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Wer nicht hören will, muss fühlen - Strafe und Erniedrigung in der Erotik?

Erotische Fantasien über strafende Frauen gab es schon immer
Wer nicht hören will, muss fühlen - warum Strafe und Erniedrigung in der Erotik unter Erwachsenen lustvoll sein könne, und warum die Lust daran nicht unbedingt eine Folge der Strafen und Erniedrigungen in der Jugend ist. Ein Essay.

Wenn Sie im Internet nachlesen, von wem die Aussage „Wer nicht hören will, muss fühlen“ stammt, dann werden Sie früher oder später auf einen gewissen, Johann Jakob Heinrich Bücking stoßen. Jener hatte als Sprichwort Nr. 341 den Satz veröffentlicht „Wer nicht hören will, muss fühlen“. Es ist nicht sicher, ob der Satz im Ursprung so gemeint war, dass diejenigen, die nicht „gehorchen“ wollten, mit einer Körperstrafe rechnen mussten, oder ob an andere Konsequenzen des „nicht Erhörens“ gedacht war.

In jedem Fall geht es um die Konsequenz, die sich aus dem „nicht gehorchen“ oder dem „Ungehorsam“ ergibt. In all diesen Wörtern steckt der Begriff „nicht hören“ und gemeint ist stets, nicht auf denjenigen zu hören, der die Macht hat.

Gehorsam - ein Spiel mit der Macht

Sie werden sofort bemerken, dass es beim „Gehorsam“ oder dem „Gehorchen“ nicht darum geht, was rechtens ist, sondern ausschließlich darum, wem die Macht gegen ist, die Weigerung als „Ungehorsam“ anzusehen. Sehen wir uns nun die Erotik an, so ist sie immer wieder ein Spiel mit der Unterwerfung unter die Macht eines Menschen, der die Lust einfordert. Und bevor Sie empört sind: Die machtvolle Forderung kann von einer charmanten Verführerin oder einem zynischen Sadisten ausgehen. Entscheidend ist, wer die Macht über die Situation annimmt oder aufgibt – darin besteht das Spiel.

Strafen bei "Ungehorsam" gegenüber dem Partner

Was „Gehorsam“ ist, und wann „Ungehorsam“ eine Strafe nach sich zieht, liegt alleine in den ungeschriebenen Gesetzen, die sich Paare geben. Manche Paare bestrafen einander tatsächlich durch Missachtung und Frauen beherrschte Männer auch schon in bürgerlichen Zeiten, indem sie den Geschlechtsverkehr verweigerten. Heute sind emotionale Strafen und alle Arten von zwar sanftem, aber fühlbarem psychischen Terror Bestandteil vieler Beziehungen. Diese verborgenen Hiebe in die Psyche werden allerdings kaum als solche wahrgenommen - und sie sind alles andere als lustvoll.

Das Spiel mit der Macht im Ehealltag - damals


Maulen und Murren im Ehealltag - eine übliche Strafe?

Nein – die Realität ist viel zu gemein, und die „Erziehung“ durch Maulen, Murren, Beschimpfungen oder Beschämungen viel zu widerwärtig, als dass ich darüber schreiben möchte.

Wer wirklich sinnliche Strafen liebt – sei es, dass sie ausgeteilt oder empfangen werden, weiß, dass er oder sie ein Spiel mit dem anderen eingeht. Und je sinnlicher das Spiel ist, umso erregender ist es.

Erinnerungen an Erniedrigungen und Strafen

Eckenstehen als Teil der Strafe
Merkwürdigerweise erinnern sich fast alle Menschen an irgendwelche Erniedrigungen oder Strafen, denen sie ausgesetzt waren. Und gleich, ob es psychische Strafen (Ausschimpfen, Wünsche ignorieren), Freiheitsberaubungen (Hausarrest, Nachsitzen) oder Körperstrafen (Klapse, Schläge) waren – alle können durch erotische Spiele wiederbelebt werden.

Es ist nicht beweisbar, aber sehr wahrscheinlich, dass Strafen, die Bloßstellung, körperliche Entblößungen oder Züchtigungen enthielten, in der Pubertät anders erlebt wurden als zuvor. Und in diesem Alter ist auch interessant, wie die Strafen empfunden wurden, wenn sie vom anderen Geschlecht vollzogen wurden, in diesem Fall auch von Gleichaltrigen. Man kann erwarten, dass sowohl die Beschämung wie auch die mögliche Lust an der Strafe gewisse Folgen für das spätere Verhalten von sogenannten „Masochisten“ hat.

