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Bedingungslose und rückhaltlose Liebe

Wenn wir einschlägige Soziologinnen oder Soziologen lesen, dann merken wir, wie ihnen die ideologische Zornesader schwillt, sobald sie den Kapitalismus erwähnen. Er ist für die Eiseskälte verantwortlich, die wir heute „überall“ spüren, er schafft Märkte für die Liebe, und er macht Beziehungen zum Handelsgut.

Wenn wir lieben, so hören wir, müssten wir „bedingungslos“ lieben und die Liebe, die wir schenken, muss rückhaltlos gegeben werden, also ohne irgendeine Sicherheit oder die Möglichkeit, sich ihr zu entziehen.

Ich habe dazu im Netz Dutzende Webseiten gefunden, die alle dieses Gedicht beinhalten (1):

Ich lege meine Seele in deine Hände,
Ich gebe sie dir mit der ganzen Liebe meines Herzens. Denn ich liebe Dich, und es ist für mich ein Bedürfnis der Liebe, mich zu schenken und mich rückhaltlos in deine Hände zu legen.
Mit einem grenzenlosen Vertrauen -
Weil Du die Liebe meines Lebens bist.

Man mag Ehepaaren verziehen, wenn Sie zur Hochzeit solchen Kitsch in der Öffentlichkeit verbreiten, denn die Hochzeit ist ein Ausnahmezustand, an dem die Ehe mit Zuckerguss umkränzt wird.

Eine arme Braut, die rückhaltlos Liebe schenken will

Aber ach, die arme Braut, die so etwas angeblich sagt, wird es noch bereuen. Die eigene Seele ist viel zu wertvoll, um sie an jemandem zu verkaufen oder zu verschenken. Und „sich zu schenken“ und sich „rückhaltlos in die Hände eines anderen zu legen?“ Das klingt eher nach Masochismus und sklavischer Unterwerfung als nach einer Ehe. Und schon gar nicht nach einer selbstbewussten, emanzipierten Frau in einer modernen Ehe.

Die Esoterik befeuert die "rückhaltlose" Liebe

Auch bei den Esoterikern ist die absolute Hingabe immer noch das Ziel der Zweisamkeit. Man müsse, so hören wir, die Seelenliebe finden, dann könnten wir bedingungslos lieben. Sogleich wird ein Paradoxon hinterhergeschoben: Ja, wir sollen sie finden, aber wir dürfen sie nicht suchen. Denn sollten wir das tun, würden wir die „Entrücktheit“ nicht bemerken, den von Esoterikern und machen Psychologen postulierten „Flow“. Doch „der Flow“ ist nicht weiter als eine Art Rausch. Damit ist er dem Liebesrausch zwar ähnlich, aber das wollen die Esoteriker und Romantiker so nicht stehen lassen.

Rettet die Selbstliebe die Liebe?

Auch ich verkenne nicht, dass ein Teil der Liebe, ja sogar der Sexualität aus selbstloser Hingabe bestehen kann – mit oder ohne „innere Verbundenheit“. Aber ich sehe eine „bedingungslose“ und „rückhaltlose“ Hingabe auch als gefährlichen Weg in die psychische Abhängigkeit an.

„Nein, das ist nicht der Fall“, würde mir nun entgegengerufen. Denn selbstverständlich zeichnen sich die Adepten der Seelenromantik dadurch aus, dass sie erfüllt von ihrer Selbstliebe sind, die ihnen erst möglich macht, sich dem anderen völlig hinzugeben.

Die "Selbstliebe" ist selbst ein Handelsgut

Fragt sich, ob diese Theorie standhält. Google ist voll von Empfehlungen für „Seminare“ in Selbstliebe, was mir sagt: Da werden Dienstleistungen an Menschen vermarktet, die darin ihren letzten Ausweg sehen, einen Partner zu finden. Nehme ich all den anderen Humbug noch dazu, der von Erfolgstrainern versprochen wird, dann kann ich nur sagen: Ich bevorzuge eine sinnvolle Liebesökonomie mit kleinen Schwächen gegenüber einer bedingungs- und rückhaltlosen Liebe, die allein auf romantische verklärten Vorstellungen fußt.

(1) Ich fand keine verlässliche Quelle über den Ursprung.

