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Lust, Macht, Geld und Nöte – wie S/M in Verruf geraten kann

Nicht jede SM- Beziehung beruht auf Lust ...
"Lust, Macht, Geld und Nöte – wie S/M in Verruf geraten kann?" ist der vierte und letzte Teil eines mehrteiligen Beitrags zum Thema.

Jenseits der Vorurteile - ein dünner Partnermarkt und viele Hoffnungen

Wir haben im vorausgegangenen Teil gehört, dass wir ziemlich viele Vorurteile beiseiteschieben können: Tendenziell submissive Frauen bieten sich weder häufig als unterwürfig an, noch streben dominante Männer ausschließlich danach, Frauen zu beherrschen. Dennoch, auch das haben wir gehört, sei der Markt nicht ausgewogen. Nach wie vor gäbe es viel mehr unterwürfige Frauen und Männer, die eine Beziehung im S/M-Bereich suchen, aber dabei leer ausgehen.

Überraschend ist dies nicht. Wer auf den Pfaden der Unterwerfung wandeln möchte, sucht überwiegend erfahrene Menschen, die sich daran nicht bereichern wollen. Gerade diese Personen werden aber mit Angeboten überhäuft. Die meisten Wünsche können also im „privaten Bereich“ nicht erfüllt werden.

Das Zwielicht: Kontakte gegen Geld

Auf der Angebotsseite verbleiben dann für Männer erfahrene kommerzielle Anbieterinnen, sogenannte „Dominas“, die normalerweise verlässlich sind. Hinzu kommen gewöhnliche Prostituierte, die auch ein paar S/M-Rollen im Angebot haben – ihnen mangelt es oft an Erfahrung und an „Einfühlungsvermögen“, wie wir hörten. Auf der Seite fragwürdiger Angebote stehen aber vor allem Freizeit-Dominas, Trickserinnen, Betrügerinnen und Erpresserinnen.

Frauen sind besonders gefährdet

Für Frauen, die lustvoll unterworfen werden wollen, ist das Angebot deutlich geringer – sie müssen sich vor allem vor „echten Sadisten“ fürchten, aber auch vor anderen fragwürdigen Gestalten, die darauf aus sind, ihre Macht zu missbrauchen, unter ihnen viele Narzissten. Aus diesem Grunde suchen einige dieser Frauen ihr Glück bei den gleichen Frauen, die auch Männer „behandeln“. Dieser Weg gilt als ungefährlicher.

Warum die Sache mit den Beziehungen so hakelig ist

Die Frage nach den Möglichkeiten, Risiken und Chancen lässt sich aber auch ganz anders beantworten. Natürliche Dominanz und der Wunsch, die damit verbundene Macht auch einzusetzen und in Unterwerfung zu verwandeln, ist selten. Im Gegensatz dazu ist natürliche Unterwerfung ein alltägliches und mithin natürliches Geschehen, das in der Evolution fest verankert ist. In der Praxis gibt die/der Unterwürfige aber die Macht bewusst ab – mindestens während des Rollenspiels. Und genau dieser Wunsch tritt häufig auf, besonders bei gestressten Managerinnen oder Managern. Das heiß vereinfacht: Kaum eine dominante Persönlichkeit bietet sich für sexuelle Rollenspiele an.

Die Forscher im S/M-Bereich warnen dabei vor allem vor sogenannten „Sklavenverträgen“, die seit den „Shades of Grey“ in aller Munde sind. Dabei sind solche „Verträge“ gemeint, zu denen Unterwürfige genötigt werden. Diese Verträge sind ausgesprochen gefährlich, denn,

Täter und Täterinnen können solche Arrangements ausnutzen, um ihre Missbrauchsneigungen oder - vorhaben zu legitimieren oder anderweitig dafür Unterstützung zu finden..


