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Verhandeln über Sex – das neue Wertesystem

Ja, aber wie sage ich, was ich will?
Vor dem Sex werden die Bedingungen ausgehandelt – so jedenfalls wird oft behauptet, und nicht selten wird es vehement gefordert. Was dem einen gruselig und vielleicht etwas „unanständig“ vorkommt, ist für den anderen selbstverständlich und notwendig.

Das Konzept dahinter heißt „Consensual“ und „Consensual“ bedeutet, alle Aktivitäten müssen (wenigstens grob) abgesprochen werden.

Bürgertum: Eheschließung war die sexuelle Flatrate für Männer

Im Lauf der Menschheitsgeschichte kann man als „kulturabhängig“ bezeichnen, ob „Absprachen“ nötig, möglich oder erwünscht waren. Für Frauen der bürgerlichen Epoche war „selbstverständlich“, dass sie sich dem Ehemann „hinzugeben“ hatten, wann immer es ihn lüstete. Das Einverständnis dazu wurde sozusagen „mit der Eheschließung erkauft“.

Nur mit dem Liebchen wurde verhandelt

Verhandelt wurde nur im Bürgertum nur mit Frauen, die sich einen finanziellen Vorteil von außerehelichen Beziehungen versprachen. Und dies unabhängig davon, ob sie verheiratet oder ledig waren und ob die Vereinbarung für Jahre oder für eine einzige Liebesnacht gelten sollte.

Entdeckungsreise bis zum Stopp: Das "Nein" der frühen Jahre

Als bürgerliche Ehen nicht mehr „arrangiert“ wurden, sondern die „Liebesheiraten“ aufkamen, wurden ungeschriebene Regeln für die Balz üblich. Die Populärste war, dass der Mann seine Freundin so lange und soviel intim berühren dufte, bis sie sich weigerte, „noch weiterzugehen“. Ließ sie den Geschlechtsverkehr selbst zu, tat sie dies meist in Erwartung einer baldigen Ehe.

Das Ende der Modells "die Frau ist passiv"

Erst Ende des 20. Jahrhunderts traten verstärkt Frauen auf, die entweder von sich aus verführten, um schnell und problemlos ihre Lust zu befriedigen, oder die dies taten, nachdem sie Vereinbarungen mit ihren „Dates“ getroffen hatten.

Im Prinzip galt das Konzept, die Möglichkeiten und Grenzen für den Sex spätestens zu verhandeln, nachdem klar wurde, dass die Bekanntschaft im Bett enden würde. Es mag sein, dass der Schutz vor Krankheiten (Kondomgebrauch) der Auslöser war, überhaupt vorher miteinander zu reden. Tatsache scheint aber zu sein, dass die Frauen sozusagen „Verhandlungsführer“ wurden. Ein weiterer Grund liegt ohne Zweifel daran, dass Frauen inzwischen wussten, welche Aktivitäten ihnen am meisten Lust bereiteten und sie diese mindestens ansatzweise auch einforderten.

Inzwischen ist es nicht mehr ungewöhnlich, sich zu sexuellen Wünschen und Vorlieben zu äußern, zumal im Grenzbereich der „Kurzzeitbeziehungen“.

Das neue Wertesystem: Nein ist Nein, Ja wird verhandelt

Klar dürfte sein: Das neue Wertesystem hat viel mit der Emanzipation der Frauen zu tun, die ihre Sexualität wesentlich selbstbewusster (und teils fordernder) an den Tag legen. Es hat weniger mit aktuellen Pressetrends um das „Nein“ oder „Ja“ zu einer sexuellen Beziehung zu tun. Da wird schamlos vereinfacht, um auch noch den dümmsten Mann zu erreichen, der angeblich kein „Nein“ versteht. In Wahrheit ist „Ja“ gar nicht „Ja“, sondern immer „Ja und ich möchte„„.“

Manchem werden sich angesichts solcher Überlegungen die Zehennägel heben. „Verhandlungen über sexuelle Praktiken?“ Solche Sätze gehören doch in den Bereich der Prostitution?

Nein, es ist keine Prostitution

Nun ist „Prostitution“ an sich ein klar umrissener Begriff, denn dazu ist nötig, dass eine Frau wahllos und ohne eigene lustvolle Erregung sexuelle Handlungen an anderen Menschen gegen eine unmittelbare, auf die Handlung bezogene Bezahlung vornimmt.

