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Cuckolding - der mehrfach verfälschte Begriff

Das Urbild: der gehörnte Ehemann
Im Grunde ist „Cuckolding“ nichts anderes als Ehebruch oder Betrug der Ehefrau gegenüber dem Ehemann. Dabei setzt die Ehefrau dem Mann „Hörner auf“, sodass er zum Hahnrei wird. Das Wort „Cuckold“ geht auf die Eigenschaft des Kuckucksweibchens zurück, ihre Eier in fremde Nester zu legen und dort bebrüten zu lassen.

In der „neuen“ Bedeutung, die man dem Wort gegeben hat, wird ein Graubereich der Pornografie einerseits und des sexuellen „Lifestyles“ andererseits angesprochen. Dabei wird „Cuckolding“ als eine Art „mitwirkender Ehebruch“ bezeichnet.

Wie funktioniert "Cuckolding"?

Rein von der Verfahrensweise geht "Cuckolding" so:

Einer der Partner eines festen Paares wünscht sich, dass der andere Partner beim Ehebruch zusieht. Die „klassische Situation“ besteht darin, dass die Ehefrau den Ehemann betrügt, währen dieser anwesend ist, und zwar mit dessen Einwilligung. Der Ehemann wird also zum Voyeur beim Geschlechtsakt seiner Ehefrau mit einem Fremden.

Realität, Szenerien und Verwirrung

Solche Praktiken werden manchmal in erotischen Romanen beschrieben. In pornografischen Filmen ist der „Dritte“, im Gossenjargon der Szene auch „Bull“ genannt, deutlich kräftiger und besser „bestückt“ als der Ehemann.

Die Rolle des „Dritten“ ist - darüber sind sich alle einig, die darüber schreiben, ausschließlich sexueller Natur. Eine Beziehung wird weder erwartet noch ist sie erwünscht.

Die Szenerien, in denen Cuckolding“ betrieben wird, sind erstens die Swinger-Szene und zweitens die BDSM-Szene, also im Grunde Szenerien, die dem Normalbürger befremdlich erscheinen.

Es gibt Autoren, die den Begriff den Bedürfnissen der Szene anpassen, was sich dann so liest:

(Heute) kann das Cuckolding in jeder Zusammensetzung durchgeführt werden, unabhängig davon, wer beobachtet und wer Geschlechts mit einem Dritten oder einer Dritten hat.

Mittlerweile mischen sich auch bereits Therapeuten in die Diskussion ein und empfehlen Cuckolding zur Lösung von Eheproblemen.

Cuckolding ist eine großartige Möglichkeit, die Kommunikation in einer Beziehung zu stärken ... Paare, die es mit Cuckolding versucht haben, berichten oft, dass es die Bindung zwischen ihnen stärkt, da sie sich gegenseitig vertrauen und offen über ihre Wünsche sprechen können.

Cuckolding als Ehetherapie?

Dabei werden zwei Aussagen vermischt, die im Ursprung nichts miteinander zu tun haben: Die Fähigkeit, über sexuelle Sehnsüchte zu sprechen und daraus etwas zu folgern, ist ohne Zweifel positiv. Negativ ist hingegen, diese Praktik als Heilmittel für angeschlagene Ehen zu empfehlen.

Allerdings ist diese Methode inzwischen ziemlich üblich geworden: Die Mainstream-Presse übernimmt den Jargon der Abweichler, um daraus mithilfe von fragwürdigen Wissenschaftlern neue Regeln für Lust und Liebe zu kreieren.

Letztendlich kann der Leser (oder auch ein hilfesuchendes Paar) dabei nicht unterscheiden, ob man gerade ein Porno-Märchen liest oder ob ernsthafte Menschen vertretbare Ratschläge geben.

Bild: historische britische Darstellung
Zitate aus "Cosmo", UK englisch, Autorin: Emily Gulla

Wie weit darfst du beim Sex gehen?

Der Rat mag noch so gut gemeint sein - die Realität ist oft anders
Bei der Fülle von Themen, die uns Tag für Tag angeboten werden, spielen die „Grenzen des Erlaubten“ eine große Rolle. Damit sind nicht die legalen Grenzen gemeint, sondern die eigenen, die des Partners und die des Paares als Einheit. Mit anderen Worten: deine Grenzen, seine/ihre Grenzen und eure gemeinsamen Grenzen.

