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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Wie die Pornografie in einer Zeit der Prüderie entstand

Aber bitte mit Hut ... Szenenfoto aus einem Film (mod)
Es gibt zahllose Erklärungen für „obszöne Literatur“, die man später als „pornografisch“ bezeichnete. Ziemlich verbürgt ist allerdings, dass die heute Form der erotischen Schriftstellerei inklusive der bildlichen Darstellungen, stark vom viktorianischen England geprägt wurde.

Wie dies sein konnte, ist vielfach beschreiben worden, zuletzt kenntnisreich und wissenschaftlich fundiert in „The Origins of Sex“.

Die Geburt der modernen obszönen Schriften

Wundert ihr euch, dass ausgerechnet das „prüde“ viktorianische England den Trend zur Pornografie hervorbrachte? Betrachten wir die „offizielle Leseweise“, so war die Sprache damals frei von Obszönitäten. Die „wohlanständigen Kreise“ hielten eine Fassade aufrecht: Man sprach nicht über sexuelle Dinge oder verschleierte sie so weit, dass die Begriffe „harmlos“ klangen. Gleichwohl wussten insbesondere die britischen Gentlemen, dass es noch eine andere Welt gab. Dazu gehörten Huren, Mätressen, Edelbordelle, speziell für die Lüste gegründete Spezialklubs (1) und die berüchtigten Flagellationsbordelle.

Eine Frau nackt zu sehen - eine kostspielige Angelegenheit

Wer diese Orte nicht besuchen konnte, hatte „schlechte Karten“. Junge Männer bekamen kaum eine Dame nackt zu sehen, und sie fantasierten eher über die Beine als über Brüste, Gesäße oder das, was im Schritt verborgen lag. Allein den mysteriösen Ort der Lust zu erwähnen, war kaum möglich – und seine Beschaffenheit zu untersuchen oder gar den Versuch des „Gamahuche“ (2) zu unternehmen, war ein Privileg der Männer, die für die Lusterfüllung bezahlen konnten.

Warum die englischen Damen ebenfalls Interesse zeigten

Nun wird auch klar, warum nicht nur die Gentlemen, sondern auch die Ladys Interesse an geschriebener Erotik hatten. Tatsache ist, dass sie überwiegend als „uninteressiert“ an Sex galten – was nicht zutreffen musste, aber die Erwartungen der Gesellschaft gingen in diese Richtung. Die Frau in den erotischen Schriften indessen genoss die Freiheit des sinnlichen Abenteuers, auch wenn es gefährlich war – solange es nicht nachhaltig schadete. Der Begriff „entwürdigend“, der heute dafür gebraucht wird, entspricht eher einer Einstellung des 21. Jahrhunderts. Die Frauenbilder, die in der erotischen Literatur entworfen wurden, waren anders … und natürlich waren sie nicht „realistisch“. Wer hätte dies erwartet?

In einem Lexikonbeitrag heißt es (3):

Erotische Handlungsstränge (in Büchern) versuchten, die (gesellschaftlich erwünschten) Erwartungen zu zerstören, indem sie Frauen zu … Prostituierten und Ehebrecherinnen machten. … Frauen waren ein Symbol für Laster und Versuchung … und Männer galten als Opfer der weiblichen Verführerin.

Das klingt negativ. Doch es ist zugleich eine Tür zum Abenteuer – und wie sich zeigte, lasen gebildete Frauen alsbald solche Bücher, soweit sie ihnen zugänglich waren. Manche, so hieß es, ließen sich diese durch ihre Dienstmägde besorgen, während andere sie durchaus in der zweiten Reihe in dem Regalen der häuslichen Bibliothek fanden.

Ein Problem, das heute wieder in erheblichem Maße diskutiert wird, ist die Darstellung der Frau als „Sexualobjekt“. Dies war in der viktorianischen Zeit nicht anders. In besagtem Lexikon heißt es abermals (3):

Frauen wurden zunehmend in Bezug auf Weiblichkeit, Unterordnung und als Objekt sexueller Begierde definiert.

Um den gewünschten Effekt zu erreichen, mussten „Frauen aus dem realistischen Umfeld“ in die Rolle der „sexuellen Objekte“ gebracht werden: vorzugsweise Hauspersonal, Cousinen, Witwen oder ledig gebliebene Frauen. Meist war es der zufällige Blick auf den nackten Körper, der als Auslöser verwendet wird … und dann kam es darauf an, wie durchtrieben der Mann oder die Frau war, die in der Erzählung als Held oder Heroine vorgeführt wird.