So jedenfalls ist die Theorie, und wie bei jeder Theorie, ist die Praxis differenzierter – doch was bleibt, ist das Fehlen der eigenen Lust und das das Erdulden von sexuellen Handlungen, die mit Geld oder Geldeswert kompensiert werden.

Wie "Beziehungen gegen Geld" schöngeredet werden

Nachdem nun klar sein dürfte, wo die Unterschiede zwischen „Prostitution“ und „der Verhandlung über gegenseitige Lustgeschenke“ liegen, will ich erwähnen, dass es einen „Graubereich“ gibt. Die neue Forderung, „Sex zuvor zu verhandeln“ wird dabei ganz bewusst nutzt, um „Sex gegen Zuwendungen“ zu verschleiern und die „Sex gegen Geld“ Beziehungen „schönzureden“.

In diesem Bereich wird verschleiernd behauptet:

1. Es ginge gar nicht um Sex, sondern um eine Beziehung. Dabei sei ja normal, die Partnerin auch finanziell zu unterstützen. Im Grunde müsse man gar kein Wort darüber verlieren – es sei eine Beziehung wie jede andere auch. Dabei wird ignoriert, ob, und falls ja, wie viele Parallelbeziehungen aufgenommen werden, um genügend Geld einzuheimsen.
2. Die Beziehung zu einem Mann, auch wenn sie sexuell sei, könne niemals Prostitution genannt werden, auch dann nicht, wenn er offenkundig Geld dafür zahle. Schließlich müsse sich die Frau ja auch zur Verfügung halten und könne deshalb kaum einem anderen Broterwerb nachgehen.
3. Selbstverständlich basiere die Beziehung in erster Linie auf Liebe. Das Geld sei nur eine Zugabe zum Lebensunterhalt. Das ist die übliche Lesart, um davon abzulenken, dass die Beziehung ohne die ständigen Geldzuwendungen sofort abgebrochen würde.


Fazit

Nur, wer ein scharfes Auge und einen wachen Verstand hat, wir die Trennlinien erkennen. Und so viel ist sicher: Diese Grenze wird dann und wann auch von manchen „ehrbaren“ Frauen überschritten, die offiziell „Pfui Teufel“ dazu sagen würden.

Über die Wahrheit und die Liebeszeitung

Die Wahrheit ... mal ist sie bitter, mal ist sie süß
Ich bin ich und du bist du …
… und meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit.


Als Redakteur eines Magazins um Liebe, Lust und Leidenschaft ist man ständig in der Zwickmühle, denn nirgendwo gibt es so wenig Wahrheit, aber so viele Wahrheiten, wie in der Liebe.

Meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit. Wie sollte es auch sein? Ich lebe mein Leben und du deines. Warum sollten unser Wahrheiten also deckungsgleich sein?

Manche Menschen suchen nach „der Wahrheit“. Je mehr sie suchen, umso kläglicher scheitern sie. Es gibt sie nicht, die Wahrheit.

Ich schreibe euch dies heute, weil ich euch sagen will: Ich bin nicht im Besitz der Wahrheit, so wenig wie ihr.

Wie ich mit der Wahrheit umgehe

Normalerweise fasse ich mehrere Wahrheiten zusammen, bilde sozusagen eine Melange aus unterschiedlichen Auffassungen, die gemeinsam einen Sinn ergeben. Ich akzeptiere, dass deine Meinung zum Thema anders ist, solange du sie nicht als „die einzige Wahrheit“ bezeichnest und mich einen Dummkopf, Ketzer oder sonst etwas Abwerfendes nennst.

Eigene Realitäten sind nicht „die Realität“

Manche typischen Abweichler vom Mainstream leben in einer anderen Form von Realität – durch Gruppenbildung und sektenähnliches Verhalten bestätigen sie sich darin, die Wahrheit gepachtet zu haben. Das könnt ihr alles gerne tun, nur könnt ihr mich nicht damit beeindrucken.

Manchmal fragen mich Menschen: „Hast du das selbst probiert?“ Oder gar „warum hast du es nicht selbst probiert?“ Gelegentlich sagen Gruppen: "Du hättest uns fragen sollen, dann wäre dein Urteil anders ausgefallen!“ Nein, wäre es nicht. Ich habe ein sehr lebendiges Beurteilungsvermögen, ich kann es selbst verantworten, und ich kann zugeben, wenn ich mich irre.