Unabhängig davon gibt es aber die Lust an der Unterwerfung unter das andere Geschlecht, die nicht zwangsläufig von Kindheitserlebnissen oder pubertären Verwirrungen abhängig ist.

Einsicht in dier Bestrafungen - nein, sie säten Hass

Was muss denn eigentlich jemand fühlen, der nicht hören will? Worin besteht die Strafe, und warum ist sie so erregend?

Zunächst einmal ist es nicht die Körperstrafe, die im Mittelpunkt der lustvollen Spiele steht, die Paare ganz bewusst eingehen. Denn im Bereich des Bürgertums, aus dem die Praxis raffinierter und höchst entehrender Bestrafungen entstanden ist, wird die reine Körperstrafe von mehreren Erniedrigungen begleitet:

1. Dem Zwang nach Einsicht, dass die Strafe tatsächlich verdient verdient und gerecht ist.
2. Dem Verlangen, die Strafe nackt oder in beschämenden Positionen zu empfangen.
3. Der Forderung, die Strafe „in Würde“ zu ertragen und keine Gegenrede zu haben.
4. Dem Anspruch, echte Reue damit zu erzielen, zum Beispiel durch Demut oder Tränen.
5. Dem Wunsch nach Nachdrücklichkeit, als beispielsweise, noch „in der Ecke zu stehen und sich zu schämen“ oder einige Tage „nicht mehr sitzen zu können“.

Wir wissen natürlich, dass alle diese Forderungen ungehörig sind und von den Bestraften niemals wirklich verinnerlicht werden. Strafen für Verhaltensmängel in der Jugend werden als Unterwerfung unter die Macht der Erzieher empfunden, und nicht als gerecht. Wer seine „Erziehungsfläche“ nackt präsentieren musste, hasste und verachtet seine Peiniger, und von „Würde“ konnte gar nicht die Rede sein – die Peiniger wurden gehasst, jedenfalls ind em Moment, in dem sie straften. Und es war nicht Demut, sondern Zorn, der die Tränen erzeugte.

Warum Erwachsene lustvoll mit Macht und Ohnmacht umgehen können

Wenn all dies aber so beschämend war, warum um alles in der Welt lieben Erwachsene denn nun die Lust an der spielerischen Unterwerfung unter die Macht?

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Im Grunde ist die Frage einfach zu beantworten: Weil kein junger Mensch sich gegen die Macht erzieherischer Arroganz wehren konnte – und weil es ihm ebenfalls nicht gelingen konnte, daraus einen Lustgewinn herzuleiten. Erst der spielerisch veranlagte Erwachsene ist in der Lage, Machtspiele mit erotischer Intensität auszuführen und dabei die Gefühle zu genießen. Die Frage „was passiert eigentlich in diesem Moment mit mir, und wie erlebe ich das?“ kann sich der junge Mensch noch nicht stellen, und selbst bis in einem frühen Erwachsenenalter (etwa um die 25) fällt ihm dies noch schwer. Diese Art des bewussten Empfindens ist aber nötig, um Erniedrigungen und Körperstrafen als erotisch zu erleben. Und nicht zuletzt: Erwachsene spielen alle möglichen anderen erotischen Spiele miteinander, vom heftigen Flirt bis zur spielerischen Verweigerung. Es wäre einfältig zu glauben, dass sich Erwachsen Grenzen setzen müssen, wenn es um Demut und Züchtigung geht.

Jede ungewöhnliche Einwirkung auf Körper, Geist und Psyche kann als erniedrigend und als erhebend empfunden werden – sie ist aber immer überraschend. Und sollten Sie also Gefühle haben, die sie erregen, wenn Sie an Strafen und Erniedrigungen denken, dann sind Sie – ein ganz normaler Mensch, der sich auch an seinen Schwächen erfreuen kann. Warum denn eigentlich nicht?

Unterwürfig sein als Spiel – wie geht das?

