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  Eigenwerbung

Die Liebe als Konsumgut

Herz günstig abzugeben ...
Je plakativer die Dinge „rund um die Liebe“ ausgedrückt werden, umso mehr erfreut dies Menschen, die von Vorurteilen leben. Wir wissen dies seit langer Zeit, und die Liste der Autorinnen/Autoren ist lang, die darüber Bücher geschrieben oder Filme produziert haben.

Nun also sah ich „37 Grad“ mit der Folge „Wisch und Weg – wie man sich heute findet und verpasst“.

Kurz: Es war eine Mischung aus Dokumentation, Einseitigkeit, eingesammelten Vorurteilen und schwachen Belegen. Was sollte es auch anders sein, wenn schon aus der Arbeitshypothese die Ideologie trieft?

Ich zitiere:

Die Liebe ist ein Konsumgut geworden, das man wegwirft, wenn es unbrauchbar geworden ist. Gefällt einer nicht, storniert man seine Leidenschaft.

Was war noch mal "Liebe"?

Ja klar, ich erinnere mich noch an eines dieser Werke, in dem eine ähnliche These für „die Liebe“ vertreten wurde. Damit war zwar eine andere Art der Liebe gemeint, aber man muss es ja nicht immer so genau nehmen. („Das Ende der Liebe“).

Gesellschaftskritik und Behauptungen

Die Sichtweise beruht, man kann es aus der Formulierung erkennen, auf Gesellschaftskritik. Wer behauptet, „Liebe sei ein Konsumgut“ unterstellt, dass Liebe käuflich, aber nicht bepreist ist. Sie wird sozusagen aus dem Regal genommen und wieder zurückgestellt, ohne dass jemand den Preis entrichtet. Jedenfalls nicht der „Käufer“, der die Ware entnimmt und zurückstellt.
Die Frage, wer denn da Käufer und wer „Zurverfügungsteller“ ist, wird zwar gelegentlich angesprochen, aber nicht zu Ende gedacht. Die Autorin versucht, uns einzureden, als ob der gedankenlose Mann die zerbrechliche Frau „mitnimmt“ - so, als ob dies für einen Mann so einfach wäre.

Wer sich finden lässt, verliert in der Regel

Die Formel „Männer shoppen Frauen“, indem sie über einen Bildschirm wischen, ist völliger Unsinn. Frauen sind dieser Tage nicht leicht zu überzeugen, eine Beziehung einzugehen. Und immer nach glauben Frauen, nicht selbst suchen zu dürfen/sollen/können. Aus dieser Sicht ist es kein Wunder, wenn sie stolz darauf sind, „gefunden zu werden“.

So weit, so schlecht – für Frauen wie für Männer. Lösungen sind rar, und wer die Einzelfälle nicht kennt, kann sich ohnehin kein Urteil bilden.

Die Sache mit dem Ghosting

Den Aussagen des Films folgend, werden die Damen symbolisch nach „einiger Zeit“ aber „ins Regal zurückgestellt“. Wer das auf besonders herzlose Weise tut, betreibt „Ghosting“. Von diesen verpixelten Geistererscheinungen macht der Film dann auch reichlich Gebrauch. Der Hintergrund: Der als Partner angesehene Mensch schweigt urplötzlich und „löst sich in Luft auf“, so, als ob er gar nicht existiere. Natürlich existiert er weiter, nur nicht für die Person, die nunmehr „abgehängt“ wurde.

Wir wissen nicht, warum. Vielleicht, weil er den erheblichen emotionalen Aufwand einer „offiziellen“ Trennung scheute? Oder weil er „noch andere Eisen im Feuer“ hatte, die er nun interessanter fand? Oder gar, weil er an seinem Wohnort „irgendwie emotional gebunden“ war?

Klar, wir finden so etwas fies. Aber es kommt vor, auch wenn es unschön ist. Und da für den Erhalt und die Pflege von Beziehungen, wenn sie denn „echt“ sind, immer beide sorgen müssen … sagt uns so etwas auch, dass keine echte Beziehung vorlag.

Frau als Opfer?

Na schön. Also Schluss?

