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Aufstieg und Fall des Korsetts

Der Anstand erforderte ein Korsett ... um 1909
Ein Korsett ist ein formendes Kleidungsstück, das den Körper einer Frau idealisiert, indem es die Hüfte verschlankt und die Brüste betont. Je nach Schnitt und Material wirken Frauen in Korsetts entweder strenger oder femininer. Deshalb werden sie heute sowohl von Frauen getragen, die femininen Liebreiz ausstrahlen möchten wie auch von solchen, die ihre Dominanz hervorheben wollen.

Das war einmal ganz anders. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte keine „Frau von Stand“ wagen, sich ohne ein Korsett öffentlich zu zeigen. Lediglich wenn man „entre nous“ war, trug man leichtere „Teekleider“.

Was vom engen Korsett übrig blieb, waren die schrecklichen „Panzer“ der 1950er Jahre, insbesondere formende „Miederhosen“, Korsagen und Korseletts, die keinerlei erotische Wirkung hatten, sondern „die Figur betonen“ sollten, wie man damals sagte.

Korsett als Verführkleidung
Parallel dazu entwickelte sich allerdings ein Markt von ausgesprochen lustvoll aussehenden Korsetts, die nahezu ausschließlich zur Erzeugung und Steigerung männlicher Begierden geschaffen wurden. Doch merkwürdigerweise gefielen sie auch Frauen, insbesondere, wenn sie sich darin kurzzeitig als „Femme fatale“ darstellen konnten.

Ab den 1980er Jahren wurden Korsetts, insbesondere Unterbrustkorsetts, als Oberbekleidung getragen. Sie bilden einen raffinierten Kontrast zu braver, geradezu legerer Kleidung.

Verführerisch, insbesondere auf ältere Galane, wirken Korsetts noch immer, und zwar keinesfalls „ausschließlich“ in der Fetisch- und SM-Szene. Zumeist werden sie in „klassischen“ Verführspielen, aber auch in Rollenspielen und Flagellationsszenen eingesetzt.

Die Wirkung beruht auf Körperbetonung, Kontrast und dem Spiel mit der Entkleidung. Je nach den Präferenzen des lüsternen Liebhabers ist sie vergleichbar mit Auftritten in Uniformen, aber auch in besonderer Retro-Wäsche oder frivoler Nachtkleidung, wie Baby Dolls und Negligés.

Bild oben: Frauenbeilage einer 1909 erschienen Zeitschrift.
Bild unten: Korsett des Herstellers Axford, 1994 Collection.

Und nun die Interrogativpronomen …

Jeder Kommunikationslehrer oder Rhetorik-Lehrer wird euch sagen, dass „W-Fragen“, besser „offene Fragen“ oder eben Fragen, die mit Interrogativpronomen beginnen, am Anfang jedes sinnvollen, offenen Gesprächs stehen. Sie sind – im Übrigen – auch die Schlüssel zu allen Problemen, die sich mit dem Verstand klären lassen.

Wichtig ist freilich, sie in der richtigen Reihenfolge zu stellen:

Was will ich (was ist es?)
Wie soll es dahingehen? (Wie ist es?)
Welche Bedeutung hat es für mich?


Offene Fragen für dich, wenn du einen Partner suchst

Die meisten Menschen machen einen von zwei wesentlichen Fehlern:

- Entweder sie fragen sich zu wenig oder zu einfach (ich will jemanden lieb haben). Tipp: Ergänzt solche Fragen an euch selbst immer mit den nächsten beiden. (Wie will ich lieben/geliebt werden, welche Bedeutung wird es für mich haben?)
- Oder aber sie fragen sich zu viel oder stellen sich zu komplizierte Fragen. Die komplizierteste aller Fragen beginnt leider auch mit „W“: „Warum?“ Tipp: Fragt stets „wie“ statt „warum“. Also: Statt „Warum suche ich einen Partner“ etwa „wie will ich mit dem neuen Partner leben?“

Die Frage nach dem "Warum" ist deswegen spekulativ, weil du keine konkreten Antworten finden wirst, sondern eine Vielfalt von Wunschvorstellungen berühren wirst, die mit deiner Suche wenig zu tun haben.

Hinweise: Die Webseite, von der ich die Anregung zu diesem Artikel bekam, enthält Werbung. Ich verlinke dennoch auf sie.

