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S/M-Beziehungen - was ist Spiel, was ist ernst?

Klischee: allzeit willig dem Meister gehochend
Eine S/M Beziehung ist eine Beziehung, die zu einem großen Teil auf Ideen der BDSM-Szene beruht. Sie ist aber auch eine „ganz gewöhnliche Beziehung“, denn was in Standard-Beziehungen auftritt, gilt auch für die S/M-Beziehung. Dieser Artikel soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen, was an S/M-Beziehungen „ganz normal“ ist und was das Besondere daran ist. Zu berücksichtigen wäre dabei auch, was passiert, wenn einer der Beteiligten süchtig nach Unterwerfung ist und der jeweils andere diese Sucht für sich ausbeutet

Die Freiheit, die Beziehung zu verlassen

Ein Kriterium dafür, ob das Zusammenleben in einer sogenannten „S/M“-Beziehung ein spielerischer Lebensstil oder eine moderne Art der „Sklavenhaltung“ ist, liegt in der Freiheit, die Beziehung jederzeit verlassen zu können. Das kling recht gut, hat aber einige Tücken. Denn ob jemand eine Beziehung verlassen kann, ist natürlich von vielen Punkten abhängig. Es gibt soziale, emotionale und finanzielle Abhängigkeiten, ähnlich wie in „ganz gewöhnlichen“ Paarbeziehungen. Kaum eine feste Beziehung lässt sich ohne „Kladderadatsch“ lösen.

Weder geht die "gewöhnliche" Geliebte ohne Tränen, noch geht die scheidende Ehefrau ohne Forderungen. Bei Männern mag es anders sein- sie gehen oftmals mit hängenden Köpfen, voller Frust und Trübsinn. Das heißt also, dass auch „gewöhnliche“ Beziehungen nahezu immer nur unter Schwierigkeiten gelöst werden können - emotional, sozial und finanziell. Jeder, der dies schon einmal „hautnah“ erlebt hat, wird wissen: Eine Scheidung oder Trennung erfordert emotionale Stärke und Konsequenz – und einige Vereinbarungen, die durchaus schmerzlich sein können. Warum dies Vorgeplänkel? Wie S/M-Beziehungen zunächst einmal Beziehungen sind, nichts mehr.

Forscher wollen festgestellt haben, dass unter den „eng gebundenen SM-Paaren“ tatsächlich die Freiheit herrscht, eigenes Geld zu besitzen oder auf ein gemeinsames Konto zugreifen zu können. Befragt wurden dazu 146 Teilnehmer. Doch wie zuverlässig sind Forschungen dieser Art? Paare, in denen ein Partner bereits in absoluter Abhängigkeit lebt, werden kaum bereit sein, sich der Wissenschaft zu stellen.

Gebunden an eine Person - ohne Ketten

Klischee des unterwürfigen Mannes

Die Bindung an den einmal „gefundenen“ Partner kann viele Gründe haben – auch das wissen wir von den meisten Ehen. Das Bekannte schafft immer wieder lustvolle sexuelle Befriedigung, auch wenn diese auf Dauer nicht mehr so intensiv empfunden werden. Auch die emotionale Bindung wächst, und oftmals ist die soziale Stellung eng mit der Beziehung oder Ehe verbunden.

Allerdings gibt derjenige, der eine S/M-Beziehung aufgibt, auch einen Teil davon auf, seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Der sogenannte „Sub“, also die oder der Unterwürfige, war den Lebensstil gewohnt, und mit ihm auch die Möglichkeit, zumindest teilweise ohne Zukunftsplanung leben zu können. Zwar finden wir auch hier Parallelen zu Personen, die aus gewöhnlichen Beziehungen in die „Freiheit“ fliehen. Aber diese Menschen können sich zumindest vorstellen, eine Zukunft zu gestalten, die „ganz anderes“ ist oder in der man mit „völlig anderen Personen“ zusammenkommt.

Die Lage vom "Subs", die der Beziehung nicht entfliehen können, entspricht in etwa der Situation anderer Abhängiger: das Leben, das sie jetzt führen, mag trostlos sein, aber es ist bekannt. Das andere Leben ist gefährlich, weil sie es nicht kennen und nicht mehr wissen, wie sie mit Menschen umgehen sollten, die sich außerhalb des Milieus befinden.

