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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das Buch zu „Bi“ – lesenswert?

Das Buch in drei Aufmachungen - links die Version von Hanser
Als das Buch „Bi“ von Julia Shaw in diesem Jahr in England erschien, hieß es: „Die verborge Kultur, Geschichte und Wissenschaft der Bisexualität.“ In Deutschland heißt es - ziemlich verwirrend und reißerisch: „Vielfältige Liebe entdecken“.

Mag der Verlag Hanser darüber denken, wie er will: Genau das bietet dieses Buch nicht.

Die falschen Grundlagen der üblichen Sichtweisen - zunächst ohne Buch

Was ist dieses Buch wirklich? Zunächst ist es das Produkt einer Journalistin und Wissenschaftlerin, die sorgfältig recherchiert hat und dabei das zusammentragen konnte, was sich immer mehr abzeichnet: Irgendwie stimmen die bisherigen Etiketten für die Liebe nicht mehr. Wobei sich fragt, ob sie jemals stimmten. Lediglich der Begriff „Homosexuell“ ist glaubwürdig, weil sich die Menschen, die darunter fallen, dies aus einem inneren Bedürfnis tun: Sie sind so - nicht anders. Alle anderen - und hier wird es abenteuerlich - haben Möglichkeiten, den Geschlechtsverkehr mit sich selbst, mit einer Frau, einen Mann oder mit Gruppen auszuleben. Die meisten tun es nicht, aber sie können „homoerotische“ Neigungen verspüren, weil diese auf einer Skale liegen und nicht eindeutig sein müssen. Auch wenn man sich „Sex pur“ vorstellt: Solange die „empfangende Person“ weiß, wer sie befriedigt, wird sie „heterosexuell“ empfinden - weiß sie es nicht, so empfindet sie „Sex pur“. Das klingt abenteuerlich, ist aber eine Tatsache, die man nicht einfach ignorieren kann.

Das Buch zur "Bisexualität" - aufschlussreich

Zurück zum Buch. Es geht gelassen mit dem Thema Bisexualität um - wesentlich gelassener als die üblichen Queer-Leute. Und dies, obwohl sie sich auch als Person mit der Vorsilbe „Bi“ auseinandersetzt. Es liegt nahe, dass sie sich intensiver um die Bisexualität der Frauen kümmert als um die der Männer. Schon allein deswegen, weil diese deutlich besser dokumentiert ist.

Und wir erfahren aus erster Hand, dass Menschen, die „Bisexualität“ zelebrieren, von vielen Seiten angegriffen werden: von homophoben Männern sowieso, von entsprechenden Frauen manchmal ebenfalls. Die Angriffe kommen von den Puristen und Puristinnen. Und das sieht so aus: „Lesben“ haben sich in einer bestimmten Art zu verhalten, damit sie als solche von den „Hardlinerinnen“ anerkannt werden. Sie werden bezichtigt, nur „homoerotisch zu spielen“, aber nicht homosexuell zu sein. Julia Shaw weiß dazu ein Erlebnis zu erzählen: In einer „Lesben-Bar“ wurden sie und ihre Freundin bezichtigt, nicht wirklich „lesbisch zu sein“. Erstaunlicherweise trifft dies auf viele bisexuelle Frauen zu - aber „lesbische“ Liebe zu empfinden und praktizieren, ist eben ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit.

Zitiert wird dazu Victoria Clarke, die sogar behauptet, dass sich manche sexuell ambivalenten Personen versuchten, den Stereotypen der Szene anzupassen. Und nicht nur sie:

Viele Menschen fühlen sich unter Druck gesetzt“, diesen Normen zu entsprechen, um als Leben und Schwule akzeptiert zu werden.

Tatsächlich haben „beide Seiten“ , also sogenannte „Heterosexuelle“ wie auch „eindeutige“ Szenen-Hardliner(innen) fest Vorstellungen, wie ein „Homosexueller“ oder eine homosexuelle Frau auszusehen habe.

