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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Zur Psychologie des Datings

Psychologie und Liebe - aber erst muss der Elefant raus
„Psychologie“ ist ein weites Feld spekulativer Gedanken … aber auch eine Wissenschaft, die sich ernsthaft bemüht, uns Menschen einen intensiven Blick auf unser „Selbst“ zu ermöglichen.

Unser Artikel befasst sich mit der heutigen Bedeutung der Psychologie im Alltag. Und damit, was „Psychologie“ mit dem „Kennenlernen“ zu tun hat. Dabei können wir ein paar „Schnittstellen“ entdecken, in denen „die Psyche“ uns hilft, aber auch behindert.

Aufräumen mit dem Ballast - Psychologie geht auch einfach

Zunächst aber will ich etwas „Ballast“ wegräumen, denn die heutige Psychologie ist relativ einfach, und sie erschließt sich auch dem Laien.

Um es mir einfach zu machen, benutze ich auch eine simple Erklärung (1):

Psychologie ist die Wissenschaft vom Verhalten (alles, was ein Organismus macht) und von den mentalen Prozessen (dem Erleben, den subjektiven Erfahrungen, die wir aus dem Verhalten erschließen).

Das klingt einfach, denn „Verhalten“ lässt sich leicht beobachten, während die „Psyche als solche“ sich nur schwer erklären lässt.

Zwei Arten von „Elefanten“, die oft im Raum stehen

Wenn jemand von „Psychologie“ spricht, stehen oftmals zwei Elefanten im Raum: Das „Unbewusste“ und das „Seelische“.

Elefant im Raum: Das „Seelische“ wird separat betrachtet

Mal bewusst einfach ausgedrückt, ist das „Seelische“ eine Art Gemisch von Einflüssen, die auf unser Gemüt oder unsere „Alltags-Verfassung“ einströmt. Wir rechnen oft die „Gefühle“ oder „Emotionen“ in das Gemisch hinein, die im Grunde zum „Natürlichen“ gehören. Man könnte diese Einflüsse „das ganz normale Leben“ nennen. Und wir tun dies auch fast alle – außer den Elefantenführern. Sie reden zum Beispiel von „Seelenverwandten“. Das aber ist Esoterik und hat mit Psychologie fast gar nichts zu tun – und auch nichts mit dem „Natürlichen“, also dem, was wir erklären und beobachten können.

Der größte Elefant: das unendliche, geheimnisvolle Unbewusste

Der größere Elefant, der im Raum steht, ist allerdings das „Unterbewusstsein“. Es ist eigentliche eine Maus, die uns ab und an bei wichtigen Entscheidungen ins Ohr piepst und manchmal sogar begleitet. Doch wer schon einmal vom „Eisbergprinzip“ gehört hat, der weiß, dass die Maus längst riesige Dimensionen angenommen haben soll. Nur ein Siebtel unserer „psychischen“ Existenz ist uns „bewusst“, so sagen die Elefantenführer jedenfalls, und die restlichen sechs Siebtel gehörten zum „Unbewussten“, oder wie man auch sagt, zum Unterbewusstsein. (2)

Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass man sich als schreibender Laie oder Fachmann mit den riesigen „sechs Siebteln“ des Unbewussten interessanter machen kann als mit dem schnöden einen Siebtel, das uns Fakten liefert.

Die Psyche – absolut nüchtern und ohne Schnörkel

So, und nun ist die Frage: Was wollen wir wirklich von „der Psychologie“?

Das ist ganz einfach: Unsere „Psyche“ flattert ja nicht um uns herum und redet mit jedem über ihren (also unseren) Zustand. Sie zeigt sich vielmehr in unserem Verhalten. Das heißt, die Menschen (und eben auch die Psychologen) versuchen, uns anhand unseres Verhaltens einzuschätzen. Und nun dreht sich alles ein bisschen im Kreis. Je mehr wir die Wirkung unseres eigenen Verhaltens kennen, umso sicherer sind wir uns. Und umso sicherer können wir einschätzen, wie es mit den Kontakten zu anderen aussieht.