Nicht nur die Frau wird "vorgeführt"

Und dann? Dann passierten all diese aufregenden Dinge. Zwischen Frau und Mann, aber auch zwischen Frau und Frau und andeutungsweise auch zwischen Mann und Mann. Die Gouvernante als Verführerin des jungen Mannes, die Dame aus gutem Hause als Verführerin unbefangener junger Frauen. Und natürlich auch sehr häufig der Mann als skrupelloser Verführer – kein Zweifel. Mit alldem, was ihr so gehört habt …

Auch das Vergnügen der Frauen wurde gezeigt

Vieles, was in den Lexika des 21. Jahrhundert steht, ist nicht ganz korrekt. Das lustvolle weibliche Vergnügen blieb nicht auf der Strecke – es wurde lediglich in einen neuen Zusammenhang gestellt. Die sinnliche Lust unter Frauen, der Cunnilingus, die Dreier und der Sex vor Zuschauern waren sehr beliebt und wurden in Fotos wie in Büchern „unter der Hand“ weit verbreitet. Und auch die Grausamkeit ging manchmal von Frauen aus – und nach solchem Lesestoff gierten Frauen wie Männer jener Zeit.

Sicher - die Schilderungen waren heftig. Zum Teil so heftig, dass sie uns bis heute befremden. Aber das gehörte zum „Nervenkitzel“ – wie im Detektivroman oder dem Vampirfilm.


(1) "The Origins of Sex", London 2012
(2) In zahlreichen Romanen verwendete Umschreibung für den Cunnilingus
(3) Lexikon: Wikipedia (englisch)
Weitere Quellen: Fotos sowie Schriften aus der Epoche - meist in englischer Sprache verfasst, VICE ist in diesem Punkt "NSFW", udn wurde daher nicht verlinkt.

Wie sinnlich sind eigentlich Genitalien?

Oft geht es um andere Einstellungen ...
Die Diskussion um Pornografie ist noch lange nicht „überholt“. Ich lese oft, dass Männer aus Pornos ein falsches Bild von der Liebe, vom Sex und insbesondere von der Rolle der Frau bekommen. Das will ich nicht in Abrede stellen.

Frauen sind demnach passiv. Sie werden vorgeführt und verführt, sind willig und zugänglich und erdulden alles, was eine „anständige“ Frau niemals tun würde. Oder jedenfalls äußerst selten.

Kürzlich sagte eine feministische Porno-Produzentin, was sie stört:

Da dreht sich alles um Genitalien, vor allem weibliche Genitalien respektive andere Körperteile, aber nicht um die Lust der Frauen. Es gibt kein Vorspiel, kein Streicheln, sondern der Fokus liegt auf Anatomie, Genitalien und Körperteilen …

Auf der Spur des falschen Frauenbilds

Das „falsche Bild“ entsteht vor allem bei jungen Männern, vor allem bei jenen, die „einfach gestrickt“ sind. Nach ihrer Auffassung sind Frauen dazu da, um ihnen Vergnügen zu bereiten. Dieser Auffassung waren „Jungs“ auch schon, bevor es Pornografie gab – aber sie lernten auch schnell, dass dies nicht funktioniert. Höchstens bei den „Schlampen“, die angeblich „alles taten“. Es gab sie wirklich, aber nicht für jeden jungen Mann, und der Kontakt mit ihnen, so befriedigend auch sein mochte, galt als „frivol“.

Erotikfilme können sehr unterschiedlich sein

Das Medium „Erotikfilm“ beginnt und endet nicht bei „obszönen Handlungen“ oder „romantischer Ekstase“. Aber es kann tatsächlich Leidenschaft und ihre Abgründe zeigen. Und – es kann ebenfalls die weibliche Seite der Sexualität betonenden. Und zwar sowohl das Verlangen und die Begierde wie auch die sanfte Lust oder die selbstbewusste Anforderung, die an den Mann adressiert ist.

Einseitige Männerfantasien, fantasielose Plots

Die meisten Männer denken immer noch, die Frau müsste wenigstens in der Erotik „fügsam“ sein und ihrer Befriedigung „dienen“. Dieses Bedürfnis führt zu den üblichen Szenenfotos, die fast immer genau diese Situation zeigen – und den Plots der Filme, die einander gleichen wie die Eier auf dem Hühnerhof.

Genitalien sind nicht „als solche“ sinnlich – schon längst nicht mehr. In Wahrheit sind es die Geschichten, die dahinterstehen, die Gesichter, die zu uns sprechen und das Abenteuer, das wir „in Stellvertretung“ erleben dürfen.