Fragt man sich, warum Menschen aus S/M-Beziehungen geflohen sind, so hört man immer wieder ähnliche Berichte wie diesen, meist von Frauen verfasst:

Weil meine Partner auf meine Pflichten, meinen Job, meine anderen Kontakte keine Rücksicht nahmen.


Oder mit anderen Worten: Weil der dominante Teil des Paares sich rücksichtlos und ausbeuterisch genommen hatte, was er sich wünschte.

Soweit zur Freiheit – und was ist mit der Lust?

Wir haben dem Thema ein neues Kapitel gewidmet - hier geht's lang.

Hinweis: Die Informationen zu diesem Artikel stammen aus dem Alltag, Berichten von Paaren und zum Teil aus Informationen von Vice . Bilder: (oben) Künstlerdarstellung einer "Sklavin",(unten) Buchillustration männlicher Abhängigkeit.

Escort-Dienste und Covid-19 – was ist da noch möglich?

Sinnlichkeit, Dessous, Musik ... Escort ist nur ein neuer Name für die bezahlte Geliebte
Plötzlich stehen in der Presse Branchen im Fokus, die Journalisten sonst nur mit „spitzen Fingern“ anfassen. Besonders in einem Bereich ist dies der Fall: in allem, was üblicherweise mit dem Wort „Prostitution“ belegt wird. Die Berichterstattung reicht von Situationsschilderungen über Stellungnahmen von Verbänden und letztlich auch Statements von Politikerinnen und Politikern. Und die Prostitution selbst ist ein „weites Feld“. Sie genau zu fokussieren ist fast unmöglich. Unsere Redaktion wollte wissen, welche Schwierigkeiten Escort-Dienste in Corona-Zeiten haben und ob die Frauen, die sich als Escorts verdingen, nun arbeitslos geworden sind. Dazu haben wir Fragen gestellt, die erstaunlich offen beantwortet wurden. Unsere Interviewpartnerin war Anna von "Escort Deluxe"

Liebes Zeitung: Seit der Corona-Krise haben viele selbstständige Dienstleister Schwierigkeiten, Geld zu verdienen. Welches ist die größte Schwierigkeit, mit der Sie gegenwärtig zu kämpfen haben?

Anna: Die Regularien zur Bekämpfung der Pandemie betreffen natürlich auch den Escort Sektor. Ein Escort Service fällt unter das Prostitutionsrecht und Prostitution ist zurzeit verboten. Es ist also aktuell nicht möglich, Escort Dates zu vermitteln.

LZ: Wäre dies nicht so – hätten Sie da nicht andere Probleme, wie etwa die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten, die Sicherheitsabstände, die Schließung von Gaststätten und Hotels oder die Angst vor Infektionen? Was wirkt Ihrer Meinung nach schwerer?

Anna: Natürlich überwiegen hier die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten, die das Vermitteln von Dates nicht gestatten. Wären Dates weiterhin erlaubt, würde die Schließung von Gaststätten und Hotels aber auch zum Problem werden, da die Escortdamen keine Hausbesuche machen und daher auf diese Einrichtungen angewiesen sind. Inwiefern die Angst vor Infektionen eine Rolle spielt, wird sich wohl erst zeigen, wenn das Kontaktverbot für den Escortsektor gelockert wird. Aktuell lässt sich das nur schwer einschätzen.

LZ: Apropos Lockerungen: Aus feministischer Sicht gibt es große Vorbehalte gegen Escort-Dienste, die ja, wie Sie richtig sagen, auch unter die Prostitutionsgesetzgebung fallen.

Anna: Ja, man muss ganz klar sagen, dass Escortdamen, bei aller Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit, Sexarbeiterinnen sind und aus dieser Sicht gibt es eben Menschen, die das aus emanzipatorischer Sicht befürworten oder ablehnen. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig und es gibt sicher gute Argumente für verschiedene Perspektiven. Man sollte sich davor nicht verschließen oder voreingenommen sein.

LZ:Häufig wird aber der Vorwurf erhoben, keine Frau würde freiwillig solche Dienste anbieten.

Anna: Ich denke, es gibt keine Escortdame, die diesen Beruf ausschließlich aus erotischer Leidenschaft betreibt, auch wenn das natürlich für einige ein großer Antrieb ist. Es gehört auch immer der finanzielle Aspekt dazu. Aus Marketinggründen versuchen Agenturen natürlich, diesen Aspekt weitestgehend auszublenden, was ich nachvollziehbar finde. Schließlich wollen auch die Damen möglichst effektiv vermarktet werden. Dass das dann auf Kritik stößt, weil es ein falsches (Frauen-) Bild vermittelt, finde ich aber genauso nachvollziehbar.