Wahrscheinlich habt ihr schon gemerkt, dass wir unser aktuelles Verhalten auch mit dem Verhalten anderer vergleichen. Das kann problematisch sein, denn wir „müssen nicht in ihren Schuhen gehen“, wie man so salopp sagt. Und das heißt auch: Letztendlich müssen wir akzeptieren, dass „andere nun mal anders“ sind.

Verhalten trifft auf Verhalten – das Kennenlernen

Und nun kommen wir endlich dem „Kennenlernen“ nahe. Denn wenn wir eine Person suchen, die mit uns durchs Leben geht, dann suchen wir jemanden, dessen Verhalten wir verstehen. Und wir können sogar versuchen, jemanden mit einem „ähnlichen Verhalten“ zu finden. Das ist üblich, aber nicht der einzig richtige Weg. Denn sinnvoll wäre auch, jemanden zu suchen, der uns in unserem Verhalten ergänzt. Womit dem alten Luxus-Streit über „Gleichheit“ und „Gegensätze“ schon mal der Wind aus den Segeln genommen wurde. Unsinnig ist lediglich, jemanden zu suchen, der uns mit seinem Verhalten dauerhaft behindert.

Schön wäre es ja, wenn alle immer und überall so einfach wäre, wie ich es hier zusammengestellt habe. Aber da wären doch noch einige offene Fragen, denn wir Menschen stellen uns ja noch weitere Fragen zum Zusammensein und Zusammenleben.

Leben und Beziehungen – hochkomplexe Systeme

Dies will ich noch einmal deutlich machen: Lebewesen, Paare und menschliche Gemeinschaften sind hochkomplexe Systeme. Das heißt, dass wir nicht einfach einen Schalter umlegen können, um etwas zu verändern. In uns wirkt die gesamte Evolution weiter, sodann unsere Kultur(en), die Art, wie wir das Erwachsensein erlernt haben wie weit wir uns mit uns selbst auskennen.

Wenn wir von „Beziehungen“ reden und von der „Psyche“ sprechen, sollten wir zudem bedenken, dass sich die Natur vorbehalten hat, im Zweifel ihre stärkste Waffe einzusetzen: den Sexualtrieb.

Wenn jemand mir hier weiter folgen möchte – bitte schön. Ich stehe immer zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. Und ich werde diese Woche noch einen weiteren Artikel veröffentlichen, der sich mit der „Psychologie des Datings“ auseinandersetzt.

Zitate und Erläuterungen:
(1) Lehrbuch der Psychologie, Prolog.
(2) Im Internet kursieren Fantasien von "unbewussten Anteilen" von 80:20 oder sogar 90:10. Beweise dafür werden so gut wie nie mitgeliefert.


Wie sexuelle Machtansprüche entstehen

Faszination weibliche Dominanz - eher in der Fantasie als in der Wirklichkeit
Am Anfang war angeblich Maledom. Wir erinnern uns: Die einzige Gottheit in den Schriften des Mose wird allgemein als „männlich“ empfunden, und sein Geschöpf, der Mensch, war unzweifelhaft ein dominanter Mann.(1) Das alles setzt sich in den „Zehn Geboten“ fort, in denen wir erkennen, dass der Patriarch alles „besitzt“ (auch die Menschen), die in seinem Haus Leben. Wenn wir statt der alten religiösen Schriften die Menschheitsgeschichte als Beleg benutzen, finden wir die Wurzeln im Neolithikum, als Menschen zu siedeln begannen.

Werfen wir einen Blick auf die wesentliche Komponente: die Macht

Wer die Macht, die Mittel und den Nutzen hat, und wer „schalten und walten kann, wie er will“ der entscheidet normalerweise auch über das Wohl und Wehe anderer. Das bewährte sich über viele Jahrhunderte, führte aber auch zu verschiedenen Problemen, die letztlich mehrere Umbrüche auslösten. Die Französische Revolution, die eher emotional geprägte erste Emanzipationsbewegung, und in heutiger Zeit vor allem die gestiegene wirtschaftliche und soziale Macht der Frauen.

