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Was ist eigentlich eine Erniedrigung?

Amor, Unterwerfung und Dominanz in einem einzigen Bild
Was ist eigentlich eine Erniedrigung und warum wünschen sich Menschen, erniedrigt zu werden? Wir wollen Antworten finden - nicht nur, aber auch für sie Sinnlichkeit, die in der Erniedrigung liegen kann.

Generell sind alle Menschen frei und gleich geboren, das heißt, sie müssten einander eigentlich immer „auf Augenhöhe“ begegnen. In der Praxis ist die nicht der Fall – die einen überhöhen sich, indem sie ihre vermeintliche oder tatsächliche Macht ausspielen, andere erniedrigen sich, um nicht verletzt oder bestraft zu werden.

Das erklärt nun aber nicht die sinnlichen Gefühle oder gar die bewusst gesuchten erotischen Komponenten der Erniedrigung.

Erniedrigung - ganz neutral

Sehen wie die Sache neutral, so finden wir, dass die Person, die erniedrigt werden möchte, einen Teil ihrer Persönlichkeitsrechte für einen begrenzten Zeitraum aufgibt. Zunächst ist es die Würde, ein Begriff aus der Ethik und der Gesetzgebung. Das heißt, die Person, die erniedrigt werden möchte, will bis zu einem gewissen Grad entwürdigt werden. Statt „entwürdigen“ kann man auch sagen, diese Person will sich beschämen oder eben „erniedrigen“ lassen oder aber sich in Scham und Schmach hineingleiten lassen, wobei im Extremfall auch Verachtung hinzukommt.

Elemente der sinnlichen Erniedrigung

Die sinnliche, erotische oder sexuelle Erniedrigung besteht darin, psychische und körperliche Übergriffe zuzulassen, die im Grunde genommen zwischen Erwachsenen Tabu sind. Eine große Rolle spielen Nacktheit, rituelle Gebote und Verbote, Bewegungshemmungen, Einschränkungen der Wahrnehmung, Manipulationen an den Genitalien sowie erniedrigende Körperstrafen. Normalerweise wird die Demütigung umso stärker erlebt, je mehr Personen anwesend sind.

Demütigend kann also bereits sein, sich vor einem Menschen nackt auszuziehen, aber diese Demütigung wird verstärkt, wenn mehrere Personen dabei zusehen dürfen, jemand also „vorgeführt“ wird.

Schuld und Sühne oder Lust am Genuss?

Wissenschaftlich ist ungeklärt, warum sich Menschen demütigenden Situationen bewusst aussetzen. Die häufigste nicht-erotische Erklärung wäre, dass Schuld und Sühne sie antreiben, wie wir dies auch bei der katholischen Beichte vorfinden. Jedenfalls versuchen sie, sich während einer begrenzten Zeit einer Autorität zu unterwerfen. Die Freudianer glauben, dass frühkindliche Erlebnisse sie antreiben, andere Vertreter der Psycho-Branche vermuten pubertäre Erfahrungen. Im Bereich der Erotik, so sagen sie, würde der gleichzeitige Genuss der Lust am anderen Geschlecht und das Verabreichen von Strafen durch dieselbe Person zu späteren sexuellen Abweichungen führen.

In der Praxis wird man zugeben müssen: Jeder Mensch ist irgendwann einmal von anderen erniedrigt worden, seien es Frauen, Männer oder Gruppen gewesen, und diese Erlebnisse bleiben teils lange im Gedächtnis haften. Sexuelle Erniedrigungen treffen keinesfalls nur Frauen, sondern auch Männer.

Will man Generelles sagen, so gilt: Die Erniedrigung kann Teil einer Läuterung (Beichten, gestraft werden und sich befreit fühlen) sein. Sie kann aber auch Teil der lustvollen Erfahrung sein, sich zu fügen und im wahrsten Sinne des Wortes „verantwortungslos“ sein zu dürfen.

