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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Kein Heiratsmaterial

Nicht wirklich eine Verabredung zum Zweck der Eheschließung ...
Es gibt sie, die „edlen“ Kennenlern-Seiten. Und es ist nicht sicher, dass dich dort erwartet, was ich hier beschreibe. Aber es geschieht eben dann und wann.

Welche Sorte Männer mögen es sein, die man auf Beziehungs-Seiten kennenlernt?

Wenn du Glück hast, weiß er sich anzuziehen – nicht overdressed für eine Verabredung, aber eben auch nicht so, „wie er aus dem Büro kommt“. Gehe davon aus, dass er vor höchstens zwölf Stunden geduscht hat, frische und saubere Unterwäsche trägt und weiß, wie man sich bei Tisch benimmt.

Ja, er ist sympathisch, klar. Und er lenkt das Gespräch auf das „Essenzielle“ im Leben. Bald wird er dich fragen, „welche Pläne“ du hast. Und falls es ganz schlimm kommt, wird er etwas über eine baldige Heirat und deine Kinderwünsche in Erfahrung bringen wollen.

Wenn DU Wünsche nach Sex äußerst gehen seine Alarmglocken an

Bei einer der nächsten Verabredungen wirst du ihn vielleicht diskret darauf hinweisen, dass du Lust hättest, etwas intimer mit ihm zu werden. Ihn wird voraussichtlich befremden, dass der Vorschlag von dir kommt und nicht von ihm. Falls du jetzt noch konkrete Vorschläge für den Sex hast, den du von ihm möchtest, wird er wesentlich stiller werden.

Er wird dich nicht gleich rauswerfen, falls das Treffen bei ihm stattfindet, aber wird dir sehr schnell klar machen, dass du für ihn kein „Heiratsmaterial“ bist. Was er denkt, ist noch etwas anderes: Frauen wie du sind eigentlich Schlampen, und Schlampen heiratet ein „Gentleman“ nicht.

Vielleicht wird er noch mit dir vögeln – vielleicht nicht einmal das. Aber jedenfalls wird er sich nicht noch einmal mit dir verabreden.

Was du da machen kannst? Gar nichts. Männer, die unbedingt bald heiraten wollen (und auch Frauen, versteht sich) tragen Scheuklappen beim Kennenlernen. Sie suchen keine Personen, die Ecken und Kanten, Lüste und Abneigungen haben. Sie suchen jemandem zum Heiraten, bei dem alles passt.

Wie sagt uns noch ein angejahrter Buchtitel?

„Frauen und Männer passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte.“

In der Realität passt nie „alles“. Nicht alle Wünsche für das brave Zusammenleben und nicht alle Wünsche für die wilden Lüste.

Bild: Henry Gerbault, Ende 19.JH.

Erotische Demütigung - heiße Kartoffel oder lustvolles Spiel?

Endwürdigung und Demütigung im Rollenspiel
Die erotische Demütigung ist ein Begriff, der zu den „heißen Kartoffeln“ der Autorinnen und Autoren von Ratgeber gehört. Doch in Wahrheit ist das Thema gar nicht heiß, sondern bewegt sich im Rahmen von zwar ungewöhnlichen, gleichwohl inzwischen sehr beliebten „Spielen, die Erwachsene spielen“.

Beginnen wir mal ganz einfach: Demut ist im allgemeinen Sprachgebrauch nichts „an sich Schlechtes“, ja, Demut wurde oft als Tugend angesehen, vor allem aus der Sicht des Christentums. Indessen sah die bürgerliche Welt dies bereits im 19. Jahrhundert völlig anders:

Demut, als das Gegenteil von Hochmut, ist die Herabsetzung oder Erniedrigung der eigenen Person unter andere. (Beruht sie) … auf einem Verkennen der eigenen Kräfte und auf einer Zaghaftigkeit, von denselben im Wetteifer mit anderem vollem Gebrauch zu machen, so ist sie eine tadelnswerte moralische Schwäche.

Die Demütigung wird allgemein als eine „Herabwürdigung“ angesehen, wobei die „innerliche Demütigung“ positiver gesehen wird als die sichtbare, äußerliche Demütigung, die sich auch körperlich zeigt. Die positive Bewertung der inneren Demut mag dran liegen, dass diese Form der Demut lange Zeit als äußerst positiv bewertet wurde. „Sich in der Demut des Herzens“ zu üben, so sagt man, würde „gute Menschen machen und große Gedanken erzeugen“.