Die Gegenwart - die meisten Änderungen sind schon lange angekommen

Womit wir wieder in der Gegenwart wären. Mit dem Aufstieg gebildeterer der Frauen in Positionen, die ihnen die Mittel und die Macht gaben, selber zu herrschen, änderte sich auch ihre gesellschaftliche Stellung. Von der Partnerwahl hatten wir schon geschrieben. Und dabei zeigt sich sehr konkret: Wer die Macht hat, kann auswählen - wer sie nicht hat, wird ausgewählt. In der Folge wurde klarer, dass Frauen die Männer auswählen – und nicht etwa die Männer die Frauen. Entsprechen gehören zu den Verlierern am Partnermarkt nahezu alle Frauen, die „gefunden werden wollen“ und Männer, die über keine brauchbaren Eigenschaften für eine Beziehung verfügen.

Traditionelle Sexvarianten auf dem Prüfstand

Der „gewöhnliche Geschlechtsverkehr“ befriedigt im Grunde nur den Mann, nicht aber die Frau. Nachdem dies offenkundig wurde, versuchten viele Frauen, sich mit geeigneten Instrumenten schnell und sicher zum Orgasmus zu bringen. Dazu allerdings benötigten sie keinen Mann. Um Liebe, Zuneigung und Sex zu vereinen, und das Glücksgefühl mit einem Mann zu teilen, war mehr nötig. Auf diese Weise entstand eine neue erotische Intimität zwischen Paaren. Ein Mann, der Frauen in erster Linie als „Gefäß“ für sein Ejakulat sah, fiel damit aus dem Raster.

Frauen und S/M-Beziehungen

Und in der „Nische“, als der S/M angesehen wird, tauchen Frauen nun in zwei relativ neuen Rollen auf: Als machtvolle Herrscherinnen einerseits, die „sich holten, was (und wen) sie wollten“. Und als atypische Unterwürfige, die zwar Macht haben, aber diese gerne dann und wann abgaben. Was konkret heißt: sich zu unterwerfen, um in diesem Zustand keine Verantwortung zu tragen. Doch auch die „alte Rolle“, also der letzte Rest von „weiblicher Unterwerfung“ ist so fest eingegraben, dass sie in Fantasie, Spiel und Realität immer wieder auflebt.

Der Zeitgeist und der Rückzug männlicher Dominanz (Maledom)

Schnee von gestern: Maledom-Szene aus Japan
In den letzten Jahren ist das Interesse an „Maledom“ (männlicher Dominanz) etwas zurückgegangen. Was auch immer der Grund sein mag: Öffentlich derartige Fantasien zu diskutieren, seien es weibliche oder männliche, ist nicht mehr „hoffähig“. Was nicht heißt, dass es sie nicht mehr gibt, denn die Fantasien sind recht gut dokumentiert. Das „öffentliche Bild“ vermeidet derzeit aber sowohl die verborgenen Lüste der Frauen wie auch die der Männer, die nicht „auf Augenhöhe“ verwirklicht werden.

Femdom - die Dominanz der Frau

Bei Femdom, also der weiblichen Dominanz, ist es anders. Sie steht nirgendwo im Fokus, erzeugt kaum negative Empfindungen und gilt als „Nischenthema“ in Filmen und Romanen. Und sie ist ebenso von erregenden Fantasien durchsetzt wie „Maledom“. Dazu müssen wir einen Sprung in die Literatur wagen:

- Wenn eine Frau dominiert, kann sich der Leser/Zuschauer mit der dominanten Frau oder mit dem unterwürfigen Menschen identifizieren.
- Diese Person kann eine Frau oder ein Mann sein, wodurch sich männliche „Subs“ mit dem entsprechenden Mann identifizieren können.
- Ist die unterwürfige Person ebenfalls eine Frau, so kann sich der machtorientierte Mann an ihren Leiden ergötzen, während die unterwürfige Frau eher Gefallen an der Rolle dieser Frau findet.


Lezdom – eine neue Variante, nicht nur für Voyeure und Voyeusen

In der Realität sollen unterwürfige Frauen inzwischen mehr Vergnügen empfinden, wenn der dominante Teil ebenfalls eine Frau ist. Es wird auch berichtet, dass machtvolle Frauen sich inzwischen aus gleichen Motiven nach Unterwerfung sehnen wie es einst die machtvollen Männer taten.