Das heutige Internet trübt das Beurteilungsvermögen

Nachdem ich dies gesagt habe, will ich auch sagen, was das Beurteilungsvermögen trübt:

1. Google und andere Suchmaschinen, bei denen verdeckte (!) Werbeartikel, Lobbyisten und kommerzielle Stellungnahmen vor Sachthemen und Sachbegriffen kommen. (Gebt mal als Selbstversuch „Sugar Baby“ ein).
2. Das Lesen von Beiträgen in sozialen Netzwerken. Sie sind sehr selten objektiv und müssen noch sorgfältiger gelesen werden als Blogs und Bürger-Zeitungen.
3. Informationen aus „spezifischen Blogs“ zu entnehmen, in denen Meinungen vertretenden werden, die für „Adepten“ bestimmt sind. Dazu gehören fast alle religiösen und weltanschaulichen Blogs, aber auch solche über sexuelle Abweichungen.
4. Auch die Sex-Blogs, bieten immer weniger Informationen und immer mehr offenkundige Werbung für Toys, Bücher, exotische Lebensformen oder gar für Formen der Prostitution.
5. Bei der Berichterstattung und der Meinungsbildung über die Liebe oder die Sexualität kann kaum unterschieden werden, ob Fakten oder Meinungen verwendet werden. Das gilt sogar dann, wenn Wissenschaftler oder „Fachleute“ zitiert werden. Das liegt daran, dass in allen Suppentöpfen der Wissenschaft mit anderen Zutaten (und oft mit anderen Zielen) „gekocht“ wird.

Das Fazit

Es ist keinesfalls einfach, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber immerhin versuche ich es wenigstens. Und falls ihr Unterschiede zwischen den Berichten erkannt haben solltet, die wir vor fast 10 Jahren hier veröffentlich haben und der heutigen Überzeugung, so kann ich nur sagen: Niemand wird mich jemals dran hindern, dazuzulernen.

Schockierende Wahrheiten über Sugar Babys

Süss sein - die Süße spielen - was bedeutet dies wirklich?
Ein „Sugar Baby“ ist nichts mehr als eine jugendliche Geliebte, die finanziell ausgehalten wird. Eine Geliebte zu werden, ist eine Entscheidung, die jede Frau für sich selbst fällen muss, und dafür eine finanzielle Entschädigung auszuhandeln, ist eine Frage der ethischen Grundeinstellung.

Wer hat nun aber ein Interesse daran, das „Sugar Baby“ schön zu reden? Die jungen Frauen, die sich als jugendliche Geliebte verdingen, wohl kaum. Sie verfolgen ihre Ziele beharrlich unter dem Deckmantel eines Doppellebens, das sie schützt. Anders die Dating-Agenturen, die im Internet Kontaktzonen für „Sugar Babys“ und „Sugar Daddys“ zur Verfügung stellen.

Sugar Baby - ein Dasein ohne Sorgen?

Glaubt man ihnen, so ist das Sugar-Baby-Dasein ein Leben ohne Sorgen, denn der „Sugar Daddy“ sorgt für Studiengebühren und Lebensunterhalt, und etwas Luxus fällt dann auch noch ab – meist durch Einladungen und teure Geschenke. Man spricht vornehm von einer „Allowance“, also einer „Apanage“ oder frei verfügbaren Summe, die monatlich sicher und zuverlässig aufs Konto fließt, um die Lebenshaltungskosten zu sichern und vom „Sponsoring“ der jungen Frauen.

Also: Sorgenfrei studieren, dazu einen verlässlichen älteren Freund und Lover haben, der für alles aufkommt und zudem noch verständnisvoller Förderer und erfahrener Lover ist?

Die Versprechungen sind enorm. Man hört von „Allowances“ von bis zu 3000 EUR, GBP oder USD. Doch dabei vergessen viele, dass sich nur wenige Männer leisten können, solche Summen regelmäßig auszuzahlen. Und falls der Sugar Daddy wirklich sehr hohe Summen spendiert, erwartet er allzeit die spontane Bereitschaft, dass sein „Sugar Baby“ ihm lustvoll und barrierefrei Premium-Sex schenkt.