In alten Zeiten las sich das so:

Äußerlich gedemütigt ist derjenige, dessen Macht, Kraft und Ansehen gebrochen oder niedergedrückt ist. Innerlich derjenige, dessen Selbstgefühl herabgestimmt oder verletzt wird und der beschämt wird.

Im Grunde können wir durchaus bei den Definitionen bleiben. Die äußerliche Demütigung zeigt sich darin, dass andere über uns verfügen können, indem sie Machtmittel aller Art einsetzen – sogar Strafen und unter ihnen eben auch Züchtigungen. Die innere Demütigung würde uns heute als „emotionale“ oder „psychische“ Demütigung begegnen, und zudem gäbe es noch eine geistige Demütigung, die darin bestünde, unsere Gedanken abzuwerten.

Das Gebiet der „erotische Demütigungen“ zu behandeln, gleich einem Tanz auf einem Minenfeld. Denn erotische Demütigungen dürfen nach dem Menschenbild, das wir vor uns hertragen, gar nicht sein. Und doch scheint es für viele Menschen so interessant zu sein, dass sie viel Stunden damit verbringen und viele Gedanken darauf verwenden. Sie tun dies durchaus in dem Bewusstsein, Demütigungen zu erzeugen oder zu ertragen.

Annahmen und Meinungen über den Wunsch nach erotische Demütigungen

Wenn wir uns fragen, was sie dazu bewegt, sind einfache Antworten billig. Das Übliche aus dem Katalog der Küchenpsychologie: Kindheitserlebnisse, schlechte Erfahrungen mit den Mitmenschen, speziell mit dem anderen Geschlecht. Dazu die üblichen „-ismen“, also Fetischismus, Sadismus, Masochismus und was den „klugen Köpfen“ der Wissenschaft sonst noch dazu einfiel. Dabei handelt es sich freilich nicht um Fakten, sondern um Annahmen.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass „Einordnung“ ein Teil des naturhaften Bedürfnisses ist, in der Gruppe einen Platz zu finden. Dadurch entstehen Hierarchien, und zwar unabhängig davon, ob wir sie wollen oder nicht. Es geht also zunächst nicht um „Demütigungen“ oder „Abwertungen“, sondern um eine Bewertung des eigenen Standorts in einer gegebenen Hierarchie.

Nun kommt erst die „eigentliche“ erotische oder sexuelle Komponente hinzu. Und mit ihr ein Spiel, das gewissen Regeln folgt. Beginnen wir einmal mit den vermeintlichen „Opfern“, also denen, die sich nach Abwertung sehnen.

Wie die erotische Demütigung beginnt, wenn sie gewollt ist

Wer gedemütigt werden will, muss einem anderen signalisieren, dass er dazu bereit ist. Dazu muss er sich sicher sein, die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen, was letztlich bedeutet, „irgendwie“ auszudrücken, dass man sich dem Willen des anderen unterwerfen wird. Dabei gilt derjenige, der nach Demut giert, als der „Initiator“.

Das mag bei den Verhältnissen verständlich sein, die man als „kommerziell“ einordnen würde: hier die „Domina“, dort ihr „Klient“. Doch es bleibt im Nebel der Zweierbeziehungen, wie dies unter „festen Paaren“ abläuft.

Lassen wir einmal die Details weg, dann hegt mindestens einer von beiden den Wunsch, sich als Spieler in einem dominanten oder devoten Rollen zu profilieren. Ob Zufall, Fügung oder Provokation: Irgendwann beginnt die Angelegenheit, Konturen zu zeigen.

Etwas verbrämt ausgedrückt heißt dies:

Zustimmung und paradoxerweise ein hohes Maß an Bewusstsein und Kommunikation (ist) erforderlich, um sicherzustellen, dass das Ergebnis auch tatsächlich wünschenswert ist.

Und wünschenswert ist dabei eine enorme psychische Erregung, die meist mit sexueller Erregung verbunden ist. Solche Lüste sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie praktizieren, sodass niemand verbindlich sagen kann, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Alle, die diese Spiele praktizieren, mussten erst lernen, was ihnen noch Freude bereitet und was ihnen lästig wird – und zwar auf beiden Seiten.