Nachdem all dies im Buch gesagt wurde, Quellen erforscht und sowohl wissenschaftliche wie auch persönliche Meinungen zusammengebracht werden konnten - für wen ist dieses Buch nützlich?

Ein Buch, das dir in jedem Fall nützen wird

Zunächst einmal für alle, die sich jemals für die Diskussion über sexuelle Identitäten interessiert haben. Sie erfahren nicht nur etwas über entsprechende Forschungen, sondern auch etwas über die dazugehörigen Befindlichkeiten.

Empfehlen kann ich das Buch auch für alle Frauen, die sich unsicher fühlen, ob sie „sinnliche Lüste“ auf andere Frauen empfinden „dürfen“. Dabei kommt es nicht darauf an, ob sie „der Typ“ sind oder nicht. Und nein, es geht nicht einmal darum, die entsprechende Lüste oder Neigungen zu erproben. Aber es dient dazu, Klarheit über die eigene Identität zu finden und - sicher auch - gelassener mit den möglichen Reaktionen umzugehen.

Wissenschaft und Politik nehmen im Buch viel Raum ein - sind aber bei Weitem nicht so informativ wie die Betrachtungen über das Denken und Empfinden der Personen, die sich als Bisexuell empfinden.

Und ein persönlicher Satz noch dazu: Die Meinungen von Sexualwissenschaftlern, Psychologen und Soziologen veralten schneller als die Generationen wechseln, und auch innerhalb einer Generation werden sie kontrovers diskutiert. Was wirklich bliebt, ist das Empfinden des Individuums.

In diesem Sinne: Lest das Buch, versteht, worum es geht und genießt die frische Sichtweise der jungen Autorin, die für viele noch ungewöhnlich ist.

Kauf es in euer Buchhandlung, wenn ihr könnt. Euer Buchhändler freut sich über euer Interesse. Falls ihr fürchtet, angesichts des deutschen Titels zu erröten - es geht auch über das Internet.

Grafik von der Webseite der Autorin.

Die Woche: Alt, jung, Bi, schwul und der Mikrorock

Ein Thema dieser Woche war Bisexualität. Es kam von außen, weil ich ein Buch zum Thema nicht mehr ignorieren konnte. Es ist nach dem üblichen Schema aufgebaut: Viel gelesen, einige Schlüsse daraus gezogen und dann geschickt (und etwas reißerisch) vermarktet. (1)

Gibt es Bisexualität?

Das Thema wirft alle Fragen erneut auf, die sich um die sexuelle „Präferenz“ drehen. Gibt es überhaupt eine genau definierte „Bi-Sexualität? Sind angebliche „Bi-Sexuelle“ etwas „verkappte Homosexuelle“ oder gehören sie der Kategorie der „Lustmolche“ an? Oder ernsthafter: Natürlich kann jeder, der mag, sich als „bisexuell“ bezeichnen. Aber rechtfertigt dies das Etikett einer sexuellen Ausrichtung?

Ihr dürft euch selber fragen, ihr könnte andere fragen - aber bitte fragt weder Lexika noch Experten, es sei denn, ihr müsstet ein Referat im Rahmen eurer Ausbildung darüber halten. Dann erwarten die Lehrer/Dozenten, dass ihr nachplappern könnt, was andere geschrieben haben – sonst nichts. Das ist übrigens auch der Grund, warum so viel Unsinn in der Presse erscheint.

Klarheit - Homosexualität im Wandel der Zeit

Nachdem dies gesagt ist – ich habe diese Woche als Reaktion auf den Artikel über „Bisexualität“ noch einen über „Homosexualität“ veröffentlicht. Es wird wirklich Zeit, dass auf diesem Gebiet einmal Tacheles geredet wird.

Große Altersunterschiede - Gewinn oder Verlust?

Ein anderes Thema, das oft heftig diskutiert wird, sind Altersunterschiede in festen Beziehungen. Aber wie sieht es aus mit Altersunterschieden in Affären, Liebschaften und Beziehungen, die hauptsächlich auf erotischer Anziehung beruhen?

