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Warum Sexualaufklärung bei Jungen wirklich nötig ist

Junge Männer machen auf schlau - junge Mädchen sind schlau. Das ist zwar eine Tendenz, wenn es um Sexualität geht, aber sicherlich nur ein Bruchteil der Wahrheit, denn auch junge Mädchen wissen oft viel zu wenig über ihre Sexualität. Denn wichtig ist immer, sich mit dem auszukennen, was junge Menschen in der Realität erwartet - und nicht, was sie in den inzwischen leicht zugänglichen Porno-Darstellungen sehen.

Zitat (1):

Tendenziell scheinen Mädchen in Gesundheitsfragen besser informiert zu sein als Jungen, für sie wirke es sich laut Bericht zum Vorteil aus, dass sie eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt aufsuchen können, während eine vergleichbare Anlaufstelle für Jungen fehle. Männliche Jugendliche wüssten deshalb oft nicht einmal, dass sie eine Prostata haben oder an welchen Arzt sie sich bei Beschwerden im Genitalbereich wenden können, heißt es.
Die Frage nach „an welchen Arzt kann ich mich wenden“ könnte natürlich der Hausarzt beantworten, aber es wäre hilfreich, wenn junge Männer von vornherein wüssten, das sie nicht nur einen Penis haben, sondern auch eine Prostata. Und sie sollten mindestens im Ansatz wissen, wie die genauen Abläufe „in ihnen“ sind, also nicht nur, wie die von außen sichtbare Samenflüssigkeit aussieht und was passiert, wenn sie von einer Frau aufgenommen wird.

Sicher ist Verhütung unglaublich wichtig - aber zu wissen, was im männlichen Körper vor sich geht, ist ebenso wichtig.


Zitat: Frankfurter Rundschau.


Stinkefinger

Stingefinger-Kampagne - kommerziell, aber sinnvoll
Werbung (und Kommerz schlechthin) lässt sich im sexuellen Bereich durchaus noch mit Aufklärung über Vorurteile verbinden. Zum Beispiel über die Lust der Frauen über 50 und andere Vorurteile über Frauen. Textbeispiel von Lori (links)

Ich zeige den Stinkefinger für alle, die denken: 55 Jahre alt zu sein, bedeutet, dass ich meine sexuelle Blütezeit überschritten habe. Wir werden ständig an den Rand gedrängt, besonders wenn es um Sex und Dating geht.

Leider ist dies eine Tatsache: Frauen beklagen schon mit über 40, dass sie kaum noch „passende“ Männer finden. Selbst Männer um 45 suchen eher nach Frauen kurz über 30 statt nach gleichaltrigen Partnerinnen.

Muss das sein? Nein – da zeigen wir auch mal zwei Stinkefinger. Und weil die Kampagne kommerziell ist, verweisen wir hier mal eher auf das Blog des Herstellers, in dem wir wirklich interessante Artikel fanden.

Bilder © 2019 by hotoctopuss, Hashtag für DICH: #ShowStigmaTheFinger - dieser Beitrag wurde nicht gesponsert

Warum denken Frauen über die Liebe „romantisch“?

Im Ursprung war die Liebe alles andere als romantisch. Sie ergriff die Menschen einfach, so, wie sie Orang-Utans, Gorillas oder Schimpansen ergreift - Primaten wie wir also.

Das angeblich "edle und gute" in der Liebe des Mittelalters

Erste Ansätze der „romantischen“ Liebe wollen Kulturforscher im frühen Mittelalter entdeckt haben. Entgegen aller Vernunft und vor allem völlig gegen die menschliche Natur wurden plötzlich „edle Sänger“ ausgemacht, die schmachtend vor den Toren den Burgen sangen, um dem edlen Fräulein nahe zu sein. Später wurde deren Tugend, vor allem von Deutschlehrern, veredelt und die „Hohe Minne“ wie ein Heiligtum verehrt.

