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Homosexualität – wie wir Menschen (dis)-qualifizieren

Wer küsste wen - und wer begehrt wen?
Die gleichgeschlechtliche Liebe mit festen Begriffen zu bezeichnen, war das Ziel derjenigen Aktivisten, die für ihre eigene Neigung eine feste, unverfängliche Bezeichnung suchten. Am besten gelang dies zunächst Karl Heinrich Ulrichs, der die Männer, die Männer liebten, gerne als „Urninge“ bezeichnet hätte. Indessen setzt sich der Begriff nicht durch, ebenso wenig wie die „Dioninge“, die heutigen „Heterosexuellen“. Der offizielle Begriff war – recht neutral – die „Conträre Sexualempfindung“, oder – wo immer Männer betroffen waren, die „mannmännliche Liebe“.

Erst Perversion, dann Krankheit, dann Etikett

Wirklich „pathologisiert“, also mit einem Begriff der „Krankhaftigkeit“ belegt wurde die gleichgeschlechtliche Liebe 1869 durch den Psychiater Carl Friedrich Otto Westphal. Viel waren froh darüber, denn statt als „kriminell“ oder „pervers“ eingeschätzt zu werden, wurden zumindest Männer nun zu „psychisch Kranken“.

Erst Ende 1973 entschloss sich die namhafte „American Psychiatric Association“, Homosexualität vom Geruch des „Krankhaften“ zu befreien.

Gefangene in einem Schuhkarton mit Etikett

Für DICH gelesen
IDie eigentliche Schwierigkeit liegt aber in den Begriffen selbst. Sie drückt den Menschen einen Stempel auf: Entweder du bist heterosexuell oder homosexuell oder vielleicht gerade noch bisexuell. Oder noch anders „sexuell“, denn der Erfindungsreichtum der Kampagnenreiter und die Geschwätzigkeit der Journalisten bringt jedes Jahr neue Sexualitäten hervor, mit denen man sich interessant machen kann. All diese neuen Begriffe wurden, sobald man sie erschuf, auch als Etiketten verwendet – ein populäres Beispiel sind die „Asexuellen“.

Gegen den Etikettierungs-Wahn gibt es inzwischen keine Medizin mehr. Hanne Blank versuchte mit ihrem Buch „Straight“ dagegenzuhalten, aber auch sie konnte lediglich eine schmale Bresche in den Dschungel der Arroganz schlagen, jedweden Menschen sexuell einordnen zu müssen.

Hanne Blank sagt uns sinngemäß:

Das Schema, nach dem wir heute unsere Sexualität bestimmen, an sie glauben und an ihr festhalten, entspringt einem Gedankenmodell – mehr nicht.

Man könnte auch sagen: Unsere Gefühle, unser Verlangen, unsere Begierde und jedwede Verstrickung unserer Leidenschaften folgt nicht einem einzigen Modell, sondern entsteht in uns und wandelt sich in uns.

Zum Schluss ein Satz von Professor Dr. I. L. Reiss, den man für nahezu alle sexuellen Fragen nutzen kann:

Die meisten unserer Verhaltensmuster entwickeln sich allmählich und ohne festes Konzept. Später erst wird dann ihre Existenz gerechtfertigt.

Den Einwand, die sexuelle Orientierung sei kein „Verhaltensmuster“ kann man möglicherweise gelten lassen. Doch die Varianten des sexuellen Seins und Verhaltens sind mehr als nur „sexuelle Orientierung“. Und sie sind unser emotionales Eigentum, das niemand katalogisieren darf.

Quellen:
Aktuell:
Zur sexuelle Orientierung, Zeitschriften-Artikel
Bücher:
(1) Blank, Hanne: Straight , Boston 2012.
(2) Reiss: Freizügigkeit , Reinbek 1970

Und ein Hinweis:
Bevor ihr fragt: Nach dem gegenwärtigen Modell würde ich als „heterosexuell“ eingestuft. Ich schreibe aber nicht für mich, sondern um den liberalen Geist in die Welt zu bringen und die Liebenden gegen Bevormundungen aller Art zu schützen.