Wir sagen es. Wir schreiben darüber. Einmal über reife Damen, die bevorzugt nach deutlich jüngeren Lovern suchen und einmal über Herren, die sich an ebenfalls deutlich jüngeren Damen erfreuen möchten. All dies gibt es, all dies passiert wirklich, und es gibt Gründe dafür, solche Beziehungen zu wollen oder auch abzulehnen. Ob es auch Gründe gibt, sie zu beargwöhnen? Fragt euch selbst und schickt mir eure Gedanken.

Wie Beziehungen tatsächlich zustande kommen

Manchmal denke ich: Schade, dass so wenige Menschen diesen Artikel über Paarbeziehungen gelesen haben. Er gilt für alle Geschlechter, alle Kombinationen und jede Form von Partnerschaften. Das Prinzip heißt: Nähe – kombiniert mit drei weiteren Merkmalen, die ganz sicher zum Erfolg führen.

Am Ende: der Mikrorock

Am Ende habe ich noch etwas zum Schmunzeln, das wir tatsächlich erst genommen haben: den 5-Zoll-Rock. Wer noch immer nicht weiß, ob man ihn zum Date, auf der Straße oder im Nachtklub anziehen kann, der wird schlauer, wenn er unseren Artikel liest - garantiert.

Und die nächste Woche?

Die Zeit mag ja schon schaurig genug sein, aber Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag heitern nicht gerade auf. Wie wäre es, nun mal wieder die tiefsten Abgründe der Psyche aufzubohren, die unsere (eure?) Fantasie befeuern? Das Dunkel, der Keller, die geheimen Lüste im Verborgenen? Vielleicht gar noch die Gestalten der Märchen und Sagen? Nein, so genau weiß ich es noch nicht. Aber eigentlich – waren wir im Oktober viel zu „anständig“. Und weiterhin verspreche ich: Die Liebeszeitung bringt Licht in das Dunkel der erotischen Verwirrungen. Wirklich und wahrhaftig.

Vorerst wünsche ich euch viel Lust - nutzt den "Indian Summer" für Aktivitäten, und versucht, einander näher zu kommen als bisher.

Homosexualität - die gibt es eben – na und?

Die Natur und die sonderbare Lüste
Die Bedeutung der sogenannten „Homosexualität“ hatte im Laufe der Geschichte viele Gesichter. Griechen und Römer, also zwei Quellen der abendländischen Kultur, nahmen sie als gegeben hin. Sie war eine Laune der Natur, eine teils schwärmerische, teils körperliche Hingabe an das gleiche Geschlecht – nichts, worüber man sich erregen musste.

Die Rolle des Christentums - oder das, was man dafür hält

Das wurde anders, als das Christentum in die Kultur einbrach. Zu Ehren der christlichen Religion muss gesagt werden, dass es dabei nicht um die Lehre Christi geht, sondern um eine Weisung aus vorchristlicher Zeit. Das Lustprinzip, das von anderen Göttern der damaligen Zeit vertreten wurde, schien den Propheten des „eines Gottes“ ungeeignet. Der Grund lag mit großer Wahrscheinlichkeit darin, dass die jungen Männer den Gottheiten oder Glaubensrichtungen folgte, deren Götter in der Bibel „Baal“ genannt werden. Auch die „Astarte“, die als Liebesgöttin verehrt wurde, spielte dabei eine Rolle. Also musste eine Klärung her, und sie ist allen Christen durch das erste Gebot des Propheten und Religionsstifters Mose bekannt. Wenngleich die allgemeine Befürwortung der Sexualität nicht unbedingt die Homosexualität einschließt, so ist doch wahrscheinlich, dass zumindest die jungen Männer zunächst den Göttern folgten, die ihnen mehr Lustgewinn versprachen.

Eine Weisung für den Zwiespalt zwischen „der Lust selbst“ und der „Regulierung der Lüste“ finden wir erst im Levitikus, dem dritten Buch Mose. „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau.“

Diese Regel ist allerdings in viele andere Regeln eingebettet, sie wird also nicht besonders hervorgehoben.

