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Gibt es weibliche Sadisten?

Der Masochist, die Sadistin - zwei Illusionen kommen zusammen
Nach Meinung von Feministinnen sind es die Männer, die Frauen sadistische Züge zuschreiben. Ein Beispiel dafür ist die Gräfin Báthory, bekannt als die „Blutgräfin“, die - zu Recht oder Unrecht - bezichtigt wurde, junge Frauen aus Lust gefoltert und getötet zu haben. Insgesamt soll es sich um bis zu 50 junge Frauen gehandelt haben, die durch ihre Hand oder die ihrer Bediensteten gefoltert oder getötet wurden.

Im Nachhinein gab es viele Versuche, die historische Gräfin Báthory „reinzuwaschen“, weil man annahm, dass sie einer männlich geführten Intrige zum Opfer fiel. Dagegen sprechen allerdings die Prozessakten. Erstaunlicherweise wurde die Gräfin auch nicht zum Tode, sonder nur zum Hausarrest verurteilt, und auch ihr Vermögen wurde nicht konfisziert.

Den Tod durch den Henker fanden - eine Ironie der Geschichte - nur ihre Bediensteten. Zitat:

Dorothea und Helena wurden ... lebendig verbrannt. (Ihr Hausmeister) Johannes wurde geköpft, seine Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Kaum Quellen für den weiblichen Sadismus
Wer nach weiblichem Sadismus sucht, findet dafür kaum Quellen, was zwei Gründe haben kann: Entweder sind Frauen aufgrund ihrer Natur, Veranlagung oder Erziehung nicht sadistisch veranlagt, oder aber, dass sie ihren Sadismus „deckeln“, sodass er nicht offenkundig wird.

"Weiber zu Hyänen" und forensische Psychiatrie

Gut, auch der forensische Psychiater Krafft-Ebing will wissen, dass der Sadismus beim Mann die häufigste Perversion sei, dass sie aber beim Weibe durchaus ebenfalls gelegentlich vorkomme. Er schreibt (S. 102).

Gleichwohl kommt Sadismus des Weibes vor und lässt sich recht wohl aus dem ersten kontinuitiven Element des Sadismus, der allgemeinen Übererregung der motorischen Sphäre erklären.

Ich denke, ihr geht mit mir einig: Das kling nicht ganz logisch. Ein klein wenig deutlicher wird das schon Friedrich Schiller, der durchaus „Weiber zu Hyänen“ werden lässt, die „mit Entsetzen Scherz treiben“. Gut, der Herr Schiller war kein Psychiater, aber was bedeutet nun seine Beobachtung? Ist es abermals die männliche Zuweisung an die Frau, nicht alle Tassen im Schrank zu haben?

Sadistische Frauen - kein einheitliches Bild bei "Fachleuten"

Über sadistische Frauen konnte ich erfahren:

Das Zufügen von Schmerz und Betteln der Opfer verleiht ihrem Selbstwertgefühl Flügel.

Dies alles gilt, wie unschwer zu erkennen ist, unter dem Gesichtspunkt der Psychiatrie. Doch was ist mit dem sexuell motivierten Sadismus? Ein Medizinprofessor schreibt:

Bei einigen sind es sexuelle Motive und weniger Menschenverachtung oder Habgier. Wenn es während einer solchen Handlung zu sexueller Erregung und Orgasmus kommt, spricht man in Expertenkreisen von einer Paraphilie des sexuellen Sadismus.

Sollten wie uns auf die „Expertenkreise“ einlassen? Müssen wir davon ausgehen, dass Frauen, die erotisch-sadistische Neigungen oder Gedanken haben, bereits zu jenen zählen, die aus der Gesellschaft abgekippt sind und ein Randsiedlerdasein führen? Oder ist es generell verwerflicher, Lüste aus sadistischen Handlungen zu beziehen als an diesen Handlungen zu verzweifeln?

Alles im "kriminellen Bereich"?

Wir wissen nur eines: So weit es sich um Kriminalität handelt, agieren Frauen eher in Gruppen als alleine, und sie trinken sich zuvor keinen Mut an. Diese Beobachtungen stammen allerdings von typischen „Sexualstraftäterinnen“, also nicht von jenen, die aus der Lust am Quälen entsprechend veranlagte Partner suchen.

