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Die Domina der Vergangenheit und ihre Annoncen

Foto ohne Datum - französische Dominatrice
Eine heutige Domina, Domintarix oder Dominatrice wäre zu Anfang des 20. Jahrhunderts entweder eine „Krankenschwester“, eine „Erzieherin“, eine „Lehrerin“ oder eine Gouvernante gewesen. Im Unterschied zu den echten Angehörigen solcher Berufe pflegten sie jedoch das Wort „streng“ oder „energisch“ hinzuzufügen.

Mehrere Autoren erwähnen, dass sich Damen in Zeitungsanzeigen erboten, „schwer zu behandelnde Kranke zu pflegen“. Damit war gemeint, an ihnen sadistisch-erotische Handlungen vorzunehmen. In einem anderen Kostüm, aber mit ähnlicher Behandlung, warben Frauen als „Gouvernanten, die auch schwierige Knaben erziehen“ würden. Aus der gleichen Richtung kamen jene Frauen, die sich als „strenge Erzieherinnen“, „energische Lehrerinnen“ oder „konsequente Englischlehrerinnen“ verdingen wollten. (1)

Erstaunlich ist allerdings, dass solche Anzeigen, jedenfalls, soweit es seriöse Zeitungen betrifft, in den Archiven nicht vorkommen. Im beginnenden 20. Jahrhundert wurde, soweit überhaupt Erotik vorkam, bestenfalls für Vibratoren und Unterwäsche sowie für Brustvergrößerungen geworben – die großen, knalligen Anzeigen waren für fragwürdige Pülverchen reserviert, die Gesundheit schenken sollten – aber auch für Produkte, die „brave Hausfrauen“ interessieren konnten.

Machte damals Furore: Dr. Leo Perry
War es gar nicht so, wie Lehnerdt behauptete? Die Antwort finden wir bei einem Freigeist namens Dr. Leo Perry, dem es gelang, in Wien im Jahr 1927 einige Annoncen mit frivolem Inhalt zu lancieren. Das war möglicherweise recht leicht für ihn, denn es soll sich um den Journalisten und Redakteur Leo Prerovsky gehandelt haben, der diese Anzeigen aufgab:

Aus dem Buch ...

Routinierte Lehrerin für englischen Sprachunterricht gesucht. Energie ist Bedingung, da es sich um einen sehr zerstreuten und unaufmerksamen Jungen handelt. Offerte unter „Strenge Disziplin“ an …“

Das Beispiel mag zeigen, dass entsprechende Berichte nicht völlig aus der Luft gegriffen waren – wer wollte, zahlte und eine Zeitung fand, die solche Annonce annahm, konnte also sexuelle Sonderwünsche durchaus veröffentlichen. Allerdings nur, solange er oder sie die Form wahrte und die wahren Absichten gründlich verschleierte.

London Tart Girl, ca. 1960
Eine mögliche Ursache dafür, dass wir entsprechende „Angebote“ und „Gesuche“ in alten Zeitungen nicht finden können, mag auch darin liegen, dass diese Annoncen nicht in Zeitungen, sondern teils legal, teil illegal, in Schaukästen und Laternenpfählen angebracht wurden. Man sagt, dass diese Mode erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufkam, aber es ist durchaus möglich, dass Handzettel und dergleichen während des frühen 20. Jahrhunderts in Umlauf waren. Dies wird jedenfalls von Berlin, London, Paris und New Orleans behauptet.

Später (gegen 1960) wurden die Damen als „Anzeigen-Girls“ bekannt, deren „Tart-Cards“ berühmt und berüchtigt wurden.

(1) (Gotthold Lehnerdt „Die Prostitution“, 1926)
(2) "Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege ...", Wien 1927

Text-Bild: Anno Archiv.
Das Foto der Dominatrice könnte nach dem Stil aus de 1930er Jahren stammen - Detail sind unbekannt.