Nein, noch ein Hinweis. Derjenige, der sich finden, fangen und verführen lässt, hat immer die schlechteren Karten. Das gilt von Frau zu Mann, von Mann zu Frau, von Frau zu Frau und von Mann zu Mann.

Ach, die Sendung? Ich hatte mir nicht viel davon versprochen, und die Sendung entsprach voll und ganz dieser Erwartung. Und ich habe keine Ahnung, wem sie wirklich Aufschlüsse ermöglichte.

(Bild: Aus dem Museum für moderne Kunst Helsinki, 2000)

Drei Mütter auf Partnersuche: Vorhaben gescheitert

Das ZDF zeigte gestern in der Sendung "37 Grad", was Mütter bei der Partnersuche falsch machen können – sagte es aber nicht deutlich genug. Was meint unser Experte Gebhard Roese dazu? Hier seine Stellungnahme.

Nicht alle Single-Mütter sind auf Partnersuche ...


Es war abzusehen: Die drei Mütter, die das ZDF für die Sendung „37 Grad“ ausgegraben hatte, würden am Ende ohne Partner dastehen. Alle tun etwas für die Partnersuche, und alle haben mehr oder weniger Probleme damit, denn die Kinder sind noch jung, und die Männer, die zu ihnen passen könnten, sind rar. Soweit die Ausgangssituation für alle.

Mütter wollen keine Liebhaber – doch wollen sie Beziehungen?

Ebenso klar ist auch, dass alle nicht das wollen, was nach den Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte nahe liegt: einen Liebhaber. Denn die Frauen, die im ZDF vorgeführt wurden, sind keine „Wunsch-Single-Mütter“, also Frauen, die sich entscheiden haben, mit Kind allein zu leben. Sie sind vielmehr die „Zurückgebliebene“ aus Beziehungen.

Schlechte Chancen für Mütter gegen 40 - nicht nur wegen der Kinder

Nun sind Beziehungen für Frauen gegen oder gar über 40 aber immer problematisch, weil die „Marktlage“ für sie sie ausgesprochen mies ist. Und Frauen, die sich erst vor wenigen Jahren trennten und dazu noch kleine Kinder haben, konkurrieren durchaus mit kinderlosen Single-Frauen zwischen 35 und 40. Man kann hier durchaus von einem „Käufermarkt“ sprechen – wo Männer die „freie Auswahl“ haben, gehen die problemlosen Marktteilnehmerinnen besser „weg“ als diejenigen, die möglicherweise zusätzliche Schwierigkeiten in beginnende Beziehungen einbringen. Damit sind nicht „Kinder“ generell gemeint, sondern die Gesamtsituation, die der Mann dort antrifft.

Partneragenturen reden den Müttern ihr Vorhaben schön - mit Befragungen

Bevor ich auf die Personen und ihre Wege zur Partnerschaft komme, ein Wort zuvor: Die Single-Börsen und Partneragenturen sind äußert geschwätzig, wenn es darum geht, den Beweis für die Vermittelbarkeit von Müttern anzutreten. Sie überbieten einander darin, festzustellen, wie gerne Männer doch eine Frau mit Kind „nehmen“ würden. Die Wahrheit dahinter ist simpel: Männer „würden“ schon eine Frau mit Kind nehmen, aber sobald sie die Wahl haben, werden sie zumeist eine Single-Frau ohne Kind oder aber eine junge Mutter mit dem Wunsch nach gemeinsamen Kindern heiraten wollen. Demnach haben Mütter mit mehreren Kindern, die aus einer Ehe stammen, schlechtere Chancen. Ganz schlecht sind die Heiratschancen allerdings auch für Mütter, die mehrere Kinder von verschiedenen Vätern großziehen.

Ilona - dominierende Persönlichkeit - doch wohin führt der Weg?

Kommen wir nun zu den Frauen, die das ZDF zeigte. Absolut dominierend war die Persönlichkeit der Ilona: Eheerfahren, nicht mehr ganz jung, dazu mit einem stressigen Privatleben und einem ebensolchen Beruf, erfolgreich und wohlhabend, hätte eigentlich gute Voraussetzungen, bei einer Partneragentur fündig zu werden. Die Probleme zeigten sich allerdings im Detail: Sie schwankte zwischen Anspruchshaltung und Liebessuche und konnte auch vor der Kamera nicht eindeutig sagen, wohin der Weg für sie mit Beruf, Kindern und Mann gehen soll.

