durch den Volksmund gestützt, der sagt „Gleich und gleich gesellt sich gerne“. Auch im Englischen existiert ein ähnliches Sprichwort: „Birds of a feather flock together“. Doch reicht das als Begründung?

Keinesfalls, wenn man das 19. Oder auch den größten Teil des 20. Jahrhunderts ansieht. Denn zu jenen Zeiten war es relativ normal, in Kreisen zu heiraten, die ohnehin „ähnlich“ waren. Man kannte sich aus dem Freundeskreis, aus dem Viertel, wo man lebte, aus der Schule, oder aus dem Studium, das damals nur wenigen vergönnt war. Später entstanden viele Beziehungen aus der Berufstätigkeit. Es war also klar, dass man „einander irgendwie ähnlich war“.

Die Psychologie korrigiert ihre Meinung beständig

Es gibt also keine Beweise für diese These. Auch in der Psychologie wechseln die Ansichten häufiger, als seien Altbauwohnung tapeziert werden muss.

- Zu Anfang wurde der „Gleichheitsgrundsatz“ als gegeben angesehen. Das hatte historische Gründe.
- Im Rahmen der „Einstufungen von Persönlichkeitsmerkmalen“ wurde versucht, Gemeinsamkeiten bei Paaren festzustellen.
- Davon übrig blieb, dass „existenzielle Persönlichkeitsmerkmale“ (Lebenseinstellungen) gleich sein sollten.
- Dann wurden Einschränkungen gemacht – nun heiß es, nur „beziehungsrelevante“ Aspekte, der Persönlichkeit sollten herangezogen werden. Allerdings gab es dafür keine verbindlichen Kriterien.
- Alternativ wurde ein Ähnlichkeitsprinzip vertreten und ein Ergänzungsprinzip (Konklusion).
- Gegen 2011 wurde erstmals die These vertreten, dass es nicht Persönlichkeitsmerkmale, sondern Fähigkeiten (Kompetenzen) sind, die für das Gelingen von Beziehungen nötig sind. (Durch Guy Bodenmann, Zürich).

Ungleich sein ist ein Prinzip des Menschseins, gleich sein die Ausnahme

Ungleich, also unterschiedlich zu sein, ist im Übrigen ein Prinzip des Menschseins und einer der Meilensteine der Evolution. Wer von Gleichheit spricht, unterschätzt, wie viele Aspekte die Persönlichkeit eines Menschen umfasst. Jedenfalls dann, wenn man täglich mit ihm zusammenlebt.

Was ist nun mit der gegenteiligen Annahme? Mindestens ebenso konfus. Der Begriff heißt „Heterogamie“ und sagt einfach aus, dass beide „unterschiedlich“ sind. Ursprünglich nicht einmal in der Persönlichkeit, sondern in Alter, Herkunft und Konfession. Die Annahme, dass unterschiedliche, eventuell sogar konträre Persönlichkeitsstrukturen gegen eine Ehe sprechen, stammen aus der Feder von Psychologen. Der Volksmund gibt gerne seinen Senf dazu und sagt: „Gegensätze ziehen sich an“ - je nachdem, wie die Beziehung verläuft.

Die einzige Regel: Wisse, was du tust, wenn du heiratest

Das Problem dabei ist – wie auch bei der „Homogamie“ – die unscharfe Definition von Gleichheit und/oder Ungleichheit. Auch bei „Ungleichheiten“ sollte also überlegt werden, ob sie für die Beziehung nützlich, schädlich oder bedeutungslos sind.

Generell gilt:

Eine Beziehung kann durch, trotz oder völlig unabhängig von Gleichheiten oder Verschiedenheiten gelingen. Wichtig ist allein, die Unterschiede einerseits und die Gleichheiten andererseits zu kennen und damit umgehen zu können.

Mit großer Wahrscheinlichkeit beruhen nahezu alle Ehen, die lange halten und glücklich sind, darauf, einander zu ergänzen. Wer mag, kann dies als eine Win-win-Situation bezeichnen.

Firmen gründen und Ehen begründen

Ein Beispiel off Topic: Ein Ingenieur hat eine Idee für ein innovatives Produkt. Um es zu vermarkten, braucht er einen Kaufmann. Also gründen beide zusammen eine Firma. Wenn beide guten Willens und jeder auf seinem Gebiet kompetent ist, gelingt die Gründung.

Ein Ehe zu begründen, bedeutet möglicherweise wesentlich mehr - aber eine gute Voraussetzung ist stets, sich gegenseitig zu ergänzen.

Eine der Quellen: Liebesbeziehungen, sowie zahllose Bücher und Internetquellen, die ich im Lauf der Zeit sammelte.

