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Was ist wirklich gut an den “Shades of Grey”?

Goldene Lösung Unterwerfung?
Bekanntlich hat die Trilogie „Shades of Grey“ ihre Gegner – und durchaus ihre Befürworter. Gehe ich mittags an der örtlichen Buchhandlung vorbei, dann sehe ich: Frauen sind die Rezipienten ähnlicher Machwerke, und sie verschlingen diese Bücher. Mit Sex, ohne Sex. Ist das neu? Eigentlich nicht. Früher wurden Dienstmägde bezichtigt, Arztromane aus falsch verstandener Romantik zu lesen. Heute lesen selbst Abiturientinnen kitschige Liebesromane. Sie wollen das. Offenbar brauchen sie das. Dabei ist den Frauen - trotz aller Emanzipation – die literarische Qualität scheißegal. So ähnlich wie bei Männern, die Heftchen-Pornos lesen, um geil zu werden.

Kritik kommt aber nicht nur vonseiten der Feuilletons. Auch die sogenannte BDSM-Community fühlt sich kompetent, etwas zu den „Shades of Grey“ zu sagen. Was sie dazu berechtigt, steht in den Sternen. BDSM ist keine Religion, ja nicht einmal eine Weltanschauung, und so, wie es kein Papsttum in der Liebe gibt, gibt es auch keine Verbindlichkeit, wie zwei Menschen ihre Lust ausleben sollten.

Doch – es gibt Positives zu berichten. Positives, über das, man nicht spricht, weil die meisten Leserinnen der „Shades of Grey“ janusgesichtige Anstandsbürgerinnen sind, die gezwungen sind, öffentlich ihre Schamröte vorzuzeigen.

Positiv: Frauen stehen wenigstens selbst zu ihren geheimen Lüsten

Die Fantasien aus dem engen Gefängnis der Scham herauslassen? Bingo, das ist gelungen. Nach Zehntausenden zählende Frauen bekennen sich wenigstens in der Abgeschiedenheit ihrer Schlafzimmer, Küchen und Bäder dazu, „ganz arg schmutzige“, aber ziemlich schicke Fantasien zu haben. Ein großer Teil von ihnen masturbiert über die Stellen des Buches, die ihre Fantasie besonders kitzelt. Ein weiterer, etwas kleinerer Teil beschließt, sich einmal der beißende Zunge einer Peitsche auszusetzen es und den Genuss daran zu erproben. Und manche Frau rettete damit ihre Ehe aus der erotischen Langeweile.

Das alles ist gut - solange wir der Sexualität offen gegenüberstehen, Paare das leben lassen, was sie gerne möchten und Gedankenfreiheit gewähren.

Negativ: Leichtsinniges Erproben der Inhalte mit Fremden

Vergessen sollten wir allerdings nicht, dass Menschen frei und gleich geboren sind und niemand des anderen Sklave werden sollte. Was in der Literatur möglicherweise noch chic ist, kann im wirklichen Leben leicht zum Desaster verkommen. Auch der Unterwürfige muss seine Würde, sein Selbstbewusstsein und seine Integrität wahren. Ist dies nicht der Fall, so stimmt etwas nicht in der Psyche des einen, des anderen oder beider.

Aus dieser Sicht sollte jede Frau (und sicher auch jeder Mann) äußerste Vorsicht walten lassen, wenn ihr oder ihm „Sklavenverträge“ sowie örtliche, finanzielle oder sachliche Knebelungen angeboten werden. Was Sie einfach wissen müssen: Nicht alle Menschen spielen fair. Und bestimmte psychologische Verfahren, die der Gehirnwäsche ähneln, sind den Rattenfängern unter den „Herinnen“ und „Herren“ durchaus geläufig.

Ein erotisches Fragment aus dem Leben …

Hellseherische Fähigkeiten in der Lust?