Viele Frauen und Männer ziehen ohnehin vor, ihre S/M-Neigungen von ihrem Alltagsleben abzugrenzen und sie an einen anderen Ort zu verlegen. Dann wird ein Wochenende eingeplant, etwa so (1):

Für mich kommt nicht infrage, meine submissiven Neigungen in einer festen Beziehung auszuleben. Mein Alltag ließe das nicht zu – werde mein sozialer Status noch meine an sich stabilen Emotionen. Aber wenn dich die Neigung spüre, wird sie immer dringlicher. Dann unterwerfe ich mich einem Herrn, dem ich vertrauen kann. Möglichst weit weg von meinem Wohnort – und ich bemühe mich, die Spuren zu verwischen, die ich dabei hinterlasse. Die Spuren auf meinem Körper? Ich gehe nicht in die Sauna, schwimmen oder an den Strand …


Dating im S/M-Bereich – ein Zwischenbefund

Im Allgemeinen sind die Bedürfnisse der „nicht-getriebenen“ Partnersuchenden nicht so groß, dass sie S/M in den Vordergrund stellen. Jedoch hört man immer wieder, dass die Freude an „leichtem S/M“ heute bereits ein Plus bei der Partnersuche ist. Es ist also durchaus möglich, das sexuelle Spektrum mit „ganz gewöhnlichen Menschen“ auf S/M-Rollenspiele zu erweitern.

Klare Ansage: Außer in Singlebörsen, die sich auf S/M spezialisiert haben, gibt es kaum Menschen, die „mit der S/M-Tür“ ins Haus fallen. Tun sie dies dennoch, so sollten die Alarmglocken läuten. Jeder, der seriös über S/M schreibt, rät zur Vorsicht – insbesondere vor „echten Sadisten/Sadistinnen) und krankhaften Narzissten/Narzisstinnen.

Aber es lohnt sich aus einem anderen Grund, sich mit den eignen Möglichkeiten und Grenzen zu beschäftigen. Denn die Vorstellung, die Lüste zu erweitern ist bekannt: Die heimliche Lust am S/M Abenteuer liegt bei Frauen zwischen etwa einem Drittel bis zu zwei Dritteln, bei Männern zwischen 20 und 60 Prozent. Das sollte jedem zu denken geben, der sich sagt: „Ich werde niemals zulassen, dass…“. Denn wie schon gesagt: In Beziehung erweitern sich die Toleranzen – und die Angst, bloßgestellt zu werden, vergeht.

Teile dieses Beitrags wurden von Zitaten aus "Vice" inspiriert. (1) Ein Zitat wurde als anonym aus einem Forum übernommen, auf das wir nicht verlinken können Das Bild wurde aus einem historischen Werk entnommen und farblich etwas korrigiert.

Was geht am Partnermarkt bei S/M-Beziehungen?

Endlich ein Paar ...
"Was geht am Partnermarkt bei S/M-Beziehungen?" ist der dritte Teil eines mehrteiligen Beitrags zum Thema.

Der Partnermarkt – ist S/M-Partnersuche überhaupt möglich?

Betrachtet man den Partnermarkt, so ein unterwürfiger Mensch, Frau oder Mann, nicht besonders „wählerisch“ sein, denn der freie Markt beziehungssuchender dominanter Frauen und Männer ist sehr begrenzt. Zumal dann, wenn es um echte, dauerhafte und verlässliche „Beziehungen“ geht. Die Formel dafür ist einfach: Solange der dominante Partner die eigenen Bedürfnisse erfüllt, kann der submissive Partner in und mit der Beziehung leben, auch wenn sie ansonsten nicht alle Bedürfnisse erfüllen sollte.

Die Wissenschaft weist uns an dieser Stelle noch auf einen Irrtum hin: Viele Partnersuchende aller Art setzen Träume, Wünsche, Ansprüche und Bedürfnisse auf eine Ebene. Der Partner kann allerdings zunächst nur die Bedürfnisse erfüllen – seine Wünsche müssen verhandelt werden.

Ist die Nachfrage nach unterwürfigen Menschen wirklich groß?

Was ist nun mit dem Nachfragedruck, der von angeblich dominanten Frauen und Männer ausgeht?

Der SM-Partnermarkt ist üblicherweise nicht ausgewogen. Das heißt, es gibt wesentlich mehr Partner, die sich unterwerfen wollen, die sich als Meister oder Herrinnen empfehlen. In der Vergangenheit hat man geglaubt, dass sich Frauen vorzugsweise unterwerfen, und Männer danach streben, Frauen zu dominieren. Doch neue Forschungen haben ergeben, dass etwa gleich viele Männer darüber fantasieren, dominiert zu werden wie auch zu dominieren. (52 zu 60 Prozent). Bei Frauen allerdings überwog noch der Traum, dominiert zu werden (65 Prozent) gegenüber der Hoffnung, zu dominieren (47 Prozent). Und damit keine Missverständnisse entstehen: diejenigen, die sich ihre Wünsche auch erfüllen, liegen prozentual deutlich darunter.

