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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Woche: Begierden, Preise der Liebe, Lüste durch Zehen und Finger und etwas Interna

Eigentlich wollte ich mich diese Woche mit „braven“ Frauen/Männern beschäftigen. Und dazu den Kontrast mit jenen herausarbeiten, die eher am Genuss des Moments interessiert sind. Das kostet Zeit und noch etwas mehr Mut, als ich diese Woche hatte. Zusammen mit meiner Serie über Gefühle liegt nun beides auf Eis.

Der Preis der Liebe steigt inflationär

Stattdessen wurde ein Artikel über den „Preis der Liebe“ daraus, der gegenwärtig inflationär steigt. Übrigens hat dieser Artikel weder seinen Ursprung noch eine Beziehung zu diesem neuen Buch, das jedes bessere Feuilleton bespricht: „Was ist sexuelles Kapital?“ Von Dana Kaplan und Eva Illouz. Das sollen die Soziologen meinetwegen zerkauen, bis es in Vergessenheit gerät.

Wer mach den ersten Schritt zur Liebe?

Für euch ist sicher wichtiger, wer den „ersten Schritt“ macht, und in der öffentlichen Meinung wird selbstverständlich diskutiert, ob es für Frauen angemessen ist, dies zu tun. Wieder so eine typische Diskussion über das Lieblingsthema der Presse: „Frauen sind ganz anders als Männer“. In Wirklichkeit ist es aber etwas anders: Wer jemanden anspricht, nimmt die beiden möglichen Konsequenzen in Kauf, abgewiesen oder angenommen zu werden. Und da frage ich mich: Gut, wenn ein „Nein“ ein „Nein“ ist, was bedeutet dann ein „Ja“?

Nichts als Dummheiten über Dating

Am sogenannten „Dating“ komme ich nie ganz vorbei. Was ihr dieser Tage lest, stammt entweder aus den Anfangszeiten des „Dating“ im Übergang zum „Online-Dating“ oder aus der Tinderella-Fraktion. Dabei wird allerdings klar: Es wird ringend Zeit, wirklich innovative Arten des Kennenlernens zu finden, weil der Frust inzwischen tief sitzt – bei Frauen wie bei Männern. Die Gründe sind eigentlich bekannt: Partnersuchende bewerten sich selbst zu hoch, wählen ihre Partner nach unsinnigen Kriterien aus und sind weder offen noch tolerant genug, es „einfach mal mit jemandem zu versuchen“. Besonders merkwürdige Informationen über „Spontanhochzeiten“ und angeblich revolutionäre neue Möglichkeiten wollte ich euch nicht vorenthalten.


Sei frei und offen – mach, was du willst

Inzwischen gibt es einzelne Stimmen (überwiegend von Frauen, um Gerüchten vorzubeugen), die anderen sagen: „Mach doch einfach, was du willst, und achte nicht darauf, was andere von dir denken.“ Diese Einstellung steht im Kontrast zum „Geburtsfehler“ des Datings, der auch ins Online-Dating hinübergewandert ist: „Spiele jemanden, den Männer mögen.“ In Abwandlung heißt das auch: Stelle diese oder jene Fragen oder stell sie nicht, benimm dich in dieser oder jener Art … und im Endeffekt heißt das: Spiel mit ihm /ihr ein Spiel, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Die Lust an Füßen und Zehen sowie Händen und Fingern

Kommen wir zu einem verpönten Thema: die Liebe zu Hand und Fuß. Klar: Wer nur Hand und Fuß liebt, und nicht das, was dazwischen liegt, der ist ein Fetischist. Doch meist werden die äußersten Punkte des Körpers wenig beachtet: Hände und Füße, Finger und Zehen. Sehr sensible und wahrhaftig erogene Zonen, wie manche meinen.