Wie es sich mit der Fantasie verhält

Wechseln wir zurück in das Gebiet der Fantasie. Hier treffen Vorstellungen auf Situationen, die niemals real werden. Und weil das so ist, wird jeder und jede zum Voyeur. Die Idee, jemanden zu entkleiden, um ihn zu strafen, ist ebenso vertreten wie die Vorstellung, selbst die Person zu sein, die entkleidet wird – und das ist erst der Anfang. Die Szenarien sind bunt, bittersüß, meist unrealistisch und gerade darum so fantastisch. Jede Stellung, jede Situation und jedes Instrument der „Zucht“ erzeugt andere Gefühle von Lust und/oder Leid. Und diese Gefühle sind insofern realistisch, als sich kaum jemand der Faszination entziehen kann, sich selbst „an die Stelle“ der Protagonistinnen oder Protagonisten zu stellen. (Wie es beispielsweise mit den „50 Shades of Grey“ bewiesen wurde).

Das Fazit – sinnliche Fantasien und lustvolle Illusionen bleiben

Die Gefühle während der Fantasien setzen sich zusammen aus Lust, Schmerz, Betroffenheit, Begierde. Sie sind zwar „nur“ Fantasien, doch sind sie sie emotional deutlich spürbar. Der Vorteil daran ist, dass keine körperlichen Spuren zurückbleiben. Wenn die Managerin also heute eine intensive Fantasie durchlebt, wie der Rohrstock tief in das Fleisch ihres Gesäßes vordringt, kann sie sich morgen wieder sorglos den Chefsessel setzen.

Bei manchen Rollenspielen werden die Gefühle direkter, unmittelbarer und durchaus nachhaltiger empfunden. In diesem Fall wird die Person zum Schauspieler oder der Schauspielerin, die sich ganz der Rolle hingibt. Für manchen Menschen ist beängstigend, wie schnell er oder sie die Rolle vergisst und sich für einen Moment völlig in die Person hineindenkt. Darin liegt die Stärke von Rollenspielen generell. Wir werden ein „anderer“ (eine „andere“), solange das Spiel andauert und fallen in den Alltag zurück, sobald das Spiel beendet ist und der Rausch nachlässt.

Dies ist die letzte Folge unserer Serie über Femdom, Maledom, Alltag, Partnersuche, Rollenspiele und Fantasien.

Ich habe in allen vier Teilen des Artikels auf Quellenangaben verzichtet. Wer etwas bestätigen kann oder widersprechen möchte, kann dies jederzeit tun. Auch (und gerade!) hier.

(1) Ich weiß, dass es in der Genesis zunächst anders geschrieben steht ... aber das könnt ihr selbst nachlesen.
Grafiken:
(oben) Sinnbild der weiblichen Dominanz als Vision. Herkunft unbekannt.
(unten) Nach einer Vorlage aus dem Japan der 1950er (?) Jahre

Erotische Dominanz und andere Machtfragen in Medien und Realitäten

Dominant sein - durchaus für Frau und Mann möglich
"Erotische Dominanz und andere Machtfragen in Medien und Realitäten" erklärt, warum es nicht einfach "Maledom" oder "Femdom" ist, was die sinnliche S/M-Literatur betrifft - und was das "mit uns macht".

Reden wir zunächst von den Begriffen – das ist wirklich nochmals notwendig. „Dominieren“ heißt ja auf Deutsch „beherrschen“. Diese „Beherrschung“ bedeutet, Macht auszuüben, und diese Macht kann finanzielle, soziale, psychische und körperliche Belange umfassen. Zu den körperlichen Belangen zählt auch die Freiheit, sich zu bewegen, wohin man will und die Freiheit, über den eigenen Körper sexuell zu verfügen. Wenn wir von „Domination“ sprechen, ist mindestens einer der Belange eingeschränkt.

Drei Begriffe aus dem Bereich der S/M-Szene

Maledom ist ein Wort aus der BDSM-Szene. „Männliche Vorherrschaft“ wird von vielen als besserer Begriff angesehen, aber er ist bereits von Erscheinungen des Patriarchats überdeckt. Der Begriff sagt aus, dass Männer versuchen, Frauen so zu beherrschen, dass ihre Freiheiten eingeschränkt werden, so wie oben geschildert.