Es ist nicht immer leicht, sich als freie Journalistin durchzuschlagen. Also suchte ich mir Randthemen, die meine Kolleginnen nicht mal mit der Geburtszange angefasst hätten. Dabei stieß ich auch auf meine Schulfreundin Elvira, die sich als „Suggestive Sadistin“ im Internet anbot. Nun bin ich von Natur aus skeptisch, und ich war sicher, dass ich sie ein wenig in die Enge treiben konnte. Also fragte ich sie schließlich, wo sie denn ihre Ausbildung für „suggestiven Sadismus“ erworben hätte … und damit begannen die Dinge, aus dem Ruder zu laufen.

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„Um eine wirkliche Herrin zu werden, musst du die Kunstfertigkeit eines Malers mitbringen, das Wahrnehmungsvermögen eines Gedankenlesers und die Magie eines Schamanen. Und du brauchst eine gewisse Vorstellungskraft, wie der Bogen zwischen deiner sadistischen Neigung und den devoten Wünschen deiner Kunden und Kundinnen geschlossen werden kann. Manche Sadistinnen denken, es reiche völlig aus, ihre Sklavinnen und Sklaven beliebigen sinnlichen Qualen auszusetzen, aber das ist völlig falsch.“

Elvira schien nun ein Loch in die Wand zu starren, blickte mich aber nach einer Weile wieder intensiv an und fuhr dann mit einer deutlich abgesenkten Stimme fort: „Das gilt vor allem, wenn du dir deine Dienerinnen und Diener allein aus der Lust heraus hältst, dich zu erfreuen. Du musst sie sorgfältig auswählen, denn du musst wissen, was sie gerade fühlen, damit du entsprechend darauf antworten kannst und du genau diese wundervollen Gefühle in ihnen verstärken kannst.“

Beim Wort „entsprechend“ huschte ein wissendes Lächeln über Elviras Lippen, und nachdem ihr Blick wieder wie abwesend in die Ferne abgewandert war, sprach sie mich abrupt an: „Willst du ein bisschen von dieser Freude kosten?“

„Ich bin keine Dienerin, sondern Journalistin“, antwortete ich schnell – etwas zu schnell, um ehrlich empört zu klingen. Elviras Lächeln wandelte sich zu einem leichten Grinsen, und ihre Lippen kräuselten sich dabei: „Sagte ich nicht, dass ich Gedanken lesen könnte? Du hast doch die ganze Zeit an nichts anderes gedacht, als dass ich dir eine Kostprobe gebe, nicht wahr?“

Meine Kehle wurde trocken. Tatsächlich ließ mich die Idee nicht los, von den magischen, tiefgrünen Augen dieser Frau verführt zu werden, die Blicke nicht dabei von ihr lassen zu können, während sie …

„Während ich deine süßen kleinen Nippel zwischen meine Fingerspitzen nehme und dir den Genuss des Schmerzes gönne?“ Elviras Stimme klang plötzlich wie aus einer anderen Welt. Ihre Augen lagen starr auf mir, sodass ich mich fühlte wie das sprichwörtliche Kaninchen, das noch fortlaufen könnte, aber von der Schlange so fasziniert ist, dass ...“. Mein psychologischer Exkurs endete schlagartig, als sich etwas kaltes, metallenes unter meine Bluse schob. Kurz darauf traf ein leichter Windzug meine Brüste.

Elvira musste eine Schere benutzt haben, um mir Bluse und BH aufzuschneiden. Immerhin konnte ich wieder klar denken – und in die starren Augen von Elvira traten wieder die kleinen, lustvollen Blitze, mit denen sie schon zu unserer Schulzeit alle Menschen faszinierte. „Deine Nippel sind ganz schön erregt“, lachte Elvira mich nun an, „das macht es mir wesentlich leichter, sie ein wenig … zu behandeln …“ Ich sah sie zugleich neugierig und entsetzt an. „Du wirst doch nicht?“, fragte ich matt und unsicher. „Doch ich werde!“, antwortete Elvira, „sieh mir wieder fest in die Augen, damit ich mein sadistisches Selbst mit deiner hungernden devoten Seele verbinden kann.“

Ich konnte nun gar nicht mehr anders, als ihr wieder in die Augen zu sehen. Die Welt um mich herum verschwand, und nur der Schmerz erfasste mich, den die spitzen Fingernägel auf meinen empfindlichen Brustwarzen hinterließen, scharf und beißend wie Mausezähne. Und jedes Mal, wenn der Schmerz mein Gesicht durchzuckte, hatte ich den Eindruck, dass meine hungrige Seele in meinen Augen sichtbar wurde und pochende Botschaften an Elviras Augen sandten, die jedes Mal verdächtig aufblitzen, wenn der Schmerz am intensivsten war.

