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Sinnlose Psychotherapie-Vermutungen und die „Shades of Grey“

Folge eines Psycho-Schadens während der Pubertät oder lustvolle Handlung?


(Manche …) Menschen jonglieren mit mit psychoanalytischen Begriffen und psychotherapeutischen Ideen, um um sich ihr Leben und das Leben anderer zu erklären.

Was die Diplom-Psychologin Ursula Nuber 1999 schieb, fand kaum Beachtung. Der Grund liegt, jedenfalls mehr oder weniger, darin, dass die Mittel- und Oberschicht der Gesellschaft heimlich mit der Psychotherapie verbündet hat. Wer gebildet sein will, muss eben auch etwas von dieser geheimnisvollen Wissenschaft „verstehen“, die Sigmund Freud einst begründete. Das Paradoxon daran ist: Wer nichts vom Menschen und seinen Lüsten versteht, aber psychologische Kenntnisse hat, ist angesehner als jemand, dem nichts Menschliches fremd ist, und der es die menschlichen Lüste auch ohne Psychologie erklären kann.

Psycho-Jongleure ohne Bodenhaftung

Und so jonglieren sie eben alle ein bisschen mit der Psychologie herum – Laien wie studierte Therapeuten. Sie erklären uns, wie die Dinge sind, um sie dann wieder zu verwerfen und schließlich neu zu zu erklären – und jedes Mal sollen wir glauben, dass der Liebe Gott persönlich ihnen zu einer neuen Erkenntnis verholfen hat.

Pubertät ist natürlich –und manches geht dabei schief

Das ist in höchstem Maße unredlich. Sicher hat das Leben, das ein Erwachsener führt, eine Geschichte. Es mag sein, dass er in seiner Kindheit, wahrscheinlicher aber in der Pubertät, einige Erlebnisse hatte, die ihn verstört haben. In Extermfällen mag er davon auch geschädigt worden sein, und in einigen wenigen Fällen waren die Selbstheilungskräfte der Psyche nicht in der Lage, diese Schäden wieder zu korrigieren. Doch üblicherweise ist das nicht so: Wir entwickeln uns zu dem Erwachsenen, der den Impulsen (positiven wie negativen) folgt, die er im Laufe seines Lebens aufgenommen hat. Wir sind also, was wir sind – und das ist gut so, solange wie uns selbst damit „annehmen“ können.

Die unredliche Annahme, „geschädigt“ worden zu sein

In einem gewissen Maße handeln auch Menschen unredlich, die ihre Vergangenheit für alles Negative verantwortlich machen, was ihnen im Erwachsenenalter widerfährt. Indessen lässt sich die Vergangenheit nicht ändern: Sie war, wie sie war. Was wirklich zählt, ist die Gegenwart. Wer sich heute nicht aufrafft, morgen ein positiveres, sinnreicheres Leben zu führen, der verspielt jeden Tag seien Zukunft. Ich verkenne keinesfalls, dass es Menschen gibt, die schwer geschädigt wurden und deren Selbstheilungskräfte sich nicht aktivieren ließen. Sie benötigen Hilfe – und für sie ist die Psychotherapie da.

Selbstbetrug ist keine Lösung

Der größte Teil jener, die sich selbst als „geschädigt“ bezeichnen und deshalb keine Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen, betrügt sich selbst. Ich schreibe dies, weil es nicht sinnvoll ist, sich selbst zu betrügen, und weil dabei Lebensqualität verloren geht. Die an die Adresse jener, die mir sagen wollen: „Der hat gut Reden.“

Herr Grey lässt eben gerne sein Zuckerpüppchen tanzen

Was das alles mit den Protagonisten aus den „Shades of Grey“ zu tun hat? Zum Beispiel dass der eine, Mr. Grey, eine Neigung hat, die nicht erklärt werden muss: Er lässt gerne ein Püppchen zur Peitsche tanzen. Klar kann man daraus eine Story machen, muss man aber nicht. Und die Psychologie? Ach, das ist das arme Kind doch einem pubertären Traum zum Opfer gefallen. Das „arme Kind“? Nein – Mr. Grey will genau das: Eine Zuckerpuppe finden, die er mit Geld und Macht beherrschen kann, möglichst jemanden aus dem Volk, der noch etwas naiv ist. Er könnte sich auch eine Serva mieten, aber das ist nicht reizvoll für ihn. Er weiß, was er will und was er tut – und das ist genau sein Weg, zu handeln.

Was wäre Fräulein Steele ohne das kaschierende Wort „Liebe“?

