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Findelsatire – das Leben findet auf Instagram statt

An sich ein sehr positiver Artikel, den wir fanden. Es geht um Feminismus, und zwar um die helle, lustvolle Seite und die dunkle, doktrinäre Seite. Und wir finden natürlich gut, dass darüber gesprochen und geschrieben wird. Musste mal sein, und ist absolut OK.

Nur … äh … werden da nicht „soziale Medien“ und die Realität miteinander vermischt? Da zitiere ich doch mal:

Offen über Wünsche zu sprechen zeugt von einem neuen, weiblichen Selbstbewusstsein, das auf Instagram unter Hashtags wie #orgasmsmatter und #sexmatters stattfindet.


Oh ... und wo findet all dies in der Realität statt?

Was Männer wirklich ändern sollten – und was nicht

Alles klar - wir Männer ändern uns nicht, es sei denn, wir wollen es wirklich
Zuerst einmal: Männer gibt’s nicht – es gibt immer nur den Mann, den die Partnerin oder eine Gruppe von Menschen gerade beobachtet.

Die Frauenbewegung, auch Feminismus genannt, hat oftmals genau Vorstellungen davon, was „Männer sollen“, vor allem aber, wie sich zugunsten der Frauen verändern sollten, fall die Meinung der Frauen jemals dominant genug wäre. Nun wird jeder Mann, pragmatisch, wie wir nun einmal sind, natürlich Rückfragen: „OK, das kostet mich eine Menge Mühe. Was bekomme ich dafür?“

Wenn Männer weibisch werden

Sehen wir nun auf die Männerbewegung, eher ein „Bewegüngchen“. Was will sie? Grob gesprochen, beklagt sie, dass Frauen sich in vielen Bereichen die Macht erschlichen haben und sich derzeit bemühen, weitere Bereiche mit ihren Seilschaften zu kapern. Im Bereich der Partnersuche beklagen sie die unendlich hohen „Ansprüche“, die von Frauen vorgetragen werden. Dennoch – und das halte ich für ein Problem – benehmen gerade diese Männer sich „weibisch“: Sie sagen nicht: „Verdammt, wir tragen die Verantwortung dafür, dass uns die Piratinnen die Schiffe kapern – holen wir es uns zurück!“. Sondern sie sagen: „Die bösen Frauen haben uns unsre Spielzeugschiffchen weggenommen, das ist ganz, ganz gemein von denen!“

Der als Männersoziologe bekannte Schweizer Walter Hollstein meint:

Die Veränderungen sind auch eine Chance, ein Stück freier zu leben. Das bedingt aber eine eigene Entscheidungskraft und Potenz. Das wäre auch mein Vorwurf an viele Männer der Männerbewegung. Sie orientieren sich nicht an dem, was sie im Tiefsten wollen, sondern an dem, was die Frauen von ihnen möchten und was heute als politisch korrekt gilt.


Sich zu ändern nützt Männern gar nichts

Es ist merkwürdig: Die sogenannten „anständigen“, verständnisvollen und anpassungsbereiten Männer gehen auf Frauen mit vorauseilendem Gehorsam zu. Sie verhalten sich schon angepasst, bevor dies überhaupt von ihnen verlangt wird. Sie über sich in Gender-Neusprech, ohne dass dies gefordert wird. Sie sind übertrieben politisch korrekt und werden (beispielsweise von Partneragenturen und dusseligen Datingberatern/Beraterinnen) dazu „angestupst“ auch noch überkorrekt zu sein.

Stellen wir die Frage erneut: Nützt das dem einzelnen Mann etwas? Was kann er sich dafür kaufen? Was bekommt er dafür geschenkt?

Die Antwort ist: gar nichts. Er kann machen, was er will – er wird deswegen kein bisschen mehr oder weniger gemocht oder geliebt, und er wird deswegen nicht eher oder später ins Bett eingeladen.

Frauen wissen, was sie wollen – herumeiern zwecklos

Frauen wissen das natürlich und spielen genau diese Herumeierei aus. Dabei steht bei vielen Dates bereits nach ein paar Sätzen fest, ob sich der Mann versuchsweise für eine Beziehung zum, sexuellen Sofortverzehr oder für gar nichts eignet.