(1) Problem-Solving nach verschiedenen Methoden: Üblicherweise als „Problemanalyse (Abfragen des Problems, Soll-Ist-Vergleich), Entscheidungsanalyse und Analyse potenzieller Probleme

Zehn Jahre Liebeszeitung

10 Jahre Liebeszeitung
Unsere Liebeszeitung erblickte mit leichtem Flattern und zunächst in einem recht konservativen Kleidchen am 1. September 2019 das Licht der Welt.

Sie hat harte Zeiten gesehen, Anfeindungen überstanden und das Blogsterben überlebt. Nicht zuletzt, weil ich bis an die Grenzen meiner freien Kapazitäten gegangen bin, um sie 10 Jahre lang „durchzufüttern“. Wer in seiner Schulzeit mühevoll den Griffel über die Schiefertafel führte, um ein paar Zeilen zu schreiben, wird ermessen können, was er bedeutet, 300, 600 oder gar 1.200 Wörter zu schreiben – und dies möglichst täglich. Falls ihr Zahlen-Freaks seid: der längste Artikel umfasste 16.468 Zeichen (2.450 Wörter). Apropos täglich: Ganz ist es nicht gelungen: Ich veröffentlichte (Stand heute) 3.137 Artikel – 0,85 Artikel pro Tag.

Qualität zählt leider kaum

Schon bald musste ich erfahren, dass Qualität und Informationsbedürfnis bei unserer Leserschaft nicht im Vordergrund standen, sondern spektakuläre Themen, die mir von überall zugespielt wurden. Damit muss man als Redakteur leben. Viele meiner Leser suchen schöne Illusionen, vor allem über „heikle“ Themen wie Feminisierung, Dreier, Unterwerfung und Ähnliches. Aber auch im Bereich der Partnersuche wollen die meisten Leser ihre Wünsche bestätigt sehen, die oft meilenweit von der Realität entfernt waren. Ein Artikel über eine winzige Randgruppe, die „Sugar Babys“, wurde über eine viertel Million mal gelesen. Immerhin wurde ein sinnreicher, aktueller Artikel über die Presse und die Liebe am besten bewertet. Im Gegensatz dazu erhielt der historisch korrekte Artikel über die „englische Erziehung“ die schlechteste Bewertung.

Zeitweilig verging mir die Freude

Manchmal – und ich muss sagen: Mehrfach wollte ich die „Liebeszeitung“ aufgeben. Heute bin ich bin ich sehr froh darüber, dass ich sie nicht verhungern ließ. Und heute erreiche ich mit dem neuen Design sogar noch die notorischen Handy-Benutzer.

Und Dank ...

Bedanken kann ich mich bei den Unterstützern, bei den häufig anonym schreibenden Autorinnen und Autoren, die keine Honorare verlangen. Natürlich auch bei meinem Provider, der mich nicht hängen ließ, als Datenbanken krachten, und letztlich auch bei Serendipity, der Software, auf der alles stabil läuft.

Mehr Feedback wäre schön gewesen ...

Etwas mehr „Feedback“ hätte ich mir schon gewünscht in all den Jahren … aber meine Devise lautete von Anfang an: Falls ich im Laufe der Lebenszeit der „Liebeszeitung“ auch nur 100 Menschen begeistere, dann habe ich 100 Menschen etwas glücklicher gemacht. Peanuts für einen Herausgeber und Redakteur?

Ach was … und überhaupt: The Show must go on. Und fragt niemals, warum. Falls das eine Botschaft ist – dann ist es eben meine Botschaft zum etwas verspätet angesetzten 10-jährigen Jubiläum für heute. Ich trinke ein Glas auf euch – trinkt auch ein Glas auf mich. Dann sind wir quitt.

Bild oben: nach einer Champagner-Werbung, 19 JH

Die Domina der Vergangenheit und ihre Annoncen

Foto ohne Datum - französische Dominatrice
Eine heutige Domina, Domintarix oder Dominatrice wäre zu Anfang des 20. Jahrhunderts entweder eine „Krankenschwester“, eine „Erzieherin“, eine „Lehrerin“ oder eine Gouvernante gewesen. Im Unterschied zu den echten Angehörigen solcher Berufe pflegten sie jedoch das Wort „streng“ oder „energisch“ hinzuzufügen.