Widersprüchlicher Online-Partnermarkt für S/M-Beziehungen

Typisch für den Online-SM-Partnermarkt ist, dass man dort gerne „unter sich“ bleibt. Die meisten einsamen Wölfinnen/Wölfe mit bösen Absichten, so heißt es, werden in fargwürdigen Anzeigenforen aktiv. Typisch dafür seien männliche Einzelgänger mit fragwürdigen Absichten – insbesondere solche, die mit „Sklavenverträgen“ wedeln wie der Hund mit dem Schwanz. Entsprechende Einträge von Frauen sind seltener, aber kaum weniger gefährlich.

Offline wird meist wird vorgeschlagen: "Schau es dir einfach mal an"

Nach glaubwürdigen Schilderungen entstehen die meisten ernsthaften Begegnungen mit der SM-Szene dadurch, dass neugierige Menschen durch SM-Anhänger zu Veranstaltungen mitgenommen werden, um sich das Geschehen dort anzusehen und dann gegebenenfalls daran zu partizipieren. Dazu ein Zitat:

Kaum eine Frau fällt vor Glück gleich in Duldungsstarre, wenn man ihr erklärt, fortan ihr unbarmherziger Meister sein zu wollen … Man braucht viel Geduld, nachdem man seinem Partner von SM erzählt hat. Legen Sie ein paar Bücher bereit und drängeln Sie nicht.

Was für Frauen gilt, gilt auch für Männer: Manche Frauen versuchen, ihren Mann als „Dom“ aufzubauen, andere wieder wollen Männer voller Demut am Boden kriechen sehen – jedenfalls manchmal. Die Varianten mögen als paradox erscheinen, werden aber immer wieder geschildert.

Im vierten Teil wollen wir darüber reden, warum S/M Beziehungen in Verruf geraten können.

Die Lust in S/M-Beziehungen im Vergleich zu typischen Alltagsehen

Etwas ganz Neues probieren?
Die Lust in S/M-Beziehungen und in typischen Alltagsehen ist der zweite Teil eines mehrteiligen Beitrags zum Thema. (Zu Teil eins geht's hier).

Grenzen erweitern, wenn die Beziehung sicher und lustvoll ist

Nicht überraschend ist, dass Menschen in S/M Beziehungen sexuell experimentierfreudiger sind. Die Schamgrenzen, die sich übliche Paare auferlegen, werden in allen sexuell aufgeschlossenen Beziehungen hin und wieder gebrochen. Das geschieht immer dann, wenn beide „sexpositiv“ sind, und danach wird nicht geforscht. Es kann als selbstverständlich angesehen werden – oder man kann es anhand der aktuellen „Toys“, Dessous und Lustverstärker für Paare feststellen.
Bei den typische S/M-Beziehungen ist die Experimentierfreude allerdings durchaus messbar, weil sie sich weniger zurückhalten, wenn sie befragt werden. Die Forscher sagen dazu, dass etwa drei Viertel der als „Sklaven“ bezeichneten unterwürfigen Menschen ihre Grenzen erweitert haben, denn sie taten „Dinge, die zu Beginn der Beziehung (für sie) noch als unvorstellbar galten.“ Dem liegt zumeist der Wunsch des submissiven Partners zugrunde, von seiner „Herrin“ oder seinem „Herrn“ in ein Abenteuer geführt zu werden, dass er nicht „selbst verantworten muss“.

Vanille oder Chili? Was ist anders an "scharfen" Beziehungen

Die Bedürfnisse des unterwürfigen Mannes ...
Was ist nun der Unterschied zu sogenannten „Vanille-Beziehungen“? Es ist das besondere Gemisch aus Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen in SM-Beziehungen , sensationelle sinnliche Erfahrungen machen zu dürfen. Fragen wir uns, was Menschen von einer „gewöhnlichen“ erotischen Beziehung erwarten, so werden die meisten sagen, dass es ihnen um eine lustvolle Befriedigung der grundlegenden sexuellen Bedürfnisse geht. Dabei spielt das Vertrauen ineinander eine ebenso große Rolle wie die Verliebtheit. Ein Teil wird auch zugeben, dass er mithilfe des Partners Lüste kennengelernt hat, die er ohne ihn nicht erfahren hätten. Doch anders als bei S/M-Paaren suchen „gewöhnliche“ sexaktive Paare eher danach, welche Lüste sie dem Partner schenken könnten.