Demnächst: der Körper weckt Lüste

Warum ich nicht über die Lüste an Brüsten und Gesäßen geschrieben habe? Weil darüber mal etwas wirklich Neues fällig wäre. Und weil es – bis auf wenige Ausnahmen, eben die Gelüste der Männer betrifft, die ohnehin immer wieder im Vordergrund stehen. Themen gäbe es ohnehin genug, und ich las dieser Tage wieder mehrfach, was provokative Kleidung an Frauen bewirkt, nicht bewirkt oder nicht bewirken darf, obwohl sie es bewirkt. Klarer Fall von Konfliktthema.

Flirts und Verführungen, Dates und die „Friendzone“

Na, ein bisschen davon könnt ihr im Artikel über die Friendzone lesen. Wir versuchen dabei, herauszufinden, warum bei manchen Begegnungen Spannung und Feuchtigkeit in Jeans und Slip entstehen und bei anderen nicht und was Flirts damit zu tun haben. Und wir machen den Versuch, den „Schmetterlinge im Bauch“ durch das zu ersetzen, was er ist: „Aufkommende Geilheit.“

Abgesang für heute

An diesem Freitag türmen sich die Ideen auf meinem Schreibtisch, über die gründlich recherchiert werden müssen und die viel Sorgfalt verlangen. Und klar wird wohl auch dies sein: Die Liebeszeitung wird nicht zu einem sanften Miezekätzchen werden, das vor dem Ofen schnurrt. Und in diesem Sinne: ein aufregendes Wochenende für euch.

Erotische Demütigung - heiße Kartoffel oder lustvolles Spiel?

Endwürdigung und Demütigung im Rollenspiel
Die erotische Demütigung ist ein Begriff, der zu den „heißen Kartoffeln“ der Autorinnen und Autoren von Ratgeber gehört. Doch in Wahrheit ist das Thema gar nicht heiß, sondern bewegt sich im Rahmen von zwar ungewöhnlichen, gleichwohl inzwischen sehr beliebten „Spielen, die Erwachsene spielen“.

Beginnen wir mal ganz einfach: Demut ist im allgemeinen Sprachgebrauch nichts „an sich Schlechtes“, ja, Demut wurde oft als Tugend angesehen, vor allem aus der Sicht des Christentums. Indessen sah die bürgerliche Welt dies bereits im 19. Jahrhundert völlig anders:

Demut, als das Gegenteil von Hochmut, ist die Herabsetzung oder Erniedrigung der eigenen Person unter andere. (Beruht sie) … auf einem Verkennen der eigenen Kräfte und auf einer Zaghaftigkeit, von denselben im Wetteifer mit anderem vollem Gebrauch zu machen, so ist sie eine tadelnswerte moralische Schwäche.

Die Demütigung wird allgemein als eine „Herabwürdigung“ angesehen, wobei die „innerliche Demütigung“ positiver gesehen wird als die sichtbare, äußerliche Demütigung, die sich auch körperlich zeigt. Die positive Bewertung der inneren Demut mag dran liegen, dass diese Form der Demut lange Zeit als äußerst positiv bewertet wurde. „Sich in der Demut des Herzens“ zu üben, so sagt man, würde „gute Menschen machen und große Gedanken erzeugen“.

In alten Zeiten las sich das so:

Äußerlich gedemütigt ist derjenige, dessen Macht, Kraft und Ansehen gebrochen oder niedergedrückt ist. Innerlich derjenige, dessen Selbstgefühl herabgestimmt oder verletzt wird und der beschämt wird.

Im Grunde können wir durchaus bei den Definitionen bleiben. Die äußerliche Demütigung zeigt sich darin, dass andere über uns verfügen können, indem sie Machtmittel aller Art einsetzen – sogar Strafen und unter ihnen eben auch Züchtigungen. Die innere Demütigung würde uns heute als „emotionale“ oder „psychische“ Demütigung begegnen, und zudem gäbe es noch eine geistige Demütigung, die darin bestünde, unsere Gedanken abzuwerten.