Echte Sadistinnen sind im Grunde nirgendwo willkommen. Das „echt“ bezieht sich darauf, dass sie Männer (aber auch Frauen) quälen, um daraus psychische Befriedung zu erzielen, ohne die Bedürfnisse des anderen zu beachten. Auf einschlägigen Webseiten behaupten sie, selber „bizarre Wünsche“ zu haben und ihren Sadismus an „männlichen Opfern auszuleben.“ In der jüngeren Literatur dürfte vor allem der Roman von Gigi Martin („Die Herrin“) zu nennen sein, in dem eine ungewöhnlich sadistische Amateurin geschildert wird, die einen ihr völlig ergebenen Sklaven in den Ruin treibt.

Frauen: Im Traum oft dominant, dann und wann auch sadistisch

Realität, Fantasien und erotisch Träume klaffen bei erotischen Sadistinnen weit auseinander. Die Träume sind keinesfalls selten (was auch den Erfolg des Romans zu erklären vermag) aber sie wandeln sich selten in Realitäten. Das geht auch aus Zahlen hervor, die wir kennen: Die sexuelle Vorherrschaft strebt gut die Hälfte der Frauen in ihren Träumen an, aktive sadistische Fantasien hat etwa ein Viertel.

Die Rolle der vermeintlichen Sadistin

Es mag durchaus ein, dass eine Frau, die sich in die Rolle der erotischen Sadistin begibt, diese Rolle verinnerlichen kann. In diesen Fällen könnte sie die Macht über ihre vermeintlichen „Opfer“ durchaus genießen. Wie war das noch? Das Selbstwertgefühl mancher Menschen steigt offenbar dann an, wenn sie es schaffen, andere zu erniedrigen.

Doch eine Rolle ist eine Rolle, ist eine Rolle. Fällt sie von den Frauen ab, die sie spielen, so kleben sie wieder an der Realität. Und die ist oft nicht so rosig, wie es uns die Domina-Webseiten vermitteln wollen. Denn nach der „Sitzung“ erwartet die Domina, sei sie als Amateurin oder beruflich unterwegs, ein Leben, in dem Sadismus keinen Platz hat.

Zitate:

Wikipedia zu Bathory.
Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis, Printausgabe.
Sigrun Roßmanith, in einem Interview mit Vice sowie aus verschiedenen Untersuchungen.
Psychosoziale Gesundheit, wissenschaftliche Abhandlung (pdf) .

Weiblich geführte Beziehungen - wie ein Begriff aufkam und versank

Was würdest du für ein Leckerli tun?
Die „weiblich geführte Beziehung“, englisch auch „Female Led Relationship“ genannt, war lange Zeit ein Lieblingsthema bestimmter Blogs.

Was ist FLR aus der Sicht der Autoren?

Worum ging es dabei? Moderat ausgedrückt, wollen es die Protagonistinnen so sehen (1):

Eine Form des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau, in der die Frau die Gestaltungshoheit über zentrale Punkte der Partnerschaft an sich und das Ausleben der gemeinsamen Sexualität hat.

Diese verklausulierte Definition verschweigt, dass es im Wesentlichen darum ging, den Mann über seine ungestüme Sexualität zu beherrschen, oder in verkürzter Form (2).

Hast du den Mann beim Schwanz, hast du ihn ganz.

Dabei wurden Methoden propagiert, die bereits bewährt waren. Zunächst wurde der Preis für den Geschlechtsakt schrittweise erhöht: Die Frau machte den Zugang zu ihren Genitalien vom Wohlverhalten des Mannes abhängig, oder einfach: Sie ließ ihn nur noch „ran“, wenn er brav war. Sodann wurden andere Strafen oder Einschränkungen der Freiheit eingeführt, die den Mann ans Haus banden. Schließlich wurden „Keuschheitsgeschirre“ für Männer propagiert, die zufällige Erektionen, Masturbation und Fremdgehen verhindern sollten. Zusätzlich wurde angeregt, Männer auf unterschidliche Arten zu bestrafen, wenn das Lockmittel „Muschigenuss“ nicht mehr zur Disziplinierung ausreichte.

