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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die üblichen erotischen Fantasien - und die weniger üblichen

Sind Fantasien über Nacktheit noch populär?
Das, worüber wir fantasieren, ist das, was wir nicht haben. Das lässt sich weiter ausführen, indem wir sagen: Wir fantasieren über erotische Erlebnisse, die uns innerlich bedrängen, die wir aber im wahren Leben nicht verwirklichen können. Teils sind es Fantasien, die uns zugleich befremden und erregen, und zu einem anderen solche, die uns soweit „ins Abseits“ stellen würden, dass uns selbst wohlmeinende Freunde meiden würden.

Was wissen wir über die geheimen Lüste?

Zunächst wissen wir heute, dass die Fantasien von Frauen und Männern durchaus ähnlich sind. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die Lüste der Männer breiter gefächert sind als jene der Frauen. Sodann ergibt sich, dass Frauen viel häufiger über aktive Dominanz fantasierten als angenommen, während Männer sich häufiger in der Rolle der Unterwerfung sahen, als erwartet wurde.

Eine Beobachtung der Forscher folgend, rechneten Frauen aber nicht damit, dass sie ihre Fantasien in die Tat umsetzen würden. Die Männer hingegen suchten zumindest nach Wegen, einige ihrer Wünsche zu verwirklichen.

Kuscheln und Lüste mit Vanillesoße

Welche Fantasien sind wirklich häufig wie Gänseblümchen? Beginnen wir einmal mit den Vanille-Erfahrungen: Blümchensex mit einem vorhandenen Partner oder einem Fremden. Die Befragten schwankten dabei zwar zwischen Kuschelromantik und Abenteuer, doch letztlich ergab sich eine Mehrheit für die Romantik, gefolgt vom Abenteuer mit Fremden und der Lust an gegenseitiger Masturbation. Die Antworten von Frauen und Männer lagen dabei in einem Bereich von „mehr als zwei Drittel“ bis hin zu 90 Prozent.

Mundverkehr – keine Einbahnstraße

Orale Fantasien sind orale Verlockungen
Eine der Überraschungen ergab sich bei der Abfrage von oralen Kontakten, sei es Cunnilingus und Fellatio in der Kombination oder separat. Generell fantasierten Frauen wie auch Männer darüber häufig. Beim gemeinsamen Genuss von Oralkontakten waren es über 75 Prozent, während nahezu 80 Prozent angaben, in ihren Träumen Cunnilingus zu geben. Davon, Fellatio zu geben, träumten immerhin noch fast drei Viertel der Frauen. Männer, die in ihren Fantasien Fellatio gaben und Frauen, die den Cunnilingus aktiv vollziehen wollten, landeten immerhin noch im Bereich zwischen einem Viertel und einem Drittel.

Haremsgedanken und Damenwahl

Was sich bei Oralkontakten zeigte, wiederholte sich bei den Triolen und Orgien. Die Männer führten dabei mit 84 Prozent, soweit nach „Triolen mit zwei Frauen“ gefragt wurden, und sie folgten auch dem Prinzip: „Je größer der Harem, umso mehr will ich der Pascha“ sein (75 Prozent). Doch bereits, wenn man Männer befragte, ob sie in der Fantasie an einer gemischten Gruppe mit mehr als drei Personen teilnehmen würden, sackte der Anteil auf 16 Prozent. Die Frauen dachten ganz anders. Mehr als die Hälfte fand diese Fantasie erregend – der Grund dafür könnte sein, dass es für Frauen attraktiv ist, aus einer Gruppe von Männern wählen zu können.