Mehrere Autoren erwähnen, dass sich Damen in Zeitungsanzeigen erboten, „schwer zu behandelnde Kranke zu pflegen“. Damit war gemeint, an ihnen sadistisch-erotische Handlungen vorzunehmen. In einem anderen Kostüm, aber mit ähnlicher Behandlung, warben Frauen als „Gouvernanten, die auch schwierige Knaben erziehen“ würden. Aus der gleichen Richtung kamen jene Frauen, die sich als „strenge Erzieherinnen“, „energische Lehrerinnen“ oder „konsequente Englischlehrerinnen“ verdingen wollten. (1)

Erstaunlich ist allerdings, dass solche Anzeigen, jedenfalls, soweit es seriöse Zeitungen betrifft, in den Archiven nicht vorkommen. Im beginnenden 20. Jahrhundert wurde, soweit überhaupt Erotik vorkam, bestenfalls für Vibratoren und Unterwäsche sowie für Brustvergrößerungen geworben – die großen, knalligen Anzeigen waren für fragwürdige Pülverchen reserviert, die Gesundheit schenken sollten – aber auch für Produkte, die „brave Hausfrauen“ interessieren konnten.

Machte damals Furore: Dr. Leo Perry
War es gar nicht so, wie Lehnerdt behauptete? Die Antwort finden wir bei einem Freigeist namens Dr. Leo Perry, dem es gelang, in Wien im Jahr 1927 einige Annoncen mit frivolem Inhalt zu lancieren. Das war möglicherweise recht leicht für ihn, denn es soll sich um den Journalisten und Redakteur Leo Prerovsky gehandelt haben, der diese Anzeigen aufgab:

Aus dem Buch ...

Routinierte Lehrerin für englischen Sprachunterricht gesucht. Energie ist Bedingung, da es sich um einen sehr zerstreuten und unaufmerksamen Jungen handelt. Offerte unter „Strenge Disziplin“ an …“

Das Beispiel mag zeigen, dass entsprechende Berichte nicht völlig aus der Luft gegriffen waren – wer wollte, zahlte und eine Zeitung fand, die solche Annonce annahm, konnte also sexuelle Sonderwünsche durchaus veröffentlichen. Allerdings nur, solange er oder sie die Form wahrte und die wahren Absichten gründlich verschleierte.

London Tart Girl, ca. 1960
Eine mögliche Ursache dafür, dass wir entsprechende „Angebote“ und „Gesuche“ in alten Zeitungen nicht finden können, mag auch darin liegen, dass diese Annoncen nicht in Zeitungen, sondern teils legal, teil illegal, in Schaukästen und Laternenpfählen angebracht wurden. Man sagt, dass diese Mode erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufkam, aber es ist durchaus möglich, dass Handzettel und dergleichen während des frühen 20. Jahrhunderts in Umlauf waren. Dies wird jedenfalls von Berlin, London, Paris und New Orleans behauptet.

Später (gegen 1960) wurden die Damen als „Anzeigen-Girls“ bekannt, deren „Tart-Cards“ berühmt und berüchtigt wurden.

(1) (Gotthold Lehnerdt „Die Prostitution“, 1926)
(2) "Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege ...", Wien 1927

Text-Bild: Anno Archiv.
Das Foto der Dominatrice könnte nach dem Stil aus de 1930er Jahren stammen - Detail sind unbekannt.

Wie du dich fühlst, weißt nur du

Eine Frigide oder eine Schlampe? Ein Mauerblümchen oder ein Männer verzehrendes Ungeheuer? Durch und durch „hetero“ oder „bi-neugierig?

Shakespeare sagte einmal:

Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften

(Modern übersetzt: Wenn die Rose einen anderen Namen hätte, würde sie ebenso süß duften).

Du kannst sein, wer du willst, und du kannst tun, was du willst: Irgendjemandem wird es nicht gefallen. Manchmal wird jemand versuchen, dich zu ändern, gelegentlich sogar, dich zurechtzuweisen.

Vor zwei Tagen las ich diesen Text, frei übersetzt:

Ich habe keine Lust, mich dem Willen anderer zu beugen, damit sie sich dabei wohler fühlen, wie ich mit meinem Körper umgehe. Ob es sich dabei um Sex oder Tätowierungen handelt, um Abweichungen von der Norm, sinnliche Gemälde oder um die Kleidung, die ich trage, wenn geht es etwas an? All das tue ich für mich, und es ist ausgesprochen wichtig, dass es mir gefällt. Wenn es auch dir gefällt, ist es gut. Wenn nicht, kann ich es nicht ändern.

Ich sag dir was: Du bist eine Rose, eine Rose, eine Rose. Auch wenn niemand deinen Duft einsaugt. Und erst recht, wenn jemand gar nicht genug davon kriegen kann.