Das Zitat entnahm ich der österreichischen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes".
Bild: Szenenfoto, Herkunft unbekannt

Was bringt der sexuelle Rollentausch eigentlich?

Die Maske: Ist sie ein ER oder ist er eine Sie?
Der sexuelle Rollentausch gehört immer noch zu den frivolsten Themen, über die man schreiben kann – und es zu tun, gilt als nicht seriös. Wenn du findest, dass der Rollentausch für dich „befremdlich“ oder gar „ekelhaft“ ist, lies nicht weiter.

Am Anfang steht das große Schweigen – und kaum Fakten

Leider liegen nur wenige Fakten zum Thema vor. Die meisten Befragungen meiden das Thema, und wenn es einmal erwähnt wird, dann wird es meist mit Zuckerguss übergossen. Und genau dazu eignet sich der erotische Rollentausch gar nicht.

Der „offizielle“ Teil beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema des Kleidertauschs. Ganze sieben Prozent der Frauen haben es in ihren Fantasien schon getan. Und die Männer, die etwas empfänglicher dafür sein sollen? Nur zehn Prozent gaben an, davon schon mal geträumt zu haben.

Was hat Verführung mit dem Rollentausch zu tun?

Wer verführt, oder jemanden überredet, frivole sexuelle Abenteuer einzugehen, ist nicht wirklich beforscht worden. Teilweise liegt dies daran, dass Verführungen ohnehin als „abwegig“ gelten. Und doch hat Führung auch etwas mit Verführung zu tun – jedenfalls im Bereich der Sexualität.

Und die übrigen Merkmale? Da kratzt man schon an heiklen Bereichen. Ein Mann findet in der Regel völlig in Ordnung, wenn die Frau Fellatio gibt – doch was, wenn sie dabei Anzug und Krawatte trägt? Und anal? Zwar ist „Pegging“ inzwischen populärer geworden, als sich mache(r) träumen lässt. Aber es gibt kaum einen Mann, der seinen Kumpels sagt: „Ey, ich finde es wirklich geil, wenn sie es mit mir macht.“

Weibliche Dominanz - stark nachgefragt, aber selten angeboten

Frauen, die tatsächlich aktiv verführen würden, werden zwar statistisch erfasst, aber niemals exakt. Zwar würde fast die Hälfte von ihnen gerne einen Mann dominieren, aber „Dominieren“ ist ein weites Feld, und „Verführen“ nur ein Teil davon. Und kaum eine Frau würde sich als konsequente Verführerin „outen“.

Was ist nun mit dem spielerischen Rollentausch?

Das erste Stichwort ist: Wer verführt wen?

Auch wenn das Wort „Verführen“ völlig negativ besetzt sein sollte – in jeder Liebesbeziehung ergreift jemand die Initiative für den Geschlechtsverkehr an sich oder für ein erotisches/sexuelles Abenteuer zu zweit.

Zu was soll der Rollentausch führen?

Dieser Rollentausch kann leicht vollzogen werden, indem mal die Frau, mal der Mann die „Führung“ übernimmt. Voraussetzung ist, dass sich beide einig darüber wurden, welche Abenteuer sie eingehen und welche Wünsche sie dabei erfüllen wollen. Wer „oben liegt“? S/M? Anal? Frivole Oralvergnügungen? Das Verkleiden während des Geschlechtsverkehrs? Im Grunde gibt es keine „objektiven Grenzen“ – aber von inneren Widerständen hört man häufiger. Und vom Schämen, auch wenn er/sie es in vollen Zügen genossen haben …

Rollentausch auf Initiative der Männer?

Wer den Rollentausch will? Wer die einschlägige erotische Literatur untersucht, kommt zum Schluss, dass es die Männer sind, die nach weiblicher Dominanz lechzen. In all diesen Geschichten imitiert die Frau das, wonach der Mann heimlich lechzt und sich zugleich dafür schämt. Mal ist es eine maskuline Frau, der er verfällt, mal ist er begeisterter Träger weiblicher Kleidung, und oftmals interessiert ihn „Pegging“ mit dem gesamten Szenario, das dazugehört.

Es gibt – in der Literatur wie in der Realität - einige, wenige Frauen, die von sich aus dem Rollentausch vorschlagen. Meist ist es eine innige Verbindung von der Lust, jemandem zu unterwerfen und dem Machtgewinn, der daraus erwächst.

Was macht der Geschlechter-Rollenwechsel mit Frau und Mann?