Die Woche: Dominanz, Gefühle, Normalität und Kronleuchter

Auch in dieser Woche habe ich an den menschlichen Gefühlen gearbeitet – doch jedes Mal, wenn ich ein neues Kapitel beginne, kommen auch neue Fragen auf, deren Antworten noch gefunden werden müssen. Da ich die Gefühle nicht aus psychologischer Sicht betrachte, sondern Versuche, sie in einen Zusammenhang mit Erfahrungswissen, biologischen Fakten, Evolution, Kommunikation und Kybernetik zu bringen, dauert so etwas eben.

Gefühle - Käuflichkeit, Tausch und Verhandlungen

Sozusagen als „Abfallprodukt“ der Gefühlskiste fiel mir auf, dass viele Primaten ständig „Gefühle tauschen“, und das tun die Menschen eben auch. Allerdings sagt so etwas niemand, weil solche Begriffe im Zusammenhang mit Gefühlen als „unfein“ gelten. Hallo, Spießer – die Wahrheit ist niemals „fein“ oder „unfein“. Der Artikel dazu fragt, ob wir Gefühle eher ohne zu überlegen eintauschen, zuvor darüber verhandeln oder ohne Verhandlung „kaufen“.

Verdammte Normalität

Was mir stinkt? Die Diskussion um „Normalität“. Wer Normen zuverlässig beschreiben will, sollte Ingenieur werden, und nicht Soziologe, Psychologe, Genderforscher oder Zeitschriftenredakteur. Was oft vergessen wird: „Normativ“ ist nicht nur, das „Sein sollen“ zu beschreiben, sondern auch das „Anderssein“ zu normieren. Genderforscher, die das Wort „normal“ als Teufelswerk abtun und Begriffe wie „heteronormativ“ erfinden, sollte überlegen, wie „normativ“ es ist, die „diversen Geschlechter“ einzuordnenden und damit zu normieren.

Dominanz und Submission

Ein Artikel aus einem Bloggerkollektiv brachte mich darauf, dass nicht nur ein als Familienvater geeigneter Mann schwer zu finden ist. Auch bei sexuellen Wünschen an den Partner treten Probleme auf: Dominant beim Sex, ansonsten aber alles in den üblichen Bahnen einer Ehe? Wir versuchen, die Fragen zu beantworten. Und noch ein kleiner Hinweis an Frauen: Jede Bemerkung über sexuelle Sonderwünsche in Profilen und Anzeigen zieht männliche Spinner an.

Der harte, unterwürfige Mann

Weil ziemlich viele holprige Befragungen, angebliche wissenschaftliche Erhebungen und ähnlicher Schrott im Internet kursiert, glauben die meisten Frauen, Männer seien zu einem enormen Anteil dominant. Dazu gehört auch, dass sie gerne Handlungen an Frauen vollziehen würden, die in den BDSM-Bereich fallen. Und letztlich, dass sie dabei „nicht zimperlich“ wären. Wie bekannt, liegen der Liebeszeitung verlässliche Zahlen darüber vor, wovon Frauen und Männer träumen. Und das Ergebnis ist immer wieder: In den Träumen der Frauen wie auch der Männer spielt die Unterwerfung eine große Rolle– und zwar bei Frauen wie bei Männern aktiv und passiv. Der „harte, unterwürfige Kerl“ ist also „stinknormal“.

Heuchelei, Moral, Jungfrauen und geile Männer

Heuchelei kommt auch sonst gut an: zumal, wenn die eigene Geilheit sämtliche inneren Schranken durchbricht. Wie oft haben wir schon gehört: „Das würde ich niemals tun“ – und am Ende versuchen sich dieselben Leute „herauszureden“, wenn sie es trotzdem getan haben.

Weil wir gerade bei „Moral“ sind: Hast du schon mal einen Menschen beim Date gefragt: „Bist du noch Jungfrau?“ Ich hoffe, du hast es nicht getan und wirst es niemals tun. „Jungfrau“ zu sein ist wirklich „kein Wert an sich“ - außer in manchen Religionen. Für alle anderen gilt: Es gibt keine plausiblen Argumente dafür, „Jungfrau“ zu bleiben.

Ei, ei – hört: Ein „schickes“ Wochenmagazin hat eine Frau aufgetan, die behauptet, die „Männer über 50 wollten ausschließlich Sex“. Und ich erfuhr, dass sich Menschenfrauen offenbar auch nach Affenart an den Kronleuchter hängen, um von dort auf den Mann aufzuspringen. Sich das bildlich vorzustellen, kostet etwas Überwindung.

Pflückt die reifen Früchte jetzt

Es wird bald August, und wir haben noch lange nicht alles erwähnt, was „durch die Haut“ oder „unter die Haut“ geht – vom sanften Streicheln bis zum heftigen Kratzen. Und im August wollten wir eigentlich eher sagen, dass die Früchte reif werden und ihr nicht warten solltet, bis sie vom Baum fallen.

