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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Weibliche Dominanz – oder was ist „Femdom?“

Zu allen Zeiten, in allen Nationen - die erotisch dominierende Frau
Wer „Femdom“ oder weibliche Dominanz für eine Entdeckung des 21. Jahrhunderts hält, liegt falsch. Die dominante Frau lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Die „Herrschaft der Frauen“ hat dabei zwei Komponenten: Die eine baut daraus auf, dass Frauen in der Ehe die Herrschaft an sich reißen.

Die harte Tour - wenn Frauen die Macht an sich reißen

Die Motive des Mannes, dies auszuhalten, heißen bürgerlicher Anstand und nachhaltige Treue. Der Ehemann will weder die Frau verlieren noch sein Ansehen nach außen eine „harmonische“ Ehe vorgetäuscht. Im Internet und in manchen Formen taucht noch der Begriff der „FLR“ auf – der „weiblich geführten Beziehung“. Sie wird auch als „weibliche Überlegenheit“ oder „weibliche Herrschaft“ bezeichnet und gilt als Szenenausdruck.

Die Beherrschung durch Schmerz und Lust

Die erotisch gefärbten Beziehungen dieser Art kamen eindeutig häufiger unter gebildeten Frauen und Männern vor. Im Vereinigten Königreich wurde das 19. Jahrhundert gar als das „Goldene Zeitalter der Gouvernanten“ bezeichnet. Gemeint waren dabei durchaus nicht die „anständigen“ Hausangestellten, die diesen Beruf ausübten. Vielmehr waren es jene, die ihre eigenen, einschlägigen Etablissements führten oder dort anderen kräftigen Frauen die Gelegenheit gaben, die Gentleman in jeder Hinsicht zu beglücken – auch durch Ruten- und Stockschläge.

Die erste deutsche Ausgabe, 1909
Die britische Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts ist voll von Geschichten über Dominanz und Unterwerfung, und zumeist wird damit eine Art „erweitertes Rollenspiel“ verstanden. Das heißt, der junge Mann oder der Ehemann unterwirft sich aus erotischen Gründen einer herrisch veranlagten Frau. Die Klassiker heißen „Venus im Pelz“ (1870 in Deutsch erschienen), sowie „Gynecocracy“ deutsch „Die Herrschaft der Frauen“ oder „Weiberherrschaft“. (Originalausgabe von 1893). Während die „Venus im Pelz“ der Literatur zugerechnet wurde, galt die „Gynecocracy“ allerdings als Schmutzliteratur, die in vielen Ländern nicht vertrieben werden dufte.

Das auf und ab der Lüste

Nachdem die Sehnsucht der Männer, sich erotisch zu unterwerfen, kurzzeitig nachließ, setzte in den 1930er-Jahren eine Renaissance der erotisch motivierten Literatur ein. Nun wurden unterschiedliche Frauen, Damenzirkel oder Institutionen beschrieben, die sich mit Erotik, Schlägen und emotionalen Manipulationen Macht verschafften. Seither ist „Femdom“ mal angesehener und mal weniger angesehen – aber die Nachfrage ist ungebrochen.

Seither gib es ein ständiges „auf und ab“ in der emotionalen Begierde der Männer, unterworfen zu werden und in der Bereitschaft der Frauen, Männer zu unterwerfen. Was die Literatur und insbesondere die Pornografie betrifft, so werden Frauen meist dominiert. Seit den 1990er-Jahren allerdings immer weniger von Männern, sondern vielfach von Frauen. Seither zielt „weibliche Dominanz“ sowohl auf Männer wie auf Frauen ab und vor allem junge Frauen werden so dargestellt, dass sie sich gerne dem gleichen Geschlecht unterwerfen.

Mitten in der Gesellschaft: die dominante Frau

Weibliche Dominanz hat es durchaus auch „mitten hinein in die Gesellschaft“ geschafft. Das zeigt sich in Spielfilmen und Serie, wie etwa „Sherlock“ (UK) „Inspector Barnaby“ (UK) oder „Professor T“ (Deutschland).