Frauen und Männer - Irrtümer bei der Lust an der Erniedrigung

Es ist ein Irrtum, dass sich ausschließlich Frauen auf die eine oder andere Art demütigen lassen. Manche Männer unterwerfen sich geeigneten Frauen aus Liebe, Leidenschaft oder Bedürftigkeit. Andere suchen bewusst die sexuelle Demütigung, die wir als Fantasien in pornografischen Schriften vielfach nachlesen können, die aber in Lebensbeschreibungen fast immer ausgespart werden. Einige Männer wollen dabei höchst unkonventionell beherrscht werden, andere passen in das Klischee der SM-Kreise. Als besonders erniedrigend gilt dabei der instrumentelle Analverkehr (teils unter Zeugen) oder dies sogenannte „Feminisierung“, also die Demütigung, als Frau behandelt zu werden.

Es ist nur Unterhaltung …

Lüste und Schmerz in der Internatsliteratur
Ein großer Teil der modernen erotischen Literatur für Frauen ist … einfach Unterhaltung. Was viele der Leserinnen nicht daran hindert, davon geil zu werden - und das ist absolut in Ordnung.

Eine Dame präsentiert sich im Unterkleid
Schauen wir etwa 120 Jahre zurück, so war das Wissen der jungen Frauen um die Möglichkeiten, „fleischliche Begierden“ auszuleben, noch sehr gering. Schon der Anblick des nackten Fußes konnte bei den Männern erotisches Verlangen auslösen – und sah ein lediger Mann gar eine schöne Frau im Unterkleid, so besuchte er höchstwahrscheinlich im Bordell.

Die Literatur jener Tage war umso heftiger. Nacktheit, rituelle Bestrafungen, Waschungen, das Erforschen der Intimsphäre mit detaillierter Beschreibung der Vorgehensweise waren bei den literarisch versierten Autorinnen und Autoren an der Tagesordnung.

Damals war die Schwelle zischen reiner Fantasie und der tatsächlichen Ausübung allerdings wesentlich höher als heute - vor allem für Frauen. Wenn überhaupt, so gab es sie in Geheimgesellschaften, von denen zwar immer wieder geflüstert wurde, deren Zugang aber den bürgerlichen, unverheirateten Frauen verschlossen war.

Heute liegt die Latte deutlich niedriger, über die es zu springen gilt – die erotischen Schilderungen hingegen werdend deutlich plakativer, irrationaler und weniger nachvollziehbar.

Als Beispiel für die Vergangenheit will ich die „nähe zur erotischen Hitze“ in Internaten nennen. Viele der jungen Damen, die dort erzogen wurden, waren aktiv oder passiv in Amouren zum gleichen Geschlecht verwickelt, mindestens aber kannten sie solche Empfindungen von anderen. Zudem konnten die Zöglinge Gruppen bilden, die versuchten, sich von anderen abzuheben, und die Wissen über Sexualität ansammeln konnten. Und schließlich gab es reale Körperstrafen, die zwar in den Schilderungen der Literatur deutlich übertrieben wurden, deren Strafcharakter allerdings nicht ausschließlich in der körperlichen Züchtigung, sondern eher in der Beschämung lagen, die damit einherging.

Der modernen Frau, die heute erotische Literatur liest, werden wundersame Brücken gebaut, über die sei erst einmal gehen müssen, bevor sie das sinnliche Geschehen verinnerlichen können.

Man verwendet dazu Elemente aus erotischen Märchen, mischt sie mit etwas SM-Literatur aus fragwürdigen Internetquellen ab, und produziert sodann eine „Story“, die mit allerlei Kitsch und Klischees angereichert wurde - gelegentlich sogar mit etwas Küchenpsychologie.

Sicher – es ist nur Unterhaltung. Und es mag sein, dass mancher Slip davon feucht wurde. Aber die Schilderungen legen eben auch erotische Strömungen frei, die der Leserin zuvor nicht bewusst waren. Aber verglichen mit der Literatur des 19. Und des frühen 20. Jahrhunderts basieren diese Schilderungen nicht auf Ereignisse, die jemand „so ähnlich erlebt haben könnte“, sondern auf das Eintauchen in eine Märchenwelt.

Und wer dergleichen vollziehen will? Dann wird die Angelegenheit wirklich heikel. Eine „eingeweihte“ Bloggerin schrieb dieser Tage:

(Solche Bücher stellen …) … auch gefährliche und verwirrende Präzedenzfälle für Neugierige und Uneingeweihte dar.