Femdom entstammt der gleichen Szene und bedeutet entsprechend „weibliche Vorherrschaft“. Frauen, die dies tun, versuchen also Männer zu beherrschen, im Grunde mit den gleichen Methoden wie umgekehrt. Die Situation ist nicht neu und sie wird seit ungefähr zwei Jahrhunderten praktiziert – meist mithilfe der Kontrolle über die Finanzen.

Lezdom ist ein reiner Genrebegriff, der nahezu ausschließlich in S/M- Kreisen benutzt wird. Gemeint sind meist optische Darstellungen (Bilder, Videos) von Frauen, die andere Frauen dominieren – und zwar nicht ausschließlich „lesbische“ Frauen.

Harte Realitäten zu Femdom und Maledom

Neben dem realen Sadismus/Masochismus, existieren noch viele andere Gebiete, in denen die Macht der Dominanz beschrieben wird:

- Die Literatur, sei sie seriös oder pornografisch – oft als Nebenschauplatz einer Liebesbeziehung, dann aber auch als Hauptthema. Dabei kann es sich um geistige, soziale, finanzielle, psychische oder körperliche Domination gehen sowie um Verfilmungen solcher Werke. (z.B. 50 Shades of Grey).
- S/M-Filme, meist Kurzfilme, die ausschließlich gedreht wurden, um voyeuristische S/M-Tendenzen zu befriedigen. (Sklaven/Sklavinnen)
- Unterhaltungsliteratur beliebiger Art, meist Abenteuer- und Kriminalgeschichten sowie deren Verfilmungen. (Entführungen, Verschleppungen).
- Unterwerfungs- und Dominanz-Fantasien ohne „Vorlagen“ mit beliebigen Inhalten. (Tagträume, feuchte Träume).
- Spiele zwischen Paaren um die Macht, oft unbewusst ausgeführt. (Spiele der Erwachsenen. Eric Berne).
- Spiele zwischen Paaren mit bewussten S/M-Inhalten. (Rollenspiele)
- Partyspiele mit S/M Inhalten. (Truth or Dare)
- Spiele mit professionellen Dienstleistern aus dem S/M-Bereich. (Domina-Studios)


Private Spiele realer Paare

Die meisten der „privaten“ S/M-Spiele basieren auf einer bittersüßen Liebe, die oftmals als „soziale Schieflagen“ gespielt werden, also beispielsweise Herrin – Diener. Manchmal handelt es sich um eine Doppelbindung an zärtliche Lüste einerseits und heftige Schläge andererseits, vulgär als „Küsse und Schläge“ bezeichnet.

Abtauchen in die Grauzone – S/M-Beziehungen und Machtausübung

Manchmal wird behauptet, dass sich unterwürfige Männer sehr leicht aus den „Losern“, also den Dauerverlierern bei der Job- und Partnersuche rekrutieren ließen. Sie streben angeblich danach, von einer Frau dauerhaft dominiert zu werden – und zwar in einer Beziehung, die am Ende ausweglos ist. Andererseits glauben manche Männer, dass sie auf diese Weise Frauen mit labiler Persönlichkeit für ihre Zwecke „nutzen“ können. Im Grundsatz geht es dabei immer darum, eine unterwürfige Neigung zu nutzen, um diese Person tatsächlich finanziell, sozial, emotional und physisch zu unterdrücken. Also zu „entpersönlichen“.

Dies ist der Graubereich der sinnlich-emotionalen Abweichungen, und man kann nur jedem Mann und jeder Frau davon abraten, auch nur einen Fuß in diesem Morast zu setzen. Auch wenn in der „Szene“ manchmal die Nase gerümpft wird: Jede Szenerie, die nicht in vollständiges Einverständnis oder bei Unkenntnis der Risiken gespielt wird, ist menschenverachtend.

Dieser Graubereich ist für mich nicht diskussionswürdig – doch die Gedanken an „süße, sinnliche Unterwerfungen“, also die Fantasie, ist davon nicht betroffen. Und insofern spielen Tagträume, feuchte Träume und alle Art von Vorstellungen eben doch eine Rolle. Und wir sollten noch einmal von Rollenspielen reden, weil sie sich inzwischen etwas gewandelt haben. Auch dazu hat die Emanzipation beigetragen – oder besser: der Zugewinn von Macht seitens der Frauen.

