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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die üblichen erotischen Fantasien - und die weniger üblichen

Sind Fantasien über Nacktheit noch populär?
Das, worüber wir fantasieren, ist das, was wir nicht haben. Das lässt sich weiter ausführen, indem wir sagen: Wir fantasieren über erotische Erlebnisse, die uns innerlich bedrängen, die wir aber im wahren Leben nicht verwirklichen können. Teils sind es Fantasien, die uns zugleich befremden und erregen, und zu einem anderen solche, die uns soweit „ins Abseits“ stellen würden, dass uns selbst wohlmeinende Freunde meiden würden.

Was wissen wir über die geheimen Lüste?

Zunächst wissen wir heute, dass die Fantasien von Frauen und Männern durchaus ähnlich sind. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die Lüste der Männer breiter gefächert sind als jene der Frauen. Sodann ergibt sich, dass Frauen viel häufiger über aktive Dominanz fantasierten als angenommen, während Männer sich häufiger in der Rolle der Unterwerfung sahen, als erwartet wurde.

Eine Beobachtung der Forscher folgend, rechneten Frauen aber nicht damit, dass sie ihre Fantasien in die Tat umsetzen würden. Die Männer hingegen suchten zumindest nach Wegen, einige ihrer Wünsche zu verwirklichen.

Kuscheln und Lüste mit Vanillesoße

Welche Fantasien sind wirklich häufig wie Gänseblümchen? Beginnen wir einmal mit den Vanille-Erfahrungen: Blümchensex mit einem vorhandenen Partner oder einem Fremden. Die Befragten schwankten dabei zwar zwischen Kuschelromantik und Abenteuer, doch letztlich ergab sich eine Mehrheit für die Romantik, gefolgt vom Abenteuer mit Fremden und der Lust an gegenseitiger Masturbation. Die Antworten von Frauen und Männer lagen dabei in einem Bereich von „mehr als zwei Drittel“ bis hin zu 90 Prozent.

Mundverkehr – keine Einbahnstraße

Orale Fantasien sind orale Verlockungen
Eine der Überraschungen ergab sich bei der Abfrage von oralen Kontakten, sei es Cunnilingus und Fellatio in der Kombination oder separat. Generell fantasierten Frauen wie auch Männer darüber häufig. Beim gemeinsamen Genuss von Oralkontakten waren es über 75 Prozent, während nahezu 80 Prozent angaben, in ihren Träumen Cunnilingus zu geben. Davon, Fellatio zu geben, träumten immerhin noch fast drei Viertel der Frauen. Männer, die in ihren Fantasien Fellatio gaben und Frauen, die den Cunnilingus aktiv vollziehen wollten, landeten immerhin noch im Bereich zwischen einem Viertel und einem Drittel.

Haremsgedanken und Damenwahl

Was sich bei Oralkontakten zeigte, wiederholte sich bei den Triolen und Orgien. Die Männer führten dabei mit 84 Prozent, soweit nach „Triolen mit zwei Frauen“ gefragt wurden, und sie folgten auch dem Prinzip: „Je größer der Harem, umso mehr will ich der Pascha“ sein (75 Prozent). Doch bereits, wenn man Männer befragte, ob sie in der Fantasie an einer gemischten Gruppe mit mehr als drei Personen teilnehmen würden, sackte der Anteil auf 16 Prozent. Die Frauen dachten ganz anders. Mehr als die Hälfte fand diese Fantasie erregend – der Grund dafür könnte sein, dass es für Frauen attraktiv ist, aus einer Gruppe von Männern wählen zu können.