Das Halsband (nein, nicht für Hunde)

Ob öffentliche Dominanz oder private Unterwerfung: Das Halsband ist ein Symbol
Kennst du irgendjemanden in deiner Umgebung, der ein Halsband trägt? Vielleicht hast du es noch gar nicht bemerkt. Denn ein Halsband muss nicht sofort als solches erkennbar sein. Wenn eine Frau ein Halsband oder ein anderes, ungewöhnliches Schmuckstück ähnlicher Art trägt, kann dies drei Gründe haben:

Einfach mal ganz anderen Schmuck tragen

Der Hauptgrund ist, sich etwas abzuheben vom Mainstream, in dem eigentlich wertloser Massenschmuck teuer angeboten wird, weil damit bestimmte Namen verbunden sind. Wer solchen individuellen Schmuck trägt, will dadurch seine „Alleinstellungsmerkmale“ ausdrücken oder andere Attribute seiner außergewöhnliche Erscheinung betonen.

Sich annähern an S/M-Interessen

Es kann aber auch sein, dass die Frau, die ihn trägt, von sich aus zeigen will, dass sie für spielerische Experimente mit Unterwürfigkeit und Dominanz offen ist. Letztendlich kann es bedeuten, dass sie sich wirklich in einer Beziehung befindet, in der das Tragen von „Halsbändern“ ihre Verbundenheit zum Partner oder zur Partnerin ausdrücken soll.

Üblicherweise dienen gerade die Halsbänder, die in der Öffentlichkeit getragen werden, als exklusiver, frecher und teils auffordernder Schmuck, ähnlich wie Handschellen als Ohrhänger oder Manschettenknöpfe. Damit werden dann häufig ausdrücklich „Eingeweihte“, aber durchaus auch Neugierige angesprochen.

Oder schon in einer Beziehung?

Manchmal ist das „Zeichen der Verbundenheit“ oder des Interesses offenkundig – wie etwa beim Halsband oder auf „chic“ gestylten Handfesseln. Indessen kommen als Zeichen der Verbundenheit auch Armbänder, Taillenketten oder gar Fußketten infrage.

Minimalistische Tageskette für eine Frau, die ihre Neigung zeigen will
Extrem, aber chic –minimalistischer S/M-Halsschmuck

Klar gibt es die „kräftigen“ Halsbänder mit Stahlringen, die der „Disziplinierung“ dienen. Aber wer da spielt, der ist nicht mehr in der „Amateurliga“. Jeder mag also selbst entscheiden, ob er Halsbänder als „sehr chic“ empfindet oder ob er sich dessen schämen will. Manche sind jedenfalls ausgesprochene „Hingucker“.

In englischsprachigen Ländern heißt der Tagesschmuck für Frauen, die ihre Unterwürfigkeit öffentlich zeigen wollen, auch „discrete day collar. (1) Aber die meisten Schmuckstücke dieser Art eignen sich auch durchaus als Tagesschmuck für Frauen, die zarte Andeutungen an sinnliche Leidenschaften lieben. Je nach Gold- oder Silbergehalt und Aufwand liegen die Preise gelegentlich durchaus über 100 Euro – und Sonderanfertigungen noch weit darüber.

(Hinweis: Der Link führt zu einem kommerziellen Angebot - dieser Artikel wurde nicht von dem Portal gesponsert, auf das verwiesen wird.
Bild oben: © 2019 by Liebesvelag.de
Bild unten ©2019 beim Hersteller/Vertrieb des Halsschmucks - dem Link folgen.

Warum wirken Fotos von Dominas eigentlich so leblos?

Real oder Fototermin?
Wenn du dich selbst aus einem erotischen Wunsch heraus nach weiblicher Dominanz sehnst, wirst du eine große Anzahl von Vorstellungen vor Augen haben. Soweit du unbefangen bist (was kaum noch vorkommt), wirst du in deinen eigenen Begierden, Erfahrungen und Lüsten kramen, und dir daraus ein Bild machen.

Ich erfuhr beiläufig, dass es durchaus mehrere Fantasien gibt, die sich weder an Pornografie in bewegten Bildern noch an geschriebenen Unterwerfungs-Geshichten orientieren. Dann ist die „Domina“ meist das Abbild einer realen Person, etwas übersteigert aufgemacht. Es kann eine strenge Tante, eine harsche Erzieherin, eine Haushälterin mit Kittelschürze oder eine Lehrerin im Pulli sein. Jedenfalls hat sie ein Gesicht, an das sich die fantasierenden Männer erinnern, und sie trägt eine bestimmte Kleidung. Nur bei jenen, die tatsächlich einmal mit Strafinstrumenten Bekanntschaft machten, trägt zusätzlich die Attribute ihrer Zunft: Meist einen Rohrstock oder eine Peitsche.

