Skip to content
Werbung Email:

Die Überhöhung

Die Illusion ist oft mehr als die Realität hergibt - und eine Falle für Gutgläubige
Während sich die Erniedrigung offenbar erst im Erwachsenenalter zu einer sinnlichen Lust entwickelt, gilt die Überhöhung der geliebten Person als eine Untugend der Jugend. Sie beginnt mit der sinnlichen Schwärmerei, die möglicherweise in einer Glorifizierung oder Vergötterung endet.

Gelingt es dem jugendlichen und manchmal auch bereits erwachsenen Menschen nicht, diesem Zwang zu entfliehen, so gerät die Person möglicherweise in die Falle jener Frauen und Männer, die nur darauf warten, sie in die Abhängigkeit zu zwingen.

Ich tue alles für ihn ... oder für sie

Ein typischer Satz für eine gefährdete Person wäre: „Ich würde alles für sie (ihn) tun.“ Nun weiß man, dass kein vernünftiger Mensch „alles“ für einen Fremden tun würde, schon gar nicht für einen emotionalen Ausbeuter, aber die Betroffenen glauben es tatsächlich. Sie würden lügen, betrügen und stehlen und sich selbst in jeder Form erniedrigen, nur um den Personen zu gefallen, die sich selbst als „Herrinnen/Herren“ über andere verstehen.

Fragen - aber niemals konkrete Antworten über die Motive

Zumeist wird nicht ganz deutlich, welchen Vorteil oder Nutzen der Konterpart wirklich davon hat. Eine allzeit verfügbare, unproblematische Gespielin (oder einen entsprechenden Gespielen)? Eine Geldquelle, die sich anzapfen lässt, solange das Vermögen nicht aufgebraucht ist? Eine sadistische Veranlagung? Oder einfach der Wunsch, für einige schwache Persönlichkeiten tatsächlich die Herrscherin oder den Herrscher spielen zu können?

Machthunger oder Geldgier als Motiv?

Wer Antworten darauf sucht, wird sie nirgendwo finden. Ob jemand sich 24 Katzen hält oder per E-Mail 24 Männer in emotionalen Stress versetzt, immer ist es das Gefühl, wenigstens über irgendjemanden Macht ausüben zu können. Noch besser läuft es für Damen im Internet, denen es überwiegend um Geld und erst dann um die Macht über Menschen geht: elende Abzockerinnen, die sich schwache und bedürftige Männer aussuchen, die keine Chance auf Beziehungen haben. Das Prinzip ist so abartig, dass man es kaum für möglich hält: Sie versprechen nichts, sagen aber, dass es günstig wäre, ihnen Geschenke zu geben – Geld oder Sachwerte. Der Tick: Es ist nie genug, aber der „Kunde“ bekommt niemals, was er sich erhofft.

Unterwerfung per Korrespondenz

Kaum jemand weiß, warum Männer ständig wieder auf diese Masche hereinfallen. In den Vor-Internet-Zeiten waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen lüsterne, leicht sonderbar angehauchte Männer sich im Rahmen einer Korrespondenz unterwarfen.

Es handelte sich dabei um Männer, die ganz offensichtlich kaum sexuelle Kontakte zu Frauen hatten, aber deutlich machten, dass sie diese gerne hätten. Die Frauen, oftmals gebildete, schreibkundige Damen, verschickten Briefe an Männer, die sie „im Vorübergehen“ oder in einer besonderen nicht-erotischen Situation kennengelernt hatten.

Von drei eng beschriebenen handschriftlichen Seiten“ die voller „versteckter sexueller Andeutungen“ waren, berichtet ein Zeitzeuge in dem Buch "Hörigkeit" von Karin Dietel-Wichmann. (1)

Die Vorstellung, dass der Mann masturbiert, reicht mancher Frau

Die Frau manipuliert den Mann extrem – und sucht die virtuelle Rückkoppelung. Er soll ihr gehören, aber nicht physisch. Ob er antwortet oder nicht, ist ihr gleichgültig. Sie vermutet, der Mann würde über den erotischen Inhalt ihrer Briefe und in Gedanken an ihre erotische Erscheinung masturbieren. Und obgleich der Mann ihr nie zurückschreibt, hält sie ihn Woche für Woche mit ähnlichen, anonymen Briefen in Atem.