Ein Beispiel dafür mag sein, dass die sinnliche Lust am Spiel, wirklich krankhafte Neigungen und gefährliche psychische Manipulationen in modernen Romanen als Eintopfgericht serviert werden. Das regt nicht nur die „Adepten“ der Szene auf, sondern es sollte auch als Warnung verstanden werden. Die Welt erotischer Lüste und Fantasien ist kein Ponyhof.

Bild oben: Teilansicht einer Buchillustration, koloriert .
Bild seitlich: Aus dem Titel einer erotischen Zeitschrift von 1901.

Das erotische Verhör – ein Mittel zur Enthemmung?

Im Ursprung: Der Priester wollte alles sehr detailliert wissen
An der Grenze der Erotik gibt es all diese Rollenspiele, die den zufälligen Beobachteter befremden. Warum sollte ein Mensch in ein erotisches Verhör einwilligen? Warum sollte er Methoden an sich vollziehen lassen, die einem Verhör ähneln?

Wir haben ein wenig über erotische Verhöre recherchiert. Sie sind nicht unbedingt zweckfreie, erregende Rollenspiele, sondern sollen manchen schüchternen und gehemmten Personen tatsächlich ermöglichen, offen über ihre „schmutzigen“ Sehnsüchte zu sprechen. Man könnte diese Situation durchaus mit einer Beichte vergleichen.

Aus den vielen Erfahrungsberichten zum Thema konnte ich folgendes Entnehmen:

1. Befragt wird stets zu „peinlichen“ Verhaltensweisen und Praktiken.
2. Gib der Betroffene zu, „so etwas“ zu tun, werden die noch peinlicheren Details abgefragt.
3. Wird ungenau geschildert, was geschieht, so werden detaillierte (wirklich detailgetreue) Schilderungen nachgefordert.

Tatsächlich wurden Beichten in ähnlicher Form abgenommen, wie Werner Fuld weiß, der seinerseits den spanischen Jesuiten Thomas Sanchez gelesen hat. Er schuf ...

Ein klassisches Kompendium aller denkbaren Variationen des sexuellen Lebens, das jeden Einzelfall mit höchster Gründlichkeit abhandelte. Der Priester musste die Beichtenden fragen, welche Stellung sie beim Liebesakt einnahmen, wie oft und wie lange sie miteinander schlafen, ob die Frau einen künstlichen Penis benutzte und wie sie sich damit befriedigte, ob ein Paar Oralverkehr pflegte und ob die Frau dabei den Samen schluckte ...“


Eine dominante Frau schrieb vor einiger Zeit über ihre Art, neue Lover zu befragen::

Mein Deal geht so: Ich stelle eine Frage. Du antwortest, und ich akzeptiere nicht, dass du „nein“ sagst. Ich bestehe darauf, dass du mir, gleich, ob deine Antwort „ja“, „nein“ oder möglicherweise“ ist, detailliert Auskunft gibst, was du willst oder nicht willst.

Ich erwarte, dass du ausführlich darlegst,

- Was dich zu der Frage, die ich dir stelle, zu sagen weißt.
- Deine Gefühle, die meine Frage bei dir auslösten.
- Deine Erfahrungen (Falls du welche damit hast).


Während diese Art von Befragung den Anhänger bestimmter Praktiken vorbehalten sein mag, kann eine erotische Beichte auch als aufschlussreiches Spiel bei der Einschätzung anderer erotischer Fantasien eingeschätzt werden.

Das Beispiel ist bewusst „harmlos“ gehalten, zeigt aber, wie das Verfahren abläuft:

„Masturbierst du?“ (Falls „ja“)
„Wie oft masturbiert du?“
„Bist du nackt oder trägst du Klamotten, wenn du es tust?“ („Welche?“)
„Benutzt du dazu deine Hand oder ein Gerät?“ (falls ja: welches)
„Schildere jetzt mal genau, wie du vorgehst.“
„An wen denkst du dabei?“
„Was trägt er/sie?“
„Ist er/sie schon scharf, wenn er/sie in deiner Vorstellung auftaucht?“ (und weiter ...)


Diese Befragung ist jeder Frau und jedem Mann ausgesprochen peinlich – und sie beschäftigt sich vorerst mit der Realität – nicht mit den Fantasien, obgleich diese in den letzten Fragen schon anklingen.