So edel waren die Sänger allerdings kaum, denn die lustvollen Troubadoure wussten sehr wohl, wann die Dame des Hauses ohne viel Federlesens zu „vögelen“ war: wenn die Luft rein war. Das ist wortwörtlich zu nehmen, denn wenn der Käfig des Singvogels, den sich die Dame hielt, im Freien aufgehängt wurde.

Kitsch-Literatur für Bürgerfrauen, hier um 1912
Die Romantik-Lüge des 18. Jahrhunderts - für Frauen erzeugt

So richtig „romantisch“ wurde es freilich erst, als es überhaupt nicht romantisch war: Im 18. Jahrhundert entledigte sich das Bürgertum der wirtschaftlich nutzlosen Töchter, indem der Vater Geld auslobte. Vater und Interessent einigten sich über die Höhe der Mitgift, was romantisierend als „er hielt um die Hand der Tochter an“ beschrieben wurde. Und damit die Tochter ein bisschen was zum Träumen hatte, wurde der Handel hinter einem Wust von Kitschliteratur versteckt: Schriften über die romantische Liebe.

Ich zitiere mal:

Das Konzept der romantischen Liebe entstand in Romanen des 18. Jahrhunderts, lange bevor es gelebt wurde, und hängt eng mit der Entwicklung des Individualismus zusammen, … seit dem Zweiten Weltkrieg setzt sich dieses Ideal in großen Bevölkerungsteilen durch.


Wie aber kam es dazu, die bewusste Täuschung der Frauen im 18. Jahrhundert in eine verklärt-romantische Täuschung des 21. Jahrhunderts hinüberzuretten?

Der Kitsch wurde über die Zeiten hinweggerettet
Erotisch-Romantische Werbung gegen 1917 - es ging um Seife


Es sind literarische Werke, Kitschromane und Groschenhefte, die am Anfang stehen, gefolgt von Spielfilmen, Fernsehfilmen und Fernsehserien. Geht man zurück in die „Nachkriegszeit“, so war es die Hoffnung, ein wirklich zufriedenes, freies und romantisches Leben mit dem Partner der eignen Wahl zu führen. Wahr davon war gar nichts. Frauen führten ein karges Leben in meist ärmlichen Behausungen, am Rand des Existenzminimums, mit Kohleöfen und Wachküche, aber ohne Bad ohne und Kühlschrank, und Männer mussten wirklich hart arbeiten. Das heutige Leben ist dagegen der reinste Luxus.

Das alles wurde überwunden, die Groschenhefte und Fernsehserien, die 400-Seiten-Romane und das große Kino allerdings nicht: sie produzierten weiterhin romantischen Liebeskitsch am laufenden Band. Und so gut wie die einzigen Konsumenten dieser Machwerke sind und waren Frauen.

Das harte Leben, der Kampf um die eigene Existenz und die Lust an der Romantik

Doch nun liest und sieht eine andere Gruppe dieses unselige Zeug: die Frauen, die jetzt selbst die Herausforderungen des Berufs spüren und erkennen, dass Beziehung und Beruf oft eher doppelter Stress ist als die ein Wechselspiel von Stress und Entspannung.

Klar – ein Teil dieser Frauen fügt ihrem Bücherregal heute auch mal ein Buch hinzu, in dem die Lust aus dem „Aua“ kommt. Und ebenso klar – ein Teil der Frauen sieht sich auch wilde Pornos an.
Selbst-Aufklärung gegen 1929 - nicht durch Pornos, aber dennoch als höchst frivol angesehen
Was Romantik-Literatur und Pornos vereint: Illusionen um jedem Preis

Und nun schließt sich der Kreis; für viele Frauen ist Romantik-Literatur eine schöne Illusion, für manche sind es Erotik-Romane und harte Pornografie. Und beides lässt sich heute auch für Frauen stundenweise als „Realillusion“ kaufen.