Anders ist dies übrigens beim Macho: Da weiß „frau“ sofort, woran sie ist und greift entweder zu oder schmeißt ihn hochkantig raus. Sicher gibt es da auch noch die Luschen – nicht Fisch noch Fleisch. Doch die hatten nie eine realistische Chance.

Was Männer ändern sollten

Wenn der Mann überhaupt eine Chance hat, (was manche Männer bezweifeln) dann muss er nach seinen Bedürfnissen handeln – und wird feststellen, dass sich diese von den weiblichen Bedürfnissen nicht so schrecklich stark unterscheiden, wie zu Anfang angenommen. Männer sollten (und dürfen) sagen, was sie wollen, wie sie es wollen und wann sie es wollen. Klar, dass der Mann nicht „mit der Tür ins Haus“ fallen sollte – aber er muss auch nicht unbedingt warte, bis die Frau Vorschläge macht.

Und überhaupt: Die Eiertänzchen um die „Gunst des Weibes“ sollen emanzipierte Männer sowieso nicht mittanzen. Damit werten wir Frauen auf, die es kaum verdient haben, dass wir uns überhaupt mit ihnen beschäftigen.

Frauen gebrauchen – der ewige Männertraum?

mann und weib - 1890 und 2010?


„Wir verbrauchen viele Frauen und tun Leute beklauen“ – das war sozusagen das Motto, auf dem „Rollo der Wikinger“ segelte. Frauen gebrauchen, Frauen verbrauchen, Frauen benutzen … man könnte diese Liste beliebig fortsetzen. Männer wollten Frauen in Regale einordnen, sie dort bewundern, herausnehmen und konsumieren. Die patriarchalische Gesellschaft konnte beschließen, mit ihnen zu tun, was sie wollte: Mal wurden sie an reiche Freier verschachert, mal musste der Vater jede Menge Kohle auf den Tisch legen, um sie loszuwerden. Mal müssen sie ganze Familien ernähren, mal müssen sie zu Hause bleiben und dürfen nicht arbeiten. Die Definitionsmacht der Männer darüber, was eine Frau ist, wie viel Wert sie hat und wozu die Natur sie vorgesehen hat, bestimmte über Jahrtausende ihre Rolle – von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.


Auch heute noch versuchen Männer, das Rad der Geschichte zurückzudrehen: Gerade schrieb ein Autor, die „Art der Arbeitsaufteilung“ in der Ehe ergäbe sich „unmittelbar aus den unterschiedlichen Körperfunktionen der beiden Geschlechter“. Demnach seien Frauen für die „Fortpflanzungsarbeiten optimiert“, während der männliche Körper für produktive Tätigkeiten optimiert sei.

Das habe ich schon einmal gelesen – und zwar in einem Buch aus dem Jahre 1890 – und damit wird auch wohl klar, woher der Autor schöpft: aus dem Quellen des verlogen Bürgertums der 1900er Jahrhundertwende. Ein gewisser „Dr jur. et phil. Friedrich Jahn zu Düsseldorf schreibt, „das weibliche Geschlecht“ könne nun seine ganze Kraft auf das „Natürliches, durch die Konstitution und die Aufgaben der Mutterschaft im zugewiesenen Arbeitsgebiet“ verwenden. Einige Zeilen später wird vom „Natürlichen Beruf, dem Eheberuf und Mutterberuf“ geschrieben.

Schon damals wehrte sich das Bürgertum übrigens gegen alle Tendenzen der weiblichen Selbstständigkeit: Zwar äußerte der Autor Verständnis dafür, dass auch Mädchen nach besserer Bildung, nach Sicherung der Zukunft und nach eigenem Erwerb strebten, aber:

"… das Wohl des Allgemeinen ist volkswirtschaftlich mehr wert als die Tätigkeit selbst der tüchtigsten Ärztin, der besten Lehrerin, Buchhalterin oder Verkäuferin“.


Offenbar hat sich also bei manchen Männern nicht viel geändert an der Argumentation von vor über 100 Jahren.

Warum könnte dies so sein? Ich denke, es ist der ewige Männertraum, den Stiefel auf Körper, Geist und Seele der Frau zu setzen. Solange die Frauen brav in dem Gehege herumtrabten, in denen die Männer ihre Freiräume bestimmten, was alles gut – als sie sich diese Freiräume dann allerdings selber schufen, reagierten sie allergisch – und zwar durchaus bis in die 1950er Jahre hinein, ja, wie man sieht, sogar bis weit ins neue Jahrtausend.