Vorbild Wanda: Nicht Sacher-Masochs Fehler wiederholen - das Spiel bleibt ein Spiel
Niemand sollte in einer Beziehung unterwürfig sein. Wer davon träumt, es dennoch zu tun, sollte tief in sich gehen und sich die Konsequenzen drastisch von Augen führen. Echte Unterwürfigkeit ist der erste Schritt zur Selbstaufgabe, und wenn wir einmal so weit sind, haben wir aufgehört, selbstbestimmt zu leben. Manche Männer und sogar einige Frauen versuchen, andere davon zu überzeugen, dass wir für sie echt unterwürfig sein müssten, sonst würden sie uns die Gunst entziehen. Das ist Erpressung. Wieder andere versuchen sogar, eine Art Gehirnwäsche an ihren labilen Opfern zu vollziehen. Sie verdienen nichts als unsere Verachtung.

Spiele, die Erwachsene spielen

Spielen bedeutet für Erwachsene, sich in eine Situation zu begeben, aus der sie mit Sicherheit wieder herauskommen. Und das geht nur, wenn wir Vertrauen in den Mitspieler haben, ihn also möglichst schon lange kennen. Dann können wir spielen, was wir wollen. Wahrscheinlich werden es keine Doktor- oder Indianerspiele mehr sein, aber die Elemente sind durchaus vorhanden. Wir werden dem anderen weitaus näher treten, als dies üblich ist (selbst unter Liebenden), ihn in unüblicher Weise zu behandeln und ihn psychisch wir auch körperlich für die Dauer des Spiels bis an seine Grenzen herausfordern.

Was passiert dabei konkret?

Wir beginnen mit dem Mentalen (dem Gefühlsmäßigen) :

Beschimpfen

Die Gefühle des Partners bewusst verletzen, ihn beispielsweise beschimpfen oder erniedrigen. Dies kann mit physischen Aktionen verbunden werden, es ist aber nicht zwingend notwendig.

Beschämen

Nacktheit kann eine wesentliche Rolle spielen. weil nur der unterwürfige Partner nackt sein wird – Herrin oder Herr bleiben vollständig angezogen. Der Unterwürfige verliert dadurch – und durch weitere Maßnahmen den Schutz seiner Intimität. Er wird beispielsweise auch liegen, während die „Herrschaft“ steht oder sitzt. Ebenso kann das Spiel darin bestehen, dass der Unterwürfige er etwas tun oder sagen muss, was ihm außerhalb der Rolle unangenehm ist.

Als unmündig behandeln

Das Füttern mit Nahrungsmittel und jede andere Handlung, die den Partner in die Kindheit zurückversetzt.

Feminisieren oder Verachtung der Geschlechtlichkeit

Die Behandlung als Angehörigen des anderen Geschlechts (besonders bei Männern) oder die Abwertung geschlechtlicher Attribute (Brüste, Schamlippen, Penis).

Spiele mit der Furcht

Nun Physisch (körperbezogen):

Bewegungshemmer, Entzug einzelner Sinne

Üblich sind bei leichten Rollenspielen Fesslungen (Bewegungshemmer) und die Behinderung einzelner Sinne, beispielsweise durch Augenmasken.

Spiele mit dem Schmerz

Dies ist ein Klassiker. In der Tat glauben viele Menschen fälschlich, „Peitsche und Rohrstock“ seien die Grundzüge unterwürfiger Rollenspiele. Sie sind aber eher eine Ergänzung zum Spiel mit den Gefühlen, und sie werden auch meist so eingesetzt. Häufiger sind unter Liebenden allerdings Handschläge oder das Wechselbad zwischen „Küssen und Schlägen“. Außerdem gehört dazu das Spiel mit Kälte und Hitze (Eis, Wachs).

Intensive Spiele mit mehreren Komponenten

Bei sehr geübten Spielern kommen Fesselungen, emotionale Beschämungen und Schläge zusammen. Wichtig ist dabei, dass die Spieler ihre Rolle kennen, und dass die Spielsituation eine konkreten Anfang und ein sicheres Ende hat. Um das Ende sicher und einvernehmlich zu gestalten, solltet ihr unbedingt ein Sicherheitswort vereinbart. Und: Bei vielen dieser Spiele geht es nicht um Sex, sondern allein darum, die eigenen Grenzen kennenzulernen und die Lust an der Unterwerfung zu genießen.

War es das, was ihr wissen wolltet? Es ist nur ein winziger Überblick, aber wir haben ihn aus verlässlichen Quellen, die Wert auf den freien Willen zur erotischen Unterwerfung und auf Sicherheit legen.

