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Die Woche - was erotisch anmacht und mehr

Ich bin nicht jeden Freitag „fit for fun“ - und dann vergesse ich auch, euch eine Zusammenfassung zu schreiben. Also lasse ich das Jahr mal mit dem 9. Januar beginnen.

Beginnen wir mit dem Blödsinn über „Dating“

Der größte Quatsch, den ich dieser Tage über „beliebte Partner“ gelesen habe, kommt aus dem Vereinigten Königreich. Da ging es darum, welche Solo-Sportler besonders beliebt sind - bei Frauen und Männern. Der zweite größte Unsinn sind die Prognosen für das Dating 2021, die ich nicht mal veröffentlicht habe. Es ist nicht meine Aufgabe, Blödsinn zu verbreiten - die Mainstream-Presse kann das besser. Übrigens treffen „Prognosen über Dating“ schon lange nicht mehr zu, weil es an objektiven Beobachtungen fehlt.

Was erregt uns eigentlich sexuell?

Dieser Tage habe ich mich um die Wahrheit über die sexuelle Erregung gekümmert. Es gibt dazu zahllose Studien, aber die langweilen „normale“ Leser eigentlich nur.

Erotische Schriften helfen

Ich hätte da „geschriebene Erotik“ anzubieten. Sie steht im schlechten Ruf, und es wird Zeit, dass ihr Ruf aufpoliert wird - denn sie nützt uns. Und sie hat mehr „Anstand“ als viele Kitschromane, weil sie ehrlicher ist. Zudem ist sie lehrreicher, als manchem Moralisten lieb ist. Ich weiß, dass manche von euch solche Thesen für „kühn“ halten. Aber es ist eben kühner, vorhandene Vorurteile zu hinterfragen, als sie zu bestätigen. Und den „Gutestmenschen“ sage ich gleich noch mal: Kümmert euch mal um eure eigenen inneren Säue (oder „Schmutzige Geheimnisse)“, bevor ihr andere als Ferkel bezeichnet.

Sex-Filme, die Frauen lieben

Wenn ich mich so umhöre und die Produktionen beobachte, dann sind sinnliche pornografische Filme von Frauen über die Lust der Frauen zwar immer noch ein Nischenprodukt, aber sie sind durchaus beliebt. Darüber gibt es sogar Studien und Befragungen. Provokation gefällig, auch für Männer? Frauen lieben lustvolle, aber auch heftige Darstellungen von dem, was als „lesbische Szenen“ gilt.

Der Mann, der nur bei dir geil wird

Eine andere provozierende Tatsache ist vielen noch gar nicht aufgefallen - und Isidora hat ihn in einem ihrer Artikel eingearbeitet - nämlich, wie man einen Mann „echt geil“ macht. Zitat: Was willst du lieber: einen Mann, der jede Frau vögelt, nur weil er geil ist oder einen Mann, der nur bei dir richtig geil wird?

Der Wunsch nach erotischen Schlägen

Fehlt noch das „Heftige“ - die erotischen Schläge. Sie sind nach wie vor ein Reizthema, und wir haben diesmal andere Quellen benutzt als üblich. Isidora fragt: „Warum sehnst du dich nach Schlägen?“

Das wissen wir natürlich auch nicht, aber es könnte ja sein, dass es auf dich zutrifft. Dann ist der Artikel vielleicht hilfreich für dich.

Kindermärchen über die edle Beziehungssuche

Habe ich etwas vergessen? Nein, ich blende die Pandemie gerade ebenso aus wie die Kindermärchen darüber, dass die Liebe nun „edler und besser“ geworden ist. Mögen die PR-Fuzzis weiterhin ihre Meinungen darüber verbreiten - die Realität wird sich zeigen, wenn der Überschuss an Lust die Ventile zum Platzen bringt.

Und falls ich es noch nicht genügend tat: Ich wünsche euch allen ein viele besseres 2021 als 2020.

Warum sehnst du dich nach Schlägen?

Das Vergnügen der Damen ... Anno 1934
Sehnsucht nach Schlägen? Den meisten Menschen fallen spontan zwei Antworten ein.

Die erste Antwort kommt völlig unreflektiert aus dem Bauch. Wer nach Schlägen lechzt, ist meschugge – vornehmer ausgedrückt: Er/Sie leidet unter einer Deviation des Sexuallebens.

Die zweite Antwort kommt aus den Kreisen der notorischen Besserwisser. Sie haben von Sigmund Freud gehört und glauben, dass alle Lüste und Widerstände, die wir im Erwachsenenalter entwickeln, auf frühkindliche Erlebnisse zurückzuführen sind.