Ob solche spielerischen Verfahren wirklich nützen? In jedem Fall helfen sie, über Themen zu reden, die sonst vielleicht ewig verschwiegen würden.

Sind Nicht-Beziehungen ein Trend?

Trends sind immer das, was in der Presse verbreitet wird – meist ohne genaues Hintergrundwissen. Die „Generation beziehungsunfähig“ oder „Generation Nichtbeziehung“ wird nach allen Regeln der journalistischen „Kunst“ ausgeschlachtet, wobei man sich kaum um Kollateralschäden kümmert.

Das Erstaunliche: Alle machen mit, und deshalb soll aus zett zitiert werde, einem Partner von ZEIT Online:


Das Problem dabei ist natürlich, dass sich eine Nicht-Beziehung gar nicht wirklich erklären lässt. Denn genau darum geht es ja bei Nicht-Beziehungen: Man will es nicht definieren. Aber es lohnt sich trotzdem, dieses Phänomen mal ein bisschen aufzuschlüsseln. Denn Nicht-Beziehungen sind typisch für unsere Generation und sagen daher einiges über uns aus.

Sind WIR Beziehungsunfähig?

Das „Uns“ bezieht sich auf junge Leute, und zwar überwiegend solche, die im Wohlstand aufgewachsen sind und selber wirtschaftlich ausgesprochen gut dastehen. Es scheint, als ob die „Wohlhabenden und Schönen“, mögen sie nun Redakteure oder Psychotherapeuten sein, ihre Beobachtungen, die sie im Kreis der „gut Situierten“ machen konnten, auf alle übertragen – oder auf „uns“, womit dann allerdings eher die saturierte Jugend gemeint ist.

Frauen damals und heute

Es gab sie immer, diese eigenartige Form des wenig zielsicheren Suchens, der vorschnellen Liebesschwüre und der Beziehungen „auf Zeit“. Der Unterschied ist allerdings, dass die Frauen früherer Jahre darauf angewiesen waren, irgendwann „bemannt“ durch die Welt zu ziehen. Das hatte moralische, soziale, vor allem aber wirtschaftliche Gründe. Wenn eine Frau mit über 25 Jahren noch ledig war, dann wurde sie nach vor 50 Jahren „schräg“ angesehen – sie war auf dem besten Wege, eine „alte Jungfer“ zu werden und bis ans Lebensende irgendwo als „Kontoristin“ zu vermiefen.

Das alles ist längst vorbei – zwei Generationen später sind Frauen erfolgreich berufstätig, verdienen viel Geld und können sich selber eine sichere Existenz bürgenden. Und sie können etwas tun, was ihre Großmüttern nicht konnten: „Unverbindliche Formen des Zusammenseins“ wählen. Beziehungen, die zwischen einigen Stunden, ein paar Wochen und wenige Monate reichten.

Das gilt nicht nur für Frauen – auch der Mann sieht keine Notwendigkeit mehr, vom ersten Lohn oder Gehalt etwas zurückzulegen, um einmal „heiraten zu können“. Warum sollte er? Frauen gibt es zwar nicht mehr für jeden Mann – aber wer halbwegs aussieht und genügend verdient, kann sich seine Beziehungen aussuchen, kann sie beenden und wechseln – wie die entsprechenden Frauen auch.

Beste ökonomische Bedingungen führen in die Unverbindlichkeit

Klug ist das sicher nicht – weder für Frauen noch für Männer. Nur die Argumente, die jetzt an den Haaren herbeigezogen werden, beruhen auf Fantasien: Niemandem wird „Unverbindlichkeit in die Wiege gelegt“, wie ich neulich lesen musste.

Ich will das begründen: Wenn Wohnraum für sie wirklich knapp wäre, dann müsste vor allem die Singles zusammenziehen, um noch eine Wohnung zu ergattern. Wenn die Altersversorgung wirklich als unsicher empfunden würde, dann müsste Menschen sich darauf vorbereiten, im Alter „zusammenzulegen“. Wenn Jobs so unheimlich befristet wären, dann würden Paare zusammenleben, damit wenigstens einer einen Job hat. Der „Imperativ der Flexibilität?“ Da kann ich nur lachen. Die meisten Menschen mit mittlerer oder schwacher Bildung hängen an ihrer „Heimat“ und wollen weder für Jobs noch für Beziehungen fortziehen.