Die guten Artikel und ihre schlechten Bewertungen

Freier und Hure, 1808, Britisches Museum (Teilansicht)
Am schlechtesten wurden Beiträge der Liebeszeitung immer dann bewertet, wenn sie versuchten, Irrtümer zu beseitigen.

Zum Beispiel, welche Dienste in britischen Flagellationsbordellen verrichtet wurden. Offensichtlich sind manche Zeitgenossen der Meinung, dort wurde fein säuberlich getrennt zwischen der Arbeit am „Embulon“ und an der Bearbeitung des Gesäßes mit Ruten. Denn steht außer Zweifel, dass die britischen Frauen, die in Flagellationsbordellen arbeiteten, im engeren wie im weiteren Sinne Prostituierte waren. Vom 16. Jahrhundert bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war eine derartige Frau eine Stiefelhure. Die Domina oder „Dominatrix“ wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv für Frauen genutzt, die überwiegend oder ausschließlich für Schläge, Qualen und Erniedrigungen aufgesucht wurden. Die sogenannte Lifestyle-Domina gilt hingegen als reine Verschleierung der Rotlichtbranche, um dem Prostitutions-Vorwurf zu umgehen. (-80 Punkte)

Entsprechend schlecht wurde auch ein Artikel über Theresa Berkley bewertet, in dem bezweifelt wird, dass es sich bei der primitiven Holzkonstruktion, die heute als das „Berkley Horse“ bezeichnet wird, wirklich um die „berühmte Erfindung“ der Bordellbesitzerin handelt. (-70 Punkte).

Was am Artikel über die Neo-Moralapostel auszusetzen war, ist mir hingegen unbegreiflich. (-75 Punkte). Und ob es auch die Mortalapostel waren, die sich heimlich darüber echauffierten, dass erfahrene Frauen die besten Lehrmeisterinnen für junge Männer sind? (-74 Punkte).

Der am unterschiedlichsten bewertete Artikel war jener über Männer, die vor allem nach Intimität in der Lust suchten. Er bekam 163 Stimmen – gemischt aus Zustimmung und Ablehnung.

Sugar Babys, Wahrheiten und Grauzonen im Dating-Bereich

Sugar Baby sein: Ein Traum? Eine Illusion? Oder einfach eine Geldsache?
Heute will ich euch ein bisschen Interna der Liebeszeitung verraten, nämlich, wie wir unsere Artikel finden. Und wie wir – trotz aller Sorgfalt, eben auch mal in die Honigtöpfchen verdeckter, oft gutgläubiger Beeinflusser (Influencer) fallen konnten.

Dabei will ich ich euch auch die beiden Artikel nennen, die am meisten Leser (oder Begucker) brachten.

Die Dating-Branche entdeckt „edle“ Sexkontakte

Der erste Artikel beschäftigte sich mit einem seit etwa 2010 aufkommendem Phänomen in der Dating-Branche: Sugar Babys und Sugar Daddys. Das Thema wurde damals von der Presse zu Anfang noch bewusst „flach gehalten“. Ausgangspunkt waren die hohen Kredite, die viele Studenten aufnehmen mussten, um ihre Studiengebühren zu zahlen. Um diese Schulden abzutragen oder überhaupt erst einmal zu vermeiden, stellten sich einige Studentinnen tatsächlich die Frage: Als Bedienung im Pub jobben, Strippen, Escort-Service oder Spendierhose? In einer Betrachtung kam dabei heraus, dass die „Spendierhose“, also der Sugar-Daddy, die bei Weitem bequemste und einträglichste Lösung sei. Ich schrieb damals darüber, ohne zu bemerken, wie fragwürdig die Quellen waren, sowohl in der Sache als auch in der „Höhe der Unterstützung“ die ein Sugar Baby zu erwarten hat.