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Es dürfte euch klar sein, dass die Geschichte hier nicht zu Ende ist. Und sie hat ja auch nicht hier angefangen, denn natürlich war ich immer schon neugierig, wie es ist, mich einfach fallen zu lassen und nichts dabei denken zu müssen.

Hinweis des Rechteinhabers: Diese Geschichte (zwischen den Sternchen) ist frei verwendbar, solange Sie diese Webseite als Quelle angeben und den Rechteinhaber, Liebesverlag,de, benachrichtigen. Das gilt auch dann, wenn Sie diese Geschichte abwandeln, weiterverarbeiten oder in einen Roman einbetten.

Liebe Woche: jetzt wieder mehr Liebeszeitung

Die Liebeszeitung ist immer aktiv – aber in den letzten Wochen habe ich doch ein klein wenig die Zügel schleifen lassen. Der Grund liegt daran, dass ich kaum Zeit zum Schreiben habe, und auch Ina hat gerade andere Pläne. Kann man ihr nicht verdenken. Erotik- und Beratungsthemen sind ziemlich ausgelutscht.

Diese Woche will zumindest ich euch aber mal wieder ansprechen. Wir hatten ja schon oft das Thema „Unterwürdig sein – dominant sein.“ Ich kann nicht „gegen den Strom“ schwimmen, wenn das Thema gerade im Fokus des Interesses steht – und das tut es zweifellos. Klar wollen mal wieder alle davon profitieren, auch die Hersteller von „Erotik-Spielwaren“ und insbesondere von stabilen Leder-Erzeugnissen, damit der Po schön rot wird. Autsch!

Immer beliebt - Isdiora über unterwürfige Männer

Ich gehe zwar nicht wirklich auf die Knie, wenn ich Isidora bitte, einen Artikel zu schreiben, aber warten muss ich doch oft. Deshalb bin ich froh, euch die „Ansprache an einen unterwürfigen Mann“ präsentieren zu können.

Ina schreibt über Hass bei der Liebe und anale Möglichkeiten


Diese Woche konnte ich Ina bewegen, statt meiner zu schreiben. Dabei kam etwas heraus, was alle Frauen interessieren dürfte (auch Männer, die nicht absolut beratungsresistent sind): was Frauen vor und nach dem Sex abtörnt.

Schamhaar muss unglaublich gefährlich sein. Sein Anblick ist so schrecklich, dass Erwachsenen- und Jugendschützer in Panik geraten, wenn sie zu sehen sind. Da könnte einem der Humor beinahe vergehen – oder doch nicht?

Manchmal regen uns fremde Artikel an, etwas zu schreiben: zum Beispiel, wenn US-Frauen über Sexthemen schreiben. Diesmal geht es um „anal“ – und warum ihr die Scham aus dem Thema nehmen solltet.

Noch mal Ina, diesmal mit Humor: Wir hatten wieder etwas gelesen, und das wurde gleich mal umgesetzt: „Sex mit sich selbst oder mit anderen?“ Was ist besser? Wahrscheinlich kennt ihr schon den alten Witz: „Der Vorteil beim Geschlechtsverkehr gegenüber der Masturbation ist, wesentlich mehr Leute kennenzulernen.“ Der Artikel nennt aber 10 Punkte pro und kontra.

Wer hat dich, du armer Mann, verführt?

Das war noch was? Junge Männer und reife Verführerinnen. Das ist ja alles schrecklich verpönt und die Presse fasst es auch nur mit der Kohlenzange an. Fragt sich nur, wie denn der junge Mann Lust und Leidenschaft lernen soll, die zum vollständigen Genuss führt.