Versprechungen und Realitäten

Ob diese Beträge tatsächlich so hoch ausfallen? Beobachter der Szene sind skeptisch. Wer 50.000 Euro im Jahr netto verdient, wird seinem Sugar Baby maximal 500 Euro pro Monat anbieten können. Das sind immerhin schon 12 Prozent seines Nettoeinkommens. Es gibt geringere und höhere Zuwendungen, aber das Maximum liegt nach glaubwürdigen Berichten bei etwa 2000 EUR, GBP oder USD. Und weil der „Sugar Daddy“, der so viel Geld einsetzen möchte, die freie Wahl unter den Frauen hat, die sich als „Sugar Baby“ anbieten, kann er auch die Geliebte wechseln, wenn er nicht zufrieden mit ihrer „Begleitung“ ist.

Offenbar ist die Bereitschaft zu festen monatlichen Netto-Zuschüssen (Allowances) ohnehin nicht sonderlich ausgeprägt. Wir lasen, dass die „Zahlungsmoral“ der Sugar Daddys offenbar nachgelassen hat:

Die meisten Sugar-Baby-Beziehungen werden entweder über wöchentliche Zahlungen in bar abgewickelt oder auf der Basis „Er zahlt, wenn er dich braucht“.

Eine Geliebte, die Emotionen für eine Flatrate anbietet?

Ist dies bei Beziehungen mit einem festen Beitrag zum Unterhalt besser? Oft hört man: „Eine Sugar-Daddy-Beziehung verläuft wie jede andere Beziehung auch.“ Eine sehr zweifelhafte Behauptung. Schon die Beziehung zu einer unbezahlten, romantischen Geliebten verläuft in der Regel nicht „wie jede andere Beziehung auch“ und eine Beziehung gegen Geldzahlungen ist eine wirtschaftliche Übereinkunft, bei der Emotionen gegen Geld getauscht werden und keine Beziehung aus Leidenschaft. Dies wird auch deutlich, wenn man genau liest, was die Autorinnen und Autoren schreiben:

Außer beim ersten Date wird der Sugar Daddy bei jedem Date Sex erwarten.

Was im Grunde und recht schnörkellos bedeutet, durch die monatliche „Allowance“ eine „Flatrate“ auf Sex erworben zu haben – jedenfalls aus der Sicht des Sugar Daddys.

Das Fatale: Trotz der vielen Unwägbarkeiten gibt es ein Überangebot an Sugar Babys. Aus wirtschaftlicher Sicht könnte man sagen: Ein Überangebot verschärft den Wettbewerb, drückt die Preise und führt zu einem Verfall der „üblichen“ Usancen und Vereinbarungen.

Warum wir unsere Betrachtungsweise zum Thema verändern

Was heißt dies für die Liebeszeitung? Knallhart: Wir müssen das Thema der „Sugar Babys“ und des „Sugar Datings“ in Zukunft noch kritischer behandeln, als wir es ohnehin schon taten.

Anderer Meinung? Dann heraus damit! Wir hoffen auf sinnvolle Kommentare.

Hinweis zu den Quellen: In nahezu jedem Artikel, der in Zeitungen, Zeitschriften, Foren oder Blogs zum Thema erscheint, wird mehr oder weniger unverblümt für einschlägige Dating-Agenturen geworben. Dies gilt auch für eher kritische Berichte.Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Quellen nur selten.
Dieser Artikel wurde nach einer Revision der Liebeszeitung vervollständigt.

Prostitution, Dating und der Graubereich - damals und heute

Das kann kein Zufall sein ...
Seit das Wort „Prostitution“ ethisch, kulturell und politisch zu einem Schlagwort geworden ist, sind die Wurzeln dessen verloren gegangen, was das Wort bedeutet. Der früher oft gebrauchte Begriff „Gunstgewerbe“ sagt viel deutlicher aus, was gemeint ist. Wenn eine Dame (oder ein Herr) eine erotische oder sexuelle Gunst gegen Geld oder Geldeswert eintauscht, und wenn dies gewerbsmäßig geschieht, dann ist dies eindeutig Prostitution. Einfacher: Wenn eine Frau davon lebt, sich gegen Bares vögeln zu lassen, dann ist sie eine Hure.