Keuschhaltung und andere FLR-Mythen

Den moderaten Erklärungspfad verlassend, schreibt beispielsweise VICE (3), was tatsächlich dahintersteht: Eine Beziehung, die durch BDSM-Ideologie geprägt wird:

Bei Nichteinhalten der vereinbarten Regeln und Pflichten ist zum Beispiel körperliche Züchtigung wie etwa Spanking, aber auch Keuschhaltung, Orgasmus-Kontrolle … oder die Verweigerung von Geschlechtsverkehr bei gleichzeitiger Einforderung sexueller Dienstleistungen seitens der Frau denkbar.

Mit der „Keuschhaltung“ des Mannes wurde mancher weibliche Nerv getroffen und manche dominante Fantasie freigesetzt – vor allem aber witterten die Hersteller „männlicher Keuschheitsgeschirre“ Morgenluft. Sie wurden massenhaft hergestellt, bestanden aus billigem Kunststoff, und wurden damals zu horrend hohen Preisen verkauft. Heute sind sie eher preiswert (etwa 12 Euro) und werden auch außerhalb von FLR-Beziehungen als Sex-Toys eingesetzt.

Lexika halten dne Begriff "FLR" für willkürlich

Männliche Untewerfuings-Fantasien sind keine Realitäten
Die offiziellen Lexika, unter anderem sogar Wikipedia, haben die einseitigen und ideologisch geprägten Definitionen längst aufgegeben. Wer im deutschen Wikipedia nach der „FLR“ sucht landet bei der „Female Supremacy“, abgekürzt „Femdom“, und ist damit bereits mitten in der BDSM-Szene. Im englischen Wikipedia kommt man über einen Zwischenschritt zu „Interpersonellen Beziehungen“ und damit weit ab von der Ideologie. Das von der Liebeszeitung betriebene „Lexikon der Lust“ deckte schon früh die Manipulation auf, die sich hinter dem Wort FLR verbirgt.

Die Hersrchaft durch Manipulation und "Machtumkehrung"

Kommen wir zum Kern: Das Gerede über „weiblich geführte Beziehungen“ ist schon deshalb zurückgegangen, weil Frauen heute nicht mehr durch Manipulation herrschen, sondern durch die eigene Macht, das eigene Einkommen und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Die „Umkehr der Macht“, die am Anfang mit Blick auf die Emanzipationsbewegung behauptet wurde, ist daher weitgehend uninteressant geworden. Wer die Beziehung auf welchen Teilgebieten führt, ist immer noch problematisch, wird aber meist zwischen den Partnern verhandelt.

Menschen herrschen auch jenseits von Manipulation

Trifft eine Frau auf einen eher unterwürfigen Mann, so wird sie ihre Macht auch ohne Manipulation und andere Hilfsmittel nutzen, um die eignen Interessen in den Vordergrund zu rücken. Das Gleiche trifft auch zu, wenn eine machtvolle Frau mit einer eher unterwürfigen Partnerin zusammenlebt.

Zweifel am Charakter der Frauen, die Sex gegen Wohlverhalten tauschen

Man kann durchaus sagen, dass eine Frau, die sexuelle und andere erotische Gefälligkeiten unmittelbar von Gegenleistungen abhängig macht, den Charakter einer Prostituierten hat. Selbst in Beziehungen, die deutlich „weiblich geführt“ werden, gilt dies als unseriös.

Das Fazit: FLR ist eine Idelogie - und manchmal ein Wunschtraum

Und insofern ist die „FLR“ heute eher ein Männertraum, der in Masturbationsfantasien gelebt wird, als die Realität, unter der Menschen tatsächlich leben wollen.

Was bleibt, ist dies: Der eher unterwürfige Mann, der eine schöne, begehrenswerte und in jeder Hinsicht erfolgreiche Frau hat, wird eher zurückstecken als eine Scheidung riskieren. Aber das hat im Grunde nichts mit einer „FLR“ zu tun.