Lechzen nach Unterwerfung und roten Gesäßen

Sinnliche Dominanz ist ausgesprochen häufig in der Fantasie

Ein Anzeichen für den Wandel der Geschlechterrollen sahen viele Beobachter in den Zahlen, die man über Domination und Submission gewinnen konnte. Sowohl Frauen wie auch Männer erregte die Fantasie, Macht über ihre Partner(innen) auszuüben, und auch die Lust, diese Macht zu spüren, lag bei beiden Geschlechtern über 50 Prozent. Dabei waren durchaus unterschiedliche Empfindungen im Spiel, zum Beispiel wurden passive Fesselungsgelüste häufiger genannt als aktive. Und mit Schlägen nach Art des Herrn Grey und der Frau Anastasia konnten sich deutlich weniger Frauen und Männern anfreunden. Immerhin lagen die Zahlen auch hier noch im Bereich von einem Drittel der Befragten. Hier zeigten sich auch deutlichere Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Davon, Frauen zu züchtigen, träumten fast 44 Prozent der Männer, aber nur etwa 24 Prozent der Frauen erregten sich in der Fantasie dadurch, Männer zu züchtigen.

Auf der anderen Seite des Zauns

Das gleiche Geschlecht - sanfte Realität, heftige Fantasie
Aus verschiedenen Studien geht inzwischen hervor, dass die Lust am eignen Geschlecht verbreiteter ist, als man zuvor annahm. Zumindest für Frauen wurde dies wissenschaftlich erhärtet, sodass es kaum verwundet, wovon Frauen träumen. Mehr als ein Drittel der Befragten Frauen grasen in ihren Fantasien auf der anderen Seite des Zauns. Männer sind zurückhaltender, aber unter den 20 Prozent, die entsprechende Gelüst zugaben, waren sicherlich auch heterosexuelle Männer.

Und alles andere?

Einige der sinnlichen Träume, zum Beispiel, Menschen nackt zu sehen, oder sich anderen nackt zu zeigen, haben wir ignoriert. Zudem fanden wir zu wenig eindeutige Daten über anale Lüste heterosexueller Frauen und Männer. Fetische oder fetischistische Aktivitäten waren für meine Begriffe nicht ausreichend spezifiziert, ebenso wie die unterschiedlichen Arten der erotischen Unterwerfung. Wir fanden, dass erotische Flexibilität offenbar in den Träumen zunimmt, während sie in der Realität weitgehend geleugnet oder aus sozialen Gründen nicht praktiziert wird.

Findet ihr euch in diesen Träumen wieder?

Um sich dessen bewusst zu werden, ist nötig, gewisse Schranken des Alltagsdenkens zu durchbrechen. Was vorstellbar ist, offenbart sich nur für diejenigen, die sich in eine Situation vertiefen könnte, nicht für diejenigen, die an der Oberfläche ihrer Gedankensuppe Buchstaben zu finden hoffen. Und in diesem Sinne: Taucht ruhig einmal ab in eure Traumwelten, so wie Millionen andere Menschen auch.

Quellen: Wir nutzen mehrere Quellen. Einige befinden sich in im Archiv der Liebeszeitung - sie gelten als besonders zuverlässig. Andere finden sich in der Fachliteratur und in psychologischen Zeitschriften, zum Beispiel in "Psychology Today" Auch populärwissenschaftliche Publikationen wie diese sind gelegentlich hilfreich.

Was macht S/M eigentlich mit DIR?

Erotisches Rollenspiel - das Spiel mit Körper und Psyche
Du willst wissen, was S/M (1) mit dir macht? Also Schmerzlust, Unterwerfung, frivole Rollenspiele und noch mehr?

Nun, sehr viel Menschen betreiben „so etwas“, mal härter, mal „soft“ und mal ist Sex dabei und mal nicht. Und klar - wenn es viele Menschen tun, dann interessieren sich auch Wissenschaftler dafür. Übrigens gibt es unglaublich hohe Anzahl von Menschen, die niemals S/M betrieben haben, aber beständig davon träumen.