Dennoch wurde gerade diese Wegweisung im Mittelalter und auch noch in der Neuzeit als „Gesetz“ aufgefasst. Die Zeit schreibt:

Männer konnten im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit auf dem Scheiterhaufen landen; Sex mit einem anderen Mann würde gegen die "Gesetze der Natur" verstoßen, hieß es.

Sodomie, "widernatürliche Unzucht" udn die Teilung der Welt

Homosexualität hieß damals „Sodomie“, was wieder drauf hinweist, dass die Bibel dabei den Ausschlag gab. Weniger biblisch klang der Ausdruck „widernatürliche Unzucht“, der noch lange Zeit die weltlichen Gesetze durchzog.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam eine neue Philosophie auf: Die „mannmännliche Liebe“ wurde zunächst völlig neu definiert, nämlich so, dass es zwei Lebenswelten gäbe, nämlich die der „Urningen“ und die der „Dioninge“. Dies Definition entspricht im Groben der heutigen Definition der LGBTQ*-Aktivisten – aber zunächst tauchte Herr Freud auf und in seinem Gefolge viele andere Psychiatern und Psychoanalytiker.

Das Zeitalter der Psychologie und die Idee der "Heilung"

Sie alle glaubten, sich verdient damit zu machen, aus dem „perversen Homosexuellen“ einen „Patienten“ oder „Klienten“ zu machen. Damit sollte diesen Menschen das „Stigma“ der Homosexualität genommen werden. Schon bald sprachen sie von „Homosexualität“ wie sie von Masochismus, Fetischismus und anderen „Abweichungen“ sprachen. Aber auch noch von „den Perversionen des Geschlechtslebens“. Tatsächlich hofften sie auf eine „Heilung vom Leiden der Homosexualität“.

Zurück ins Hier und Jetzt

Viele Jahre sind seitdem vergangen. Der Begriff „Homosexuell“ hat sich manifestiert, und dem ist nichts hinzuzufügen. Denn die Natur war es, die aus einer Lauen heraus die gleichgeschlechtliche Liebe erfand. Und dies gilt auch dann, wenn es manchem Betonkopf nicht passt.

Die Verteilung sinnloser Etiketten - eine Plage der Neuzeit

Eine andere Frage, die in den letzten Jahren noch etwas zurückhalten gestellt wird, ist dabei ins Hintertreffen geraten. Was berechtigt eigentlich Forscher und Aktivisten der Szene, den Rest der Menschheit zu Etikettieren? Woher nehmen sie das Recht, andere als „Dioninge“, „Heterosexuelle“ oder „Cis“ zu bezeichnen?

Die laufende Diskussion verlief zunächst im Stillen. Hanne Blanks Buch „Straight“ wurde wenig beachtet – es wurde nicht einmal ins Deutsche übersetzt. Waren es ideologische Gründe? Fürchtete man den Protest der LGBTQ*-Bewegung?

Es bedurfte, wie es scheint einer bekannten Bestsellerautorin, um das Thema erneut aufzuwerfen. Diesmal aus der Sicht der angeblich Bisexuellen – übrigens auch eine Art „Abfallbegriff“ aus der Zweiteilung der Menschheit, die von manchen Aktivisten vehement durchgeboxt wurde. Das Buch (1) bringt nichts wirklich Neues - aber es sorgt dafür, dass die Diskussion wieder auflebt.

Kommen wir noch einmal zu den kämpferischen Aktivisten. Sie sind oft sehr laut, und mit ihrer Wortwahl vergrätzen sie viele Menschen. Doch die meisten Menschen (und auch ich) wollen nicht, dass dauernd Parolen oder Weltanschauungen in die Welt hinausgetrötet werden.

Wie auch immer – etwas Gelassenheit dürfte niemandem schaden. Was die Natur zugelassen hat, das ist so. Je mehr sich diese Meinung durchsetzt, umso besser für uns alle. (2)

Zitat aus der Zeit

Bücher:

(1) “Bi: The Hidden Culture, History and Science of Bisexuality” von Julia Shaw.
(Auf deutsch unverständlicherweise: “Bi: Vielfältige Liebe entdecken“ (Hanser 2022).
Ähnliche Sichtweise:
„Straight“ von Hanne Blank, Boston 2012. Weitgehend unbeachtet, aber historisch präzis.
Hinweis: In diesem Artikel wurden nur einige, wenige Quellen der umfassenden Recherchen genannt.
(2) Fehlerkorrektur - wegen eines falsch gesetzten Wortes - Sorry.