Was wir heute als „Frauenemanzipation“ bezeichnen, ist nicht die Befreiung aus den Fesseln des Patriarchats und auch kein „Individualisierungsprozess“. Es ist vielmehr der Versuch der Frauen, in Selbstbestimmung, Freiheit und Würde dem Manne ebenbürtig zu sein und dabei doch immer „ganz Frau“ zu bleiben. Das bedeutet für beide Partner, sich auch in Liebe, Sex und Partnerschaft auf ein neues Spiel einzulassen: Man kann sich nicht mehr mit einer Frau treffen, um sie in dieser oder jener Weise zu „benutzen“. Frauen zeigen Männern immer mehr, wer denn die Wahl hat: Unter 40 in jedem Fall die Frau, erst über 40 kommen Männer wieder zum Zuge. Männer unter vierzig müssten eigentlich nichts anders tun, als zu lernen, auf Augenhöhe mit Frauen zu kommunizieren und dabei „ganz Mann“ zu bleiben mehr nicht.

Es könnte sein, dass manche Männer sauer sind: Weil sie jetzt eine Frau als vorgesetzten Abteilungsleiter haben, weil die Frauen nicht mehr auf plumpe Anmachversuche reagieren oder weil sie allein bleiben, wenn sie nichts als Saufen und Fußball im Kopf haben. Es könnte allerdings auch sein, dass diese Männer ihren Zorn herausbringen, weil sie Frauen zuvor als verfügbare Subjekte für ihren Machtraum angesehen habe: Frauen lassen sie nun einmal nicht mehr vorschreiben, für welche Verwendung sie geeignet sind und für welche nicht. Man kann es auch so ausdrücken: Der Männertraum, Frauen zu gebrauchen, wie es ihnen gerade gefällt, ist ausgeträumt.

Liebe: Umgehen mit der Emanzipation

schön, selbstbewusst, emanzipiert - das moderne frauenbild


Die Sicht der Menschen auf die Realität teilt sich in der Regel in zwei Gruppen: Die einen nehmen sie so, wie sie ist, gönnen sich den Honig, den sie ergattern können, schimpfen gelegentlich über die Auswüchse, leben mit unterschiedlichen Erfahrungen mit der Moral und finden am Ende ihren Frieden mit der Zeit, in der sie leben.

Die anderen haben einen Weltentwurf, der davon stark abweicht, beklagen den Mangel an Honig auf dieser Erde, ereifern sich öffentlich über den Verfall der moralischen Werte und leben stets in Unfrieden mit der Zeit und ihren Bedingungen.

Wie gehen die Menschen unter solchen Aspekten mit gesellschaftlichen Veränderungen um? Und wie reagieren sie auf ein Phänomen wie die Frauenemanzipation?

Die Antwort ist dreiteilig:

Die erste Gruppe, und zwar sowohl unter den Frauen wie unter den Männern, zieht ihre Vorteile daraus und findet zunächst mühevoll, dann aber recht sicher einen Standpunkt, der ihr das problemlose Überleben unter den neuen Bedingungen erlaubt. Die meisten dieser Menschen haben schon mehrfach Anpassungen erlebt und führen ein Leben, dass aufgrund einer starken Persönlichkeit die Anpassung an veränderte Außenbedingungen erleichtert.

Ein Teil der zweiten Gruppe ist befremdet von dem neuen Gesellschaftsentwurf, passt sich aber an, um darin überleben zu können. Sie sucht sich Nischen, die noch nicht so stark emanzipationsbesetzt sind und versucht, mit diesen Strategien dennoch Erfolg zu haben. Wieder finden wir sowohl Frauen als auch Männer, die wir nun als „konservativ“ einstufen. Die meisten dieser Menschen waren auch schon vorher konservativ und haben nicht alle gesellschaftlichen Wandlungen vollzogen.

Interessant ist, was der Rest der zweiten Gruppe tut: Er widersetzt sich innerlich wie äußerlich den neuen Gesellschaftsentwürfen und wird mehr und mehr zum Gesellschafts-Nostalgiker. Dieser Gruppe ist gemeinsam, dass die Auswege immer komplizierter und teurer werden, und dass sie mehr und mehr von allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft überholt werden. Das Problem für sie ist, letztendlich in jeder Hinsicht „hinten an“ gestellt zu werden.