Deshalb die Warnung: Lasst euch nie von Zufallsbekanntschaften überreden! Spiel nie, wenn ihr psychisch angeschlagen oder betrunken seid. Und wenn ihr als Ehepaar spielt: Gebt dem Ganzen einen Rahmen, der sich deutlich von eurem Alltag unterscheidet.

Die erotische Rute – ein Star der Literatur

Man muss nicht weit schauen, um auf jene Werke zu stoßen, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Rute in den Mittelpunkt der erotischen Literatur stellten. Besonders beliebt waren (und sind) Ausgaben, die sinnliche Illustrationen enthalten, und die eines verdeutliche: Zumeist handelte es sich um weibliche Bedienstete, die dort die Rute empfingen.

Nun könnte man zu der Meinung kommen, in einer von Männern dominierten Welt sei es immer der Mann, der die Knute schwang, und immer die Frau, die sich dem unterwarf.

Aber das ist reichlich einseitig gedacht. Denn die Rute befand sich sowohl in der Hand der Damen, wie sie denn auch auf deren Hinterteile angewendet wurde. Soweit die Unterwerfung und Züchtigung von jungen Männern gezeigt wurde, kamen Rohrstöcke und Peitschen zur Anwendung, doch die Damen verwendeten die Rute – vor allem, wenn sie „unter sich“ waren.

Lenchen in einer illustrierten Ausgabe - eher eine der "harmloseren" Darstellungen.
Das berühmteste Werk der erotischen Literatur dieser Art ist zweifellos die in Episoden aufgeteilte Geschichte der „Freuden der Rute“, in dem Damen der Gesellschaft ihre Dienstmägde vor den Augen anderer Damen züchtigen. Im berühmte „Matée a le fouet" spielt die Rute – neben anderen Züchtigungsinstrumenten – eine wichtige Rolle, und ähnlich ist es in „Lenchen im Zuchthause“ , englisch "Nell in Bridewell"oder in „Les Malheurs de Colette“. Dabei wird immer wieder die Erotik einer dominanten Frau im Gegensatz zu einer unterwürfigen Frau verwendet, wenngleich in all diesen Schilderungen auch Männer zur Rute greifen.

Süßliches in der Ruten-Erotik
Eine Theorie besagt, dass die Literatur jener Zeit gar nicht so sehr auf lüsterne Männer abzielte, sondern dass ein Großteil der Leserschaft aus vornehmen Damen bestand, die ihre erotischen Sehnsüchte mit dieser Art von Literatur stillten. Da sich die Szenen teils auch als verdeckte gleichgeschlechtliche Bedürfnisse auslegen ließen, darf vermutet werden, dass die Damen der damaligen Zeit durchaus Genuss beim Lesen empfanden. Sinnlich-süßlich geht es später zu, beispielsweise in "Le Penisonnat de Madame Cerval". Die Jünglinge, die ebenfalls an derartiger Literatur interessiert waren, fanden ihre Bedürfnisse eher bei der „Weiberherrschaft“ ("Gynecocracy") oder bei Motorgeuls „Dressage“ befriedigt, in denen es eine Spur härter zuging und in denen verdeckt geschilderte Gleichgeschlechtlichkeit ebenfalls eine namhafte Rolle spielte.

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Das Sinnliche an der Rute verschwand mit der Rute selbst. Die Dominatrix wurde immer häufiger als peitschenschwingende Furie dargestellt, der Mann, der unter ihr lüstern litt, als elendiglicher Wurm. Die umgekehrte Darstellung, also der Mann als Zuchtmeister und die Frau als Gezüchtigte, war lange Zeit nicht mehr im Angebot dessen, was in Buchhandlungen zu finden war. Erst als die „50 Shades of Grey“ Furore machten, änderte sich dies. Zwar mochte die Schilderung miserabel sein – aber offenbar gab es die Erregung durch den Gedanken an lustvolle Schläge immer noch.

Es mag Gründe dafür geben, dass diese Lust am sehnsüchtigen Lesen auch weiterhin anhält. Nur eben ohne Ruten.

Warum wollen manche Menschen rauen Sex?

Oft erwünscht: Ekstase satt Romantik
Überrascht über die Frage? Gilt nicht als sicher, dass nur Männer rauen Sex wollen und Frauen romantischen Sex? Oder ist dies möglicherweise ein Vorurteil?

Aber bevor wir diese Frage beleuchten: Was ist überhaupt „rauer Sex“?