Was dabei Fiktion und was Realität ist, spielt kaum eine Rolle. Nach wie vor ist die Faszination der strengen, strafenden Frau ungebrochen, und die Rolle beginnt inzwischen auch „bürgerliche“ Frauen zu faszinieren.

Wie diese Dominanz im Alltag (und insbesondere außerhalb der sogenannten „Szene“) aussieht, wird dabei immer mehr verschleiert. Es scheint, dass die „Gentlemen“ sich inzwischen in privaten Beziehungen schmerzlich oder unterwürfig vergnügen. Wer dabei als Lady fungiert und welches Vergnügen die Damen dabei empfinden, bleibt heute ebenso ein Rätsel wie in den Zeiten der Königin Viktoria.

Nur selten wird die Fassade transparent: zum Beispiel, wenn man sich ansieht, welche „Toys“, Bekleidungsstücke, Möbel oder Instrumente zur Züchtigung in Erotik-Geschäften über die Theke gehen.

Eine Liste von Spielfilmen/Fernsehserien zum Thema findet ihr hier (englisch)
Bild: Herkunft Japan 1950er Jahre, bearbeitet und koloriert.

Die Woche: viktorianische Lüste, Liebe über Kreuz, Unterwerfungen und Adventszeit

Die Informationen, die üblicherweise über Paarbeziehungen, Sexualität, erotische Sonderwünsche oder das Kennenlernen an sich verbreitet werden, versiegen während der neuen Corona-Well erneut. Die Autorinnen und Autoren versuchen, die alten Brötchen wieder neu aufzubacken. Diese Woche habe ich versucht, einmal ganz andere Themen zu behandeln.

Rückgriff auf die Vergangenheit – Voyeure und Voyeurinnen

Wir haben uns ein bisschen in die Vergangenheit gestürzt. Über sie wird oftmals mehr gelogen als über die Gegenwart. Also sind wir in die viktorianische und vorviktorianische Welt eingestiegen und haben mal geschaut, wer bei Liebe und Hiebe Voyeurinnen und Voyeure als „Joker“ eingesetzt hat. Sie sollten nämlich dazu dienen, um die Aufmerksamkeit zögernder Damen zu gewinnen.

Viktorianische Lüste und Grausamkeiten

An Material über die viktorianische Zeit mangelt es wirklich nicht. Allerdings als ich kürzliche eine Rezension, aus der hervorging, dass alles zwar sehr erregend, aber auch unglaublich frauenfeindlich war. The Pleasure’s all Mine?“ Nicht so ganz – aber das sollte ausführlicher betrachtet werden, denn die Erotik-Autoren der damaligen Zeit hatten lebendige Vorbilder. Die Grausamkeiten jener Zeit wurden hingenommen, solange niemand dauerhaft körperlich geschädigt wurde.

Liebe über Kreuz in jeder Richtung – die 1920er

Kreuzweise Liebe? In den 1920er-Jahren erlebte sie eine Blütezeit, und nicht nur die Herren waren dabei „treibende Kräfte“, sondern die Damen hatten einen erheblichen Anteil daran. Auslöser war eine Postkarte vom „Krampus“, die uns in die Hände fiel.

Kann man (frau) sich selbstbewusst unterwerfen?

Äußerst heikel ist das Thema, dass jeder – also Frau und Mann - die Fähigkeit besitzt, einerseits selbstbewusst zu sein und andererseits unterwürfig. Meist nicht zur gleichen Zeit – aber auch das kommt vor. Seit Frauen wie Männer sich gerne dem Vergnügen lustvoller Schläge und bewusster Erniedrigungen hingeben, muss die Frage „Who ist the Master (Mistress)?“ neu gestellt werden.