Lechzen nach Unterwerfung und roten Gesäßen

Sinnliche Dominanz ist ausgesprochen häufig in der Fantasie

Ein Anzeichen für den Wandel der Geschlechterrollen sahen viele Beobachter in den Zahlen, die man über Domination und Submission gewinnen konnte. Sowohl Frauen wie auch Männer erregte die Fantasie, Macht über ihre Partner(innen) auszuüben, und auch die Lust, diese Macht zu spüren, lag bei beiden Geschlechtern über 50 Prozent. Dabei waren durchaus unterschiedliche Empfindungen im Spiel, zum Beispiel wurden passive Fesselungsgelüste häufiger genannt als aktive. Und mit Schlägen nach Art des Herrn Grey und der Frau Anastasia konnten sich deutlich weniger Frauen und Männern anfreunden. Immerhin lagen die Zahlen auch hier noch im Bereich von einem Drittel der Befragten. Hier zeigten sich auch deutlichere Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Davon, Frauen zu züchtigen, träumten fast 44 Prozent der Männer, aber nur etwa 24 Prozent der Frauen erregten sich in der Fantasie dadurch, Männer zu züchtigen.

Auf der anderen Seite des Zauns

Das gleiche Geschlecht - sanfte Realität, heftige Fantasie
Aus verschiedenen Studien geht inzwischen hervor, dass die Lust am eignen Geschlecht verbreiteter ist, als man zuvor annahm. Zumindest für Frauen wurde dies wissenschaftlich erhärtet, sodass es kaum verwundet, wovon Frauen träumen. Mehr als ein Drittel der Befragten Frauen grasen in ihren Fantasien auf der anderen Seite des Zauns. Männer sind zurückhaltender, aber unter den 20 Prozent, die entsprechende Gelüst zugaben, waren sicherlich auch heterosexuelle Männer.

Und alles andere?

Einige der sinnlichen Träume, zum Beispiel, Menschen nackt zu sehen, oder sich anderen nackt zu zeigen, haben wir ignoriert. Zudem fanden wir zu wenig eindeutige Daten über anale Lüste heterosexueller Frauen und Männer. Fetische oder fetischistische Aktivitäten waren für meine Begriffe nicht ausreichend spezifiziert, ebenso wie die unterschiedlichen Arten der erotischen Unterwerfung. Wir fanden, dass erotische Flexibilität offenbar in den Träumen zunimmt, während sie in der Realität weitgehend geleugnet oder aus sozialen Gründen nicht praktiziert wird.

Findet ihr euch in diesen Träumen wieder?

Um sich dessen bewusst zu werden, ist nötig, gewisse Schranken des Alltagsdenkens zu durchbrechen. Was vorstellbar ist, offenbart sich nur für diejenigen, die sich in eine Situation vertiefen könnte, nicht für diejenigen, die an der Oberfläche ihrer Gedankensuppe Buchstaben zu finden hoffen. Und in diesem Sinne: Taucht ruhig einmal ab in eure Traumwelten, so wie Millionen andere Menschen auch.

Quellen: Wir nutzen mehrere Quellen. Einige befinden sich in im Archiv der Liebeszeitung - sie gelten als besonders zuverlässig. Andere finden sich in der Fachliteratur und in psychologischen Zeitschriften, zum Beispiel in "Psychology Today" Auch populärwissenschaftliche Publikationen wie diese sind gelegentlich hilfreich.

Gedanken zur Wahrheit erotischer Schilderungen

Erotische Texte - Chance für die Toleranz oder Pornografie?
Die meisten Menschen fragen sich, warum etwas „so ist“. Leider tun sie dies, bevor sie sich jemals damit beschäftigen, wie es ist. Und sie verzichten ebenso darauf, danach zu fragen, wie es sich auswirkt, was da geschieht.

Vom Ekel zur Lust - der Weg zum sinnlichen Vergnügen

Dieser Satz lässt sich auf fast alle Absichten und Gefühle anwenden. Auch auf die Sinneslüste. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ihr einen Zungenkuss für „eklig“ gehalten habt, bevor ihr festgestellt hat, welche Wonnen ihr dabei genießen konntet. Mancher von uns spürte die Abscheu vor einem sinnlichen Oralkontakt, bevor er/sie ihn selbst erleben oder seine Wirkung auf andere beobachten konnte. Sogar so etwas Natürliches und Wundervolles wie eine Penetration, eine Ejakulation oder ein Orgasmus werden oft nur verbal abgehakt, obwohl unser Körper darüber in ekstatische Zuckungen verfällt. Der Fluss der Gefühle, der stetig durch den Körper rauscht, bleibt weitgehend unerwähnt. Es gilt nicht als „fein“, darüber zu sprechen.