Sexuelle Ausrichtung - orientiert, auf dem Weg oder schwankend?

Hetero - oder wohin führt der Weg?
Die meisten Menschen haben gegen Mitte 25 ihre sexuelle Orientierung gefundene, die sie bis ins hohe Alter beibehalten. So einfach, wie sich das manche Menschen vorstellen, ist die Festlegung aber nicht.

Denn die sexuelle Orientierung umfasst viele Aspekte des Lebens, zum Beispiel, wir wir uns einschätzen, also beispielsweise auf „Straight“ (heterosexuell) Gay (homosexuell/lesbisch) oder Bi (unentschieden, wechselnd). Heute sieht die Einschätzung etwas anders aus: Jemand kann durchaus heterosexuell sein und zugleich von der erotischen und/oder sexuellen Ausstrahlung des gleichen Geschlechts angezogen sein.

Frauen differenzieren stark - nur knapp drei Viertel sagen: Ich bin Straight

Vor allem Frauen differenzieren – sie schätzen sich etwa nach einer neuen Studie zu 74 Prozent als „hetero“ ein, aber immerhin jede zehnte Frau gab an, zwar überwiegend heterosexuell zu sein, aber sich nicht immer daran zu halten. Bei 7,5 Prozent der untersuchten Frauen zeichnete sich eine deutliche bisexuelle Neigung ab, und bei nur 1,5 Prozent eine ausgeprägte lesbische Neigung. Etwa sieben Prozent wollten sich gar nicht festlegen, wie ihre sexuellen Neigungen überhaupt nur minimal ausgeprägt waren.

Das Problem bei derartigen Befragungen besteht darin, dass sich junge Menschen heute durchaus als „heterosexuell“ empfinden, aber zugleich eben doch intime Beziehungen zum gleichen Geschlecht unterhalten. Ob dahinter eine Art „offizieller Identifizierungszwang“ steckt, um sich sozial klar abzugrenzen, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass Ergebnisse umso fragwürdiger sind, je weniger Varianten, Aspekte oder Facetten als Antworten zulässig sind.

Für die Studie wurden 12.000 Studenten untersucht.

Quelle: Eurekalert

Mythos fünf: Sanfte Männer sind potenziell bisexuell

Ein sanfter Mann ist oft liebevoller als ein harter Mann
Ach ja: Der Mann muss hart und zupackend sein, darf nicht lange fackeln, bevor die Couch bebt, muss immer einen steifen Penis haben, wenn die Frau Lust hat – aber er soll sanft, verständnisvoll und fürsorglich sein. Diese idiotische Sichtweise wird fast jeder Junge einmal gehört haben: Mütter, Schwestern, Tanten und Cousinen reden auf ihn ein, sanft und zärtlich zu sein, wenn er eine Frau zu lieben wünscht. Und die realen Frauen, die er trifft, die ja ebenfalls Mütter, Tanten, Schwestern oder Cousinen von jemandem sind, lachen ihn aus, wenn er dilettantisch, sanft und zögerlich um erotische Zugeständnisse buhlt.

Trotz solcher negativer Erfahrungen bleiben sanft Männer sanft, und nach und nach lernen sie, wann, wie und wo sie auch damit punkten können. Es sind Männer, die ihren Körper ein bisschen mehr lieben als andere Männer, die ihre Körper quälen und zermartern. Und es sind Männer, die gerne Zärtlichkeiten und Verführungen erleben möchten. Manche von ihnen verfallen dabei manchmal der offensivenVerführung eines Mannes und mal der sanften Süße einer Frau. Dies als „bisexuell““ zu bezeichnen, ist albern.