Im letzten Teil ist davon die Rede, wie "wir" mit Dominanz und Unterwerfung umgehen können. Der Titel: Wie sexuelle Machtansprüchen entstehen ... von den Urzeiten bis heute. Real und in der Fantasie.

Grafik: Liebesverlag.de.

Partnerschaften und soziale Dominanz

Konservativ, herausfordernd, bedeckt, sexy, dominant oder sinnlich? Alles ist im Fluss
Partnerschaften und soziale Dominanz - ein Beitrag zur Dominanz in heutigen Beziehungen

Die aktuelle Situation der Partnersuche

In der Folge der letzten bekannten Welle der Frauenemanzipation ergab sich die Schwierigkeit von sehr gebildeten Frauen („Akademikerinnen“), einen Partner auf der sogenannten „Augenhöhe“ oder noch darüber zu finden. Hinzu kam, dass Frauen mit nicht-akademischen Berufen von vielen Männer bevorzugt wurden, während es weiterhin junge Frauen gab, die „hinaufheiraten“ wollten. Die wirtschaftlichen Gewinnerinnen waren deshalb oft zugleich die Verliererinnen am Partnermarkt, während die Frauen in den unteren und mittleren sozialen oder intellektuellen Gruppen etwa gleiche „Heiratschancen“ hatten wie zuvor.

Männer - manche verlieren, andere spüren kaum Änderungen

Auch Männer, die gut verdienen, zuverlässig sind, halbwegs gut aussehen und eine gute Ausbildung hatten, sind vom Zeitgeist kaum betroffen. Typische „Alpha-Männer“ haben in der Regel keine Probleme, Sex- oder Lebenspartner zu finden, weil Frauen intuitiv glauben, dass sie gute Gene haben.

Die Verlierer sind eindeutig junge Männer, deren berufliche Aussichten schlecht oder gar hoffnungslos sind oder die sich selbst schon fast aufgegeben haben. Sie glauben, ungerecht behandelt zu werden, und kämpfen offen oder verdeckt gegen die Frauenemanzipation.

Die Partnersuche der unaufgeregten Frauen und Männer

Sowohl Frauen wie auch Männer im „mittlere Segment“ der Bildung und des sozialen Standes (also die Mehrheit) sind nicht ideologisiert. Das heißt, sie versuchen, nach ihren eigenen Interessen zu leben und sich damit durchzusetzen. Das heißt, dass beide Geschlechter gewisse Formen der Dominanz wie auch der Unterwerfung beherrschen und verwenden. In der Praxis zeigt sich dies durch Anforderungen einerseits und durch ein „einladendes Wesen“ andererseits. Oder mit anderen Worten: In beiden Geschlechtern wohnt die sinnlich-soziale Bedürftigkeit, beachtet, geliebt oder hofiert zu werden. Aber eben auch das relative Gegenteil, also sinnlich-soziale Werte von anderen einzufordern. Das heißt letztlich: sowohl unterwürfig zu sein als auch dominant auftreten zu können. Zum Beispiel: „Ich entblöße mich (psychisch, körperlich) so weit, dass andere mich begehren müssen“. Oder im Gegenteil: „Ich fordere andere (psychisch, körperlich) so weit heraus, dass sie schwach werden müssen.“

Das Spiel mit der Dominanz beginnt mit dem Kennenlernen

Solche Formen von Dominanz und/oder Unterwerfung gehören oftmals zu den Spielen, die wir statt des „Balzens“ verwenden. Es scheint zumindest so, als hätten wir dir Grundlagen in den Genen. Auf der anderen Seite wohnen immer noch Reste längst verblasster Kulturen in uns, wie etwa „einer Frau den Hof machen“ oder „sich für einen Mann herausputzen.“

Hybride Verhaltensweisen - ein bisschen emanzipiert, ein bisschen konservativ

Im Grunde genommen kommen sowohl Frauen wie auch Männer mit hybriden Sicht- und Verhaltensweisen als Partnersuchende an den Markt. Einmal wollen sie „ganz Persönlichkeit“ sein, dann aber wieder auch Klischees entsprechen, wie etwa „ein guter Vater“ zu werden oder eine „hingebungsvolle Partnerin“ darzustellen.