Kluge Sprüche und alltägliche Realitäten

Die Standardantwort ist einfach: so weit, dass der andere ohne Scham oder emotionale Kränkungen mitmachen will und kann.

Die Praxis zeigt jedoch: Es ist nicht so leicht, eigene, innere Widerstände zu überwinden – selbst dann nicht, wenn daraus ein enormer Lustgewinn entsteht.

Eigentlich ist es das Grundprinzip, das immer wieder herausgefordert wird: Geschlechtsverkehr ist an sich zwar schön, erfordert aber dennoch Überwindung. Beim „traditionellen“ ersten Mal wie auch bei jedem nächsten „ersten Mal“, wenn ihr etwas Neues und Erregendes ausprobieren wollt.

Du kannst darüber lesen, wie "es geht" - aber nicht, wie du dich dabei fühlst

Heute kannst du Vorschläge für etliche „ernste Male“ im Internet finden: Oral, manuell, anal, zu dritt, zu zwei Paaren, zu vielen. Du bekommst Informationen über allerlei Rollenspiele, über erotische Fesselungen und Schläge … ja sogar über gleichgeschlechtliche Eskapaden.

Nur eines bekommst du nicht: einen Eindruck darüber, wie du dich fühlen wirst, bevor es geschieht, wenn es geschieht und nachdem es geschehen ist. Ja, du weißt nicht einmal wirklich, wie hoch deine Schwelle sein wird, die Lüste anzunehmen oder abzulehnen.

Sex mal Neun - warum wir uns der Lust hingeben

Die meisten von uns wissen aus Erfahrung, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, sich in entsprechende Situationen zu begebe oder „hineinzuschlittern“:

1. Erotische Neugierde – das ist der häufigste Grund.
2. Alkohol als „Enthemmer“, auch bewusst verwendet.
3. Gruppendruck – du wolltest nicht „kneifen“.
4. Du tust etwas „aus Liebe“, was dich ansonsten ekelt.
5. Du fühlst dich innerlich ihm/ihr gegenüber „verpflichtet“.
6. Du findest dich „plötzlich“ in einer Situation wieder, in der du dich schnell entscheiden musst.
7. Du hast dich – bewusst oder unbewusst – auf einen Verführer oder eine Verführerin eingelassen.
8. Du bist in einem Zweifel, denkst aber, wenn du „A“ sagst, musst du auch „B“ sagen.
9. Du hast dich in eine Tunnelsituation locken lassen. Der Rückzug ist möglich, würde dir aber aus anderen Gründen negativ ausgelegt.

Risiken - warum wir sie (nicht) eingehen

Es ist leichter gesagt als getan, jedes Mal eine „rationale“ oder „gefühlsmäßig richtige“ Entscheidung zu treffen. Mancher fährt eben gerne auf Jahrmärkten in den gefährlich anmutenden Achterbahnen und hofft, körperlich und emotional unversehrt herauszukommen. Der andere juchzt vor Wonne, wenn sie scheinbar in den Abgrund fährt. Beim Sex kommt hinzu, dass wir uns stets überlegen, welchen körperlichen, emotionalen und sozialen Risiken wir uns aussetzen.

Kürzlich las ich, es sei zu einem Tabu geworden, sich „einfach“ hinzugeben, so als ob es "kein Morgen" gäbe. Freude daran zu haben, „gewollt zu werden“ ist zwar ein beliebter Traum, aber eine seltene Realität.

Auf ein bisschen von deinem "Stolz" kannst du verzichten, oder?

Was bleibt, ist der Wunsch, begehrt zu werden und für diesen Wunsch einen überschaubaren Preis zu zahlen. Und bevor du jetzt an die Decke gehst: nicht in Geld. Riskier einfach, dass derjenige Teil deines Selbstbilds zerbröckelt, der dich ohnehin nicht froh macht.

Bild: Aus einem historischen Buch, möglicherweise von Leon Lebegue, dann ca. 1899. Das Bild wurde wegen einer Farbverfälschung geringfügig nachgearbeitet. Es stellt nur einen Ausschnitt der Szene dar.