Zwei Annahmen über die Partnersuche, die Pressemüll sind

Was das Kennenlernen begrifft, so finden wir zwei völlig absurde Meinungen, die immer wieder in der Presse auftauchen. Die eine ist die „Nachhaltigkeit“, die Paare angeblich „jetzt“ suchen. Die Wahrheit ist: Diejenigen, die langfristige, liebevolle oder auf Familie ausgerichtete Beziehungen suchen, ändern sich nicht. Anders bei jenen, die kurzfristig ihre Lust befriedigen wollen: Sie werden einfach vorsichtiger, weil die Infektionsgefahr real ist.

Wendet sich die erste Theorie noch an diejenigen, die jetzt für neue Apps oder altbekannte Partneragenturen geworben werden sollen, so wendet sich die andere Schimäre an leichtgläubige Menschen, die ein neues Phänomen begeistert: KI. Ein Teil davon ist ausgesprochen wichtig und nützlich, ein anderer Teil dient dazu, uns als Konsumenten rückhaltlos zu beeinflussen. Und der letzte Teil? Der arbeitet mit Verblüffung – dem Mittel der Zauberkünstler, Kartenschläger(innen) und Glaskugelleser(innen) – nur „elektronisch“.

Allerlei merkwürdiges Volk im Advent

Eine Satire über den Weihnachtsmann darf nicht fehlen – Weihnachten ist ja öfter. Was nun den Klaus und die Claudine, der Niko und die Nicola betrifft, so ist wirklich genug geschrieben worden – meinte jedenfalls Freund Gramse. Fehlt eigentlich nur noch der Krampine und die Rupina als Magd und die schwarze Petra. Über sie hat Gramse zu wenig gefunden. Und überhaupt – manche Großmutter spielte schon den Weihnachtsmann. Warum auch nicht?

Ein Wort noch zu Illusionen: Ich schätze, dass sich heute mehr als drei Viertel der partnersuchenden Illusionen über ihre Attraktivität, ihre Aussichten und Möglichkeiten machen.

Abgesang zum dritten Advent

Na denn – einen schönen und gesunden dritten Advent allerseits. Und vergesst nicht, dass die Herzen möglicherweise über die Weihnachts- und Adventszeit eher weich werden als sonst.

Die emanzipierte Frau - machtvoll und doch unterwürfig?

Unterwerfung auch von Frau zu Frau
Wenn wir dem Mainstream der Aussagen in der Presse und anderer Medien folgen, dann können wir zwei Strömungen feststellen. Die Erste ist, dass es „gleich viel Frauen wie Männer gibt“ und deshalb alle Frauen mindestens mit der gleichen Machtfülle ausgestattet werden müssten.

Die Zweite klingt ganz anders: Demnach müssen sich Männer in ein System weiblich definierter Grundsätze fügen. Sie werden also dazu aufgefordert, sich selbst zu disziplinieren. Gelingt dies nicht vollständig so werden diejenige öffentlich abgekanzelt, die wagen, sich gegen den feministischen Herrschaftsanspruch aufzulehnen. Vorläufig gelingt die noch nicht vollständig.

Während nun aber die erste Annahme den Grundsätzen der Menschenrechte entspricht, entbehrt die zweite jeder Grundlage.

Wenn das Verhalten von der Ideologie abweicht

Wer genau hinsieht, findet in der Bevölkerung sowohl die „reine Lehre“ wie auch die Mehrdeutigkeit. Denn von der Bäckereiwarenverkäuferin bis zur Philosophieprofessorin ist der Wunsch nach einem willensstarken, durchsetzungsfähigen Partner eher die Regel als die Ausnahme. Und in den Niederungen der Sprachwelt finden wie nach wie vor das „ritterliche Verhalten“ in Form des Gentlemans wieder, der in Wahrheit einen Ernährer simuliert: „Sieh, ich lade dich zum Essen ein“.