Erotische Literatur zwischen Pornografie und gefühlten Fakten

Wie im Alltag, so ist es auch in der Literatur. Nur selten wird beschrieben, wie der Atem, die Berührung mit den Fingerspitzen, den Brustwarzen oder der Zunge auf die Haut wirkt. Ebenso wenig wird deutlich, was saugende Lippen, sanft zubeißende Zähne und scharfe Fingernägel bewirken, obgleich die Nervenenden dabei zu tanzen beginnen. Wir lesen viel zu wenig davon, wie sich Furcht mit Lust vermischt und dabei diese wundersame Erregung erzeugen, die unsere Psyche in einen Zwiespalt drängt. Und dabei sind wir noch nicht einmal bei dem Punkt angekommen an dem wir uns einfach der Lust hinzugeben, ohne noch irgendetwas zu denken.

Die Sorgen der Autorinnen und Autoren

In den meisten Fällen ist es die Furcht der Schreibenden, die sie davon abhält, die sinnlichen Vorgänge plastisch zu schildern. Wenn wir minutiös beschreiben würden, wie der Penis des Liebhabers beschaffen ist und wie die Geliebte sein Eindringen empfindet, würden wir verdächtigt, Pornografie zu schreiben. Tun wir es hingegen nicht, dann werden wir gerügt, weil wie „nichts als sexuelle Handlungen“ aneinanderreihen: Fellatio, Penetration, Ejakulation. Wir könnten uns im Grunde sparen, solche Dinge überhaupt zu erwähnen. Weiß nicht jede Frau, wie ein Penis in sie eindringt? Und ist nicht von vornherein klar, dass die Sache nur ein paar Minuten dauert? Was gäbe es da wohl zu beschreiben? Nun, ich denke, dass viel von euch recht dankbar wären, wenn die Autoren erotischer Schriften sich die Mühe machen würden, diesen „wenigen Minuten“ wenigstens drei oder vier Seiten zu widmen.

Die Grenzgebiet der Lust - nein, wir leben nicht dort

Eine andere Erfahrung, die jeder Autor einmal macht, ist sich auf Grenzgebiete zu begeben, von denen er nichts viel weiß. Einerseits fürchtet er, die Gefühle jener zu missachten, die in diesen Gebieten zu Hause sind. Andererseits bleibt kaum jemandem die gegenteilige Erfahrung erspart. Denn weil wir etwas über das Grenzland schreiben, wird angenommen, dass wir darin leben.

Typische Themen dieser Art sind harsche Flagellationen, heftige Schmerzerlebnisse, sexuelle Unterwerfungen und homoerotische Szenen. Es gibt durchaus Menschen, die bezweifeln, dass heterosexuelle Frauen glaubwürdige Geschichten über schwule Männer schreiben können und umgekehrt. Und nicht nur das: Behauptet wird, Männer könnten überhaupt nicht glaubwürdig beschreiben, was irgendeine Frau empfindet, gleich, ob hetero- oder homosexuell.

Wir lernen, uns in unsere Figuren hineinzuversetzen

Es ist eine völlig absurde Welt, in der all dies behauptet wird. Schreibende Menschen versuchen, sich in Körper, Geist und Psyche ihrer Figuren hineinzuversetzen. Es sind nicht einfach „ihre Geschöpfe“, die wie Marionetten an ihren Fingern kleben. Vielmehr führen die Figuren ein Eigenleben, das sich von Satz zu Satz immer deutlicher zeigt.

Ich will dies noch etwas verdeutlichen: Ein Mann muss weder ein Kleid noch Strapse getragen haben, um zu beschreiben, wie eine Person feminisiert wird. Es reicht völlig, wenn er sich in die Situation hineinversetzt. Entsprechendes gilt für männliche wie weibliche Autoren, die niemals Fellatio ausgeübt hat – auch dabei reicht es wirklich, sich vorzustellen, wie es sich anfühlen und schmecken würde.

Befremdet euch das, was ich hier schildere?

