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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Weibliches Wesen, weibliche Moral und Wissenschaft

Nachdenken über den Wandel - irrt die Wissenschaft über "das Weibliche"?
Geht es euch auch so, dass ihr ein halbes Leben lang brav und angepasst wart? Und jetzt, über 40, befallen euch Sehnsüchte, die ihr aus „moralischen“ Gründen damals „abgewählt“ habt?

Die meisten von euch werden äußerlich sittsam bleiben - und einige werden kleine, „schmutzige“ Geheimnisse haben, über die sie nie im Leben reden würden.

Die Lüste der anderen - Stellvertreter in frivolen Büchern

Doch unendlich viele von euch würden gerne Geschichten lesen, in denen sich die frivolen Gedanken in die Realität verwandeln. Doch wohin greift ihr dann? Zu erotischen Märchenbüchern wie die „Shades of Grey“? Oder in die Schlammpfützen des Internets, die wir mindestens teilweise nicht einmal erwähnen dürfen? Oder vielleicht greift ihr gar zurück auf die absolut frivolen Schilderungen aus Internaten im viktorianischen England?

Viele sagen, all diese Bücher wären für Männer geschrieben worden. Doch die heftigsten Worte und die wildesten Handlungen wurden für Frauen geschrieben - und teils sogar von Frauen.

Das Wesen der Frauen - die Lügen der Wissenschaft

Wie auch immer. Die Gesellschaft und die Wissenschaft erklären uns das „Wesen der Frauen“ so, wie sie „das Weibliche“ gerne sehen würden. Und zwar völlig unabhängig davon, welcher Generation sie angehören oder welchem Geschlecht. Sogar unabhängig davon, wie konservativ oder progressiv ihr persönliches Frauenbild ist. Wir haben uns daran gewöhnt. Kaum jemand widerspricht. Zitat (1).

So wird also im Glauben an die Wissenschaft oder an Gott Mädchen und Frauen erklärt, wie sie zu fühlen (und) was sie zu empfinden haben.

Tief in uns Menschen wohnt das Säugetier. Der Mainstream der Wissenschaft hat kaum jemals bezweifelt, dass Männer sich „wie die Tiere benehmen“. Es wird immer wieder „bestätigt“. Penisse schwellen überall, sobald sich ein weibliches Wesen nähert.

Frauen - ohne den Schleier der Normen

Und Frauen? Wenn wir die gesellschaftlichen Normen ausblenden, wenn wir ihre geheimen Wünsche ergründen, wenn wir entdecken, was Frauen zeichnen, schreiben oder lesen, im Internet heimlich anschauen - dann bekommen wir ein anderes Bild. Höre ich Widerspruch? Ist es nicht genau die männliche Sicht, die sich da wieder hinter dem Samtvorhang zeigt? Lesen wir zuerst eine Passage aus einem absolut femininen Roman und wenden wir uns dann der wissenschaftlichen Wahrheit zu.

Im Roman „Fuchsia“ (2) heiß es (stark gekürzt).

Der Unterschied besteht zwischen den Bewegungen deines Hinterns und dem, was dein Mündchen mir erzählt. Deswegen trägst du auch dies Kleid, das kaum deinen Po bedeckt, und das bei jeder Bewegung dein Höschen freilegt.
Das mag euch als „übermäßig frivole Version“ der weiblichen Wünsche vorkommen. Doch rein wissenschaftlich ließe es sich auch so beschreiben: „Das, was aus deinem Mund und deinem Kugelschreiber quillt, ist nicht das, was der vaginale Plethysmograf uns sagt.“

Wer nicht weiß, was ein Plethysmograf ist: Ein Gerät, um die sexuelle Erregung der Frau zu messen - objektiv und ohne Umschweife.

Diese Untersuchungen werden nicht gerne gesehen - auch von vielen Wissenschaftlern nicht. Denn wenn sie wahr wären (was sie zweifellos sind), dann würden Frauen von visuellen Ereignissen erregt, die nicht mit dem gegenwärtigen Frauenbild konform gehen. Große Teile der Wissenschaft wären endgültig falsifiziert, von angeblichen „weiblichen Gehirnen“ bis zur Evolutionspsychologie. Die Wahrheit indessen ist gnadenlos (auch aus 1, stark gekürzt):

Frauen werden auf einem primitiven, animalischen Niveau erregt. Dies wird erkennbar, sobald man die Korrekturen des Verstands ausschaltet.
Was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. In einem wissenschaftlichen Report der Universität Texas wurde dies kürzlich beklagt (3):

Seitdem (seit 1980) haben sich die Fortschritte beim Verständnis der weiblichen sexuellen Reaktion erheblich verlangsamt. Tatsächlich haben sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten weltweit nur eine Handvoll Laboratorien ausschließlich auf die Untersuchung der weiblichen psychophysiologischen sexuellen Reaktion konzentriert.