Versuchen wie einmal, dies kurz zusammenzufassen:

Optisch und/oder mental

Oft reicht schon die maskulin wirkende Kleidung

Rollenwechsel kann optisch und/oder mental versucht werden. Eine Frau, die ohnehin einen annäherungsweise maskulinen Körper hat, braucht nur noch ein spielerisch-männliches Verhalten, ein konservatives Oberhemd und eine Krawatte. Mehr ist fast nicht nötig, weil nahezu jeder Mann auf sie eingehen wird, wenn er glaubt, ein sexuelles Abenteuer zu erleben. Auch der Ehemann wird voraussichtlich von dieser Wandlung fasziniert sein – die Optik spielt also eine große Rolle.

Wie der Mann in der Rolle der Frau wirkt, ist unterschiedlich. Sich als Frau einzukleiden, wirkt, so weit es Quellen dazu gibt, nur auch wenige Frauen positiv, aber es hilft, bestimmte Szenarien konsequent durchzuspielen.

Was wirkt besonders auf die Psyche ein?

Das Verhalten, die Stimme und die Ansprache wirken am stärksten auf die Psyche. Eine alte Regel besagt, dass jemand (Frau oder Mann) schneller in der vorgesehenen Rolle ist, als er sich erträumt hat. Das heißt: Die Rolle führt sein/ihr Verhalten. Er/sie tut also nicht mehr, was das „Ich“ ihm/ihr einflüstert, sondern was von der Rolle erwartet wird.

Der Körper reagiert oft sehr empfindlich

Was den Körper angeht: Oh ja, da gibt es Grenzen, und auch das intensivste Rollenspiel muss gegeben Falls unterbrochen werden, wenn etwas „physisch“ nicht wie erwartet funktioniert. Auf Einzelheiten kann ich hier kaum eingehen, aber manche „Berührungen“ erzeugen Panik – und das ist nicht das Ziel lustvoller Spiele.

Gibt es beim Rolle-Wechselspiel einen Gewinn für Frau und Mann?

Nicht zuletzt wäre vom Gewinn zu sprechen, den der Rollentausch für Paare bietet. Allgemein gilt, dass der Mann den höheren Lustgewinn hat, die Frau den höheren Zugewinn an Dominanz. Aber da ist noch mehr: Der Mann lernt dabei, wie sich etwas „anfühlt“, dass er für „selbstverständlich“ hält … das aber in Wahrheit doch erhebliche Überwindung kostet.

Anmerkung: Es gibt wenig konkrete Quellen, aber viele Aussagen dazu, die allesamt extrahiert, gefiltert und bewertet wurden und schließlich in diesen Artikel eingegangen sind. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit, da die Quellen nicht eindeutig überprüfbar waren

Ein paar Anmerkungen zum Masturbieren …

Woran dachte sie kurz zuvor?
Es würde mich wundern, wenn du nicht masturbieren würdest.

Tust du es?

Ach, darüber möchtest du nicht reden, nicht wahr? Bist du eine Frau?

Dann solltest du wissen, dass sehr viele Frauen davon träumen, dass sie ihre Partner(innen) masturbieren. Und natürlich, dass sie von ihren Lovern oder Geliebten masturbiert werden.

Es mag dich beruhigen, dass die meisten Frauen während ihrer feuchten Tagträume daran denken, dass der eigene Partner Hand oder Finger anlegt, um später in Orgasmen zu versinken. Und andererseits träumen die Frauen, die dazu befragt wurden, dass sie ihren Mann gepflegt Masturbieren. Der meint zwar, er könnte das auch alleine, aber sie wird es ihm schon zeigen, dass sie die bessere Expertin ist. Natürlich in der Fantasie, wo sonst?

Wie auch immer – nach Fellatio und Cunnilingus als weibliche Fantasie stehen die Lust, vom eigenen Partner masturbiert zu werden oder ihn zu masturbieren, ganz oben. Deutlich seltener wird dabei ein Fremder oder eine Fremde einbezogen. (Vom Ehepartner träumen dabei zwei Drittel, von Fremden oder an Fremden wurde es bei etwa einem Drittel festgestellt.

Beruhigt dich dies? Beunruhigt es dich?

Was würde dein Partner dazu sagen, wenn er wüsste, dass du von ihm träumst, wenn du masturbierst? Enttäuscht? Möglich. Aber wäre es nicht noch enthüllender, wenn du von einem fremden Mann träumen würdest, den du masturbierst?