Was du darüber wissen kannst, ist dies:

1. S/M ist nicht exakt das, was in den „Shades of Gray“ beschrieben wird.
2. Es ist auch kaum das, was du in pornografischen Videos siehst.
3. Überwiegend ist es ein Spiel mit Lust und Schmerz.
4. Wenn es das nicht ist, ist es oft ein Spiel mit der rein körperlichen und/oder physischen Unterwerfung.
5. Es kann sich auch um andere Rollenspiele handeln, zum Beispiel um Geschlechterrollen.
6. Manche Spiele können befremdlich oder erschreckend sein, wenn du nicht weißt, um was es geht.

Die Gründe, S/M zu beginnen, sind höchst unterschiedlich

Behauptet wird, dass es acht Gründe für die Lust an S/M-Aktivitäten gibt, die allerdings aus Forschungsprojekten stammen und deren Wahrheitsgehalt fragwürdig ist, weil zu wenige Personen befragt wurden. Eine der Hauptgründe eist aber ohne Zweifel, etwas ganz Besonderes zu erleben, indem man sich dem anderen hingibt, unterwirft oder eine Strafe von ihm empfängt.

Wichtig zu wissen ist, dass S/M nicht immer etwas mit Sex zu tun hat, sondern vor allem mit psychischen/physischen Sensationen. Das heißt: Du beanspruchst deine Gefühle „bis zum Anschlag“ oder forderst deinen Körper in entsprechender Weise heraus.

Meist versuchen sich junge Leute in S/M - aber nicht immer

Entsprechen finden wir das größte Interesse in S/M bei jungen Erwachsenen. (2) Festgestellt wurde aber auch, dass sich das Interesse mit dem Alter ändert oder dass es sich verschiebt. So gelten die „Shades of Gray“ eher als Literatur für „Frauen in mittleren Jahren“.

So weit Studien bekannt sind, sind feste Beziehungen unter Menschen, die einvernehmlich S/M ausführen, genauso glücklich oder stabil wie andere Beziehungen. Als positiv kann gelten, dass S/M-Anhänger viel aufmerksamer füreinander sein müssen als andere Paare. Da solche Paare auch mehr über ihre Körper und ihre Psyche wissen könnten, wäre dies ein weiterer Vorteil.

Was also passiert, wenn ein Paar S/M-Praktiken erprobt?

- S/M setzt voraus, dass Szenarien miteinander besprochen werden. Dadurch kommuniziert das Paar intensiver und vor allem intimer.
- Idealerweise lernen beide Partner ihre Emotionen intensiver kennen. Das kann überraschen oder gar schockieren, führt aber meist zu mehr Verständnis füreinander.
- S/M besteht nicht nur aus Schlägen und Lustschmerz, sondern auch aus dem Bedürfnis, seltene Emotionen zu erleben. Es ist also auch eine Selbsterfahrung.
- Wenn Lustschmerz zum S/M-Spiel des Paares gehört, wird oft auch das sexuelle Verlangen gestärkt.

Keine Voraussage möglich, wie du dich fühlen wirst

Ein „Leider“ muss noch folgen: Niemand kann dir im Voraussagen, ob du Gefallen an S/M-Aktionen finden wirst. Manche Menschen finden sie albern, besonders im Rollenspiel. Andere fürchten, dass sie einer Art Sucht verfallen könnten, wenn sie sich einmal einlassen.

Was wirklich gefährlich ist: sich auf völlig Fremde einzulassen. Also ist extreme Vorsicht geboten, wenn sich jemand beim Online-Dating als S/M-Liebhaber(in) vorstellt und sich sofort erbietet, dir zu zeigen, wie es geht.

Wir lasen dazu: das Blog von Dr. Lehmiller.

(1) Praktiken, die fälschlich, aber dennoch populär als "Sadomaso" bezeichnet werden, oft auch "BDSM" oder D/S.
(2) Mehr im Blog von Frau Lehmiller.

Sieht man den Menschen ihre Gefühle an?

