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Warum denken Frauen über die Liebe „romantisch“?

Im Ursprung war die Liebe alles andere als romantisch. Sie ergriff die Menschen einfach, so, wie sie Orang-Utans, Gorillas oder Schimpansen ergreift - Primaten wie wir also.

Das angeblich "edle und gute" in der Liebe des Mittelalters

Erste Ansätze der „romantischen“ Liebe wollen Kulturforscher im frühen Mittelalter entdeckt haben. Entgegen aller Vernunft und vor allem völlig gegen die menschliche Natur wurden plötzlich „edle Sänger“ ausgemacht, die schmachtend vor den Toren den Burgen sangen, um dem edlen Fräulein nahe zu sein. Später wurde deren Tugend, vor allem von Deutschlehrern, veredelt und die „Hohe Minne“ wie ein Heiligtum verehrt.

So edel waren die Sänger allerdings kaum, denn die lustvollen Troubadoure wussten sehr wohl, wann die Dame des Hauses ohne viel Federlesens zu „vögelen“ war: wenn die Luft rein war. Das ist wortwörtlich zu nehmen, denn wenn der Käfig des Singvogels, den sich die Dame hielt, im Freien aufgehängt wurde.

Kitsch-Literatur für Bürgerfrauen, hier um 1912
Die Romantik-Lüge des 18. Jahrhunderts - für Frauen erzeugt

So richtig „romantisch“ wurde es freilich erst, als es überhaupt nicht romantisch war: Im 18. Jahrhundert entledigte sich das Bürgertum der wirtschaftlich nutzlosen Töchter, indem der Vater Geld auslobte. Vater und Interessent einigten sich über die Höhe der Mitgift, was romantisierend als „er hielt um die Hand der Tochter an“ beschrieben wurde. Und damit die Tochter ein bisschen was zum Träumen hatte, wurde der Handel hinter einem Wust von Kitschliteratur versteckt: Schriften über die romantische Liebe.

Ich zitiere mal:

Das Konzept der romantischen Liebe entstand in Romanen des 18. Jahrhunderts, lange bevor es gelebt wurde, und hängt eng mit der Entwicklung des Individualismus zusammen, … seit dem Zweiten Weltkrieg setzt sich dieses Ideal in großen Bevölkerungsteilen durch.


Wie aber kam es dazu, die bewusste Täuschung der Frauen im 18. Jahrhundert in eine verklärt-romantische Täuschung des 21. Jahrhunderts hinüberzuretten?

Der Kitsch wurde über die Zeiten hinweggerettet
Erotisch-Romantische Werbung gegen 1917 - es ging um Seife


Es sind literarische Werke, Kitschromane und Groschenhefte, die am Anfang stehen, gefolgt von Spielfilmen, Fernsehfilmen und Fernsehserien. Geht man zurück in die „Nachkriegszeit“, so war es die Hoffnung, ein wirklich zufriedenes, freies und romantisches Leben mit dem Partner der eignen Wahl zu führen. Wahr davon war gar nichts. Frauen führten ein karges Leben in meist ärmlichen Behausungen, am Rand des Existenzminimums, mit Kohleöfen und Wachküche, aber ohne Bad ohne und Kühlschrank, und Männer mussten wirklich hart arbeiten. Das heutige Leben ist dagegen der reinste Luxus.

Das alles wurde überwunden, die Groschenhefte und Fernsehserien, die 400-Seiten-Romane und das große Kino allerdings nicht: sie produzierten weiterhin romantischen Liebeskitsch am laufenden Band. Und so gut wie die einzigen Konsumenten dieser Machwerke sind und waren Frauen.

Das harte Leben, der Kampf um die eigene Existenz und die Lust an der Romantik

Doch nun liest und sieht eine andere Gruppe dieses unselige Zeug: die Frauen, die jetzt selbst die Herausforderungen des Berufs spüren und erkennen, dass Beziehung und Beruf oft eher doppelter Stress ist als die ein Wechselspiel von Stress und Entspannung.

Klar – ein Teil dieser Frauen fügt ihrem Bücherregal heute auch mal ein Buch hinzu, in dem die Lust aus dem „Aua“ kommt. Und ebenso klar – ein Teil der Frauen sieht sich auch wilde Pornos an.
Selbst-Aufklärung gegen 1929 - nicht durch Pornos, aber dennoch als höchst frivol angesehen
Was Romantik-Literatur und Pornos vereint: Illusionen um jedem Preis

Und nun schließt sich der Kreis; für viele Frauen ist Romantik-Literatur eine schöne Illusion, für manche sind es Erotik-Romane und harte Pornografie. Und beides lässt sich heute auch für Frauen stundenweise als „Realillusion“ kaufen.

Was romantische Illusionen betrifft: Ich will sie niemandem rauben, der weiß, dass es sich um Illusionen handelt, aber ich will und kann davor warnen, dass diese Machwerke für die Realität gehalten werden. Und bei der Pornografie ist es ganz ähnlich. Auch sie erzählt Märchen – meist für Männer. Und die sollten natürlich auch wissen, dass sie sich in Illusionen vertiefen, die mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun haben.

