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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das Weibliche im Mann und die "Wissenschaften"

Das Weibliche im Mann und die „Wissenschaften“ beruht auf den - meiner Ansicht nach höchst fragwürdigen - Forschungsergebnissen eines Wissenschaftlers, der bereist in das Online-Lexikon "Wikipedia" Eingang fand.

Bist du ein Mann? Dann hat ein US-amerikanischer Professor eine Neuigkeit für dich: Wenn du nicht ruppig genug bist und deine Männlichkeit herauskehrst, dann hast du etwas Weibliches in dir.

Nun ist die unwahrscheinlichste Annahme überhaupt, dass Männer nur „männliche“ Eigenschaften haben und Frauen ausschließlich weibliche. Im Kern haben wir beide Anlagen, bei Mann eben ein wenig mehr Männliche und bei der Frau eben ein wenig mehr Weibliche.

Die Queer-Theorie wird immer mehr zum „Maßstab“

Die Queer-Theorie hat uns alle ein bisschen „queerer“ gemacht. Und deswegen sind alle Jungs, die Freude an „weiblichen“ Interessen haben, nun (Wikipedia-Formulierung) „Hetero-Tunten“, oder nach der englischen Bezeichnung eben „Straight Sissy Boys“ – wobei „Sissy“ ein ebensolches Schimpfwort ist wie „Tunte“. Außerhalb der Queer-Theorie würde man dies als „blanken Unsinn“ bezeichnen, aber seit die sogenannten „Heterosexuellen“ fast ausschließlich aus der Sicht der Queer-Theorie beurteilt werden, müssen wir offenbar jeden Unsinn „schlucken“.

Einsatz für „Quere“ Menschen heißt: Du bist eigentlich auch „Queer?“

Du setzt dich dafür ein, dass Queere Menschen anerkannt und integriert werden? Wenn du ein Mann bis, dann heißt du ab sofort: „Social-justice straight-queer“. Mit anderen Worten: Wenn du sie verteidigst, hast du selbst solche Anteile. Was im Umkehrschluss heißt: Ein echter Mann will nichts mit „Schwulen“ zu tun haben. Ich frage mich, ob man den gleichen Unsinn auch Frauen zuschreiben würde, die sich für die Rechte homosexueller Frauen einsetzen.

Praktiken werden mit sexuellen Identitäten verwechselt

Wenn du dich nicht als homosexuell bezeichnest, aber mit einigen Praktiken kokettierst, wirst du zum „Elective straight-queer“. Das heißt, dass durchaus Praktiken magst, die als „schwul“ gelten, du dich aber emotional nicht zu Männern hingezogen fühlst. Dieses Thema klingt höchst brisant, ist aber völlig trivial. Denn eine sehr große Anzahl von Männern weiß durchaus, was „Pegging“ bedeutet und welche Gefühle Männer dabei haben können. Niemand hat etwas dagegen, wenn Typen mit „stahlharter Männlichkeit“ darauf verzichten – aber es hat wirklich wenig mit „Queer-Sein“ zu tun. Auch hier ergibt sich die Frage: Würde man jemals einer Frau solch ein Attribut zuweisen, wenn sie – beispielsweise – den Cunnilingus aktiv ausübt? Oder ihn lieber von einer Frau empfängt als von einem (unrasierten) Mann?

Die freie Wahl der sexuellen Praktiken als Verschärfung?

Wenn du das noch ein bisschen ausbaust, gehörst du schließlich zu den „Committed straight-queers- das sind jene, die Praktiken, die als „nicht-heterosexuell“ gelten, in ihr Sexualleben integriert haben. Das trifft nur auf wenige Männer zu, aber auch sie verdienen keine Etikettierung.

Mode und Körperpflege – typisch weiblich?