Dieses Model versucht, jegliche Emotionen zu unterdrücken
Ich wurde dieser Tage mit der Frage konfrontiert, wie „unsere Psyche“ mit „unserem Körper“ zusammenarbeitet.

Es ist ein Beispiel für die vielen einseitigen Betrachtungsweisen, die auf einem Irrtum beruhen: Unsere Vorfahren (wie auch andere Primaten) hatten bereits ähnliche Triebe und „Gefühle“, wie wir. Also taten sie etwas, was unter hoch entwickelten Säugetieren die Regel ist: Sie sprachen „durch ihren Körper“, also durch Haltung, Gestik, Mimik und dergleichen. Es geht also gar nicht darum, wie Emotionen, Geist und Körper „zusammenarbeiten“. Das ist nur eine technische Betrachtung des Menschen. Viel wichtiger ist, dass wir mithilfe der Körpersprache kommunizieren können - ebenso wie andere Primaten auch.

Also ist es kein „Selbstzweck“, wenn wir Gefühlsregungen in körperliche Reaktionen umsetzen. Es hat einen einzigen Sinn: sie für andere erkennbar zu machen. Was daraus entsteht, nennt man Kommunikation. Und da es nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren, wenden wir uns damit an unsere Mitmenschen. Wir fordern sie also auf, auf unsere Gefühle zu reagieren, aber wir können andererseits nicht verhindern, dass sie uns ignorieren - auch das gehört zur Kommunikation.

Viele Wissenschaftler, die ansonsten sehr vernünftig sind, ignorieren die Zusammenhänge zwischen Trieben, Antrieben, Gefühlen und Körpersprache. Die Evolution wird sich kaum die Mühe gemacht haben, unsere inneren Antriebe „mitteln des Körpers“ nach außen zu senden, wenn dies nicht für uns nützlich gewesen wäre.

Dieser Artikel enthält Gedanken aus der umfassenden Betrachtung,der Gefühle, an der unser Autor gerade arbeitet.
Bild: © 2021 by Liebesverlag.de

Die Suche nach Dominanz … unerfüllbar?

Nur im Bett devot - ansonsten eher selbstbewusst?
Unser Artikel "Die Suche nach Dominanz … unerfüllbar?" zielt auf Frauen, die sich dominante Männer wünschen, wenn es Nacht wird. Dabei sollen es Männer sein, die am Tag überaus gewöhnlich sind - oder gar ausgesprochen liebevoll und hilfsbereit sind.

Normalerweise denke ich über die im Internet veröffentlichten Artikel über weibliche Unterwerfungsgelüste nicht nach.

Doch kürzlich las sich etwas, das vom „Üblichen“ abweicht – den Artikel einer emanzipierten Frau, die im Leben alles andere als „Unterwürfig“ ist. Doch sobald sich die Schlafzimmertür öffnet, kommt die Lust hervor, sich körperlich und emotional zu unterwerfen.

Was im Prinzip äußerst vernünftig klingt und bei vielen sicherlich als „ganz plausibel“ angesehen wird, kommt bei den Männern offenbar ganz anders an. Sie denken zumeist, wenn eine Frau unterwürfig im Bett ist, muss sie auch sonst Sklavin und Dienerin sein.

In jungen Jahren denken viele verliebte Paare nicht einmal daran, vom „Standard“ abzuweichen. Sie sind verliebt, vögeln einander aus Lust und haben dabei tolle Gefühle. Das zitiere ich mal:

Der Sex (während meiner Ehe) war weder besonders gut noch schlecht. Es war nur eine dieser Aktivitäten, an denen verheiratete Paare jeden Monat teilnehmen mussten, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Beziehung nicht bröckelte.

Und also wurden die geheimen Lüste unterdrückt wie bei so vielen langjährigen Paaren. Alle, die ebenfalls lange Zeit mit demselben Partner verheiratet sind, werden wissen, dass es schwierig ist, nach Jahren plötzlich neue sexuelle Wünsche zu äußern.

