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Die Liebeszeitung wird ein klein wenig anders

Achtung! Dieser Artikel ist veraltet. Wir sind umgezogen und werden hier keine neuen Artikel mehr veröffentlichen.


In der Vergangenheit haben wir uns relativ häufig an erotischen Themen orientiert, die ursprünglich von Bloggerinnen aus England und den USA veröffentlicht wurden. Diese Quellen sind zwar nicht völlig versiegt, werden aber immer seltener. Zudem wiederholen sich die Themen der anderen ständig, und die kommerziellen Aspekte überwiegen inzwischen bei Weitem. Fast jede der Ex-Erotik-Bloggerinnen versucht, das Geschäft mit „gesponserten Artikeln“ zu retten, und zumeist wir dabei heute etwas über „Sexspielzeuge“ veröffentlicht.

Und nach der Aufregung um die „Shades of Grey“ hat auch das Interesse an allem, was „Aua“ macht, deutlich abgenommen. Hinzu kam noch die #MeToo Bewegung, verbundenen mit der Angst davor, den dort vertretenen Meinungen nicht sklavisch zu folgen, sondern weiterhin für Gedankenfreiheit zu kämpfen.

Nun sind und waren wir niemals von diesen Medien abhängig, sondern haben zahllose Beiträge veröffentlicht, die auf Daten, Fakten, Erhebungen und Internet-Recherchen beruhten. Wobei sich natürlich stets die Frage ergibt: Zählen Fakten und Recherchen in der Erotik überhaupt? Oder wollen Leser(innen) vor allem in ihren Meinungen bestätigt werden?

Nein, nicht mit uns. Das große Lamento angeblich verratener, betrogener und verlassener Frauen, die emotionale Schäden davongetragen haben, ist nicht unser Ding. Wir versuchen, die Hintergründe abzufragen.

Es ist nicht einfach, Lust, Liebe, Humor und Fakten so abzumischen, dass wir unsere bisherigen Leser behalten und neue hinzugewinnen. Ob es gelingt oder nicht, werden die nächsten Monate erweisen.

Ich hoffe sehr, dass Sie uns treu bleiben, auch wenn wir manche Themen nun kritischer betrachten werden. Die Liebeszeitung ist keine Kitschpostille und keine Frauenzeitschrift, die den Damen nach dem Munde reden muss, damit sie am Kiosk zuschnappen.

Das Patriarchat

Heute las sich einen sehr langen Artikel darüber, was das Patriarchat alles angerichtet hat. Im Westen und heute, also im „Hier und Jetzt“.

Na schön – nur, liebe Frauen: Lasst euch mal etwas neues Einfallen für eure Argumentation. Und denkt mal darüber nach, wie oft ihr einen Seitenblick darauf werft, wie ein Mann zu sein hat: Ganz Mann, zupackend und selbstbewusst, selbstverständlich ganz Gentleman, total ritterlich und jederzeit bereit, euch vor aller Unbill zu schützen.

Wie ich es sehe? Ihr nehmt die Vorteile aus drei Jahrhunderten, mischt sie euch schön auf – und haut uns Männern, wann immer ihr Lust verspürt, dann das Negative aus der Vergangenheit um die Ohren. Und eines weiß ich sicher: Keine von euch will leben wie vor 50 oder 100 Jahren. Nur müsste man dazu natürlich (hallo, klingelt’s?) wissen, wie Frauen vor 100 Jahren gelebt haben, nicht wahr?

Unser Machogehabe? Haben wir eigentlich gar nicht mehr – haben einige Frauen aber ganz gerne. Unsere patriarchalische Herrschsucht? Ja, wo gibt es denn die Möglichkeit dazu? Und sonst? Ihr überschätzt die Möglichkeiten, die Männern „als solche“ offenstehen.

Wir Männer sind – manchmal dankenswerterweise, manchmal leider – von eurer Gunst abhängig. Und zwar umso mehr, seit ihr uns eigentlich kaum noch benötigt, um reich und berühmt zu werden.

Also: bitte mal Gehirn einschalten, bevor ihr vom „Patriarchat“ redet.

Wie gefährlich ist eigentlich die Liebe?

