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Verhökerte Intimität

Sich mit einem Menschen fest zu verbinden, bedeutet stets, einen Teil seiner Intimität zu opfern. Man kann auch sagen, dass jeder selbst entscheidet, wie viel von dem, was „seins“ war, nun „unsers“ wird. Oder, etwas akademischer, wie viel vom ursprünglichen „Ich“ in das „Wir“ des Paares übergeht. Welcher Teil das sein wird, ist schwer vorauszusagen, denn jeder entscheidet für sich, wie viel er beibehalten will, und welchen Teil er in die Beziehung einbringt. Sicher ist nur: Wenn beide Partner ihre Intimität vollends bewahren, dann kommen sie nicht zusammen. Weder geistig, noch emotional, noch sozial, noch finanziell– ja, nicht einmal körperlich.

Körperlich lässt sich die Intimität am schnellsten aufgeben

Körperlich ist es für Erwachsene am einfachsten, die eigene Intimität aufzugeben und einje gemeinsame Intimität zu erreichen. . Sexuelle Begierde kann in Sekunden entfacht werden, sexuelle Kontakte können innerhalb weniger Minuten entstehen. Am Schwierigsten ist hingegen, die Gefühle in den Bereich der gemeinsamen Intimität zu bugsieren. Erstens, weil man es vielleicht gar nicht will – und zweitens, weil es unendlich schwierig ist, Gefühle wirklich vollständig zu teilen.

Nicht jede Intimität will "geteilt" werden

Im Grunde ist es paradox, die Intimität überhaupt „teilen“ zu wollen, denn das Wort bedeutet ja, einen Teil von uns selbst als „inneres“ zu wahren. Erst, wenn es ein „Wir“ gibt, kann auch eine Intimität im „Wir“ entstehen. Wem das zu kompliziert ist:

Ich habe meine Intimität
Du hast deine Intimität.
Wir haben unsere Intimität.


Irrmeinungen über Intimität

Nun lese ich dies über Beziehungen und sexuelle Intimität:

Wer … eine längerfristige Beziehung anstrebt und etwas Spannung aufbauen möchte, kann mit der Intimität ein bisschen warten. Sich rar zu machen, ist nämlich sehr attraktiv und ermöglicht es, erst eine gute emotionale Bindung zueinander aufzubauen.


Und genau an diesem Punkt frage ich: „wie lange, liebe Mitmenschen, dauert es eigentlich, eine ‚gute emotionale Bindung‘ aufzubauen?“ (Ich frage vorsichtshalber nicht einmal, was eine „gute emotionale Bindung“ ist). Ich unterstelle einfach mal, dass beide sich darin einig sind, gemeinsam leben zu wollen und dies als glückliche Fügung ansehen. Und um es gleich zu sagen: Mit dem Wort „emotional“ (gefühlsmäßig) wird heute so viel herumgeferkelt, dass es völlig abgewertet wird.

Der zweite Haken: Ob mit aktivem Sex oder ohne – die ersten Monate und Jahre einer Liebesbeziehung sind nicht ausschließlich von dem „selbstbestimmten“ Wunsch nach Bindung geprägt. Eine wesentlich größere Bedeutung hat die Verliebtheit, die ihrerseits darauf beruht, unsere „freien“ Entscheidungen durch körpereigenen Drogen einzuschränken.

Wie war das mit der sexuellen Intimität?

Im Zitat wird die Lustbefriedigung verknappt. Wie das gesehen soll, ist unklar, aber „rar machen“ heißt ja wohl, sich dem anderen zu verweigern. Wenn dies dann noch „attraktiv“ sein soll, dann bedeutet dies, dass Sex manipulativ eingesetzt wird, also mehr oder weniger verhökert.

Im Grunde ist ein solches Verhalten empörend. Wie kann jemand eine „gute“ und „ehrliche“ Beziehung aufbauen und zugleich Sex verknappen, weil es offenbar chic ist?

Natürlich hätte ich für euch eine Antwort: Lest niemals Beratungsbücher, Beratungsspalten oder Beratungsforen, sondern vertraut auf das, was ihr wirklich selber wollt.

Und ich hätte einen Tipp: Sex zu verhökern ist eigentlich das Fachgebiet der Huren. Lasst es bleiben, wenn ihr halbwegs glaubwürdig bleiben wollt.

Die guten Artikel und ihre schlechten Bewertungen

Freier und Hure, 1808, Britisches Museum (Teilansicht)
Am schlechtesten wurden Beiträge der Liebeszeitung immer dann bewertet, wenn sie versuchten, Irrtümer zu beseitigen.