Wird die Ehe (meist aus anderen Gründen) geschieden, und entdeckt der frischgebackene „Single“ nun, dass ihm oder ihr „ein bisschen vögeln“ nicht reicht, so kommen völlig unerwartet Probleme auf.

Einmal ist es der Markt, der nicht „das“ hergibt, was Frau oder Mann sich erhofft hatten. Und dann ist da eine gewisse Abneigung gegen Menschen, die ihre Besonderheiten in den Vordergrund stellen. Das mag noch alles erträglich sein, aber das ist noch etwas: Ein Mann, der eine selbstbewusste Frau für alle Belange des Lebens sucht, aber eine unterwürfige Frau für den „Lusttrakt“, ist schwer zu finden. Mit den Worten einer Betroffenen:

Einen Mann zu finden, der im Bett dominant ist, ist einfach. Aber jemanden zu finden, der die Dominanz außerhalb des Schlafzimmers wieder ablegt, ist so gut wie unmöglich.

Ob Männer „so sind“ oder ob wir nun die negativen Folgen von „Shades of Grey“ erkennen? Jedenfalls sind die Momente, in denen ein selbstbewusster Mensch außerhalb des Schlafzimmers nach „Führung“ oder gar „Disziplinierung“ sucht, ausgesprochen rar. Wenn partnersuchende Frauen behaupten, sie suchten einen „Richtigen Kerl, der ihnen auch mal sagt, wo es langgeht“, denn meinen sie etwas anderes. Sie suchen jemanden, der sie dann „an die Leine legt“, wenn es ihnen gefällt - aber nicht, wenn es ihm gefällt. Letztlich heißt dies: Sie spielen ein Spiel – und zwar zu ihren Bedingungen.

Im Bett unterwürfig zu sein und im Alltag selbstbewusst ist nichts völlig Neues, aber primitive Denker begreifen es nun einmal nicht. Nachdem uns die Psychologie jahrzehntelang mit „unveränderlichen Persönlichkeitsmerkmalen“ und „Authentizität“ genervt hat, glauben allerdings auch viele Intellektuelle an solche Märchen.

Eine letzte Anmerkung: Die Frage der jungen Frau wirft auch ein Licht darauf, welche Vergnügungen „käuflich“ sind und welche „frei verhandelbar“. Für Männer, über die demnächst zu reden sein wird, ergibt sich diese Frage zwar ebenso, wird aber anders beantwortet: Für sie gibt es ein Angebot an käuflichen „Pseudo-Unterwerfungen“ – und die sind immer „temporär“.

Bild: Aus einer Fotoserie, historisch, Datum und Fotograf(in) unbekannt.
Zitate aus "Medium"

Gefühle - käuflich, tauschfähig oder verhandelbar?

Handel mit Illusionen - sinnlich, berechnend und gefährlich
Gehen wir die Frage nüchtern an, wie wir Gefühle austauschen. Der Standard, seit Urzeiten unter Primaten üblich, besteht im Tausch. Das heißt: Wir tauschen angenehmen Gefühle gegen ähnlich angenehme Gefühle.

Gefühle gegen Gefühle

Ob wir einander lausen oder streicheln oder in den Arm nehmen - wir tauschen Gefühle aus. Der freie Austausch ist so üblich, dass wir ihn schon gar nicht mehr bemerken - er gehört zum Menschsein. Manchmal ist eine ausgesprochen geringfügige Vereinbarung (Verhandlung) nötig („Darf ich dich mal drücken, du Ärmste?“). Normalerweise wird aber nicht einmal im Ansatz verhandelt.