Zwar haben sich im neuen Jahrtausend weitere, extrem überraschende Erkenntnisse ergeben - sie werden aber weiterhin nicht sonderlich ernst genommen. Nicht nur, weil sie dem Frauenbild nicht entsprechen, das die Wissenschaft sich zurechtgelegt hat, sondern auch, weil sie dem Menschenbild der Psychologie nicht entsprechen. Das Wort, das aus dem Mund quillt, zählt mehr als das Messergebnis einer Vaginalsonde.

Und was geht dich das alles an?

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Fast alles, was wir in unseren Jugendjahren sexuell erlebt haben, konnten wir nicht einordnen. Die Gefühle waren überwältigend, und für transparentes, differenziertes und präzises Erleben gab es gar keine Möglichkeit.

Und nun, mit über 40? Das können wir es erneut versuchen - gleich, ob wir darüber lesen, etwas darüber sehen oder ob wir es selber aktiv erleben.

(1) "What do Women want?", New York 2013.
(2) Fuchsia, Frankreich 1981
(3) Universität Texas.
Wirkungsweise des vaginalen Plethysmografen (für Interessierte):
Die Lichtquelle beleuchtet das Kapillarbett der Vaginalwand und das darin zirkulierende Blut. Die Menge an rückgestreutem Licht steht in direkter Beziehung zur Transparenz von angeschwollenem und nicht angeschwollenem Gewebe und dient daher als indirektes Maß für die Gefäßansammlung.
Hinweis: In diesem Artikel wurden zusätzliche Recherchen der Redaktion und weitere Quellen verwendet, die nicht im internet zu finden sind.

Gewöhnlich tust du das ganz Gewöhnliche, oder?

Was nun - das Gewöhnliche, oder ...
Bei so viel „heißen“ Themen im Oktober – wie ist das eigentlich mit dem „ganz Gewöhnlichen“? Na, wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir einer dieser Sprüche ein:

Ein Paar kommt zusammen, um Kinder zu zeugen und zu gebären, aufzuziehen und zu anständigen Menschen zu erziehen.

So etwas kann man mit der Religion oder mit der Natur begründen. Nur mit dem Unterschied, dass die Natur dem Menschen (und anderen Primaten) die Fähigkeit verlieh, jeden Tag und jede Stunde Lust auf Sex zu haben. Und zudem die Gabe, zur Erfüllung solcher Lüste auch Varianten zu erfinden.

Das Gewöhnliche und die Tabus

Und schon ergibt sich die Frage: Was ist denn nun das „Gewöhnliche“? Nach Auflassung einiger religiöser Dogmatiker ist es der Geschlechtsverkehr (PiV) zum Zweck der Zeugung. Aber das ist nun wieder eher die Absicht der Natur.

Und weil dies alle so ist, erfinden wie Menschen sowohl Erweiterungen und Ergänzungen als auch Tabuzonen. Als „Tabu“ galt bis in die 1950er-Jahren Oralverkehr und Analverkehr wurde nur heterosexuellen Wüstlingen und „Schwulen“ zugeschrieben. Das Volk ekelte sich öffentlichkeitswirksam vor Menschen, die es dennoch taten. Noch bis vor wenigen Jahren war es für Männer absolut undenkbar, den Cunnilingus auszuführen – ganz zu schweigen von Analstimulationen oder gar Fellatio. Bis heute verlangen sogenannte Hetero-Männer von Frauen Praktiken, die sie an sich selbst oder für sich selbst nie zulassen würden. Das alles lässt sich begründen, ohne jeden Zweifel. Aber die Begründungen sind fadenscheinig, denn auch für Frauen ist Fellatio wie auch Analverkehr nicht unbedingt ein Vergnügen, sondern eher eine Herausforderung.

Intimrasur ja - Sex nein?

Und wie war das mit dem Gewöhnlichen? Wir lesen immer wieder, dass Frauen nicht auf Dates gehen, ohne sich vorher die Schamhaare zu rasieren. Und es gibt eine große Anzahl von Frauen wie auch von Männern, die diese Praxis nicht normal finden.