Die nächste Kategorie kennen wir nur zu genau: Ein durchschwitztes, oft gewaschenes und nicht gut sitzendes T-Shirt samt billigster, schon leicht fleckiger Jeans ist das, was der echte Mann tragen sollte. (Vergaß ich die Feinripp-Unterhosen?). Wenn du es nicht tust, kommst du in Verdacht, metrosexuell zu sein oder eben ein „Stylistic straight-queer“, die bunten Klamotten trägt, sich für Kunst interessiert und Körperpflegemittel verwendet. Merke: Ein richtiger Mann boxt, spiel Fußball und stinkt ab dem späten Nachmittag nach Schweiß. Tust du es nicht, steht dir bald auf der Stirn geschrieben, dass du ein Weichling oder Sitzpinkler bist. Oder mit anderen Worten: Ein Mann, der nicht auf das gängige Männlichkeitsideal passt.

Schattensexualitäten als Veranlagung?

Ei, ei – aller guten Dinge sind sechs. Nun folgt noch der Schattenmann. Der ist „eigentlich das Ideal eines Menschen, weil er keinem Klischee folgt. Oder im Sinne von Wikipedia: Männer, die sich zwischen Anpassung und Nicht-Anpassung an klassische männliche Rollenbilder befinden, ohne eine bewusste Entscheidung treffen zu können oder zu wollen, im Neo-Soziologen-Schnack „Males living in the shadow of masculinity“. Das heißt so ungefähr: Männer, deren Männlichkeit im Schatten lebt, aber nicht in den Vordergrund gestellt wird.

Wer sich als "echter Kerl" erweisen will, der hat nichts "Weibliches"?

Na, Mann, hast du dich als „echten Kerl“ vorgefunden? Dann bist du eisern „Hetero“ und PiV ist die einzige Art, in der du dich sexuell betätigst. Du sagst überall, dass du nichts gegen Schwule hast, aber wandelt sich der Satz so, dass du Schwule hasst. Natürlich hast du nie von einem Mann geschwärmt, nie seine Nähe genossen und deine Dreier (real oder in der Fantasie) waren immer MFF-Dreier. Dir hat niemand jemals auch nur einen Finger in den Anus gesteckt (auch keine Frau) und schon gar keine Plugs, Dildos oder so. Du liebst es, in Jeans oder gar im Trainingsanzug herumzulaufen, und du trägst Feinripp. Falls du ein „Schlipsträger“ bist, besitzt du zwei Krawatten und vier einfarbige Oberhemden. Du stets immer deinen Mann und weißt genau, was für einen Mann gut und richtig ist. Klar, dass du auch weißt, wie Frauen zu sein haben … oder?

Das Problem der Definition entstand mit dem Begriff "Heterosexualität"

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, entstand das Problem, Heterosexualität ständig neu definieren zu müssen, aus Abgrenzungsproblemen der Psychologen und Sozialwissenschaftler. Man kann sagen: Sobald die „Heterosexualität“ als Begriff erfunden wurde, musste sie ständig neu definiert werden. Da dies sogenannten „Heterosexuellen“ darin gar nicht interessiert sind, weil sie sich nicht angesprochen fühlen, versuchen Personen der sogenannten „Wissenschaften“, die selbst erzeugte Verwirrung durch neue Begriffe zu stützen – und damit abermals neue Verwirrungen hervorrufen.

Und eine Frage bleibt: Würde man die gleichen „Erkenntnisse“ auf sogenannte Hetero-Frauen übertragen können? Wäre beispielsweise eine natürlich wirkende Frau, die sich weder schminkt noch betont modisch daherkommt, schon eine „non-stylistic straight-queer“ Person? Ist eine Installateurin schon ein Tomboy, weil sie sich für mehr für Technik interessiert als für Spitzenunterwäsche?

Oder ganz generell: Würde man eine sexuell selbstbewusste Frau, die einige durchaus sinnliche herb-männliche, verdeckte Eigenschaften hat, als „queer“ bezeichnen?

Vermutlich nicht.