Neu: Wilderotische Verführerinnen, dominante Frauen und süße Sugar-Babys

Die kommenden Wochen werden spannend. Ich werde Isidora nochmals die Füße küssen müssen, damit sie uns über das schreibt, was in der Szene „Femdom“ heißt – weibliche Domination. Und Ina habe ich gebeten, sich mal in die Rolle eines Sugar-Babys hineinzufühlen. Ob’s gelingt? Beide Themen sind interessant, wurden hier auch schon behandelt, aber nie aus der Sicht von Unterwerfungs-Süchtigen, echt dominanten Frauen oder Autorinnen und Autoren. Ich schaue Mal, was sich machen lässt, um Einsichten in die beiden heiklen Themen zu gewinnen.

Schreibst Du? Dann her mit den Manuskripten!

Schreibst du? Möchtest Du gereni Auszüge aus erotischen Romanen bei uns veröffentlichen? Oder Kurzgeschichten, Artikel, Stellungnahmen? Willst du auf dem Trend mitschwimmen? Dann nichts wie Kontakt aufnehmen! Oder erstmal hier lesen, wie man über sinnliche Fesselungen schreiben kann.

Sex im Kopf – zettelweise zerfleddert

Sex im Kopf: manchmal fühlte ich mich wie im Zoo ...


Unser Autor las für Sie das Buch "Sex im Kopf - die erotischen Fantasien der Deutschen" - und wähnte sich plötzlich im Menschenzoo.

Was habe ich davon, wenn ich weiß, was Sonja, 27, die irgendwas an einer deutschen Universität macht, erotisch bewegt? Was kann ich gewinnen, wenn ich Sonja unter das Nachthemd blicken kann oder gar in den Kopf?

Sonja hat sexuelle Fantasien, ganz, ganz spektakuläre, und sie erzählt darüber. Aha. So ist das also bei Sonja, 27. Sie ist, so der Klappentext des Buches, von dem ich hier berichte, eine von vielen Menschen, die mal ihr Kopfkino öffnen wollten.

Ich nehme an, dass Sonja auf diesem Planeten wohnt, weiterhin masturbiert und dabei darüber fantasiert, worüber Frauen angeblich niemals fantasieren. Fragt sich nur – was bedeutet es für den Leser eines Buches, zu wissen, dass es Frau Sonja gibt, die Fantasien hat?

Der Menschenzoo wird vorgeführt

Manchmal steckt Sex im Kopf ...
Das Buch, das ich in Händen halte, erinnert mich an Zoobesuche: da, hinter der Absperrung, dem Graben und dem Elektrozaun sitzt Frau Orang-Utan und denkt sich was. Oder Frau Hyäne oder Frau Löwe. Ja, wie interessant, nicht wahr? Das getüpfelte Fell der Hyäne, der Biss der Löwin ins hingeworfene Fleisch, die Banane für den Orang-Utan.

Begonnen habe ich damit, das Buch kapitelweise zu lesen – ander geht es auch fast nicht. Dem Buch fehlt die Klammer, und in Wahrheit geht es auch nicht ausschließlich ums Kopfkino. Schade. Wenn ich schon Spaziergänge am Ufer eines reißenden Flusses mache, dann möchte ich wenigstens wissen, wo das Wasser ist und wo der befestigte Weg. Aber das nur nebenbei. Manche Kapitel sind lang: Fetisch-Reize zum Beispiel auf gut 30 reizenden Seiten. Oder „Macht und Ohnmacht“ auf über 40 Seiten. Fragt sich bloß, warum nun das etwa sinngleiche „Devot und Dominant“ auf 35 weiteren Seiten folgt – ich muss nicht darüber nachdenken, oder? Verflixt, nur ein Kapitel übersprungen, und dann kommen „erotische Demütigungen“, ebenfalls ein ähnliches Thema, auf weiteren gut 12 Seiten. Nein, ich muss auch darüber nicht nachdenken.

Gedanken beim Masturbieren - was sollen wir damit?