Eine einfachere Antwort

Es gäbe eine wesentliche einfachere Antwort.

Du sehnst dich nach Schlägen, weil sie deine sexuelle Lust anheizen.

Dabei wäre zu sagen: Es gibt niemals nur einen Grund, etwas sexuell „Abweichendes“ zu erproben. Einer, der es wissen muss, schreibt:

Schläge sind für mich sehr erotisch und zugleich sehr schmerzhaft und peinlich. Erwachsene können fast alles, was sie tun, sexualisieren. Ich denke, dass unser sexuelles Denken während der Pubertät einige Knoten bekam, sodass die „Verkabelung“ bei jedem etwas anders abläuft.

Nahezu jede und jeder Betroffene erwähnt den eigenartigen „Cocktail der Gefühle“, der vor und während der Schläge aufkommt. Viele sind nicht zufrieden mit sich selbst. Sie zweifeln an sich, zum Beispiel wegen er ständigen Konflikte zwischen Lust und Schmerz, oder der sozialen Rolle, die sie bei Schlägen einnehmen. Was würde jemand denken, wenn der Personalleiter oder die Lehrkrankenschwester auf einem Bock liegend eine „Züchtigung“ erwarten würde?

Niemand weiß genau, wie Erregung funktioniert

Niemand weiß, wie die Erregung in eurem Körper genau „funktioniert“. Aber etwas ist sicher: Die Leitungen, durch die der Strom am schnellsten fließt, werden zuerst benutzt. Und wenn sie auch „Verknotet“ sein mögen, am Ende zählt die Mischung aus ekstatischer Lust, Schmerz, Erregung und Befriedigung (3).

Zitat (sinngemäß übersetzt) von John Fessée, Blogger.
Bild: Davanzo, ca. 1934, Illustration

(3) Auszug aus einer Studie: Die untersuchten Schilderungen bestätigen, dass anhaltende und leichte, aber ebenso intensive Schmerzen, die in einem erotischen und einvernehmlichen Kontext auftreten, sexuelle Erregung und tiefgreifende Veränderungen des Gemütszustandes einschließlich Trance und Ekstase, hervorrufen können.

Kann dir erotische Literatur helfen?

Träumen ist erlaubt - und lernen?
Frauen und Erotik - das Thema ist ebenso sensibel wie aktuell. Generell geht es ja darum, deine Persönlichkeit so weit zu entwickeln, dass sie wirksam werden kann und dir zugleich Freude bereitet.

Nun gehen die meisten Studien über „das Erotische“ davon aus, dass Frauen mehr von Büchern erregt werden, während Männer eher auf visuelle Pornografie abfahren.

Forscher wollen auch wissen, dass Worte offenbar nachhaltiger in uns Menschen wirken als Bilder. Aber das ist noch nicht alles. Bücher können uns verändern, indem wir in die Figuren „hineinkriechen“, die uns Autoren und Autorinnen anbieten.

Lernprozesse durch erotische Literatur

Im Grunde ist es ein Lernprozess, den du wahrscheinlich schon einmal durchlebt hast: Wann würdest du genauso handeln wie die Romanfigur? Was würdest du auf keinen Fall tun? Wo würdest du etwas verändern, wenn du in der Situation wärest? Und falls dich das alles nicht interessiert, kannst du einfach der Realität entfliehen und in die Welt der Romanfigur eintauchen.

Was geht in uns vor, wenn wir Erotik lesen?

Doch was passiert beim Lesen erotischer Literatur?

Gute erotische Literatur erfüllt mindestens zwei Bedürfnisse.

Erstens: Die Gefühle indirekt anzusprechend, damit sinnliche Gedanken entstehen, denen du nachspüren kannst.

Zweitens: Rein sexuelle Lüste zu erzeugen, die sozusagen „von den Augen durch das Hirn in den Schritt“ wandern.

Du wirst schon bemerkt haben: Der erste Satz ist im Moment der wichtigere für dich. Wenn du darüber hinaus noch Lust verspürst, ist das aber kein Schaden.

Erotik lesen heißt, etwas über die eigene Sexualität zu lernen

Das Interessanteste an der erotischen Literatur ist der Kontakt, den du zu deiner eigenen Sexualität aufnimmst. Dabei fallen Schranken, die du „innerlich“ aufgebaut hast. Zugleich lernst du dabei, deine offensichtlichen und geheimen Lüste besser zu verstehen.