Die Suche nach Gelegenheitssex und Geld-Beziehungen

Kurz zuvor war auch das „Casual Dating“ bekannt geworden, dass trotz des verschleiernden Namens eigentlich eine Bezeichnung für „Suche nach Gelegenheitssex“ ist. Meine Warnung wurde allerdings eher überlesen:

Tatsache ist, dass sich Frauen auf mehreren deutschen und internationalen Dating-Seiten gegen Bezahlung anbieten, die sich nicht als „Prostituierte“ kenntlich machen. Die Betreiber gehen manchmal mit der größtmöglichen Nonchalance darüber hinweg: ob Seitenspringerin, Goldgräberin, Gelegenheitshure oder Abzockerin: Eine Frau ist eine Frau, und Frauen braucht man, um das Geschäft aufrechterhalten zu können.

Ich würde diesen Satz heute ohne Änderungen noch einmal schreiben.

2015 waren wir kritischer mit Sugar Babys

Der zweite Beitrag ist von 2015, und er wurde anhand von etwas seriöseren Zeitungsberichten, Verlautbarungen und eigenen Recherchen sowie Insiderkenntnissen von Branchenkennern sorgfältig und kritisch gefasst. Als es darum ging, den Artikel in der Urform zu veröffentlichen, dachte ich: Nun ja, wir wollen die Sache der „Unterstützung“ nicht als völlig negativ darstellen – sie mag ja auch ihr Gutes haben.“ Wenn ein „Schürzenstipendium“ oder ein „Bratkartoffelverhältnis“ nicht allzu anrüchig war, warum sollte es dann die Finanzierung durch einen „Sugar Daddy“ sein? Also habe ich als verantwortlicher Redakteur relativiert:

Beide können zumindest behaupten, ein „ganz gewöhnliches Paar“ zu sein. So sehen das auch die Agenturen, die solche „schrägen“ Beziehungen vermitteln. Für sie ist alles eben nur „Dating“.


Also doch Prostitution? Niemand legt sich wirklich fest

Hier zeigt sich eine der Schwierigkeiten: Uns allen, Branchenkennern wie Branchenfremden, Bloggern und investigativen Journalisten, ist nicht möglich, den Graubereich der Prostitution in „Schwarz“ und „Weiß“ oder gar in ein Farbenspektrum aufzuteilen, ohne dass wir den Wahrheitsgehalt abwägen und bewerten. Selbst die Giganten der Presse, also große Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehstationen tun sich damit schwer. Wenn es um die Kernfrage geht, nämlich „Wann und wie wird geldliche Unterstützung von Personen zur Prostitution?“, dann müssen wir letztendlich passen. Zwar kann man die Frage nach den Gesetzen unterschiedlicher Länder in der einen oder anderen Weise beantworten, aber diese Methode schließt eine ethische Bewertung aus. (1)

Das heißt: Weder die Frage nach der Legalität noch nach der ethischen Perspektive kann uns Aufschluss darüber geben, ob es sich lediglich um ein „Dating besonderer Art“ oder um eine besondere Form der Prostitution handelt, wenn von Sugar Babys und ihren Unterstützern die Rede ist.

Selbst bedeutende Medien scheiterten bei der Wahrheitssuche

Wo hätten wir also damals (wie auch heute) „die Wahrheit“ gefunden? Wir hätten sie gar nicht gefunden, denn das haben längst andere versucht – mit größeren Möglichkeiten und sogar unter Einsatz von Undercover-Girls. Und obgleich dabei herauskam, dass dieses „Geschäft“ sehr mühevoll ist und der Einsatz oftmals höher als erwartet oder befürchtet war: So recht wollte niemand mit einer Beurteilung heraus. Es hieß nur, dass die „Sugar Babys“ ihre „Höhen und Tiefen“ durchlebten – die sie nach diesem Bericht offenbar daraus ableiten, ob sie einem einzigen Lover bequem 3000 GBP pro Woche aus der Tasche ziehen konnten oder um die „Belohnung“ geneppt wurden. Da ich keinen Zugriff auf die Dokumentation der BBC bekam, las ich einen Artikel darüber in der „SUN“. Er strotze nur so von Lob über die Verdienstmöglichkeiten und der leichten und lockeren Lebensart, die man bei dieser Art Tätigkeit hat (Zitat SUN):

Natürlich will ich mit ihm schlafen … ich genieße es und es macht mir Spaß“ Trotz des Sex und der Geldgeschenke glaubt Valentina, dass sie in einer Beziehung wie jeder anderen lebt. Sie besteht darauf, dass es nicht dasselbe ist, wie ein Escort-Girl oder eine Prostituierte zu sein.