Paradox? Die Bedürfnisse des unterwürfigen Partners bestimmen die Beziehung

In der S/M Beziehung fehlt jedoch (zumeist) das Gleichgewicht, zumal, wenn die Rollen feststehen. Wegen der verbreitet einseitigen Ausrichtung sagen uns Psychologen, dass „vor allem die Bedürfnisse des unterwürfigen Partners befriedigt werden“ müssten, erst dann folgen die Bedürfnisse des Partners, der dominiert. Und daraus folgt:

Wenn die Bedürfnisse der unterwürfigen Person nicht bedient werden, kann sich die Beziehung nicht entwickeln.

Diese Meinung deckt sich mit den meisten Berichten über lockere und feste S/M-Beziehungen. Denn in aller Regel ist es der unterwürfige Partner derjenige, der „bedürftiger“ ist, und der danach lechzt, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Insofern finden wir also einen Unterschied zu „gewöhnlichen“ Paaren, die sich bemühen, sich gegenseitig möglichst viel Lust zu schenken. Das ist zwar ein hoher Anspruch, und er kann oftmals nicht eingehalten werden. Aber als Ziel formuliert, ist es das, was eine liebevolle sexuelle Beziehung ausmacht.

Im dritten Teil werfen wir einen Blick auf den Partnermarkt für Personen, die S/M praktiziere wollen.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Artikel stammen aus dem Alltag, Berichten von Paaren und zum Teil aus Informationen von Vice . Bilder: Künstlerdarstellung "Lust auf Neues", Mitte: Herkunft unbekannt, anonym.

S/M-Beziehungen - was ist Spiel, was ist ernst?

Klischee: allzeit willig dem Meister gehochend
Eine S/M Beziehung ist eine Beziehung, die zu einem großen Teil auf Ideen der BDSM-Szene beruht. Sie ist aber auch eine „ganz gewöhnliche Beziehung“, denn was in Standard-Beziehungen auftritt, gilt auch für die S/M-Beziehung. Dieser Artikel soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen, was an S/M-Beziehungen „ganz normal“ ist und was das Besondere daran ist. Zu berücksichtigen wäre dabei auch, was passiert, wenn einer der Beteiligten süchtig nach Unterwerfung ist und der jeweils andere diese Sucht für sich ausbeutet

Die Freiheit, die Beziehung zu verlassen

Ein Kriterium dafür, ob das Zusammenleben in einer sogenannten „S/M“-Beziehung ein spielerischer Lebensstil oder eine moderne Art der „Sklavenhaltung“ ist, liegt in der Freiheit, die Beziehung jederzeit verlassen zu können. Das kling recht gut, hat aber einige Tücken. Denn ob jemand eine Beziehung verlassen kann, ist natürlich von vielen Punkten abhängig. Es gibt soziale, emotionale und finanzielle Abhängigkeiten, ähnlich wie in „ganz gewöhnlichen“ Paarbeziehungen. Kaum eine feste Beziehung lässt sich ohne „Kladderadatsch“ lösen.

Weder geht die "gewöhnliche" Geliebte ohne Tränen, noch geht die scheidende Ehefrau ohne Forderungen. Bei Männern mag es anders sein- sie gehen oftmals mit hängenden Köpfen, voller Frust und Trübsinn. Das heißt also, dass auch „gewöhnliche“ Beziehungen nahezu immer nur unter Schwierigkeiten gelöst werden können - emotional, sozial und finanziell. Jeder, der dies schon einmal „hautnah“ erlebt hat, wird wissen: Eine Scheidung oder Trennung erfordert emotionale Stärke und Konsequenz – und einige Vereinbarungen, die durchaus schmerzlich sein können. Warum dies Vorgeplänkel? Wie S/M-Beziehungen zunächst einmal Beziehungen sind, nichts mehr.

