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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Zwischenruf – trau keinem „guten Rat“

Zu Anfang hörte ich: „Guter Rat ist teuer“. Bevor ich lernte, dass guter Rat „im Dutzend billiger“ ist. Das heißt: Je mehr Rat du bekommst, desto „billiger“ im Sinne von „schlechter“ ist er. Gegenwärtig versuchen es wieder alle. Also Küchenpsychologinnen, bücherschreibende Psychologinnen und Frauenzeitschriften, in denen populistische Beraterinnen zitiert werden. Meist geht es darum, dir irgendwelche willkürlich Tipps über „Dating“ in die Augen zu pusten (1).

Billiger Rat für die Massen

Ich habe den Ausdruck bewusst gewählt, weil es zumeist Illusionen sind, die die dort in den Wind gepustet werden. Keine seriöse Psychologin würde einen Partnersuchende oder einen Partnersuchenden beraten, ohne eine gründliche Analyse ihrer/seiner Ist-Situation. Damit keine Zweifel aufkommen: Ich bestreite nicht, dass Psychologinnen (1) Einzelmenschen, vielleicht auch Gruppen beraten können. Aber jeder „allgemeine Rat“ ist billig. Zu billig, weil er falsche Hoffnungen weckt.

Marktgesetze beherrschen in Wahrheit die Partnersuche

Was wir wirklich über „die Chancen“ bei der Partnersuche wissen, ist sehr wenig. Am verlässlichsten sind Zahlen, und aus diesen kann man eine Art Analyse des Marktgeschehens ableiten. Schon, wenn ich diesen Ausdruck benutzen, schalten viele von euch ab, weil sie den falschen Leuten glauben. Was ihr als Dating bezeichnet, ist in Wahrheit ein Zahlenspiel um die „verbliebenen“ freien Singles. Wie viel sind verfügbar? Und wer ist in einem Alter, das „für dich passt?“. Ob du Chancen hast, ist weitgehend davon abhängig, ob das, was du darstellst, von anderen nachgefragt wird. Wenn nicht, bleibst du allein oder du passt dich den Gegebenheiten an. Einfachste Kenntnisse der Marktgesetze von Angebot und Nachfrage helfen dabei.

Psychologie ist allerdings besser als Wahrsagerei

Ja, ja … auch Psychologie kann dazu eingesetzt werden, falsche Entscheidungen zu vermeiden. Wenn ich bedenke, wie viel Menschen für ihre Entscheidungen Aberglauben (Horoskope, Handlesen, Pendeln, Wahrsagerinnen) einsetzten, müsste ich eigentlich froh sein, wenn jemand tatsächlich auf den Rat einer Psychologin hört. Jedenfalls dann, wenn er nach einem längeren Gespräch auf Augenhöhe gegeben wird.

Mehr Mut - wagen, gewinnen und hinnehmen, dann und wann zu scheitern

Es gibt im Übrigen noch einen Weg, den oder die „Richtigen“ zu finden. Er heißt „wagen und gewinnen“ und zu einem gewissen Prozentsatz das Scheitern einzukalkulieren. Eine Beziehung zu beenden ist nicht das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann.

(1) Die meisten der im Beziehungsbereich aktiven, populistisch orientierten Psychologen sind Frauen. Männer können natürlich ebenso fragwürdigen Rat geben.

Echte Unterwürfigkeit und das Spiel damit

Devot? Hoffentlich nur spielerisch ...
Alle Menschen haben unterwürfige Züge - das ergibt sich aus der Evolution. Deshalb ist die Frage berechtigt, wann die Unterordnung sinnvoll ist und wann nicht - oder ob es gar andere Wege gibt, damit umzugehen.

Wer unterwirft sich und was bringt das?

Wer sich unterwirft, will seine Haut retten, indem er den Kampf vermeidet. Ist die Person stark genug, so wird sie das Terrain für den Moment freigeben. Dies wird sie jedoch nicht daran hindern, sich aber an anderen Stellen, in anderen Situationen oder auch an anderen Orten weiterhin durchzusetzen versuchen.