Die Forschung: Hier eine Kurzfassung.
Die Interpretation im deutschen Wikipedia-Lexikon.
Das Thema erweitert und mit Kritikpunkten versehen: Englisches Wikipedia. Zusätzlich empfehle ich das Buch "Straight" von Hanne Blank, Boston 2012.

Wilder Sommer-Sex ohne Winkelmesser - oder: alles außer PiV?

Aber klar wird es jetzt heiß ...
Na klar wird der August heiß. Für dich jedenfalls. Vor allem, wenn du jetzt weniger Kleidung trägst, dich mehr zeigst, das Korsett die Bedenken aufschnürst oder ablegst und dich in wohlige Sinnlichkeit sonnst.

Und was ist "heißer Sex" laut Internet?

Das Internet ist geschwätzig. Fragt man nach, was der „heißeste Sex“ ist, den jemand haben kann, so bekommt man – natürlich – so viele Antworten, wie es Menschen gibt. Und manchmal staunt man: Den besten Sex, so höre ich, hatte eine junge Frau nach (ja, nach) ihrem ersten Dreier. Nämlich am Morgen danach und exklusiv mit ihrem ständigen Freund. Und nein, ich kann nicht dazu raten, denn leider werfen die meisten „Dreier“ eher Probleme auf, als welche zu lösen. Wirklich sehr populär war der im gleichen Frauenmagazin hervorgehobene After-Party-Sex. Darüber gibt es sogar mehrere Kurzgeschichten.

Auf Treppen (ja, wo sonst?) soll der Sex noch heißer sein – laut Netflix Sex/Live, hervorhoben von Miss AT. Wieso. Das zitiere ich genussvoll:

Sex im Stehen kann ganz neue Gefühle in euch auslösen, da der Winkel des Eindringens etwas verändert wird.

Wer keinen Winkelmesser hat, wird möglicherweise nichts dergleichen spüren. Ich rate mal vor allem: Gleichgewicht halten.

Und um die Sache mal auf den Punkt zu bringen: Jede Abweichung von PiV (ob mit Winkel-Messung oder ohne) kann ekstatische Lust bringen. Angeblich (und recht glaubwürdig) soll „klitorale Stimulation“ (durch eigene Finger, fremde Finger oder Vibratoren) bei Frauen den größten Lustgewinn bringen.

Eine Bloggerin schrieb dieser Tage, was sie so anstellt, um zur höchsten Lust zu kommen:

Ich habe mich schon vier Mal ‚fertiggemacht‘ und es ist noch nicht einmal Mittag.

Ob es heiß war? Ja, sicher – und so richtig unartig. Und es gab gute Orgasmen.

Auch im Sommer Lust am roten Po?

Wie es war oder ist, sich erst einmal übers Knie lege zu lassen und dann in wahnsinnig heißen Sex und lautstarke Orgasmen überzugehen, ist ebenfalls häufig ein Gegenstand der Literatur. Und natürlich schrecklich frivol und außerdem sozial unkorrekt. Wahrscheinlich lieben es die Adepten dieser Wollust deswegen. Die Durchblutung erzeugt die Geschlechtslust, und die wieder schreit nach Erfüllung. Und dies auch im Sommer, trotz der verräterischen Farbe, die der Po bekommt und die vielleicht sogar durchscheint. Das sind sozusagen die "Knutschflecken der Erwachsenen", die mal mit Scham, mal mit Stolz präsentiert werden - jede udn jeder nach seinem Gutdünken.

Immerhin – dann spart man sich die Mühe, erst einmal einen Dreier zu arrangieren – und niemand erfährt davon. Auch nicht schlecht.

Wir lasen Gala, Miss.at, ein frivoles Blog, zu dem wir nicht verlinken dürfen und etwa 12 Webseiten von typischen "Wiederkäuern."
Foto: © 2022 für diese Version by Liebesverlag.de

Deine erotischen Fantasien – was machst du damit?