... andererseits strebt er nach einem Medium.
Ach ja, was bewegt einen Menschen wie Sonja, 27? Sicher – sie wird von etwas bewegt, dass sie möglicherweise beherrscht oder das sie beherrscht – so weit habe ich es verstanden. Das ist aber nicht das, was ich wissen wollte, sondern, ob es viele Frauen gibt, die etwas Derartiges denken und fühlen. Ich möchte also erfahren, wie gewöhnlich es ist, wie es sich auswirkt und was es mit der Psyche anstellt. Und –letztendlich – will ich wissen, ob es schön und erfüllend für für die 27-jährige Sonja war. Oder ob sie sich schämt. Oder beides.

Was ist so sensationell daran, zu wissen, was Frauen oder Männer denken, wenn sie masturbieren? Die meisten Frauen, so glaube ich zu wissen (und es gibt ein paar Fakten, die dafür sprechen) masturbieren sich dann und wann. Und ich vermute, dass ein großer Teil von ihnen dieses häufig und unter Einsatz von Fantasien tut. Wie sonst? Fantasien sind sozusagen der Orgasmus-Verstärker, denn allein mit der mechanischen Reizung lässt sich zwar etwas erreichen, aber es ist nur halb so wilderotisch – das sagten mir jedenfalls Frauen, die es häufig tun.

Der "verbotene" Lustgedanke als Reizverstärker

Wen das verwundert, der muss irgendwie naiv sein. Die Klitoris kann von Hand oder mechanischen Geräten gereizt werden, doch die Reizung erzeugt nur dann schöne Orgasmen, wenn das Hirn sie passend verstärkt,m weiterleitet und die Stellen bringt, die letztlich für das süße Erschauern zuständig sind. Nur, wer ansonsten enthaltsam lebt, „kommt“ auch auf einfache Reize hin, sagen Frauen und Männer, die untere Einsatz von Fantasien masturbieren. Der Rest von ihnen braucht stärkere Reize, und vor allem wirksamere Reizverstärker. Sie müssen nicht sehr realistisch sein, zumal, wenn sie ausgesprochen „heikel“ wären, wenn sie denn Realität würden.

Ein Buch für Voyeure, die sich schämen, welch zu sein?

Will ich nun wirklich wissen, wie die Verstärker bei Frau A,, Frau M, oder Frau Y, funktionieren? Was nützt es mir (oder einer Leserin des Buches) wenn sie weiß, dass Peitschenhiebe, im Hirn genossen, sie aufgeilen? Oder wenn Frau Z. davon träumt, einmal von einer lesbischen Frau in die sinnliche Kunst des Cunnilingus eingewiesen zu werden? Sollte uns etwas „klargemacht“ werden? Wenn ja, was denn? Dass wir alle naseweis sind und gerne mal an fremden Bettlaken schnüfflen würden?

Es hat durchaus Sinn, Frauen und Männer zu fragen, welche Fantasien sie haben, um sie dann auszuwerten. Zwar hat auch diese Vorgehensweise ihre Ecken und Kanten, aber sie erzeugt wenigsten ein Gesamtbild und keine Zettelchen, auf denen etwas steht, das nur die Person angeht, die es erlebt. Das Buch, das ich vor mir habe, erzeugt kein Bild, wirkt wie ein Kaleidoskop oder eine Zettelsammlung. „Such dir was aus, was dir gefällt oder dich empört, gell?“

Sonja, 27, kann also stinknormal und sinnesfroh sein oder psychisch krank oder gefährdet. Alles ist möglich, Hauptsache, es steht auf irgendeinem Zettel, halbwegs glaubwürdig. War es das?

Hinaus au dem Menschenzoo - und was nehme ich mit?

Ich gehe aus dem Zoo heraus –Pardon, ich lege das Buch zur Seite. Dieses Sammelalbum zu Themen der Sexualität. Es erinnert mich an die alten Alben für Margarinebilder. Sicher, da wurden ein paar Lebensbilder eingeklebt, die sich anzusehen lohnen. Aber es fehlen so viele Bilder, dass auch beim besten Willen kein Gesamtbild entsteht, nicht einmal pro Thema. Eines der Margarinealben hieß einmal „Abenteurer und Entdecker“ – und so kann man auch dieses Buch auffassen: Seht man, all das, gibt es, und es ist sogar für irgendjemanden irgendwie real.