Rendezvous und Geldgeschäfte

Schon bevor der Begriff „Dating“ eingeführt wurde, gab es eine Verbindung zwischen „Rendezvous“ und „Geldgeschäften“. Das Interessante daran ist, dass es nicht nur Dienstmägde, Ladnerinnen und ähnliche Berufssparten waren, die auf diese Weise „ein Geschäft machten“, sondern durchaus auch Damen der Gesellschaft. Mochte die Mitgift auch noch so hoch gewesen sein, für Luxusbedürfnisse reichte sie selten. Die Kontakte wurden – wie damals üblich – fast ausschließlich über Kupplerinnen hergestellt.

Halbseidene Damen und lüsterne Herren in einem Nachtcafé um 1900


Begegnungen - das Wort konnte alles bedeuten

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts reichten die Anzeigen, in denen „Begegnungen“ versprochen wurden, in denen „alles Schöne“ verwirklicht werden konnte – die Urheberinnen waren schwer zu identifizieren. Gelegentlich handelte es sich tatsächlich um verheiratete, „liebestolle“ Frauen, doch vielfach standen andere Interessen dahinter. Das Problem der annoncierenden Frauen war ja, die Worte, die auf „biete Sex“ hinweisen konnten, zu verschleiern und die Bedingungen, unter denen diese gewährt wurden, möglichst gar nicht zu erwähnen. Schon die Angabe „etwas anspruchsvoll“ Oder „etwas verwöhnt“ konnte zu Konflikten mit der Annoncenannahme führen, und wenn sich eine Frau gar entschloss, nach einem „solventen“ Herrn zu fahnden, war die Toleranzgrenze vieler Zeitungen bereits ausgeschöpft.

Huren und Bürgerfrauen

Die Anzeige einer Gelegenheitsprostituierten dufte sich also nicht deutlich von der Anzeige einer „anständigen“ bürgerlichen Frau unterscheiden, die tatsächlich einen Partner suchte. Allein aus diesem Grund war in Zeiten der Zeitungsanzeigen niemals erkennbar, welche Anzeigen tatsächlich von ledigen, geschiedenen oder verwitweten Frauen aufgegeben wurden, wie viele von lustvollen Ehefrauen und wie viele von Gelegenheitshuren. Die Formulierungen waren sich einfach zu ähnlich. Das betraf übrigens beide Seiten: die Huren und die „Soliden“. Denn ein unglücklich gewählter Begriff konnte durchaus eine Fülle von vor Lust geifernden Männern anlocken. SM-Liebhaber wandten sich dabei an „Englischlehrerinnen“, lechzende junge Männer an „Bio-Lehrerinnen“ und Oralliebhaber an „Französisch-Lehrerinnen“.

Codes für Prostitution - immer und überall

In Länder, in denen Prostitution verboten ist, gibt es zwischen „Freiern“ und „Huren“, aber auch zwischen Menschen, die andere Gelegenheitsbeziehungen suchen, zumeist Codebegriffe. Sie reichen von der „Kurzzeitbeziehung“ über das Begriffspaar „verwöhnen/verwöhnt“ werden bis zu völligen Umschreibungen wie „kompensiertes Dating“ oder „sexuelle Genesung“ („Sexual Healing“). Weil sie immer wieder neu erfunden und angepasst werden, ist es schwer, sich zu orientieren. Auch der Begriff „außergewöhnliche Begegnungen“ steht oft für Prostitution.

Japan und China - alte Männer, sehr junge Frauen

Nachdem die Unsitte junger Japanerinnen (und älterer männlich Japaner) bekannt wurde, sich zum „kompensierten Dating“ oder Enjo-kōsai (援助交際 zu verabreden, bekannt wurde, hat man nun auch in Hongkong ähnliche Beobachtungen gemacht. Chinesische Kommentatoren weisen inzwischen häufig auf diese neue Erscheinung hin, die dadurch möglich wird, dass Internetportale solche Kontakte sehr schnell und abseits der öffentlichen Wahrnehmung vermitteln können.

Neue Technologien, alte Verhaltensweisen

Ändert sich die Welt? Ja, sie ändert sich, weil neue Technologien zur Verfügung stehen. Und weil es unter jungen Frauen immer mehr darum geht, schnell an fast unerreichbare Luxusgüter zu kommen. Und die Männer? Sie fragen wenig – zu wenig. Denn anders als die bürgerlichen Frauen, der Vergangenheit, die sich auf Seitenwegen an schwärmerischen und lüsternen Männern bereicherten, und dabei genau wussten, was sie taten, wissen es die jungen Frauen nicht.