Andererseits empfinden es manche Frauen als „ehrenrührig“, sich vor Dates auf die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs vorzubereiten – in diesem Fall nicht wegen der Schamhaare, sondern wegen des Wohlstands. Ich erinnere mich immer an den Spruch mit dem Regenschirm: Wenn du einen dabeihast, wird es wahrscheinlich nicht regnen. Sollte es aber doch regnen, bist du froh, dass du ihn aufspannen kannst. Das gilt sinngemäß auch für Kondome.

Vorbereitet sein ist alles

Das Gewöhnliche ist, bei Begegnungen auf alles vorbereitet zu sein – auf das Einlassen, auf den Rückzug, auf Küsse und Umarmungen, auf „Ja“ und auf „Nein“, und mindestens auf „gewöhnlichen“ Geschlechtsverkehr. Die Fragen mögen gar nicht aufkommen (wie die Sache mit dem Regenschirm) - aber es tut wirklich gut, immer vorbereitet zu sein.

Brav aussehen und heftig zuschlagen - die ultimative Dominanz?

Niemand weiß, was hinter der Stirn vorgeht ...
Wenn eine Frau einen natürlichen, unschuldigen Gesichtsausdruck hat, zieht sie unweigerlich Männer an. Sie wird von naiven wie von durchtriebenen Männern angesprochen, teils, weil sie „nahbar“ wirkt, teils, weil sie als „naiv“ empfunden wird.

Doch das „unschuldige Gesicht“ ist nicht die ganze Person. Schon eine geschliffene Sprechweise oder eine erkennbare Bildung überrascht manche Männer. Ein ungewöhnlicher Beruf oder ein starker Wille verwirrt sie umso mehr, denn Menschen glauben oft, dass uns der „Charakter im Gesicht geschrieben steht“.

Neben den Männern, die von jeglicher Mehrdeutigkeit abgeschreckt werden, gibt es allerdings solche, die darauf fliegen wie die Motten. Und weil das nicht nur für das „Leben an sich“ gilt, sondern auch für die Wollust, finden wir unter diesen Männern auch jene, die sexuelle Dominanz suchen.

Die Liebe zur sanften, aber machtvollen Frau

Eine der Quellen
Mag sein, dass einige von ihnen großgewordene Exemplare jener Jungs sind, die heimlich in eine ihre Lehrerinnen verliebt waren. Sie suchten ihre Nähe, waren gar bereit, zur Strafe den Physiksaal aufzuräumen, wenn sie dadurch länger mit ihrer Lehrerin zusammen sein konnten. Oder war es die sanfte Mitschülerin, die Co-Auszubildende, die Kommilitonin, die ein zweites, machtvolles Gesicht hatte, das der junge Mann auf sich einwirken lassen wollte und dabei keine Strapaze scheute?

Rekrutenschinderinnen und böse Tanten in Korsetts?

Wie auch immer - es gibt die Männer, die nach strengen, grausamen Frauen lechzen, deren Gesichter verhärtet sind. Frauen, die wie Rekrutenschinderinnen in Korsetts wirken oder die einfach der grausamen Erzieherin im Kinderheim oder gar der ungerecht strafenden Mutter ähnelten.

Oder die erregende Nähe einer strafenden Frau genießen?

Und es gibt diejenigen, die sich Liebe, Lust und Schmerz aussetzen wollen, um die erregende Nähe einer schönen Frau zu genießen. Und also begeben sie sich in die Wohnungen, Studios und schließlich in die Hände von süßen, äußerlich sanften, liebevoll aussehenden Frauen. „Sie träumen davon, das Böse in ihrer Herrin auszulösen“, sagte eine junge Frau über die Motive.

Wie das gehen kann, beschreibt eine junge Domina so:

Der Kontrast zwischen meiner braven Ausstrahlung und dem, was ich zu tun in der Lage bin, erweist sich als unwiderstehlich für die Männer. Zuerst versuchen sie, noch einen Blick auf meine Brüste zu erhaschen und manchmal ertappte ich sie dabei, wie sie versuchten, mir schamlos auf den Schritt zu sehen. Dann brauchten sie ein paar Ohrfeigen - das half immer.
Sicher - einige Männer würden dem nicht zustimmen. Sie suchen eine Dompteurin, eine Feldwebelin oder eine Foltermagd, die nicht lange fackelt, nachdem das Szenario besprochen wurde.