LZ: Greifen wir die finanziellen Aspekte noch einmal auf. Stehen die Frauen, die Sie vermitteln, jetzt „ohne Einkommen“ da?

Anna: Da unsere Agentur nicht mit Damen zusammenarbeitet, die „Escort“ als Hauptberuf verstehen, gibt es bei uns eine Erwartungs-Tendenz zum „lukrativen Nebenerwerb“. Die tatsächlichen Verdienstmöglichkeiten sind dann abhängig von Faktoren wie Flexibilität, Zuverlässigkeit, Bildung, Erscheinungsbild oder davon, ob die Damen Stammkunden für sich gewinnen. Das heißt die Eigeninitiative der Damen spielt eine große Rolle.

LZ: Eine letzte Frage: Wie beurteilen Sie die Escort-Welt in der Zeit „nach Covid-19? Wird sich etwas Wesentliches verändern, oder wird es einen „Weg zurück in ihre Normalität“ vor Corona geben?

Anna: Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen haben viele Menschen stärker für die Themen Gesundheit und Hygiene sensibilisiert. Die Angst vor Ansteckungen und damit auch das neu gelernte Meiden von Nähe wird sicher noch eine Weile in den Köpfen einiger Kunden arbeiten. Ich denke, es wird deshalb nach den Lockerungen im Escort Bereich auf kurze Sicht weniger Buchungsanfragen in allen Agenturen geben, als in den Zeiten „vor Corona“. Auf lange Sicht aber wird es sich wieder normalisieren, da bin ich mir sehr sicher. Für mich ist die Frage entscheidend, wie lange das dauern wird und wie wir und auch andere Agenturen unbeschadet durch diese Zeit kommen. Es wird sicher finanziell bedingte Schließungen, vor allem kleinerer Agenturen geben. Eine hohe Fluktuation am Agenturmarkt gab es aber auch schon vor der Pandemie, insofern wird auch das auf lange Sicht wohl eher unbemerkt bleiben.

Hinweis: Die Fragen wurden schriftlich gestellt, die Antworten wurden ebenfalls schriftlich übermittelt. Wir danken Anne von Escort DeLuxe für die offenen Antworten auf unsere teils kritischen Fragen.

Bild: Historisches Foto, nachkoloriert

Zeit der Spökenkieker und anderer Wundermänner

Großartige Zeiten nach Covid-19?
Gerade jetzt versuchen sich die Esoteriker, Wundermänner (auch Wunderfrauen) Spökenkieker und „Zukunftsforscher“ an der „Zeit nach Corona“. Sie haben oft Glück: Menschen sind leichtgläubig, wenn es darum geht, wie die Zukunft aussehen könnte. Und jeder wird dabei bedient, solange es Geld in die Kassen der Meinungsglücksspieler spült.

Ohne Zahlen und Fakten in die Welt nach Covid-19

Wenn man Zahlen und Fakten hat, kann an etwas „hochrechnen“. Dabei kommen allerdings abenteuerliche Werte heraus, wenn man vergisst, seinen Verstand zu nutzen. Doch die gegenwärtigen „Forscher“ verfügen über gar nichts – sie schöpfen ihr „Wissen“ aus Meinungen und solchen Daten, die mit der „Krise“ gar nichts zu tun haben.

Der Bereich der sinnlichen Begegnungen

Derzeit sind die Spökenkieker aka Futurologen dabei, uns Szenarien für die Zeit „nach Covid-19“ zu präsentieren. Und nun kommt der Trick: Es gibt keine Zahlen, ja nicht einmal Ansätze, weile es eine derartige Krise noch nie in einem modernen Wirtschaftssystem gab. Also kann auch nicht seriös geforscht werden. Besonders im Bereich der erotischen Begegnungen inklusiv aller Dating-Märkte ist die Entwicklung nahezu ausschließlich davon abhängig, wie groß die Furcht vor Begegnungen oder eben das Ansteckungsrisiko ist.