Bei alldem, was ich hier schreibe, spüre ich, wie Einige von euch reagieren könnten. Befremdet und schockiert lest ihr, wie das Unsägliche in Worte gefasst werden könnte. Ihr fürchtet, dass sich Fantasien entfesseln könnten und wie widerwärtig es für euch wäre, wenn ihr es lesen müsstet.

Oh – ihr müsst es nicht lesen. Nur solltet ihr wirklich wissen, wie etwas Sexuelles vor sich geht, bevor ihr es ablehnt oder gar verurteilt.

Die Woche: Lust ohne Scham, Gefühle ohne Geschlecht sowie Bettqualitäten

Etwas blieb ich euch schuldig: eine genauere, detaillierte und dennoch nicht abschreckende Beschreibung zum „Facesitting“. Wie bei allen Schilderungen, bemühen wir uns stets, einen Schulterschluss zwischen Tatsachen und Empfindungen zu beschreiben. Dabei legen wir vor allem Wert darauf, weder die Nachfrager noch die Anbieter solcher Lüste zu diffamieren. Das Leben ist, wie es ist, und die Ursachen der absonderlichen Wünsche liegen in den Tiefen der Gehirne.

Die Schmerzlust ohne Schnörkel

Auch, wer die Ursachen seiner Sehnsüchte nicht wissen will, stößt gelegentlich auf Behauptungen. Von Krafft-Ebing über Freud bis hin zu angeblich „objektiven“ Forschungen: Das Gebiet der Schmerzlust wurde niemals ergründet. Wer sie erspürt, leidet entweder daran oder vergnügt sich dabei. Nur in diesem einen Punkt scheiden sich die Geister.

Wenn Lüste geschlechtlos werden

Ich persönlich meide ein neues Wort, das „binär“ heißt und nichts mit Bits und Bytes zu tun hat. Dennoch wird dieser Begriff immer wichtiger, weil er oft mit dem Wort „heteronormativ“ in Zusammenhang gebracht wird. Doch sehen wir die Geschlechter wirklich „binär“? Sind wir wirklich in allen unseren Lustäußerungen und deren Befriedigung festgelegt? Und hat das Ganze wirklich etwas mit Homo- oder Heterosexualität zu tun? Ich plädiere für „Nein“. Wir sind alle sexuell, und wir fühlen alle, was uns erregt und was nicht. Was wir wirklich tun sollten, ist einfach: die Gefühle in den Vordergrund zu stellen und nicht ständig darüber zu rätseln, ob wir sie als „männlich“ oder „weiblich“ einordnen.

Körper, Sinnlichkeit und Schamgefühl

Überhaupt hat das Vergnügen, das wir aus körperlichen Kontakten ziehen, etwas damit zu tun, ob wir sie „annehmen“ oder „hinnehmen“. Und diejenigen die sie lediglich „hinnehmen“, finden recht wenig Vergnügen daran. Also fragen wir mal „schämst du dich deiner Lüste“? Der Artikel stellt viele Fragen, gibt aber auch Antworten.

Wie ist es, "gut im Bett" zu sein?

Wir haben uns geschworen, Neuland zu betreten und unsere Füße dem Schlick „sozialer Netzwerke“ zu. Dort geht es oftmals noch um die Konkurrenz der Weiblichkeit: schöner, schlanker, modischer und attraktiver zu wirken, zum Beispiel. Und auch dies ist wieder en vogue: Gut im Bett zu sein. Zunächst habe ich bezweifelt, dass sich dieses Thema wirklich für die „Liebeszeitung“ eignet. Aber – es ist tatsächlich populär. Wozu der „Vorsprung im Bett“ allerdings wirklich nützt – das wissen wir immer noch nicht.

Klare Worte an Partnersuchende

Das Thema „Dating“ ist wirklich aufgebraucht, seit es in Blogs, sozialen Netzwerken, dreisten Ratgeberbüchern und Fernsehsendungen verschlissen wurde. Ich sag es mal mit der nötigen Schärfe: Partnersuche ist immer ein Risiko, und wer nicht bereit ist, es zu tragen, der soll es bitte schön bleiben lassen.