Offene Sexualaufklärung kann Porno-Irrtümer verhindern

Falsches Lernen: Pornografie
Ehrlicher, offener und vor allem tabuloser Sexualkundeunterricht ist immer noch ein „Heißes Eisen“. Und währen die Aufklärer halbherzig agieren, gibt es zwei Gegenströmigen. Die Gegenaufklärung glaubt, mit Falschinformationen, Halbwahrheiten und Verweigerungen agieren zu können und versucht dabei, sich selbst zu erklären, was „normal“ ist. Die Pornobranche hingegen setzt falsche Zeichen in die andere Richtung: Pornografie zeigt überwiegend übertriebenen und einseitigen Sex – und das verwirrt diejenige, die genau wissen wollen, wie Frau/Mann sich beim Sex fühlt. Was meinen Menschen dazu, die beruflich mit Sexualität zu tun haben? Constance und Eric, beide Auftragsfotografen menschlicher Sexualität, sagen uns dies:


Pornografie ist kein normaler Sex, so wie Fast Food keine normale Nahrung ist … Sex kann nun mal nicht über eine Branche definiert werden, weil er von Menschen bestimmt wird. Dies wird immer häufiger vergessen und die abgegrenzten Klischees der Pornografie werden fälschlicherweise als Realität angesehen. In Abwesenheit von ehrlichem Sexualkundeunterricht kann dies zum Risiko für die Gesellschaftsordnung werden.


Was bleibt? Schonungslose Offenheit über das, was bei verschieden Ausprägungen der Sexualität geschieht – körperlich und emotional.

Ossis und Bildungsferne haben angeblich früher Sex

secret.de stellet 2017 diesen Sexatlas für "das erste Mal" vor
Ossis und Doofe haben früher Sex - oder haben Wessis und Schlaue später Sex? Hautsache, es gibt Pressmitteilungen. Der Originaltext strotzt vor Zahlen - doch was sagen sie uns? Eigentlich nichts. Die einen widr's enttäuschen, die anderen empören. Manche werden denken: "Ach, so spät, die Armen!" und andere werden sagen: "Viel zu früh, das wird sich rächen!"

Oh Baby, was höre ich denn da? Da verlieren doch die “Bildungsfernen Kreise“ aka Hauptschulabgänger ohne weitere Ambitionen, als Erste „ihre Unschuld“, und zwar um satte 0,5 Jahre gegenüber Abiturienten. Und warum ausrechnet die Saarländer 1,6 Jahre später ihren ersten Sex hatten als die notgeilen Thüringer Jugendlichen, ist so auch nicht ganz verständlich.

Yeah … der Durchschnitt schrammt sogar schon ans Volljährigkeitsalter heran und „hat Sex“, wenn er so gegen 17,2 Jahre ist. Das wird die Moralisten natürlich freuen. Die könnten es als Argument nutzen, die Sexualaufklärung erst mit 16 Beginnen zu lassen.

Das soll jedenfalls das Ergebnis einer „aktuellen, repräsentativen Studie des Premium Casual Dating Portals Secret.de“ sein, das ein Marktforschungsinstitut damit beauftragt hatte. Fragt sich, was „secret“, das feminin betonte Portal für „Gelegenheitsbegegnungen“ mit einer etwas anderen Klientel als der Jugend eigentlich bewogen hat, diese Zahlen zu veröffentlichen. Also: Saarländer und Studenten haben erst ziemlich spät Sex. Da werden die einen sagen: Brav, Mädels und Jungs, studiert hart, werdet brave und zuverlässige Staatsbürger, kommt nicht vom Weg der Tugend ab, und überlasst den Spaß den anderen. Man kann natürlich auch andrer Meinung sein.

Die Grafik ist © 2017 by secret.de

Sexualaufklärung durch Pornografie?

Nicht jede Filmszene im Bett ist "pornografisch"
Sexualität muss Offenheit vertragen – das ist die Essenz eines Artikel in der “TeenVogue”, denn die spricht aus, was ohnehin die Spatzen von den Dächern pfeifen. Selbst sehr junge Frauen informieren sich nicht mehr über die traditionellen Kanäle der Sexualaufklärung, sondern über Pornografie – was keinesfalls zu befürworten ist.

Das Problem ist schnell erkannt: Pornografie interessiert die jungen Mädchen nicht wirklich - aber sie suchen nach der Wahrheit, die ihnen von Eltern und Erziehern vorenthalten wird. Denn Sex-Ed, also Sexualkundeunterricht, bleibt in der Schule naturgemäß an der Oberfläche. Das Ziel ist zu wissen, wie alles ganz genau funktioniert, insbesondere, in welche Situationen der Mensch beim Sex kommt und was dabei wünschenswert ist.

Nun ist Pornografie allerdings ein schlechter Lehrmeister. Denn in hier wird zu rau, zu direkt und zu übertrieben gezeigt, was körperliche Liebe bedeutet. Zudem kommen ständig Praktiken zum Einsatz, mit denen gerade junge Frauen völlig überfordert sind – zum Beispiel mit Fellatio.