Was ist rauer Sex?

Rauer Sex bedeutet, wie jeder andere Sex auch, die Lust daran, die Sexualität auszuleben, nur eben nicht sanft und romantisch, sondern hart und ekstatisch. Üblicherweise braucht man/frau dazu Menschen mit durchtrainierten Körpern. Bei Männern zählt zudem Ausdauer, bei Frauen „Naturgeilheit“. Sind Drogen oder Alkohol im Spiel, oder ist sich einer der Partner nicht wirklich klar, was geschieht, dann ist es kein Spiel mehr, auch wenn zuvor Bereitschaft signalisiert wurde. Nicht immer, aber oftmals, enthält „rauer Sex“ Elemente von „bis an die Grenzen zu gehen“, die etwas sportlichen Herausforderungen entsprechen. Eine Privatstudie will herausgefunden haben, dass nahezu 30 Prozent der Befragten gerne „rauen Sex“ praktizieren würden, aber es offenbar bleiben lassen.

Der Hauptgrund, ihn nicht zu praktizieren: Scham gegenüber dem eigenen Partner. Man spricht nicht über Wünsche und Grenzen – wer aber rauen Sex will, muss es tun.

Sex bis an die Grenzen

Jeder Mensch hat ander Grenzen. „Sex bis an die Grenzen“ ist also individuell unterschiedlich, und vor allem unterscheiden sich die Gefühle, die „außer Lust“ noch eine Rolle spielen. Das kann psychischer oder physischer Schmerz sein oder auch die Freude daran, vorgeblich „ausgeliefert“ zu sein oder eine andere Rolle zu spielen, die sonst nicht als „Teil der Persönlichkeit“ infrage kommt.


Spiel bis an die Grenzen

Kaum jemand sagt über seine wirklichen sexuellen Abgründe die Wahrheit. Im Spiel wäre eigentlich alles möglich – und darunter sicherlich einige Praktiken, die sich Kolleginnen nicht einmal auf der Firmentoilette erzählen. Und Kollegen schon gar nicht. Denn "harter Sex" ist immer noch ein Tabuthema.

„Härter“ und „Anders“?

„Härter“ ist so wie bisher, nur weniger romantisch, sinnlich, erotisch, oder „liebevoll“. Beispielsweise werden dabei „schmutzige, im normalen Leben entwürdigende Worte gebraucht – und möglicherweise auch solche Handlungen vollzogen. Man könnte dies als „bekannte Speise mit unbekannten Gewürzen“ bezeichnen.

„Anders“ bedeutet, sich nicht mehr auf den Sex „an sich“ zu konzentrieren, sondern einen rauen Gefühlsteppich auszubreiten. Dazu gehören die „klassischen“ Besonderheiten wie Kratzen und Beißen auch leichte Fesslungen und Schläge (Soft-SM). Hinzu können die klassischen Rollenspiele kommen, auch solche mit Dominanz und Unterwerfung sowie Rollentausch. Anders als bei den radikalen Vertretern BDSM-Szene steht aber nicht der „kick“ durch SM-Aktivitäten, sondern der Sex im Vordergrund. Man könnte sagen, es handele sich um ungewöhnliche scharfe Speisen, an deren Genuss man sich erst gewöhnen muss.

Warum härter?

Es ist so wie beim Essen: Mancher aß noch nie ein Currygericht, weil ihm der Mut zur exostischen Speise fehlte oder er einfach mit seiner heimischen Küche zufrieden war. Neben vielen Frauen sind auch manche Männer durchaus zufrieden damit. Andererseits mögen viele den „Kick“, einmal nach einem Currygericht das Feuer in allen Poren zu spüren. Das ist der eigentliche Grund. Die Lust am Exotischen, das Abenteuer, die persönlichen Grenzen ausloten – das sind die Motive.

Geht das auch ganz anders?

Ja, aber alles andere ist wesentlich gefährlicher. Seitensprünge, Dreier oder Partnertausch, Sexpartys oder Pärchenklubs – diese Abenteuer gefährden die Beziehung. Am besten ist die gemeinsame Freude am Spiel zu zweit, egal, wie „weit“ sie geht. Und allein deshalb gilt: Die gemeinsamen Grenzen zu erweitern, ist besser, als sie anderen zu öffnen.

Mehr Gründe und Praktiken sowie eine Infografik finden Sie bei "Harrietsugarcookie.