Etwas albern: So sah eine "Domina" in einschlägigen Fotos früher aus
Klischees ohne Ende

In der visuellen SM-Pornografie finden wir vor allem drei Klischees:

1. Die Frau, die in BH und Höschen dargestellt wird. Ihre Dominanz wird durch ein Schlagwerkzeug belegt, die man ihr in die Hand gegeben hat. Sie wenden sich an Männer, die Begierde und Schmerz zu zugleich genießen wollen.
2. Eine Frau, die den „Knaben“ erwartet, um ihn „übers Knie zu legen“ oder sonst wie zu „verhauen“. Sie wenden sich vermutlich an „alte Knaben“, die sich den Hintern versohlen lassen wollen.
3. Die Frau als Klischee der „Lifestyle-Domina“ in Leder und Latex. Sie wirkt durch ihre Kleidung und Ausstattung. Die persönliche, strenge Ausstrahlung wird dabei zur Nebensache.

Das leblose Domina-Porträt - woran liegt es?

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Nahezu jeder, der fotografiert werden will, ist irgendwie befangen – das gilt sogar für selbstbewusste Menschen. Und die meisten Fotos, die ich gesehen habe, seien sie heute oder vor 50 Jahren aufgenommen, zeigen nichtssagende Gestalten mit maskenhaften Gesichtern in aufwendigen Klamotten. Oftmals versuchen die Frauen (oder gar die Fotografen?) sie klischeehaft darzustellen. Dies geschieht dann offenbar in der Annahme, dass nahezu alle Kunden die gleichen Klischees „kaufen“ würden. Entsprechende Hinweise werden tatsächlich auf Webseiten gegeben, die sich an „Amateurdominas“ wenden: „je mehr du einem Klischee entsprichst, umso besser.“

Die Frage ist nur, warum viele Fotos dann wirken, als hätte sich eine Wurstverkäuferin im Kittel in einen Sessel gesetzt, um sich möglichst sexy mit Wurst fotografieren zu lassen.

Was meinst du?

Nachdem ich das nun so provozierend behauptet habe, würde mich interessieren, wie einschlägige Fotografen und die betroffenen Damen darüber denken. Und nein - ich fotografiere nicht - jedenfalls keine Porträts.

Falls ihr mehr wissen wollt: es gibt einen hervorragenden Bildband über Dominas. (1) Der Link führt zu einem britischen Artikel mit Bildern. Das Buch ist in Deutschland erhältlich.

(1) Dominas ist im Grunde falsches Deutsch. Besser wäre, „Dominatricen“ zu sagen, analog zu „Direktricen“. Der Duden will aber die Umwandlung in Dominä, was noch schrecklicher klingt. Bild: Oben: Strenge Haltung und Bereitschaft ohne Pose, Ursprung unbekannt. Mitte: Foto, vermutlich aus den 1920er bis 1950er Jahren, nachkoloriert. Ursprung unbekannt. Dieser Artikel wurde nicht gesponsert.

Was ist eigentlich „kinky“ und wie geht man damit um?

Situation: Erotisch, Kink: Erziehungs-Rollenspiel
Eigentlich kommt das Wort „Kinky“ vom „Kink“, dem „Knick“ im sexuellen Verhalten. Das kann ich vornehmer ausdrücken, und dann sage ich: „sexuell einige Facetten zu haben.“ Wieder sind wie beim „Knick“ oder den „Ecken“. Und nun könnet ich sagen: Diamanten glänzen erst richtig, wenn sie Facetten haben und Menschen sind sexuell erst richtig interessant, wenn sie sexuelle Facetten haben. Und dann sind sie eben für uns „kinky“.

Was ist „kinky“ denn wirklich?

Was „wirklich“ kinky ist, kommt darauf an, wie wir die Welt sehen. Für manche von uns ist eine sexuelle Vorliebe „ganz normal“, für den Nächsten ist sie „eigenartig“ und für den Dritten „ekelhaft“.

Forscher wollen dies vor einiger Zeit genau wissen und befragten Menschen nach ihren geheimen „kinks“, also nicht nach denen, die sie ausleben. Das Ergebnis war absolut verblüffend und für viele „ungeheuerlich“. Oralsex in beiden Varianten wurden von mehr als 70 Prozent der Frauen und Männer heimlich ersehnt, und die sexuelle Dominanz beziehungsweise Unterwerfung spielte bei über 50 Prozent der Befragten eine entscheidende Rolle – auch diesmal gut verteilt über Frauen und Männer.