Gehen wir mal zu Fräulein Steele über. Sie ist zwar begrenzt naiv, aber durch Geld und Macht verführbar. Also wird sie das „Sugar Baby“ von Mr. Grey, lässt sich vögeln und schlagen und im Gegenzug reich beschenken. Nicht viele Aschenbrödel dieser Erde haben außerhalb der Roman-Märchen eine solche Chance. Ja, die Protagonistin erniedrigt sich nicht einmal besonders dafür – ich bin überzeugt, viele Teilnehmer an Dokusoaps und Talentshows werden heftiger erniedrigt als Fräulein Steele. Sie mag schwach sein – aber kein bisschen geschädigt, ja nicht einmal „wirklich“ masochistisch. Warum tut diese Frau, was sie tut? Weil sie mehr Vorteile als Nachteile darin sieht, warum sonst? Aus der Sicht der Leserin der „Shades of Grey“ mag das ander aussehen, weil die Autorin ein bisschen mit dem Wort „Liebe“ herumgaukelt. Mit Liebe lässt sich alles erklären. Fragen Sie doch bitte mal eine Frau, die sich exklusiv von der Gunst eines Mannes ernährt. Sie wird Ihnen nicht sagen, dass sie eine besonders raffinierte Qualitätshure ist – sie wird vielmehr behaupten, dass sie ihn eben liebt – mehr als seine Ehefrau.

Jeder lebe sein Leben, wie er mag

Für die meisten von uns gelten all diese Gaukeleien nicht. Aber auch wir folgen nicht irgendwelchen geheimnisvollen tiefenpsychologischen Impulsen, sondern unserer Natur, die sich eben in unterschiedlichen Persönlichkeiten ausdrückt. Das Einzige, was wir tun müssen, ist eben diese Persönlichkeit zu akzeptieren.

Eine etwas andere, gleichwohl auch interessante Sichtweise können Sie im „Guardian“ lesen.

Bild: Nach B. Montorgueil, unterere Teil entfernt. Zitat aus: "Der Mythos vom frühen Trauma", Frankfurt 1999

Die Pornografie – Zeit, sie sachlicher zu betrachten

Aller "Laster" Anfang - der erotische Zungenkuss
Jeder Stammtisch und jedes Treffen konservativer und klerikaler Kräfte in Deutschland kennt ein Pseudo-Thema: die „Pornografisierung“ der Gesellschaft. Erst war es die „Generation Porno“, die angeblich ganz unmittelbar von der Pornografie „versaut“ wurde. Um sie zu finden, mussten Journalisten tief in die unteren Gesellschaftsschichten abtauchen – und präsentierten dann voller Stolz ihre angeglichen „Recherchen in der Generation Porno.“ Heute wird ein neues Thema populär: Angeblich sind pornografisch angehauchte Beziehungen nun auch im besten Bürgertum angekommen – eine Super-Gelegnheit der Medien, ein neues Jugend-Bashing zu veranstalten. In den USA gibt es dafür den Namen „Hook-up-Generation“ – die Generation der Abschlepp-Beziehungen mit „Ratz, Fatz, danke Schatz“-Charakter, auch ONS genannt.

Die Tatsachen um Pornografie und Jugend stehen fünf Tatsachen fest:

1. Es gibt Pornografie im Internet, und die Zugangsbeschränkungen sind eher lasch. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass sich Jugendliche immer mehr aus dem Internet informieren, wenn sie früher Vaters Konversationslexikon nach Aufklärungsthemen durchsucht haben.
2. Die Möglichkeiten Jugendlicher, sich ohne Internet zu informieren, „wie es geht“ sind eher plakativ und lustfrei. Sexualkundeunterricht, wenn er denn überhaupt ernst genommen wird, ist vollständig sachbezogen und zeigt weder auf, wie die Gefühlswelt nachhaltig beeinflusst wird, noch wie die körperlich-emotionale Prozesse beim Sex zusammengehen.
3. Konservative Kreise fordern zwar eine Sexualaufklärung, verbinden sie aber mit ethischen Ansprüchen, die unerfüllbar sind. Ethische Fragen können im Ethikunterricht bestens behandelt werden, biologische Fragen im Biologieunterricht. Doch da fehlt ein Bindeglied, mit dem junge Menschen sich intensiv auseinandersetzen: Was passiert mit mir, wenn ich verliebt bin und Lust bekomme?
4. Wenn es negative Auswirkungen von Pornografie gäbe, was immerhin möglich wäre, so müssten diese Auswirkungen im Schulunterricht wie auch im Elternhaus besprochen werden. Der Umgang mit Pornografie gehört, schlicht und einfach, zur Medienkompetenz.
5. Die positiven Auswirkungen von Pornografie werden unterschätzt. Mittlerweile gibt es wunderschöne, erotische Liebesfilme ohne jede „Perversion“, die als „pornografisch“ eingestuft werden und deshalb von Jugendlichen „offiziell“ nicht gesehen werden dürfen.

Dazu sagte der Soziologen Sven Lewandowski: (in Telepolis):

Der Einfluss von Pornografie auf das Sexualverhalten wird nach meiner Einschätzung maßlos überschätzt, während merkwürdigerweise zugleich – ungeprüft – angenommen wird, dass ein solcher Einfluss, wenn es denn einen solchen geben sollte, ausschließlich negativer Art sein kann.


Lewandowski hat gerade ein Buch geschrieben, das die Pornografiediskussion revolutionieren könnet. Es ist allerdings nicht ganz leicht zu verstehen: Titel: Die Pornographie der Gesellschaft. Es ist lesenswert, weil es die Diskussion ausweitet – doch ankommen wird die voraussichtlich nie. Dazu ist das Thema Politikern wie Bürgern viel zu heikel.

Bild: Bild eines Zungenkusses, künstlerisch bearbeitet.