Man redet wieder über "Bisexualität"

Wer "Bi" ist, sieht in beiden Richtungen - udn vielleicht noch woanders hin ..
Derzeit ist „Bi“ mal wieder in aller Munde. Interessanter als das ganze Gerede ist aber, wie „Bi“ überhaupt in die Diskussion kam. Es begann, als Forscher und andere interessierte Personen versuchten, „Ordnung“ in die sinnlichen Lüste zu bringen – hauptsächlich in die der Männer. So entstand die Gruppe der „Dioninge“, die später in allen Ausprägungen als „heterosexuell“ bezeichnet wurden parallel und gleichberechtigt zur Gruppe der „Urninge“, die man heute als „homosexuell“ bezeichnet. Die Liebe, die sie zueinander empfanden, wurde demnach als „Urningsliebe“ bekannt.

Wie der "Bisexuelle Mann" in das Schema kam

Allerdings war da ein Problem – manche Männer, insbesondere solche aus Künstlerkreisen, fühlten sich weder zu einer Seite hingezogen noch zur anderen. Sie hatten sexuelle Kontakte, Affären und zeitweilig auch längere Liebesbeziehungen zu Männern und zu Frauen. Manchmal parallel, manchmal gemeinschaftlich und mal alternierend. Es war nötig, einen weiteren Begriff einzuführen, der diese Personen „bezeichnete“, denn wenn das Ganze wissenschaftlich begründet sein sollte, benötigte man feste Begriffe. So entstand der Urano-Dioning, den man heute als „Bisexuell“ bezeichnet. Weil damals alles ausschließlich um Männer und die „mannmännliche Liebe“ ging, wurden Frauen gar nicht erwähnt.

Interessant ist, dass der Fokus so sehr auf den Urning (den „homosexuellen“ Mann ausgerichtet war, dass den anderen Gruppen kaum Beachtung beigemessen wurde. Als Beispiel mag gelten, dass sofort mehrere Ausprägungen des „Urnings“ gefunden wurden:

In der homosexuellen Beziehung als Rolle (1):

1. Der Mannling. (Spielt die männliche Rolle)
2. Der Weibling. (Spielt die weibliche Rolle)
3. Der Zwischen. (Kann beide Rollen spielen ohne Entscheidung)
4. Der Virilisierte. (Spielt einen Heterosexuellen).


Das liegt daran, dass die entsprechenden Forscher und Laien den sogenannten „Hetero“ ausblendeten – und auch alle andersartigen mehr oder weniger, die nicht in ihr Schema passten.

Die Eliten der Szene - überzeugte männliche Homosexuelle

Nach und nach entstand nun ein Bild, dass die Menschen, die sich als „homosexuell“ fühlten, aussonderte – was zeitweilig dazu führte, dass sich Männer mit explizit homosexueller Ausrichtung als Eliten ausgaben. Ob die heutige Bezeichnung nun „LGBTQ“ oder sonst wie heißt – nach wie vor ist „Eindeutigkeit“ bei Männern eine Art Privileg in den entsprechenden Gruppierungen.

Bisexuell - irrige Definitionen und Etikettenschwindel

Und „Bi“? Die Definition überlasse ich nicht den „Gruppen“, sondern verwende die der American Psychological Association). (2) Demnach bedeutet Bisexualität …

Die emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehungen zu mehr als einem Geschlecht oder Gender erlebt oder sich auf romantische oder sexuelle Beziehungen mit mehr als einem Geschlecht einlässt.


Diese Definition korrigiert die einseitige Sichtweise vieler Menschen, sei es innerhalb der LGBTQ-Bewegung oder außerhalb. Das Stichwort „oder“ sagt aus, dass sogenannte „Bisexuelle“ einen ziemlich uneingeschränkten Spielraum haben können.