Was ist also so verwerflich daran? Genau genommen gar nichts. Was über 50 Prozent der Menschen heimlich ersehnen und nicht ausdrücklich verboten ist, kann nicht „krank“ sein.

Die meisten „Kinks“ sind geheim – und bleiben es auch

Wenn wir eine verbindliche Aussage treffen wollen, dann müssen wir die Menschen fragen, die sich mit ihren geheimen Lüsten wohlwollend identifizieren, ob sie nun ausgelebt werden oder nicht.

Seht ihr – und genau das können wir gar nicht, denn eine geheime Lust zu verspüren heißt noch nicht, sie auch „anzunehmen“, und sie anzunehmen, heißt noch nicht, sie heimlich zum Lustgewinn einzusetzen (zum Beispiel mithilfe der Fantasie zu masturbieren). Und selbst dies bedeutet keinesfalls, sie auch im realen Leben jemals ausüben zu wollen.

Das real Leben hat eigene Gesetze

Ihr solltet dabei bedenken, dass es im „realen Leben“ immer noch viele Moralhüter gibt, die jeden Menschen mit „krausen Gedanken“ verachten. Das ist der Hauptgrund, diese Gedanken nicht weiter in die Realität hineinzutragen. Es mag sogar sein, dass wir uns gelegentlich unserer eigener Gedanken schämen. Und dies so sehr, dass wir sie nicht einmal im Ansatz ausprobieren würden.

Vertrautheit, Öffnung oder Rotlichtmilieu?

Ob wir es dennoch versuchen, hängt davon ab, ob wir es uns körperlich, psychisch und sozial „leisten“ wollen. Wer sich beispielsweise nur einem einzigen, vertrauten Partner in seiner ganzen körperlichen und psychischen Nacktheit offenbaren will, wird weder in SM- noch in Swinger-Kreisen verkehren wollen. Und wer darüber hinaus die Orte professioneller Prostitution oder Domination hasst, wird auch keine entsprechende Dienstleistung in Anspruch nehmen wollen.

Was sagen uns die die Erotik-Blogger(innen)

Selbst die einschlägigen Bloggerinnen halten sich zurück, wenn es ans „Eingemachte“ geht. Sie geben zwar zu, bestimmte Vorlieben zu haben, sonst würde man sie kaum lesen, aber sie halten sich damit zurück, wie sie ihre „Kink“ ausleben. Teils, wie sie sich nicht „nackt bis auf die Knochen ausziehen“ wollen, teils aber auch, weil dann bestimmte Inhalte der Zensur anheimfallen würden.

Hier ein Beispiel einer Bloggerin (jüngst erschienen, nacherzählt)

Was mich antreibt, ist die Neugierde. Es ist wichtig, zu sehen, was andere bewegt, warum sie sich in Lüste hineinsteigern und wie sie sich dabei fühlen. Ich halte mich für eine sehr selbstbewusste Person, und ich überlege mir oft, was ich an Lust benötige oder was mir gefällt. Natürlich weiß ich, was mir schon immer gefallen hat, und worauf ich immer noch abfahre. Aber ich habe mich auch weiterentwickelt. Und auch heute noch lerne ich mehr über mich und entdecke etwas an mir, das meine Seele berührt und meinen Körper begeistert.

So kann man es sagen: Wenn wir als Person etwas nicht mehr als „kinky“ empfinden, dann geht es in den Bereich des „Normalen“ über, sei es gedanklich oder real. Und wie der damit umgeht, muss wahrlich jeder selbst wissen.

Das Fazit – was ist „kinky“?

„Kinky“ sind Menschen, die sexuelle Facetten haben. Was als Facette gilt, ist kultur- und zeitabhängig, wenn aber mehr als 50 Prozent der Menschen denken, es sei normal, sich solches zu wünschen, dann ist es auch normal. Wenn sich jemand bewusst ist, „kinky“ zu sein, dann ist das in Ordnung und niemand sollte sich deshalb schämen. Das Ausleben allerdings ist immer mit gewissen Barrieren verbunden, die meist aus Scham und Angst vor sozialem Abstieg oder Ehrverlust bestehen.