Zum Beispiel, welche Dienste in britischen Flagellationsbordellen verrichtet wurden. Offensichtlich sind manche Zeitgenossen der Meinung, dort wurde fein säuberlich getrennt zwischen der Arbeit am „Embulon“ und an der Bearbeitung des Gesäßes mit Ruten. Denn steht außer Zweifel, dass die britischen Frauen, die in Flagellationsbordellen arbeiteten, im engeren wie im weiteren Sinne Prostituierte waren. Vom 16. Jahrhundert bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war eine derartige Frau eine Stiefelhure. Die Domina oder „Dominatrix“ wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv für Frauen genutzt, die überwiegend oder ausschließlich für Schläge, Qualen und Erniedrigungen aufgesucht wurden. Die sogenannte Lifestyle-Domina gilt hingegen als reine Verschleierung der Rotlichtbranche, um dem Prostitutions-Vorwurf zu umgehen. (-80 Punkte)

Entsprechend schlecht wurde auch ein Artikel über Theresa Berkley bewertet, in dem bezweifelt wird, dass es sich bei der primitiven Holzkonstruktion, die heute als das „Berkley Horse“ bezeichnet wird, wirklich um die „berühmte Erfindung“ der Bordellbesitzerin handelt. (-70 Punkte).

Was am Artikel über die Neo-Moralapostel auszusetzen war, ist mir hingegen unbegreiflich. (-75 Punkte). Und ob es auch die Mortalapostel waren, die sich heimlich darüber echauffierten, dass erfahrene Frauen die besten Lehrmeisterinnen für junge Männer sind? (-74 Punkte).

Der am unterschiedlichsten bewertete Artikel war jener über Männer, die vor allem nach Intimität in der Lust suchten. Er bekam 163 Stimmen – gemischt aus Zustimmung und Ablehnung.

Die Codes der (Un-) Käuflichkeit - KfI, OfI und FI

Verlockung: Ohne FI
Der Code der käuflichen Liebe, die nicht deutlich als „käuflich“ gekennzeichnet werden soll, besteht seit über 50 Jahren und er heißt „FI“. In der Langform: Die Inserentin hat „finanzielle Interessen“ oder weniger verblümt: Sie erwartet einen Lohn für ihre sexuellen Dienstleistungen. Doch auch, wenn die Käuflichkeit ausdrücklich durch „OFI“ oder „KFI“ verneint wird, ist Vorsicht angesagt: Eine seriöse, nach einer Affäre dürstende Frau wird kaum jemals ein „kfI“ in ihrer Anzeige oder ihrem Profil hinterlassen.

KFI - ein Mensch "ohne finanzielle Interessen" bietet sich sexuell an

Zu den meistgesuchten Begriffen im Erotik-Code gehört die Bezeichnung „KfI“. Sie bedeutet, dass die Dame oder der Herr vorgibt, für die angebotenen erotischen Dienstleistungen kein Geld zu fordern – oder, falls es sich um eine Anfrage handelt, nicht beabsichtigt, dafür zu zahlen.

Einst gehörte diese Floskel zu den Anzeigencodes in „halbseriösen“ Zeitungen, insbesondere in den kostenlosen Anzeigenzeitungen, die bisweilen groß in Mode waren.

Manche Damen verwenden vornehmere Floskeln

Die Damen, die vornehm verschleiern wollten, dass sie für ihre erotische Großzügigkeit belohnt werden wollten, verwendeten ganz andere Floskeln. Sie suchten einen „echten Gentleman“ oder einen „solventen Herrn“. Diese Art von Verschleierung wird heute noch gelegentlich verwendet, etwa, wenn „Peitschenfrauen“ (sogenannte Dominas) einen „Tribut“ erwarten. Eine Frau, die sich an „nicht ganz so solvente“ Männer wandte, sprach oftmals davon, ein „Taschengeld“ zu erwarten. Auch dieser Begriff wird heute noch verwendet.

Wenn eine Frau zeigen wollte, dass sie durchaus erotische Ambitionen hatte, sich die Erfüllung aber „auf Gegenseitigkeit“ vorstellte, dann wurde oftmals die Formel „keine FI“ oder KFI oder OFI verwendet. Das sollte dem Anzeigenleser signalisieren: „Was ich mit dir vorhabe, liest sich vielleicht so, als ob ich Geld nehmen würde, aber es ist nicht so.“ Damit wollte man sich vor allem von den getarnten Huren absetzen, die in den gleichen Anzeigenspalten zuhause waren.