Erotisch faszinierend zu sein, aber auf keinen Fall Intimitäten zuzulassen, war lange Zeit eine Methode der „Halbjungfrauen“, die sich einladen ließen, Geschenke annahmen und kokettierten, aber streng darauf achteten, dass es niemals intime Berührungen gab, werde aktiv noch passiv. Doch sie gingen dabei das Risiko der Nähe ein – davor hüteten sich die Briefschreiberinnen ebenso, wie es heute die Abzockerinnen im Internet tun.

Reizen und nicht erfüllen - das Spiel hört nie auf

Die Methode „Anreizen und nicht erfüllen“, scheint nach wie vor eine beliebte Methode zu sein, sich zu überhöhen und als göttliches Wesen verehren zu lassen. Was nur als logisch erscheint: Göttinnen haben nun mal keinen Geschlechtsverkehr mit kriecherischen Erdenwürmern.

(1) Karin Dietel-Wichmann: Hörigkeit. Die Sehnsucht nach der Unterwerfung.
Bild: Nach einem bekannten historischen Foto.

Was ist eigentlich eine Erniedrigung?

Amor, Unterwerfung und Dominanz in einem einzigen Bild
Was ist eigentlich eine Erniedrigung und warum wünschen sich Menschen, erniedrigt zu werden? Wir wollen Antworten finden - nicht nur, aber auch für sie Sinnlichkeit, die in der Erniedrigung liegen kann.

Generell sind alle Menschen frei und gleich geboren, das heißt, sie müssten einander eigentlich immer „auf Augenhöhe“ begegnen. In der Praxis ist die nicht der Fall – die einen überhöhen sich, indem sie ihre vermeintliche oder tatsächliche Macht ausspielen, andere erniedrigen sich, um nicht verletzt oder bestraft zu werden.

Das erklärt nun aber nicht die sinnlichen Gefühle oder gar die bewusst gesuchten erotischen Komponenten der Erniedrigung.

Erniedrigung - ganz neutral

Sehen wie die Sache neutral, so finden wir, dass die Person, die erniedrigt werden möchte, einen Teil ihrer Persönlichkeitsrechte für einen begrenzten Zeitraum aufgibt. Zunächst ist es die Würde, ein Begriff aus der Ethik und der Gesetzgebung. Das heißt, die Person, die erniedrigt werden möchte, will bis zu einem gewissen Grad entwürdigt werden. Statt „entwürdigen“ kann man auch sagen, diese Person will sich beschämen oder eben „erniedrigen“ lassen oder aber sich in Scham und Schmach hineingleiten lassen, wobei im Extremfall auch Verachtung hinzukommt.

Elemente der sinnlichen Erniedrigung

Die sinnliche, erotische oder sexuelle Erniedrigung besteht darin, psychische und körperliche Übergriffe zuzulassen, die im Grunde genommen zwischen Erwachsenen Tabu sind. Eine große Rolle spielen Nacktheit, rituelle Gebote und Verbote, Bewegungshemmungen, Einschränkungen der Wahrnehmung, Manipulationen an den Genitalien sowie erniedrigende Körperstrafen. Normalerweise wird die Demütigung umso stärker erlebt, je mehr Personen anwesend sind.

Demütigend kann also bereits sein, sich vor einem Menschen nackt auszuziehen, aber diese Demütigung wird verstärkt, wenn mehrere Personen dabei zusehen dürfen, jemand also „vorgeführt“ wird.

Schuld und Sühne oder Lust am Genuss?

Wissenschaftlich ist ungeklärt, warum sich Menschen demütigenden Situationen bewusst aussetzen. Die häufigste nicht-erotische Erklärung wäre, dass Schuld und Sühne sie antreiben, wie wir dies auch bei der katholischen Beichte vorfinden. Jedenfalls versuchen sie, sich während einer begrenzten Zeit einer Autorität zu unterwerfen. Die Freudianer glauben, dass frühkindliche Erlebnisse sie antreiben, andere Vertreter der Psycho-Branche vermuten pubertäre Erfahrungen. Im Bereich der Erotik, so sagen sie, würde der gleichzeitige Genuss der Lust am anderen Geschlecht und das Verabreichen von Strafen durch dieselbe Person zu späteren sexuellen Abweichungen führen.