So weit die Natur und so weit die Gesetze, die sie geschaffen hat. Doch was ist mit jenen Personen, die Konflikte generell vermeiden und sich stets beugen? Sie haben offenbar kein „schönes Leben“, denn Konflikte, Diskussionen und dann und wann Konfrontationen gehören zum Alltag. Von vorn herein „den Schwanz einzuziehen“ ist daher ganz offensichtlich der falsche Weg.

Was ist "echt unterwürfig sein"?

Wer ist nun aber wirklich „unterwürfig“?

Genau ist das nirgendwo definiert. Der Begriff wird nahezu deckungsgleich mit dem Fremdwort „devot“ verwendet. Er zieht sich durch die gesamte Literatur, aber sobald wir nach einer genauen Definition fragen, verweigern uns die Fachleute die Auskunft.

Was meint der Psychologe zur Unterwürfigkeit?

Der Psychologe (1) interessiert sich erst für die Unterwürfigkeit, wenn es sich um eine „dependente“ Persönlichkeitsstörung handelt, also um eine „Abhängigkeit“ von einem anderen Menschen.

Psychologen erklären durchaus, was eine „abhängigen Persönlichkeitsstil“ von einer entsprechenden Persönlichkeitsstörung unterscheidet. Demnach lebt in Abhängigkeit, wer seinen Mitmenschen gegenüber sehr „loyal“ ist, also ihnen in vielen Bereichen zustimmt. Zudem sind solche Menschen nach der Definition sehr gefühlsbetont und sie versuchen ungewöhnlich häufig, sich in andere hineinzuversetzen.

Was sie dabei tun, ist kaum etwas anderes als das, was viele von uns schon einmal erlebt haben. Das Selbstbewusstsein bekommt Brüche und wir trauen uns nicht mehr, zu uns selbst und unseren Meinungen zu stehen. Wenn das so ist, versuchen wir, uns an andere zu hängen, um uns in der Masse oder hinter einer anderen Person zu verstecken. Falls wir dann wirklich einmal selbst entscheiden müssen, übernehmen wir nicht die Verantwortung – schon gar nicht, wenn die Entscheidung sich als wenig glücklich erweisen sollte.

Unterwürfigkeit und Abhängigkeit

Wenn euch das irgendwie und irgendwann einmal passiert ist, dann ist dies noch keine Abhängigkeit. Unterwürfig oder „devot“ ist jemand, der viele schreckliche Lebensumstände erduldet, weil er in und mit ihnen lebt und sie allemal für besser hält als die Konsequenz: selbstbewusst zu werden. Das leben, dass eine krankhaft devote Person führt, kann mit dem Leben eines Alkoholikers verglichen werden, denn das Leben mit dem Suff ist schrecklich, aber bekannt. Ein Leben ohne Alkohol scheint ihm viel anstrengender, ja möglicherweise gefährlicher zu sein, weil es unbekannt ist.

Die Gefahr, abhängig zu werden

Um es auf den Punkt zu bringen: Wirkliche Abhängigkeit ist gefährlich. Sie gliedert sich in fünf Bereiche: sozial, finanziell, intellektuell, emotional und körperlich. Sie ist erkennbar, und sie kann zerstörerisch sein.

Mag dies allein schon problematisch genug sein, so wird es umso schlimmer, wenn jemand diese Eigenschaften nutzt, um andere zu „versklaven“. Früher sagte man, er oder sie ist der Person „hörig“. Um aber „hörig“ oder „abhängig“ zu werden, müssen einige Umstände oder Eigenschaften zutreffen, für die Psychologen einen Kriterienkatalog erstellt haben. Das sichtbarste Zeichen ist Entscheidungsschwäche. Die betroffenen Menschen trauen ihren eigenen Entscheidungen nicht – sie suchen vielmehr Rat, Hilfe und Bestätigung durch andere. Hinzu kommt, dass sie sich oftmals „selbst verlieren“, um einem andren Menschen unterwürfig zu dienen – auch dann noch, wenn sie dadurch zum Opfer werden.