Das alles kann dich zu der sexuellen Person werden lassen, die du dir wirklich vorgestellt hast.

Also: Keine Scheu vor erotischer Literatur - du kannst darin etwas über dich selbst lernen. Und du wirst schnell herausfinden, was dich daran anregt oder abschreckt.

Kein Schwein schreibt Erotik

Erotik ist kein Thema für Schweine
„Ich könnt‘ Erotik schreiben … ein ganzes Buch.“

So ähnlich hat es einmal eine für ihre Leserschaft zunächst anonym gebliebene Frau ausgedrückt, und dann hat sie ein „Skandalwerk“ geschrieben. Über dieses Buch rümpfen die Literaturpäpste bis heute die Nase. Es hieß: Histoire d’O. Die Geschichte der O. Die Autorin verwendete das Pseudonym Pauline Réage, und sie schrieb es für ihren Liebhaber.

Das Buch wurde 1954 bei Jean-Jacques Pauvert verlegt – und über 40 Jahre wurde das Werk nicht nur ignoriert, diffamiert und indiziert. Vielmehr wurde auch vehement bezweifelt, dass „so etwas“ eine Frau schreiben könne. Schließlich bekannte sich kurz vor ihrem Tode Anne Cécile Desclos zu dem Buch, die besser unter einem anderen Pseudonym, nämlich Dominique Aury, bekannt wurde.

Ein Beitrag zur Emanzipation - keine Pornografie

Dieser Roman zeigt, wie man ein erotisches, skandalöses Buch schreiben kann, ohne „obszön“ zu sein. Und es nahm die Tendenz der vollständigen sexuellen Emanzipation der Frauen vorweg. Ich zitiere den Verleger Jean Paulhan, der im Vorwort schrieb(1):

Es gibt wenige Männer, die nie davon träumten, eine Justine zu besitzen. Doch keine einzige Frau hat bisher, soviel ich weiß, davon geträumt, eine Justine zu sein. Jedenfalls nicht laut davon geträumt …


Erotik mit Anstand

Wenn ich jemals noch meine Finger in das Senftöpfchen der erotischen Literatur stecken würde, dann würde ich gerne unverdorbene Erotik lesen. Denn, wie Jean Paulhan sagte, wenn er an die „O“ denke, dann falle im spontan ein Wort an, nämlich „Anstand“ (1).

Erotische Literatur, die Anstand hat, so führt er weiter aus, wird weder „Seufzer noch Gräuel“, weder „Ekstase noch Ekel“ beinhalten. Und wir wissen es selbst am besten: Die eigentlichen Schweine sind diejenigen, die in der Erotik nach Dreck suchen.

Man könnt es auch anders sagen (3):

Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber … ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und ihr Gewissen.

Wer (wie ich) den zitierten Paulus nicht schätzt – den Satz haben auch andere in den Mund genommen, zu Beispiel Nietzsche(4):

„Dem Reinen ist Alles rein“ — so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein! Darum predigen die Schwärmer und Kopfhänger, denen auch das Herz niederhängt: „die Welt selber ist ein kothiges Ungeheuer“.

Die fordernde Natur, die innere Begierde, die „Lust an sich“ ist, weder schlecht noch obszön – sie gehört einfach zu uns Menschen.

Ich habe dieen Beitrag bereits in einem inzwischen recht "verkommenen" Magazin "Sinnlich schreiben" veröffentlicht, das demnächst aufgegeben werden soll. Ich hoffe, dass er zum Nachdenken anregt.

Quellen:
(1) Originalausgabe, Vorwort
(2) Justine oder vom Missgeschick der Tugend ist ein Roman des Schriftstellers Marquis de Sade.
(3) Paulus an Titus, Bibel, NT
(4) Deutsches Textarchiv
Bild: historisch, Illustration zu einem Buch.

Über Stripperinnen

Unanständig oder einfach ein Schauspiel?
Körperliche Schönheit ist ein Geschenk der Natur. Doch die Gefahr dabei ist stets, ausschließlich über die Schönheit beurteilt zu werden.

Körperliche Kraft ist ebenfalls ein Geschenk der Natur, und kaum jemand stößt sich daran, wenn ein junger Mann damit prahlt.
Den Körper in irgendeiner Form zu vermarkten, ist nicht stigmatisiert. Einige kluge Menschen tun es, obgleich sie auch durch etwas anderes glänzen könnten. Ein schöner Männerkörper, muskulös und mit einem funktionierenden Gehirn, wird im Nadelstreifenanzug, mit nacktem Oberkörper oder in der Badehose gerne bewundert. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es auch ohne Gehirn geht.