Gefahr durch die Liebe im Altertum: die Sirenen
Im Rahmen meiner schriftstellerischen Tätigkeit beschäftige ich mich gelegentlich mit der Frage: Wie gefährlich sind eigentlich Abweichungen von der „stinknormalen Liebe“? Drauf gibt es tatsächlich Antworten, die ich größtenteils im Rahmen der ehrenamtlichen Selbsthilfe-Beratung erlernt habe.

Und da ist es auch wirklich einfach: Wenn Sie abhängig von einem Stoff oder einem Verhalten werden, erkennen Sie dies daran, dass diese Sucht immer mehr ihre Gedanken bewegt, und dass Sie darüber andere, teils lebenswichtige Tätigkeiten oder Emotionen vernachlässigen.

Liebe und sexuelle Abweichungen - was ist Lust, was Sucht?

Diese Sätze kann man auch auf die sogenannte Paraphilie anwenden, muss aber dabei berücksichtigen, dass es leider vereinzelt „Partner“ gibt, die erotische Abweichungen und sexuelle Besonderheiten zum eigenen Vorteil ausnutzen. Das heißt: Jemand anders versucht, den an sich schon süchtig lüsternen Menschen aus niederen Motiven noch weiter in die Abhängigkeit hineinstoßen.

Das Kennzeichen einer Lust (im Gegensatz zur Sucht) ist, nach Belieben darin eintauchen und wieder auftauchen zu können. Bei den weitaus meisten Menschen funktioniert die Barriere zwischen Lust und Sucht problemlos, während ein kleiner Teil gefährdet ist.

Und wie passt das alles auf die Liebe?

Das Verliebtsein ist ein Ausnahmezustand. Wir tun Dinge, die wir zuvor nicht für möglich gehalten haben, und dies nicht nur emotional oder sexuell, sondern durchaus in jeder Hinsicht. In den Augen mancher Menschen ist sicherlich meschugge, wer jeden zweiten Freitag in ein Flugzeug nach Budapest steigt, um am Sonntagabend zurückzufliegen. In den Augen anderer ist sicherlich eine Frau meschugge, die plötzlich schicke Dessous trägt, was sie noch kurz zuvor ablehnte.

Aber all dies ist keine Sucht und keine Abhängigkeit, und es ist absolut ungefährlich. Indessen hat die „Liebe“ aber durchaus das Potenzial, „verrückt zu machen“. Ich denke, fast jeder hat diesen Zustand schon einmal erlebt. Klar sind Verliebte ver-rückt, und das müssen sie auch sein, denn sie sollen sich ja wandeln. Und doch gilt, dass sie selten „Meschugge“ werden, das heißt, dass sie wissen, wer sie sind und was sie vom Leben wollen. Sie stellen sich also nicht völlig neu auf, weil es der andere so will, sondern weil sie Vergnügen daran haben, diese Herausforderungen einzugehen.

Die Natur hat einen kleinen Fehler gemacht

Die Natur hat bei der Liebe allerdings einen kleinen Fehler eingebaut: Die Drogen, die der Körper berechtigterweise bei Verliebten produziert, nützen den meisten Menschen, aber einigen schaden sie auch. Aus völlig ungeklärten Gründen verändern sich manche Personen dauerhaft, das heißt, sie werden unfähig, in eine gewisse Normalität zurückzufallen.

Die gute Nachricht: Vielen gelingt es auch, sich wieder „zu fangen“ – ohne Hilfe von außen, mit Hilfe von Gruppen oder von Therapeuten. Das gelingt aber nur, wenn sie niemand in ihrer Sucht gefangen hält und mit ihren Emotionen spielt.

Liebe kann ein Risiko sein - aber sie ist auch eine Chance

Ist die Liebe also gefährlich? Nein, normalerweise nicht. Wir spüren unsere Natur, wenn wir uns verlieben, und dies verwirrt besonders Menschen, die gar nicht mehr wissen, dass sie naturhafte Wesen sind. Und: Die Veränderungen, die das Verliebtsein mit sich bringt, dürfen wir durchaus als Chancen sehen und nicht als Risiken.