Ist es edel, selbstlos zu sein?

Manchmal wird dieser Zustand idealisiert, ja, sogar als erwünscht bezeichnet. Man sagt dann, er oder sie handele „selbstlos“. Das ist völliger Unsinn, weil „Selbstlosigkeit“ eine Eigenschaft ist, die innere Stärke verlangt. Nur, wer „selbstbestimmt“ ist, kann sich leisten, „selbstlos“ zu sein. Das liegt daran, dass die „Batterie“ der eigenen Kräfte in irgendeiner Form „wiederaufgeladen“ werden muss.

Die "schleichende" Unterwerfung

Gehen wir mal einen Schritt zur Seite, bevor wir uns mit „Spielen“ beschäftigen. Schauen wir uns selbst im Spiegel an.

Wer wissen will, ob er/sie sich auf morastigem Boden einer „schleichenden“ Unterwerfung befindet, sollte sich einige Fragen stellen:

1. Habe ich freie Zeit, über die ich verfügen kann, wie ich will?
2. Habe ich Geld, über das ich frei verfügen kann?
3. Kann ich Kontakte zu Dritten aufnehmen, ohne meinen Partner zu konsultieren?
4. Ist es mir möglich, über etwas anderer Meinung zu sein als mein Partner?


Das ist nicht unbedingt die Psychologen-Auffassung, aber durchaus praxisgerecht. Wer alle Fragen mit „Ja“ beantwortet, ist in jedem Fall besser dran als jemand, der alle mit “Nein“ beantworten muss, weil er/sie bereits stark eingeengt lebt, denkt und fühlt.

Spielerische Unterwerfung

Spielerische Haltung in einer Illustration

Erinnern wir uns daran, dass wir alle die Möglichkeit haben, um den Rang in der Gesellschaft zu kämpfen. Die Evolution hat uns damit ausgestattet, doch unsere Möglichkeiten und Grenzen haben wir zunächst spielerisch erlernt. Und genau dieses Spiel ist es, zu dem viele wieder zurückkehren möchten. Unter Erwachsenen läuft das Spiel so: Jemand begibt sich zeitlich oder räumlich begrenzt in eine Abhängigkeit, die einen „Ausgang“ hat. Manche Paare behaupten, dass die „Abhängigkeit“ zu ihrem „Lebensstil“ gehört. Das klingt schrecklich interessant, ist aber so gut wie unmöglich, wenn das soziale Netz weiterreicht als bis zur Wohnungstür.

Spielen heißt ja, sich willentlich in ein Abenteuer zu begeben, um eine Erfahrung zu machen, die keine „reine Realität“ ist. Die Frage, worin wir das Vergnügen finden, oder ob beispielsweise der Schmerz auch ein Vergnügen ist, haben andere schon ausreichend beantwortet. Jedenfalls handelt es sich dann um ein Spiel, wenn wir es beginnen können, wann wir wollen und natürlich auch damit aufhören, wenn wir wollen. Wer Jugenderinnerungen hat, der wird wissen, dass manche Spiele für uns im Grund lästig waren, wir sie aber dennoch weiterspielten, um nicht als „Spielverderber“ zu gelten. Aber wir wussten: Wir spielen nur eine begrenzte Zeit. Danach sind wir wieder genau das, was wir vorher waren: Personen, keine Spieler. Und nun weißt du sicher auch, wo der Unterschied zwischen einem Menschen liegt, der sich spielerisch unterwirft und jemand, der innerlich abhängig ist.

(1) Wer mehr darüber wissen will, kann sich auf "therapie.de" informieren.

Sex mit reiferen Herren …

Ältere Herren wirken immer ein wenig "altmodisch"
Ich habe ein wenig geschmunzelt, als ich einen Beitrag über „Sex mit älteren Herren“ las. Gemeint sind Herren, die sich im Alter durchaus noch gerne mit Frauen vergnügen, die sie für „jung“ halten – also vielleicht solche in den Dreißigern.