Die Zukunft der bittersüßen Lüste

Sinnliche Furcht erregen, sinnliche Furcht genießen?
Die Zukunft der bittersüßen Lüste oder; was kommt eigentlich nach den „Shades of Grey“?

Eine kurze Antwort zuerst: Die Schilderungen schmerzvoller Lüste werden weiblich dominiert werden, und die aktiven Figuren werden Frauen sein. Möglicherweise werden die Handlungen (soweit erträglich und soweit die Zensur es erlaubt) heftiger werden, aber dafür zugleich auch sinnlicher. Die Gezüchtigten werden deutlich älter sein und nicht so naiv wie zuvor, und mehr und mehr wird die sexuelle Lust zum dominanten Faktor der streng-erotischen Schläge werden.

Das Ende von "Mann schlägt Frau"- auch erotisch

Die äußeren Gründe liegen auf der Hand: „Mann schlägt Frau“ gilt als sozial inkorrekt. Doch wenn die Frau selber sinnlich dominiert, leuchten die Augen nach wie vor. Das Erlebnis, dominiert zu werden, wird mehr und mehr „unisexuell“, das heißt, solange die Frau als dominante Person auftritt, darf die geschlagene Person sowohl weiblich wie auch männlich sein. Und wenn „alles nur ein Spiel ist“, dann kann auch der Zensor lächeln.

Keine überflüssigen Psycho-Erklärungen mehr

Vermutlich wird in Zukunft nicht mehr nötig sein, pubertäre Erlebnisse der Männer als Auslöser (und Entschuldigung) für ihre Submission oder Dominanz herbeizureden – das war ein typischer Rückfall in das 20. Jahrhundert. Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr nötig, sexuelle Rollenspiele als „Perversionen“ zu bezeichnen – und deshalb muss man auch nicht mehr nach den Ursachen forschen. Die „bittersüßen Lüste“ werden auch nicht mehr an überkommene Rollenklischees andocken. Das heißt: Der dominante Part kann heute von ihm, morgen von ihr gespielt werden. Ebenso ist das Ziel nicht mehr einfach die „perverse Lust am Leid“, die es noch vor 20 Jahren zu sein schien. Vielmehr treten Lüste in den Vordergrund, sie es die willkürliche oder unwillkürliche Ejakulation, der heimliche oder offene Orgasmus während der lustvollen Strafe oder die Masturbation danach.

Beziehungen sind eigentlich nicht nötig, um Lüste zu schildern

Es wäre möglich, dass in Zukunft gar keine Beziehungen mehr geschildert werden, in denen Lust und Strafe eine eigenartige und manchmal befremdliche Melange bilden. An ihre Stelle könnten Vereinbarungen treten, die kurz zuvor getroffen werden und die von den Beteiligten als Skript für ihre Handlungen benutzt würden.

Nun gut – vielleicht ist dies eine Utopie. Aber eines ist sicher: Das alte Rollenbild des strengen Prinzipals, der nach Gutsherrenart mit Frauen umgeht, um sich an ihrem Schmerz zu laben, ist gestorben. Jedenfalls für die Literatur. Und hoffentlich auch, soweit es die Realität betrifft.

Sexuelle Abweichungen – komplett in Frauenhand?

Führung oder Unterwerfung?
Vor einigen Jahren gab es eine Internet-Bewegung, die sich „FLR“ nannte. Sie war – und ist – eine Art Mikrokosmos, der selbst von Feministinnen nicht ernst genommen wird. Aber allein die Tatsache, dass es diese Bewegung überhaupt gab, zeigt uns, wie stark Frauen sich in die „Beherrschung des Mannes durch Sex“ eingebracht haben.

Das Leben verbessern durch "frauenbeherrschte Beziehungen"?

Behauptet wird, dass eine frauengeführte Beziehung das Liebesleben deutlich verbessert, wenn die Frau beginnt, ihren Mann sexuell zu beherrschen. Zudem könnten die Paare einander besser verstehen, weil die Frau den Gesprächsverlauf bestimmt. Ebenso könnten sie ihre Unabhängigkeit in nie gekannter Weise ausleben. Durch die dabei ausgeübte Kontrolle würden auch Zweifel an der Treue ausgeräumt.