Für mich ist klar: Nur die deutlich verbesserte ökonomische Lage der Jugend ermöglicht das Leben in sogenannten Nicht-Beziehungen. Es ist eben möglich, Beziehungen auf Zeit einzugehen und sie zu genießen – und dabei wirklich niemandem einen Schaden zuzufügen.

Aber – es ist nicht klug. Nicht emotional, nicht sozial, nicht körperlich und schon gar nicht wirtschaftlich. Die meisten Menschen merken es ab 40, manche erst später. Auch dann ist immer noch Zeit, den Schaden zu begrenzen, aber es wird deutlich schwieriger.

Nicht-Beziehungen - kein Trend - aber nicht besonders schlau

Um eine Antwort auf die Eingangsfrage zu geben: Nicht-Beziehungen sind kein Trend, sondern eine unsäglich dumme Erfindung – von wem auch immer. Beziehungen sind Beziehungen, auch wenn sie „auf Zeit“ angelegt sind. Die Partner gehen aufeinander ein, sie stützen einander, und sie erleben berauschenden Sex miteinander. Das bedeutet nun auf keinen Fall, dass die Aneinanderreihung von Beziehungen sozial und wirtschaftlich sinnvoll ist – aber jeder ist seines Glückes Schmied, und wer sein Glück in der Unverbindlichkeit vermutet, der hat auch ein Recht, es zu erproben.

Lust und Schläge – wie hängt das zusammen?

Eher augenzwinkernd: der Gentleman entblößt sein Gesäß, um die Rute zu empfangen
Fragst du „das Internet“, welche Empfindungen die Menschen haben, die sich nach körperlicher Züchtigung sehnen, so wirst du auf betretenes Schweigen stoßen. Zwar wurden im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen Vermutungen darüber angestellt, wie sich die Züchtigung in den Jugendjahren auf das Verhalten der späteren Erwachsenen auswirke. Aber wir wissen aus keiner zuverlässigen Quelle, wie die Betroffenen selbst ihre Züchtigungen empfanden – und warum sie sich manche von ihnen in späteren Jahren danach sehnten, die Erfahrung erneut zu machen.

Die hilflosen Erklärer - Psychiater und Psychologen

Sowohl die Psychiatrie wie auch die Psychologie haben Denkansätze zum Thema, sie sind aber nicht sonderlich schlüssig. Etwas reißerisch schildert zum Beispiel der forensische Psychiater Krafft-Ebing, wie viele Menschen der Geschichte (und hier insbesondere Frauen) aus der Züchtigung Wollust empfingen.

Der im 19. Jahrhundert lebende Schriftsteller Otto von Corvin befasste sich intensiver mit den Geißlern und schrieb:

Elisabeth von Genton gerieth durch das Geißeln förmlich in bacchantische Wuth, was aber die Pfaffen heilige Verzückung nannten. Am meisten raste sie, wenn sie, durch ungewöhnliche Geißelung aufgeregt, mit Gott vereinigt zu sein glaubte, den sie sich als einen schönen nackten Mann und im beständigen Bräutigamstaumel mit seiner irdischen Geliebten dachte.


Geißler(innnen) lustvoll und Masochisten erbarmungswürdig?

Die Geißler sind die Einzigen, die sich zu ihren Handlungen bekannten, die zunächst als gottgefällige Buße galt. Doch schon sie erkannten, dass die Lust am geschlagen werden (passive Flagellation) offenbar eine Abweichung von normativen Verhalten war, und Krafft-Ebing meint selbstherrlich:

Der Geist der Unreinigkeit blies ihr (Elisabeth von Genton) die wollüstigsten und üppigsten Fantasien ein, sodass sie mehrmals nahe dran war, ihre Keuschheit zu verlieren.


Wenn einige der Geißler solche Gelüste hatten, müssten sie dann nicht schlechthin zum Menschsein gehören? Wenn der bereits zitierte Krafft-Ebing allerdings von seiner offenkundigen Faszination für historische Flagellantinnen wieder in sein Arbeitsgebiet abtaucht, sieht er die Flagellation plötzlich anderes: Nun stehen Männer im Mittelpunkt, die er nach dem von ihm gefundenen Begriff „Masochisten“ nennt. Uns sie handeln nicht aus Wollust, sondern:

(Für sie ist …) die Unterwerfung unter das Weib die Hauptsache, die Misshandlung nur ein Ausdrucksmittel für dieses Verhältnis und zwar eins der stärksten.