Das Gebiet der „erotische Demütigungen“ zu behandeln, gleich einem Tanz auf einem Minenfeld. Denn erotische Demütigungen dürfen nach dem Menschenbild, das wir vor uns hertragen, gar nicht sein. Und doch scheint es für viele Menschen so interessant zu sein, dass sie viel Stunden damit verbringen und viele Gedanken darauf verwenden. Sie tun dies durchaus in dem Bewusstsein, Demütigungen zu erzeugen oder zu ertragen.

Annahmen und Meinungen über den Wunsch nach erotische Demütigungen

Wenn wir uns fragen, was sie dazu bewegt, sind einfache Antworten billig. Das Übliche aus dem Katalog der Küchenpsychologie: Kindheitserlebnisse, schlechte Erfahrungen mit den Mitmenschen, speziell mit dem anderen Geschlecht. Dazu die üblichen „-ismen“, also Fetischismus, Sadismus, Masochismus und was den „klugen Köpfen“ der Wissenschaft sonst noch dazu einfiel. Dabei handelt es sich freilich nicht um Fakten, sondern um Annahmen.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass „Einordnung“ ein Teil des naturhaften Bedürfnisses ist, in der Gruppe einen Platz zu finden. Dadurch entstehen Hierarchien, und zwar unabhängig davon, ob wir sie wollen oder nicht. Es geht also zunächst nicht um „Demütigungen“ oder „Abwertungen“, sondern um eine Bewertung des eigenen Standorts in einer gegebenen Hierarchie.

Nun kommt erst die „eigentliche“ erotische oder sexuelle Komponente hinzu. Und mit ihr ein Spiel, das gewissen Regeln folgt. Beginnen wir einmal mit den vermeintlichen „Opfern“, also denen, die sich nach Abwertung sehnen.

Wie die erotische Demütigung beginnt, wenn sie gewollt ist

Wer gedemütigt werden will, muss einem anderen signalisieren, dass er dazu bereit ist. Dazu muss er sich sicher sein, die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen, was letztlich bedeutet, „irgendwie“ auszudrücken, dass man sich dem Willen des anderen unterwerfen wird. Dabei gilt derjenige, der nach Demut giert, als der „Initiator“.

Das mag bei den Verhältnissen verständlich sein, die man als „kommerziell“ einordnen würde: hier die „Domina“, dort ihr „Klient“. Doch es bleibt im Nebel der Zweierbeziehungen, wie dies unter „festen Paaren“ abläuft.

Lassen wir einmal die Details weg, dann hegt mindestens einer von beiden den Wunsch, sich als Spieler in einem dominanten oder devoten Rollen zu profilieren. Ob Zufall, Fügung oder Provokation: Irgendwann beginnt die Angelegenheit, Konturen zu zeigen.

Etwas verbrämt ausgedrückt heißt dies:

Zustimmung und paradoxerweise ein hohes Maß an Bewusstsein und Kommunikation (ist) erforderlich, um sicherzustellen, dass das Ergebnis auch tatsächlich wünschenswert ist.

Und wünschenswert ist dabei eine enorme psychische Erregung, die meist mit sexueller Erregung verbunden ist. Solche Lüste sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie praktizieren, sodass niemand verbindlich sagen kann, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Alle, die diese Spiele praktizieren, mussten erst lernen, was ihnen noch Freude bereitet und was ihnen lästig wird – und zwar auf beiden Seiten.

Abseits aller Theorie: was ist dir peinlich?

Wem das alles zu theoretisch ist, der möge sich vergegenwärtigen, was ihm selbst alles „peinlich“ wäre. Viele Peinlichkeiten regen aber durchaus auch an. Das simpelste Beispiel ist Nacktheit. Sie kann köstlich sein, aber auch peinlich, wenn alle bekleidet sind und man selbst nackt bleibt. Die Kataloge psychischer, aber auch körperlicher oder taktiler Demütigungen sind voll von solchen „Entwürdigungen“, die zugleich ein hohes Erregungspotenzial haben. Um einige Beispiele zu nennen: Ungewöhnliche oder gar entehrende Kleidung zu tragen, jemandem einzelne Sinneswahrnehmungen zu entziehen oder die Gelenke zu fixieren reicht oftmals schon aus, um die Gefühlswelt umzukrempeln.