Dabei wird – mehr oder minder verblümt – die weibliche Überlegenheit gepriesen, insbesondere, alle Emotionen, vor allem aber die Sexualität, unter ihre Herrschaft zu bringen (1):

Zu dieser Art von Beziehung gehört eine dominante Frau - eine ausgewiesene Entscheidungsträgerin. Wenn ein Mann ihr genügend vertraut, kann er eine liebevolle Beziehung erleben, in der er für nichts verantwortlich sein muss. Die meisten Frauen werden nicht einmal ahnen, wie viele Männer begeistert davon sind, unterwürfig zu sein. In einer weiblich geführten Beziehung gibt es keinen Machtkampf. Und es gibt keine ständigen Auseinandersetzungen darüber, welche von beiden Personen bedeutender ist.

Von dieser Art der Beziehung ist es nicht weit bis zu der Überlegung, wie die traditionell maskuline SM-Szene besetzt werden kann. Waren in den 1960/1970er Jahren noch alberne Themen wie die „Keuschhaltung der Frau“ typisch, so wurde in den 1980er/1990er Jahren die „Keuschhaltung des Mannes“ propagiert, für die völlig neue Produkte entwickelt und vermarktet wurden. Zudem hörte man von „Hot Wifes“, also Frauen, die ihren Männern „Hörner aufsetzten“ – dieser Zweig der Swinger/SM-Szene wurde bekannt als „Cuckolding“. Den kommerziellen Teil der extrem-erotischen Beherrschung hatten Frauen schon vorher besetzt, weil es tatsächlich Männer gibt, die gerne dominiert werden – freilich nicht im sozialen Umfeld, sondern in den Händen von darauf spezialisierten Huren, die sich selber gerne „Domina“ nennen. Auch außerhalb des Kommerzes und des Keuschheitsthemas wurden Frauen immer häufiger zu Initiatoren von Rollenspielen, sowohl in Dominanz wie auch in Unterwerfung. Beweisbar ist dies anhand bestimmter Produkte, die ausschließlich von Frauen benutzt werden, um zu dominieren.

Frauen interessieren sich plötzlich stark für Triolen

Sind Cuckold-Dreier eine besonders krasse Form von sexuellen Sonderwünschen, so haben Frauen inzwischen auch die Domäne gewöhnlicher Triolen und bisexuell orientierten Dreiern entdeckt. Der Ante von Frauen, die sich im Namen eines Paares oder als „Dritte“ für eine Triole anboten, wuchs innerhalb von 40 Jahren sprunghaft von einem Prozent auf gut 20 Prozent, gemessen an einschlägigen Anzeigen.

Seitensprünge vorn Frauen werden "ganz normal"

Innerhalb des gleichen Zeitraums holten Frauen die Männer bei der Frequenz der zugegebenen Seitensprünge ein, und es entwickelte sich parallel dazu eine Art „Naturrecht auf Seitensprung“ ohne unmittelbaren Anlass. Dabei wurde auch gelegentlich als selbstverständlich genommen, bisexuelle außereheliche Beziehungen zu entwickeln und zu genießen.

Keine Feministinnen - sondern merkwürdige Abweichler

Sinnigerweise legen FLR-Autorinnen und andere Hetero-Frauen, die „Männer führen“ wollen, den größten Wert daraus, nicht emanzipiert zu sein. Sie behaupten hingegen, dass ihr Sinnlichkeit, ihre Weiblichkeit und ihre sexuelle Lust mit der Ausübung ihrer Dominanz wächst.

Manche dieser Tendenzen können mit Zahlen untermauert werden, andere nicht. Und wesentlich stärker als die FLR-Bewegung ist die „innere Bewegung“ derjenigen Frauen, denen es gar nicht darum geht, über Männer zu bestimmen, sondern die ihr Leben (und eben auch ihr Sexualleben) nach eigenen Vorstellungen gestalten wollen.

(1) Ich behalte mir das Recht vor, Zitat von ideologisch motivierten Gruppen nicht zu verlinken.

Wie der Mann heute sexuell dasteht

Rollenwechsel - Realität oder Fiktion?
Wie steht der Mann heute da? Wir glauben nicht, dass uns uns Soziologen oder Psychologen die richtigen Antworten geben können. Und wir wollen es eigentlich auch nur für die Liebe, die Lust und die Sexualität ergründen.