Na schön. Vielleicht geht es mich überhaupt nichts an. Aber ich denke, es könnte dich etwas angehen. Zumal, wenn du nun noch anfängst, darüber nachzudenken, wie „seine“ Träume darüber aussehen könnten.

Dating, Liebe, Sex und „fluide Sexualität“

Nach beiden Richtungen offen sein?
Wahrscheinlich habt ihr schon einmal gehört, dass es Menschen gibt, die sich sowohl mit Frauen wie mit Männern treffen würden, um eine Beziehung aufzunehmen. Das bedeutet: Sie sehen in Frauen, Männern und allem, was „dazwischen“ zählt, einen möglichen Begleiter durch die Phase ihres Lebens, in der sie sich gerade befinden.

Die „Liebeszeitung“ hat in der Vergangenheit nicht viel darüber geschrieben, weil das Thema „eigentlich“ nur in den „internen“ Kreisen der LGBTQ*-Menschen diskutiert wurde. Doch auch wir haben erkannt, dass sich die Winde schneller drehen als früher. Wer sich als „ausschließlich schwul“ fühlt, wird dies wahrscheinlich immer tun. Wer aber „heteroflexibel “ ist, eine „fluide“ Sexualität hat oder sich einem der wahren oder erdachten „Dritten Geschlechter“ zurechnet, der kann durchaus über den Gender-Graben springen.

Wer interessiert sich für fluiden Orientierungen?

Wie groß ist nun das Interesse der heterosexuellen Welt an „fluiden“ Lüsten? Wir haben festgestellt, dass es sich so teilt:

- Erstens gibt es immer mehr Artikel über Menschen, die sich schon auf die Reise begeben haben und die Freuden von F-, M- oder D-Beziehungen durchaus genießen konnten.
- Zweites werden immer mehr Kurzgeschichten über „Gelegenheitskontakte“ im „fluiden“ Bereich geschrieben. Ein großer Teil wendet sich dabei erstaunlicherweise an die Fantasien verheirateter Männer.
- Drittens kommen Personen, die sich auf „Dreier“ einlassen, tatsächlich häufiger körperlich mit dem eigenen Geschlecht in Kontakt. Dann sind sie auch interessiert, wie sich andere dabei fühlen.
- Ob ein anderer Mensch optisch attraktiv (Aussehen) ist, sinnlich attraktiv (Verhalten) ist oder als Geschlechtspartner infrage kommt, wurde noch nie seriös erfasst. Sicher ist aber, dass sich mehr Frauen als praktizierende „fluide Personen“ bezeichnen würden als Männer.

Nach alter Lesart würde man diese Neigungen als „Bi-Neugierde“ bezeichnen. Doch der Unterschied zwischen einem „bisexuellen“ Menschen und einem „fluiden“ Menschen ist, dass der „fluide“ nicht zwischen zwei Polen schwankt, sondern mit einem Menschen zusammentut, der ihm Freude, Nähe und Lust schenkt. „Fließend“ ist eben nicht festgelegt – wohin die Lust jemanden treibt, dort ankert er oder sie. Es muss nicht für ewig sein.

Unterschiede zwischen Bisexuell und Fluid

Das sollte noch weiter erläutert werden, und dazu zitieren wir mal eine Veröffentlichung:

Der deutlichste Unterschied zwischen beiden Konzepten besteht darin, dass sexuelle Fluidität keine sexuelle Orientierung ist, während Bisexualität eine ist. Menschen jeglicher sexueller Orientierung können „sexuell fließend“ sein.

Man kann es auch so sagen: Die Menschen, die sich in Konzeptionen (hetero, homo, lesbisch, bi) einordnen, weil sie das Bedürfnis haben, dies zu tun. Eine „fluide Person“ ist aber in der Lage, seine Lüste im Laufe des Lebens zu verändern – manchmal für kurze Zeit und manchmal für lange Zeit. Die meisten „fluiden“ Menschen definieren sich allerdings selbst als „heterosexuell“, auch wenn sie gerade anderweitig verliebt sind.

Rein sexuell fluid, emotional heterosexuell?

Wer die Sache „rein sexuell“ sieht, der wird schnell von den Hütern gesellschaftlicher Normen verurteilt. Doch gerade im sexuellen Bereich schwärmen manche Frau und Männer heimlich davon, dass ihnen niemand so intensive Lüste bereiten kann wie ein Angehöriger des gleichen Geschlechts. Frauen reden untereinander recht offen darüber – Männer weniger. Und öffentlich halten sich alle weitgehend zurück.

Zitat: VeryWellMind