Abseits aller Theorie: was ist dir peinlich?

Wem das alles zu theoretisch ist, der möge sich vergegenwärtigen, was ihm selbst alles „peinlich“ wäre. Viele Peinlichkeiten regen aber durchaus auch an. Das simpelste Beispiel ist Nacktheit. Sie kann köstlich sein, aber auch peinlich, wenn alle bekleidet sind und man selbst nackt bleibt. Die Kataloge psychischer, aber auch körperlicher oder taktiler Demütigungen sind voll von solchen „Entwürdigungen“, die zugleich ein hohes Erregungspotenzial haben. Um einige Beispiele zu nennen: Ungewöhnliche oder gar entehrende Kleidung zu tragen, jemandem einzelne Sinneswahrnehmungen zu entziehen oder die Gelenke zu fixieren reicht oftmals schon aus, um die Gefühlswelt umzukrempeln.

Das Fazit - beidseitig gewünschte erotische Demütigungen

Ich habe versucht, euch so sanft wie möglich und so zurückhaltend wie nötig zu erklären, warum erotische Demütigungen zum Spiel der Liebe, der Lüste und der Sinne hinzugefügt werden können.

Was dir oder euch wirklich „guttut“ kann euch niemand sagen. Versuch es einfach, wenn du magst und hör wieder auf damit, wenn es dir nicht gefällt.

Zitate aus Bockhaus (19. Jahrhundert), Grimm, Meyers (und einer modernen Interpretation von "erotischer Demütigung").Bild: Japanische Zeichnung, undatiert

Aussagen über die Pubertät werden bei Erwachsenen meist "nachgeschoben"

Auf der Suche nach der Identität
Wann immer jemand über Irritationen des Sexuallebens schreibt, wird gerne die Pubertät erwähnt. Denn während dieser Zeit wird das Gehirn sozusagen „umprogrammiert“. In den Worten der Wissenschaft liest sich das so:

Vereinfacht gesagt, mistet das Gehirn in den neuronalen Verbindungen aus, kappt also nicht mehr nötige Netze, verbindet neue und stärkt bestehende, zu behaltende Strukturen.

Das kling kompliziert. Und doch sprechen wir von einem natürlichen Prozess. Pubertät ist ein Ereignis, dass uns die Natur mitgegeben hat – ob nun „geschenkt“ oder „zugemutet“.

Gefühle wallen auf - einordnen lassen sie sich vorerst nicht

Wissen muss man nur eines: Gefühle wallen schnell auf. Und die Möglichkeit, sie intellektuell einzuordnen oder gar zu verwalten oder zu steuern, muss erst wachsen. Oder mal wieder mit einer zuverlässigen Wissenschaft erklärt:

Das Ungleichgewicht in der Gehirnentwicklung bedingt somit das Verhalten in der Pubertät. Dieses ist aufgrund der stattfindenden „Umbaumaßnahmen“ mehr von Gefühlen und Impulsen geleitet als von Vernunft und Argumenten.

Bei alldem bleibt allerdings völlig unklar, welche Faktoren oder Erlebnisse das Sexualverhalten nachhaltig beeinflussen. Selbst in eher ausführlichen Berichten von modernen Psychiatern, Psychologen und Gehirnforschern wird nicht wirklich klar, welche Handlungen oder Erlebnisse „gewöhnlicher Art“ das Sexualleben beeinflussen.

Traditionelles Denken - hier die Ursache, dort die Wirkung

Ganz anders bei jenen, die traditionell denken: Sie setzen bei Freud an und lesen vielleicht noch bei Krafft-Ebing nach. Sie wolle wissen, dass einzelne Ereignisse in „der Kindheit“ oder „in der Pubertät“ dazu geführt haben, sich „abweichend“ zu orientieren. Besonders gerne wird die „Vorpubertät“ erwähnt – allerdings zumeist aus der Sicht anderer Verhaltensauffälligkeiten. Doch welche Ereignisse sind es? Und warum entwickeln einige Frauen und Männer aus identischen Erlebnissen recht bald „Abweichungen im Sexualverhalten“, andere jedoch nie? Und wie erklärt sich, dass manche Damen und Herren sich erst gegen 40 oder 50 entschließen, solche Bedürfnisse zu offenbaren?