Anders sein, anders fühlen, mal Mr. Greys Spielzeug sein?

Die Ideen von Mr. Grey sind nicht so neu, wie es scheint ..,
Anders sein, anders fühlen, mal Mr. Greys Spielzeug sein? Dieser Artikel beleuchtet unabhängig und neutral die Möglichkeiten und Risiken, die Sie eingehen, wenn Sie einmal "Mr. Greys Spielzeug" sein möchten und dabei nicht zu Schaden kommen wollen.

Prolog - BDSM ist nur ein Name für viele Lustvarianten

Es ist lange her, seit sich die BDSM-Gemeinschaft aus dem Untergrund in die Öffentlichkeit wagte. Schon bald wurden die seltsamen Rollenspiele mit überwiegend britischem Ursprung auch außerhalb des Vereinigten Königreichs bekannt. Und der gute Bürger schlug die Hände über dem Kopf zusammen: Pervers, ekelhaft, frauenfeindlich … das ganze Repertoire wurde aufgeboten. Und doch drangen einzelne Strömungen bis in die bürgerlichen Schlafzimmer ein. Das allerdings war eine Ausnahme, und man tat gut daran, um Himmels willen niemals darüber zu reden. Doch die Zeit blieb nicht stehen: Längst waren einzelne SM-Artikel Bestseller für den kleinen Requisitenschrank lustvoller Paare. Als dann die Trilogie „Fifty Shades of Grey“ erschien, wurden SM-Produkte zum Verkaufsschlager.

In gleichem Maße, in dem „BDSM“ sozusagen „Mainstream“ wurde, nahm das Interesse an den Ex-Undergroundfreaks und ihren teils extremen Ansichten ab. Übrig blieb die BDSM-Ästhetik von Zeichnern und Fotografen, die und die Schönheit von Lust und Leid in Latex und Leder zeigten.

Heute versuchen vor allem Damen, sich vorsichtig an BDSM heranzutasten und ihre schon immer vorhandenen, aber stets unterdrückten Gelüste wenigstens im Ansatz zu verwirklichen. Wer einen verständnisvollen Partner hat und junge genug ist, darf sich an Experimenten freuen. Doch wer ledig ist und dabei seinen wilden Sehnsüchten folgt, sollte vorsichtig sein: Dort draußen ist ein Dschungel, in dem nicht nur harmlose Affen ein bisschen Schabernack treiben, sondern in dem es auch reißende Tiger und Tigerinnen gibt. Vor allem: Lassen Sie sich nicht erzählen, was sie tun „müssen“ oder wozu Sie „verpflichtet“ sind. Verpflichtet sind Sie nur sich selbst und ihrer geistigen, emotionalen, sozialen und körperlichen Gesundheit.

Dieser Artikel wurde für die folgenden Fragen unabhängig recherchiert und enthält keine „Szenenmeinungen“.

Ist BDSM ein Lebensstil?

Manchmal kann die Lust am Besonderen zum Lebensstil werden, aber zumeist bestimmen andere, ganz gewöhnliche Lebensumstände die Prioritäten des Lebens. Das ist eigentlich selbstverständlich, denn auch Rockfans beschäftigen sich nicht den ganzen Tag mit Rock ’n Roll. Und der Broterwerb hat üblicherweise Priorität. Oft wird behauptet, BDSM oder die Lust an einem Fetisch seien Lebensstile. Das ist schon deswegen Unsinn, weil BDSM ein Sammelname für verschiedene sexuelle und außersexuelle Spielarten ist. Falls Sie – wie viele Paare und Einzelpersonen – Lust an der Unterwerfung und anderen Rollenspielen haben, müssen Sie keiner BDSM-Weltanschauung anhängen. Es sind einfach Paare, die lustvoll miteinander spielen. Manche gehen in „Klubs“ und mache nicht. Und viele Menschen, von denen Sie es nie vermuten werden, sind leidenschaftliche Rollenspieler.

Was ist das Ungewöhnliche daran, BDSM-Lüste zu haben?