Alles ist möglich – das Karussell dreht sich

Die Szenarien sind einfach - ich nenne hier zehn Möglichkeiten

1. Weil Kontakte weitgehend verboten bleiben (oder erneut verboten werden) darf niemand Dates eingehen.
2. Kaum jemand geht ein Date ein, weil jedem das gesundheitliche Risiko als viel zu groß erscheint.
3. Sehr Mutige (oder Leichtsinnige) gehen Dates ein, weil die Gefahr der Infektion immer noch groß ist.
4. Recht viele Menschen gegen trotz Covid-19 Dates ein, auch wenn ein gewisses, überschaubares Restrisiko damit verbunden ist.
5. Alles wird wie zuvor, weil Covid-19 bald besiegt sein wird.
6. Menschen ändern sich nicht. Ob mit Covid-19 oder ohne, alle wollen Liebe und Sex – das ist so und das bleibt auch so.
7. Trotz aller Erfolge bei der Bekämpfung von Covid-19 wird nie wieder alles wie zuvor, weil die Menschen aus der Krise gelernt haben.
8. Professionelle Angebote (Prostitution) fallen weg – dadurch wird das halbprofessionelle Sex-Dating unabhängig vom Corona-Risiko verstärkt.
9. Dating beschränkt sich auf „seriöse“ Angebote, zum Beispiel Ehen.
10. Es gibt neue Marktteilnehmer, die das bisherige Dating-Konzept über den Haufen werfen – völlig unabhängig von Covid-19.

Und nun? Tarot-Karten auf den Tisch? Glaskugeln hervorholen? Geisterseher engagieren? Die Sache auspendeln? Oder glaubt wirklich jemand von euch, dass es eine „seriöse“ Forschung über die „Zeit nach Covid-19“ gibt?

Bild: Historische Illustration, möglicherweise aus einer Zeitschrift

Die Sache mit dem „Kink“ – oder: Was ist noch normal?

Lust ... wenn sie gut tut und niemandem schadet
Der Artikel: "Die Sache mit dem „Kink“ – oder: Was ist noch normal?" wendet sich nicht an Menschen, die mit hängender Zunge und Schaum vor dem Mund ihre Lüste durchsetzen wollen, sondern an alle, die Freude an der Lust haben.

Im Deutschen finden wir das Wort „Kink“ eigentlich nicht – außer in der Sprache der Seeleute. Im Englischen kommt das Wort ständig vor, und es könnte mit „bizarr“ übersetzt werden, aber dann wäre „bizarr“ wirklich alles, was über Blümchensex hinaus geht. Und so bizarr ist es nun wieder nicht, erotisch ein bisschen zu experimentieren.

Ist es nun eine Frage der Sichtweise? Eigentlich schon. Nur hat das Volk da so seine Bedenken.

Menschen, die anderen nachhaltig schaden, müssen geächtet werden

Die Anzahl der Menschen, die lustvolle Abweichungen vom „Üblichen“ genießen, steigt. Leider steigt dabei aber auch die Zahl der Spinner und der Leute, die anderen wirklich Schaden zufügen wollen. Dazu gehören alle, die ihre Süchte und Vorstellungen mit psychischer und physischer Gewalt durchsetzen wollen – sie verdienen unsere Ächtung. Der liberale Umgang mit der Sexualität hat ihren Preis. Und der ist: Wir grenzen uns klar und unmissverständlich von allem ab, was nicht im völligen Einverständnis unter Erwachsenen erfolgt.

Falls du jetzt denkst: In der guten alten Zeit war dies doch selbstverständlich … dann irrst du. Der vollständige Schutz anderer vor sexuellen Übergriffen ist neuen Datums.

Der Januskopf der "guten Bürger"

Heute haben wir eine merkwürdige Situation: Heimlich wird von „guten Bürgerinnen und Bürgern“ immer noch angenommen, man könne andere psychisch oder physisch erpressen, um in den Genuss von erotischen Vergünstigungen zu kommen. Zugleich aber sehen gerade die „guten“ Bürger auf andersfarbige, andersdenkende und andersfühlende Menschen mit der Verachtung des „Gutsherren“ herab.

Anders zu fühlen ist immer noch ein Stigma

Aus diesem Grund ist es immer noch ein soziales Stigma, „anders zu sein“, „anders zu fühlen“ oder „anders zu lieben“. Und beim Lieben sogar dann noch, wenn alles einvernehmlich, lustvoll und völlig legal ist.

Der Mann - Erfinder der "Kinks"?