Kürzlich brachte es ein Mann auf den Punkt:

Was gestern noch als männlich galt, ist heute verpönt - und auch wieder nicht.

Das kling ziemlich plakativ, gilt aber auch für Frauen:

Was gestern noch als feminin galt, wird heute von Frauen heute verachtet – und auch wieder nicht.


Wir erwarten Eigenschaften und deren Gegenteil

Was letztlich heiß: Wir befinden uns nicht mehr in einer Zeit, in der wir vom jeweils anderen Geschlecht „etwas Bestimmtes“ erwarten, sondern wir erwarten zugleich auch eine andere, eher gegenteilige Eigenschaft.

Das stört die Partnersuche über alle Maßen, aber auf diesem Gebiet erreichen wir gegenwärtig gar nichts: Die Frau, die den hodenstarken, furchtlosen und über alle Maßen dominanten Mann sucht, der zugleich sinnlich, liebevoll und zärtlich ist, hat auf dem Beziehungsmarkt keinerlei Chancen. Und der Mann, der eine schmollmündige, feminine, sexuell „tabulose“ oder gar über alle Maßen devote Frau sucht, die zugleich lebensklug, selbstbewusst und gebildet ist, kann ebenfalls einpacken. Noch haben dies weder alle Frauen noch alle Männer begriffen – aber das, – so prognostiziere ich mal, werden fast alle noch bereuen.

Wer die Tabuzonen ausleuchtet, entdeckt die Knackpunkte

Wenn wir wirklich wissen wollen, was mit dem heutigen Mann (und der heutigen Frau) andres ist, dann müssen wir uns in die Tabuzonen begeben: dem Verhältnis zur eigenen Sexualität und dem Anspruch, sie auch durchzusetzen.

Um dies herauszufinden, müssen wir uns klar machen, was Frauen und Männer einstmals für selbstverständlich heilten – und was sieh dabei inzwischen verändert hat. Typische Gebiete im Bereich der Sexualität sind die „Verfügbarkeit“, die Männer von Frauen noch vor 100 Jahren als „selbstverständlich“ voraussetzten. Genau genommen wurde alles, was im beim Sex geschehen dufte und was nicht, vom Mann bestimmt. Zugleich wurde immer wieder darauf geachtet, dass es keinerlei Abweichungen von den Nomen der Ehe gab. Fremdgehen existierte nicht, selbst wenn es üblich war. Erotische Rollenspiele verwies man in den Puff. Orgien, Dreier und Partnertausch gab es nur bei den „anderen“, von denen man mal gehört hatte. Und vor allem achtete man scharf, dass niemand etwas Eigenes dürfen durfte. Kam es heraus, war die Hölle los.

Der Mann konnte manches wollen - und vieles durchsetzen

Das wäre mal die Grundsituation. Befahl der „Herr und Gebieter“ jedoch, dass all das, was man niemals wollen würde dennoch geschah, dann beugte sich die Frau seinem Willen. Frei nach dem Kalkül: Wenn er es nicht mit mir macht, dann macht er es vielleicht mit einer anderen.

Darüber hinaus wachte „die Gesellschaft“ einerseits über den Wohlanstand der Mittelschicht, andererseits aber auch darüber, dass die Eliten herumhuren konnten, wie es ihnen gefiel. Der doppelte Standard durfte nur niemals herauskommen – dann kochte die Volksseele.

Die Situation heute - Männer können nicht mehr herrschen, wie sie wollen

Ein bisschen ist davon noch da. Die Reizthemen sind weiterhin „außereheliche Beziehungen“, SM-Aktivitäten oder der Blick über den Zaun in den Lustgarten des eigenen Geschlechts. Darüber wachen immer noch zahllose inzwischen selbst ernannte Moralwächter.

Und der Mann? Er muss zwangsläufig “herrschen und teilen“ – und er muss sich immer mehr damit konfrontiere lassen, dass Frauen höchst eigenartige Gelüste haben, die er erfüllen sollte, sonst … nun ja, sonst riskiert er eben, verachtet oder verlassen zu werden.

Bild: Nach einer Zeichnung von 1913 - die Frau und der Hampelmann