In der Praxis wird man zugeben müssen: Jeder Mensch ist irgendwann einmal von anderen erniedrigt worden, seien es Frauen, Männer oder Gruppen gewesen, und diese Erlebnisse bleiben teils lange im Gedächtnis haften. Sexuelle Erniedrigungen treffen keinesfalls nur Frauen, sondern auch Männer.

Will man Generelles sagen, so gilt: Die Erniedrigung kann Teil einer Läuterung (Beichten, gestraft werden und sich befreit fühlen) sein. Sie kann aber auch Teil der lustvollen Erfahrung sein, sich zu fügen und im wahrsten Sinne des Wortes „verantwortungslos“ sein zu dürfen.

Frauen und Männer - Irrtümer bei der Lust an der Erniedrigung

Es ist ein Irrtum, dass sich ausschließlich Frauen auf die eine oder andere Art demütigen lassen. Manche Männer unterwerfen sich geeigneten Frauen aus Liebe, Leidenschaft oder Bedürftigkeit. Andere suchen bewusst die sexuelle Demütigung, die wir als Fantasien in pornografischen Schriften vielfach nachlesen können, die aber in Lebensbeschreibungen fast immer ausgespart werden. Einige Männer wollen dabei höchst unkonventionell beherrscht werden, andere passen in das Klischee der SM-Kreise. Als besonders erniedrigend gilt dabei der instrumentelle Analverkehr (teils unter Zeugen) oder dies sogenannte „Feminisierung“, also die Demütigung, als Frau behandelt zu werden.

Der erotische Sadismus – kaum Tatsachen, viele Spekulationen

Klischee einer Sadistin
Ob Sporttrainerin, Tanzlehrerin oder Domina … etwas Sadismus steckt in vielen Menschen. Jedenfalls dann, wenn sie andere Menschen bis zu den Grenzen ihrer Leistungs- und Leidensfähigkeit treiben wollen.

Doch alle die Genannten haben sozusagen ein gutes Alibi: Sie dienen ja den anderen, um ihre ultimativen Grenzen zu erreichen. Sie sind sozusagen „Sadisten im Dienste der masochistischen Personen.

Die Puppen sollen nach Vertrag tanzen - das Klischee über Sadismus

Angebliche „echte“ erotische Sadisten hingegen wollen „die Puppen tanzen sehen“. Ihnen macht es Freude, Menschen zu etwas zu bewegen, was sie eben nicht tun würden, wenn sie nicht genötigt würden. Der Sadismus kann demnach darin bestehen, Menschen zu demütigen oder zu beschämen oder sie in ihrer Beweglichkeit zu hemmen (Fesseln). Sadisten können unsinnige Regelwerke vorschreiben (Kleidung, Arrest, Keuschhaltung, Mittelentzug, Zwangsfasten, Sklavenverträge) und die Körper ihrer Mitspieler beliebig sexuell nutzen. Oder sie nach Lust und Laune körperlich bestrafen. So jedenfalls die Klischees und ständig wiederholten Behauptungen aus einschlägigen und weniger einschlägigen Publikationen und Romanen. Ihr Wahrheitsgehalt ist so gut wie gar nicht recherchierbar, weil nahezu alle einschlägigen Werke zum Thema von Frauen verfasst worden sind, die Dominanz gegen Geld anbieten. Man kann nicht behaupten, sie seinen repräsentativ für "echte Sadisten".

Sadisten und Sadistinnen aus der Sicht der Psychologie

Ob sie daraus unmittelbar sexuelle Erregung gewinnen, ist nicht verbürgt. Angeblich wollen viele nur erleben, inwieweit sich Menschen knechten oder quälen lassen, ohne ernstlichen Widerstand zu leisten. Die folgenden Meinungen sind Extrakte aus psychologischen Verlautbarungen.

Allgemeiner Sadismus

Der allgemeine (nicht zwangsläufig sexuelle) Sadismus zielt nach Meinung der Psychologie darauf ab, möglichst die absolute, in jedem Fall aber die partielle Herrschaft über einen anderen Menschen zu gewinnen. Darin legt also eher ein Glücksgefühl als eine erotische Komponente.