Die Gesellschaft, so wurde in einem neuen Buch behauptet, würde inzwischen folgende abweichende Idee zu Vorurteilen und Etikettierungen haben (Zitat, Interview mit Dr. Julia Shaw, 3):

(In Bezug auf Frauen …) setzt sich immer mehr die Annahme durch, dass fließende Sexualität und sexuelle Experimente erlaubt sind. Für Männer gibt es eher Probleme … (denn es gibt) das Klischee über sie, dass jemand … eigentlich schwul ist, wenn er sich als bisexuell identifiziert.


Zweifel an der "Wissenschaft" und dem Etikett "Bisexuell"

Wer neuere Bücher gelesen hat, die sich nicht an Ideologien, Stereotypen oder Etiketten orientieren, wird feststellen, dass es „Bi-Sexualität“ im alten Sinne nur noch dann gibt, wenn ein Mensch emotional oder sozial an seiner Unentschiedenheit leidet. Das ist der Part, den Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen betrachten. Wohin sich jemand „gezogen“ fühlt, welche Schönheit ihn/sie anregt und wessen Körper er/sie sich genüsslich zuwendet, ist eben auch eine Frage der „Lust an sich“, nicht nur der „gedeckelten“ sexuellen Orientierung.

Und nun? Die Tatsachen sind gesetzt – die Wissenschaft hinkt hinterher, die Ideologen maulen, weil ihre Weltbilder Risse bekommen haben.

Was von "Bi" übrigbleibt - das entscheidest Du

Es ist OK, ausschließlich Frauen oder Männer zu lieben. Es ist ebenfalls nicht ungewöhnlich, „Lüste als solche“ zu genießen, ohne das Geschlecht zu definieren, das sie spendet. Ob es jemand wagt oder nicht, ist eine Entscheidung der Person, und auch, wer nie etwas dergleichen dachte oder wagte, ist völlig in Ordnung.

Was falsch ist, sind die Zuweisungen anderer.

Bücher:

“Bi: The Hidden Culture, History and Science of Bisexuality” von Julia Shaw, Deutsch: “Bi: Vielfältige Liebe entdecken“ (Hanser 2022)
Ähnliche Sichtweise:
„Straight“ von Hanne Blank, Boston 2012.


(1) lgbt-data
(2) apa
(3) Edgemedia
Website Dr. Julia Shaw

Erwartungen und Erfüllungen bei Sex-Begegnungen

Wünsche anmelden - sie werden nicht automatisch erfüllt
Bei jeder Begegnung, die von vornherein das Etikett „rein sexuell“ trägt, gibt es Unterschiede zwischen den Erwartungen und den Erfüllungen. Ein Beispiel für ein „ganz normales Hetero-Date“: Sie ist alleinerziehend, das Kind ist noch jung. Es war schwer, es für eine ganze Nacht irgendwo unterzubringen. Sie ging zur Kosmetikerin und zum Friseur, wollte ihr Date mit teuren, frivolen und dennoch bequemen Dessous überraschen. Und dann – ja dann ist er ein ganz gewöhnlicher Mann, hat wenig Erfahrung mit Frauen und will vor allem eine unkomplizierte private Entladung seiner Samenflüssigkeit. Übrigens hätte es auch ein Mann sein können, der wirklich eine dauerhafte Beziehung suchte und sich Zeit lassen wollte.

Je mehr Personen, umso mehr Wünsche und Vorstellungen

Welche Erwartungen jemand hat, und ob sie erfüllt werden können, ist umso komplizierter, je mehr Beteiligte es gibt. Wenn es bei einem Duo schon nicht zum sexuellen Wohlklang kommt, wird es bei einem Trio oder Quartett verständlicherweise noch schwieriger. Das ist der Hauptgrund, warum sogenannte „Dreier“ (Triolen) oder Partnertauschaktivitäten auf „Privatebenen“ schiefgehen. Denn neben allem andren, was sich seither geändert hat: Im Prinzip fordern alle Beteiligten Respekt ein. Das mag selbstverständlich klingen, war aber nicht immer so. Frauen und teils auch Männern wurden Rollen zugewiesen oder als „selbstverständlich“ angesehen. Doch heute fordert jede Person, die sich beteiligt, auch Regeln ein, zum Beispiel, was miteinander möglich ist und was abgelehnt wird.