Das Fazit - beidseitig gewünschte erotische Demütigungen

Ich habe versucht, euch so sanft wie möglich und so zurückhaltend wie nötig zu erklären, warum erotische Demütigungen zum Spiel der Liebe, der Lüste und der Sinne hinzugefügt werden können.

Was dir oder euch wirklich „guttut“ kann euch niemand sagen. Versuch es einfach, wenn du magst und hör wieder auf damit, wenn es dir nicht gefällt.

Zitate aus Bockhaus (19. Jahrhundert), Grimm, Meyers (und einer modernen Interpretation von "erotischer Demütigung").Bild: Japanische Zeichnung, undatiert

Die üblichen erotischen Fantasien - und die weniger üblichen

Sind Fantasien über Nacktheit noch populär?
Das, worüber wir fantasieren, ist das, was wir nicht haben. Das lässt sich weiter ausführen, indem wir sagen: Wir fantasieren über erotische Erlebnisse, die uns innerlich bedrängen, die wir aber im wahren Leben nicht verwirklichen können. Teils sind es Fantasien, die uns zugleich befremden und erregen, und zu einem anderen solche, die uns soweit „ins Abseits“ stellen würden, dass uns selbst wohlmeinende Freunde meiden würden.

Was wissen wir über die geheimen Lüste?

Zunächst wissen wir heute, dass die Fantasien von Frauen und Männern durchaus ähnlich sind. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die Lüste der Männer breiter gefächert sind als jene der Frauen. Sodann ergibt sich, dass Frauen viel häufiger über aktive Dominanz fantasierten als angenommen, während Männer sich häufiger in der Rolle der Unterwerfung sahen, als erwartet wurde.

Eine Beobachtung der Forscher folgend, rechneten Frauen aber nicht damit, dass sie ihre Fantasien in die Tat umsetzen würden. Die Männer hingegen suchten zumindest nach Wegen, einige ihrer Wünsche zu verwirklichen.

Kuscheln und Lüste mit Vanillesoße

Welche Fantasien sind wirklich häufig wie Gänseblümchen? Beginnen wir einmal mit den Vanille-Erfahrungen: Blümchensex mit einem vorhandenen Partner oder einem Fremden. Die Befragten schwankten dabei zwar zwischen Kuschelromantik und Abenteuer, doch letztlich ergab sich eine Mehrheit für die Romantik, gefolgt vom Abenteuer mit Fremden und der Lust an gegenseitiger Masturbation. Die Antworten von Frauen und Männer lagen dabei in einem Bereich von „mehr als zwei Drittel“ bis hin zu 90 Prozent.

Mundverkehr – keine Einbahnstraße

Orale Fantasien sind orale Verlockungen
Eine der Überraschungen ergab sich bei der Abfrage von oralen Kontakten, sei es Cunnilingus und Fellatio in der Kombination oder separat. Generell fantasierten Frauen wie auch Männer darüber häufig. Beim gemeinsamen Genuss von Oralkontakten waren es über 75 Prozent, während nahezu 80 Prozent angaben, in ihren Träumen Cunnilingus zu geben. Davon, Fellatio zu geben, träumten immerhin noch fast drei Viertel der Frauen. Männer, die in ihren Fantasien Fellatio gaben und Frauen, die den Cunnilingus aktiv vollziehen wollten, landeten immerhin noch im Bereich zwischen einem Viertel und einem Drittel.