Die Veränderungen - Selbstbewusstsein und Berufserfolg zählen

Der Einfluss der Emanzipation auf die Partnersuche ist vielfältig. Hauptpunkt ist aber, dass Frauen sich als Partner eher einfühlsamere Männer als bisher zu suchen. Und Männer sind heute viel eher bereit, selbstbewusste Frauen an ihrer Seite zu haben.

Ein Beispiel: Bis in die 1970-er Jahren wurde kaum gefragt, welche Schulbildung oder Berufsausbildung Frauen hatten und welchen beruflichen Werdegang sie bereits durchlaufen hatten. Keine Ausbildung, mehrere angebrochene Ausbildungen oder viel Umschulungen waren damals kein Grund, eine Frau nicht zu heiraten.

Heute hat sich dies so angeglichen, dass Frauen wie auch Männer mit brüchiger Vergangenheit und unsicherer Zukunft eher nicht gewählt werden. Eine starke, aber ausgewogene Persönlichkeit mit sozialen Eigenschaften wird inzwischen von beiden Geschlechtern bevorzugt.

Vanille-Beziehungen - soziale Dominanz und sexuelle Fantasien

Soweit also alles, was Menschen wissen sollten, die jetzt eine Beziehung eingehen, die weitgehend zu dem gehören, was man gemein „Vanille“ nennt. Also überwiegend solchen, die „gewöhnlichen Sex“ in Standard-Variationen haben und sich wundern, warum dazu auch etwas Dominanz gehört. Eine Realität, die ganz unter dem Banner von S/M oder ähnlichen Konstellationen abläuft, ist sehr, sehr selten. Bleibt also die Frage: Wie sieht es aus mit der Fantasie, mit der Literatur, mit dem Nervenkitzel all dieser frivolen Spiele, von denen inzwischen wahrscheinlich jeder gehört hat? Ist also Femdom und Maledom ein Thema für Vanille-Paare und „gewöhnliche“ Singles? Das behandeln wir im dritten und vierten Teil, mit all der Zurückhaltung, die ihr von der „Liebeszeitung“ gewohnt seid. Zunächst geht es darum, ob und wie ihr überhaupt mit dem Thema in Berührung kommt - sind es die Medien, die Realitäten oder was sonst?

Keusche Jünglinge, keusche Jungfrauen und moderne Zeiten

Eher eine Liebhaberei - Rüstungen mit Spikes
Es gibt überall mehr keusche Jungfrauen als Jünglinge … (denn) seine Lebensverhältnisse und sein Mut setzen ihn der Versuchung häufiger aus.

Zitat: Jean Paul. Levana, 1807

Als „Keuschheit“ wurde einst eine Tugend bezeichnet. Sie betraf nicht nur die „Unbescholtenheit“ oder „Reinheit“ der Jungfrau, sondern bezog sich darauf, alles Geschlechtliche mit Scham oder Scheu zu betrachten.

Der Schleier des Bösen und die Folgen der Entschleierung

Als sich der Schleier des Bösen von der Sexualität heruntergezogen wurde, blieben dennoch einige Gedanken übrig: zum Beispiel als „Jungfrau in die Ehe“ zu gehen. Was blieb, waren auch die „reinen Gedanken“, die zu einer „edlen Gesinnung“ gehörten. Kam noch die Mahnung hinzu, sich fernzuhalten von den Orten, Schriften oder Personen, die als „unzüchtig“ galten, so galt die Person als gefeit vor „schlechten Gedanken“.