Doch offensichtlich ist der Kontrast zwischen „sanft und weich“ einerseits und „hart und fordernd“ anderseits ausgesprochen gefragt, und so zitiere ich aus einer anderen Quelle erneut:

Man hätte mich als das „Mädchen von nebenan“ beschreiben können, blond und schlank. Doch hinter meinem unschuldigen Blick lauerte ein Dämon, der einen Rohrstock so zu handhaben weiß wie jede andere professionelle Domina. Und mein „unschuldiges Äußeres“ ist ein Teil meines Charmes.

Viele dominante Frauen behaupten, sie könnten „jede beliebige Rolle spielen“. Das ist recht hoch gegriffen, denn nicht einmal jede Schauspielerin kann jede Rolle gleich gut auf die Bühne bringen. Doch es gibt eine verborgene Wahrheit, die sich etwa so anhört:

Du fühlst dich viel wohler beim Dominieren, wenn du eine dominante Version deines Selbst hervorbringen kannst. Das heißt, du bist schlechter dran, wenn du das Verhalten anderer dominanter Frauen imitierst oder das übernimmst, was du einmal drüber gelesen hast.

Etwas, das „ganz gewöhnliche Vanille-Frauen“ nicht begreifen, ist die Tatsache: Spielerische Macht auszuüben kann ein Vergnügen sein. Und dies umso mehr, wenn sich ein sanfter, schüchterner Mann nähert, der eher schamvoll auf eine Frau zugeht.

Den schüchternen Mann strafen und entwürdigen?

Die brave, liebevolle Dominanz lädt geradezu dazu ein, erst nach und nach „den Dämon“ herauszulassen. Wir reden hier von Sofalehnen, Strafböcken und sogar vom beliebten „übers Knie legen“, bei dem der Körperkontakt ausgesprochen intensiv empfunden wird. „Manche dieser Männer erfreuen sich zu sehr an Schlägen“, berichtet eine junge Frau, und das ergäbe dann einen eher unerwarteten, für den Klienten entwürdigenden Dialog. Und natürlich - weitere Strafen. Womit der Kreis zwischen dem, was ein Unschuldsengel nicht tolerieren kann oder an welcher Stelle der böse Dämon die Macht übernehmen muss, geschlossen wäre.

Zitate und Informationen aus Foren, Blogs, BadGirlsBible, sowie ausführlich von Adrianna Taylor und Shawna Kenney, beide Buch-Autorinnen.
Bildquelle: Liebesverlag-Archiv.
Hinweis: Jedes Zitat entspricht in Wortlaut und/oder Sinn den Worten der ursprünglichen Autorinnen.

Die Lust über 40 - wohin damit?

Der Blick in den Spiegel ... wer sieht mich da an?
Wenn du über 40 bist (oder gar über 50, das soll ja „das neue 40“ sein), dann machst du dir vielleicht so deine Gedanken.

Zum Beispiel solche (1):

Ältere Frauen werden nicht für ihre Weisheit und ihr Selbstvertrauen oder ihr umfangreiches Wissen und ihre Erfahrung in Bezug auf Sex gefeiert, sondern nur für ihre Fähigkeit, "für ihr Alter gut auszusehen"

Wer entscheidet, ob du noch knackig genug bist?

Na schön. Mit 40 wirst du nicht mehr als „Milf“ (2) angesehen, es sei denn, du bist schlank und extrem knackig. Sobald dein Gewicht zunimmt, deine Brüste erschlaffen und du dich nicht mehr ohne Weiteres vor einem Kerl ausziehen magst, bist du optisch als Geliebte nicht mehr „marktfähig“. So jedenfalls die Vorurteile und Hemmungen.

Ist es dein Körper, der dich hindert?

Oder ist das alles ganz anders?

Ich frage dich mal etwas: Wovor hast du mehr Angst: Davor, dass er deine Hülle als „angejahrt ansieht“ oder davor, dass die kleinen Mäuschen hinter deinem Ohr piepsen: „Das darfst du nicht tun?“

Was darfst du nicht? Dich selber berühren und zum sexuellen Genuss bringen? Dich von anderen berühren lassen, die dich zum Jauchzen bringen? Oder andere so wild machen, dass sie laute Schreie aussenden, um ihre Lust hinauszuschreien?

Frage dich einfach, ob es wirklich dein Alter ist, das dich hemmt. Oder dein Körper, der nicht „wirklich perfekt“ ist. Oder sind es die Mäuschen, die dich hindern?