Fantasien, Tagträume, getragen werden auf Wolken der Lust ...
Fantasien entstehen aus vielen Gründen, aber einer der wichtigsten besteht darin, sich etwas vorzustellen, was nicht erreichbar ist. Jedenfalls nicht hier und auf keinen Fall jetzt.

Erotische Fantasien kommen in drei Varianten

Dabei gibt es drei Varianten, die sich deutlich voneinander unterscheiden:

1. In der ersten erinnern wir uns an eine bestimmte Situation, die wir schon einmal erlebt haben. Wir nehmen das Schöne und Erregende heraus und führen die Fantasie in unserem Gehirn fort. Das heißt: Die positiven, erregenden Lusterlebnisse, an die wir uns erinnern, mischen sich mit der Fantasie. Wir tauchen gewissermaßen in eine Wolke der Lust ein.
2. Die zweite Art der Fantasien führt uns in erotische Bereiche, die wir nie erfahren haben oder die nach „Lage der Dinge“ für uns unerreichbar sind. Je intensiver wir uns vorstellen, was geschehen könnte, umso mehr Details werden in das fantastische Geschehen eingebunden. Diese Fantasien sind oft ungleich heftiger, weil wir dabei eine Hürde überwinden müssen.
3. Der dritte Teil bestehst aus Fantasien über Situationen, die wir in der Realität weder erleben können noch wollen. Bei dieser Art von Fantasien spielt die Gefahr eine besondere Rolle.

Vielleicht wisst ihr, dass realistische erotische Fantasien in den Vorstellungen der Menschen ganz oben stehen. Demnach ist „Oralverkehr“ (Cunnilingus oder Fellatio) die am häufigsten genannt erotische Fantasie, gefolgt von Seitensprüngen und verschiedenen Formen und gegenseitiger Masturbation. Zur zweiten Gruppe gehören populäre Fantasien wie Rollenspiele, Dreier und Gruppen. Die eher in den Bereich der nicht wirklich ausgeführten, aber andererseits sehr intensiven Empfindungen fallen. Zur dritten Gruppe gehören dann die Wünsche nach gleichgeschlechtlichen Beziehungen, „harten“ SM-Träumen und vor allem der geheime Wunsch nach Unterwerfung und Domination.

Das Tor zur Fantasiewelt – Prinzessinnen und Drachen

Falls du überhaupt in deine Fantasiewelt eintauchen willst, ist eine Entscheidung fällig. In der Fantasiewelt wohnen sowohl Hexen und Drachen wie auch Prinzessinnen und hilfreiche Gnome. Weniger blumig ausgedrückt: Es ist einerseits möglich, dass du dich in deinen Fantasien über dich selbst erschrickst. Andererseits ist es aber auch möglich, dass sich dich sanft davontragen.

Sobald du dich entschlossen hast, das Tor deiner sinnlichen Fantasien zu öffnen, werden Geschichten daraus.

Autorinnen gehen jeden Tag mit Fantasien um

Vielleicht hilft dir, wie Autorinnen mit ihren Fantasien umgehen. Als Rita Mae Brown gefragt wurde, inwieweit ihr Buch „Rubyfruit Jungle“ persönlichen Erlebnissen geprägt wurde, sagte sie:

Ich weiß es nicht. Wenn ich schreibe, tauchen Dinge einfach auf. Ich gehe davon aus, dass jeder Autor bis zu einem gewissen Grad auf Erfahrung und Beobachtung zurückgreift, aber dass er die Verstrickungen nicht entwirren kann.

Dieser Satz kann sehr beruhigend auf all jene wirken, die sich vor ihren Fantasien fürchten. Denn Autorinnen und Autoren schicken ihre Figuren gerne auf die Reise in die erotische Fantasie. Diese Figuren erleben als „Stellvertreter(innen) “ all das, was weder ihr Schöpfer(innen) noch die Leser(innen) jemals selbst getan haben.