Jedenfalls soll von diesen Männern eine Mischung aus Herrendüften, altmodischen sexuellen Fantasien und „höflicher emotionaler Distanz“, gepaart mit offenkundiger Geilheit ausgehen.

Gentleman und zugleich geil?

Das amüsiert junge Damen oftmals. Nein, dieser Mann, Gentleman der alten Schule, Sugardaddy, Spendierhosenträger oder soziales Sprungbrett ist nicht „direkt“. Er benutzt schrecklich altmodische Ausdrücke und nennt bestimmte Dinge niemals bei den Namen, die du ganz locker über die Lippen bringst. Das ist für beide Seiten bisweilen etwas verwirrend.

Das Verlangen nach jugendlicher Frische

Die Beziehung an sich beruht auf dem Verlangen nach jungen, schönen Frauen, die den alternden Mann noch einmal zur höchsten Lüsternheit anstachelt. (Man denke hier an Professor Faust, der gar den Teufel anruft, um dieses Ziel zu erreichen). Wie solche Beziehungen in der Praxis gelebt werden, ist allerdings völlig offen. Oftmals ist es der Luxus, der junge Frauen anzieht, dann wieder das soziale Umfeld, an dem sie teil haben. Für den älteren Herrn ist es oft ein Erlebnis, mit einer um viele Jahr jüngere Frau auszugehen.

Wenn es nicht um "Dauerbeziehungen" geht

Wie bei allen Beziehungen, Affären und Amouren, die von vornherein nicht auf eine Familiengründung ausgerichtet sind, werden Nehmen und Geben stets aufs Neue ausgehandelt. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr eines Tages auseinandergehen werdet. Das kann in Tagen, Wochen oder Monaten bemessen sein, und die Gründe sind so vielfältig, dass ich sie gar nicht alle nennen könnte. Wichtig ist, dich nicht völlig abhängig von der Beziehung zu machen.

Auf eine Trennung vorbereitet zu sein, ist sehr wichtig, sobald wir von Beziehungen reden, die überwiegend aus „schönem Sex“ beruhen. Wenn die die jüngere Partnerin bist: Möglicherweise musst du den gewohnten Lebensstil bei einer Trennung aufgeben. Dann sollte ein Netz vorhanden sein, das dich auffängt.

Grafik: Herkunft unbekannt, offenbar aus einem historischen Buch.

Pegging in der Presse – und wie es in Wirklichkeit ist

Die Kunst erfordert Übung ...
Bevor du weiterliest: „Pegging“ nennt man den aktiven Analverkehr einer Frau mit einem Mann durch einen Dildo zum Umschnallen. Wenn du das eklig findest oder nicht verstehst, lies nicht weiter.

Pegging ist ein altes Thema – gerade wieder aufgewärmt

Hatte ich wirklich vor, über „Pegging“ zu schreiben? Nachdem die sozialen Medien und all die anderen aufgekratzten Journalistinnen und Journalisten die Sache aufgegriffen hatten, wollten wir dies natürlich auch tun. Nur, dass wir die Sache seit Jahren verfolgen. Das Interesse am „Pegging“ ließ sich schon vor zehn Jahren aus den plötzlich ansteigenden Angeboten eines Instruments ermitteln, das dazu unerlässlich war (und ist): der Strap-On-Gürtel.

Wie Pegging bei einem gewöhnlichen Ehepaar beginnen könnte

Beginnen wir mal mit dem absoluten Anfang. Da sitzt ein Paar zusammen und redet über Sex. Soll ja vorkommen. Man hat schon ein wenig miteinander experimentiert und sucht nun nach einer wirklichen Herausforderung. Vor einigen Tagen war der neue Katalog des Versandhauses gekommen, aus dem sich Anette, eine selbstbewusste Enddreißigerin, schon manchen Wunsch erfüllt hatte. Diesmal hatte sie etwas bestellt, von dem sie hoffte, dass es ihm gefallen würde – eine größere Herausforderung als üblich.