Viele glauben ja, dass Leute mit einem „Kink“ ausschließlich männlich wären und dass sie ihre Lüste ausschließlich bei sogenannten „Dominas“ oder gewöhnlichen Huren ausleben würden. Doch inzwischen haben viele Menschen einen unkonventionellen Lebens- und Beziehungsstil – in Gruppen, in Paarbeziehungen und sogar solo. Lediglich ein Grund treibt sie in die Hände derjenigen Frauen, die sich ihre Dienste finanziell vergüten lassen: Weil sie keine entsprechenden Partner(innen) finden, die ihre Wünsche goutieren. Verständlich oder nicht – es ist der Markt, der ihre Wünsche nicht toleriert, nicht die Moral.

Wenn etwas zur Sucht wird, ist es immer gefährlich

Andererseits ist es wirklich empfehlenswert, die sexuelle Sucht, das Lechzen und das Streben nach ganz bestimmten Situationen nicht zu weit zu treiben. Das kann zu innerer Unruhe und zu Leichtsinn führen. Besser ist allemal, sich einige wundervolle Situationen auszudenken, die beide Partner genießen können. Wenn das nicht möglich sein sollte, können sich die Partner wechselweise intime Wünsche erfüllen, die nicht „üblich“ sind. Manche und mancher findet mit der Zeit sogar Freude daran.

Das "harte" Spiel ist viel seltener als gedacht

Wenn jemand glaubt, es müssten immer die „harten“ Spielvarianten sein, liegt er falsch. Echte, heftige Schläge, schmerzvolle Fesselungen oder andere, aus Büchern und Filmen bekannte Szenarien sind Ausnahmen. Zu den „Kinks“ gehört eben auch die Liebe zu Füßen und Zehen sowie Händen und Fingern. Es gibt konventionelle Spieler(innen), die mal wieder Petting oder Trockensex erleben wollen, Kostümliebhaber(innen), die ihn oder sie in Unform sehen wollen, und Wäschefanatiker und Brustliebhaber. Etwa zwei Drittel der Menschen träumt von Spielen mit der Erotik, und die Hälfte würde sie auch tatsächlich spielen, wenn Diskretion gewährleistet wäre. Geht man auf ein Drittel herunter, und berücksichtigt man alle geheimen Wünsche, so fallen wirklich absonderliche Wünsche darunter.

Gedanken sind frei - wirklich

Wollt ihr euch auf das rutschige Parkett begeben? Gedanklich ist es gefahrlos. Was ihr vermeiden solltet? Euch in Abhängigkeit zu begeben. Sie entsteht am schnellsten, wenn euch jemand spontan etwas Tolles verspricht, was normalerweise nur möglich ist, wenn man sehr vertraut miteinander ist.

Wir gehen die Sache mal durch, wenn ihr wollt- und wir beginnen nicht mit Schlägen, Fesselungen und was sonst schone graue Schatten geworfen hat. Sondern mit einem vergleichsweise harmlosen Thema, das vor Jahren allerdings noch Staub aufgewirbelt hätte: Darf die Frau das Tempo der Lust bestimmen? Darf sie also „oben liegen“?

Seine Sklavin – ihr Sklave

Weibliche Dominanz in den 1960ern - ein Klischee
Warum wollen Menschen eigentlich erotische Sklaven werden? Wahrscheinlich bekommen jetzt einige von euch eine Gänsehaut: Sklavin? Das geht doch gar nicht!

Der "Sklave" relativiert

Nein, es geht wirklich nicht, denn die heutige „Sklavin“ wie auch der heutige „Sklave“ ist kein unbezahlter Werktätiger, sondern eher unterwürfige Dienerin oder unterwürfiger Diener eines Herrn oder einer Dame. Beide können dergleichen als „temporäres Spiel“ auffassen oder als zeitbegrenzter Bestandteil ihres Lebens. Aber auch als ständige Herausforderung der Dominanz und Unterwerfung, zum Beispiel, wenn sich die Beziehung 24/7 nennt. Was noch erwähnenswert wäre: Es gibt leider eine Grauzone, in die kein Licht mehr fällt, weil Sklavin oder Sklave in völliger Anhängigkeit gehalten werden. Dieser Bereich ist der Kriminalität verdächtig nahe. Und es gibt einen „Rotlichtbereich“, in der das Spiel mit der Domination gegen Geld angeboten wird. Das ist dann Prostitution.

Doch was ist mit den Menschen, die Lust daran gewinnen können, unterwürfig zu sein und dabei lustvoll dominiert zu werden?