Partner(innen) galten als „einverstanden – ohne Einverständnis

Bei vielen Aktivitäten in der Vergangenheit ging „man“ davon aus, dass ein Paar, das ein anderes Paar wegen der gegenseitigen Befriedigung besucht, „gleich gesinnt“ ist. Die Phrase „Ehepaar sucht gleich gesinntes“ wurde zum geflügelten Wort – doch zumeist blieben die Vorstellungen nebulös.

Wen man die „einschlägigen“ Anzeigen jener Zeit (1) liest, wird nicht einmal klar, ob sich das suchende Paar untereinander einig waren, warum es eigentlich gehen soll. Nur darum die Partner zu tauschen? Das war die offizielle Version, die oft mit „Zärtlichkeit, Erotik und Toleranz“ beworben wurde. Deutlicher wurden da Paare, die das Wort „Bi“ verwendeten. Meist war damit der Kontakt der beiden Ehefrauen miteinander gemeint – gleich, ob sie wirklich bisexuell waren oder nicht. Es mag Solo-Männer gegeben haben, die auf entsprechende Paare mit Bi-Männern stoßen wollten. Aber innerhalb der Szene, in der „Partnertausch“ betrieben wurde, hörte man damals nichts davon.

Nichts ist gewöhnlich und kaum etwas ungewöhnlich

Heute gilt: Ob eine Triole geplant ist oder der Sex zwischen vier Personen – Gespräche darüber, was möglich ist und was nicht, gehören zum Standard der Vorbereitungen.

Das heißt: Zwischen den beiden Partnern, die einladen und denen, die dazu kommen sollen, muss klar sein, was unbedingt erwünscht ist, was verhandelbar sein soll und was gar nicht geht. Über den Dreier wird beispielsweise gesagt:

Beide Personen müssen sich darüber einig sein, wer die dritte Person ist, denn wenn ein Partner nicht so scharf auf diese Person ist, entsteht von Anfang an ein Ungleichgewicht.“

Wer hier bereits stutzt, dürfte sich auch sonst unklar darüber sein, dass es sich bei Triolen um Begegnungen aus nächster Nähe handelt – Berührungen sind also sehr wahrscheinlich. Wenn sich also nun zwei Personen leidenschaftliche vergnügen, während die Dritte (meist ein Teil des Paares) kaum Interesse besteht, ist der Konflikt vorprogrammiert. Ist der oder die Dritte wirklich eine Freundin (oder jedenfalls eine Privatperson), kann von ihr nicht erwartet werden, die Gunst gerecht zu teilen.
Wer dies gelesen hat, wird sich darüber klar sein, dass wir bei zwei Paaren, beispielsweise echten Ehepaaren, von vier Erwartungen ausgehen müssen, was während eines Partnertausches passieren darf und was nicht.

Fazit – vor dem Genuss steht das Gespräch

Ich habe den Bogen weit gespannt: Von einem gewöhnlichen Date unter Menschen, die sich sexuell klar definieren können über Triolen, die höchst unterschiedliche erotische Facetten praktizieren, bis hin zu „Vierern“ unter festen Paaren. Ich bin mir bewusst, dass kaum ein Mann erwartet, bei gewöhnlichen Dates eine Frau zu treffen, die ihn nur für „manchmal“ sucht. Aber es kommt immer häufiger vor. Was von einer/einem Dritten erwartet wird, muss hinterfragt und vorab geklärt werden. Und bei zwei Paare, die sich nicht explizit der Swinger-Szene zurechnen, entsteht mehr Gesprächsbedarf, als sich die Teilnehmer vorab vorstellen konnten.

(1) Gemeint sind die 1970er Jahre.