Und ... ab ins Wochenende

Ich hoffe, euch gefällt das Neue, das wir diese Woche in die Liebeszeitung verpflanzt haben. Und ich wünsche euch, dass ihr bald Gelegenheit haben werdet, Glück und Wonne zu gewinnen oder zu erneuern.

Lustvolle Unterwerfungen ohne Geschlechter-Klischees?

Dominante Frau, submissiver Mann
In allen Bereichen des Lebens finden wir starke und selbstbewusste Frauen. Niemand wundert sich mehr über eine Boxerin oder eine Fußballerin, eine Monteurin oder eine Managerin, die im Beruf Härte zeigt. Nur im Bereich der spielerischen Lust beherrschen Rollenklischees unser Denken. Unser Autor hat sich gefragt, ob das so sein muss.

Wie, wann und wo beginnt eigentlich die erotische Unterwerfung? Was bewegt uns Menschen, unsere soziale Integrität zu verlassen, um uns emotional, körperlich und vor allem sexuell darauf einzulassen, uns zu erniedrigen? Wieso genießen wie dir Dominanz, die uns auf die Knie zwingt, und uns sogar dazu bringt, unser Selbstbewusstsein außer Kontrolle zu setzen? Und warum lassen wir uns dabei auf Erniedrigungen, Entehrungen und sogar Schläge ein?

Frauen und das Klischee des „schwachen Geschlechts“

Wenn du als Leser jetzt denkst, damit können nur Frauen gemeint sein, dann folgst du dem Klischee, das Adam und Eva vorgaben. Frauen sind demnach durch göttliche Fügung, Natur, Kultur, Evolution und andere Faktoren dazu bestimmt, sich dem Mann zu unterwerfen. Wenn sie dies verweigern, verstoßen sie gegen allerlei ungeschriebene Gesetze, Vorgaben und Usancen.

Sind wir Gefangene unserer Rollenklischees?

Femininer Mann, selbstbewusste Frau
Was davon nicht geschrieben steht, ist in den Köpfen eingraviert – bei Frauen wie bei Männern. Wir werden in unseren sozialen Welten dazu gezwungen, Unterschiede im Verhalten festzustellen, die auf Vorurteilen und antiquierten Denkweisen beruhen. Hier Jungs – dort Mädchen. Wir erwarten bestimmte Verhaltensweisen, und sie beruhen auf den geschlechtlichen Eigenschaften, die wir Frau und Mann zuschreiben. Männer wollen keine weiblichen Anteile in sich erkennen, Frauen weigern sich, maskuline Verhaltensweisen in sich wahrzunehmen. Und die Lust? Beide, Frauen und Männer, sind konsequent heterosexuell – das jedenfalls glauben sie von sich selbst.

Der Zwang zum heterosexuellen Denken

Kommen wir zurück auf die erotische Unterwerfung. Wenn wir dir üblichen, „binären“ Strukturen verfolgen, dann unterwerfen sich psychisch schwache Frauen den emotional übermäßig robusten Männern. Frauen, die sich anderen Frauen erotisch unterwerfen oder sich zur Unterwerfung verführen lassen, kommen gar nicht erst vor. Wir erfahren nur wenig über Männer, die sich von anderen Männern dominieren lassen, und wir vermuten, dass dies daran liegt, keinen Zugang zu dieser Szenerie zu haben. Doch wir werden hellwach, wen sich Männer auf die erotische Dominanz von Frauen einlassen. Sofort sind sie da, die alten Klischees. Ein Mann, der sich einer Frau unterwirft, ist eben kein „echter“ Mann. Und falls seine Beziehung ruchbar wird, muss er sich dem öffentlichen Spott aussetzen. Zumal, wenn er sich wahrhaftig devot verhalten hat oder er seine femininen Anteile vordergründig ausgelebt hat.