In Wahrheit stochern die Erklärer im Nebel

Ganz offensichtlich ist es ein „Stochern im Nebel“, was uns da präsentiert wird. Entstanden sind solche Erklärungen vermutlich aus der Auffassung, dass es für jede sexuelle Abweichung eine spezifische Ursache geben muss. Wer dies sagt, ahnt wenig von den komplizieren Strukturen, die vom Fühlen zum Denken und wieder zurück stattfinden.

Vielleicht habt ihr kürzlich Romane gelesen, in denen angebliche „Erfahrungen“ aus der Vorpubertät geschildert wurden, die dann zu sexuellen Abweichungen im Erwachsenenalter führten. Als Beispiele werden oft Masochismus, Schmerzlust, „Cuckolding“ oder Feminisierung (alles überwiegend bei Männern) genannt.

Es ist verdammt schwierig, Gefühle zu ergründen, rationell zu bearbeiten, niederzuschreiben und umzuwandeln. Und die „Vorpubertät“ ist nun wirklich nicht die Zeit, in der wir Gefühle genau beschreiben oder gar dokumentieren konnten. Was bleibt, ist dies: Argumente für das sexuelle Verhalten im Erwachsenenalter werden gerne „nachgeschoben“. Und die Pubertät wird genutzt, um die Verantwortung dafür abzuschieben.

Nehmen wir die Pubertät als das, was sie war: Eine Zeit des Wandels, mit neuen Erfahrungen, die auf jeden von uns anders gewirkt haben, auch wenn sie biologisch ähnlich waren.

Zitate aus: ClickDoc. ausführlicher in "Die ZEIT"
Bild: Teil der Skulptur von Jane Alexander. Aus der Ausstellung "Südafrikanische Skulpturen 2002", Johannesburg, Republik Südafrika.

Die neue Liebesordnung - aussichtslos?

Frauen und Männer sind nicht nur vor dem Gesetz gleich - sie sollen auch frei, gleich und respektvoll behandelt werden. Diese Forderung ist ja nun nicht wirklich neu - bereits die Französische Revolution forderte sie. Ganz durchgesetzt hat sie sie sich für die Geschlechter nie, aber die Forderung steht nach wie vor im Raum - und wir sind angehalten, sie durchzusetzen.

In der Wirtschaft und der Politik mag es noch kein Gleichgewicht bei Frauen und Männern geben, und die Gründe sind immer noch sehr schwer einzukreisen. Für meinen ehemaligen Beruf kann ich im britischen Understatement sagen: „Weil es einen gewissen Mangel an Frauen gibt.“

Frauen und Männer, Spiele und Vereinbarungen

Niemand kann sich heute mehr leisten, Frauen abzuwerten, auszugrenzen oder anderweitig zu diffamieren. Und alles, was einmal als selbstverständlich für Beziehungen galt, soll nun ausgehandelt werden. Im Klartext und schmucklos: Wenn ein Mann eine Frau nach dem Date noch zum Kaffee in der eigenen Wohnung einlädt, dann bedeutet dies weder, dass sie mit ihm vögeln wird, noch, dass sie eine Beziehung anstrebt. Was zwischen beiden passiert, ist auch nicht einfach: „Ich küss dich mal und dann sehen wir weiter“. Beide müssen reden, etwas vereinbaren und auch hinterher dazu stehen. Und doch - es ist nicht ganz so einfach.

Viele Vorstellungen bestehen parallel

Wir alle haben gelernt, dass ein „Nein“ ein „Nein“ ist, und in gleichem Maße haben wir verlernt, dass Frauen auch mit der Unsicherheit spielen, ob wir nun das Bett mit ihnen teilen dürfen oder nicht. Und das Unerhörte daran ist: Beide Wahrheiten stehen nebeneinander, gerade so, wie der Tag fällt. Es gibt durchaus noch Frauen, die das „große Spiel“ zelebrieren wollen, das da heißt: „Mann, versuch es bitte mehrfach, damit ich weiß, dass du es ernst meinst mit mir“. Und viele andere lehnen Nachfragen überhaupt ganz und gar ab: „Wenn mich erst einer fragt, was er darf, kann er gleich in den Wind schießen.“

Nicht wahr, nicht falsch - das Paralleluniversum im Bett

Mir ist klar, dass ich dies alles nur schreiben „darf“, weil ich „raus aus dem Geschäft“ bin. Aber es ist eben eine Tatsache, die nicht frauenspezifisch ist: Mehrere neue und alte Normen und Spiele sind parallel möglich. Und alle werden ohne Vorwarnung oder Ankündigung gespielt, wo Frauen auf Männer treffen.