Ich fand kürzlich den Satz eines Mannes wieder, den Frauen nie gerne hören, so emanzipiert sie auch sein mögen (1):

„Sag mal, hättest du vielleicht Lust, noch mit zu mir zu kommen ... ich meine, nicht das, was du denkst ... aber ich hätte einen guten Wein im Kühlschrank.“

Die so angesprochene erwartete von einem Mann etwas anderes: die Aufforderung, sich einzulassen. Denn sie sei eine „emanzipierte Frau, und als solche wolle sie geachtet werden - und unterworfen.“

Wen das wundert, der liest möglicherweise im nächsten Satz etwas, das viele Frauen denken, sehr unabhängig von ihrem Grad an Emanzipation:

Er muss wissen, wann ich wovon zu viel habe und wann zu wenig.

Kurz: Von Männern werden nach wie vor „klare Ansagen“ erwartet, was andererseits nun wieder nicht bedeutet, dass Frauen „willenlos“ darauf eingehen sollten. Auch Männer erwarten Willensstärke und Konsequenz von Frauen und keine „Blätter, die im Winde Flattern“.

Schon deshalb sollten sich Frauen überlegen, ob sie für alle Frauen, für alle Frauen mit feministischem Gedankengut oder ausschließlich für Frauen mit sektiererischer Ausrichtung sprechen.

Geachtet werden, Macht ausüben und Unterwerfung zulassen

Die Frage, wann eine emanzipierte Frau stark sein muss und wann sie schwach sein will, liegt allein in ihrer Verantwortung. Und sie kann durchaus geachtet werden und unterwürfig sein, wenn sie den passenden Partner (oder die passende Partnerin) dafür hat.

Wem Macht gegeben ist oder wer sie sich anmaßt, der kann sie angemessen ausüben auch missbrauchen - und genau das ist das Problem. Wer glaubt, das sei davon abhängig, ob Frau oder Mann die Macht hat, der sollte neu nachdenken.

(1) Lust an der Unterwerfung, Rastatt 1990, Kapitel über "Sabine".

Der liebe, gute, strafende Weihnachtsmann

Dieser Tage war ich auf den Spuren des unvermeidlichen älteren Herrn, der weithin als „Weihnachtsmann“ bekannt ist. Das „sozial klinisch Reine“ hat auch vor seiner Tür nicht halt gemacht. Die Rute sei, so las ich, sei ein Symbol für den Haselzweig, und der sei nun wieder ein Symbol der Fruchtbarkeit. Die Fruchtbarkeit? Im Dezember? Ei Potz, das war mir neu.

Ich will ja nicht behaupten, dass die Rute einst tatsächlich auf das entblößte Gesäß appliziert wurde, wenn die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten - jedenfalls habe ich nie etwas dergleichen beobachten können. Auch habe ich nie gesehen, dass große, böse Kinder im Jutesack des Herrn Weihnachtsmannes landeten.

Lustbringer und Vollzugsperson der Strafe

Aber genau das beginnt ja die Abstraktion. Der alte Mann aus der Wunderwelt der Mythen beschert offensichtlich nicht nur die Lust in Form von Nüssen, Mandeln, Datteln, Feigen und vielleicht noch anderen süßen Genüssen. Er ist eben auch gefürchtet in seiner Doppelrolle als Vollzugsbeamter mit der Rute in der starken Hand.

Womit wir klar in der Welt der Erwachsenen wären, die mit sinnlich-lechzenden Augen auf ein solches Instrument in der starken Hand von Nicola oder Nikolaus warten.

Der Mangel an Ruten

Nun gibt es aber einen gewissen Mangel an Ruten, vor allem an Ruten vom Haselstrauch, aber noch mehr von der Birke. Und da sehen nun auch die Nikoläuse, Ruprechte, Krampusse und (ihr ahnt es) und Weihnachtsmänner in die Röhre.

Ähem ... also es gibt da noch Nachbildungen. Die mache allerdings nicht mehr so herzlich schön „Aua“ wie früher. Sogar die Frauen und Männer, die alle „natürlichen“ Instrumente der Züchtigung leiben, schrecken vor den modernen Ruten zurück. Zwar seien sie wiederverwendbar, aber der flexible Kunststoff „beiße sich förmlich in das Fleisch“. Das klingt absolut nicht vergnüglich, nicht wahr?