Die Grauzonen werden nicht farbiger

Ich schreibe diesen Zusatz (der Beitrag der BBC datiert von von 2019), um zu zeigen, dass auch wesentlich mächtigere Medien etwa fünf Jahre später nicht zum Kern des Phänomens „Sugar Baby-Beziehungen“ vordringen konnten.

Und was sich daraus noch ergibt: Es gibt Grauzonen, die niemand der Beteiligten, also Dating-Seiten-Anbieter, Unterstützer oder „Unterstützung Suchende“, um es neutral zu formulieren, jemals einem Journalisten vorbehalt- und schnörkellos offenbaren würden.

(1) Der entsprechende Pressebericht war nicht wirklich eindeutig, weil nicht klar wurde, was eigentlich vom Gericht gerügt wurde. Es heiß nur, dass der Anbieter wegen "Anstiftung zur Prostitution" angeklagt wurde.
Bild: Teil einer Illustration von Becat

Verhandeln über Sex – das neue Wertesystem

Ja, aber wie sage ich, was ich will?
Vor dem Sex werden die Bedingungen ausgehandelt – so jedenfalls wird oft behauptet, und nicht selten wird es vehement gefordert. Was dem einen gruselig und vielleicht etwas „unanständig“ vorkommt, ist für den anderen selbstverständlich und notwendig.

Das Konzept dahinter heißt „Consensual“ und „Consensual“ bedeutet, alle Aktivitäten müssen (wenigstens grob) abgesprochen werden.

Bürgertum: Eheschließung war die sexuelle Flatrate für Männer

Im Lauf der Menschheitsgeschichte kann man als „kulturabhängig“ bezeichnen, ob „Absprachen“ nötig, möglich oder erwünscht waren. Für Frauen der bürgerlichen Epoche war „selbstverständlich“, dass sie sich dem Ehemann „hinzugeben“ hatten, wann immer es ihn lüstete. Das Einverständnis dazu wurde sozusagen „mit der Eheschließung erkauft“.

Nur mit dem Liebchen wurde verhandelt

Verhandelt wurde nur im Bürgertum nur mit Frauen, die sich einen finanziellen Vorteil von außerehelichen Beziehungen versprachen. Und dies unabhängig davon, ob sie verheiratet oder ledig waren und ob die Vereinbarung für Jahre oder für eine einzige Liebesnacht gelten sollte.

Entdeckungsreise bis zum Stopp: Das "Nein" der frühen Jahre

Als bürgerliche Ehen nicht mehr „arrangiert“ wurden, sondern die „Liebesheiraten“ aufkamen, wurden ungeschriebene Regeln für die Balz üblich. Die Populärste war, dass der Mann seine Freundin so lange und soviel intim berühren dufte, bis sie sich weigerte, „noch weiterzugehen“. Ließ sie den Geschlechtsverkehr selbst zu, tat sie dies meist in Erwartung einer baldigen Ehe.

Das Ende der Modells "die Frau ist passiv"

Erst Ende des 20. Jahrhunderts traten verstärkt Frauen auf, die entweder von sich aus verführten, um schnell und problemlos ihre Lust zu befriedigen, oder die dies taten, nachdem sie Vereinbarungen mit ihren „Dates“ getroffen hatten.

Im Prinzip galt das Konzept, die Möglichkeiten und Grenzen für den Sex spätestens zu verhandeln, nachdem klar wurde, dass die Bekanntschaft im Bett enden würde. Es mag sein, dass der Schutz vor Krankheiten (Kondomgebrauch) der Auslöser war, überhaupt vorher miteinander zu reden. Tatsache scheint aber zu sein, dass die Frauen sozusagen „Verhandlungsführer“ wurden. Ein weiterer Grund liegt ohne Zweifel daran, dass Frauen inzwischen wussten, welche Aktivitäten ihnen am meisten Lust bereiteten und sie diese mindestens ansatzweise auch einforderten.