Manchmal ist es wirklich sinnvoll, ein bisschen spielerisch mit der Intimität umzugehen. Und die Frage, die dir jeder (außer den Mäuschen) stellen wird, ist: „Was kann den schlimmstenfalls dabei passieren?“

(1) Zitat: Wir zitierten aus einem Blog, auf den wir leider nicht verlinken können, weil dessen Vokabular unangemessen ist.
(2) Das Wort mag nicht gerade seriös sein. Aber es zeigt, dass Frauen über 40 immer noch sexuell begehrt werden.
Bild: Unbekannter Künstler

Dominanz ist durchaus weiblich

Oft reicht der strenge Blick ...
Warum sollte eine Frau, die über genügend erotische Energie verfügt, mentale Stärke und einen Hang zur Dominanz hat, einen Mann nicht beherrschen? Der einzige Grund könnte daran liegen, dass sie andere Pläne im Leben verfolgt. Denn was wir Menschen mit unseren Eigenschaften „anstellen“, liegt im Wesentlichen darin, welche Ziele uns als erstrebenswert erscheinen.

Motiv, Gelegenheit und "Opfer"

Das Motiv wäre also leicht zu finden: Diese Frauen wollen versuchen, durch die Kraft ihrer erotischen Ausstrahlung den Wunsch nach Macht über andere zu verwirklichen. Was fehlt, so würden die Kriminalisten sagen, wäre die passende Person und die Gelegenheit.

Wen also sollte wundern, dass „so etwas“ tatsächlich geschieht?

Konservative Frauenbilder verzerren die Realität

Eine Autorin schrieb unlängst, es handele sich bei weiblicher Dominanz nicht um wirkliche Macht. Denn eine Frau, die einen Mann beherrscht, könne dies nur tun, wenn er sich für die Rolle des Opfers aus eigenem Willen entscheide. Dazu müsse jener Mann aber seinen „masochistischen Wünschen Ausdruck verleihen“.

Nun gut – das mag jemand so sehen, der sich in die „einschlägige Literatur“ vertieft. Und die kennt die „Femme fatale“, die ethisch fragwürdige Frau, die Männer in den Abgrund zerrt und sich selbst dabei ruiniert. Sei sie zugleich „Wunschbild und Schreckbild“ – und all dies, weil sie ja „eigentlich“ eine Erfindung der Männer wäre.

Dem liegt die absurde Erkenntnis zugrunde, dass Frauen nie aus eigenem Willen handeln. Zudem wird angenommen, dass sie ihre erotischen Ressourcen weder erkennen, noch willentlich nutzen noch missbrauchen. Und schließlich wird, wie leider so oft, dabei unterstellt, von Frauen ginge gar keine derartige Initiative aus. Die wird erst wachgerufen, wenn ihr ein Mann seine masochistische Ader offenbart.

Macht verlockt und verführt

Das alles ist eine fadenscheinige Konstruktion. „Macht“, wie immer sie erreicht werden kann, verlockt Frauen wie Männer. Und jede Frau und jeder Mann wird dabei eines Tages feststellen: Allein mit Edelmut und besten Absichten lässt sie sich nicht gewinnen. Und weil das so ist, verfallen nahezu alle darin, sich ein klein wenig vom linearen Weg abzusetzen. Dies wieder bedingt, dass auch Ressourcen genutzt werden, die als unethisch gelten.

Zudem sind Machtgefälle und Machtgewinn nur zum Teil geschlechtsbezogen – jedenfalls heute. Frauen nutzen mittlerweile so gut wie alle Machtmittel, die man zuvor nur Männern zuschrieb. Und sie benutzen sie nicht nur, ums ich gegenüber Männern durchzusetzen, sondern auch gegenüber Konkurrentinnen.

Außerdem wirken sowohl starke erotische Persönlichkeiten wie auch solche, die mental stabil sind, auf andere Menschen beeindruckend. Und dies auch ohne dass sie dabei manipulativ vorgehen müssen.

Der Unterschied zu früheren Zeiten: Die Frau, die mithilfe ihrer Persönlichkeit Macht erringen wollte, musste eine Nische besetzen. Heute kann sie aus der Mitte des Lebens heraus handeln.

Und die „Femme fatale“ der Neuzeit? Sie ist längst keine „Ausgeburt männlicher Wünsche mehr.“ Sie ist vorhanden, schreibt durchaus auch mal einen Roman, und weiß nicht nur mit lechzenden Männern umzugehen, sondern auch Frauen in ihren Bann zu ziehen.