Ach, die Zoo-Menschen - wie eigenartig sie sind

Ja, und dann? Dann sagen wir: Ach, was es alles für merkwürdige Dinge gibt auf dieser Welt, nicht wahr, legen wir uns hin, beschlafen brav unsere Ehepartner. Und stellen uns dabei nicht vor, dass sie die süße Schwarzhaarige aus der Poststelle oder aber der knackige Lagerarbeiter mit dem Alabaster-Oberkörper ist. Denn wir, wir sind ja nicht so pervers wie die Leute im Buch, nicht wahr?

Lob an den Autor - hübsch geschrieben, fleißig recherchiert

Die Texte des Buches, die der Autor Gerhard Haase-Hindenberg beisteuerte? Sie sind hübsch geschrieben. Beginnen immer mit dem Allgemeinen und Historischen, und kommen dann auf das Besondere. Dazu hat man sich eines Therapeuten versichert, der sehr verständlich erläutert und differenziert – gut so. Und es muss einen Haufen Arbeit gemacht haben, die Beichten einzusammeln, zu lesen, zu ordnen und zu verwursten. Also gibt es ein Bienchen für Fleiß und Ausdauer.

Ach ja – nur eines ist das Buch nicht im Geringsten: ein Sittengemälde, wie der Kritiker der WELT behauptete. Eher ein Zettelkasten, der mühevoll in eine etwas fragwürdige Ordnung gebracht wurde.

Bildnachweis: Bild oben © 2014 by Liebesverlag.de
Bild links: Buchtitel, © 2014 by rowolth polaris.
Bild rechts: Werbung für Telefon-Sex, Frankreich 2002, retuschiert.

Der sinnliche Teil der Frau im starken Mann

Die ist eine Betrachtung in zwei Teilen. Der erste Teil behandelt die Vorzüge, androgyn zu denken sowie die Geschlechter-Klischees der Psychologie und der Esoterik. Im diesem zweiten Teil erfahren Sie, welche erotischen "weiblichen" Eigenschaften Männer gelegentlich haben und inwieweit sie diese im Rotlicht oder in Beziehungen ausleben können. Die Fragen am Ende müssen Sie für sich selbst beantworten, wenn Sie ein Mann sind.

Zweiter Teil: Die Lust des Mannes am "Weiblichen" - auch im Beziehungsalltag?

Über die Sexualität wird weiterhin ein blütenweißes Laken gelegt. Frauen masturbieren nicht, leben ihre Lüste zum eigenen Geschlecht niemals aus, haben keine „perversen“ Träume, und gehen nach wenigen Jugend-Affären schnell zu festen Beziehungen über. Nimm man das Laken weg, blickt man in einen Abgrund. Mindestens 60 Prozent der Frauen zwischen 35 und 55 benutzen Vibratoren, heftige erotische Träumereien mit „perversen“ Aspekten sind verbreiteter, als man es sich jemals vorstellen konnte, und erstaunlich viele Frauen zeigen in der sexuellen Präferenz erstaunliche Wandlungsfähigkeiten. Lediglich als Freierinnen hinken sie statistisch stark nach, doch dafür haben sie inzwischen Spitzenplätze beim Seitensprung erreicht. Ob diese „Erhebungen“ (1) immer stichhaltig sind, mag bezweifelt werden, doch ist kaum noch zu verbergen, wie sehr sich Frauen gewandelt haben.

Was immer man darüber denken mag – jedenfalls haben Frauen Domänen besetzt, die früher als „männlich“ galten – aber sie haben dennoch auch die „weiblichen“ Komponenten beibehalten.

Die Klischees über Männer - alles "schwanzgesteuert"?

Kommen wir nun zu den Männern. Sie wurden schon immer verdächtigt, häufig zu masturbieren, ihre erotischen Träume galten stets als „pervers“ und ihnen wurde zudem unterstellt, jede Lüge hervorzubringen, um Frauen „flachzulegen“. Darüber hinaus gelten Männer als rücksichtslos bei der Durchsetzung ihrer Wollust. Sollte es ihnen gelingen, Frauen zu erobern, so feiern sie dies als Triumphe wie Jäger, die ein Stück Wild erlegt hat, gelingt es ihnen nicht, so bleiben ihnen Bordelle, in denen jeder Wunsch erfüllt wird. Soweit die Klischees, die Frauen gerne über Männer verbreiten.