Sehen wir uns die Frauen zuerst an

Einem Klischee folgend, sind Frauen von „Natur aus“ unterwürfig und lassen deswegen alles mit sich machen, auch wenn sie dabei ihre Würde verlieren. Das stimmt auf keinen Fall, soweit der Begriff „natürlich“ verwendet wird, denn die Natur kennt diese Einstellung nicht. Die weiblichen Säugetiere wählen ihre Partner so aus, dass gesunde Nachkommen entstehen - sie lassen sich also nicht passiv oder wahllos begatten. Allerdings wollen die meisten Säugetier-Weibchen sexuell begehrt werden, um diese Auswahl überhaupt zu ermöglichen. Und so ist es auch bei den Menschen. Frauen wollen also von einer genügend großen Anzahl von Männern begehrt werden, um aus ihnen zu wählen, oder gesellschaftlich-formal auch, um von ihnen erwählt zu werden.

Können wir daraus schließen, dass eine Sklavin zu sein, eine Option ist?

Offenbar nicht.

Sehen wir uns also die Männer an

Viele junge Männer müssen darum kämpfen, eine Frau zu finden, die Sex liebt. Dann müssen sie um diese Frau buhlen und sind glücklich darüber, ausgewählt zu werden. Diese Männer sind also gewohnt, einer Frau zu dienen, bevor sie Lüste genießen dürfen, die für andere Männer problemlos erreichbar sind. In dieser Weise erniedrigen sich auch, indem sie sich andienen, und manche Männer behalten diese Eigenschaft auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter bei. Trifft solch ein Mann nun auf eine Frau, die entsprechend eingestellt ist, so macht er sich sexuell von ihr abhängig. Er wird ihr willfähriger „Diener“ und überlässt ihr, wohin der Weg geht – möglicherweise nicht in jeder Hinsicht, aber erotisch in jedem Fall.

Unterwerfen und verfügbar machen

Der Gedanke, sich zu unterwerfen und verfügbar zu machen, mag bei Frauen im Laufe der Zivilisation gewachsen sein – sicher ist dies allerdings nicht. Zunächst einmal ist Unterwürfigkeit bei Säugetieren, also auch bei Primaten und Menschen, ein Überlebenstrick, der eine lange evolutionäre Tradition hat. Frauen unterwerfen sich Frauen, Männer unterwerfen sich Männern. Das heißt aber nicht, dass sich alle grundsätzlich unterwerfen. Einige gehen einfach Konflikten aus dem Weg und machen „ihr eigenes Ding“.

Die da oben – die wenigen, die führen wollen

Gehen wir einmal vom künstlich emotionalisierten und von Ideologien durchzogenen Thema „Frauen und Männer“ auf das Thema: „Führen oder geführt werden“ über. Dann erkennen wir ohne Zweifel, dass weitaus mehr Menschen „geführt“ werden und sich in irgendeiner „Abhängigkeit“ befinden als solche, die führen und völlig frei in ihren Entscheidungen sind. Die Masse strebt normalerweise weder danach, zu führen noch will sie am Ende des Mega-Rudels stehen, in dem jeder Befehl unverzüglich und präzis befolgt werden muss. Wer sich mit der Materie auskennt, weiß: Führen heißt verantworten. Und auch dies: Nur sehr wenige Menschen würden sich diese Bürde auferlegen, wenn sie nicht mit Macht, Anerkennung und sicher auch einem hohen Gehalt verbunden wäre.

Und diejenigen, die nach Führung lechzen

Auf der anderen Seite stehen jene, die möglichst wenig Verantwortung für den Teil des Lebens tragen wollen, das für sie am schwierigsten ist. Nehmen wir an, die Professorin findet keinen Partner und macht sich abhängig von einem Filou, oder der Bankdirektor findet keine sexuelle Erfüllung und wird dabei abhängig von einer dominanten Frau.

Am Ende wird sogar die Realität pornografisch

Klar – die Sache ist immer schwierig. Wer sich in erotische Abhängigkeit begibt, muss ertragen, dass der Counterpart seine Macht genießt – und das könnte man durchaus als „abartig“ bezeichnen. Zum Beispiel dann, wenn die Hausherrin ihren Diener zwingt, die eigene Spermaflüssigkeit aufzulecken. Das ist keine Szene aus einem schlechten Porno, sondern eine Szene aus dem Alltag, wie man beispielsweise in „ze.tt“ nachlesen kann.