Forscher wollen festgestellt haben, dass unter den „eng gebundenen SM-Paaren“ tatsächlich die Freiheit herrscht, eigenes Geld zu besitzen oder auf ein gemeinsames Konto zugreifen zu können. Befragt wurden dazu 146 Teilnehmer. Doch wie zuverlässig sind Forschungen dieser Art? Paare, in denen ein Partner bereits in absoluter Abhängigkeit lebt, werden kaum bereit sein, sich der Wissenschaft zu stellen.

Gebunden an eine Person - ohne Ketten

Klischee des unterwürfigen Mannes

Die Bindung an den einmal „gefundenen“ Partner kann viele Gründe haben – auch das wissen wir von den meisten Ehen. Das Bekannte schafft immer wieder lustvolle sexuelle Befriedigung, auch wenn diese auf Dauer nicht mehr so intensiv empfunden werden. Auch die emotionale Bindung wächst, und oftmals ist die soziale Stellung eng mit der Beziehung oder Ehe verbunden.

Allerdings gibt derjenige, der eine S/M-Beziehung aufgibt, auch einen Teil davon auf, seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Der sogenannte „Sub“, also die oder der Unterwürfige, war den Lebensstil gewohnt, und mit ihm auch die Möglichkeit, zumindest teilweise ohne Zukunftsplanung leben zu können. Zwar finden wir auch hier Parallelen zu Personen, die aus gewöhnlichen Beziehungen in die „Freiheit“ fliehen. Aber diese Menschen können sich zumindest vorstellen, eine Zukunft zu gestalten, die „ganz anderes“ ist oder in der man mit „völlig anderen Personen“ zusammenkommt.

Die Lage vom "Subs", die der Beziehung nicht entfliehen können, entspricht in etwa der Situation anderer Abhängiger: das Leben, das sie jetzt führen, mag trostlos sein, aber es ist bekannt. Das andere Leben ist gefährlich, weil sie es nicht kennen und nicht mehr wissen, wie sie mit Menschen umgehen sollten, die sich außerhalb des Milieus befinden.

Fragt man sich, warum Menschen aus S/M-Beziehungen geflohen sind, so hört man immer wieder ähnliche Berichte wie diesen, meist von Frauen verfasst:

Weil meine Partner auf meine Pflichten, meinen Job, meine anderen Kontakte keine Rücksicht nahmen.


Oder mit anderen Worten: Weil der dominante Teil des Paares sich rücksichtlos und ausbeuterisch genommen hatte, was er sich wünschte.

Soweit zur Freiheit – und was ist mit der Lust?

Wir haben dem Thema ein neues Kapitel gewidmet - hier geht's lang.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Artikel stammen aus dem Alltag, Berichten von Paaren und zum Teil aus Informationen von Vice . Bilder: (oben) Künstlerdarstellung einer "Sklavin",(unten) Buchillustration männlicher Abhängigkeit.

Seine Sklavin – ihr Sklave

Weibliche Dominanz in den 1960ern - ein Klischee
Warum wollen Menschen eigentlich erotische Sklaven werden? Wahrscheinlich bekommen jetzt einige von euch eine Gänsehaut: Sklavin? Das geht doch gar nicht!

Der "Sklave" relativiert

Nein, es geht wirklich nicht, denn die heutige „Sklavin“ wie auch der heutige „Sklave“ ist kein unbezahlter Werktätiger, sondern eher unterwürfige Dienerin oder unterwürfiger Diener eines Herrn oder einer Dame. Beide können dergleichen als „temporäres Spiel“ auffassen oder als zeitbegrenzter Bestandteil ihres Lebens. Aber auch als ständige Herausforderung der Dominanz und Unterwerfung, zum Beispiel, wenn sich die Beziehung 24/7 nennt. Was noch erwähnenswert wäre: Es gibt leider eine Grauzone, in die kein Licht mehr fällt, weil Sklavin oder Sklave in völliger Anhängigkeit gehalten werden. Dieser Bereich ist der Kriminalität verdächtig nahe. Und es gibt einen „Rotlichtbereich“, in der das Spiel mit der Domination gegen Geld angeboten wird. Das ist dann Prostitution.

Doch was ist mit den Menschen, die Lust daran gewinnen können, unterwürfig zu sein und dabei lustvoll dominiert zu werden?