Was romantische Illusionen betrifft: Ich will sie niemandem rauben, der weiß, dass es sich um Illusionen handelt, aber ich will und kann davor warnen, dass diese Machwerke für die Realität gehalten werden. Und bei der Pornografie ist es ganz ähnlich. Auch sie erzählt Märchen – meist für Männer. Und die sollten natürlich auch wissen, dass sie sich in Illusionen vertiefen, die mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun haben.

Offene Sexualaufklärung kann Porno-Irrtümer verhindern

Falsches Lernen: Pornografie
Ehrlicher, offener und vor allem tabuloser Sexualkundeunterricht ist immer noch ein „Heißes Eisen“. Und währen die Aufklärer halbherzig agieren, gibt es zwei Gegenströmigen. Die Gegenaufklärung glaubt, mit Falschinformationen, Halbwahrheiten und Verweigerungen agieren zu können und versucht dabei, sich selbst zu erklären, was „normal“ ist. Die Pornobranche hingegen setzt falsche Zeichen in die andere Richtung: Pornografie zeigt überwiegend übertriebenen und einseitigen Sex – und das verwirrt diejenige, die genau wissen wollen, wie Frau/Mann sich beim Sex fühlt. Was meinen Menschen dazu, die beruflich mit Sexualität zu tun haben? Constance und Eric, beide Auftragsfotografen menschlicher Sexualität, sagen uns dies:


Pornografie ist kein normaler Sex, so wie Fast Food keine normale Nahrung ist … Sex kann nun mal nicht über eine Branche definiert werden, weil er von Menschen bestimmt wird. Dies wird immer häufiger vergessen und die abgegrenzten Klischees der Pornografie werden fälschlicherweise als Realität angesehen. In Abwesenheit von ehrlichem Sexualkundeunterricht kann dies zum Risiko für die Gesellschaftsordnung werden.


Was bleibt? Schonungslose Offenheit über das, was bei verschieden Ausprägungen der Sexualität geschieht – körperlich und emotional.

Ossis und Bildungsferne haben angeblich früher Sex

secret.de stellet 2017 diesen Sexatlas für "das erste Mal" vor
Ossis und Doofe haben früher Sex - oder haben Wessis und Schlaue später Sex? Hautsache, es gibt Pressmitteilungen. Der Originaltext strotzt vor Zahlen - doch was sagen sie uns? Eigentlich nichts. Die einen widr's enttäuschen, die anderen empören. Manche werden denken: "Ach, so spät, die Armen!" und andere werden sagen: "Viel zu früh, das wird sich rächen!"

Oh Baby, was höre ich denn da? Da verlieren doch die “Bildungsfernen Kreise“ aka Hauptschulabgänger ohne weitere Ambitionen, als Erste „ihre Unschuld“, und zwar um satte 0,5 Jahre gegenüber Abiturienten. Und warum ausrechnet die Saarländer 1,6 Jahre später ihren ersten Sex hatten als die notgeilen Thüringer Jugendlichen, ist so auch nicht ganz verständlich.

Yeah … der Durchschnitt schrammt sogar schon ans Volljährigkeitsalter heran und „hat Sex“, wenn er so gegen 17,2 Jahre ist. Das wird die Moralisten natürlich freuen. Die könnten es als Argument nutzen, die Sexualaufklärung erst mit 16 Beginnen zu lassen.

Das soll jedenfalls das Ergebnis einer „aktuellen, repräsentativen Studie des Premium Casual Dating Portals Secret.de“ sein, das ein Marktforschungsinstitut damit beauftragt hatte. Fragt sich, was „secret“, das feminin betonte Portal für „Gelegenheitsbegegnungen“ mit einer etwas anderen Klientel als der Jugend eigentlich bewogen hat, diese Zahlen zu veröffentlichen. Also: Saarländer und Studenten haben erst ziemlich spät Sex. Da werden die einen sagen: Brav, Mädels und Jungs, studiert hart, werdet brave und zuverlässige Staatsbürger, kommt nicht vom Weg der Tugend ab, und überlasst den Spaß den anderen. Man kann natürlich auch andrer Meinung sein.

Die Grafik ist © 2017 by secret.de