Dating kann ein betrügerisches Spiel mit Sex sein

Und wie war das nun mit dem „Dating“ hierzulande? Wer als junger Mann Sex oder liebevolle erotische Begegnungen sucht, wird vielfach um sein Geld betrogen, bevor er überhaupt einen Kontakt bekommt. Und die großen und kleinen Betrügerinnen, Fopperinnen und ähnliche weibliche Gestalten betreiben ihre undurchsichtigen Geschäfte weiterhin in der üblichen Art: Absichten verschleiern, viel fordern, wenig geben.

Bild oben: Illustration (oben) eines Groschenhefts, 50er Jahre,
Unten: Nicht datiertes Bild, um 1900 mit dme Titel "Nachtcafé"

Jede Liebe – und echte Liebe – die Liebeszeitung

Ist es Liebe?
Sie erinnern sich vielleicht an den unglaublich populären Song „Love for Sale“, 1930 von Cole Porter geschrieben. Weil er „so frivol“ war, durfte er im Rundfunk nicht gespielt werden. Angeblich wurde im Song die Prostitution verherrlicht, doch der Song enthält einige Zeilen, die nicht einfach „so dahingesagt“ sind (keine Nachdichtung, nur sinngemäß übersetzt):

Lass die Dichter von Liebe singen
Kindisch wie sie sind
Ich kenne jede Art von Liebe – weit besser als sie
Wenn du erregende Liebe willst –
Ich kenne alles, was es da gibt …
Alte Liebe, neue Liebe,
Alles außer echter Liebe.


Es gibt viele Arten, „Liebe auszudrücken“, und jeder. Insbesondere aber Institutionen wie die Universitäten und die Kirchen, glauben, die Weisheit über die Liebe mit Suppenlöffeln gefuttert zu haben. Ich denke mit Grausen und (ausnahmsweise) etwas Verachtung an die Lobhudelei, mit der das Machwerk „Das Ende der Liebe“ mit PR-Hudelei und Akademiker-Lob bedacht wurde.

Da war er wieder, der Gedanke: Diese Männer (leider auch Frauen) nutzen ihre fest betonierten Machtpositionen, um uns zu sagen, was richtig und gut ist. Selbst, wenn es stimmen sollte, was in diesem Buch steht, wird der Begriff „Liebe“ damit umgemünzt in irgendeinen „Sozialkitt“. Und ja, das ist er auch. Aber es gibt weder einen Grund, daraus die Definitions-Allmacht abzuleiten und einen Riesen-Buhei damit zu veranstalten.

Zehn Arten von Liebe plus eine


Sinngemäß gibt es mehrere Arten von Liebe, die wir im „klassischen“ Sinne unterscheiden können:

1. Die Liebe als Überbau im sozialen Zusammenhalt.
2. Die Liebe der Götter.
3. Die Liebe, zu der nur Männer fähig sind: die Freundesliebe. (Wie früher behauptet wurde).
4. Die nahe (oft hautnahe) Liebe als sozialer Zusammenhalt der Familie.
5. Die Liebe, die wir als „Verliebtheit“ empfinden.
6. Die Liebe, die zwischen Paaren entsteht, die lange miteinander leben. („Wahre Liebe“)
7. Die Lust, auch die Wollust, die erfüllbar und weitgehend akzeptiert ist. („Heiße Liebe“)
8. Die Liebe, bei der die Lust von gängigen Mustern abweicht.
9. Die Liebe zu Gegenständen oder zu Situationen, mit und ohne Verbindung zu Menschen.
10. Die Liebeslust, die eine besonders talentierte Person oder eine Hure schenken kann.

Ich habe nicht vergessen, die Liebe zu sich selbst zu erwähnen. Sie ist ein (biblischer, falls sie mögen) Auftrag an uns selbst, uns so zu erhalten, wie es uns selber gefällt. Wer sich nicht selbst liebt, ist zumeist auch nicht fähig, andere zu leiben.

Also: Auf welcher Seite stehen wir? Auf gar keiner Seite. Ich persönlich empfinde fast alles, was Forscher über die Liebe wissen wollen, als bloße Meinungen, gelegentlich auch als entsetzliches Dummgeschwätz. Und dennoch unterstütze ich die Suche nach „wahrer Liebe“ – nur werde ich niemandem vorschreiben, was „wahre Liebe“ ist.

Besserwisser gibt es in unsrem Volk schon genug.

Bild: Auszug aus einer Illustration von Becat.