(1) Steinhaus, Blog und Buch, auch in VICE.
(2) van Leuwen
(3) VICE

Bilder
Oben: aus "Die Prizessin Sonia" von Anonymous, ca. 1930.
Mitte: Lider konnte ich keine Quelle feststellen.

Warum sinnliche Unterwerfungen so beliebt sind

Auf die Knie, Mann!
Warum tun Menschen so etwas? Sich mal bewusst spielerisch, mal etwas ernsthafter einem anderen Menschen zu unterwerfen? Die Antworten die wir darauf erhalten, entstammen zumeist der forensischen Psychiatrie. Aus ihr beziehen wir Worte wie Masochismus, Sadismus und noch ein paar andere, die alle recht unangenehm klingen.

Unterwerfung jenseits der Psychiatrie

Doch eigentlich sollten wir davon reden, was Menschen in ihren Leben wollen, was sie von anderen erwarten und wie sie ihre Wünsche vorbringen und durchsetzen.

Dabei stellen wir schnell fest: Deutsche sind ausgesprochen Verantwortungsscheu, wenn es um die Führung der Mitmenschen geht. Ein namhaftes Institut stellte kürzlich fest, dass bestenfalls sieben Prozent der Mitarbeiter von Wirtschaftsunternehmen eine Führungsrolle anstrebten. Da heißt: in Deutschland ist nur einer von etwa 14 Mitarbeitern bereit ist, Führungsverantwortung zu tragen. Nun ist es nicht so, dass die anderen 13 „devot“ sind, und wir gehen davon aus, dass recht viele von ihnen in der Lage sind, sich selbst zu führen. Der verbleibende große Rest benötigt vermutlich Führung im Sinne von Anleitung.

Hilfreiche Psychologie: P-A-CH Modell

Auch aus einem Winkel der Psychologie finden wir Antworten: Im PACH-Modell von Eric Berne. Das Modell sagt uns, dass wir als Erwachsene sowohl den Idealzustand der freien, unabhängigen Person (A) praktizieren als auch zwei andere Zustände: Die „Eltern-Haltung“ (P) und die Kinder-Haltung“ (CH).

Warum, um Himmels willen, sind wir nicht immer unabhängige Erwachsene, die stolz und selbstbewusst durchs Leben gehen? Die Antwort findet sich hier, etwas umgesetzt und gekürzt lautet sie so:

Als Kinder haben wir gelernt, vor allem ein Verhalten zu zeigen, auf das die Menschen unserer Umgebung mit positiver Beachtung reagieren. Als Erwachsene aktivieren wir dieses Verhalten, sobald wir unsicher oder erschöpft sind und glauben, durch Wohlverhalten (und manchmal auch durch das Gegenteil) Zuwendung zu bekommen.

Durch dieses Verhalten manipulieren wir aber auch unsere Umgebung, sich „nach Elternart“ zu verhalten, also zu trösten, zu raten oder auch mal scharf zu intervenieren. Je nachdem, ob wir (und die anderen) dieses Verhalten als Spiel erkennen oder nicht, können beide Rollen lustvoll sein.

Das Spiel damit, schuldlos zu sein

Unterwerfung - auf Knien, der Blick nach oben gerichtet
Wenn wir nun diese Aussage mit dem zuvor gesagten kombinieren, dann fällt uns wie Schuppen von den Augen, was eigentlich alle wissen: Als Erwachsener ein Kind zu spielen, ist zumeist sicher und oftmals lustvoll. Wer es tut, gibt die Verabtwortung für die Dauer des Spiels „an der Garderobe ab“. Und wir haben nun auch schon erfahren, wer wen manipuliert: Meist ist es der Mensch, der gerade sein Kindheits-Ich pflegt.

Die Begriffe der heutigen Zeit sind im Grunde pseudowissenschaftlich. Wer die „Erzieher- oder Elternrolle spielt“ ist weit entfernt vom Marquis de Sade, und auf keinen Fall ein Sadist. Und so schräg die Ansichten des Herrn Sacher-Masoch auch gewesen sein mögen – ihm im Spiel zu folgen ist kein Masochismus.