Wie auch immer - die meisten legen Härte nach – und behaupten sich in der Welt der heterosexuellen Beziehungen, in der von Männern das große Repertoire aller Tugenden und Untugenden erwartet wird. Immerhin reicht es von „mach mir den Hengst“ bis zu „Ach, könnest du mal dem Lütten die Windel wechseln.“

Um es klar zu sagen: Männer sind nicht schwul, weil sie gelegentlich „weichlich“ sind, oder empfänglich für Zärtlichkeiten, weiche Stoffe auf der Haut oder Süßigkeiten auf der Zunge. Wer schwul ist, ist es ganz und gar – und er kann ein Muskelprotz oder ein Hänfling sein. Richtig ist: Männer sind, was sie sind – mal empfindsam, mal empfindlich, mal abwägend und mal zupackend.

In der Welt der Mythen und Halb-Mythen werden Sie immer wieder finden, dass Frauen „mehr Nervenenden“ hätten als Männer, dass ihr Körper druckempfindlicher und sensibler sei, mehr erogene Zonen hätte und ganz generell eben auf Empfindsamkeit ausgerichtet wären. Selbst wenn das stimmen sollte, heißt dies nicht, dass sie dies „im Gegensatz zu Männern“ sind. Würde man wirklich ernsthaft vorgehen, würde man bald feststellen: Jeder Mensch hat eine sensible Haut, und manche Berührungen werden durch das Gehirn (und nicht etwa durch die Nervenenden) als sensibel und erotisch wirksam interpretiert. Die Frage, ob Frauen wirklich „schmerzempfindlicher“ oder (daraus abgeleitet) auch generell gefühlsintensiver sind, wird damit nicht beantwortet.

Also: Machen wir Schluss mit dem Mythos, sanfte Männer seien latent schwul, bisexuell oder „Weicheier“. Er ist etwas für die Dummen unter den Frauen – und erst recht unter den Männern.

Bild: Aus einer historischen Novelle, Ausschnitt.
mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen.

Nicht nur beim Dating: kein Wort über Sex?

Es ist kein Wunder, dass so viele Blogger(innen) so besorgt um die Bewahrung ihrer Anonymität sind. Denn wären sie es nicht würden sie angemacht und angefeindet.

Es ist nicht das Sein. Niemand bezweifelt, dass die Frauen, die in Blogs schreiben, sexuelle Persönlichkeiten sind. Es geht um den besserwisserischen Mob das draußen. Von „schau mal, was die Schlampe schreibt“ bis hin zu: „Das gehört doch auf den Index“, sind sich alle Misanthropen, Moralisten und Weltenretter einig: Da ist eine Frau (oder ein Mann) im Sack, da müssen wir draufhauen. Und wenn eines dieser Krokodile mal an die Rampe getreten ist, dann helfen Suchmaschinen und soziale Netzwerke sofort, die gottverdammten Lügen über die ganze Welt zu verbreiten.

Also: Redet nicht über Sex. Männer können es vielleicht tun. Frauen nicht. Wenn eine Frau wie seine Sau schwitzt, so wurden wir einst belehrt, schwitzt sie nicht wie eine Sau. „Männer transpirieren vielleicht, aber eine wohlerzogene junge Dame fühlt sich ein wenig heiß“. Nun gut. Wir haben verstanden. Wir wissen: Frauen machen sich’s nicht selbst. Männer masturbieren vielleicht, aber Frauen gönnen sich bestenfalls „ein kleines Vergnügen zwischendurch“.

Am besten ist immer, sich in jeder Hinsicht bedeckt zu halten: Vorsicht mit Fotos, auch dann, wenn sie „brav“ sind. Wenns schon Fotos sein müssen, dann bitte das Gesicht nicht zeigen … und alle Merkmale wegretuschieren, die auf die Identität hinweisen. Das Geburtsdatum? Niemand muss wissen, ob du gerade 18 oder bereits 80 bist.

Deine Identität ist ein Teil der Medaille. Deine Figuren sind eine andere. Früher oder später glaubt aber jeder Idiot, du wärest die rothaarige, mannstolle Heldin um die 40, die den anderen die Butter vom Brot nimmt. Oder das blonde Escortgirl von blutjungen 21, das für Partys von Top-Managern gebucht wird. Oder vielleicht die bisexuelle Frau mit der Rattenfrisur, die unbedarften jungen Frauen die Tonleiter der Lust beibringt. Und selbst, wenn sie das nicht denken sie, dann fragen sie sich, ob du ein krankes Hirn hast, das sich „so etwas“ ausdenkt.