Träfe dies nicht zu, so Krafft-Ebing, dann suche der Mann nur eine „mechanisch vermittelte Reizung seines spinalen Zentrums.“

Diese Erklärung ist fragwürdig und widerspricht zudem den vorigen Behauptungen.

Schriftsteller suchen die Ursachen gerne in der Pubertät

Auslöser Pubertät?
Unsere Schriftsteller neigen dazu, eine andere Erklärung für die Lust an Schlägen zu geben – sie erfinden dazu Szenen, die sich während der Pubertät abgespielt haben. Zum Beispiel, indem der pubertierende Jüngling von einer schönen und sexuell ansprechenden Gouvernante auf das nackte Gesäß geschlagen wird und er dadurch eine Erektion bekommt. Entsprechende Handlungen sollen unter anderem dazu geführt haben, dass junge Männer (manchmal auch eine junge Frau) danach zu masturbieren begonnen hat – auf diese Weise, so wird behauptet, sei dann die Lust an den Schlägen entstanden.

Gibt es eine allgemeine Lust auf erotische Züchtigungen?

Das erträumte Szenario
Das mag in einzelnen Fällen zutreffen – sehr glaubwürdig ist aber auch dies nicht. Wir wissen nun ziemlich sicher, dass ein beachtlicher Anteil der Männer (29 Prozent) und ein ausgesprochen starker Anteil der Frauen (38 Prozent) davon träumt, erotisch gezüchtigt zu werden.

Warum die meisten davon nicht „zur Ausführung schreiten“ hat viele Gründe: Scham, Angst vor der Realität – und zumeist auch, einfach niemals mit einer Person in Berührung gekommen zu sein, die bereits Praxis in derartigen Verhaltensweisen hat.

Schmerzlust und schmerzliche Wollust überwiegen

Stellt man nun emotionslos und nach logischen Gesichtspunkten eine Reihe von Gründen auf, die zum Wunsch nach Züchtigung führen, so kann mit einigem Recht behauptet werden, dass die Lust nach wie vor die größte Rolle spielt.

1. Um die erotische Lust intensiver zu empfinden.
2. Als Vergeltung für Sünden, Fehlverhalten und dergleichen, die eigentlich niemals mehr gesühnt werden.
3. Um dem Partner zu beweisen, „wie viel man aushält“
4. Um den aufgespeicherten psychischen Schmerz eine andere Ausdrucksform zu geben (zum Beispiel das Hinausschreien).
5. Um einen Grund zu haben, sich „in Tränen aufzulösen“.

Unterwerfungsfantasien kontra Züchtigungsfantasien

Die Lust daran, dominiert zu werden (körperlich, physisch oder sexuell) und dabei Schläge zu empfangen, liegt bei submissiven weiblichen wie auch männlichen Träumern bei etwa 55 Prozent, wobei diese Zahlen rechnerisch ermittelt wurden und deshalb nicht völlig zuverlässig ist.

Trotz all dieser Forschungen, Zahlen oder Fakten haben wir alle keine Ahnung, was wirklich in jenen vorgeht, die sich „übers Knie legen“ lassen, um von einer sanften, aber kraftvollen Hand gezüchtigt zu werden. Und wir wissen auch nichts über jene, die sich auf Prügelböcken schnallen lassen und dabei bis zur psychischen Erschöpfung leiden und lüsten.

Es mögen wenige sein - doch wenn die Fantasie ein starkes Drittel der Frauen und ein ebenso starkes Viertel der Männer befällt, dann sollten wir diese Menschen nicht verachten, sondern ihre Lüste als das nehmen, was sie sind: menschliche Regungen, die wir nicht verstehen, aber akzeptieren müssen.

Bild oben: Grafik, genaue Herkunft unbekannt, "The Cully Flaug'd", 17. Jahrhundert.
Bild Mitte: Nach einer Buchillustration
Bild unten: Traumsequenz, Quelle unbekannt..