Die Prozeduren von Klaus und Claudine

Also müssen sich auch der Klaus und die Claudine, der Niko und die Nicola umstellen auf andere Geräte, die weniger weihnachtlich wirken. Wie denn überhaupt auch der pelzbesetzte rote Wintermantel die Bewegungsfreiheit erheblich behindert, sodass auf ihn ohnehin bald verzichtet werden muss.

Immerhin ... der Mummenschanz erfordert einen bärtigen älteren Herrn (und immer häufiger auch eine weniger bärtige Dame), der/die über ein Sündenregister der besuchten Person verfügt. Diese versucht, sich durch den Vortrag eines völlig unsinnigen Gedichtes einzuschleimen, was aber nicht immer gelingt. Auch die dazugehörige Verbeugung (devote Herren) vor der Respektsperson oder ein entsprechender Knicks seitens der devoten Damen wird nicht belohnt. Die Weihnachtsperson m/f/d weiß um die Aufgabe, und deshalb verkündet sie nun das Register der Sünden, die zu ahnden sind.

Reue erweist sich, wie bekannt, als zwecklos. Auch das Gelöbnis, in Zukunft immer „artig“ zu sein zu wollen, wird als faules Manöver entlarvt, um doch noch dem zu entgehen, was unweigerlich folgt.

Und was folgt nun? Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack - das alles bleibt im Sack - jedenfalls dieses Jahr. So wahr ich Gramse heiße.

Der Wandel beim „Aua“ oder war da gar keiner?

Frauen übernehmen oft die dominante Rolle
Gerüchteweise verlautete jüngst, die BDSM-Szene hätte sich von dem, was einst darunter verstanden wurde, völlig entkoppelt. Heute sei „ein bisschen Aua“ oder eine andere Form der sexuellen Dominanz/Submission eine Sache für „Normalos“ und dazu las sich dann so (gekürzt).

Sex ist … eine Mischung aus verschiedenen Trieben, und auch der Aggressionstrieb spielt immer - auch bei Frauen - eine Rolle. (…) Die patriarchalische Kultur mag die Frau nicht als aggressiven Part; und die moderne Powerfrau fürchtet den Kontrollverlust, wenn sie ihrem Wunsch nach Hingabe nachkommt. Das heißt: Frauen, die aktiv sein möchten, müssen in Kauf nehmen, als zu dominant abgelehnt zu werden. Frauen, die sich gerne hingeben möchten, als schwache Weibchen, die die klassischen Rollenklischees zementieren.

Ob da nun stimmt oder nicht – vieles, was man früher als „BDSM“ oder S/M bezeichnete, ist Teil der allgemeinen Sex- und Liebeskultur geworden. Nicht mehr die Gurus der Szene, ja, nicht einmal die Redakteurinnen von Lifestyle-Magazinen beeinflussen „unser täglich Aua“, sondern die Paare finden selbst heraus, was gut für sie ist.

Ebenfalls gerüchteweise hörte ich, dass der „professionelle Bereich“ der Dominanz nicht mehr so gefragt ist. Manche Studios mussten schließen, einige verkauften ihr Interieur, andere hielten sich nur durch „Sonderangebote“ über Wasser. Das Schema war hier klar: Frau malträtierte gegen Bargeld Mann, der die Rolle des Dieners, Slaven oder dergleichen spielte.