Eigentlich gar nichts, solange Sie nicht mit einer konservativen Mutter, Tochter oder Erbtante darüber sprechen. Manche Menschen sind entsetzt über die Praktiken, manch amüsiert, und wieder andere wenden sich angeekelt ab. In Wahrheit ist alles rein und lustvoll, was Ihnen gut tut und andere nicht schädigt. Wenn Sie Zweifel haben, reden Sie mit Menschen darüber, die keine Berührungsängste mit dem Thema haben und „etwas entfernter“ von Ihrer sozialen Umgebung sind. Falls Sie sich jedoch in etwas „hineinsteigern“, kann dies für Sie gefährlich werden. Der Sinn von BDSM- und andren Liebes- und Machtspielen ist ja, sich ganz auf das Spiel zu konzentrieren und dabei den oft lästigen und anstrengenden Alltag hinter sich zu lassen. Treiben Sie intensiv Sport? Das wirkt sich ganz ähnlich aus.

Ist es normal, ganz normal unterwürfig zu sein?

Die Menschen sind nicht so „gleich“ wie Sie denken. Sie wissen niemals, wie sich ein anderer Mensch wirklich fühlt – und es gibt unendlich viele sinnliche Lüste, die andere nie ausprobiert haben – und dennoch ablehnen. Im Übrigen: Es ist nicht wichtig, „normal“ zu sein, sondern seinen eignen Weg zu finden und echte Freude an der Lust zu verspüren. Deswegen ist es genau so normal, „normal“ zu sein, wie es auch „normal“ ist, die Lust auf andere sinnliche Art zu verwirklichen. Spielerische Unterwerfung ist eine der Aktivitäten, die wir Menschen auf sehr natürliche Art beherrschen. Sozial lebende Säugetiere lernen es früh, andere Primaten können es – und wir Menschen können es auch noch.

Muss ich alles tun, was andere von mir verlangen?

Natürlich nicht. Jeder Mensch hat Grenzen, gleich, ob Sie tatsächlich in einer „Gruppe“ sind oder ganz einfach „privat“ neue Lüste ausprobieren wollen. Selbst, wenn andere begeistert von bestimmten Lüsten sprechen, heißt dies nicht, dass auch Sie Freude daran haben werden. Und: Alles muss sicher sein. Gehen Sie keine Spiele mit Menschen ein, die sie in jeder Hinsicht körperlich oder mental ausbeuten wollen. Dazu haben diese Leute Trickkisten, von der Salamitaktik über Sklavenverträge bis hin zu Methoden der modernen Gehirnwäsche. Zumeist – aber nicht immer – gehen psychisch labile Menschen in ihre Fallen.

Wer eignet sich eigentlich als Partner/in?

Es gibt drei Gruppen, aus denen Sie schöpfen können, wenn Sie Versuche mit BDSM unternehmen wollen. Keine davon ist von vornherein der Himmel auf Erden – oder die Hölle, wie Sie wollen. Das eine sind die bekannten Adressen, an denen sich Menschen treffen, die Ihre spezielle Neigung teilen. Sie sind entweder „sicherer Häfen“ oder befremdliche Orte, je nachdem, wie Sie zu Gruppen stehen und wie sich die Gruppe selber sieht. Sektierertum ist in Gruppen nie auszuschließen. Der andere Bereich ist die Beziehung, in der Sie vorhandene Lüste einbringen oder neue Lüste erproben können – er ist mit Sicherheit der lustvollste Bereich, wenn Sie einen Partner haben, der seine Rolle hervorragend beherrscht. Der dritte Bereich besteht im Gang zu einer Schauspielerin, die Ihnen als Partner für Ihre Lüste dient – meist eine bezahlte Domina. Soweit das Spektrum relativ sicherer Gewässer.

Im Internet gibt es einen vierten, rechts schwierigen Bereich, in dem Partner(innen) für Spiele gesucht werden, die vorgeben, eine gewisse Neigung zu unterstützen. Die Sache ist relativ unsicher, vor allem bei spontanen Treffen. Gehen Sie solche Beziehungen nur dann ein, wenn Sie ein absolut sicheres Gefühl haben und auch sonst sehr selbstsicher sind. Denken Sie daran, dass es Ihnen jederzeit möglich sein muss, das Spiel abzubrechen und den Ort des Geschehens unbeschadet zu verlassen. Bei einem bekannten, bewährten Mitspieler ist dies ziemlich sicher – bei einem Fremden wird es möglicherweise verhindert. Dieses Risiko ist eindeutig zu groß – und dafür gibt es genügend abschreckende Beispiele.

Bild: Historische Illustration von 1930, Teilansicht, nachkoloriert. Das Buch erschien unter einem bis heute ungelüfteten Pseudonym.