Melanie - Gute Chancen, aber Weichen falsch gestellt

Die zweite Frau, die 36-jährige Melanie, ist eher die Frau, die sich Männer wünschen: Ganz Frau, mit einem äußert liebevollem Gesicht, das Vertrauen schafft. Allerdings wäre da ein Problem mit der Erscheinung: aufgebrezelt (beim Salsa-Tanz) wirkt sie weniger attraktiv als im Alltag. Dies Problem ließe sich leicht lösen, doch wäre da noch ein Anderes. Sie möchte „gefunden werden“, was mit 36 und zwei Kindern noch unwahrscheinlicher ist als sonst. Frauen, die „gefunden werden wollen“ locken, ohne es zu wollen, oft fragwürdige Existenzen unter den Männern an. Immerhin ist sie „gerne Frau“ und zeigt dies auch.

Maria -Offenheit sollte eigentlich punkten, trotz der "Extrapfunde"

Als dritte Frau schickte das ZDF die 39-jährige Maria ins Feld der Männersuche: Sie ist solide, mütterlich und etwas übergewichtig. Erstaunlicherweise glaubt sie, mit ihrer „offene und klare Art bei Männern vielleicht nicht so gut“ anzukommen. Nun – dass sie beim Speed Dating keinen Erfolg hatte, hätte man voraussagen können. Allerdings verwundert doch ein wenig, dass sie mit ihrer Art keinen „soliden Mann“ findet, beispielsweise einen Handwerker. Da sie wenig Bedürfnisse hat (jedenfalls so, wie das ZDF sie darstellte) dürfte dies eigentlich kein Problem sein.

Erkenntnisse aus der ZDF-endung fürs Leben

Was ist nun das Fazit?

1. Erstens kann man feststellen: Mütter mit kleinen Kindern, insbesondere Frauen aus ehemals „soliden“ Ehen, haben es schwer, einen beständigen Partner zu finden.
2. Zweitens: Gelegenheitsbeziehungen und „Lover“ werden meist abgelehnt – teils aus guten Gründen (Sicherheit, Wohl der Kinder, „Schlampenfaktor“), teils aber auch aus der Anspruchshaltung, einen ständigen Partner zu „verdienen“.
3. Drittens: Falsche Wege führen zu falschen Resultaten. Salsa-Tanz ist kein Beziehungsköder, eine Menge Dates ohne klare, erfüllbare Vorstellungen führen ins Leere, und holprige Dating-Versuche erzeugen Frust.
Das Vorhaben der drei Mütter, einen Partner in der vom ZDF beobachteten Zeit zu finden, ist offenkundig gescheitert – doch das ZDF will das nicht so stehen lassen und spielt die Hoffnungskarte aus. Wie ich es auch überlege: Daraus wird kein Joker im Spiel um die Liebe.

Fragwürdiger Schluss in der Ankündigung zur ZDF-Sendung

Zum ZDF wäre noch eine Bemerkung zu machen: Nach der Beschreibung der Sendung wird zusammenhanglos und damit relativ unqualifiziert noch dieser Satz (Quelle) angehängt:

Der Forscher Tamas Bereczkei und seine Kollegen wollen herausgefunden haben, dass sich Menschen offenbar an den Gesichtszügen ihrer Eltern orientieren. Dabei bevorzugen Frauen unbewusst einen Mann nach dem Ebenbild ihres Vaters und Männer Partnerinnen, die der eigenen Mutter ähnlich sehen. Vielleicht eine Hilfestellung oder Tipp für alle Suchenden.


Das ZDF sollte sich wirklich überlegen, ob es solche Hinweise veröffentlicht – das klingt erheblich nach Boulevard, denn eigentlich vergeht kein Monat, in dem nicht irgendein vorwitziger „Forscher“ behauptete, herausgefunden zu haben, wie die Partnerwahl funktioniert.

Hinweis: Die Sendung wurde am 15. Januar 2013 ausgestrahlt und vom Autor gesehen - Zusatzinformationen des ZDF wurden in diesem Artikel verwendet.