Haremsgedanken und Damenwahl

Was sich bei Oralkontakten zeigte, wiederholte sich bei den Triolen und Orgien. Die Männer führten dabei mit 84 Prozent, soweit nach „Triolen mit zwei Frauen“ gefragt wurden, und sie folgten auch dem Prinzip: „Je größer der Harem, umso mehr will ich der Pascha“ sein (75 Prozent). Doch bereits, wenn man Männer befragte, ob sie in der Fantasie an einer gemischten Gruppe mit mehr als drei Personen teilnehmen würden, sackte der Anteil auf 16 Prozent. Die Frauen dachten ganz anders. Mehr als die Hälfte fand diese Fantasie erregend – der Grund dafür könnte sein, dass es für Frauen attraktiv ist, aus einer Gruppe von Männern wählen zu können.

Lechzen nach Unterwerfung und roten Gesäßen

Sinnliche Dominanz ist ausgesprochen häufig in der Fantasie

Ein Anzeichen für den Wandel der Geschlechterrollen sahen viele Beobachter in den Zahlen, die man über Domination und Submission gewinnen konnte. Sowohl Frauen wie auch Männer erregte die Fantasie, Macht über ihre Partner(innen) auszuüben, und auch die Lust, diese Macht zu spüren, lag bei beiden Geschlechtern über 50 Prozent. Dabei waren durchaus unterschiedliche Empfindungen im Spiel, zum Beispiel wurden passive Fesselungsgelüste häufiger genannt als aktive. Und mit Schlägen nach Art des Herrn Grey und der Frau Anastasia konnten sich deutlich weniger Frauen und Männern anfreunden. Immerhin lagen die Zahlen auch hier noch im Bereich von einem Drittel der Befragten. Hier zeigten sich auch deutlichere Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Davon, Frauen zu züchtigen, träumten fast 44 Prozent der Männer, aber nur etwa 24 Prozent der Frauen erregten sich in der Fantasie dadurch, Männer zu züchtigen.

Auf der anderen Seite des Zauns

Das gleiche Geschlecht - sanfte Realität, heftige Fantasie
Aus verschiedenen Studien geht inzwischen hervor, dass die Lust am eignen Geschlecht verbreiteter ist, als man zuvor annahm. Zumindest für Frauen wurde dies wissenschaftlich erhärtet, sodass es kaum verwundet, wovon Frauen träumen. Mehr als ein Drittel der Befragten Frauen grasen in ihren Fantasien auf der anderen Seite des Zauns. Männer sind zurückhaltender, aber unter den 20 Prozent, die entsprechende Gelüst zugaben, waren sicherlich auch heterosexuelle Männer.

Und alles andere?

Einige der sinnlichen Träume, zum Beispiel, Menschen nackt zu sehen, oder sich anderen nackt zu zeigen, haben wir ignoriert. Zudem fanden wir zu wenig eindeutige Daten über anale Lüste heterosexueller Frauen und Männer. Fetische oder fetischistische Aktivitäten waren für meine Begriffe nicht ausreichend spezifiziert, ebenso wie die unterschiedlichen Arten der erotischen Unterwerfung. Wir fanden, dass erotische Flexibilität offenbar in den Träumen zunimmt, während sie in der Realität weitgehend geleugnet oder aus sozialen Gründen nicht praktiziert wird.

Findet ihr euch in diesen Träumen wieder?

Um sich dessen bewusst zu werden, ist nötig, gewisse Schranken des Alltagsdenkens zu durchbrechen. Was vorstellbar ist, offenbart sich nur für diejenigen, die sich in eine Situation vertiefen könnte, nicht für diejenigen, die an der Oberfläche ihrer Gedankensuppe Buchstaben zu finden hoffen. Und in diesem Sinne: Taucht ruhig einmal ab in eure Traumwelten, so wie Millionen andere Menschen auch.

Quellen: Wir nutzen mehrere Quellen. Einige befinden sich in im Archiv der Liebeszeitung - sie gelten als besonders zuverlässig. Andere finden sich in der Fachliteratur und in psychologischen Zeitschriften, zum Beispiel in "Psychology Today" Auch populärwissenschaftliche Publikationen wie diese sind gelegentlich hilfreich.