Männer, die ihre weiblichen Anteile an den Tag legen

Doch es gibt noch ein ganz anderes Männerbild, das weniger hölzern und eindeutig ist. Denn wenn wir uns einmal aus dem Bereich der „weißen Bettlaken“ wegbewegen, und uns stattdessen in den feuchten Dschungel der Erotik wagen, merken wir schnell, dass Männer keinesfalls auf die Macho-Rolle abonniert sind. Zahllose Schilderungen von Huren, Bordellbesitzerinnen, Mätressen und professionellen erotischen Rollenspielerinnen (Dominas) zeigen und ein Bild des sinnlichen Mannes, der auf dem Gartenzaun zur Weiblichkeit balanciert, aber nicht hineinfallen möchte. Komponenten dieses Verhaltens und dieser Wünsche sind unter anderem:

- Der Wunsch, verführt zu werden.
- Erotische Unterwürfigkeit.
- Feminines Verhalten im Rollenspiel.
- Weibliche, weiche Kleidung tragen (ohne Feminisierung) , insbesondere Strümpfe und Wäsche.
- Feminisierung - sich als Frau schminken und ankleiden zu lassen.
- Anale Penetration durch Dildos.

Zu feminin für den Alltag ...
Dies alles wäre nun vernachlässigbar, wenn dies alles ausschließlich im Rotlicht-Milieu und in Domina-Studios geschehen würde. Doch inzwischen haben entsprechende Bücher, Verhaltensweisen und „Toys“ längst auch in „ganz gewöhnlichen“ Beziehungen experimentierfreudiger Paare einen Platz gefunden. Beweise (2) dafür sind schwer zu finden – doch Indizien sind die steigenden Verkaufszahlen von Strap-on-Dildos und die häufige, teils heftige und kontroverse Diskussion solcher Themen in den Online-Foren der Frauenzeitschriften.

Er will nur spielen - oder will der Mann wirklich weiblicher sein?

Was im Mann möchte denn nun gerne weiblicher sein? Ist es der erotische Spieler, der mit jeder sinnlichen Rolle kokettiert? Oder ist es der Mann, der endlich mal gar keine Verantwortung für „seine“ Sexualität übernehmen will, sondern sich in der Hingabe suhlen möchte? Oder ist es einfach erotische Neugierde, die sogar soweit führt, das Spiel nicht nur in der sicheren Umgebung eines „Studios“, sondern im Alltag zu suchen? Ja, oder geht die Lust am Experiment mit der Geschlechterrolle auch von Frauen aus, die daraus einen Lustgewinn beziehen? Das wissen nur Sie selbst - alle anderen können es nur vermuten.

Nur eines scheint sicher zu sein: Männer müssen, um im Alltag bestehen zu können, auch heute noch immer ihre ungetrübte, starke und machtvolle maskuline Rolle hervorheben. Frauen hingegen können wie die Chamäleons die Farbe wechseln und uns heute in entzückenden, frivolen Dessous und morgen in strengen, Respekt einflößenden Hosenanzügen begegnen. Insoweit haben Frauen es zu mehr "Flexibilität" in der Geschlechterrolle gebracht als die meisten Männer.

(1) Die Recherchen zu diesem Artikel beruhen auf Zahlenmaterial, das zwischen wenigen Prozenten bis zu 75 Prozent schwankten, und zwar in allen Bereichen. Sie erfüllen deshalb nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein, geben aber gewisse Anhaltspunkte.
(2) Soweit sogenannte "Dominas" Zahlen preisgeben, muss berücksichtigt werden, dass sie nicht repräsentativ für alle Männer sind. Andererseits kann festgestellt werden, dass "Feminisierung" eine immer größere Rolle in Domina-Studios spielt.

Bild: Collage, © 2014 by liebesverlag.de
Das Wort "Androgyn" wurde korrigiert.