Wenn eine Frau strippt, vermarktet sie dann ihren Körper?

Wenn eine Frau ihren Körper vermarktet, kann sie das tun, doch will sie ihr Renommee behalten, muss sie noch etwas anderes tun. In aufreizenden Kleidern Tango zu tanzen, ist OK, sich als Wäschemodell zu verdingen, hingegen nicht. Am Strand Männerblicke auf sich zu ziehen, ist üblich. Sich vor einem männlichen Publikum bis auf die Haut auszuziehen, ist verwerflich.

Wenn sie eine Stripperin ist, dann ist sie eine Stripperin – eine Frau, die mit lasziven Bewegungen erotische Lüste erzeugt, aber sie nicht erfüllt. Sobald sie dies tut, verliert sie ihren guten Ruf. Bei Männern temporär, solange sie sich zum „Objekt“ degradiert, bei Frauen permanent, weil keine Frau so etwas tun würde, die „auf sich hält“.

Ich las:

Die ständige Aburteilung, oft von Leuten, die noch nie in einem Strip-Klub waren, hatte mich vom normalen Leben ausgeschlossen. Ich weiß jetzt, dass die von Männern dominierte Gesellschaft dieses Stigma braucht, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Es muss Frauen typisieren, sie in Jungfrauen und Huren trennen, weil es eine Rechtfertigung für den männlichen Blick und dafür braucht, dass Frauen in den sexuellen Dienst von Männern gestellt werden.


Die Aussage ist authentisch, daran gibt es nichts zu rütteln. Doch ist es wirklich wahr, dass Männer „Frauen typisieren“? Und teilen sie Frauen wirklich in „Huren“ und „Jungfrauen“? Ich persönlich halte dies für eine Aussage der 1960er Jahre.

Was stigmatisiert eigentlich Stripperinnen?

Es ist nicht immer ein "anziehender" Beruf
Das eine klingt so eigenartig wie das andere. „Hure oder Jungfrau“ unterschlägt, dass Männer durchaus jene Frauen schätzen, die werde in die eine Waagschale noch in die andere fallen. Und eben auch nicht in den „Mainstream“ der Frauen, die beim Date fragen: „Welche Hobbys hast du denn?“

Möglich, dass es einem Mann schwerfällt, ein ernsthaftes Gespräch mit einer Dame zu beginnen, die gerade von der Bühne herunterkam und soeben noch ihren Schritt präsentierte. Das hat nicht mit dem „Mann als Solchem“ zu tun. Wenn ein Mann eine Soldatin „datet“, dann wird sie nicht im Kampfanzug erscheinen. Und falls sie sogar in einem betont sinnlichen Outfit erscheint, wird er sie anders sehen, als wenn sie hochgeschossen im Kostüm kommt, und wieder anders, wenn sie in Jeans und T-Shirt auftritt. Es kommt also sehr darauf an, wo, wie und unter welchen Umständen man eine Frau trifft.

Ich hege den Verdacht, dass es nicht die Männer sind, die strippende Frauen verachten – oder andere, die in den Randgebieten des Erotikgeschäfts tätig sind.

Verachten vor allem "solide" Frauen die "unanständigen" Frauen?

Nein – ich denke, die größte Verachtung für Frauen im Erotik-Geschäft geht von den Frauen aus, die sich als „solide“ präsentieren. Frauen, die feste Vorstellungen davon haben, wie ein Leben zu gestalten ist. Und von Frauen, die sich gerne von all jenen absetzen wollen, die sie für „schmutzig“ oder „verdorben“ halten.

Niemand sollte sich das Lebensziel setzen, Stripperin zu werden. Aber auch „Sportlerin“ oder „Model“ zu werden, ist eigentlich kein Lebensziel. Es ist eine andere Art der Vermarktung, die anderen Gesetzen folgt. Und kaum jemand wird ewig strippen, Klamotten präsentieren oder seinen Körper bis zur Leistungsgrenze schinden.

Und ja: Dating als Stripperin ist nicht einfach, wie ich hörte – und ich wundere mich, warum Ex-Stripperinnen dann unbedingt bei Dates darüber reden wollen – aber das Thema werden wir erst behandeln, wenn wir eine verlässliche Quelle finden können.

Zitat: Guardian, 2016
Bilder: Liebesverlag-Archiv.