Auf manchen Erotik-Portalen erwarten mehr 90 Prozent der Frauen Geld

Obgleich die Codes KfI, OfI und FI heute zumeist unnötig sind, werden sie dennoch weiter benutzt. Auf typischen Erotik-Portalen erwarten mehr als 90 Prozent der Frauen offenkundig finanzielle Zuwendungen, während sich etwas fünf bis zehn Prozent ganz bewusst als „ohne finanzielle Interessen“ anbieten.

So gut wie alle Frauen, die auf einschlägigen offenen Kontaktseiten inserieren, sind professionelle Escorts. Dennoch wird in einigen Anzeigen verschleiert, dass es es „nur“ um Geld geht. Gerade der naive, sehnlich suchende Mann soll im Glauben gehalten werden, dass Geld – wenn es denn schon verlangt wird – eher ein kleines Geschenk ist, während die Liebe davon unabhängig mit natürlicher Leidenschaft ausgelebt wird (man nennt diese Form auch GFE). So beharrt eine Dame iin ihrem Profil darauf, dass sie selbst an Sex interessiert sei, denn bei ihr handle es sich um „eine zärtliche und leidenschaftliche Dame von Welt, die jede Stunde mit dir genießen will“.

Wer hat keine finanziellen Interessen?

Offenbar haben aber auch Anzeigen Erfolg, in denen zwar offenkundig mit der Schlafzimmertür geklappert wird, doch völlig ohne Geld und mit viel Romantik. Da wäre eine Studentin, frisch, jung und abenteuerlustig, die dem geneigten Herrn den Traum einer sinnlichen Sommernacht erfüllen will – Anruf genügt.

Und den Männern, die wirklich glauben, dass es die professionell vorgespielte „Liebe“ kostenlos gibt? Ihnen kann man nur einen Satz aus Josephine Bakers Song „Don’t Touch My Tomatoes“ entgegenrufen:

Mister, take advice from me
The more you look is the less you'll see
But if you just must have your way
Double the price you'll have to pay


Das kann ungefähr so übersetzt werden:

Lieber Mann,, du musst dies verstehen:
Je mehr du guckst, umso weniger gibt’s zu sehen.
Aber wenn's nach deinem Kopf gehen soll.
Zahlst du eben den doppelten Zoll.


Heute gibt es Ausnahmen - aber sie sind nicht öffentlich zugänglich

Heute ist die Welt ein wenig anders als vor etwa 40 Jahren, als man davon ausgehen musste, dass sich in Foren, auf Anzeigenseiten oder ähnlichen Publikationen nahezu ausschließlich notgeile Männer mit käuflichen Frauen trafen. Inzwischen gibt es sie, die Frauen, die dezent (aber eben nicht aggressiv) nach Männer für eine Nacht suchen. Dies ist bei einigen Formen von "Casual Dating" der Fall.

Aber der Satz der Josephine Baker gilt immer noch: Wer seinen eigenen Dickschädel durchsetzen will, zahlt am Ende mehr, als ihm lieb sein kann.

Den ersten Schritt macht die Frau – wer sonst?

Der erste Schritt ins kalte Wasser fällt oft schwer
Der Gedanke, dass Männer den ersten Schritt machen müssen, um mit einer Frau in Kontakt zu kommen, liegt wie Blei in den Köpfen der Frauen - und es behindert die Partnersuche enorm. „SIE“ darf sich (gerade jetzt im Sommer) im durchsichtigen Sommerkleid, mit einem Bikinioberteil und einem Minirock, mit offener Bluse ohne BH oder sonst wie aufreizend präsentieren. SIE darf Flirt-Gesten aussenden, die jeder Hure Konkurrenz machen würden. Aber eines darf „SIE“ nicht: Ihn anquatschen.

Das Prinzip sexy sein und warten - ein Blödsinn

Und das Prinzip funktioniert überhaupt nicht. Weder bei der Partnersuche in freier Wildbahn noch online.

Und wenn du’s trotzdem so machst?

Ich zitiere hier mal:

Auf diese Weise wird dich kein normaler Mann ansprechen. Das „Beste“, was dir passieren kann: Dich schleppt einer von diesen abscheulichen Macho-Typen ab. Aber die taugen nie was im Bett.


Wenn du eine Frau bist und „draußen“ gefunden werden willst, dann fliegen immer die Typen auf dich, die darauf warten, dass jemand WIE DU hereinkommt: Nämlich jemand, der sich freut, angequatscht zu werden. Die Typen wollen dich eigentlich gar nicht – sie wollen nur wissen, ob sie dich haben können, und wenn sie dich haben können, dann vögeln sie dich und das war es.