Inzwischen ist es nicht mehr ungewöhnlich, sich zu sexuellen Wünschen und Vorlieben zu äußern, zumal im Grenzbereich der „Kurzzeitbeziehungen“.

Das neue Wertesystem: Nein ist Nein, Ja wird verhandelt

Klar dürfte sein: Das neue Wertesystem hat viel mit der Emanzipation der Frauen zu tun, die ihre Sexualität wesentlich selbstbewusster (und teils fordernder) an den Tag legen. Es hat weniger mit aktuellen Pressetrends um das „Nein“ oder „Ja“ zu einer sexuellen Beziehung zu tun. Da wird schamlos vereinfacht, um auch noch den dümmsten Mann zu erreichen, der angeblich kein „Nein“ versteht. In Wahrheit ist „Ja“ gar nicht „Ja“, sondern immer „Ja und ich möchte„„.“

Manchem werden sich angesichts solcher Überlegungen die Zehennägel heben. „Verhandlungen über sexuelle Praktiken?“ Solche Sätze gehören doch in den Bereich der Prostitution?

Nein, es ist keine Prostitution

Nun ist „Prostitution“ an sich ein klar umrissener Begriff, denn dazu ist nötig, dass eine Frau wahllos und ohne eigene lustvolle Erregung sexuelle Handlungen an anderen Menschen gegen eine unmittelbare, auf die Handlung bezogene Bezahlung vornimmt.

So jedenfalls ist die Theorie, und wie bei jeder Theorie, ist die Praxis differenzierter – doch was bleibt, ist das Fehlen der eigenen Lust und das das Erdulden von sexuellen Handlungen, die mit Geld oder Geldeswert kompensiert werden.

Wie "Beziehungen gegen Geld" schöngeredet werden

Nachdem nun klar sein dürfte, wo die Unterschiede zwischen „Prostitution“ und „der Verhandlung über gegenseitige Lustgeschenke“ liegen, will ich erwähnen, dass es einen „Graubereich“ gibt. Die neue Forderung, „Sex zuvor zu verhandeln“ wird dabei ganz bewusst nutzt, um „Sex gegen Zuwendungen“ zu verschleiern und die „Sex gegen Geld“ Beziehungen „schönzureden“.

In diesem Bereich wird verschleiernd behauptet:

1. Es ginge gar nicht um Sex, sondern um eine Beziehung. Dabei sei ja normal, die Partnerin auch finanziell zu unterstützen. Im Grunde müsse man gar kein Wort darüber verlieren – es sei eine Beziehung wie jede andere auch. Dabei wird ignoriert, ob, und falls ja, wie viele Parallelbeziehungen aufgenommen werden, um genügend Geld einzuheimsen.
2. Die Beziehung zu einem Mann, auch wenn sie sexuell sei, könne niemals Prostitution genannt werden, auch dann nicht, wenn er offenkundig Geld dafür zahle. Schließlich müsse sich die Frau ja auch zur Verfügung halten und könne deshalb kaum einem anderen Broterwerb nachgehen.
3. Selbstverständlich basiere die Beziehung in erster Linie auf Liebe. Das Geld sei nur eine Zugabe zum Lebensunterhalt. Das ist die übliche Lesart, um davon abzulenken, dass die Beziehung ohne die ständigen Geldzuwendungen sofort abgebrochen würde.


Fazit

Nur, wer ein scharfes Auge und einen wachen Verstand hat, wir die Trennlinien erkennen. Und so viel ist sicher: Diese Grenze wird dann und wann auch von manchen „ehrbaren“ Frauen überschritten, die offiziell „Pfui Teufel“ dazu sagen würden.

Über die Wahrheit und die Liebeszeitung

Die Wahrheit ... mal ist sie bitter, mal ist sie süß
Ich bin ich und du bist du …
… und meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit.