Hürden und Abgründe in Fantasie und Realität

Vielleicht hattest du schon erotische Erlebnisse, bei denen du am Rand deiner Möglichkeiten gewandert bist, aber dann doch eben nicht vom „Weg abgekommen“ bist. In der Realität gibt es eine Fülle von Hürden, und ein Teil davon würde dich stolpern lassen. Du überwindest sie nicht, um dich selbst zu schützen – und das ist meist sehr vernünftig. Aber in der Fantasie kannst du sein, wer du willst und dich einlassen, auf was du willst.

Die Menschen, die man nach ihren erotischen Fantasien befragt hat, betonten nahezu alle, dass sie „die Träume der Lust“ niemals in die Realität umsetzen würden. Und dies unabhängig davon, ob sie darin die aktive oder passive Rolle eingenommen hatten.

Das Fazit

Niemand muss sich schämen, Fantasien zu haben. Autorinnen und Autoren leben davon, andere sehen darin kleine Fluchten vor dem Alltag. Es gibt vereinzelt Situationen, in denen sich Fantasie und Realität kreuzen, aber sie sind recht selten.

Zitat aus einem Interview, hier die Quelle. Das Buch heißt auf Deutsch "Rubinroter Dschungel" und erschien zuerst 1973.
Daten und Fakten über Fantasien aus der Studie: "What Exactly Is an Unusual Sexual Fantasy?"
Christian C. Joyal, PhD, Amélie Cossette, BSc, and Vanessa Lapierre, BSc, Department of Psychology, Université du Québec à Trois-Rivières, Trois-Rivières, Québec, Canada; Philippe-Pinel, Institute of Montreal, Montreal, Québec, Canada.
Benutzt wurden auch Teile aus "Fühlen ist ein wundersames Gefühl" vom Autor dieses Artikels

Sind jetzt alle jungen Menschen „Bi“?

„Bisexualität liegt im Trend“ heißt es auf einer Internet-Seite, und der „Tagesspiegel“ titelte gar: „Auf einmal sind alle bisexuell“.

Sieht man sich dies genau an, dann wird hier ein Begriff verwendet, der ausgesprochen fragwürdig ist: die Bisexualität. Solange wir ihn benutzen, sind wir gezwungen, Menschen als etwas „abzustempeln“, was sie sein könnten oder auch nicht. Statt den Menschen freizustellen, ihre Sexualität zu benennen, wie sie wollen, werden seit langer Zeit Begriffe geschaffen, nach denen sie sich einzuordnen haben – und sicher auch solche, unter die sie sich unterordnen sollen.

Die Macht der Forscher, uns abzustempeln

Sie musste in eine Lücke zwischen zwei Begriffe passen: ursprünglich zwischen die „Urninge“ und Dioninge“. Dann aber, mit steigender „Verwissenschaftlichung“ auch zwischen die „Homosexuellen“ und Heterosexuellen. In beiden Fällen wurde zuerst die männliche Minderheit etikettiert (Urninge und Homosexuelle), dann erst wurde die Mehrheit als „Heterosexuell“ klassifiziert. Die liegt an den krampfhaften Versuchen einiger Wissenschaften, Pol und Gegenpol“ zu schaffen. Zuletzt haben wir es bei dem neu geschaffenen Etikett „Queer“ gesehen, dem „auf die Schnelle“ ein „Cis“ als „Gegenteil“ hinzugefügt wurde.

Man kann den Schöpfern der Begriffe nicht anhängen, sie seien unredlich. Die Forschung an der „reinen“ homosexuellen Ausrichtung musste zwangsläufig von betroffenen Männern ausgehen, weil sich manche Wissenschaftler gerade bemühten, der „mannmännlichen Liebe“ den Charakter einer Krankheit aufzustempeln. Der Definitionsfehler, dass ein Begriff grundsätzlich mit einem „Gegenpol“ versehen werden müsse, ist auf die Arroganz der Forschung zurückzuführen.