Keusch sein- die weibliche Jugend der 1950er und 1960er

Was auch noch lange Zeit blieb, war die „Keuscheitserziehung“, die kaum dokumentiert ist, die aber unterschwellig von jeder Frau wahrgenommen wurde, die in den 1950er und 1960er-Jahren aufgewachsen ist. Dazu gehörten auch „keusche Kleidung“, die Frauen in der alltäglichen Öffentlichkeit verordnet wurde. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die dazugehörige Unterwäsche, die den Körper wie einen Panzer umschloss. Dazu gehörte auch die Forderung, Röcke nicht zu kurz zu tragen und zu vermeiden, dass sich auf Bluse oder Pulli „etwas abzeichnete.“

Der Gürtel der Keuschheit

Museumsstück
Wie wir gesehen und gehört haben, befand sich der Keuschheitsgürtel der Frau früher im Kopf. Behauptet wurde zwar, dass man der auf der Burg verbliebenen Gemahlin des Ritters einen „Florentiner Gürtel“ anlegte, doch die Realität war eher, dass sie sich ihre Liebhaber aus fahrenden Sängern rekrutieren konnten. Von einem Gürtel war nie die Rede – wohl aber davon, dass die Dame den Vogelkäfig heraushing, wenn „die Luft rein war“.

Keuschheit aus ökonomischen Gründen

Das Märchen von der Ethik oder dem moralischen Gehalt der „Keuschheit“ ist schnell entlarvt: Sobald bekannt wurde, dass eine Tochter „ihre Unschuld bereits verloren hatte“ sank die Möglichkeit des Vaters, sie zu verheiraten. Das alles geschah in einer völlig anderen Gesellschaftsform, von der wir uns heute kaum noch ein Bild machen könne.

Keuschhaltung für exklusiven Sex mit dem Ehemann

Ein merkwürdiges Phänomen gegen Ende des 20. Jahrhunderts war das aufkommende Interesse an der „Keuschhaltung“ der Ehefrauen. Sie war einige Jahre lang in SM-Kreisen Thema – und das Angebot an überwiegend sehr teuren Keuschheitsgürteln, oft nach Maß gefertigt, wuchs rapide. Zwar wiesen manche Autoren darauf hin, dass es sich dabei um ein exquisites Rollenspiel handelte – aber in der Fantasie ging es eben um „echte“ Keuschhaltung.

Die angebliche Keuschhaltung in FLRs

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts (und bereits deutlich unter dem Einfluss des Internets) wurde dann die „Keuschhaltung des Mannes“ populär. An den damaligen „Penisgeschirren“ war noch sehr viel Geld zu verdienen. Entsprechende Produkte wurden unter dem Vorwand des Nutzens für „Weiblich geführte Beziehungen“ (FLRs) oder der „Treue des Ehemannes“ für viel Geld „an den Mann“ gebracht. In Wahrheit galten die gleichen Bedingungen wie für weibliche Keuschheitsgürtel: für Rollenspiele und Mut- oder Enthaltsamkeitsproben durchaus geeignet, ansonsten aber eher befremdlich. Das hat der Popularisierung allerdings nicht geschadet – wer heute (2023) Suchmaschinen aufruft, wird fast nur noch Artikel über die „Keuschhaltung des Mannes“ finden. Seither sind einige Hundert Produkte am Markt, die sich angeblich eignen, die männliche Keuschheit zu garantieren, oder die Masturbation verhindern sollen. Der Preis ist übrigens stark gesunken.

Spiele mit Lust und Schmerz – keine Spur von Keuschheit

Oftmals segeln die Produkte wie auch die Anwendungen unter falscher Flagge: Denn in Wahrheit geht es oft gar nicht um „Keuschheit“, sondern darum, bei Erektionen ein erhebliches Unbehagen auszulösen. Die Erfahrung, bei aufkommender Wollust entweder der Lust oder dem Schmerz zu gehorchen, ist der wahre Grund dafür, warum solche Geräte verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise die Zahnringe, aber auch die schon länger bekannten „Höllentore“. Beide haben die Eigenschaft, umso stärker zu schmerzen, je heftiger die Erektion ist.

An dieser Stelle höre ich auf, über Keuschheit zu schreiben, denn nun sind wir an einem Punkt angekommen, an dem es eher um „körperliche Herausforderungen zwischen Lust und Schmerz“ geht.

Und das ist mit Sicherheit ein anderes Thema.

Bilder: Oben - nach einer Werbung für "Chain Mail"-Kostüme.
Unten: Museumsexponat, vermutlich künstlerisch motivierte Nachbildung.
Abkürzung: FLR - Female Led Relationship" - Von Frauen geführte Beziehung