Die Klischees streben nicht aus

Hinzu kommen die Rollenklischees, die munter tradiert werden - durchaus mit Unterstützung sogenannter „Wissenschaftler“. Demnach sind Männer sexuell fordernd, Frauen hingegen zurückhaltend. Von Männern wird chevalereskes Verhalten eingefordert - der „Gentleman“ feiert gerade wieder wundersame Triumphe. Frauen, die von sich aus das Bett machen und sich Männer für ihre Liebesnächte suchen, gelten weiterhin als Schlampen. Frauen sind so geworden, weil sie schwanger werden könnten, Männer verspritzen ihr Sperma möglichst breit gestreut. Das mag alles so hingehen, wenn man von der Vergangenheit redet, aber kein Satz davon ist zukunftsträchtig.

Wo bliebt eigentlich die Freiheit, zu leben, wie wir wollen?

Ein Wort, das immer wieder „gekippt“ wird, ist Freiheit. In der Demokratie, im liberalen Staat und in der freiheitlichen Gesellschaftsordnung bedeutet die Freiheit, auch mit gewissen Risiken zu leben. Wir können uns nicht einerseits an Klischees und festen Verhaltensmustern festmachen und andererseits unsere eigene Freiheit auskosten. Freiheit ist die Abwesenheit von hausgemachten Zwängen, Gängelungen und Etikettierungen. Frei zu sein heißt, zu denken, was wir wollen, zu fühlen, was wir wollen und uns in weiten Grenzen so zu verhalten, wie wir wollen. Es ist unser aller Recht.

Wer eine „neue Liebesordnung“ will, muss auch den Gedanken der Freiheit einbeziehen. Und die Klischees von Frauen, Männern und meinetwegen „Diversen“ sollten wir so schnell wie möglich vergessen, weil sie in Wahrheit rückwärtsgewandt sind.

Hinweis: Wer Diskussionsbedarf hat, möge mir schreiben. Dies ist keine ultimative Wahrheit, sondern eine Analyse der Gegenwart.

Für Dating gibt es keine Experten

„Experte“ kann sich jeder nennen, und tatsächlich gab es einmal eine Zeit, in der „Dating-Experten“ angeblich sehr gefragt waren. Ich selbst war durchaus betroffen, denn ich verfügte einmal über zwei Domänen, „Datingrat“ und „Datingassistenz“ und wurde – neben vielen anderen – als „Dating-Experte“ gehandelt.

Mit den Jahren und durch einen tieferen Einblick in die offenen und verborgenen Gesetze des Kennenlernens habe ich den „Experten“ weggelassen, und dies aus einem sehr einfachen Grund. Auf einem Gebiet, das von bloßen Behauptungen getragen wird, und in dem es weder Daten noch Fakten gibt, sollte sich niemand den Titel „Experte“ anheften.

Dating existiert in Wahrheit nicht

Er wird euch vielleicht überraschen so etwas wie „Dating“ existiert nicht. Genau genommen bezeichnet das Wort heute eine aus dem amerikanischen Jargon für „geregeltes Kennenlernen“ entnommenen Begriff, der heute für „jemanden Kennenlernen“ steht.

Der Rest ist einfach zu erklären: Weil es weder feste Regeln noch verbindliche gesellschaftliche Abmachungen für „Dating“ gibt, kann es auch keine Experten geben.

Wie kommt es nun, dass alle möglichen und unmöglichen Autoren behaupten, Dating-Experten zu sein?

Worauf sich sogenannte „Dating-Experten“ berufen

Schauen wir mal auf die Möglichkeiten, und beginnen wir mit Leuten, die eher „wenig geschwätzig“ sind.

Natürliche Veranlagungen

Zu Beginn der menschlichen Evolution hatten wir noch viele Möglichkeiten, die uns befähigten, andere Menschen „einzuschätzen“. Durch zahllose Umstände ließen diese Fähigkeiten bei der Mehrzahl der Menschen nach. Doch ganz offensichtlich gibt es noch einige Personen, die sehr begabt sind, die Feinheiten der Körpersprache zu entschlüsseln. Sie können daraus unter anderem gut verschleierte Ängste und Gelüste erkennen.