Liebe - nur das Selbstbewusstsein veränderte sich wirklich

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Was für alle Lebensbereich gilt, macht vor Liebe, Sex, Partnerschaft und Ehe nicht halt. Seit einigen Jahren versuchen Wissenschaftler mehr oder weniger verzweifelt, diesen Phänomenen nachzulaufen – mit sehr schwachem Erfolg. Sicher ist nur: Nicht die geistig-emotionalen Grundlagen der Emanzipation haben die Gesellschaft strak verändert, sondern die wirtschaftlichen. So, wie vor Jahren die Töchter und Söhne der Arbeiterschaft zu mehr Ansehen kamen, weil sie gebildeter und wirtschaftlich stärker wurden, so haben heute die Töchter der Emanzipation ein enormes Selbstbewusstsein entwickelt, das alle Lebensbereich verändert hat – und eben auch die Liebe.

Ganz genau genommen ist in den letzten 40 Jahren dies passiert: Vor 1970 war eine unverheiratete Frau noch Fräulein und konnte nicht wagen, allein in eine Gaststätte zu gehen. Ihr Ansehen konnte sie nur durch eine einzige heroische Tat aufpolieren: durch die Eheschließung, durch die sie eine „vollwertige Frau“ wurde – ja, und dann wurde sie eine „deutsche Hausfrau“ – und wurde nie mehr als das. Heute kann man sich dies kaum noch vorstellen: Anno 1990 war sie bereits „Frau“, auch wenn sie unverheiratet war, sie konnte alleine hingehen, wo sie wollte und ihr Ansehen polierte sie am besten durch einen guten Beruf, möglichst aber durch ein Studium auf.

Die schnelle Veränderung hinterließ Spuren

Manchmal muss man sich wohl vergegenwärtigen, dass dieser schnelle Prozess Spuren hinterlassen hat. Wenn Studium und Erfolg im Beruf wichtiger werden als die Ehe, dann heiratet man nicht mehr so früh. Nun ist es allerdings umso schwerer, einen guten Partner zu finden, je später man heiratet und diese Aussage kratzt nur ein wenig an der Oberfläche des vollständigen Dilemmas. Auch die Männer bekamen dies zu spüren: Konnte noch in den 1960er und selbst in den1970er Jahren so gut wie jeder Mann damit rechnen, eine Frau „abzukriegen“, so lassen die selbstbewusster gewordenen Frauen die Verlierer nun liegen. Kein Wunder, dass sie zu maulen beginnen – aber sie gehören eben zu den Personen, die sich ihre eigene Welt am Rande der Gesellschaft zusammenzimmern wollten – nun sehen sie das Ergebnis.

Folgen den Emanzipation für die Partnersuche

Man darf „Frauenemanzipation“ nicht verwechseln mit „auf keinen Fall feminin sein wollen“. Frauen sind heute femininer als noch ihre Mütter oder Großmütter, und auch heute verfallen sie noch hin und wieder für ein paar Nächte einem Macho, der drei Stufen unter ihren offiziell zur Schau getragenen Partnerwünschen steht – aber sie wird ihn nicht heiraten.

Mehr und mehr sehen wir: Die moderne Frau sucht sich ihre Partner aus – solange es eine Auswahl gibt. In den aktuellen Online-Partnerbörsen suchen Frauen sehr gezielt – und sie warten nicht mehr darauf, dass sie angesprochen oder angeschrieben werden. „Finden statt gefunden werden“ heißt die neue Devise, die sich immer mehr durchsetzt.

Emanzipation? Das ist kein Thema mehr, sondern eine Tatsache. Diejenigen, für die es immer noch ein Thema ist, sollten sich warm anziehen in dieser Welt: Sie geraten in den Verdacht, sich bewusst in die Reihe der maulenden Verlierer einzuordnen.

Männern wie auch Frauen, die Partner suchen, kann man hingegen nur eins entgegenrufen: Persönlichkeit ist alles. Man wird nicht mehr als Frau oder als Mann geheiratet, sondern als die wundervolle Persönlichkeit, mit der man durchs Leben gehen will – Liebe selbstverständlich inbegriffen.

Titelbild © 2010 by Alaskan Dude