Sexueller Sadismus

Der sexuelle Sadismus wird, wie ebenfalls von Psychologen behauptet, als erregende Begleitung zum Geschlechtsverkehr angesehen – entweder zuvor, währenddessen oder aber auch danach. Viele Paare geben immerhin an, dass leichter Sadismus im Vorfeld zu den üblichen Praktiken ihres Liebeslebens gehört. Leichte Schläge und bestimmte Handlungen führen zumeist auch dann zur Erregung, wenn der Partner nicht „schmerzgeil“ ist. Ist er es es dennoch, so werden auch härteste Schläge eingesetzt, um ihn oder sie sexuell zu berauschen.

Sexueller Sadismus ohne Befriedigung

Als eine „Sonderform“ des sexuellen Sadismus gilt psychologisch gesehen die Qual und Erniedrigung ohne darauf folgenden Geschlechtsverkehr. Man kann sich das so vorstellen: Der Sadist oder die Sadistin quält ihren Gegenspieler so lange, bis er das Maximum an aufgeilendem Schmerz oder schmervoller Geilheit erlangt hat. Der Sadist/die Sadistin befriedigt sich später nicht an ihrem Gegenspieler und lässt sich von ihm/ihr auch nicht befriedigen. Der teilnehmende Masochist wird ebenfalls nicht befriedigt, sondern „darf“ sich später selbst befriedigen. Die Frage ist, ob dies eine Sonderform ist, da Geschlechtsverkehr nicht zwangsläufig zu SM-Spielen gehört. Dazu ein Zitat (Doccheck):

Eine Sonderform des sexuellen Sadismus und nach Eric Bornemann sogar eine zusätzliche Ausprägung, stellt der perverse oder kompensationsatorische Sadismus dar.
"Der erotische Sadismus – kaum Tatsachen, viele Spekulationen " vollständig lesen

Lust und Schläge – wie hängt das zusammen?

Eher augenzwinkernd: der Gentleman entblößt sein Gesäß, um die Rute zu empfangen
Fragst du „das Internet“, welche Empfindungen die Menschen haben, die sich nach körperlicher Züchtigung sehnen, so wirst du auf betretenes Schweigen stoßen. Zwar wurden im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen Vermutungen darüber angestellt, wie sich die Züchtigung in den Jugendjahren auf das Verhalten der späteren Erwachsenen auswirke. Aber wir wissen aus keiner zuverlässigen Quelle, wie die Betroffenen selbst ihre Züchtigungen empfanden – und warum sie sich manche von ihnen in späteren Jahren danach sehnten, die Erfahrung erneut zu machen.

Die hilflosen Erklärer - Psychiater und Psychologen

Sowohl die Psychiatrie wie auch die Psychologie haben Denkansätze zum Thema, sie sind aber nicht sonderlich schlüssig. Etwas reißerisch schildert zum Beispiel der forensische Psychiater Krafft-Ebing, wie viele Menschen der Geschichte (und hier insbesondere Frauen) aus der Züchtigung Wollust empfingen.

Der im 19. Jahrhundert lebende Schriftsteller Otto von Corvin befasste sich intensiver mit den Geißlern und schrieb:

Elisabeth von Genton gerieth durch das Geißeln förmlich in bacchantische Wuth, was aber die Pfaffen heilige Verzückung nannten. Am meisten raste sie, wenn sie, durch ungewöhnliche Geißelung aufgeregt, mit Gott vereinigt zu sein glaubte, den sie sich als einen schönen nackten Mann und im beständigen Bräutigamstaumel mit seiner irdischen Geliebten dachte.


Geißler(innnen) lustvoll und Masochisten erbarmungswürdig?

Die Geißler sind die Einzigen, die sich zu ihren Handlungen bekannten, die zunächst als gottgefällige Buße galt. Doch schon sie erkannten, dass die Lust am geschlagen werden (passive Flagellation) offenbar eine Abweichung von normativen Verhalten war, und Krafft-Ebing meint selbstherrlich:

Der Geist der Unreinigkeit blies ihr (Elisabeth von Genton) die wollüstigsten und üppigsten Fantasien ein, sodass sie mehrmals nahe dran war, ihre Keuschheit zu verlieren.