Der kulturelle Blödsinn: Der Mann als Initiator der Lust


Dazu wieder ein Zitat:

Aus kultureller Sicht gelten Männer als Aggressoren und Initiatoren, aber dies ist ein künstlich konstruiertes Rollenverhalten. Es passt so gut wie nie – weder auf Männer noch auf Frauen.


Na schön – das Märchen: Männer sind die Initiatoren, Frauen sitzen still auf Barhockern und warten, bis sie angequatscht werden – das hat nie funktioniert. Frauen, die Männer gezielt anflirten, haben wenigsten die Hoffnung (und die Chance) dass „der richtige Mann“ angelockt wird. Frauen, die nur „sexy“ in Bars herumsitzen, müssen damit rechnen, dass sie die bereits erwähnten PUAs und andere Wühlkistenschnüffler mitnehmen.

Und wie ist es online?

Immer noch glaubt der größere Teil der Frauen, sie müssten „irgendwie gefunden werden“ – und das werden sie auch – von dem Äquivalent der Männer, die in Bars darauf warten, irgendeine Frau zu vernaschen. Je nach Art des Online-Datings geht das mal fixer und mal dauert es länger – aber das Prinzip ist das Gleiche: Die Männer, die mit dem Lasso unterwegs sind, fangen sich genau die Frauen ein, die gefunden werden wollen. Mal hartnäckig, mal mit sinnlichen Gedichten, mal mit Humor.

Online kannst du etwas nicht einsetzen, was dir in feier Wildbahn nützt: Körpersprache. Aber du kannst sorgfältig wählen, mit wem du dich triffst. Und wenn du erst einmal ein Treffen vereinbart hast, ist immer noch Zeit und Gelegenheit, dien ganzes Repertoire einzusetzen, um ihn für eine Nacht, ein paar Monate oder ein ganzes Leben zu fesseln.

Oh – ich merke gerade – wir müssen noch über Flirt-Gesten reden. Sie gehen überall. Von der Kollegin zum Kollegen, von der Verkäuferin zum Kunden und überall sonst, wo Menschen einander aus irgendwelchen Gründen ohnehin begegnen.

Zitate von Jen - leider nicht verlinkbar.
Bild: Buchillustration von 1919

Verhandeln über Sex – das neue Wertesystem

Ja, aber wie sage ich, was ich will?
Vor dem Sex werden die Bedingungen ausgehandelt – so jedenfalls wird oft behauptet, und nicht selten wird es vehement gefordert. Was dem einen gruselig und vielleicht etwas „unanständig“ vorkommt, ist für den anderen selbstverständlich und notwendig.

Das Konzept dahinter heißt „Consensual“ und „Consensual“ bedeutet, alle Aktivitäten müssen (wenigstens grob) abgesprochen werden.

Bürgertum: Eheschließung war die sexuelle Flatrate für Männer

Im Lauf der Menschheitsgeschichte kann man als „kulturabhängig“ bezeichnen, ob „Absprachen“ nötig, möglich oder erwünscht waren. Für Frauen der bürgerlichen Epoche war „selbstverständlich“, dass sie sich dem Ehemann „hinzugeben“ hatten, wann immer es ihn lüstete. Das Einverständnis dazu wurde sozusagen „mit der Eheschließung erkauft“.

Nur mit dem Liebchen wurde verhandelt

Verhandelt wurde nur im Bürgertum nur mit Frauen, die sich einen finanziellen Vorteil von außerehelichen Beziehungen versprachen. Und dies unabhängig davon, ob sie verheiratet oder ledig waren und ob die Vereinbarung für Jahre oder für eine einzige Liebesnacht gelten sollte.

Entdeckungsreise bis zum Stopp: Das "Nein" der frühen Jahre

Als bürgerliche Ehen nicht mehr „arrangiert“ wurden, sondern die „Liebesheiraten“ aufkamen, wurden ungeschriebene Regeln für die Balz üblich. Die Populärste war, dass der Mann seine Freundin so lange und soviel intim berühren dufte, bis sie sich weigerte, „noch weiterzugehen“. Ließ sie den Geschlechtsverkehr selbst zu, tat sie dies meist in Erwartung einer baldigen Ehe.