Lebenserfahrung

Lebenserfahrung nützt - nur ist sie mit einem Problem verbunden: Die Lebenserfahrung eines Menschen deckt sich zumeist nicht völlig mit der Lebenserfahrung eines anderen. Und es ist außerordentlich schwer, „in den Mokassins der anderen“ zu gehen. Berater, die Lebenserfahrung anbieten, versuchen deshalb, eine Art „Abwägungen der Gefühle“ bei den Ratsuchenden „in Gang zu bringen“.

Ich komme nun zu jenen, die sich Tag für Tag in Illustrierten und Sonntagszeitungen wichtigtun.

Gesellschaftlicher Wohlanstand

Die bürgerlichen und geschlechtsspezifischen Konventionen fließen in nahezu jede Beratung über das „Kennenlernen“ ein. Sie werden von den Ratsuchenden hineingebracht, von den Beratern verstärkt und dann wieder an die Ratsuchenden zurückgegeben. Männer sollen „Gentlemen“ sein, Frauen sollen ihre wahren Gefühle zurückhalten. Das sind nur zwei Beispiele, die mit erfolgreichem Kennenlernen überhaupt nichts zu tun haben, sondern mit konservativer Moral und der Angst davor, die Regeln selbst festzulegen.

Psychologie

Bei Psychologie ist die erste und wichtigste Frage, ob diese Wissenschaft überhaupt geeignet ist, Kriterien für so etwas Kompliziertes wie „das Kennenlernen“ zu entwickeln. Wir sollten uns erinnern, dass jede Form von „Zusammenleben“ zahllose Aspekte hat – soziale, wirtschaftliche, emotionale und sexuelle. Dennoch haben sich einige Psychologen darum bemüht und sogar halbwegs tragfähige Antworten gefunden. Es handelt sich dabei aber nicht um Regeln, sondern abermals um Abwägungen.

Verhaltensmodifikation und Persönlichkeitsveränderungen

Verhaltenstraining nennt man Verfahren, den äußeren Ausdruck der Gefühlswelt mit der Inneren in Einklang zu bringen. Verhaltensmodifikation besteht darin, unerwünschtes Verhalten zu verlernen. Was geschieht aber, wenn das „neue Verhalten“ nicht mit den Wünschen und Bedürfnissen übereinstimmt? Bei den Trainingsmethoden, mit deren Hilfe die Persönlichkeit „modifiziert“ werden soll,, besteht dieser Verdacht schon lange.

Zum Schluss zwei Gruppen, die lange Zeit vergessen wurden – die einen arbeiten mit Fragebögen zur Gestaltung der Zukunft, die anderen sagen dir klipp und klar, welche Chancen du hast.

Problemlösungen

Die Problemlösungstechniken sind, soweit es das menschliche Sein betrifft, aus der Mode gekommen. Das liegt einerseits daran, dass brutale Ehrlichkeit nötig ist und andererseits, dass dieses Verfahren etwas „hölzern“ wirkt. Am Ende steht die Entscheidung, Weg und Ziel des neuen“ Handelns zu definieren und zu entscheiden, was getan oder auch verhindert werden muss.

Ökonomie

Die Ökonomie erklärt ein Phänomen, das in den meisten Ratgebern gar nicht vorkommt: den Markt. Der Partnermarkt folgt sehr einfachen Regeln: Bis du selbst außerordentlich attraktiv, und gibt es viele potenzielle Interessenten, so hast du beste Voraussetzungen. Wenn du nicht „ganz so“ attraktiv bist, aber dennoch gefragte emotionale, soziale oder erotische Eigenschaften hast, ist der Erfolg ebenfalls wahrscheinlich. Je mehr Anforderungen an Partner hast, umso sicherer ist dein Misserfolg - oder umso höher der „Preis“, den du zahlen musst.

Es gibt keine wirklichen Experten für das „Dating“

Am Ende habe ich noch dies für euch: Jeder, der mal ein bisschen am menschlichen Sein geschnuppert hat, kann sich „Experte“ nennen. Mit oder ohne Ausbildung, aber durchaus auch mit oder ohne Kenntnisse. Der eigentliche Experte für dich und deine Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen, steht jeden Morgen im Badezimmerspiegel vor dir.