Frauen werden dominanter, Männer unterwürfiger
Die alte Rolle nach britischer Art

Wer nach dem Wandel sucht, wird früher oder später eine gewisse Aufhebung festgelegter Rollen verspüren. Die als „Opfer“ fungierenden Fotomodelle und Schauspielerinnen waren bis in die 1980er-Jahre gut aussehende junge Frauen, die mit gespielter Scheu auf eine Abstrafung als Domestiken warteten. Die Strafenden hingegen waren meist hässliche, dickbäuchige, glatzköpfige Schmuddel-Männer. Besonders im Vereinigten Königreich war die Vorstellung, mit einer Bediensteten noch „nach Gutsherrenart“ zu verfahren, sehr beliebt.
Die neue Rolle - jung, streng, dominant

Heute finden wir in Literatur und Film mehr und mehr den scheuen, lüsternen jungen Mann, der sich einer Dame mit starkem „Schlagarm“ und erheblichen Machtgelüsten unterwirft.

Die Realität ist weiterhin ein „Buch mit sieben Siegeln“

Dazu müssen wir noch einmal zurück in die Welt der „bezahlten Dominanz“, udn ich muss nochmals zitieren:

Das Klischee, dass gerade Männer in mächtigen Positionen gerne mal zur Domina gehen, um einen Persönlichkeitsanteil auszuleben, der in ihrer Alltagswelt zu kurz kommt, gilt im Zeitalter der Emanzipation auch für die "Powerfrau". Schätzungen schwanken, gehen aber immer davon aus, dass es unter beiden Geschlechtern mehr devote und masochistische als dominante und sadistische Menschen in der SM-Szene gibt.

Ökonomie zerstört Klischees - vom Mythos der Geschlechter

Wo ökonomische Prinzipien gelten, werden Klischees zu Pappmaschee. Es geht offenbar gar nicht um „mächtige Männer und unterwürfige Frauen“. Und auch nicht um gefühllos-dominante Frauen und schmerzgeile Männer. Es geht darum, dass jene darben und lechzen, die in der Mehrheit sind, während die Minderheiten (die „Sadisten“ und „Sadistinnen“) die Wahl unter diversen devoten Bittstellern haben. Manche aus Neigung, manche gegen Bargeld.

Wandel in der Rollenverteilung

Freche Schülerin und strenger Lehrer? Das Rollenspiel „frecher Schüler und strenge Lehrerin“ ist auch nicht schlecht, nicht wahr? Und selbst die Zimmermädchen und Gesundheits- und Krankenpflegerinnen sind aus dem Schneider. Letztere zeigen den widerborstigen Patienten durchaus, wer die Macht und die Instrumente hat, Qualen zu erzeugen. Die meisten wären sehr peinlich für die Herren, wenn sie an die Öffentlichkeit kämen – soweit also zur Frage der Macht. Und wie sieht es mit gleichgeschlechtlichen Aktivitäten in diesem Bereich aus?

Die meisten Quellen sagen uns zweierlei: Erstens, dass ein verantwortungsvoller, heterosexueller „Sadist“ schwer zu finden ist. Daher wenden sich viele Frauen eher an dieselben Damen, die auch Herren traktieren -und bezahlen dafür. Und zweitens, dass gleichgeschlechtliche S/M-Beziehungen bei Frauen recht häufig auftreten - bei Männern aber nur unter „geouteten“ Homosexuellen.

Bewusstseinserweiterung oder einfach ein körpereigener Drogencocktail?

Wir wissen nicht, was wirklich „wahr“ ist. Kann der „Aua-Prozess“ ein „therapeutischer Segen“ sein, wie es in einer der Quellen heißt? Oder ist er ein Weg der Erweiterung des sexuellen Bewusstseins?

In jedem Fall ist es mehr als Sex, und mehr als „Aua“. Es ist ein Zustand, zu dem vieles zusammenkommt: Mensch A, Mensch B, eine Einstellung, eine Gelegenheit, eine Kunstfertigkeit … und die ganz besondere Erfahrung, dass ein körpereigener Drogencocktail ausgeschüttet wird, der unsere Gefühle durcheinander rüttelt.

Bitte: Wenn du mehr weißt, es anders oder besser weißt, dann schreib uns an unsere E-Mail-Adresse.
Zitate von Gigi Halder aus "Wienerin".Bilder aus dem Liebsverlag-Archiv, anonyme Autorinnen/Autoren