Im Traum ist mehr als die Hälfte der Menscheit erotisch unterwürfig

Zahlen sind immer hilfreich. Im erotischen Bereich weiß man sehr genau, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der von erotischer Unterwerfung träumt und wie stark der Anteil derjenigen, die dominieren wollen. Es sind etwa 65 Prozent der Frauen und gegen 53 Prozent der Männer. Bei jenen, die von Dominanz träumen, sind es 47 Prozent der Frauen und etwa 60 Prozent der Männer. Damit ihr nicht vom Hocker fallt: Das heißt nicht, dass es die Befragten wirklich tun – aber sie haben erotische Fantasievorstellungen, in denen Dominanz und Unterwerfung vorkommen.

Die Frage, welche Spiele bevorzugt würden, wenn die Wünsche Realität wären, liegt ebenfalls nicht im Dunkel. Sich fesseln zu lassen und sich dadurch der lustvollen Willkür des Partners auszusetzen, ist als Fantasie bei Frauen und Männern etwa zu gleichen Teilen verbreitet. (Frauen 52 %, Männer 46 %).

Zwischen der Wunschwelt und der Realität klafft eine Lücke: Nur wenige der sinnlichen Fantasien werden in die Tat umgesetzt. Wer nur die Zahlen wälzt, wird es nicht verstehen – wir müssen zurück zum PATCH-Modell.

Warum eine reale lustvolle Unterwerfung schwierig ist
Weder Fesseln noch Peitschen - eine simple Unterwerfung

Wir haben gesehen, dass „Führung in Verantwortung“ unbeliebt ist. Und wir können durchaus annehmen, dass es nicht viele Menschen gibt, die sich „Elternrollen“ gegenüber Erwachsenen wünschen. Es reicht ja nicht, sich einfach zurückfallen zu lassen und zu sagen: „Mal sehen, was passieren wird.“ Nein, es ist eine Verantwortung besonderer Art, und sie kostet viel Überwindung. Vergleichbar ist dies bestenfalls mit einem Ausbilder von Soldaten oder Leistungssportlern: Der andere leidet, und du sorgst dafür, dass er noch mehr leidet, bis er an seine Grenzen kommt. Jeder zivilisierte, gesunde Mensch, ob Frau oder Mann, hasst die Forderung, andere zu zwingen, zu quälen, zu schlagen oder zu erniedrigen. Aus diesem Grund vermeiden Menschen zumeist, dominante Rollen anzunehmen, in denen sie extreme Handlungen durchführen sollen.

Unterwüfige Menschen haben die leichtere Rolle

Im Gegensatz dazu ist die Rolle des manipulativen, spielerisch veranlagten Menschen in der Unterwerfung sehr einfach – er genießt das Glück der Geborgenheit, die Lust, für nichts verantwortlich zu sein und manchmal auch die Genugtuung, dass Fehler gesühnt werden. Selbstverständlich ist das kein „Lebensentwurf - – es bleibt ein Spiel, aber es verschafft dem Spieler Erleichterung.

Möglicherweise konnte ich euch ein wenig beruhigen, falls ihr ähnlich träumt oder ihr euch nach Unterwerfung sehnt. Es ist menschlich. Es ist ein Spiel, und es kann sehr entspannend sein.

Zugleich könnten meine Worte erklären, warum die erotische Strafe nach wie vor beliebt ist – der Spieler, der nach ihr giert, bekommt die volle und ungeteilte Aufmerksamkeit. Das mag euch absonderlich erscheinen, aber die Wege zur Erfüllung der Wonne sind nicht gradlinig. Wären sie es, so würden wie niemals miteinander spielen – und das wäre am Ende schon ziemlich langweilig.

Quellen:

"DER SPIEGEL" Zur Frage der Führungspersönlichkeiten.
Psychologische erläuterungen zu P-A-CH (El-Er-K).
Zahlen udn weitere Fakten: What Exactly Is an Unusual Sexual Fantasy?
Christian C. Joyal, PhD, Amélie Cossette, BSc, and Vanessa Lapierre, BSc, Department of Psychology, Université du Québec à Trois-Rivières, Trois-Rivières, Québec, Canada; Philippe-Pinel, Institute of Montreal, Montreal, Québec, Canada.