Sieht man die „Lust auf intime Kontakte“ mit einer Person neutral, so reichen die Wünsche von der Anwesenheit der Person über körperliche Berührungen bis zu geschlechtlichen Handlungen. Üblicherweise entsteht die Lust aneinander aus dem Wunsch, der Möglichkeit und dem Fortfall einer Hemmung. Das gilt für die üblichen M/F-Beziehungen wie auch für M/M und F/F-Kontakte, für Triolen und Gruppen. Es hat weder etwas mit Bisexualität noch mit Heterosexualität oder Homosexualität zu tun, sondern ausschließlich mit lustvoller, enthemmter Begierde.

Die Ausgangsbasis für Sex ist bei allen gleich

Es ist kein Zufall, dass die Lust aufeinander oftmals in einer Situation beginnt, die ohnehin einen sehr vertraulichen Charakter hat. Werden dann „Enthemmer“ geistiger, emotionaler, physischer oder stofflicher Art genutzt, wird wahrscheinlicher, dass die Zärtlichkeiten in sexuelle Handlungen übergehen. Solche „Enthemmer“ können „sinnliche Gespräche“, lustvolle Musikstücke, heftige innere Gefühlsregungen, das Freilegen und Anbieten von Körperteilen oder Alkohol und andere Drogen sein.
Im Grunde ist die Vorgehensweise bei allen sexuellen Handlungen gleich, nur liegen die Hürden unterschiedlich hoch, um sie auszuführen.

Eine der größten Hürden besteht darin, dass der Partner/die Partnerin dem gleichen Geschlecht angehört und beide eben nicht „eindeutig gepolt“ sind, sondern lediglich ein sinnliches Erlebnis haben möchten.

Sowohl das Leben selbst wie auch die Literatur ist voll von solchen Ereignissen, und immer finden wir, dass Wünsche und Neigungen auf Gelegenheiten und Enthemmungen treffen. Ob es nun merkwürdig ist oder auch nicht: Frauen scheint es leichter zu fallen, sich den Lüsten anderer Frauen hinzugeben wie auch selber Lüste in Geschlechtsgenossinnen zu erwecken.

Über Männer und der Furcht, „schwul“ zu sein.

Männer sind erheblich zurückhaltender. Sie wollen in ihren Gruppen nicht als „schwul“ gelten, was sie daran hindert, sich auf gleichgeschlechtliche Kontakte einzulassen. Natürlich sind sie nicht „schwul“, ebenso wenig, wie Frauen „lesbisch“ sind, die sich von anderen Frauen befriedigen lassen.

Ein Libertin schrieb Ende des 19. Jahrhunderts (1):

Ich kam zu dem Schluss, dass ein Mann ebenso ein recht dazu hat, seinen Anus nach Belieben einzusetzen, wie er seinen Penis einsetzen kann. Macht es Männern mehr Vergnügen, als auf gewöhnliche Art mit einer Frau zu vögeln?

Heute wissen wir, dass viele Männer völlig unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Freude an analen Vergnügungen und Herausforderungen haben. Und wie der Held der zitierten Lebensbeichte, so erleben viele Männer solche Vergnügungen her mithilfe einer Frau als mithilfe eines Mannes.

Zurück zum „Bi“ – gibt es überhaupt „Bisexualität?

Kommen wir zurück auf „Bi“. Tatsächlich hat die Etikettierungswut diesen Begriff hervorgebracht. Wenn jemand „ambivalent“ ist, dann muss er „Bi“ sein. Und plötzlich wird nicht mehr gefragt, wo denn der Gegenpol ist. Man kann sagen: Die bisexuelle Person ist jemand, der willkürlich zwischen „Homo“ und „Hetero“ gequetscht wurde, um ein weiteres Etikett vergeben zu können. Das bedeutet nun keinesfalls, dass er niemanden gäbe, der/die sich tatsächlich ambivalent fühlt und dadurch auch Konflikte haben könnte.