Es war nicht schwer, ihren Mann Frederic auf das Thema „anal“ zu bringen, und in der Tat begannen seine Augen sofort zu glänzen. „Ich wollte … dich schon immer drauf ansprechen, aber ich habe es nie gewagt…“

Anette ahnte natürlich, wie er sich das gedacht hatte, und flüsterte ihm zu: „Ich öffne dir die Tür, aber nur wenn du mir etwas versprichst.“ Der Mann, glücklich darüber, endlich eine neue Variante des Sexlebens erproben zu können, hätte alles versprochen. Und voller Erwartung sagte er: „Selbstverständlich, mein Schatz – alles, was du willst.“

„In England sagt man, ‚was gut für die Gans ist, das ist auch gut für den Ganter‘ … du verstehst doch, was es heißt?“

Nein, er verstand nicht. Also erklärte ihm Anette, dass die Soße, die für die Gans Verwendung findet, auch beim Ganter für den Genuss sorgt. Und die Probe, ob das auch wirklich funktioniert, würde sie gerne zuerst mit ihrem Ehemann Frederic vollziehen.


Diese kleine Story ist frei erfunden. Aber auf eine ähnliche Frage hat man mir in England diese Antwort gegeben, und sie stammte von einer wirklichen Lady.
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Flagge zeigen: Grün, Rot und Gelb - ohne Politik und nur für Beziehungen

Wer in der Fahrschule aufgepasst hat, weiß, wohin die Ampel wechselt ...
Flagge zeigen – das ist ein deutscher Ausdruck für: „Zeig, wer du wirklich bist“. Ich beschäftige mich hier mit einem neuen Phänomen – farbige Flaggen, die angeblich zu guten oder schlechten Beziehungen führen sollen. Im ersten Teil ging es noch darum, wie „ganz gewöhnliche Menschen“ denken, wie der Stand der Wissenschaft ist und was uns davon tatsächlich betrifft. Und ohne Umschweife vorab: Die Sache mit den Flaggen ist für mich ein Akt der Volksverdummung.

Flaggen als Zeichen für sinnvolle Partnerschaften?

Grün ist nicht nur die Farbe der Hoffnung, sondern auch ein neues Symbol bei der Partnersuche. Nur mit einem Geburtsfehler, denn eigentlich handelt es sich gar nicht um Flaggen, sondern um die Farben der Ampel.

Demnach heißt „Grün“: Ich rausche durch, ohne zu zögern oder anzuhalten. Das bedeutet in erster Linie, durch die Beziehung zu rauschen wie in der Limousine eines privilegierten Herrschers: Die Ampeln stehen immer auf Grün. Doch ist das die Wahrheit?

Nein, sie ist es nicht. Die Ampeln stehen nun mal nicht immer und überall auf Grün. Und der Traum vom sanften Hineingleiten in eine erfüllte Beziehung hat auch ein anderes Gesicht, nämlich möglichst viel emotionalen Profit aus einer Beziehung herauszuholen.

Grüne Flaggen für Egoistinnen (und Egoisten)

Von den 27 Einzelpunkten für das „Grün“ auf dem Weg zur Beziehung, die ich in einem Beitrag fand, war die Mehrheit auf persönlichen Gewinn ausgerichtet oder darauf, was der Partner alles mitbringen muss, um selbst zufrieden zu sein. Nahezu alle Punkte hatten einen Hauch von: „Bereite mir eine Welt, in der du für mein Wohl sorgst.“

Das bedeutet: Wenn du zu viel grüne Ampeln voraussetzt, könnte es sein, dass du konfliktscheu bist oder insgeheim „auf Händen getragen“ werden willst. Dies wieder führt dazu, sich leicht täuschen zu lassen, denn heute wird dazu kaum noch jemand bereit sein. Und das könnte dann heißen: Wer behauptet, dich auf Händen tragen zu wollen, lässt dich bei Konflikten möglicherweise fallen.

Tust du anderen gut?