Bilder:

Oben: Anoynme Zeichnung, 1930er Jahre.
Mitte: Devote Frau, Künstlerdarstellung.
Unten Liebespaar, anonym, er devot, nachkoloriert.

Das Bi-Geheimnis heterosexueller Männer

Wenn du in beide Richtungen schaust ... aber nur in eine fahren willst ...
Bi-Sexualität wird allgemein belächelt, oftmals geächtet und fast immer mit dem aktiven sexuellen Interesse an beiden Geschlechtern beschrieben.

Viel wissen es anders – besonders die Frauen, zu denen ganz gewöhnliche Hetero-Männer kommen, um ihre Bi-Fantasien auszuleben. Die meisten dieser Männer werden niemals einen Mann küssen, und weder oral noch anal mit ihm verkehren. Aktiv nicht, und passiv auch nicht.

Es handelt sich um eine reine Psycho-Sache“, weiß eine der Frauen, die darüber geschrieben haben, und weiter:

Wenn der Hetero-Mann ein Bi-Erlebnis will, reicht ihm oft die Illusion, es auch vollzogen zu haben. Normalerweise sind es starke, mächtige Männer, die einmal erleben wollen, wie schamvoll es ist, sich einem anderen Menschen völlig hinzugeben. Und weil es auf gar keinen Fall ein Mann sein darf, mit dem sie dies verwirklichen wollen, tritt eine Frau an seine Stelle.

Vielleicht fragt ihr nun: „Aber – fehlt Frauen nicht das, was einen Mann ausmacht?“

Das, was Frauen fehlt, wird durch das ersetzt, was es im Versandhandel zu kaufen gibt: abschreckende, voluminöse und geäderte Dildos auf der einen Seite, P-Punkt-Dildos auf der anderen, dazu Strap-on-Geschirre aller Art.

Der Weg über Unterwerfung und Ekel zur Erleichterung

Über die Anwendung lassen wir uns hier besser nicht zu ausführlich aus. Jedenfalls dienen die geäderten Exemplare dazu, den Mann auf die niedrigste Stufe der Unterwerfung zu befördern, die zudem wenig Freude bereitet. Sie dient vor allem dazu, die perfekte Demut einzuüben. Denn die Position, in der es Frauen angeblich „gerne“ tun, ist ausgesprochen unangenehm und forderte dem Besucher allerlei ab. Es gibt durchaus Männer, die sich zunächst ekeln, wenn sie erleben, wie die Angelegenheit „praktisch“ aussieht. Vergessen wir nicht: Es handelt sich nicht um eine reale Situation, sondern um ein Rollenspiel.

Die anderen Exemplare erzeugen bei Männern eine Mischung aus Furcht, Demut und einer neuen Lusterfahrung, die sie zunächst befremdet. Das allerdings sind nur die körperlichen und die unmittelbaren emotionalen Effekte.

Reden wir noch ein wenig über den Psychoeffekt.

Wir haben schon herausgefunden, dass es sich um einen Effekt der extremen Unterwerfung handelt, der zugleich mit einem enormen Vertrauensbeweis verbunden ist. Wenn das herauskommt, was der Mann da tut, dann qualmt die Lunte. Die Gesellschaft toleriert eventuell, wenn sich jemand das Gesäß röten lässt, aber die Pseudo-Bi-Erfahrung kanzelt sie als Perversion ab.

Die gefühlte Therapeutin

Die Frauen, die solche Prozeduren ausführen, halten sich für Therapeuten. Sie sagen, dass es für die Männer befreiend ist, ähnlich einer Beichte oder einer Erziehungsszene. Zugleich würden derartige Handlungen eine Intimität zwischen der Domina und ihrem Kunden erzeugen, die durch kaum etwas zu übertreffen sei. Um es mit einem modernen Wort zu sagen: Diese Prozeduren wirken nachhaltig, weil die Erinnerung an sie immer wieder zurückkommt.