Bild: "The Five Sirens" - Evelyn de Morgan

Mythos sechs: Männer sind sexsüchtig

Sucht, Sehnsucht, Liebesglut ... ist der Mann der Sklave der Lust?
Das Wort „Sucht“ wird immer wie eine Sau durchs Dorf getrieben, wenn dummdreiste Journalisten auf vorlaute Psychotherapeuten stoßen. Eine Sucht setzt voraus, dass jemand so abhängig von einem Stoff oder einer nichtstofflichen Ausprägung seines Gefühls ist, dass er von ihr beherrscht wird und sich nicht mehr dagegen wehren kann.

Die Mediziner haben einen etwas schwammigen Begriff für den Zustand geprägt, der hier gemeint ist: Hypersexualität – heißt nichts mehr, als dass ein „übermäßiges“ sexuelles Verlangen vorliegt. Das Unklare am Begriff definieret sich so: Wenn es ein Übermaß gibt, muss es ein Maß geben – und das existiert nicht. Falls Sie sich erinnern sollten: Es ist noch nicht lange her, dass Frauen, die zwischen Pubertät und Ehe ein sexuelles Verlangen verspürten, als „anomal“ bezeichnet wurden. Und die Diagnose „Nymphomanie“ konnte jede Frau ereilen, die öffentlich irgendeine Art von sexuellem Appetit entwickelte. Interessanterweise sprechen die Mediziner kaum noch von „Sexsucht“ – der Begriff ist einfach untauglich, um die Phänomene zu beschreiben.

„Sexabhängig“ ist schon eher ein Begriff, der etwas taugt. Heißt: Ohne Sex oder ohne eine Lust, die dem Sex gleichkommt, scheint das Leben in keinem Moment mehr lebenswert zu sein – Sex ist dann Leben und Leben ist Sex. Diese Sichtweise schränkt deutlich ein, weil sie andere Gefühle überlagert, und Menschen, auf dies zutrifft, sind von vornherein Außenseiter.

Übrigens bezweifelt niemand, dass sexuelles Verlangen eine starke, biochemisch wirksame Triebkraft ist – wie sollten wir eigentlich sonst dazu gebraucht werden, unser tolles Leben mit Sex anzureichern? Die Natur war so schlau, die Drogen einzubauen und die Produktion immer wieder freizugeben – sonst gäbe es keine Fortpflanzung (jedenfalls nicht unter Säugetieren inklusive der Primaten).

Ist es nun ein Mythos, Männer seien sexsüchtig, sexabhängig oder sexbesessen? Ja – und zwar vor allem deshalb, weil es nicht die geringsten Beweise dafür gibt, dass es sich dabei um „unnatürliche“ Begierden handeln würde. Die sexuelle Begierde ist den Menschen eigen – und sie umfasst selbstverständlich auch die Frauen.

mythos mannZum Thema: "Mythen über männliche Sexualität" erscheinen weitere Folgen.

Frauen und Macht – der Umgang kann kompliziert werden

Absolutes No-Go: Nötigung und das Ausnutzen sexueller Abhängigkeit
Ich muss mal aus dem Berufsleben plaudern – und zwar damit, wie Menschen mit der Macht umgehen. Doch zuvor werfen wir mal einen Blick auf Schimpansen oder kleine Jungs. Wie Sie wissen, herrschen bei den Schimpansen Hierarchien, die auch im Zoo noch deutlich erkennbar sind. Und doch gelingt es manchen klugen Kerlchen, die Macht durch geschickte Tricksereien zu umgehen. Wer nun werde mächtig noch trickreich ist, muss mit den anderen „niedrig gestellten“ Männchen kuschen und darben.

Jungs und Bosse - und bist du nicht willig, so brauche ich meine Macht

Aha – bei kleinen Jungs ist das so ähnlich, nur können die durch ihr Köpfchen manches trickreich regeln, was die großmäuligen Muskelprotze nicht schaffen. Na ja, und das geht im Berufsleben gerade so weiter, nicht wahr? Die Oberaffen üben Macht aus, zwingen die unteren Chargen zum Kuschen, klauen ihre Ideen oder metzeln ihre Gedanken nieder. Sie zwingen sie zu peinlichen Selbstdarstellungen, schicken sie auf entwürdigende Seminare, zu laden sie zu lächerlichen Sportwettkämpfen ein oder lassen sie sogar mal über glühende Kohlen gehen – buchstäblich.