Wenn sein Gesicht zum Sitzplatz wird

Ungewöhnliche Konstellation oder ein Vergnügen besonderer Art?
„Facesitting“ ist im Grunde keine typische Sexposition, und sie kann auch kaum als Fetisch bezeichnet werden. Im Grund ist sie nichts anderes als die totale Hingabe des Mannes an den Cunnilingus, den er so lange ausführt, wie es die Frau wünscht. Das Besondere daran: Der Mann sieht zur Decke, und die Frau platziert ihren Unterleib auf seinen Lippen.

Was mag einen Mann dazu bewegen, sein Gesicht als „Sitzplatz“ für eine Frau anzubieten?

Im Grunde kann er zwei Gelüste haben, die ihn in diese Position bringen:

Für die Liebhaber des Cunnilingus bieten sich die Möglichkeit, im Rollenspiel anzunehmen, er würde zu etwas gezwungen, was er nur allzu gerne tut. „Sehen, schmecken, riechen und den Erfolg der Simulation genießen.“ Es wirkt wie ein Zauber – und der Mann kommt aus seiner Rolle nicht so schnell frei, was wieder die Frau begeistert.

Hat der Mann hingegen die Tendenz, sich Frauen zu unterwerfen, so genießt er die Aufgabe jeglicher Kontrolle. Für ihn ist es in Ordnung, wenn ihn die Frau demütigt, und benutzt, um ihre Gelüste zu befriedigen, seien sie psychisch oder physisch.

Viele Paare benutzen – unabhängig von der Art der Unterwerfung – Spielzeuge aus den Regalen von BDSM-Spezialgeschäften. Interessant sind vor allem Augenbinden und sehr weiche Lederhandschellen, denn schließlich soll er ja keine eigenen Aktivitäten entwickeln. An dieser Stelle erlaube ich mir eine Randbemerkung: Es gibt keine plausible Erklärung dafür, warum Frauen kein passives „Facesitting“ mit anderen Frauen betreiben sollten. Vermutlich ist dies ein Bereich, über den nicht gesprochen wird.

Technische Probleme

Am häufigsten diskutiert werden Gewichtsprobleme: Athletische Frauen können sich in der Regel vorstellen, ein Gewicht von – sagen wir mal – 60 Kilo auf dem Gesicht eines Mannes auszubalancieren. Wie aber stellt es die Frau an, 180 Kilogramm auf Nase und Lippen zu bringen, ohne den Partner zu schädigen?

Eine Frau, die Facesitting praktizierte, erklärte es uns:

Das Wichtigste ist, dein Gewicht nicht „wirklich“ auf das Gesicht deines Partners zu legen (oder deiner Partnerin)?

Zunächst, so hörten wir, solltest du versuchen, über ihm/ihr zu knien. Damit ruht dein Gewicht auf deinen eigenen Beinen. Nun robbst du dich soweit heran, dass sich deine Oberschenkel auf beiden Seiten seines/ihres Kopfes befinden. Dein Blick sollte dabei nach vorn gerichtet sein. Das ist jedenfalls die beste Ausgangslage. Falls du diese Position auf einem Bett einnimmst, versuche, dich am Kopfteil festzuhalten. Wenn du einen festen Halt findest, kannst du deinen Körper wesentlich besser positionieren. Du beginnst damit, dass du dich von der etwas erhöhten Position direkt auf sein Gesicht herabsenkst. Ist das geschehen, so kannst das Vergnügen beginnen.

Ich empfehle sehr, ihm nicht zu viel Bewegungsfreiheit zu lassen. Er soll sich ja auf dich konzentrieren. Möglicherweise musst du zu Anfang dafür sorgen, dass seine Hände immer schön parallel zur Bettkante bleiben. Das ist ja gerade der Sinn: Er tut etwas für dich – du tust nichts für ihn.

Übrigens habe ich wieder vergessen, dass dein Partner kein Mann sein muss.