Wenn einige der Geißler solche Gelüste hatten, müssten sie dann nicht schlechthin zum Menschsein gehören? Wenn der bereits zitierte Krafft-Ebing allerdings von seiner offenkundigen Faszination für historische Flagellantinnen wieder in sein Arbeitsgebiet abtaucht, sieht er die Flagellation plötzlich anderes: Nun stehen Männer im Mittelpunkt, die er nach dem von ihm gefundenen Begriff „Masochisten“ nennt. Uns sie handeln nicht aus Wollust, sondern:

(Für sie ist …) die Unterwerfung unter das Weib die Hauptsache, die Misshandlung nur ein Ausdrucksmittel für dieses Verhältnis und zwar eins der stärksten.


Träfe dies nicht zu, so Krafft-Ebing, dann suche der Mann nur eine „mechanisch vermittelte Reizung seines spinalen Zentrums.“

Diese Erklärung ist fragwürdig und widerspricht zudem den vorigen Behauptungen.

Schriftsteller suchen die Ursachen gerne in der Pubertät

Auslöser Pubertät?
Unsere Schriftsteller neigen dazu, eine andere Erklärung für die Lust an Schlägen zu geben – sie erfinden dazu Szenen, die sich während der Pubertät abgespielt haben. Zum Beispiel, indem der pubertierende Jüngling von einer schönen und sexuell ansprechenden Gouvernante auf das nackte Gesäß geschlagen wird und er dadurch eine Erektion bekommt. Entsprechende Handlungen sollen unter anderem dazu geführt haben, dass junge Männer (manchmal auch eine junge Frau) danach zu masturbieren begonnen hat – auf diese Weise, so wird behauptet, sei dann die Lust an den Schlägen entstanden.

Gibt es eine allgemeine Lust auf erotische Züchtigungen?

Das erträumte Szenario
Das mag in einzelnen Fällen zutreffen – sehr glaubwürdig ist aber auch dies nicht. Wir wissen nun ziemlich sicher, dass ein beachtlicher Anteil der Männer (29 Prozent) und ein ausgesprochen starker Anteil der Frauen (38 Prozent) davon träumt, erotisch gezüchtigt zu werden.

Warum die meisten davon nicht „zur Ausführung schreiten“ hat viele Gründe: Scham, Angst vor der Realität – und zumeist auch, einfach niemals mit einer Person in Berührung gekommen zu sein, die bereits Praxis in derartigen Verhaltensweisen hat.

Schmerzlust und schmerzliche Wollust überwiegen

Stellt man nun emotionslos und nach logischen Gesichtspunkten eine Reihe von Gründen auf, die zum Wunsch nach Züchtigung führen, so kann mit einigem Recht behauptet werden, dass die Lust nach wie vor die größte Rolle spielt.

1. Um die erotische Lust intensiver zu empfinden.
2. Als Vergeltung für Sünden, Fehlverhalten und dergleichen, die eigentlich niemals mehr gesühnt werden.
3. Um dem Partner zu beweisen, „wie viel man aushält“
4. Um den aufgespeicherten psychischen Schmerz eine andere Ausdrucksform zu geben (zum Beispiel das Hinausschreien).
5. Um einen Grund zu haben, sich „in Tränen aufzulösen“.

Unterwerfungsfantasien kontra Züchtigungsfantasien

Die Lust daran, dominiert zu werden (körperlich, physisch oder sexuell) und dabei Schläge zu empfangen, liegt bei submissiven weiblichen wie auch männlichen Träumern bei etwa 55 Prozent, wobei diese Zahlen rechnerisch ermittelt wurden und deshalb nicht völlig zuverlässig ist.

Trotz all dieser Forschungen, Zahlen oder Fakten haben wir alle keine Ahnung, was wirklich in jenen vorgeht, die sich „übers Knie legen“ lassen, um von einer sanften, aber kraftvollen Hand gezüchtigt zu werden. Und wir wissen auch nichts über jene, die sich auf Prügelböcken schnallen lassen und dabei bis zur psychischen Erschöpfung leiden und lüsten.