Sex gegen Sex

Der Ansatz ist relativ neu. „Sex gegen Sex“ wird allgemein als skandinavischer Brauch angesehen, und dies bedeutet: Andere Gefühle als die Lust auf Sex sind kaum beteiligt. Seit Frauen mehr Macht haben und die emanzipatorische Bewegung große Erfolge feiert, ist „Verhandeln über Sex“ neben „spontanem Sex“ und „gewohnheitsmäßigem Sex“ üblich geworden. Paare, die so etwas praktizieren, sprechen also vorher darüber, was „geht“ und was „gar nicht geht“. Meist müssen die Frauen derartige Gespräche eröffnen. Männer glauben, „so etwas ergäbe sich schon“.

Mix und Mix

Nach einer älteren kulturellen Definition sind Liebe und Sex untrennbar miteinander verbunden. Das heißt: Gibt es Verliebtheit oder Zuneigung, dann gibt es irgendwann auch Sex. Anders herum passen diese Schuhe auch: Gibt es Sex, so entstehen auch andere Gefühle wie Verliebtheit und Zuneigung. Falls nun aber „über Sex zu verhandeln“ wäre, über Gefühle aber nicht, entstehen Widersprüche und Unklarheiten. Ein Beispiel wäre: „Ich schenke ihm Fellatio aus Liebe, obwohl ich mich körperlich davor ekle und ihn nicht als ‚Sex‘ empfinde.“


Sex gegen Gefühle

Beim Tausch von Sex gegen Gefühle entstehen „Unwägbarkeiten“. Denn wenn einer die „großen Gefühle“ für den anderen empfindet und ihm deshalb bedingungslosen Sex schenkt, wird gegeneinander getauscht, was unwägbar ist. Normalerweise verliert der „gefühlsbetonte“ Partner, weil er sich in seine Gefühle hineinsteigert.

Sex gegen „etwas anders“

Sex lässt sich außer gegen Gefühle auch noch gegen alle irdischen Güter tauschen. Wer sich nun empört, möge daran denken, dass dieser Handel normalerweise nicht einmal auffällt. Auffällig wird er nur, wenn etwas sehr Konkretes mit dem Sex verbunden wird: „Ich schenke dir (etwas Dingliches) und erwarte, dass du dich dafür mit Sex bedankst.“ Wieder umgekehrt: „Er ist zugänglicher für meine Wünsche, wenn ich häufiger mit ihm schlafe - warum also nicht?“

Sex gegen Geld

Sobald von „Sex gegen Geld“ die Rede ist, öffnet sich der Giftschrank, und das Wort „Prostitution“ steht im Raum. Die Diskussion darüber ist bisweilen so heftig, dass dieses Thema nur noch mit der Kohlenzange angefasst wird. Sofern die „lupenreine“ Prostitution betroffen ist, bei der Geld gegen gewöhnlichen Geschlechtsverkehr getaucht wird, sind die Verhältnisse eindeutig. Also: minimale Verhandlungen, weitgehend emotionsloser Vollzug.

Gespielte Gefühle und Sex im Mix gegen Geld

Tatsächlich ist der Bereich "gefühlsbetonte sexuelle oder erotische Dienstleistungen gegen Geld“ derjenige, in denen am meisten verhandelt wird. Ob es sich um eine teure Escort-Frau handelt, um eine langfristig unterstütze Geliebte oder um eine Domina: Für sie alle gehören Verhandlung über das, was „geboten und erwartet wird“ zum Alltag. Die Verhandlung „Sex gegen Sex“ ist für die meisten „gewöhnlichen“ Frauen und Männer hingegen völlig neu - und teils mit erheblichen Hemmungen besetzt.

Ist es zulässig, über den Handel mit Gefühlen zu sprechen?

Machen wir uns nichts vor: Der Handel mit Gefühlen ist weit verbreitet. Wer es nicht wahrhaben will, mag sich an den Satz erinnern „ich habe so viel Gefühle investiert ...“. Wenn Gefühle „Investitionen“ sind, dann können sie auch als die Währung angesehen werden, für die etwas eingekauft wird.

Bild: nach dem Cover eines Pulp-Magazins ca. 1950, Autor unbekannt.