Einwände - so ist es ja nun auch wieder nicht ...

Das alles gibt es – auch wenn zwei Einwände erlaubt sind: Erstens - neuerdings machen sie das auch mit Frauen. Und zweitens: Man kann ja „nein“ sagen. Und Leute: Dies alles ist zwar grandioser Bullshit, aber leider auch eine gängige Praxis. Die Pseudo-Eliten, mit denen sich die Bosse umgeben, sollen ja unterwürfig sein und bleiben, damit die eignen Schwächen auf keinen Fall sichtbar werden. Ach ja, vergessen: Wer „nein“ sagt, nicht mehr Teil am Festbankett, wir nicht mehr privat beim Chef eingeladen und von Beförderungen ausgeschlossen. C’es la Vie.

Einwand gegen den Einwand: Das ist nicht immer und überall so. Und wie bei allen Primaten, schaffen es kluge Kerlchen, sich aus der Affäre zu ziehen. Gut, das ist auch wahr.

Frauen wollen Macht - und müssen sie dann eben auch festigen

Nun kommen Frauen, die in die Hierarchien einsteigen wollen. Was, Sie waren niemals Leutnantin oder Feldwebelin, Klassensprecherin oder AStA-Vorsitzende? Dann wollten Sie sich auch nie für eine Führungsposition qualifizieren … ach, aber Sie haben lauter Einser-Zeugnisse? Na ja, dann können wir es ja mal mit Ihnen probieren … alles Very Old School, nicht wahr? Und nein, es ist nicht die Regel.

Wie aber sieht es wirklich aus? Wenn Sie die „große Macht“ haben wollen und ihnen niemand in die Karten gucken soll, dann müssen Sie in bestehenden Firmen ein kleines privates Imperium aufbauen und Drähte ziehen. Ob Sie dabei persönliche Beziehungen aufbauen und verwenden, ihr Wissen um private Dinge ge- und missbrauchen oder dem einen oder anderen eine (nicht-sexuelle) Gunst gewähren, die in Ihren Kompetenzen, aber etwas außerhalb der Norm liegt – wer wird schon fragen? Sollte es ihre eigene Firma sein oder haben Sie bereits einen komfortablen Chefsessel, dann fragt Sie sowieso niemand.

Führen: starke Personen manipulieren, schwache charmieren?

Ihre „Untergebenen“ werden teilweise Männer sein – die können sie leicht manipulieren, wegloben oder sonst wie austauschen. Falls sich männliche Köpfe zeigen, die Ihnen überlegen sind oder die Machtgelüste verspüren, müssen Sie die Notbremse ziehen. Das machen Sie natürlich nur, wenn sie ängstlich sind. Doch welche Managerin / welcher Manager hat nicht Angst um den Job?

Und die Frauen? Einbinden, um jeden Preis einbinden, bevor auch nur der Hauch eines Machtkampfes entsteht. Machen Sie es wie die Männer: Geben Sie ihnen Pöstchen, die nicht viel wert sind, bei denen sie sich aber austoben können.

Führen Frauen mit Sex?

Oh, Hallo, wo bliebt denn der Abschnitt über Sexualität, Übergriffe und Nötigung?

Wahrscheinlich haben sie Nötigungen nicht nötig. Männer als Untergebene sind gerne bei ihnen, weil sie Ihre Art lieben und für jede kleine Gunst dankbar sind, die sie ihnen gewähren, und ach, wieder ist nicht Sex gemeint. Ein charmantes Lächeln wirkt tagelang nach. Und Frauen … ja, Frauen. Ein Teil wird reagieren, als wäre der Chef ein Mann: Jedes Lächeln, jedes Kompliment, jede private Bemerkung geht ihnen herunter wie süßer Likör – also warum wollen Sie sich dann noch der Gefahr aussetzen, mit jemandem intim zu werden?

Na also … schade, wenn Sie nicht bemerkt haben, dass es sich um eine Satire handelt. Etwa Wahres ist natürlich auch dran, sonst hätte ich ja keinen Grund zu dieser Satire.

Das Bild oben zierte ein Groschenheft in den 1950ern - es wurde leicht retuschiert.