Es mögen wenige sein - doch wenn die Fantasie ein starkes Drittel der Frauen und ein ebenso starkes Viertel der Männer befällt, dann sollten wir diese Menschen nicht verachten, sondern ihre Lüste als das nehmen, was sie sind: menschliche Regungen, die wir nicht verstehen, aber akzeptieren müssen.

Bild oben: Grafik, genaue Herkunft unbekannt, "The Cully Flaug'd", 17. Jahrhundert.
Bild Mitte: Nach einer Buchillustration
Bild unten: Traumsequenz, Quelle unbekannt..

Welchen Preis zahlst du für die Liebe?

Das den Annehmer bewegende Gefühl ist der Schmerz. Die Erfahrung des Schmerzes als Preis für die Liebe, der er erhält, ist ihm vertraut. Er kann damit leben.

Daniel Casriel

Emotionen ausgelaugt ... keine gute Lösung
Liebe ist keine beliebig verfügbare Ressource. Das heißt: Es gibt nicht genügend Menschen, die Liebe im Überfluss verschenken können oder wollen. Hingegen gibt es einen riesigen Bedarf an Liebe, der vom Angebot nicht gedeckt werden kann.

Wie gehen die Menschen mit der Ressource „Liebe“ um?

Ganz grob können wir Menschen in zwei Kategorien enteilen:

Ablehner

Die Einen haben eine lange Zeit (mindestens in der Kindheit) Liebe erfahren, ohne etwas dafür tun zu müssen. Sie sind überrascht, wenn für die Liebe später ein Preis aufgerufen wird, und besinnen sich dann oft darauf, sich selbst lieben zu können, wenn es an der Liebe anderer mangelt.

Annehmer

Die Anderen mussten schon bald etwas leisten, um geliebt zu werden. Sie lernten: Liebe hat einen Preis, und es kann schmerzlich sein, ihn zu entrichten. Weigere ich mich aber, ihn zu bezahlen, geht es mir schlecht. Idealerweise müsste ich nun ökonomisch denken: für möglichst wenig Schmerz viel Liebe einzuhandeln.

Der zitierte Daniel Casriel nennt die eine Gruppe die „Ablehner“ die andere die „Annehmer“. Ein extremer „Ablehner“ wäre bereit, auf die Liebe anderer zu verzichten, um sich selbst und seien Ideen zu verwirklichen, gleich, ob man ihn dafür liebt oder nicht. Hingegen würde ein extremer „Annehmer“ jeden Verlust, jeden Schmerz und jede Erniedrigung hinnehmen, um auch nur ein wenig Liebe zu erhalten.

Die meisten Menschen liegen mit ihren Gefühlen nicht an den Extremen, sondern irgendwo im Mittelfeld, das heißt, sie kennen den Preis, den sie für die Liebe zu zahlen bereit sind, und sie können „damit gut leben“.

Liebe, was ist dein Preis?

Der übliche Preis für die Liebe ist der Verlust der völligen Freiheit, also „zu fühlen, zu denken und zu handeln, wie man selber will“. Typisch für die Ausgangslage wäre die Aussagen eines „ablehnenden“ Singles: „Ich kann tun was ich will, reisen, wohin ich will und schlafen, mit wem ich will.“ Bindet sich dieser Single, so sind diese Freiheiten erheblichen Einschränkungen unterworfen. Der „Annehmende Single“ würde sagen: „Ich verzichte gerne auf meine Freiheiten und tauschen dafür Liebe, Geborgenheit und Sinnhaftigkeit.“

Wenn der Preis für die Liebe zu hoch wird

Das alles wäre akzeptabel, wenn die Annehmer nicht mit gefühlssaugenden menschlichen Vampiren rechnen müssten. Jene wissen, dass manche liebebedürftige Menschen sozusagen „jeden Preis“ zahlen, sogar den, sich selbst emotional zu zu zerstören. Ob man solche Menschen, wie Casriel vorgibt, als „neurotisch“ oder „charaktergestört“ bezeichnen kann, ist eine Frage, die Psychiater und Psychologen unter sich klären sollten. Der Mensch, der liebt, kennt seine Bedürfnisse und Entbehrungen, seine Triebe, Lüste und Tränen, aber er handelt auf keinen Fall vernünftig. Der Preis für die Liebe ist zumeist dann zu hoch, wenn die eigene Selbstachtung dauerhaft verloren geht, die finanziellen Ressourcen aufgebraucht sind, der Körper nachhaltig geschädigt wird oder die sozialen Grundlagen wegbröckeln.