Doch was ist der beste Weg, um etwas über Sexualität zu lernen? Das sei ganz einfach, meint eine namhafte Expertin. Man müsse mehr über Sex sprechen, und zwar offen und öffentlich. Denn ob es sich um Sexualität dreht oder um irgendwelche anderen sozialen oder emotionalen Fragen – immer gilt, dass nur die Wahrheit uns die Freiheit gibt, uns zu entwickeln, wie und wohin wir wollen.

Wird der weibliche Orgasmus künstlich verkompliziert?

Haben Sie schon mal gehört, dass ein männlicher Orgasmus „kompliziert“ ist? Dabei ist er – kybernetisch betrachtet – durchaus kompliziert, und rein physikalisch wird er ja zumeist mit der explosiven Kraft in Verbindung gebracht, die eine Prostata nun einmal besitzt. Aber ist es wirklich die Prostata, in der Männer den Flügelschlag des Orgasmus spüren?

Der männliche Orgasmus - etwas komplizierter, als gedacht

Kybernetische Betrachtungen sind unpopulär, weil sie Kenntnisse in Nachrichtentechnik voraussetzen. Kurz und knapp: Für die Vorbereitung des Orgasmus gibt es neben optischen Reizen vor allem Sensoren, die Impuls ans Gehirn weiterleiten, von wo nun das Schema „Fortpflanzung mit Lustgewinn“ angetriggert wird. Das geht über viele Stufen, die letztendlich damit endet, das Spermien innerhalb einer Flüssigkeit in das ausgestoßen werden, was gerade zur Verfügung steht: Vagina, Kondom oder Taschentuch. Und Achtung: das ist nicht der Orgasmus. Dieser wird lediglich dadurch begünstigt und gefördert, wobei sich das Gefühl der Ejakulation, das an sich sensationell ist, mit dem Gefühl des Orgasmus vermischt. Wenn es Sie interessiert, lassen Sie es sich von einem Urologen genau erklären.

Der weibliche Orgasmus wird sowohl vereinfacht wie auch verkompliziert

Bisher wurde immer behauptet, der weibliche Orgasmus sei ein sehr komplexes Thema. Inzwischen ist man weitgehend zu der Überzeugung gekommen, dass dies nicht der Fall ist. Das „komplizierte“ liegt, wie beim Mann, im Prozess: Auch bei der Frau leiten die empfindlichen Sensoren die Informationen über die Nerverbahnen an das Gehirn, das sich nun bemüht, den Vorgang „Fortpflanzung“ möglichst ungehindert zu gewährleisten. Es ist durchaus möglich, dass dabei Hemmungen auftreten, die mit der Nachrichtenverarbeitung im Gehirn zusammenhängen – im Idealfall jedoch wird der Prozess am Ende mit einem Orgasmus belohnt.

Einfache Gemüter (auch unter Menschen, die es besser wissen müssten) führen den Orgasmus allein auf die Stimulation de sichtbaren Teils der Klitoris zurück. Das Wahre daran: Die Klitoris ist ein starker Auslöser, aber dieses weibliche Organ ist wesentlich größer als sein sichtbarer Teil. Und sie kann deshalb auch durch indirekte Stimulation gereizt werden. Damit wäre die Diskussion um den Vaginalorgasmus eigentlich vom Tisch – sie wir aber immer wieder von Feministinnen erweckt – mit dem Ziel, den Penis als überflüssig anzusehen. Und auch bei der Frau ist die Nachrichtenverarbeitung im Gehirn der eigentliche Auslöser (oder Blockierer) des Orgasmus. Wenn alle Nebenbedingungen, Hemmungen und Hinderungen „abgeschaltet“ werden, was etwas geschieht, wenn eine Frau sehr entspannt mit Vibratoren umgeht, kann der Orgasmus tatsächlich innerhalb von wenigen Minuten erreicht werden. Angeblich beträgt die „durchschnittliche“ Zeit dabei zwanzig Minuten.

Allerdings sind solche Zeitangaben fragwürdig und sie führen dazu, dass eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt wird, die da heißt: „Frauen brauchen lange, also sollte es lange dauern.“ Die „zwanzig Minuten“ sind in nahezu jedem Aufklärungsbuch zu finden – diese Angabe sagt aber nichts darüber aus, wie lange eine erfahrene Frau, die mit Vibratoren umzugehen versteht, tatsächlich benötigt, um ihren Orgasmus zu erreichen. Frauen, die Vibratoren verwenden, geben deutlich geringere Start-Ziel-Zeiten an. Die Angaben liegen zwischen einer Minute und zwanzig Minuten - und diese Frauen sprechen einhellig davon, die Zeit sei „abhängig von den Umgebungsbedingungen“.

Wie es scheint, ist es nicht lohenden, Frauen zu suggerieren, sie müssten „lange auf ihre Orgasmen warten. Im Grund erzeugen solche Sätze nichts als Verdruss, und oftmals führen sie auch zur bewussten Lüge. Klüger wäre es, ihnen zu raten, einfach zu erproben, was für sie möglich ist und wie viel Freude es ihnen macht.

Lesen Sie dazu etwas aus dieser Quelle.