Wenn Männer ihre femininen Anteile entdecken

Dabei ist es keinesfalls ungewöhnlich, wenn Frauen im erotischen Spiel maskuline Eigenschaften entdecken und Männer ihre weiblichen Sehnsüchte verwirklichen. Besonders in den Ritualen der Kontrolle und der erotischen Züchtigung ist kaum etwas aktueller als der Rollentausch. Viele Paare haben sich schon an Fesselungen, Verkleidungen und ähnlichen Rollenspielen versucht, in denen das Geschlecht kaum eine wesentliche Rolle spielt. Der bekannte Spruch „was für die Gans gut ist, dient auch dem Ganter“ ist wesentlich populärer, als man glaubt. Die große Anzahl von verkauften Strap-on-Dildos, die für die Praxis des Pegging benötigt werden, spricht Bände.

Die Realität ist fluider als die Sexualität

Wer fragt, ob es gefährlich ist, die bekannten Klischees zu verlassen, sollte wissen, dass sie in Wahrheit längst nicht mehr gelten. Lediglich in den Köpfen mancher Zeitgenossinnen und Zeitgenossen ist die Frau weiterhin das „schwache Geschlecht“, das nach Schutz und Führung lechzt. Allerdings können wir dessen nie sicher sein: Zwei Seelen wohnen mittlerweile in weiblichen wie männlichen Brüsten, und mal siegt die fordernde Seite, dann wieder die nachgiebige. Wir haben eine fluide Realität, die uns zwingt, die Geschlechterrollen anders zu verstehen. Was wir privat daraus machen, geht niemanden etwas an – aber wir sollten darauf vorbereitet sein, dass wir auch die Lust in Zukunft auf andere Weise genießen als zuvor.

Hinweis: Dies ist ein Meinungsbeitrag, der Kontroversen auslösen kann. Was mein ihr? Wie realistisch ist die Einschätzung unseres Autors? Grafiken: Liebesverlag.de

Wenn sein Gesicht zum Sitzplatz wird

Ungewöhnliche Konstellation oder ein Vergnügen besonderer Art?
„Facesitting“ ist im Grunde keine typische Sexposition, und sie kann auch kaum als Fetisch bezeichnet werden. Im Grund ist sie nichts anderes als die totale Hingabe des Mannes an den Cunnilingus, den er so lange ausführt, wie es die Frau wünscht. Das Besondere daran: Der Mann sieht zur Decke, und die Frau platziert ihren Unterleib auf seinen Lippen.

Was mag einen Mann dazu bewegen, sein Gesicht als „Sitzplatz“ für eine Frau anzubieten?

Im Grunde kann er zwei Gelüste haben, die ihn in diese Position bringen:

Für die Liebhaber des Cunnilingus bieten sich die Möglichkeit, im Rollenspiel anzunehmen, er würde zu etwas gezwungen, was er nur allzu gerne tut. „Sehen, schmecken, riechen und den Erfolg der Simulation genießen.“ Es wirkt wie ein Zauber – und der Mann kommt aus seiner Rolle nicht so schnell frei, was wieder die Frau begeistert.

Hat der Mann hingegen die Tendenz, sich Frauen zu unterwerfen, so genießt er die Aufgabe jeglicher Kontrolle. Für ihn ist es in Ordnung, wenn ihn die Frau demütigt, und benutzt, um ihre Gelüste zu befriedigen, seien sie psychisch oder physisch.

Viele Paare benutzen – unabhängig von der Art der Unterwerfung – Spielzeuge aus den Regalen von BDSM-Spezialgeschäften. Interessant sind vor allem Augenbinden und sehr weiche Lederhandschellen, denn schließlich soll er ja keine eigenen Aktivitäten entwickeln. An dieser Stelle erlaube ich mir eine Randbemerkung: Es gibt keine plausible Erklärung dafür, warum Frauen kein passives „Facesitting“ mit anderen Frauen betreiben sollten. Vermutlich ist dies ein Bereich, über den nicht gesprochen wird.

Technische Probleme

Am häufigsten diskutiert werden Gewichtsprobleme: Athletische Frauen können sich in der Regel vorstellen, ein Gewicht von – sagen wir mal – 60 Kilo auf dem Gesicht eines Mannes auszubalancieren. Wie aber stellt es die Frau an, 180 Kilogramm auf Nase und Lippen zu bringen, ohne den Partner zu schädigen?