Und falls ihr gerade Urlaub macht: Schönen Urlaub! Ansonsten ein schönes Wochenende für euch alle.

Die Suche nach Dominanz … unerfüllbar?

Nur im Bett devot - ansonsten eher selbstbewusst?
Unser Artikel "Die Suche nach Dominanz … unerfüllbar?" zielt auf Frauen, die sich dominante Männer wünschen, wenn es Nacht wird. Dabei sollen es Männer sein, die am Tag überaus gewöhnlich sind - oder gar ausgesprochen liebevoll und hilfsbereit sind.

Normalerweise denke ich über die im Internet veröffentlichten Artikel über weibliche Unterwerfungsgelüste nicht nach.

Doch kürzlich las sich etwas, das vom „Üblichen“ abweicht – den Artikel einer emanzipierten Frau, die im Leben alles andere als „Unterwürfig“ ist. Doch sobald sich die Schlafzimmertür öffnet, kommt die Lust hervor, sich körperlich und emotional zu unterwerfen.

Was im Prinzip äußerst vernünftig klingt und bei vielen sicherlich als „ganz plausibel“ angesehen wird, kommt bei den Männern offenbar ganz anders an. Sie denken zumeist, wenn eine Frau unterwürfig im Bett ist, muss sie auch sonst Sklavin und Dienerin sein.

In jungen Jahren denken viele verliebte Paare nicht einmal daran, vom „Standard“ abzuweichen. Sie sind verliebt, vögeln einander aus Lust und haben dabei tolle Gefühle. Das zitiere ich mal:

Der Sex (während meiner Ehe) war weder besonders gut noch schlecht. Es war nur eine dieser Aktivitäten, an denen verheiratete Paare jeden Monat teilnehmen mussten, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Beziehung nicht bröckelte.

Und also wurden die geheimen Lüste unterdrückt wie bei so vielen langjährigen Paaren. Alle, die ebenfalls lange Zeit mit demselben Partner verheiratet sind, werden wissen, dass es schwierig ist, nach Jahren plötzlich neue sexuelle Wünsche zu äußern.

Wird die Ehe (meist aus anderen Gründen) geschieden, und entdeckt der frischgebackene „Single“ nun, dass ihm oder ihr „ein bisschen vögeln“ nicht reicht, so kommen völlig unerwartet Probleme auf.

Einmal ist es der Markt, der nicht „das“ hergibt, was Frau oder Mann sich erhofft hatten. Und dann ist da eine gewisse Abneigung gegen Menschen, die ihre Besonderheiten in den Vordergrund stellen. Das mag noch alles erträglich sein, aber das ist noch etwas: Ein Mann, der eine selbstbewusste Frau für alle Belange des Lebens sucht, aber eine unterwürfige Frau für den „Lusttrakt“, ist schwer zu finden. Mit den Worten einer Betroffenen:

Einen Mann zu finden, der im Bett dominant ist, ist einfach. Aber jemanden zu finden, der die Dominanz außerhalb des Schlafzimmers wieder ablegt, ist so gut wie unmöglich.

Ob Männer „so sind“ oder ob wir nun die negativen Folgen von „Shades of Grey“ erkennen? Jedenfalls sind die Momente, in denen ein selbstbewusster Mensch außerhalb des Schlafzimmers nach „Führung“ oder gar „Disziplinierung“ sucht, ausgesprochen rar. Wenn partnersuchende Frauen behaupten, sie suchten einen „Richtigen Kerl, der ihnen auch mal sagt, wo es langgeht“, denn meinen sie etwas anderes. Sie suchen jemanden, der sie dann „an die Leine legt“, wenn es ihnen gefällt - aber nicht, wenn es ihm gefällt. Letztlich heißt dies: Sie spielen ein Spiel – und zwar zu ihren Bedingungen.

Im Bett unterwürfig zu sein und im Alltag selbstbewusst ist nichts völlig Neues, aber primitive Denker begreifen es nun einmal nicht. Nachdem uns die Psychologie jahrzehntelang mit „unveränderlichen Persönlichkeitsmerkmalen“ und „Authentizität“ genervt hat, glauben allerdings auch viele Intellektuelle an solche Märchen.

Eine letzte Anmerkung: Die Frage der jungen Frau wirft auch ein Licht darauf, welche Vergnügungen „käuflich“ sind und welche „frei verhandelbar“. Für Männer, über die demnächst zu reden sein wird, ergibt sich diese Frage zwar ebenso, wird aber anders beantwortet: Für sie gibt es ein Angebot an käuflichen „Pseudo-Unterwerfungen“ – und die sind immer „temporär“.

Bild: Aus einer Fotoserie, historisch, Datum und Fotograf(in) unbekannt.
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