Dabei ist es nie falsch, zu fragen: Tut mir der/die andere gut? Es ist sozusagen die Kernfrage aller Beziehungen, vor allem aber der engen emotionalen Beziehung. Doch die Gegenfrage muss erlaubt sein: was kann ich eigentlich dazu beitragen, dass es uns beiden gut geht? Bin ich die Person, „die grünen Flaggen“ setzt? Oder kann ich es jedenfalls sein, wenn etwas Unvorhergesehenes auf uns zukommt?

Rote Flaggen mit Widersprüchen

Wechseln wir von Grün zu Rot. Die roten Flaggen oder roten Ampeln sind Bremser, die dich einerseits schützen und andererseits behindern. In einer Darstellung von „Roten Flaggen“ fand ich solche Widersprüche: Wenn die Partnerin / der Partner etwas zu schnell will, solltest du sie/ihn stoppen oder die rote Flagge zeigen. Ist er/sie aber zu zögerlich, dann ist dies für die Erfinder der „roten Flaggen“ offenbar auch nicht gut. Kurz: Es wird eine „Normalität“ im Beziehungsablauf unterstellt, die es gar nicht gibt.

Was die roten Flaggen wirklich sind

Um es einfach zu sagen: „Red Flags“ werden oft mit „das geht gar nicht“ gleichgesetzt. Dazu gehören alle Übergriffe und versuchten Eingriffe in die Persönlichkeit. Dazu zählt etwa, ständig „Elternteil“ für die andere erwachsene Person spielen zu wollen. Und selbstverständlich auch Zweifel an der Treue, Zuverlässigkeit und dem Wohlergehen. Wer sich nicht wohl mit einer Person fühlt, sollte nicht weiter mit ihr Kontakt halten. Ich gebe zu bedenken, dass die Zukunft nichts als die Fortsetzung der Gegenwart ist – nur mit dem Unterschied, eine Beziehung in der Gegenwart noch leicht beenden zu können. Mit jedem Tag der Abhängigkeit voneinander wird es schwieriger.

Gelb zeigt Änderungen an

Reden wir kurz über andere Farben. Die Ampel bietet uns noch „Gelb“ als Zeichen für den Wandel. Sie wechselt also von „Rot“ auf „Grün“ (oder umgekehrt) und gibt dazu eine Vorwarnung. Das Gelb bedeutet also, das sich eine Beziehung im Wandel befindet – und dies ist in beiden Richtungen möglich. Manche Autoren haben es als „zögern“ bezeichnet – aber „zu zögern“ ist normal, wenn es um die eigene Existenz geht. Solche Phasen des Zweifels an der Ampel erfordert die Entscheidung, nun abzubremsen oder Gas zu geben.

Flaggen mit Farben ohne Sinn: Orange, pink und grau

Inzwischen sind noch orange Flaggen hinzugekommen – da sollen die Unsicheren sein, die zwar eigentlich bei „geht gar nicht“ einsortiert werden müssten, aber sich noch entwickeln könnten. Ich habe gelesen, dass sie manchmal auch Pink genannt werden (ein etwas dunkleres Rosa). Diese Darstellungen sind selbstgefälliger Unsinn, wie auch das Wort „Dunkelorange“ bei einer wirklichen Ampelschaltung.

Von etwas infantil behauchten Bloggerinnen stammen die „grauen Flaggen“ für die „Langweiler“, die sie offensichtlich nicht genügend bespaßen oder ihren speziellen Humor nicht teilen.

Mein Rat: Nimm deine Fahnen runter – alle

Ich bin nun „durch“ mit den Flaggen. Mein Tipp: Nimm deine Fahnen vom Mast und roll sie ein. Gib anderen keine und steck dir selbst keine ans Revers. Die „Tipps“ mit den Flaggen, rot, grün oder andersfarbig, sind Pseudowissen. Und um den Satz endlich loszuwerden: Es könnte sein, dass die Autorinnen und Autoren von „Flaggenartikeln“ dich für zu blöd halten, um deine freien Entscheidungen zu treffen.

Hinweis: Auf welche Farbe die Ampel gleich wechselt und was die Farben wirklich bedeuten, wissen Fahrlehrer - jedenfalls bei richtigen Ampeln.