Anmerkungen zu den Gedanken einer dominanten Frau

Zirkus der Lust oder Therapie?
Was haltet ihr von einer dominanten Frau, die über Beziehungen und therapeutische Werte der Unterwerfung nachdenkt? Wir haben eine verlässlich-nachdenkliche Quelle gefunden und dann einige Gedanken dazu verfasst. Die Quelle werden wir, wie immer, nicht nennen.

Eine Domina, die darüber nachdenkt, welchen Unterschied es wohl geben mag zwischen der Unterwerfung einer Frau und der eines Mannes? Sie sagt selbst, sie könne nicht für alle dominanten Frauen sprechen – es sei eben ihre Meinung über das, was man üblicherweise „Power Exchange“ nennt. Gibt es einen Unterschied zwischen der Dominanz, die von einer Frau ausgeht und auf eine andere Frau wirkt. „Power Exchange“ bezeichnet eigentlich den Machttausch zwischen Frau und Mann, kann aber auch anders definiert werden. In jedem Fall gibt der oder die Unterwürfige ihre Macht in einer Art Spiel ab. Zwar wird vereinbart, in welcher Form Wohlverhalten belohnt und Fehlverhalten bestraft wird, aber das Spektrum der Möglichkeiten ist damit nicht eindeutig beschrieben.

Soweit die Vorrede für alle, die nicht wissen, was in sogenannten D/S-Beziehungen passiert.

Zunächst die Behauptung der Frau, die zunächst als unterwürfig galt, dann aber die Seite wechselte und sich schließlich als dominant bezeichnete.

Ich tendiere dazu, Frauen aufzubauen und Männer aufzubrechen.

Als ich den Satz zum ersten Mal hörte, und auch den Zusammenhang las, in dem er geäußert wurde, war ich empört. Aber als ich darüber nachdachte, fand ich ihn nicht mehr so abwegig.

Therapie durch Unterwerfung?

Bauen sich unterwürfige Frauen bei S/M-Spielen auf ?

Aus manchen Gesprächen, Bücher, Blogs und dergleichen geht hervor, dass sich zuvor spielerisch-unterwürfige Frauen durch intensive Rollenspiele gewandelt haben. Das heißt, sie spielten zunächst aus Neugierde die Unterwürfige, fanden dabei heraus, dass die ihr innewohnende „schwache Person“ dadurch erstarken kann, und wechselten später die Rolle. Manche Psychologen würden sagen, „sie holen sich zurück, was sie entbehrt haben“, und das bemerken sie erst, wenn sie sehr bewusst unterwürfig sind. Paradox oder nicht: Sie behaupten, durch Unterwerfung psychisch gewachsen zu sein.

Werden Männer als unterwürfige Spieler aufgebrochen?

Die meisten Männer, die im Spiel unterwürfig sein wollen (es sind ziemlich viele), wissen, dass die ihre Macht während des Spiels verlieren. Das ist genau das, was sie anstreben: frei von Macht und Verantwortung zu sein, sich selbst zu verlieren und Gefühle zuzulassen. Dabei ist es durchaus möglich, dass diese Männer einen anderen Zugang zu ihren Gefühlen, zu dem „weichen Jüngling“ in ihnen bekommen, der sehr bedürftig ist. Die zitierte Frau sagt, sie würde „den Mann zwingen, sich immer wieder neben sich selbst zu stellen“ und auf neue Art zu betrachten. Beispielsweise hält sie für richtig, einen Mann zum Weinen zu bringen – an dem sicheren Ort, an dem es niemand sieht.

Kalte Schauer aus der Wissenschaft?

Unterwerfung als Therapie dürfte bei den meisten Psychiatern und Psychologen kalte Schauer auslösen, gefolgt von Kopfschütteln und Protesten. Doch das „innere Kind“ in uns wird selten beachtet – und wenn es zu deutlich hervortritt, dann wird es belächelt. Deshalb bemühen wir uns, immer „Erwachsene zu spielen“, auch wenn wir gerne dann und wann Kind sein würden. Und insofern mögen „Spielplätze“ für Erwachsene durchaus einen Sinn haben, und sie könnten durchaus auch ganz anders aussehen als dies in „Dominanz und Unterwerfung“ nach Art der D/S Beziehungen geschieht. Nachlesen kann man dies durchaus – zum Beispiel bei Eric Berne. Wer mag, sollte sein Buch " Spiele der Erwachsenen" lesen. Das Buch ist in Neuauflage erhältlich.

Bild oben: Illustration, angeblich von Vladimir Alexandre Karenin, koloriert, Original von 1933