Woran sich Männer wirklich erinnern

In diesem Zusammenhang wird ein Prinzip deutlich. Männer erinnern sich gerne und leidenschaftlich an Frauen, mit denen sie etwas absolut Ungewöhnliches oder etwas Berauschendes erlebt haben, das weit über sexuelle Alltagserlebnisse hinausgeht. Es spielt nahezu keine Rolle, welcher Natur dies Erlebnis war, solange es nur erregend genug war.

Nur Hetreo-Männer erleben das Rollenspiel mit allen Nuancen

Eine der Frauen, die sich zum Thema äußerten, sagte recht deutlich, dass es sich nahezu ausschließlich um „waschechte“ Hetero-Männer handeln würde, die solche Dienstleistungen in Anspruch nähmen. Denn (nicht-wörtliches Zitat):

Der Kunde nimmt dabei teil an einem Rollenspiel, das so geht: Er ist in jeder Hinsicht „hetero“, und die dominante Frau muss ihn „überzeugen“, dass er in Wahrheit bisexuell ist. Da er dies vehement verneint, „beweist“ die Frau dem Mann, dass er eine „schwule Seite“ hat. Damit ist die Spielgrundlage gelegt.

Was immer ihr über das Thema denkt – es ist ein Spiel. Und nicht nur für professionelle „Herrinnen“. Auch manche Lebenspartnerin hat bereits entdeckt, dass ein Strap-on-Gurt Zauberkräfte entwickeln kann …

Und obgleich das Thema „unheimlich heiß“ ist und recht ehrenrührig für den Mann, ist es nicht mit so vielen Vorverurteilungen besetzt wie die verschiedenen Rollenspiele um Feminisierung und Sissys.

Der Artikel beruht auf Internet-Recherchen. Objektivität kann in diesem Fall weder erwartet noch gewährleistet werden. Alle Zitate wurden sprachlich an ein Publikum angepasst, das sich nicht in der Szene befindet.

Lust, Macht, Geld und Nöte – wie S/M in Verruf geraten kann

Nicht jede SM- Beziehung beruht auf Lust ...
"Lust, Macht, Geld und Nöte – wie S/M in Verruf geraten kann?" ist der vierte und letzte Teil eines mehrteiligen Beitrags zum Thema.

Jenseits der Vorurteile - ein dünner Partnermarkt und viele Hoffnungen

Wir haben im vorausgegangenen Teil gehört, dass wir ziemlich viele Vorurteile beiseiteschieben können: Tendenziell submissive Frauen bieten sich weder häufig als unterwürfig an, noch streben dominante Männer ausschließlich danach, Frauen zu beherrschen. Dennoch, auch das haben wir gehört, sei der Markt nicht ausgewogen. Nach wie vor gäbe es viel mehr unterwürfige Frauen und Männer, die eine Beziehung im S/M-Bereich suchen, aber dabei leer ausgehen.

Überraschend ist dies nicht. Wer auf den Pfaden der Unterwerfung wandeln möchte, sucht überwiegend erfahrene Menschen, die sich daran nicht bereichern wollen. Gerade diese Personen werden aber mit Angeboten überhäuft. Die meisten Wünsche können also im „privaten Bereich“ nicht erfüllt werden.

Das Zwielicht: Kontakte gegen Geld

Auf der Angebotsseite verbleiben dann für Männer erfahrene kommerzielle Anbieterinnen, sogenannte „Dominas“, die normalerweise verlässlich sind. Hinzu kommen gewöhnliche Prostituierte, die auch ein paar S/M-Rollen im Angebot haben – ihnen mangelt es oft an Erfahrung und an „Einfühlungsvermögen“, wie wir hörten. Auf der Seite fragwürdiger Angebote stehen aber vor allem Freizeit-Dominas, Trickserinnen, Betrügerinnen und Erpresserinnen.

Frauen sind besonders gefährdet

Für Frauen, die lustvoll unterworfen werden wollen, ist das Angebot deutlich geringer – sie müssen sich vor allem vor „echten Sadisten“ fürchten, aber auch vor anderen fragwürdigen Gestalten, die darauf aus sind, ihre Macht zu missbrauchen, unter ihnen viele Narzissten. Aus diesem Grunde suchen einige dieser Frauen ihr Glück bei den gleichen Frauen, die auch Männer „behandeln“. Dieser Weg gilt als ungefährlicher.