Sehen wir uns die Frauen zuerst an

Einem Klischee folgend, sind Frauen von „Natur aus“ unterwürfig und lassen deswegen alles mit sich machen, auch wenn sie dabei ihre Würde verlieren. Das stimmt auf keinen Fall, soweit der Begriff „natürlich“ verwendet wird, denn die Natur kennt diese Einstellung nicht. Die weiblichen Säugetiere wählen ihre Partner so aus, dass gesunde Nachkommen entstehen - sie lassen sich also nicht passiv oder wahllos begatten. Allerdings wollen die meisten Säugetier-Weibchen sexuell begehrt werden, um diese Auswahl überhaupt zu ermöglichen. Und so ist es auch bei den Menschen. Frauen wollen also von einer genügend großen Anzahl von Männern begehrt werden, um aus ihnen zu wählen, oder gesellschaftlich-formal auch, um von ihnen erwählt zu werden.

Können wir daraus schließen, dass eine Sklavin zu sein, eine Option ist?

Offenbar nicht.

Sehen wir uns also die Männer an

Viele junge Männer müssen darum kämpfen, eine Frau zu finden, die Sex liebt. Dann müssen sie um diese Frau buhlen und sind glücklich darüber, ausgewählt zu werden. Diese Männer sind also gewohnt, einer Frau zu dienen, bevor sie Lüste genießen dürfen, die für andere Männer problemlos erreichbar sind. In dieser Weise erniedrigen sich auch, indem sie sich andienen, und manche Männer behalten diese Eigenschaft auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter bei. Trifft solch ein Mann nun auf eine Frau, die entsprechend eingestellt ist, so macht er sich sexuell von ihr abhängig. Er wird ihr willfähriger „Diener“ und überlässt ihr, wohin der Weg geht – möglicherweise nicht in jeder Hinsicht, aber erotisch in jedem Fall.

Unterwerfen und verfügbar machen

Der Gedanke, sich zu unterwerfen und verfügbar zu machen, mag bei Frauen im Laufe der Zivilisation gewachsen sein – sicher ist dies allerdings nicht. Zunächst einmal ist Unterwürfigkeit bei Säugetieren, also auch bei Primaten und Menschen, ein Überlebenstrick, der eine lange evolutionäre Tradition hat. Frauen unterwerfen sich Frauen, Männer unterwerfen sich Männern. Das heißt aber nicht, dass sich alle grundsätzlich unterwerfen. Einige gehen einfach Konflikten aus dem Weg und machen „ihr eigenes Ding“.

Die da oben – die wenigen, die führen wollen

Gehen wir einmal vom künstlich emotionalisierten und von Ideologien durchzogenen Thema „Frauen und Männer“ auf das Thema: „Führen oder geführt werden“ über. Dann erkennen wir ohne Zweifel, dass weitaus mehr Menschen „geführt“ werden und sich in irgendeiner „Abhängigkeit“ befinden als solche, die führen und völlig frei in ihren Entscheidungen sind. Die Masse strebt normalerweise weder danach, zu führen noch will sie am Ende des Mega-Rudels stehen, in dem jeder Befehl unverzüglich und präzis befolgt werden muss. Wer sich mit der Materie auskennt, weiß: Führen heißt verantworten. Und auch dies: Nur sehr wenige Menschen würden sich diese Bürde auferlegen, wenn sie nicht mit Macht, Anerkennung und sicher auch einem hohen Gehalt verbunden wäre.

Und diejenigen, die nach Führung lechzen

Auf der anderen Seite stehen jene, die möglichst wenig Verantwortung für den Teil des Lebens tragen wollen, das für sie am schwierigsten ist. Nehmen wir an, die Professorin findet keinen Partner und macht sich abhängig von einem Filou, oder der Bankdirektor findet keine sexuelle Erfüllung und wird dabei abhängig von einer dominanten Frau.

Am Ende wird sogar die Realität pornografisch

Klar – die Sache ist immer schwierig. Wer sich in erotische Abhängigkeit begibt, muss ertragen, dass der Counterpart seine Macht genießt – und das könnte man durchaus als „abartig“ bezeichnen. Zum Beispiel dann, wenn die Hausherrin ihren Diener zwingt, die eigene Spermaflüssigkeit aufzulecken. Das ist keine Szene aus einem schlechten Porno, sondern eine Szene aus dem Alltag, wie man beispielsweise in „ze.tt“ nachlesen kann.