Eine Frau, die Facesitting praktizierte, erklärte es uns:

Das Wichtigste ist, dein Gewicht nicht „wirklich“ auf das Gesicht deines Partners zu legen (oder deiner Partnerin)?

Zunächst, so hörten wir, solltest du versuchen, über ihm/ihr zu knien. Damit ruht dein Gewicht auf deinen eigenen Beinen. Nun robbst du dich soweit heran, dass sich deine Oberschenkel auf beiden Seiten seines/ihres Kopfes befinden. Dein Blick sollte dabei nach vorn gerichtet sein. Das ist jedenfalls die beste Ausgangslage. Falls du diese Position auf einem Bett einnimmst, versuche, dich am Kopfteil festzuhalten. Wenn du einen festen Halt findest, kannst du deinen Körper wesentlich besser positionieren. Du beginnst damit, dass du dich von der etwas erhöhten Position direkt auf sein Gesicht herabsenkst. Ist das geschehen, so kannst das Vergnügen beginnen.

Ich empfehle sehr, ihm nicht zu viel Bewegungsfreiheit zu lassen. Er soll sich ja auf dich konzentrieren. Möglicherweise musst du zu Anfang dafür sorgen, dass seine Hände immer schön parallel zur Bettkante bleiben. Das ist ja gerade der Sinn: Er tut etwas für dich – du tust nichts für ihn.

Übrigens habe ich wieder vergessen, dass dein Partner kein Mann sein muss.

Und indem ich das sage, komme ich zu der Frage, die du dir sicher schon lange gestellt hast: Mögen gewöhnliche Partnerinnen oder gar Ehefrauen „Facesitting“? Oder machen sie das nur, damit sich der unterwürfige Mann seine Trauben nicht woanders holt?

Mag eine ganz gewöhnliche Geliebte "Facesitting"?

Die Antwort fällt nicht leicht, weil „Facesitting“ eben auch von Prostituierten und sogenannten „Dominas“ angeboten wird. Ist es also eine Praxis, die eine „anständige“ Frau niemals ausüben würde?

Wir hörten, dass Frauen sehr unterschiedlich darüber denken. Wenn ein Paar schon damit experimentiert hat, dass die Frau zum Reiter und der Mann zum Ross wird, liegt nahe, in dieser Position auch Cunnilingus zu versuchen.

Je dominanter eine Frau, um so mehr liebt sie die Position

Allgemein, so schien mir, sind vor allem Frauen begeistert, die gewisse dominante Züge haben. Eine der Frauen, die freimütig darüber Auskunft gaben, schrieb, sie können in der Facesitting-Position mehr Druck ausüben. Und dies würde ihr sehr dazu verhelfen, intensivere Gefühle zu entwickeln als beim „normalen“ Cunnilingus. Eine andere sagte ebenfalls, sie könne die Geschwindigkeit und Intensität nahezu beliebig regulieren. Es sei so, als ob sie „die Zügel jederzeit in der Hand halten würde“, während sie ihm verbale Anweisungen erteile.

Und ganz generell? Die Frauen, die es gerne tun, genießen die Macht, die ihnen durch das Facesitting zuwächst. Und wenn zu der Macht noch die Lust kommt und Orgasmen als Lohn winken – was will frau dann noch?

Und was hätte ich noch nachzutragen?

Es gib viele lustvolle Spiele, in denen vor allem der Mann profitiert. Und in diesem Fall bekommt er nichts außer dem erregenden Kontakt mit deinem Unterleib. Da ist sein Lohn. Jedenfalls für heute. Morgen kannst du ein neues Spiel zu anderen Regeln beginnen.

Hinweise: Wenn du anderer Meinung bist, dann sag es uns. Die Quelle, die wir benutzt haben ist sicher und zuverlässig. Zahlen haben wir leider nicht - Cunnilingus an sich (ohne Facesitting) ist allerdings das Traumziel zahlloser Frauen und Männer. Grafik: Künstlerdarstellung von Liebesverlag.de