Das Ende der Modells "die Frau ist passiv"

Erst Ende des 20. Jahrhunderts traten verstärkt Frauen auf, die entweder von sich aus verführten, um schnell und problemlos ihre Lust zu befriedigen, oder die dies taten, nachdem sie Vereinbarungen mit ihren „Dates“ getroffen hatten.

Im Prinzip galt das Konzept, die Möglichkeiten und Grenzen für den Sex spätestens zu verhandeln, nachdem klar wurde, dass die Bekanntschaft im Bett enden würde. Es mag sein, dass der Schutz vor Krankheiten (Kondomgebrauch) der Auslöser war, überhaupt vorher miteinander zu reden. Tatsache scheint aber zu sein, dass die Frauen sozusagen „Verhandlungsführer“ wurden. Ein weiterer Grund liegt ohne Zweifel daran, dass Frauen inzwischen wussten, welche Aktivitäten ihnen am meisten Lust bereiteten und sie diese mindestens ansatzweise auch einforderten.

Inzwischen ist es nicht mehr ungewöhnlich, sich zu sexuellen Wünschen und Vorlieben zu äußern, zumal im Grenzbereich der „Kurzzeitbeziehungen“.

Das neue Wertesystem: Nein ist Nein, Ja wird verhandelt

Klar dürfte sein: Das neue Wertesystem hat viel mit der Emanzipation der Frauen zu tun, die ihre Sexualität wesentlich selbstbewusster (und teils fordernder) an den Tag legen. Es hat weniger mit aktuellen Pressetrends um das „Nein“ oder „Ja“ zu einer sexuellen Beziehung zu tun. Da wird schamlos vereinfacht, um auch noch den dümmsten Mann zu erreichen, der angeblich kein „Nein“ versteht. In Wahrheit ist „Ja“ gar nicht „Ja“, sondern immer „Ja und ich möchte„„.“

Manchem werden sich angesichts solcher Überlegungen die Zehennägel heben. „Verhandlungen über sexuelle Praktiken?“ Solche Sätze gehören doch in den Bereich der Prostitution?

Nein, es ist keine Prostitution

Nun ist „Prostitution“ an sich ein klar umrissener Begriff, denn dazu ist nötig, dass eine Frau wahllos und ohne eigene lustvolle Erregung sexuelle Handlungen an anderen Menschen gegen eine unmittelbare, auf die Handlung bezogene Bezahlung vornimmt.

So jedenfalls ist die Theorie, und wie bei jeder Theorie, ist die Praxis differenzierter – doch was bleibt, ist das Fehlen der eigenen Lust und das das Erdulden von sexuellen Handlungen, die mit Geld oder Geldeswert kompensiert werden.

Wie "Beziehungen gegen Geld" schöngeredet werden

Nachdem nun klar sein dürfte, wo die Unterschiede zwischen „Prostitution“ und „der Verhandlung über gegenseitige Lustgeschenke“ liegen, will ich erwähnen, dass es einen „Graubereich“ gibt. Die neue Forderung, „Sex zuvor zu verhandeln“ wird dabei ganz bewusst nutzt, um „Sex gegen Zuwendungen“ zu verschleiern und die „Sex gegen Geld“ Beziehungen „schönzureden“.

In diesem Bereich wird verschleiernd behauptet:

1. Es ginge gar nicht um Sex, sondern um eine Beziehung. Dabei sei ja normal, die Partnerin auch finanziell zu unterstützen. Im Grunde müsse man gar kein Wort darüber verlieren – es sei eine Beziehung wie jede andere auch. Dabei wird ignoriert, ob, und falls ja, wie viele Parallelbeziehungen aufgenommen werden, um genügend Geld einzuheimsen.
2. Die Beziehung zu einem Mann, auch wenn sie sexuell sei, könne niemals Prostitution genannt werden, auch dann nicht, wenn er offenkundig Geld dafür zahle. Schließlich müsse sich die Frau ja auch zur Verfügung halten und könne deshalb kaum einem anderen Broterwerb nachgehen.
3. Selbstverständlich basiere die Beziehung in erster Linie auf Liebe. Das Geld sei nur eine Zugabe zum Lebensunterhalt. Das ist die übliche Lesart, um davon abzulenken, dass die Beziehung ohne die ständigen Geldzuwendungen sofort abgebrochen würde.


Fazit

Nur, wer ein scharfes Auge und einen wachen Verstand hat, wir die Trennlinien erkennen. Und so viel ist sicher: Diese Grenze wird dann und wann auch von manchen „ehrbaren“ Frauen überschritten, die offiziell „Pfui Teufel“ dazu sagen würden.