Geld, Emotionswährung und „Niedergang“ als Preis

Geld und Gut als Tauschmittel für die Liebe sind nicht gerne gesehen, was nicht heißt, dass es dennoch recht viele Menschen gibt, die sich auf solche „Deals“ einlassen. Zwar wird hier nur die Illusion der Liebe „verkauft“, aber sie wird in längeren Beziehungen oft so perfekt gespielt, dass wenigstens der „Käufer“ meint, echte Liebe zu erhalten.

Weniger verpönt ist die Liebe gegen Emotionswährung. Dabei versucht der Partner, Liebe zu geben und damit sein „psychisches Einkommen“, also seine emotionale Zufriedenheit, zu steigern. Erwünscht ist, einen Mehrwert zu erzielen: „Ich gebe Liebe – davon habe ich reichlich. Ich tausche dafür Glück und Zufriedenheit, davon habe ich nicht genug.“ Der Mehrwert kann auch in Macht, Einfluss oder einer besseren sozialen Stellung bestehen.

Die wirklichen Gefahren und dreckigen Methoden

Obgleich beide Methoden als „unethisch“ gelten mögen, sind sie immer noch gefahrloser als „Liebe gegen Seelenausverkauf“. Bei dieser Variante erlaubt die/der Liebessehnsüchtige, dass ihre/seine Emotionen bis zur Neige, möglicherweise gar bis zum Wahnsinn erschöpft werden. Abgemildert könnet man sagen: Dabei wird der letzte Cent an Emotionswährung verschenkt, ohne einen einzigen Penny an Glück zu gewinnen.

Was bedeutet Sadismus und Masochismus in diesem Fall?

Ablehner sind keine typischen Sadisten – sie haben es nicht nötig, denn sie genügen sich selbst. Und obwohl „Annehmer“ keine „geborenen“ Masochisten sind, können sie offenbar leicht in solche verwandelt werden. Die Gefahr geht davon aus, durch die Liebe, die ja bereits eine Abhängigkeit ist, in weitere Abhängigkeiten hineingetrieben zu werden. Geschieht dies mithilfe der bekannten „Salamitaktik“, so können die Betroffenen am Ende nicht einmal mehr feststellen, wann die „totale Unterwerfung“ stattfand. Der fließende Übergang ermöglicht dem böswilligen Partner, den Annehmer emotional auszubluten.

Das Fazit - der Preis der Liebe

Liebe hat einen Preis, aber kein Etikett, von dem er ablesbar ist. Er wird normalerweise in der Aufgabe gewisser Freiheiten bezahlt. Je größer das Liebesbedürfnis ist, und umso schwerer es erfüllbar ist, umso mehr steigt der Preis.

Seit einigen Jahren ist üblich, das „psychische Einkommen“ mithilfe von Liebe aufzubessern. Dabei wird versucht, Liebe (alternativ auch puren Sex) als Tauschmittel gegen Glück einzusetzen. Den Preis legt jeder selbst fest – wichtig ist nur, dass ein fühlbarer Gewinn erzielt wird. Das jedenfalls behauptet der Ökonom und Historiker Gérard A. Böcklemann.

Wer mit einem beinahe erschöpften „psychischen Einkommen“ dennoch versucht, den Preis der Liebe zu bezahlen, macht psychische (gelegentlich auch soziale, finanzielle oder körperliche) Schulden, die das Ende der glücklichen Existenz einläuten können.

Anmerkung: Daniel Casriel ist wegen einer seiner Methoden umstritten, trifft aber mit dem Zitat dem Nagel durchaus auf den Kopf. Gérard A. Böcklemann hat versucht, den Preis der Liebe näher zu definieren, und zwar ins seinem Buch „Ökonomie der Sexualität“.