Gewinn aus etwas ziehen beflügelt Menschen, etwas zu tun

Was es wirklich bedeutet ist: Jemand der seine Lust mit beiden Geschlechtern befriedigen kann und einen Gewinn daraus zieht. Und damit der Satz mal gesagt ist: Wie können es alle, aber nicht jeder hat einen Gewinn daraus.

Und was ist mit den „jungen Leuten“?

Sie fühlen sich gar nicht als „Bi“ – sie weichen einfach ab vom Schema des Abstempelns und Entwertens. Und sie beweisen, dass jeder Stempel, jedes Etikett und jede Bewertung ab ihnen vorbeigeht. Sexualität kann inszeniert werden, und das Spiel mit den Möglichkeiten sorgt auch für mehr Freizügigkeit. Warum auch nicht?

(1) Erotische Lebenserinnerungen viktorianischen Ursprungs.

Die Liebe kreuzweise

Kreuzweise Liebe - gegen 1920
Was tat die Jugend in den 1920er-Jahren, sodass man ihr unterstellte, Partner und Partnerinnen „waagrecht und senkrecht“ zu suchen und die Liebe „kreuzweise“ zu vollziehen?

Wahrscheinlich, weil man zu dieser Zeit erstmals heftig über die Lust aneinander nachdachte. Das geschah sowohl, um der Öde der Ehe zu entfliehen, aber auch, um als alleinstehende Person ein flatterhaftes Leben zu führen. Dabei trat nicht nur das jeweils andere Geschlecht in den Fokus, sondern auch das eigene. Mit „Polyamorie“ hatte das wenig zu tun - man ging nicht hinaus, um Liebe zu verbreiten, sondern um einen besonders erregenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen.

Erinnern wir uns, dass gerade zu dieser Zeit Schnitzlers „Reigen“ aufgeführt wurde und einend er größten Theaterskandale jener Zeit auslöste? Oder dass Edna St. Vincent Millay gerade ihre lustvollen Liebesbriefe schrieb?

Ich zitiere:

Ihre außergewöhnliche poetische Kraft entsprang ihren grenzenlosen Möglichkeiten, Liebe und Schönheit zu erfassen – eine Fähigkeit, die so grenzenlos ist, dass sie sich häufig und intensiv in Männer und Frauen verliebte, oft in mehrere Menschen zur gleichen Zeit.

Auch wer nicht über solche inneren Kräfte verfügte, aber entsprechende Möglichkeiten hatte, nahm die Hersuaforderung frivoler Begegnungen gerne wahr. Gleichgeschlechtliche Kontakt unter Frauen waren ohnehin keine Besonderheit. Und nahezu alle Varianten standen Menschen offen, die sich zu Triolen verabredeten. Insofern war „kreuz und quer“ oder „kreuzweise Liebe“ als Begriff durchaus angebracht. Die „Liebe waagerecht“ mag sich als heterosexuelle Beziehung entpuppen, die Liebe senkrecht als homosexuell, aber das spielt keine große Rolle.

„Kreuzweise zu lieben“ war in den 1920er-Jahren sowohl Realität wie auch Wunschtraum - deshalb war die Postkarte mit dieser Aufschrift wahrscheinlich so beliebt:

Der Krampus denkt: Geometrie
Ist jetzt bei der Jugend beliebt.
Wagrecht und senkrecht suchen sie.
Und kreuzweise sind’s verliebt.


Wie bei Frau Millay, steht auch bei der anonymen Zeichnung die Frau im Mittelpunkt, von der offenbar die Initiativen ausgehen. Ob der Krampus ihr dazu etwas einflüstert? Jedenfalls scheint sich der Mann auf dem Bild vorläufig noch erfolglos um sie zu bemühen.

Der Autor der abgebildeten Postkarte ist anonym geblieben, sie scheint aber aus Österreich zu stammen.