Und indem ich das sage, komme ich zu der Frage, die du dir sicher schon lange gestellt hast: Mögen gewöhnliche Partnerinnen oder gar Ehefrauen „Facesitting“? Oder machen sie das nur, damit sich der unterwürfige Mann seine Trauben nicht woanders holt?

Mag eine ganz gewöhnliche Geliebte "Facesitting"?

Die Antwort fällt nicht leicht, weil „Facesitting“ eben auch von Prostituierten und sogenannten „Dominas“ angeboten wird. Ist es also eine Praxis, die eine „anständige“ Frau niemals ausüben würde?

Wir hörten, dass Frauen sehr unterschiedlich darüber denken. Wenn ein Paar schon damit experimentiert hat, dass die Frau zum Reiter und der Mann zum Ross wird, liegt nahe, in dieser Position auch Cunnilingus zu versuchen.

Je dominanter eine Frau, um so mehr liebt sie die Position

Allgemein, so schien mir, sind vor allem Frauen begeistert, die gewisse dominante Züge haben. Eine der Frauen, die freimütig darüber Auskunft gaben, schrieb, sie können in der Facesitting-Position mehr Druck ausüben. Und dies würde ihr sehr dazu verhelfen, intensivere Gefühle zu entwickeln als beim „normalen“ Cunnilingus. Eine andere sagte ebenfalls, sie könne die Geschwindigkeit und Intensität nahezu beliebig regulieren. Es sei so, als ob sie „die Zügel jederzeit in der Hand halten würde“, während sie ihm verbale Anweisungen erteile.

Und ganz generell? Die Frauen, die es gerne tun, genießen die Macht, die ihnen durch das Facesitting zuwächst. Und wenn zu der Macht noch die Lust kommt und Orgasmen als Lohn winken – was will frau dann noch?

Und was hätte ich noch nachzutragen?

Es gib viele lustvolle Spiele, in denen vor allem der Mann profitiert. Und in diesem Fall bekommt er nichts außer dem erregenden Kontakt mit deinem Unterleib. Da ist sein Lohn. Jedenfalls für heute. Morgen kannst du ein neues Spiel zu anderen Regeln beginnen.

Hinweise: Wenn du anderer Meinung bist, dann sag es uns. Die Quelle, die wir benutzt haben ist sicher und zuverlässig. Zahlen haben wir leider nicht - Cunnilingus an sich (ohne Facesitting) ist allerdings das Traumziel zahlloser Frauen und Männer. Grafik: Künstlerdarstellung von Liebesverlag.de

Fettleibigkeit und Dating - gib es eine Lösung?

Einige Extra-Pfunde sind sicher zulässig ...
Ich hörte gerade, wie schwer es für fettleibige Frauen ist, einen Partner zu finden. Das liest sich ungefähr so (2):

Ich kann dir nicht die soziale Anerkennung schenken, die dir eine schlankere Frau bieten kann, aber ich bin eine erwachsene Frau mit zwei Hochschulabschlüssen, einem Job (und) verschiedenen Nebenbeschäftigungen.

Freilich wird diese Anpreisung, die auch noch ein „schönes Lächeln“ und „Loyalität“ enthält, durch die Aussage entwertet: „Nimm mich, wie ich bin - ich kann nichts dafür, dass ich so bin.“ Oder gar: Ich in eine jener „unterdrückten Bevölkerungsgruppen, die Schutz verdienen.“

"Ein paar Extrakilos" oder Fettleibigkeit?

Die Fragestellung verdeckt andere: Zwar legen manche Männer (und auch Frauen) nicht sehr viel Wert darauf, ob jemand „ein paar extra Kilos“ hat.(1) Dennoch stört sie, wenn jemand die dreifachen Kilos mitbringt, die allgemein üblich sind. Und bei - sagen wir mal - 180 Kilo verblasst dann das schöne Antlitz, die gute Ausbildung oder die Summe der anderen Persönlichkeitsmerkmale. Ob zu Recht oder zu Unrecht?