Als Redakteur eines Magazins um Liebe, Lust und Leidenschaft ist man ständig in der Zwickmühle, denn nirgendwo gibt es so wenig Wahrheit, aber so viele Wahrheiten, wie in der Liebe.

Meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit. Wie sollte es auch sein? Ich lebe mein Leben und du deines. Warum sollten unser Wahrheiten also deckungsgleich sein?

Manche Menschen suchen nach „der Wahrheit“. Je mehr sie suchen, umso kläglicher scheitern sie. Es gibt sie nicht, die Wahrheit.

Ich schreibe euch dies heute, weil ich euch sagen will: Ich bin nicht im Besitz der Wahrheit, so wenig wie ihr.

Wie ich mit der Wahrheit umgehe

Normalerweise fasse ich mehrere Wahrheiten zusammen, bilde sozusagen eine Melange aus unterschiedlichen Auffassungen, die gemeinsam einen Sinn ergeben. Ich akzeptiere, dass deine Meinung zum Thema anders ist, solange du sie nicht als „die einzige Wahrheit“ bezeichnest und mich einen Dummkopf, Ketzer oder sonst etwas Abwerfendes nennst.

Eigene Realitäten sind nicht „die Realität“

Manche typischen Abweichler vom Mainstream leben in einer anderen Form von Realität – durch Gruppenbildung und sektenähnliches Verhalten bestätigen sie sich darin, die Wahrheit gepachtet zu haben. Das könnt ihr alles gerne tun, nur könnt ihr mich nicht damit beeindrucken.

Manchmal fragen mich Menschen: „Hast du das selbst probiert?“ Oder gar „warum hast du es nicht selbst probiert?“ Gelegentlich sagen Gruppen: "Du hättest uns fragen sollen, dann wäre dein Urteil anders ausgefallen!“ Nein, wäre es nicht. Ich habe ein sehr lebendiges Beurteilungsvermögen, ich kann es selbst verantworten, und ich kann zugeben, wenn ich mich irre.

Das heutige Internet trübt das Beurteilungsvermögen

Nachdem ich dies gesagt habe, will ich auch sagen, was das Beurteilungsvermögen trübt:

1. Google und andere Suchmaschinen, bei denen verdeckte (!) Werbeartikel, Lobbyisten und kommerzielle Stellungnahmen vor Sachthemen und Sachbegriffen kommen. (Gebt mal als Selbstversuch „Sugar Baby“ ein).
2. Das Lesen von Beiträgen in sozialen Netzwerken. Sie sind sehr selten objektiv und müssen noch sorgfältiger gelesen werden als Blogs und Bürger-Zeitungen.
3. Informationen aus „spezifischen Blogs“ zu entnehmen, in denen Meinungen vertretenden werden, die für „Adepten“ bestimmt sind. Dazu gehören fast alle religiösen und weltanschaulichen Blogs, aber auch solche über sexuelle Abweichungen.
4. Auch die Sex-Blogs, bieten immer weniger Informationen und immer mehr offenkundige Werbung für Toys, Bücher, exotische Lebensformen oder gar für Formen der Prostitution.
5. Bei der Berichterstattung und der Meinungsbildung über die Liebe oder die Sexualität kann kaum unterschieden werden, ob Fakten oder Meinungen verwendet werden. Das gilt sogar dann, wenn Wissenschaftler oder „Fachleute“ zitiert werden. Das liegt daran, dass in allen Suppentöpfen der Wissenschaft mit anderen Zutaten (und oft mit anderen Zielen) „gekocht“ wird.

Das Fazit

Es ist keinesfalls einfach, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber immerhin versuche ich es wenigstens. Und falls ihr Unterschiede zwischen den Berichten erkannt haben solltet, die wir vor fast 10 Jahren hier veröffentlich haben und der heutigen Überzeugung, so kann ich nur sagen: Niemand wird mich jemals dran hindern, dazuzulernen.