Gute Mädchen reden nicht über Sex, schreiben nicht über Sex und vollziehen Sex bestenfalls mit dem Ehemann – wenn überhaupt. Und weil das so ist, gehörst du, die du über Sex schreibst, zu den bösen Mädchen. „Du Schlampe! Bist selbt verdorben und verdirbst andere!

Ja, stell dir mal vor, jemand liest das und macht das nach – das wäre ja schrecklich – Kind, hast du denn kein Ehrgefühl?“ Sätze wie diesen kennt wahrscheinlich jede und jeder. Und wenn’s jemand nachmacht? Zumeist wäre das doch nicht so schlimm, oder?

Kein Wort über Sex. Eine recht gute Freundin sagte einmal: „Rede nicht lange, küss ihn einfach nieder.“ Beim Date, das weißt du so gut wie ich, geht alles. Verführen, verführen lassen – und am Ende behaupten, alles sei so zufällig über dich gekommen.

Nur … ob das gut ist?

Ich weiß nicht so recht. Eine(r) muss doch über Sex reden. Wenigstens, wo es stattfinden soll und ob er ein Kondom dabei hat.

Warum wurdest du eigentlich nicht bisexuell?

Sich einfach verführen lassen ... oder lieber nur davon träumen?
Du kannst jemanden fragen, wie er entdeckt hatte, dass er „schwul“ oder „lesbisch“ ist. Du kannst kaum jemanden fragen, warum er heterosexuell wurde – und die Frage st auch ganz dumm. Aber: Warum wurdest du eigentlich nicht bisexuell?

Die Frage ist einfach zu beantworten, wenn man eine lineare Entwicklung nahm: einen Freund zu haben war gut für das Ansehen, und so schlecht war der Sex mit einem Mann auch nicht. Und du konntest masturbieren, was auch ziemlich aufregend war.

War das bei dir so?

Manchmal sagen Leute: je älter du wirst und je mehr du dich darauf festlegst, zu genießen, kommt es nicht mehr drauf an, wer dir Lust bereitet, Hauptsache sie gefällt dir. Ich denke, meistens ist es Zufall, dass dir eine Frau gefällt, eine Stimmung für Lust entsteht und jemand von beiden, die initiativ ergreift. Das höre ich jedenfalls immer wieder.

Die Frage ist, wie du dich fühlen wirst. Vorher, während du es durchlebst, und hinterher.

Ein Medizin-Professor hat mir mal gesagt: „Wenn Sie sündigen, tun sie es schamlos und genießen Sie es.“ Na ja, das galt für das Essen. Aber gilt es nicht auch für die Lust auf andere Körper?

Eigentlich schon. In einem BLOG findest du einen Beitrag zum Thema, in dem die Zweifel an der eigenen Heterosexualität angesprochen werden. Und wenn frau nicht heterosexuell ist und auch nicht lesbisch, ist sie dann Bi? Oder nur Bi-neugierig?

Die Bloggerin stellt sich darin die Frage, ob sie ihre sexuelle Etikettierung ändern muss, wenn sie Frauen liebt, und sie antwortet anderen (und sich selbst) so:

Ich sage ihnen, sie sollten sich keine Sorgen machen … es gibt keinen Grund, sich an eine Etikettierung zu halten, wenn es nur ein Teil deiner sexuellen Reise und Reife ist.


Wenn wir Lust einmal von „Geschlecht“ trennen, werden wir sowieso finden, dass wir im Grunde alles sinnlich empfinden können, wenn es schön, erregend und sicher ist. Wissen wir das nicht längst, wenn wir unseren eigenen Körper genießen?

Was meint ihr?

Zitat: Simply Oloni Blog