Die Beurteilung deiner Schwierigkeiten und der Partnermarkt

Lasst mich eine Zwischenbemerkung machen: Es ist nie die Frage, ob zu Recht oder zu Unrecht. Die Frage ist, was von anderen Menschen noch akzeptiert wird und was nicht mehr. Eine absonderliche Eigenschaft? Eine kleine Meise? Eine kaum erkennbare Behinderung? Ungewöhnliches Sozialverhalten? All dies kann noch unter dem „Toleranzradar“ liegen und damit auch akzeptiert werden. Und dazu gehören eben auch die pfundigen Abweichungen nach oben oder unten.

Das Gewicht, der Sex und der Fetischismus

Überwältigende Gefühle und Ängste
Manche betont „starke“ Frauen machen sich ganz andere Gedanken - sie fragen sich, warum der potenzielle Partner nach den berühmten „Extrapfunden“ sucht oder sie ignoriert.

Sollte nämlich jemand sagen: „Ach, dein Gewicht ist doch nicht so wichtig“, so ist die Frage, was dem Mann sonst wichtig ist - und warum er gerade diese Frau will. Sagt er hingegen „ich stehe auf Frauen mit ein paar Pfunden mehr“, so ist immer noch nicht alles gewonnen - denn beide Sätze gelten normalerweise nur bei „Übergewicht“, „Rubensfiguren“ oder „Frauen mit Kuschelpotenzial“. Wer wirklich „fett“ ist, muss mit „Fettleibigkeitsfetischisten“ rechnen. Das sind Männer, die am liebsten mit Frauen vögeln, die mehr als doppelt so viel wiegen wie üblich. Da echte Körperfetischisten niemals die Person lieben, sondern nur die Körperteile oder Körperformen, die sie „geil machen“, kann von Beziehungen nicht die Rede sein. „Fettleibigkeitsfetischisten“ kommen also so wenig infrage wie „Fettphobiker“.

Dann wären da noch jene Männer, die von allen Frauen gehasst werden, nicht nur diejenigen mit erheblichem Übergewicht. Diese Männer suchen „Sex um jeden Preis“ oder auf vulgär: Es ist ihnen gleich, „wo sie ihren reinstecken“. Und dabei haben wir mindestens einen Rat bekommen, den wir gerne weitergeben (3):

Verzweiflung oder spontane Experimentierfreude waren noch nie gute Gründe, jemanden zu vögeln.

Gute Gründe für Sex wären zum Beispiel, dem Mann ein unvergessliches Vergnügen zu bereiten und dafür möglichst ein Ähnliches zu bekommen - aber das ersetzt keine Beziehung.

Die Lösung liegt in der nüchternen Analyse

Nachdem du bis hierher gelesen hast, fragst du wahrscheinlich: „Was ist die Lösung?“ In jedem Fall wäre es günstig, wenn du dir über deinen Gesundheitszustand klar werden könntest. Beziehungen haben eine ganze Menge mit „Zukunft“ zu tun, nicht nur mit der Gegenwart und den nächsten drei Monaten. Bleibe nüchtern und gib niemandem die Schuld, wenn dich kaum jemand will -der Partnermarkt folgt seinen eigenen Gesetzen, und sie sind für viel bitter - nicht nur für dich. Und noch dies: Es ist absolut aussichtslos, jemanden dafür verantwortlich zu machen, dass er nichts „von dir wissen will.“

(1) Hinweis auf den BMI: Als übergewichtig gelten Menschen mit einem Bodymassindex von 25 - 30. Sie sind von den Aussagen dieses Artikels nicht betroffen. Wenn du glaubst, von Fettleibigkeit betroffen zu sein, gehe zu deinem Hausarzt. Dies ist weder ein medizinischer Artikel noch bietet er Rat und Hilfe bei Fettsucht.
(2) Zitat aus Medium (englischsprachig, gekürzt)
(3) Zitat aus "Vice"
Bild oben: Historisches Foto, nachkoloriert, Archiv Liebesverlag.
Unten: Historische Künstlerdarstellung, ca. 1920.