Warum die Sache mit den Beziehungen so hakelig ist

Die Frage nach den Möglichkeiten, Risiken und Chancen lässt sich aber auch ganz anders beantworten. Natürliche Dominanz und der Wunsch, die damit verbundene Macht auch einzusetzen und in Unterwerfung zu verwandeln, ist selten. Im Gegensatz dazu ist natürliche Unterwerfung ein alltägliches und mithin natürliches Geschehen, das in der Evolution fest verankert ist. In der Praxis gibt die/der Unterwürfige aber die Macht bewusst ab – mindestens während des Rollenspiels. Und genau dieser Wunsch tritt häufig auf, besonders bei gestressten Managerinnen oder Managern. Das heiß vereinfacht: Kaum eine dominante Persönlichkeit bietet sich für sexuelle Rollenspiele an.

Die Forscher im S/M-Bereich warnen dabei vor allem vor sogenannten „Sklavenverträgen“, die seit den „Shades of Grey“ in aller Munde sind. Dabei sind solche „Verträge“ gemeint, zu denen Unterwürfige genötigt werden. Diese Verträge sind ausgesprochen gefährlich, denn,

Täter und Täterinnen können solche Arrangements ausnutzen, um ihre Missbrauchsneigungen oder - vorhaben zu legitimieren oder anderweitig dafür Unterstützung zu finden..


Viele Frauen und Männer ziehen ohnehin vor, ihre S/M-Neigungen von ihrem Alltagsleben abzugrenzen und sie an einen anderen Ort zu verlegen. Dann wird ein Wochenende eingeplant, etwa so (1):

Für mich kommt nicht infrage, meine submissiven Neigungen in einer festen Beziehung auszuleben. Mein Alltag ließe das nicht zu – werde mein sozialer Status noch meine an sich stabilen Emotionen. Aber wenn dich die Neigung spüre, wird sie immer dringlicher. Dann unterwerfe ich mich einem Herrn, dem ich vertrauen kann. Möglichst weit weg von meinem Wohnort – und ich bemühe mich, die Spuren zu verwischen, die ich dabei hinterlasse. Die Spuren auf meinem Körper? Ich gehe nicht in die Sauna, schwimmen oder an den Strand …


Dating im S/M-Bereich – ein Zwischenbefund

Im Allgemeinen sind die Bedürfnisse der „nicht-getriebenen“ Partnersuchenden nicht so groß, dass sie S/M in den Vordergrund stellen. Jedoch hört man immer wieder, dass die Freude an „leichtem S/M“ heute bereits ein Plus bei der Partnersuche ist. Es ist also durchaus möglich, das sexuelle Spektrum mit „ganz gewöhnlichen Menschen“ auf S/M-Rollenspiele zu erweitern.

Klare Ansage: Außer in Singlebörsen, die sich auf S/M spezialisiert haben, gibt es kaum Menschen, die „mit der S/M-Tür“ ins Haus fallen. Tun sie dies dennoch, so sollten die Alarmglocken läuten. Jeder, der seriös über S/M schreibt, rät zur Vorsicht – insbesondere vor „echten Sadisten/Sadistinnen) und krankhaften Narzissten/Narzisstinnen.

Aber es lohnt sich aus einem anderen Grund, sich mit den eignen Möglichkeiten und Grenzen zu beschäftigen. Denn die Vorstellung, die Lüste zu erweitern ist bekannt: Die heimliche Lust am S/M Abenteuer liegt bei Frauen zwischen etwa einem Drittel bis zu zwei Dritteln, bei Männern zwischen 20 und 60 Prozent. Das sollte jedem zu denken geben, der sich sagt: „Ich werde niemals zulassen, dass…“. Denn wie schon gesagt: In Beziehung erweitern sich die Toleranzen – und die Angst, bloßgestellt zu werden, vergeht.

Teile dieses Beitrags wurden von Zitaten aus "Vice" inspiriert. (1) Ein Zitat wurde als anonym aus einem Forum übernommen, auf das wir nicht verlinken können Das Bild wurde aus einem historischen Werk entnommen und farblich etwas korrigiert.